Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo

Reisebericht 120 Antworten · 21,9k Aufrufe · gestartet 14. Feb. 2017 von Gu-ko
6'369 Beiträge · seit 201127. Feb. 2017 · #21
Hoi GuKo
Gu-ko schrieb:Zum Abschluss gibt es noch einen Gesundheitscheck. Eine ziemlich misslaunig blickende Krankenschwester kommandiert uns in ihr Büro. Sie kontrolliert unsere Impfpässe, misst die Körpertemperatur und befragt uns nach Krankheitssymptomen. Da wir die erlaubte Körpertemperatur haben, dürfen wir in den Kongo einreisen.
Hahaha!!!
Die ewig schlechtgelaunte 'Dame' kennen Sven und ich auch persönlich! 😄 😉 😎
Die MUSS man erlebt haben!!! 😄
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
1'737 Beiträge · seit 201027. Feb. 2017 · #22
Danke für die Rückmeldungen, da weiß ich, dass auch jemand mit liest
Hi Gu-ko

Klar lese ich bei Dir mit, denn es ist immer interessant, abseits der ausgetrampelten Touristenpfade unterwegs zu sein. Ich denke nur an die Limba. Herzlichen Dank für Deine Mühen.

Eine etwas persönliche Frage geht mir nicht aus dem Sinn. Sorry, dass ich Dich so einfach Frage. Hat Deine Frau einen Bruder, der Vincent heisst? Unser Koch letztes Jahr war aus der Nähe von Kakamega und er erzählte uns, dass er eine Schwester hat, die in Deutschland lebt. Manchmal ist die Welt ja ein Dorf.

Freue mich auf die Fortsetzung.
LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2017
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. März 2017 · #23
Botswanadreams schrieb:
Danke für die Rückmeldungen, da weiß ich, dass auch jemand mit liest
Hi Gu-ko

Klar lese ich bei Dir mit, denn es ist immer interessant, abseits der ausgetrampelten Touristenpfade unterwegs zu sein. Ich denke nur an die Limba. Herzlichen Dank für Deine Mühen.

Eine etwas persönliche Frage geht mir nicht aus dem Sinn. Sorry, dass ich Dich so einfach Frage. Hat Deine Frau einen Bruder, der Vincent heisst? Unser Koch letztes Jahr war aus der Nähe von Kakamega und er erzählte uns, dass er eine Schwester hat, die in Deutschland lebt. Manchmal ist die Welt ja ein Dorf.

Freue mich auf die Fortsetzung.
LG
Christa
Hi Christa, sie hat zwar mehrere Brüder, aber ein Vincent ist nicht darunter.
Grüße
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. März 2017 · #24
picco schrieb:Hoi GuKo
Gu-ko schrieb:Zum Abschluss gibt es noch einen Gesundheitscheck. Eine ziemlich misslaunig blickende Krankenschwester kommandiert uns in ihr Büro. Sie kontrolliert unsere Impfpässe, misst die Körpertemperatur und befragt uns nach Krankheitssymptomen. Da wir die erlaubte Körpertemperatur haben, dürfen wir in den Kongo einreisen.
Hahaha!!!
Die ewig schlechtgelaunte 'Dame' kennen Sven und ich auch persönlich! 😄 😉 😎
Die MUSS man erlebt haben!!! 😄
Ich wollte jedenfalls keine Spritze von der bekommen... 😉
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. März 2017 · #25
Goma

Auf der Landkarte sehen Gisenyi und Goma wie eine einzige Stadt aus, lediglich durch die Landesgrenze in zwei Hälften geteilt. Doch wenn man die Grenze überschreitet, merkt man gleich, wie verschieden die Welten sind. Gisenyis Straßen sind sauber, die Häuser ordentlich, Motorradtaxis haben Nummernschilder und die Villen-Gegend am Sandstrand vermittelt den Eindruck eines entspannten Seebads.

Goma ist anders. Wohlhabendere Häuser und Fabriken sind mit Panzerdraht gesichert, oft zusätzlich durch bewaffneten Wächter, die hinter Sandsäcken oder auf Wachtürmen lauern. Außerhalb eines überschaubaren Bereiches nahe des Seeufers, wo sich ein paar teure Hotels, Villen, Banken und Geschäfte befinden, sind die Straßen staubig, die Häuser ärmlich. Schwarzes Geröll, welches noch vom letzten Vulkanausbruch stammt, liegt herum.

Das Straßenbild Gomas wird auch von seltsamen, übergroßen Holzrollern geprägt, den Chukudus, die zum Transport von Lasten eingesetzt werden. Mit Körben und Säcken beladen werden sie von ihren Besitzern geschoben, wenn es bergab geht auch gefahren.


Goma


Goma


Goma – Chukudu


Goma

Nach der Grenze fahren wir durch Goma hindurch und direkt weiter Richtung Norden. Um 9 Uhr wollen wir am Fuße des Nyiragongo sein. Startpunkt für unsere Trekkingtour. Die Straße ist ziemlich uneben, soll aber für kongolesische Verhältnisse sehr gut sein, meint Jean Bosco während er von einer Straßenseite zur anderen kurvt um den größten Löchern auszuweichen. Als ich mal wieder fast an die Decke fliege meint er lachend: „African Massage“.

Die Straße wird von Menschen und Fahrzeugen gleichermaßen benutzt. Ich sehe in bunte Tücher gekleidete Frauen und Kinder, Körbe und Bündeln auf dem Kopf tragend, meistens in Gruppen die Straße entlanggehend. Fast jede jüngere Frau hat noch ein in ein Tuch gewickeltes Kleinkind dabei. Immer wieder kommen uns maßlos überladene LKW’s entgegen, auf deren zu hohen Türmen geschichteter Ladung noch Menschen sitzen. Überhaupt scheint jedes Fahrzeug auf dieser Straße bis zum Anschlag mit Menschen und Waren beladen zu sein. Auch Chukudus, die merkwürdigen Lastenroller sind unterwegs.

Die Landschaft ist toll. Schon von Goma aus sieht man den Nyiragongo Vulkan im Dunst aufragen, die Spitze oft von einer Wolkenhaube bedeckt. Der Morgen ist sonnig, die Luft relativ klar. Nach den Erfahrungen der letzten Tage, es hat jeden Nachmittag kräftig geregnet, hoffe ich auf einen trockenen Aufstieg.

Wir passieren mehrere Militärposten. Manchmal halten sie die Fahrzeuge an und kassieren ein Wegegeld. Jean erzählt, dass diese Militärs oft monatelang keinen Sold erhalten und deshalb für ihre Bezahlung selbst sorgen. Immerhin sorgen sie tagsüber für eine gewisse Sicherheit entlang der Straße. Abends, bevor es dunkel wird, gehen sie nach Hause. Dann sollte man besser nicht mehr unterwegs sein.


Auf der Straße Richtung Norden


Auf der Straße Richtung Norden


Auf der Straße Richtung Norden


Tankstelle


Straße Richtung Norden


Chukudu - Straße Richtung Norden
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zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. März 2017 · #26
Nyiragongo

Kurz nach 9 Uhr sind wir an der Rangerstation, dem Startpunkt unseres Trekkings. Wir müssen etwas warten, da noch ein paar Leute fehlen. Gegen 10 Uhr sind alle da. Nach einem kurzen Briefing geht es los. Während des Trekkings legt man fast 1.500 Höhenmeter zurück. Beim Rangerposten beginnt der Aufstieg bei 1.989m, beim Kraterrand ist man dann auf 3.470m.

Unsere Gruppe besteht aus elf Personen verschiedener Nationalitäten. Zwei Ranger, die mit Gewehren und Funkgeräten bewaffnet, für unsere Sicherheit sorgen sollen begleiten uns. Wir haben sogar einen Koch, der mit Lebensmitteln beladen, schon früher losgegangen ist, damit er Zeit hat Essen vorzubereiten, wenn wir hungrig oben ankommen. Die Nachhut bilden die Träger, die mit den schweren Rucksäcken wirklich harte Arbeit leisten. Auch wir haben unser Gepäck einem Träger anvertraut, der unseren ca. 12 kg schweren Rucksack trägt. In der Gruppe ist auch ein Fotograf, der im Auftrag von National Geographic unterwegs ist. Er hat zwei Träger engagiert, einen extra für seine Fotoausrüstung.

Der Weg führt zunächst stetig bergauf durch einen lichten Wald. Auf dem Waldboden läuft es sich angenehm, die Bäume spenden Schatten und ab und zu hat man schöne Ausblicke über die Ebene nach Ruanda, zum Kivusee und zu den anderen Virunga-Vulkanen. Etwa jede Stunde wird eine kurze Pause gemacht. Die Ranger achten streng darauf, dass diese nicht länger als zehn Minuten dauert. Dann wird gnadenlos zum Weitermarsch gepfiffen.


Aufstieg


Bodyguard


Typische Vegetation oberhalb der Waldgrenze


45° Steigung

Nachdem wir die Baumgrenze hinter uns gelassen haben, wird der Aufstieg zunehmend steiler und auch schwieriger. Grobes vulkanisches Geröll bedeckt den Pfad und ich muss mich konzentrieren um nicht zu stolpern oder auszurutschen. Die Sonne brennt erbarmungslos, der Schweiß läuft in Sturzbächen den Körper hinab. Ich trinke viel Wasser, was unseren Träger freut. Der sieht ziemlich fertig aus, offensichtlich macht er diese Tour auch nicht jeden Tag.

Der Weg scheint nun schnurgerade zum Gipfel zu führen, also nicht in gemütlichen Serpentinen langsam und gemächlich nach oben, nein, kerzengerade, auf dem kürzesten und steilsten Weg. Auch beginnen nach zwei, drei Stunden permanenten Aufstiegs meine Beinmuskeln zu schmerzen. Jeder Schritt ist anstrengender als der vorherige. Obwohl wir jetzt schon mehrere Stunden unterwegs sind, scheint der Gipfel immer noch weit entfernt. Ich bemühe mich nicht zu oft Richtung Gipfel zu schauen und konzentriere mich stattdessen auf den nächsten Schritt.

Allmählich verschwindet die Sonne hinter dunklen Wolken. Es wird deutlich kälter und erste Regentropfen fallen. Wir werden von Wolken und Nebel eingehüllt, keine Sicht mehr, weder ins Tal noch zum Gipfel. Doch wir haben Glück. Gerade als das Unwetter so richtig loslegen will, erreichen wir eine Schutzhütte, die unterhalb des letzten und steilsten Aufstiegs zum Kraterrand steht.

Wir schaffen es halbwegs trocken in die Hütte zu kommen. Ein eiskalter Wind peitscht eiskalten Regen vor sich her und davon reichlich. Dazu dumpfes Donnergrollen und Wetterleuchten aus Richtung des Gipfels. Auch in der Hütte regnet es, allerdings nicht so stark wie draußen. Wir sitzen, oder besser gesagt kauern etwa eine halbe Stunde in der dunklen, tropfenden Hütte, während es draußen Katzen hagelt. Im Nu entstehen am steilen Abhang überall klein Wasserfälle und Rinnsale die sich allmählich zu Sturzbäche vereinigen.

Unser Träger kommt eine viertel Stunde später, total durchnässt und fertig lässt er sich auf den Boden fallen. Die anderen Träger verspotten ihn weil er so langsam ist. Mir tut er leid, man sieht ihm an, dass er am Rande seines physischen Leistungsvermögens steht.


Ein Unwetter zieht auf


Es regnet Bindfäden


Der letzte Anstieg

Nach etwa einer halben Stunde hört der Regen so plötzlich auf, wie er begonnen hat. Unsere Ranger rufen zum Abmarsch. Auf geht’s. Das letzte Stück bis zu den Hütten am Kraterrand liegt vor uns. Es ist der steilste und auch unangenehmste Teil der Wanderung. Der Hang besteht aus scharfkantigen Lavafelsen und Geröll, sodass man ständig befürchten muss auszurutschen und sich an dem scharfkantigen Gestein zu verletzen. Jetzt ist es auch noch nass und rutschig.

Während wir den letzten Abhang emporkrabbeln, manchmal auf allen Vieren, beginnt es wieder zu regnen. Zunächst leicht, dann immer stärker. Als wir bei den Hütten ankommen prasselt es kräftig auf unsere Regenjacken. Wir können uns gerade noch in eines der Hüttchen retten. Es ist verdammt kalt hier oben, ich friere in meiner nassen Kleidung, fühle mich hungrig und erschöpft.

Als unser Koch erscheint und verkündet, er habe ein heißes Gemüsesüppchen gekocht, hätte ich ihm um den Hals fallen können. Wow, das ist jetzt genau das richtige. Auch brennt im Küchenzelt ein Feuer, welches unsere Kleidung einigermaßen trocknet, während wir Suppe löffeln.


Heißes Süppchen auf dem Nyiragongo


Schutzhütten auf dem Nyiragongo

Zurück in unserem Hüttchen. Die Hütten sind aus einem harten Kunststoff gefertigt. Sie haben die klassische Form eines Firstzeltes und sind gerade so groß, dass zwei Matratzen nebeneinander auf dem Boden Platz finden.

Wir hängen die feuchte Regenkleidung auf, was an den glatten schrägen Wänden gar nicht einfach ist. Dann hüllen wir uns in unsere Daunenjacken, kriechen in die Schlafsäcke und frösteln auf den Matratzen eine Weile vor uns hin. Draußen stürmt und tobt es was das Zeug hält. Es regnet nicht nur, jetzt hageln dicke Eiskörner gegen die Plastikwände der Hütten. Der Krach ist ohrenbetäubend.

Irgendwann lässt das Inferno etwas nach. Wir beschließen zum Kraterrand hochzuklettern und einen Blick auf den Lavasee zu werfen. Der Kraterrand befindet sich noch ein paar Meter über uns. Man muss einen kurzen, steilen Hang hochklettern. Kaum haben wir unsere Schutzhütte verlassen regnet es wieder stärker. Egal sage ich, ich will jetzt den Lavasee sehen. Gegen Sturm und eiskalten Regen ankämpfend krabbeln wir auf allen Vieren die letzten Meter über scharfkantiges Lavagestein zum Kraterrand hoch, blicken darüber und sehen – NICHTS!


Nebel im Krater

Tatsächlich sehen wir schon etwas: Nebel, Nebel, noch mehr Nebel und ein paar dunkle Felsen im Nebel. Aber keinen Lavasee, kein Höllenfeuer, nicht mal einen rosaroten Schimmer oder sonst etwas, was auf einem aktiven Vulkan hingedeutet hätte.
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zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
1'068 Beiträge · seit 201302. März 2017 · #27
Prima Bericht, sehr eindrucksvoll!

Ich finde gerade diesen Abstecher in den Kongo nochmal extra spannend.
Hoffentlich bekommt ihr den Lavasee noch zu sehen, damit sich diese (Tor)tour doch irgendwie gelohnt hat.

Vielen Dank fürs Schreiben und die tollen Bilder

Gruss
Mabe
6'369 Beiträge · seit 201102. März 2017 · #28
Hoi GuKo

Könnte sein dass wir denselben Koch hatten, bin mir aber nicht sicher...
...zumindest hatten wir auch Gemüsesuppe zur Begrüssung!
Ich leide beim Lesen mit und die Erinnerungen kommen wieder hoch!!!
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
4'129 Beiträge · seit 200802. März 2017 · #29
Hallo, Gu-ko,

Viele Dank für deinen Reisebericht und die schönen Impressionen!
Street-Photographie vom Feinsten!
Unmittelbar ist man angekommen, in Nairobi, in Webuye, in Goma, in ...

Wir folgen dir auf dem virtuellen Fuße... 🙂

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 02. März 2017
Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. März 2017 · #30
Mabe schrieb:Prima Bericht, sehr eindrucksvoll!

Ich finde gerade diesen Abstecher in den Kongo nochmal extra spannend.
Hoffentlich bekommt ihr den Lavasee noch zu sehen, damit sich diese (Tor)tour doch irgendwie gelohnt hat.

Vielen Dank fürs Schreiben und die tollen Bilder

Gruss
Mabe
Danke. 🙂 Werde heute mal weiter schreiben.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. März 2017 · #31
picco schrieb:Hoi GuKo

Könnte sein dass wir denselben Koch hatten, bin mir aber nicht sicher...
...zumindest hatten wir auch Gemüsesuppe zur Begrüssung!
Ich leide beim Lesen mit und die Erinnerungen kommen wieder hoch!!!
Also kochen konnte ganz gut und war auch sonst ein netter Mensch.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. März 2017 · #32
lilytrotter schrieb:Hallo, Gu-ko,

Viele Dank für deinen Reisebericht und die schönen Impressionen!
Street-Photographie vom Feinsten!
Unmittelbar ist man angekommen, in Nairobi, in Webuye, in Goma, in ...

Wir folgen dir auf dem virtuellen Fuße... 🙂

Gruß lilytrotter
Danke 🙂
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6'369 Beiträge · seit 201104. März 2017 · #33
Hoi GuKo
Gu-ko schrieb:Also kochen konnte ganz gut und war auch sonst ein netter Mensch.
Oha!
So wars nicht gemeint!
Ich leide mit bei den Erinnerungen an den Aufstieg, nicht an den Koch! Der war gut und sympatisch und nett, der war top!
Sorry für die schlechte Formullierung! 😵
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zuletzt bearbeitet 04. März 2017
Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. März 2017 · #34
picco schrieb:Hoi GuKo
Gu-ko schrieb:Also kochen konnte ganz gut und war auch sonst ein netter Mensch.
Oha!
So wars nicht gemeint!
Ich leide mit bei den Erinnerungen an den Aufstieg, nicht an den Koch! Der war gut und sympatisch und nett, der war top!
Sorry für die schlechte Formullierung! 😵
Ich hatte schon richtig verstanden. 🙂
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. März 2017 · #36
Nyiragongo Fortsetzung

Wir gehen zurück zur Hütte. Unsere Kleider sind wieder durchnässt. Wir verkriechen uns fröstelnd in die Schlafsäcke. Obwohl wir Daunenjacken und Handschuhe angezogen haben, werden wir nicht richtig warm. Es ist schon etwas deprimierend, auf diesem nasskalten, düsteren und nebligen Vulkan zu sitzen. Dann müssen wir eingeschlafen sein. Plötzlich klopft es laut an der Tür. Unser Koch steht draußen und ruft aufgeregt: „Kommt raus, kommt raus, es hat geschneit, kommt hoch zum Krater man kann etwas sehen“

Wir wieder rein in unsere nasskalten Kleider und hoch zum Kraterrand. Es hat tatsächlich geschneit. Die schwarzen Lavafelsen sind von einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckt. Der Nebel hat sich etwas gelichtet und als wir am Kraterrand ankommen, sehen wir unter uns einen zaghaften rötlichen Schein durch Rauch und Dunstschleier dringen.

Zunächst ist es nur ein vages Leuchten im wabernden Dunst. Doch sobald der Nebel sich verzieht wird die Sicht auf eine phantastische Kulisse frei. Das orangerote Licht des glühenden Lavasees beleuchtet den unteren Teil eines beinahe kreisrunden Kraters. Der Schnee auf den steil emporragenden Felswänden glänzt matt in dem Schein. Wir stehen gebannt am Kraterrand und starren auf das ständig wechselnde Schauspiel unter uns. Rauch und Nebel verziehen sich immer wieder für kurze Zeit, geben den Blick auf die Glut frei, nur um Augenblicke später abermals alles zu verhüllen.

Natürlich regnet es wieder, aber das stört uns jetzt nicht mehr, der Ausblick ist zu phantastisch um auf so Nebensächlichkeiten wie Regen oder Kälte zu achten. 🙂 Immer noch nass und frierend, aber jetzt überhaupt nicht mehr deprimiert, steigen wir zu unserer Hütte ab.


Vulkan und Schnee


Vor dem Eingang zur Hölle 😉


Nyiragongo

Bevor der Koch zum Abendessen ruft, klettern wir noch einmal zum Kraterrand hoch. Der Regen hat nachgelassen, aber die Luft ist voller Elektrizität. Es knistert bedrohlich und blitzt immer wieder. Der Fotograf von National Geographic hat seine Kamera auf einem Stativ direkt am Kraterrand aufgebaut, darüber zum Schutz einen Regenschirm. Ich stehe etwa zwei Meter von ihm entfernt, als es plötzlich ein hässliches Geräusch gibt, etwa so als würde man Stoff zerreißen, und ich verspüre deutlich eine elektrische Entladung, die aus der Richtung des Fotografen kommt. Der hat es auch gespürt. Blitzschnell packt er seine Kamera samt Stativ und Regenschirm und sprintet in sein Hüttchen. Ich vermute, dass der Regenschirm die elektrische Ladung aufgenommen und an uns weiter gegeben hat. Ein bisschen unheimlich ist das schon. Wir steigen lieber ab. Außerdem wartet das Abendessen.

Natürlich sind wir später noch einmal hoch zum Kraterrand und dann noch einmal. Längst ist es Nacht, die Temperaturen um den Gefrierpunkt, aber in der Dunkelheit ist das Schauspiel noch eindrucksvoller. Es kann süchtig machen am Kraterrand zu sitzen und in das Höllenloch zu starren.


Nyiragongo






Nyiragongo

Morgen

Am nächsten Morgen bin ich früh wach, ich glaube es war so gegen 5 Uhr. Bis auf einen rosafarbenen Schimmer am Horizont ist es noch dunkel. Meine Frau ist auch schon wach und wir beschließen mal die Toilette aufzusuchen. Das Toilettenhäuschen liegt ein Stück vom Lager entfernt den Hang hinab. Da es dort geröllig ist und zudem ziemlich steil bergab geht, muss man sich an einem Seil runterhangeln. Das ist in der Kälte und Dunkelheit des frühen Morgen gar nicht so einfach. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Beinmuskeln vom gestrigen Aufstieg verkrampft sind und schmerzen.

Das Toilettenhäuschen ist zur Talseite hin offen, man hat quasi einen Logenplatz um die Landschaft zu genießen. Als wir dort ankommen hat sich der Horizont orangerot verfärbt und die ersten Sonnenstrahlen beleuchten die umliegenden Berggipfel. Mit jedem Strahl, der durch die Wolkendecke dringt, wird der Anblick atemberaubender. Zwischen den Nachbarvulkanen und bis hin zu den Bergketten Ruandas ziehen sich Dunstfelder. Der Kivu-See, selbst noch in Dunkelheit, reflektiert die Farbtöne des Himmels. Ich wage mal zu behaupten, auf dem Nyiragongo befindet sich die Toilette mit der eindrucksvollsten Aussicht Zentralafrikas. 😎

Diesem Schauspiel kann sich niemand entziehen. Jeder der schon wach ist, Tourist, Ranger oder Träger, starrt schweigend Richtung aufgehende Sonne. Sogar der National Geographic Fotograf hat seine Kamera vom Krater weg Richtung Sonnenaufgang geschwenkt.


Sonnenaufgang über dem Kongo


Sonnenaufgang


Sonnenaufgang

Sonnenaufgang



Natürlich klettern wir vor dem Abstieg ein letztes Mal zum Kraterrand hoch. Doch im Morgenlicht sieht der Kratersee lange nicht so dramatisch aus, wie in der Nacht. Gemächlich qualmt er vor sich hin, als könne er kein Wässerchen trüben. Kaum zu glauben, dass er 2002 halb Goma in Schutt und Asche gelegt hat. Vor etwa neun Jahren soll hier eine chinesische Touristin abgestürzt sein, als sie Fotos vom Krater knipste. Sie konnte nur noch tot geborgen werden.

Abstieg

Die Ranger drängen zum Aufbruch, wir müssen noch packen und frühstücken, dann geht’s bergab.


45° Gefälle


Abstieg am frühen Morgen


Runter geht’s schneller als rauf – alte Bergsteigerweisheit… 😉

Den Abstieg machen wir in rekordverdächtiger Zeit von dreieinhalb Stunden. Ich wäre ja lieber langsamer gegangen, hätte mehr die Natur genossen, hier und da ein Foto gemacht, aber wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich dem Tempo der Gruppe anzupassen.

Die Sicht ist gut, wir haben tolle Ausblicke auf die Virunga Vulkane. Je tiefer wir kommen umso wärmer wird es. Wir ziehen einen Pulli nach dem anderen aus und gegen Ende schwitze ich schon wieder ganz ordentlich. Gegen halb elf Uhr erreichen wir den Rangerposten und damit ist die Nyiragongo Tour beendet. Ich würde diese Tour, so anstrengend sie war, jederzeit noch einmal machen.

Eigentlich wollten wir direkt nach Ruanda zurückfahren, aber Jean Bosco macht uns ein verlockendes Angebot. Er sagt, es gäbe aktuell eine „special offer“ des Virunga Nationalparks für Gorillatrekking, das Permit koste nur 200 USD statt der 400 USD Normalpreis. Wenn wir wollen, würde er das für uns organisieren.

Und ob wir wollen. Ein Gorillabesuch steht schon lange auf meiner Afrikawunschliste. 200 USD für ein Gorillapermit ist günstig. In Uganda und Ruanda werden 500 - 750 USD für ein Permit verlangt.

Also fahren wir zurück nach Goma, erstmal Geld besorgen. In Goma kann man tatsächlich USD direkt aus den ATM‘s ziehen - insofern sie funktionieren. Wir drehen ein paar Runden durch Goma bis der dritte oder vierte ATM endlich funktioniert und USD ausspuckt.

Wir brauchen auch noch ein Hotel. Jean empfiehlt das Hotel Centre d'Accueil Caritas. Das Hotel ist bei Mitarbeitern von Hilfsorganisationen beliebt, die hier absteigen, wenn sie in Goma zu tun haben. Das Hotel ist ganz hübsch, die Zimmer haben Balkon und Blick auf den Kivusee. Drinnen ein Doppelbett, ein kleiner Fernseher und viele Moskitos. Ein schöne Garten reicht bis zum Seeufer. Allerdings würde ich von einem 75 USD Hotel erwarten, dass es eine warme Dusche gibt, was zumindest in unserem Zimmer nicht der Fall war. Da stand tatsächlich ein Eimer im Bathroom… 😎
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
1'737 Beiträge · seit 201005. März 2017 · #38
Hallo Guko

Mich langweilst Du auf keinen Fall. Ich verfolge Deine Tour mit grossem Interesse, denn wie beim letzten Bericht von Dir, gibt es viel Neues zu entdecken. Ostafrika ist halt hier nicht so im Fokus, speziell wenn es etwas abseits der Tierparadiese ist.

Also bitte weiter schreiben.

Schönen Sonntag
LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
6'369 Beiträge · seit 201105. März 2017 · #39
Hoi GuKo

Nein, Du langweilst nicht, auch wenn ich nachvollziehen kann dass es auf den Schreibenden diesen Eindruck macht, zumindest wenn es wie Christa schon geschrieben hat um Gebiete ausserhalb der Tierparadiese geht!
Ich hatte auch schon den Eindruck dass kaum jemand an meinem RB interessiert war, aber die Zugriffszahlen sagen was anderes!
Auch bei Dir werden die Zugriffe noch steigen!
Aber es ist halt nicht Namibia oder so, da ist halt nur ein kleiner Teil der Leute hier interessiert!
Die dafür umso mehr!

Übrigens hab ich hier (klick mich) noch was zur aktuellen Lage in der Region geschrieben, leider hat sie sich wieder verschlechtert.
Du, Heinz (K-Roo odrr so nennt er sich aktuell) und wir waren zum richtigen Zeitpunkt da, aktuell würd ich nicht mehr rübergehen bis sich die Lage wieder entspannt hat. 😊
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
zuletzt bearbeitet 05. März 2017
527 Beiträge · seit 201305. März 2017 · #40
Gu-ko schrieb:Liebes Forum, langweile ich euch eigentlich? 😕
Dein RB ist einer der ganz wenigen, bei dem es sich lohnt, ihn von Anfang bis zum Ende durchzulesen. Und nicht nur zu überfliegen. An deinen Bildern habe selbst ich nichts auszusetzen: nicht zu hell, nicht zu dunkel und dort angeschnitten, wo es Sinn macht.
Dein Bericht macht mir Spass.
Mzeekenya