fotomatteThemenstarter2'515 Beiträge · seit 200914. März 2019 · #1
Hallo,
regelmässig liest man hier im Forum, speziell in Reiseberichten, von Regionen, wo riesige Flächen durch Holzkohlegewinnung angeblich devastiert werden. Dazu sollte man wissen, dass die Verbuschung weiter Teile Namibias, es kursieren Zahlen von über 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, erst durch die Farmerei mit viel zu hohem Tierbestand zu einem Problem geworden ist. Werden die einstmals wertvollen Grasflächen mit zu grossen Herden, speziell Rindern, oder zu lange beweidet, verschwinden die Gräser, und austriebsstarke Sträucher wie Schwarzdorn und Farbkätzchenstrauch, aber auch der aus dem südlichen Nordamerika importierte Prosopis, nehmen schnell überhand, denn sie werden nicht von den Rindern gefressen. Die Sträucher wachsen zusammen, das engt den Lebensraum durch Nährstoff- und Lichtentzug weiter ein. Schon länger versuchen Farmer dieser Verbuschung durch verschiedene Massnahmen Herr zu werden, meistens mit Gift ( Wuchsstoffen ) oder mit der Planierraupe manuell. Beide Methoden sind teuer und/oder wenig effizient.
Mittlerweile versucht man dem Problem dadurch bei zukommen, dass Wanderarbeiter die Farmen von dem unerwünschten Bewuchs befreien und das gerodete Material verkohlen. So haben die Arbeiter erstmal einen Job und können die Kohle verkaufen, während die Farmer wertvolle Weideflächen zurück gewinnen. Diese Projekte sind übrigens gerne von deutschen Stellen ( GIZ ) oder der EU angestossen worden.
Auch wenn die befreiten Flächen erstmal wenig ansprechend aussehen mögen, spätestens nach dem ersten Regen, wenn hoffentlich wieder grünes Gras spriesst, zeigt sich das Land in einem völlig neuen Kleid.
Vielleicht überdenken ein paar Fomis ihre Entrüstung nochmal. Ich finde diese Art Landrückgewinnung jedenfalls besser als den Einsatz von grundwasserschädlichen Substanzen.
sehr wahr was Du schreibst. Das entbuschte Material wird aber seit längerem schon nicht mehr nur für Holzkohle genutzt. So treibt Ohorongo-Zement bei Otavi damit ein kleines Kraftwerk an und ein deutsch-namibisches Unternehmen ist gerade mit dem Aufbau einer Infrastruktur zur weiteren Nutzung beschäftigt (Tierfutter, Spanplatten etc). Ist ein hoch spannendes Thema was federführend, wie Du richtig schreibst, von der GIZ begleitet/finanziert wird. Da könnten die sogar mal ein sinnvolles Projekt auf die Beine stellen 😉
Viele Grüße aus WIndhoek Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Daxiang5'049 Beiträge · seit 201414. März 2019 · #3
Hi Matthias,
da hast du vollkommen recht. Es ist enorm, wie die entbuschten Flächen nach dem Regen aussehen. Es gibt aber auch noch eine andere Methode, der Verbuschung Herr zu werden. Die ist allerdings nur für Farmen, die mit "schwerem Gerät" zu erreichen sind geeignet. Wir haben das uns auf Teufelsbach angeschaut. In der AZ gab es darüber auch einen Bericht.
Topobär5'479 Beiträge · seit 200914. März 2019 · #4
Hallo Matthias,
ich weiß nicht, ob Du Dich auf das aktuelle Kapitel in meinem Reisebericht beziehst, fühle mich aber mal angesprochen.
Das Problem der Verbuschung in Namibia ist mir bekannt und auch die verschiedenen Wege dagegen vorzugehen. Bei den angeprangerten gerodeten Flächen gehe ich aber nicht davon aus, dass es sich dort nicht um befreite verbuschte Flächen handelt. Betroffen war das Flussbett des Auob. Dieses zeichnet sich in seinen intakten Bereichen durch einen reichen Baumbestand und wenige Büsche aus. In den gerodeten Flächen standen auch jede Menge verkohlte Baumstämme die auf große Bäume hinwiesen, die hier einst gestanden haben.
Der Verlust alter Baumbestände ist eine weitere Ursache für Verbuschung, denn auf den neu entstandenen freien Flächen hat das Buschwerk wesentlich bessere Bedingungen als unter dem alten Baumbestand.
ich weiß nicht, ob Du Dich auf das aktuelle Kapitel in meinem Reisebericht beziehst, fühle mich aber mal angesprochen.
Das Problem der Verbuschung in Namibia ist mir bekannt und auch die verschiedenen Wege dagegen vorzugehen. Bei den angeprangerten gerodeten Flächen gehe ich aber nicht davon aus, dass es sich dort nicht um befreite verbuschte Flächen handelt. Betroffen war das Flussbett des Auob. Dieses zeichnet sich in seinen intakten Bereichen durch einen reichen Baumbestand und wenige Büsche aus. In den gerodeten Flächen standen auch jede Menge verkohlte Baumstämme die auf große Bäume hinwiesen, die hier einst gestanden haben.
Der Verlust alter Baumbestände ist eine weitere Ursache für Verbuschung, denn auf den neu entstandenen freien Flächen hat das Buschwerk wesentlich bessere Bedingungen als unter dem alten Baumbestand.
Alles Gute Thomas
Hallo Matthias,
wenn ich den Post von Thomas lese habe ich ein Dejavue! Auch ich habe im Oktober letzten Jahres die Holzkohle-Produktion im Flussbett des Auob gesehen und im RB erwähnt. Das hatte für mich nicht wirklich was mit dem Problem der Verbuschung und deren Bekämpfung zu tuen. Da stand auf großen Flächen nichts mehr, von einigen Baumstümpfen einmal abgesehen (wie eben auf dem Foto von Thomas zu sehen ist). Und wenn ich mir noch einmal den Durchmesser der Stümpfe vor Augen führe, reden wir hier auch von Bäumen die viele Jahre da gestanden haben.
Gruß Markus
Kapstadt Namibia VicFalls 2012
Namibias Süden & KTP 2018
Cuba 2019
Eifel 2020
Ostfriesische Nordseeküste 2021
Schottland 2022
Australien 2023
Stockholm 2024
Dublin 2024
Edinburgh 2024
Al Andalus 2025
Und dieses Jahr noch Venedig, Athen und Edinburgh
genau das ist das Problem und macht die Entbuschung so schwierig. GEschützte Bäume, wie z.B. Kameldorn, dürfen/sollten dem natürlich eigentlich nicht zum Opfer fallen. Deshalb ist auch das weitflächige Besprühen von Buschland mit Gift aus der Mode gekommen. Gefällt/vergiftet sollen nur sogenannten "Invader" wie z.B. der Hakkibusch.
Viele Grüße aus Windhoek Christian
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fotomatteThemenstarter2'515 Beiträge · seit 200914. März 2019 · #8
Hallo Thomas,
ja, explizit dein Bericht hat letztlich den Anstoss für meinen Post gegeben, und ich wollte absichtlich nicht deinen Bericht kapern.
Zu den Fakten: ich kenne das Aob-Tal, sowohl diesseits wie jenseits der Landesgrenze. Im Bereich des KTP kann man sehen, wie das Aob-Tal ohne Nutztierbeweidung aussehen würde: einzelne, spärliche Kameldorne und sonst eben nur Grassavanne. Genau deshalb fahren ja auch viele Leute in den Park. Auf der Nam-Seite hat das Tal einmal genauso ausgesehen, vor Beginn der kommerziellen Farmerei. Nun war genau der Bereich, den dein Foto zeigt, komplett zugebuscht. Als ich dort vor fünf Jahren das erste Mal längs gefahren bin, war das noch so. Warum man nun die ganzen alten Bäume auch gleich gerodet hat, weiss ich nicht. Das ist sicher nicht zielführend, denn wo sollen später einmal die Weidetiere hier unterstehen tagsüber? Ich kenne Farmen, wo auch gerodet wurde, aber peinlich genau darüber gewacht wird, dass die Kameldorne stehen bleiben, eben als Schattenspender, aber auch als wertvoller Lieferant der als Tierfutter verwendeten Schoten.
Für viele Farmer lohnt sich die ganze Tierhaltung sowieso nicht mehr, die aktuelle Dürre wird das Ihre dazu tun. So haben viele Farmer ja schon umgeschwenkt und überlassen der heimischen Tierwelt die Flächen. Natürlich werden diese Bestände dann jagdlich genutzt. Das ist dann vielen Leuten wieder ein Dorn im Auge. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich persönlich sehe den Versuch, die Verbuschung wieder zurück zu drängen durchaus positiv, wenn es mit der Erkenntnis einhergeht, was die Ursachen dafür gewesen sind.
Auch wenn das Thema schon etwas älter ist, immer noch relevant. Bei der Verbuschung wird zwischen indigenen Arten (Swarthaak etc) und eingeschleppten Arten unterschieden. Im Süden entlang von Flussläufen breitet sich vor allem der aus Lateinamerika eingeschleppte Prosopis Baum aus. Diese Baumart saugt Flussläufe regelrecht trocken und wird u.a. in Südafrika am Orange River systematisch entfernt. Wenn im Auob Prosopis kahlgeschlagen wird, ist das keine Entwaldung und auch kein übermäßige Entbuschung. Der Baum hat sich dort schlicht invasiv angesiedelt und muss entfernt werden.
Topobär schrieb:Hallo Matthias,
ich weiß nicht, ob Du Dich auf das aktuelle Kapitel in meinem Reisebericht beziehst, fühle mich aber mal angesprochen.
Das Problem der Verbuschung in Namibia ist mir bekannt und auch die verschiedenen Wege dagegen vorzugehen. Bei den angeprangerten gerodeten Flächen gehe ich aber nicht davon aus, dass es sich dort nicht um befreite verbuschte Flächen handelt. Betroffen war das Flussbett des Auob. Dieses zeichnet sich in seinen intakten Bereichen durch einen reichen Baumbestand und wenige Büsche aus. In den gerodeten Flächen standen auch jede Menge verkohlte Baumstämme die auf große Bäume hinwiesen, die hier einst gestanden haben.
📎 069agerodetesAuobtal-2.jpg
Der Verlust alter Baumbestände ist eine weitere Ursache für Verbuschung, denn auf den neu entstandenen freien Flächen hat das Buschwerk wesentlich bessere Bedingungen als unter dem alten Baumbestand.
Alles Gute Thomas
Topobär5'479 Beiträge · seit 200912. Aug. 2020 · #10
Hallo Johannes,
wie wahrscheinlich ist es, dass ansonsten im Auob indigene Arten zu finden sind und in dem großflächig und radikal gerodeten Gebiet ausschließlich invasive Baumarten?
und ja, @Thomas, bei invasiven Arten ist das gar nicht so unwahrscheinlich, dass andere Arten zurück- oder gar verdrängt werden.
Wir haben bei uns in der Gegend ein paar Stellen, wo Leute mal ihre Gartenabfälle in Hecken in der Feldmark entsorgt haben ... dort wo Bambus oder japanischer Knöterich dabei waren, wächst an den immer größer werdenden Stellen kaum noch was anderes.
wen im Auob Fluss indigene Baumarten abgeholzt wurden, ist das ökologisch problematisch (Erosionsgehfahr) und wahrscheinlich illegal (das Abholzen von Busch/Baum benötigt eine Genehmigung der Forstbehörde). Anhand des Fotos ist natürlich nicht zu erkennen was genau abgeholzt wurde, aber da in der Gegend ein großes Problem mit der invasiven Ausbreitung von Prosopis besteht, ist es wahrscheinlich, dass es sich um diesen Baum gehandelt hat. Prosopis ist aggressiver als andere Baumarten und verdrängt diese. Im Zweifel hilft ein Anfrage bei der regionalen Forstebehörde, die im Nachhinein noch die Baumart bestimmen kann.
Viele Grüße, Johannes
freshy3'883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2020 · #13
Aufforstungsbemühungen vs. Kahlschlag wegen Holzkohle am Beispiel Kenias:
Dass einheimische Spezies von eingeschleppten verdrängt werden passiert leider sehr häufig! Ein gutes (schlechtes!) Beispiel hierfür sind der Tasmanische Tiger bzw. Teufel, der eine bereits ausgestorben, der andere auf dem besten Weg dorthin. Sie konnten/können sich einfach nicht gegen eingeschleppte Spezies wie Hund (dingo), Katze und Ratte behaupten!
Ich kann einfach nicht glauben, dass die Ärmsten der Armen sich von irgendwelchen Vorschriften die Abholzen verhindern sollen abhalten lassen wenn es da wenigstens ein wenig zu verdienen gibt! Denen kann man das auch nicht übel nehmen.....es ist ja mittlerweile hinreichend bekannt, dass Wohlstand wohl ein mächtiger, wenn nicht vielleicht sogar der einzige Weg zum ökologischen Handeln ist!
Liebe Grüsse, busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
freshy3'883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2020 · #15
Hallo busko, damit ich nicht falsch verstanden werde:
Ich habe nur den Bericht der Tagesschau weitergegeben, ohne mich in ein Für und Wider einmischen zu wollen.
Die Herstellung von Biokohle aus Eindringerbusch ist ein laufender Trend in Namibia.... Der Unterschied zwischen normaler Holzkohle und Biochar ist der, dass die Biokohle beim Brennen mit Wasser abgeschreckt wird und sich dadurch die Poren der Kohle öffnen...
Geschätzte 70 Prozent aller Veldbrände der vergangenen Monate wurden durch rücksichtslose Holzkohlenbrenner ausgelöst. Die Regierung will daher das Forstwirtschaftsgesetz ändern: künftig können dann Holzkohlebrenner strafrechtlich verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden...
LG Logi
freshy3'883 Beiträge · seit 201116. Nov. 2020 · #19
Geschätzte 70 Prozent aller Veldbrände der vergangenen Monate wurden durch rücksichtslose Holzkohlenbrenner ausgelöst. Die Regierung will daher das Forstwirtschaftsgesetz ändern: künftig können dann Holzkohlebrenner strafrechtlich verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden...
LG Logi
Nun bin ich gespannt, ob und ab wann das gültig wird!
Der namibische Holzkohleherstellerverband NCA schafft es mit deutscher Hilfe, ständig das lokale Produktangebot zu erweitern und durch Innovationen seinen Mitgliedern Zugang zu einer verbesserten Wertschöpfungskette zu gewährleisten.....Das BCBU ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die „wirtschaftliche Nutzung von Biomasse aus der kontrollierten Entbuschung von Weideflächen“ anvisiert....