BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201626. Dez. 2021 · #41
15. September: Elefantentag
Wir bleiben erneut in Buffalo Springs. Livingstone möchte diesen Part des Schutzgebiets quasi zu Ende bringen, bevor wir uns in den nächsten Tagen Samburu auf der anderen Seite des Flusses vornehmen.
Die Nacht war wieder sehr heiß, aber dennoch viel besser als die vorangegangene, weil mich kein Moskito quälte. So kurz erst hier, sind wir schon wieder voll im Afrika-Rhythmus: früh schlafen, früh aufstehen, und trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - in Hochstimmung. Die Safari-Routine ist schnell wieder da und eigentümlich vertraut, auch wenn die Szenerie auf beinahe jeder Reise wechselt.
Ein Kaffee, ein Tee, auch das wie gehabt, dann fahren wir wie am Vorabend in Richtung des Sumpfgebiets, wo im selben Busch dasselbe hübsche Bee-eater-Pärchen hockt. So weit, so gewohnt, doch dann biegen wir hügelaufwärts ab und betreten Neuland.
Szenenwechsel. Eine ausgedörrte Savanne inmitten lang erloschener Vulkane, dazwischen Akazien und immer wieder Tiere. Eine urzeitliche Landschaft, wunderschön und der Inbegriff von Afrika, wie ich es mir als Kind der TV-Generation Grzimek und Sielmann vorgestellt habe.
Nur zu Beginn treffen wir auf wenige Autos, einige Löwen sollen am Vortag im Dickicht gesichtet worden sein. An diesem Morgen haben sie sich noch nicht gezeigt, doch Livingstone entdeckt schließlich die gut verborgenen Katzen, von denen aber so gut wie nichts zu sehen ist. Zügig fahren wir weiter.
Nun begegnet uns niemand mehr. Zumindest kein Mensch. Auch nicht an den Buffalo Springs, die die Einheimischen manchmal zum Baden nutzen.
Von Weitem beobachten wir einen einzelnen Elefantenbullen. Er steuert direkt auf uns zu und pflückt währenddessen zielgerichtet sämtliche Vogelnester aus den Bäumen, an die er heranreicht. Ich hoffe inständig, dass sämtliche Bewohner längst ausgeflogen sind. 😣
Stundenlang rumpeln wir über steinige Pfade, dann landen wir wieder am Fluss. Auf beiden Seiten haben sich Elefanten versammelt, sie ignorieren uns und wir können sie in aller Ruhe bei ihren täglichen Geschäften beobachten.
Besonders begehrt ist ein Schlammloch. Friedlich warten die grauen Riesen, bis sie an der Reihe sind,...
...und wechseln ihre Farben mit der Morgentoilette vom tristen mausgrau zum trendigen rot-braun.
Auch diese Giraffe ist ein Fashion-Victim. Sie hat das klassische Netzmuster mit modischen Sprenklern aufgepeppt.
Direkt am Fluss, im Schatten der Doumpalmen, frühstücken wir. Beobachten dabei weiter die Elefanten, die uns in allen Richtungen umgeben. Wieder so ein perfekter Afrika-Moment. Ein Fest für alle Sinne - und die Seele.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201626. Dez. 2021 · #42
Fortsetzung 15. September
Zurück im Camp, haben die Paviane kurzerhand das Regiment übernommen. Ganze Scharen sitzen in den Bäumen und im Gras. Scheinbar friedlich. Doch als wir - aus vermeintlich sicherer Distanz - Mutter und Kind direkt vor unserem Zelt fotografieren wollen, geht der Boss zum Angriff über. Stürmt auf mich zu, bleckt die Zähne und bremst erst kurz vor mir.
Nur eine Warnung. Aber die hat gesessen. Als Jugendliche hat mich ein Kampfhund ziemlich übel gebissen. Der Blick war ähnlich und ist unvergessen. Mit schlotternden Knien schließe ich die Tür auf und muss mich vor Schreck erst einmal setzen. Fortan halten wir nicht nur Abstand, sondern gehen auch zügig und ohne viel Aufhebens an den Dauerbewohnern vorbei. Auf diese Weise kommen wir gut miteinander aus.
Während des Mittagessens holt uns ein Camp-Mitarbeiter vom Tisch weg und an den Zaun. Am Fluss haben sich Elefanten versammelt und bieten eine tolle Show.
Fast eine Stunde dauert das Spektakel. Kaum haben sie sich im Wasser so richtig ausgetobt, versuchen die Kleinen, den Großen auf Schritt und Tritt alles nachzumachen. Es ist zu drollig.
Nicht immer klappt das mit dem Staubbad und dem Schubbern am Baum so routiniert wie bei den Erwachsenen. Die Balance ist alles andere als perfekt und der Rüssel führt auch irgendwie ein Eigenleben.
Als auch der letzte Nachzügler endlich aufgeschlossen hat, setzen sich die Elefanten gemächlich in Bewegung - und stoppen jäh. Zwei junge Samburu treiben eine große Herde Kühe in Richtung Fluss. Kühe und Elefanten, von Natur aus nicht gerade beste Freunde, verharren und starren sich gegenseitig an. Dann ziehen die einen in einem weiten Boden in die eine, die anderen in die andere Richtung. Eine Szene, die sehr zwiespältige Gefühle bei uns hinterlässt.
Der Nachmittag bringt einmal mehr schöne Sichtungen...
...darunter die nunmehr schon üblichen Verdächtigen wie Grevys und Grant-Gazellen, über die ich mich aber nach wie vor sehr freuen kann.
Auch einige Wolken ziehen auf, das Licht wird schlechter.
Doch die Hoffnungen auf den lang ersehnten Regen erfüllen sich nicht. "Maybe tomorrow", sagen sie im Camp, wie eigentlich jeden Tag. Doch kein Regen kommt, leider auch nicht in den Wochen darauf, wir haben noch mehrfach nachgefragt und müssen oft daran denken.
Enilorac65768 Beiträge · seit 201726. Dez. 2021 · #43
Puh, ich habe auch grossen Respekt vor den Pavianen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ich finde es ja spannend, dass die Tiere in Südafrika und Kenia zum Teil so anders aussehen. Ich weiss nicht warum, aber die südafrikanischen gefallen mir besser. Aber dies ist natürlich kein Grund nicht mal nach Kenia zu reisen 😉 Das würde mich schon auch reizen.
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
AUaustria174 Beiträge · seit 201227. Dez. 2021 · #44
Hallo Betti, soeben habe ich deinen RB entdeckt und mich sehr darüber gefreut. Das ist Genuss pur. Spitzenmäßige Fotos , ein Augenschmauß höchster Qualität und dein Schreibstil liest sich wie ein gutes Buch. Fantastisch. Ich danke fürs Mitnehmen. LG austria
RMrik m.608 Beiträge · seit 202027. Dez. 2021 · #45
Welche tolle Erlebnisse müssen das sein! Meine Favoriten unter all diesen beeindrucken Fotos sind der Elephantenbulle im Anmarsch ...4_1.jpg (12 of 24) und in einem späteren Beitrag der weite Blick auf den Fluss mit den Zebras im Vordergrund ...3_2.jpg (8 of 14).
Danke für den Bericht! Ich freue mich auf eine Fortsetzung!
ich bin ebenfalls ganz begeistert von Deinem Kenia-Bericht und den wundervollen Bildern. Da wünscht man sich direkt in die paradiesische Natur von Buffalo Springs/Samburu. Lieben Dank fürs Teilen Deiner Erlebnisse! Und das Bild mit den kleinen Servals ist wirklich genial. Zuckersüß die Beiden. Aber auch die badenden Elis und die Landschaftsaufnahmen mit verschiedenen Tieren am Fluss sind ein Traum. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Das versüßt doch sehr die Vorfreude auf meine Reise im Januar. Viele Grüße Tina
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201627. Dez. 2021 · #47
Hallo ihr Lieben,
hoffentlich hatten alle schöne Feiertage, die nächsten kommen ja zum Glück schon bald 🙂
Enilorac65 schrieb:Ich finde es ja spannend, dass die Tiere in Südafrika und Kenia zum Teil so anders aussehen. Ich weiss nicht warum, aber die südafrikanischen gefallen mir besser.
Hi Caroline, ich mag sie ja alle 🙂 . Muss allerdings sagen, dass ich die Grevys und die Netzgiraffen schon außergewöhnlich schön finde. Allerdings ist im südlichen Afrika - besonders in Namibia - meiner Erfahrung nach oft das Fotolicht besser, die Luft klarer. Vielleicht sehen sie auch deshalb oft besser aus (zumindest auf Bildern).
austria schrieb:Das ist Genuss pur. Spitzenmäßige Fotos , ein Augenschmauß höchster Qualität und dein Schreibstil liest sich wie ein gutes Buch. Fantastisch.
Wow, das liest sich übrigens auch sehr fantastisch, vielen lieben Dank! 😊 Und toll, dass du zugestiegen bist! Das gibt einen ordentlichen Motivationsschub, braucht man ja manchmal...
rik m. schrieb:Meine Favoriten unter all diesen beeindrucken Fotos sind der Elephantenbulle im Anmarsch ...4_1.jpg (12 of 24) und in einem späteren Beitrag der weite Blick auf den Fluss mit den Zebras im Vordergrund ...3_2.jpg (8 of 14).
Sehr gute Wahl 🙂 . Es kommt noch einiges und es ist ganz wunderbar, dass du auch dabei bist!
tina76 schrieb:Da wünscht man sich direkt in die paradiesische Natur von Buffalo Springs/Samburu.
Oh ja, da hätte ich jetzt auch nichts dagegen, dort zu sein...
tina76 schrieb:Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Das versüßt doch sehr die Vorfreude auf meine Reise im Januar.
Das freut mich, Tina! Wohin geht's denn?
Längst ist es mal wieder an der Zeit, allen Mitlesenden zu danken! Das ist das Salz in der Suppe und macht auch erst dann richtig Spaß. 😘
Viele liebe Grüße, später geht es hier weiter, Betti
Blende18.21'166 Beiträge · seit 201727. Dez. 2021 · #48
Ich hänge ein bissel nach, aber jetzt bin ich den wunderbaren Fotos nachgekommen, besser aber, da es sich so sehr mit unserer Safari-Einstellung deckt, gefällt mir dieser Kommentar: "Nothing is more boring than sleeping cats"
Mara würde ihn feiern, an nix will sie weniger stehen bleiben und schneller weiter als schlafende Katzen, in erster Linie Löwen. Es gibt doch so viel spannenderes, wie durch die Gegend springende Baumhörnchen zum Beispiel. 😉 😗
Eine uns ganz unbekannt Gegend, spannend von hinten im Auto zu sehen. 🙂
Beatnick schrieb: Das freut mich, Tina! Wohin geht's denn?
Hallo Betti, für uns geht es in knapp vier Wochen zwar nicht nach Kenia, aber dafür ins Nachbarland Uganda. Da hoffen wir, auch etwas tierische Foto-Ausbeute zu machen in verschiedenen Nationalparks. Aber dank Deines und auch der anderen tollen Berichte, die derzeit im Forum geschrieben werden, ist Kenia ganz nach oben auf die Wunschliste fürs nächste Mal Afrika gerutscht. Nun bin ich aber erstmal gespannt, was ihr noch alles im Samburu und dem Rest der Reise erlebt hat und natürlich auch auf die nächsten super schönen Bilder! 🙂
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. Dez. 2021 · #50
Good morning,
Blende18.2 schrieb:Es gibt doch so viel spannenderes, wie durch die Gegend springende Baumhörnchen zum Beispiel.
So isses, Robin 😉
tina76 schrieb:Für uns geht es in knapp vier Wochen zwar nicht nach Kenia, aber dafür ins Nachbarland Uganda. Da hoffen wir, auch etwas tierische Foto-Ausbeute zu machen in verschiedenen Nationalparks.
Ohhhh, toll! Das haben wir auch auf dem Zettel. Irgendwann. Freunde von uns waren sehr begeistert und die Fotoausbeute war enorm. Ich hoffe, du berichtest 🙂
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. Dez. 2021 · #51
16. September, vormittags: Samburu, Teil I
Am Morgen haben sich die Wolken verzogen, ohne dass auch nur ein einziges Tröpfchen herausgefallen wäre. Es ist ein Jammer. In der Nacht hat es dennoch wieder Antilopennachwuchs gegeben, die Ebene direkt an der Zufahrt zum Camp scheint eine beliebte Krippe zu sein.
Für mich erfüllt sich an diesem Tag ein großer Wunsch, denn wir fahren nach Samburu. Noch bis zum vergangenen Winter hätte das gerade einmal fünf Minuten gedauert, doch weil die Flut die nahe Brücke zerstört hat, müssen wir erst aus dem einen Gate heraus, dann auf der Hauptstraße den Fluss überqueren und schließlich auf der anderen Seite wieder durchs Gate nach Samburu hinein.
Die Strecke ist nicht nur ein erster Gamedrive,...
...sondern führt auch ein kleines Stückchen an den Dörfern der Samburu mit ihren flachen. kastenförmigen Hütten vorbei.
Nach gut einer halben Stunde erreichen wir das Gate zum Samburu Nationalreservat, dessen Wand ein Foto von Elsa ziert. Das ungewöhnliche Leben und Schicksal von Joy und George Adamson, die diese Löwin aufgezogen und schließlich ausgewildert haben, begegnet uns auf dieser Reise immer wieder. Das benachbarte Shaba-Nationalreservat, wo Joy Adamson am Ende lebte und leider auch gewaltsam zu Tode kam, werden wir allerdings nicht besuchen. Wir würden dort gerade in dieser Jahreszeit kaum etwas anderes als Kühe und Ziegen sehen, erläutert Livingstone, und das sind traurige Nachrichten. Weniger für mich, als vielmehr für die wilden Tiere.
Livingstones erklärtes Lieblingstier ist der Leopard. Schon in den vergangenen Tagen hat er intensiv danach Ausschau gehalten. Sie sollen in dieser Gegend ziemlich kooperativ sein, weil sie einst angefüttert wurden. Diese Tatsache haben die Katzen aber möglicherweise längst verdrängt und das ist auch gut so. Jedenfalls haben wir bislang bis auf den Rest einen Kills in einem Baum keine Spur von ihnen gefunden.
Ein Leopard geht natürlich immer, aber wir versichern Livingstone, auch ohne happy zu sein - zumal wir auf die Mara bauen. Ich ahne allerdings, dass es die Guides besonders reizt, einen Leoparden zu finden, der unberechenbar und damit eine besondere Herausforderung ist. Livingstone bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme.
Samburu unterscheidet sich landschaftlich nicht vom benachbarten Buffalo Springs. Die Perspektive wechselt jedoch, und das ist schön. Die Berge, auf die wir bislang geschaut haben, sind zudem näher gerückt und die dichten, immergrünen Büsche zahlreicher.
In solch ein Dickicht soll nun just ein Leopard verschwunden sein. Berichtet zumindest der Guide des Elephant Bedroom Camps, der mit seinen Gästen intensiv Ausschau hält. Vor allem deshalb, weil sich Gerenuks dem womöglich brandgefährlichen Gebüsch Schritt für Schritt nähern. Die beiden Kleinsten ducken sich ins vermeintlich sichere Gras, und die Spannung steigt.
Doch dem Männchen ist sichtlich nicht wohl bei der Sache. Langsam, aber sicher zieht die Familie geschlossen ab.
Ich finde es ja ganz gut, dass die Baby-Antilopen ungeschoren bleiben. Anders als Livingstone, der fortan nicht mehr von "Leoparden" spricht, sondern von "this spotted cat". Wenn sonst nichts hilft, hilft vielleicht Aberglaube.
Noch einmal davongekommen. 🙂
Wir fahren ein Stück in die Berge hinein und dann in einem weiten Bogen durch eine einsame Landschaft. Fast einsam zumindest, denn die Gegend ist fest in der Hand der allzeit emsigen Geierperlhühner.
Sie sind überall - und richten zum Glück keine Schäden an. Sonst wären sie längst zur Plage geworden.
Überhaupt sind es vor allem Vögel, die wir an diesem Morgen entdecken.
Wie diesen Rosy-patched bush Shrike. Zu Deutsch: rosiger Buschwurm.
Komischer Name für so einen hübschen Vogel. Und Akrobatik kann er auch.
Eine sandige Piste führt am Flussufer entlang. Die Lichtung, die Livingstone für unser Picknick auserkoren hat, ist leider schon besetzt. Die Paviane, gewohnt selbstbewusst, machen keinerlei Anstalten, ihre Pole Position zu räumen. Wir knicken ein. Treten den Rückzug beziehungsweise die Weiterfahrt an. Nicht erst seit meinem mittäglichen Erlebnis am Vortag weiß ich, dass es so besser ist...
Schließlich frühstücken wir ein Stück weiter flussaufwärts im Schatten der Palmen, aus denen ein vertrautes Krächzen klingt.
Die farbenprächtigen Rotbauchpapageien sind allerdings neu für uns und ich freue mich sehr über diese Sichtung.
Zurück in der offenen Savanne, verteilen Mitarbeiter vom Grevy's Zebra Trust Heu auf den abgegrasten Flächen, um die gefährdeten Tiere in der Dürre zu unterstützen.
Schon am späten Vormittag steht die heiße Luft. Diesen beiden geht es offensichtlich...
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. Dez. 2021 · #52
16. September, nachmittags: Relaxen mit Löwen
Mittags sind wir wie immer zurück im Camp. Bislang waren nur wenige Gäste da, nun gibt es einige Neuankömmlinge, darunter eine kleine amerikanische Gruppe. Zudem einige lebhafte Spanierinnen, die T-Shirts tragen mit der Aufschrift "The happy 50's" und von denen Livingstone meint, sie wären schon regelmäßig hergekommen, da waren sie noch die "happy 40's", sowie zwei ältere Herrschaften, von denen der eine vor vielen Jahren von Deutschland nach Kenia ausgewandert ist. Er redet gern und viel und erzählt allen und jedem, wie Afrika geht. Auch dem jungen schwarzafrikanischen Paar, das die beiden offenbar fährt.
Er fragt, wohin wir noch in Kenia reisen. "In die Mara", antworte ich, und er ist begeistert, kommt er doch gerade daher. Dann, mit schlecht gespielter Trauermiene: "Sie wissen aber schon, dass die Tiere dort jetzt alle weg sind. Wir haben die letzten gerade noch gesehen."
Ah, das beliebte Glück-gepachtet-Spiel. Wer hat mehr davon? I love it... 🤨 Natürlich meint er die Crossings, das ist mir klar. Aber ich mach' bewusst auf blond. "Waaaas, nicht ein einziges Vögelchen mehr für uns geblieben?", frage ich und tue mit ebenfalls schlecht gespielter Trauermiene baff erstaunt. Er fühlt sich wahrscheinlich veräppelt, und das soll er auch.
Am gegenüberliegenden Ufer, wo noch am Vortag Elefanten spielten, tummeln sich an diesem Mittag Kühe. Schon als wir vormittags durch Samburu fuhren, haben wir sie in einer riesigen Staubwolke hügelabwärts ziehen sehen. Wieder bin ich hin- und hergerissen, was genau ich davon halten soll. Wir versuchen, die gefühlten Fremdkörper zu ignorieren und gehen stattdessen auf Vogelpirsch im Garten, wo die Amerikanerinnen den viel zu stark gechlorten Pool für sich entdeckt und kurzerhand beschlagnahmt haben.
Um 16 Uhr klettern wir wieder ins Auto. Allesamt gewohnt motiviert, aber auch ein wenig träge. Livingstone fragt, ob wir in eine bestimmte Richtung wollen. Ich schlage die Route am Fluss vor, die mir besonders gut gefällt und sozusagen ums Eck liegt. Mehr im Spaß signalisiere ich, nunmehr bereit für Katzen zu sein.
Vielleicht sollte ich den Beruf wechseln. Irgendwas mit Glaskugeln, Kaffeesatz oder Handleserei. Denn tatsächlich kommen wir nicht weit. Im sandigen Flussbett tummeln sich zwei Löwen. Nur wenige Kilometer vom Camp entfernt an einem meiner längst erkorenen Lieblings-Aussichtsplätze.
Linkerhand entdecken wir drei weitere Exemplare, eine kleine Familie. Eine tolle Überraschung, die wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass sich der Himmel bewölkt hat und die Temperaturen erträglich sind. Das hat unserem Glück wohl auf die Sprünge geholfen.
Die Entscheidung ist schnell getroffen. Wir bleiben. Den ganzen Nachmittag. No matter what. Im schlimmsten Fall gibt's schlafende Löwen. Aber irgendwas ist ja eigentlich immer (woher kenne ich das nur...?!?).
Elefanten waten auf dem Weg nach Samburu durch den seichten Fluss,...
...und wo Wasser ist, sind auch Vögel nicht weit.
Den Löwenmann kann ich zunächst nicht zuordnen, weil ich die Mähne fehlt. Was an der heißen Gegend liegt, nicht an seiner Jugend.
Der kleine Löwe scheint ein Einzelkind zu sein, was sicher schade für ihn ist. Es muss hart sein für ein Löwenrudel, in dieser kargen Umgebung zu überleben.
Autos kommen und gehen, meist wird die Stille jedoch nur vom Niesen eines Krokodils in den Tümpeln vor uns unterbrochen (kein Scherz).
Mutter und Kind, bislang relativ weit entfernt, stehen schließlich auf, kommen näher und nun sind wir hellwach. Beide trinken ausgiebig und nicht weit von unserem Auto entfernt.
Ein toller Moment. Der Kleine ist ganz schön mager und ich hoffe, dass er ein gutes Leben haben wird.
Schließlich kommt Bewegung in das kleine Rudel,...
...und es bricht am Fluss entlang in die Nacht auf. Und genau das tun wir nach erfüllten Stunden an ein- und derselben Stelle nun auch.
was für tolle Löwenbilder!!! Der Kleine ist ja wirklich goldig und immer so dicht bei der Mama. Da wäre ich aber auch den ganzen Nachmittag stehen geblieben für. 🙂 Und die vielen verschiedenen Vogelarten in Samburo / Buffalo Springs finde ich faszinierend. Rosy-patched bush Shrike (drollig anzusehen) und Rotbauchpapagei waren mir z.B. völlig neu. Vielen Dank fürs Teilen und damit Horizent bei mir in dieser Richtung erweitern.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201630. Dez. 2021 · #54
Hi Tina,
tina76 schrieb:Der Kleine ist ja wirklich goldig und immer so dicht bei der Mama.
Ja, das war tatsächlich so. Ich vermute, mit Geschwistern wäre das etwas anders.
tina76 schrieb:Und die vielen verschiedenen Vogelarten in Samburo / Buffalo Springs finde ich faszinierend. Rosy-patched bush Shrike (drollig anzusehen) und Rotbauchpapagei waren mir z.B. völlig neu.
Mir auch 🙂
Hier ist noch das Weibchen dazu, es hat sich nicht ganz so in Pose geschmissen. 😉
Ich freue mich sehr, dass du weiterhin so interessiert dabei ist! Ich hoffe, ich schaffe heute noch ein Kapitel.
RMrik m.608 Beiträge · seit 202030. Dez. 2021 · #55
Beatnick schrieb:
tina76 schrieb:Der Kleine ist ja wirklich goldig und immer so dicht bei der Mama.
Ja, das war tatsächlich so. Ich vermute, mit Geschwistern wäre das etwas anders.
Wie verschmust er ist. Das Foto ..._11.jpg(15 of 18) zeigt das so schön! Apropos "er": er, der kleine Löwe? Oder er, weil Du erkannt hast, dass es ein männlicher Löwe ist? Was mich Laien hinsichtlich der Tierwelt verwundert ist, dass er so dünn ist, obwohl keine Geschwister da sind. Da müsste er doch neben der ganzen Mamaliebe sehr viel Nahrung abkriegen?
Liebe Bettina Wow ich freue mich sehr auf deinen RB und die wunderschönen Fotos. Wir kamen am 10.November von Kenia zurück wo wir auch Samburu und Masai, aber auch Amboseli, Meru und Lewa auf einer Flugsafari besuchten. Ich bin sehr gespannt auf deine/eure Meinung und Eindrücke. Liebs Grüessli Judith
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201630. Dez. 2021 · #57
Hallo ihr Lieben.
rik m. schrieb:Apropos "er": er, der kleine Löwe? Oder er, weil Du erkannt hast, dass es ein männlicher Löwe ist?
Hm, ich meine mich zu erinnern, dass es um einen Jungen ging und das auch erkennbar war, wenn du weißt, was ich meine 😎 . Auf einem Foto gebannt habe ich den schlagenden Beweis allerdings leider nicht...
rik m. schrieb:Was mich Laien hinsichtlich der Tierwelt verwundert ist, dass er so dünn ist, obwohl keine Geschwister da sind. Da müsste er doch neben der ganzen Mamaliebe sehr viel Nahrung abkriegen?
Ich bin da auch absolut keine Expertin. Aber ich denke wirklich, die Löwen in Samburu leben nicht gerade im Schlaraffenland. Wenn ich da an die kugelrunden Exemplare in der Mara denke, wo es ja auch in der sogenannten Trockenzeit immer wieder Regen gibt und Huftiere zuhauf... Die Mama fällt ja auch eher unter Size Zero, wenn man genau hinschaut. Es wird ja mutmaßlich Geschwister gegeben haben, aber sie haben es wohl leider nicht geschafft.
Malbec schrieb:Wir kamen am 10.November von Kenia zurück wo wir auch Samburu und Masai, aber auch Amboseli, Meru und Lewa auf einer Flugsafari besuchten.
Hi Judith, da freue ich mich aber, dass du auch an Bord bist! 🤪 Das ist wiederum auch sehr interessant für mich, weil wir nämlich - statt Südafrika - relativ kurzfristig wieder nach Kenia reisen. Diesmal ab 6. Januar Amboseli, die beiden Tsavos und Lewa Lumo Conservancy.
Malbec schrieb:Ich bin sehr gespannt auf deine/eure Meinung und Eindrücke.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201630. Dez. 2021 · #58
17. September, vormittags: Samburu, Teil II
Nach vier Nächten im Camp gehören wir schon fast zum Inventar. Wie sehr, werden wir am Abend erfahren.
Und täglich grüßt das ... Erdhörnchen. Allerdings nicht mehr lange, denn am nächsten Tag reißen wir unsere Zelte hier ab.
An unserem letzten vollen Tag in dieser schönen Gegend fahren wir morgens noch einmal nach Samburu.
Schon von Weitem sehen wir Elefanten von den Hügeln hinab zum Fluss ziehen. Weit und breit das einzige Auto, bringt uns Livingstone mit geübtem Blick in Position.
Lange müssen wir nicht warten. Auf leisen Sohlen und dabei erstaunlich schnell zieht die Gruppe direkt an uns vorbei.
Ein Mini-Eli, noch ganz rosa hinter den Ohren, hat keine Scheu und vor allem keine besondere Lust, in Reih und Glied zu marschieren.
Immer wieder setzt er zum Überholen an. Meistens wird er zur Ordnung gerufen,...
...aber nicht immer gelingt das.
Der Tag ist noch jung, das Licht gnädig. Stille und Stimmung sind perfekt, als die Elefanten den Fluss durchqueren - wohl einer der schönsten Momente dieser Reise.
Auch die Meerkatzen genießen das pralle Leben und veranstalten ein herrliches Affentheater.
Auf die Vogelwelt ist am Fluss ohnehin Verlass.
Der flauschige Pygmy Falcon...
... ist für uns ebenso eine Neusichtung...
...wie der Usambiro Barbet...,
...den wir fast mit seinem nahen Verwandten verwechselt hätten.
Wieder frühstücken wir am Steilufer mit Blick hinunter zu den Elefanten, die sich mittlerweile aus verschiedenen Himmelsrichtungen versammelt haben.
In den hohen alten Bäumen, die Flussufer und Savanne voneinander trennen, bewacht ein junger Kampfadler eifersüchtig einen Frankolin, den er frisch erbeutet hat.
Mein Blick fällt hinüber nach Buffalo Springs, und ich greife vorsorglich zum Fernglas. Doch ich täusche mich nicht: Hinter einer Umzäunung, die uns schon in den vergangenen Tagen aufgefallen ist, rennt ein Waterbuck hin und her. Aber wie nur ist er dort hineingelangt? Und wie kommt er bloß wieder heraus? Die Antwort bekommen wir am Nachmittag, und sie wird uns nicht gefallen.
Blende18.21'166 Beiträge · seit 201731. Dez. 2021 · #59
Hui, na mit dem Tag habe ich das Gefühl, jetzt wird richtig Schwung aufgenommen.
Kleiner Löwe ist ganz niedlich und so... ne ist er wirklich, aber mit dem kleinen Eli kriegst du mich! 😊 🙂
Schon das Bild vom Sonnenaufgang ist wie gemalt, Wahnsinn und auch der Pygmy Falcon ist ein Knaller.
Musste mir jetzt erstmal Karten von Samburu raussuchen um mich mal etwas orientieren zu können, jetzt habe ich einen besseren Eindruck von dem Gebiet und seiner Größe und kann eure Pirschfahrten besser nachvollziehen.
die Qualität Eurer Bilder und auch die Motivauswahl sind einfach fantastisch. Es macht großen Spaß den Bericht weiter zu verfolgen. 🙂 Unter anderem die Flauschigkeit des Pygmy Falcon kommt super rüber. Darf ich fragen, mit welcher Kamera bzw. Objektiven Ihr fotografiert?
Der Mini-Eli ist wirklich ein Knaller! Da kann ich Robin nur beipflichten. Einen so kleinen Eli sieht man selten. Man sieht das besonders auf dem Bild, wo er mit den anderen Elefanten den Fluss überquert. Die wirken wie Riesen neben ihm. Da habt Ihr wirklich Glück gehabt im Park mit dem Tiernachwuchs!
Und auch mit den vielen verschiedenen, ausgefallenen Vogelsichtigungen. Usambiro Barbet etc. Sehr spannend. So kann es jetzt gerne täglich weitergehen. 😉 Zumindest bis Ihr in ein paar Tagen wieder startet. Wie schön, dass es so schnell nochmal nach Kenia geht. Tolle Reise wünsche ich Euch! (Und hoffe nicht ganz uneigennützig, dass das dann erneut einen Bericht gibt.)