Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201401. Juni 2014 · #21
picco schrieb:Hoi zämä
Gu-ko schrieb:Ich hatte eine Systemkamera dabei, ein Panasonic DMC-G5 mit 2 Objektiven, ein 14-140mm Zoom und eine Festbrennweite, mit 14m/2.5. Da es sich um das micro four third System handelt, sind Kamera und Objektive sehr kompakt.
Ha! 🤩 Ich bin doch nicht der Einzige mit einer MFT-Kamera!!! 🤩
Ich finde die mft Kameras ideal als Reisekameras, eben, weil sie so kompakt sind und trotzdem qualitativ sehr gut. Man kann mit einer kleinen Kamera auch unauffälliger fotografieren, vor allem, wenn sie einen klappbaren Monitor hat und man sie deshalb nicht unbedingt vors Gesicht halten muss.
VOVolker2'612 Beiträge · seit 200701. Juni 2014 · #22
picco schrieb:Hoi zämä
Gu-ko schrieb:Ich hatte eine Systemkamera dabei, ein Panasonic DMC-G5 mit 2 Objektiven, ein 14-140mm Zoom und eine Festbrennweite, mit 14m/2.5. Da es sich um das micro four third System handelt, sind Kamera und Objektive sehr kompakt.
Ha! 🤩 Ich bin doch nicht der Einzige mit einer MFT-Kamera!!! 🤩
Volker schrieb:Möchte nicht unhöflich sein, aber eine Sitzreihe ist schon von mir belegt 😉
Schön, Volker, ich gönn Dir ja die Sitzbank, aber schau bitte zukünftig bevor Du Dich setzt nach ob da schon jemand sitzt...das was da unter Dir so ächzt und keucht bin ich!!! 😵
Hoi Picco,
Bin halt manchmal etwas unsensibel 😉 Das Popometer schlug nicht an, mit einem Portapotti würde ich erst recht keine Bank teilen.
Zu den MFT: sogar Profis nutzen sie zunehmend - und wissen um die Vor- und Nachteile.
Mal sehen, was aus der Kiste noch so rauskam, Guko 🙂
Bye bye Forum
Erika2'338 Beiträge · seit 200702. Juni 2014 · #23
Hallo Gu-ko
Mich müsste man mit Waffengewalt in so einen Matatu zwingen 🙁 . Ich hätte einfach nur Schiss 🤢 . Aber die schlimmsten der Schlimmsten sind meiner Meinung nach die Fahrer der grossen Überlandbusse. Irgendwie hab ich immer das Gefühl, dass die vollgedröhnt sind.
Dein spannender Bericht ist wirklich grosse Klasse und ich freue mich riesig, dass ich an dieser interessanten Reise teilnehmen darf.
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201402. Juni 2014 · #24
Lake Chala
Vor der Weiterfahrt Richtung Iringa müssen wir noch einen Tag in Moshi verbringen. Ich hatte schon früher von einem See in der Nähe gehört, der sehr schön und einen Besuch wert sein soll. Der Lake Chala liegt etwa eine Autostunde von Moshi entfernt in Richtung kenianische Grenze. Da es dorthin kein Matatu gibt 😉 chartern wir ein Taxi, das uns für 70000 TZS hin und wieder zurück bringen wird.
Die Fahrt ist, zumindest auf dem letzten Drittel, ziemlich staubig. Trotz geschlossener Fensterscheiben ist das Fahrzeuginnere nach kurzer Zeit mit einer dünnen, rötlichen Staubschicht bedeckt. Kommt ein Fahrzeug entgegen, sieht man eine Weile gar nichts mehr. Manchmal müssen wir anhalten und warten bis sich der Staub verzogen hat, und die Sicht wieder frei ist. Auf der Strecke sind auch Boda-Bodas unterwegs, keine Ahnung, wie die Fahrer da noch atmen können.
Der Chala-See ist ein Kratersee. Durch seine Mitte verläuft die Grenze zwischen Tansania und Kenia. Er ist von einer 80 bis 100 m hohen, fast senkrecht aufragenden Kraterwand umgeben. Sein Wasser bekommt er von unterirdischen Zuflüssen, die vom Kilimanjaro kommen.
Lake Chala
Und dann liegt er vor, bzw. unter uns. Die Wasseroberfläche leuchtet grün-türkis, ein schöner Kontrast zu der eher von Braun- und Rottönen geprägten Umgebung. Um ans Wasser zu kommen, muss man das Gelände des Lake Chala Safari Camps überqueren und von dort einen schmalen, teils steilen Pfad hinab klettern. Für die Überquerung des Geländes des Safari Camps sollen wir 5 USD pro Person bezahlen, was ich als Wegelagerei empfinde.
Lake Chala
Nach einem kurzen, steilen Abstieg erreichen wir einen steinigen Badeplatz. Es ist nicht ganz einfach sich hier bequem einzurichten. Aber egal, erstmal nichts wie hinein ins kühle, klare Wasser. Wir relaxen ein paar Stunden am Seeufer, genießen die Natur, die Ruhe und die großartige Kulisse der schroffen, mit seltsamen Pflanzen bewachsenen Kraterwand.
Vielleicht doch etwas dran an der Krokodil Geschichte?
Der See, so heißt es, sei sicher zum Schwimmen, keine Krokodile und keine Bilharziose. Meine Freundin meint, das sagen sie vielleicht nur, damit die Gäste keine Angst bekommen. Später erfahre ich, dass es zumindest früher in dem See Krokodile gegeben hat. Zuletzt im Jahre 2002 war ein Mädchen beim Baden von einem Krokodil getötet worden.
Aber es ist ein schöner und friedlicher Ort und wenn wir mehr Zeit hätten, würde ich hier gerne mein Zelt für ein oder zwei Nächte aufschlagen. Auf jeden Fall kommt der Lake Chala auf die Liste der ‚Irgendwann-noch-einmal-besuchen-Orte‘.
Als wir am späten Nachmittag Richtung Moshi zurückfahren, zeigt sich der Kilimanjaro ein letztes Mal und zum Abschied ohne Wolkenhaube.
Moshi – Iringa – Mbeya - Sumbawanga (24-11-2013 bis 26-11-2013)
Sonntag. Wir stehen um 6 Uhr auf, es ist noch dunkel und kühl in Moshi. Da es wieder einmal keinen Strom gibt, ist auch die Dusche ziemlich kalt. Frühstück gibt es im Haria Hotel auch noch nicht um diese Zeit. Aber weise vorausschauend haben wir uns am Tag zuvor ein paar Kekse gekauft, sodass wir nicht mit leerem Magen zum Busabfahrtsplatz gehen müssen. Um 7 Uhr soll man dort sein, um 8 Uhr soll es losgehen, um 9 taucht endlich der Hood-Bus auf.
Die Straße ist gut asphaltiert und schnurgerade und so rast der Hood-Bus mit allem was sein gequälter Motor hergibt durch tansanisches Flachland. Auf der linken Seite ziehen sich parallel zur Straße lange, steil aufragende Bergketten hin, auf der rechten Seite tauchen immer wieder kegelförmig Berge auf, die in dem flachen Buschland irgendwie deplatziert wirken.
Tansania durch das Fenster eines Hood Buses [ZW]
Der Bus stoppt immer wieder mal kurz um neue Fahrgäste aufzunehmen. Manche sind fliegende Händler und wollen nirgendwo hinfahren, sondern etwas verkaufen.
Ein Mann in einem schäbigen Anzug, er sieht aus wie ein Handelsvertreter, stellt sich in den Mittelgang, öffnet einen Musterkoffer und beginnt lautstark seine Produkte anzubieten. Er hält ein Fläschchen mit einem medizinischen Öl in der Hand, das gegen viele Leiden helfen soll. Erkältung, Schmerzen, Fieber und mehr. Offensichtlich sind alle im Bus gesund, keiner kauft seine Fläschchen. Als nächstes fischt er eine Tube aus seinem Musterkoffer. Es ist eine Creme gegen Pickel. Um zu demonstrieren, dass die Anwendung ungefährlich ist, cremt er sich das Gesicht dick ein, bis es weiß ist und wie eine Speckschwarte glänzt. Und tatsächlich, Pickel scheinen bei den Damen im Bus ein Problem zu sein, die Antipickelcremes gehen weg wie warme Semmeln.
Plötzlich halten wir in einem staubigen Nest in einem staubigen Hinterhof, in dem noch zwei weitere Hood-Busse stehen. Der linke Hinterreifen, er sieht aus, als wäre er schon 20 mal runderneuert worden, hat den Geist aufgegeben und muss ersetzt werden. Der Ersatzreifen sieht auch nicht viel besser aus, aber er ist wohl das Beste was sie haben. Nach ungefähr einer Stunde palavern und montieren geht es weiter.
Beim nächsten Stopp steigt ein Cashewnussverkäufer ein. Ich kaufe uns ein Päckchen und sie sind so super lecker frisch und knackig, dass ich gleich noch eins nachkaufe, bevor der Händler den Bus wieder verlässt. Als nächstes kommt ein Prediger in den Bus, predigt ein Viertelstündchen und nach ein paar Halleluja steigt er irgendwo auf freier Strecke wieder aus. Manche Fahrgäste stecken ihm etwas Geld zu. Jetzt bin ich sicher, dass wir unser Ziel wohlbehalten erreichen werden.
Einer der größten Nachteile beim reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist, dass man nicht einfach anhalten kann, wo und wann man will. Besonders schmerzlich ist das, wenn man durch tolle Landschaften fährt und keinen Fotostopp machen kann. Vor Iringa wird die Landschaft richtig toll. Berge, Flüsse, Schluchten, Sonnenuntergang, tolles Licht, Affen in kleinen Gruppen am Strassenrand, Tiere deren Name ich nicht kenne. Leider rast der Busfahrer wie ein Irrer durch die schöne Gegend, peitscht den Bus durch die Kurven, dass es uns nur so hin- und herschleudert, überholt rücksichtslos alles was langsamer ist, und es wird auch schon langsam dunkel, sodass ich das nicht mehr richtig genießen kann.
Iringa
Während der Busfahrt habe ich mir zwei oder drei Hotels aus dem Lonely Planet herausgeschrieben. Das Central Lodge Hotel (30000 TZS/DZ) unweit des Busbahnhofs ist das erste das wir aufsuchen. Es macht einen etwas schäbigen und etwas schmuddeligen Eindruck, aber der Manager gleicht das durch überbordende Freundlichkeit glatt aus. Oft machen mich unbekannte Menschen, die allzu freundlich sind, eher misstrauisch. Aber bei ihm kommt das so natürlich rüber, dass ich denke er ist einfach froh, dass endlich mal Gäste kommen. Außer unserem ist nur ein weiteres Zimmer mit Gästen belegt.
Es gibt einen kleinen TV im Zimmer worüber sich meine Freundin freut. Auf der verschneiten Mattscheibe kann man mit Fantasie gerade noch ein Bild erahnen. Mir ist das zu flimmrig und da der Manager uns unbedingt noch etwas Gutes tun möchte, lasse ich ihn zwei Kilimanjaro Biere bringen. Eigentlich hätte ich noch Hunger gehabt, aber nach den vielen Stunden im Bus bin ich zu müde, um noch nach einem Restaurant zu suchen. Wir knabbern die restlichen Cashewnüsse und dann fiel entweder der Strom aus, oder ich muss eingeschlafen sein. 🙂
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200903. Juni 2014 · #25
Hallo Gu-Ko,
die Bustour hast du einfach ganz wunderbar und in lebhaften Farben beschrieben (Halleluja!). Herrlich mit euch zu reisen. 🤪
Du hast nicht zufällig auch eine Tube von der Antipickelcreme gekauft (könnte ich gerade mal gebrauchen)??? Und deine Fotos vom Lake Chala sind fantastisch!!! Der kommt auch auf unsere Agenda!
In Iringa werden wir in ca. vier Wochen auch aufschlagen, allerdings nur auf der Durchreise zum Ruaha. Deshalb werden wir leider nicht in den Genuss des verschneiten, schlaffördernden TVs gelangen.
Herzlichen Dank und Grüße Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
Kiboko1'250 Beiträge · seit 200903. Juni 2014 · #26
Das ist ja eine geile Reise! Danke für die bildhafte Beschreibung.
Halt, das Nilpferd möchte auch mitfahren. 🤩 Da Volker schon eine Bank blockiert und sich Annick auf der nächsten breit macht, wird das Nilpferd auf das Dach steigen und sich an den gestapelten Koffern festhalten. 🙂
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201404. Juni 2014 · #27
@Butterblume Leider keine Antipickelcreme 😉 Ich hätte ja gerne ein paar Tuben gekauft, aber dann hätte ich die noch durch fünf Ostafrikanische Länder schleppen müssen...
Die Gegend um Iringa hat mir gut gefallen, wenn ich da noch einmal hinkomme und etwas Zeit habe, bleibe ich bestimmt ein paar Tage.
VOVolker2'612 Beiträge · seit 200704. Juni 2014 · #29
Kiboko schrieb:Das ist ja eine geile Reise! Danke für die bildhafte Beschreibung.
Halt, das Nilpferd möchte auch mitfahren. 🤩 Da Volker schon eine Bank blockiert und sich Annick auf der nächsten breit macht, wird das Nilpferd auf das Dach steigen und sich an den gestapelten Koffern festhalten. 🙂
Gruss Bernd
Hi Bernd,
zwecks besserer Gewichtsverteilung bzw. Fahrzeugstabilisierung sollten wir uns doch noch überlegen, wie wir uns im Bus neu aufteilen. Ich möchte Gu-ko anbieten, vorne Platz zu nehmen, Du magst dann vielleicht auf der Rückbank für die rückwärtigen Fotos sorgen, sollte der AF Deiner Knipse ja wohl schaffen - den Picco platzieren wir mit seinem Portapotti zentral, Annick ist unkompliziert und teilt sich die Bank mit ihm. Nachdem diese notwendigen Maßnahmen getroffen wurden, werden auch die anderen Mitreisenden ihr Plätzchen finden.
Alternative: wir bleiben so sitzen wie bisher und gehen das große Risiko ein, aus der Kurve getragen zu werden - es sei den, wir reisen gemächlich mit vielen Fotostopps und Geschichten 🙂
Viele Grüße,
Volker
Bye bye Forum
VOVolker2'612 Beiträge · seit 200704. Juni 2014 · #30
Gu-ko schrieb:@Kiboko Danke für deinen Kommentar, ist noch genug Platz im Matatu 🙂
Guko,
Du kennst Deine Mitfahrer nicht, glaube mir einfach, wir sollten uns umsetzen 😉
Dein Platz am Steuer bleibt natürlich unangetastet, es sei denn, Du möchtest freiwillig mit mir tauschen, um Dich besser den anderen Mitreisenden widmen zu können.
Busfahrer in Tanzania sind eine besondere Kategorie von Fahrern. Sie bestreiten einen täglichen Wettstreit untereinander, wer hat die Strecke in der kürzesten Zeit zurückgelegt - ohne Rücksicht auf Verluste. Das durften wir mehrfach bei Überholmanövern erleben. Die Strecke nach Iringa ist landschaftlich sehr schön, sowohl durch die Berge als auch durchs Baobab Vallay.
Nun kommen noch zwei Bilder für Dich als Erinnerung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man leider nicht anhalten für einen Fotostopp.
Solltest Du wieder mal in der Gegend sein, Plane einen Besuch im Ruaha ein - einer der schönsten Parks, den wir bisher in Afrika erleben durften. Auch der Markt in Iringa ist ein Erlebnis.
LG Christa
www.botswanadreams.de
"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201404. Juni 2014 · #32
Christa seufz, dass nicht genug Zeit war um in den Ruaha NP zu gehen ärgert mich heute noch, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 🙂
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201404. Juni 2014 · #33
Und die Fahrt geht wieder ein Stückchen weiter. Bitte nicht um die Plätze streiten, alle kommen mit 😄
Iringa – Mbeya
Ich wache früh auf. Ein paar Blutsauger haben in der Nacht einen Weg durch die Löcher des Moskitonetzes ins Innere gefunden. Sie sitzen jetzt prall gefüllt und zufrieden am oberen Ende des Netzes. Ich überlege kurz, ob ich den Tag mit einem Massaker beginnen soll, entscheide mich dann aber erst mal für eine Dusche. Um warmes Wasser zu bekommen muss man einen Elektroschalter auf ‚on‘ stellen. Mit dem Mischen klappt es nicht so gut, mal kommt das Wasser kochend heiß, mal ziemlich kalt, aber im Mittel gesehen ist es eine warme Dusche. 😉
Später gibt es ein spartanisches Frühstück. Der Hotelmanager und ein Angestellter gesellen sich zu uns und wir frühstücken zusammen. Ich frage die beiden nach Transportmöglichkeiten Richtung Mbeya. Der Manager, er ist immer noch so freundlich und hilfsbereit wie am Abend zuvor, freut sich, dass er schon am frühen Morgen etwas für uns tun kann. Er bietet an, mit zum Busbahnhof zu gehen und uns einen Bus zu suchen. Bevor wir gehen unterhalte mich noch kurz mit den einzigen weiteren Hotelgästen, einem Pärchen aus England. Sie wollen in den Ruaha Nationalpark, aber da die Preise für eine Safari recht hoch sind, suchen sie noch Mitfahrer zwecks Kostenteilung.
Schade, hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir uns gerne angeschlossen. Aber ich möchte auf keinen Fall die Abfahrt der Liemba verpassen und ich kann nur vage abschätzen, wieviel Zeit wir bis zum Tanganjikasee brauchen werden.
Wir packen also schnell zusammen und laufen zusammen mit dem Manager los. Tatsächlich haben wir Glück, ein mittelgroßer Bus steht mit laufendem Motor abfahrbereit am Busbahnhof. Es sind gerade noch zwei Plätze frei. Die Nahverkehrsbusse fahren meistens erst los, wenn alle Plätze restlos besetzt sind. Das kann nervig sein, wenn noch ein oder zwei Plätze frei sind und einfach keiner mehr kommt, der mitfahren will. Mit uns ist der Bus voll und so fährt der Nganga-Express kurz nach 10 Uhr Richtung Mbeya ab.
Landschaft um Iringa (Foto Crypto)
Wir haben von Iringa nicht allzu viel gesehen, aber das wenige macht einen angenehmen Eindruck. Auch die Landschaft mit den sanften, grünen Hügeln, Kiefernwäldchen und Teeplantagen ist wunderschön. Eigentlich schade, hier nur durchzurasen. Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal hierherzukommen um die Gegend genauer zu erkunden.
Der Zustand des Tanzam-Highways bis Mbeya ist exzellent und ermöglicht ein flottes Vorankommen. Unterbrochen wird die Fahrt nur durch gelegentliche Polizeikontrollen. Die Polizisten sind dabei ausgesprochen freundlich. Manchmal kommt einer in den Bus, begrüßt uns Reisende und fragt, ob alles in Ordnung sei, oder ob es Probleme gäbe. Darauf allgemeines Kopfschütteln und Gemurmel und er verlässt den Bus wieder, wünscht uns gute Reise. Im Vergleich zu den kenianischen Polizisten scheinen die richtig nett zu sein.
Nach knapp sieben Stunden erreichen wir Mbeya. Direkt beim Busbahnhof, etwas außerhalb des Zentrums, liegt das New Millennium Inn Hotel. Es ist von der preiswerten Sorte (19000 TSH/DZ), aber durchaus empfehlenswert. Die Zimmer sind sauber, es gibt heiße Duschen und da wir gleich am nächsten Morgen weiterfahren wollen, ist auch die Lage perfekt.
Etwas befremdlich sind die vielen Heuschrecken. Ich weiß nicht, ob das in Mbeya allgemein ein Problem ist, oder ob nur gerade heute ein Schwarm Wanderheuschrecken zwischengelandet ist, jedenfalls sitzen sie überall. In der Lobby des Hotels, auf den Treppen, an den Wänden und Decken. Man muss schon sehr aufpassen um nicht ständig auf eine zu treten.
Auch in unserem Zimmer sitzen sie. Meistens starr und unbeweglich, doch manchmal fliegt eine plötzlich los und landet kurz darauf mit einem trockenen, hölzernen Geräusch irgendwo zwischen dem Mobiliar. Ich hätte sie einfach ignoriert, in der Hoffnung, dass sie mich dann auch ignorieren, aber meine Freundin findet sie gruselig. Ich fange alle die ich bekommen kann in einem Becher ein und schmeiße sie aus dem Fenster. Sollen sie doch draußen dumm herumsitzen und blöde gegen irgendwelche Hindernisse knallen.
Dann gehen wir rüber zum Busbahnhof und suchen nach einem Bus nach Sumbawanga für morgen früh. Tatsächlich gibt es den Sumry-Bus (16000 TSH) um 6.30 Uhr morgens. Laut Lonely Planet ist die Sumry Buslinie einer der besten und zuverlässigsten in Tansania.
Jetzt bin ich richtig hungrig. Seit dem Frühstück in Iringa haben wir nichts Gescheites gegessen und das Frühstück dort war genau genommen auch nichts Gescheites. Wieder einmal hilft der Blick in den Lonely Planet. Dort wird das Restaurant des Mbeya Hotels empfohlen. Wir nehmen ein Taxi ins Zentrum. Das Restaurant befindet sich in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude aus kolonialen Zeiten und hat den entsprechenden Charme. Hohe Hallen, kristallene Kronleuchter, Säulengänge und alte Fotografien an der Wand. Der Service ist furchtbar lahm, aber das Essen war super. Dickes Lob an den Koch für sein vorzügliches Chicken Byriani.
Mbeya – Sumbawanga
5 Uhr 30 aufstehen. Natürlich ist es noch dunkel in Mbeya und wer es sich leisten kann, schläft jetzt noch. Ein Griff zum Lichtschalter zeigt dass es Strom gibt. Das bedeutet zweierlei, erstens die Chance auf eine warme Dusche und zweitens auf einen heißen Kaffee. Ich habe einen kleinen Reisetauchsieder im Gepäck und alles was man sonst zum Kaffee oder Tee zubereiten braucht, also Becher, Pulverkaffee, Milchpulver und Teebeutel. Das ist ziemlich praktisch, vor allem wenn man früh morgens los muss und alles noch geschlossen ist.
Mobile Küche
Kurz nach 6 Uhr, es ist immer noch stockdunkel, stehen wir am Busbahnhof und suchen den Sumry-Bus nach Sumbawanga. Natürlich ist der noch nicht da und so stehen wir eine halbe Stunde in der Dunkelheit herum, umgeben von ebenso dunklen Gestalten, die entweder auch auf den Bus warten, oder anderen zwielichtigen Tätigkeiten nachgehen.
Dann kommt der Bus der angeblich besten und zuverlässigsten Gesellschaft Tansanias (L. P.). Er ist alt, rostig, verbeult und total verschmutzt. Die Frontscheibe ist an vielen Stellen durch Steinschlag beschädigt, direkt im Blickfeld des Fahrers ist sie spinnennetzartig zersprungenen, als hätte jemand darauf geschossen.
Bevor einer einsteigen darf, fegt ein Putzmann mit einem gewaltigen Besen eine Tonne Müll aus der Vordertür, direkt vor unsere Füße. Wir müssen ein paar Meter zurücktreten um nicht in der Staubwolke zu stehen. Ich schaue und staune. Plastikflaschen, Tüten, Papier, Kartons, Essensreste, Sand, Staub, Dreck, alles fliegt raus und landet auf einem großen Haufen. Von Innen sieht der Bus nicht viel besser aus als von außen, aber wenigstens ist der gröbste Dreck entsorgt. Die Sitze sind durchgesessen und von unzähligen Fahrten auf holprigen Pisten total ausgeleiert.
Gegen 7 Uhr geht es los. Das Getriebe kracht bei jedem Schaltvorgang, die Bremse riecht nach verschmortem Gummi und der Diesel hört sich an, als hätten sie rostige Nägel im Tank. Aber er fährt.
Die Straße nach Sumbawanga ist ungeteert, staubig und voller Schlaglöcher. Wir haben Glück und sitzen in der Mitte, die Passagiere auf den hinteren Plätzen knallen bei gröberen Bodenunebenheiten regelmäßig mit dem Kopf ans Dach. Die Fenster lassen sich nicht richtig schließen. Das bedeutet sieben Stunden staubschlucken.
Trotz all dieser Widrigkeiten habe ich die Fahrt nach Sumbawanga genossen. 😉
KarstenB2'396 Beiträge · seit 201104. Juni 2014 · #34
Hallo Gu-ko,
es wird höchste Zeit, dass ich mich auch schriftlich - und nicht nur per Knopfdruck - bei Dir bedanke für diesen wirklich außergewöhnlichen RB. Du schriebst:
ist noch genug Platz im Matatu 🙂
. Wenn es noch genug Platz gibt, ist es kein Matatu 🤩 (oder Dala-Dala, wie sie in TZ heißen. Und:
dass nicht genug Zeit war um in den Ruaha NP zu gehen ärgert mich heute noch, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 🙂
Auch ich kann Dir den Ruaha wärmstens empfehlen, wenn Du einen Vorgeschmack möchtest, ich bin bei meinem RB Tanzanias Süden - Daumendrücken ... gerade am Ruaha angekommen 🤩 ! Und (wenn ich darf?) möchte ich Christa 😘 für das Foto aus dem Baobab-Valley danken, wir sind ja vor lauter Stress nicht dazu gekommen, dort zu fotografieren 🙁
Darf ich zu Eurer Strecke nochmal nachfragen. Was habt Ihr in Sumbawanga gemacht? Seit Ihr nicht von Zambia aus bis Kigoma mit der Limba gefahren? Die Strecke Mbeya - Tunduma - Sumbawanga war doch im Herbst 2013 schon alles Asphalt bis auf die letzten 50 km Baustelle vor Sumbawanga. Wie ist euer Bus denn nur gefahren?
LG Christa
@Karsten Falls Du das Bild grösser möchtest, schick mir per PM Deine Mail-Adresse.
www.botswanadreams.de
"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201405. Juni 2014 · #36
@Christa Ich versuche mal, die Strecke vor meinem geistigen Auge zu rekonstruieren. Soweit ich erinnere, war der erste Teil hinter Mbeya aspahaltiert. Der Bus fuhr allerdings nicht durch Tunduma, sondern wechselte vor Tunduma auf eine Staubstrasse, die um Tunduma herum führt. Diese Staubstrasse liegt paralell zur Hauptstrasse auf der rechten Seite, Tunduma bleibt quasi links liegen. Nach Tunduma bis Sumbawanga war nach meiner Erinnerung das meiste Erdstrasse. Aber vielleicht irre ich mich auch und habe die Rüttel- und Schüttelabschnitte stärker in Erinnerung. Wir sind nach Sumbawanga gefahren um dort über die Grenze nach Sambia einzureisen.
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201406. Juni 2014 · #38
Sumbawanga - Mpulungu
Sumbawanga wirkt relaxed. Auf den Hauptstraßen und rund um den Busbahnhof geht es zwar lebhaft zu, aber ohne dass es stressig ist. Der Straßenverkehr ist moderat, was bei der abgelegenen Lage Sumbawangas nicht erstaunlich ist.
Wir müssen eine Nacht in Sumbawanga bleiben. Bis zum Grenzort Kasesya nach Sambia sind es zwar nur knapp 100 km, aber der Bus fährt nur einmal pro Tag gegen 12 Uhr Mittags ab. Der Grenzübergang bei Kasesya ist schwach frequentiert. Die meisten Reisenden gehen über Tunduma (ca. 220 km südöstlich) nach Sambia.
Laut Lonely Planet soll es gelegentlich LKWs geben, die bis zur Grenze fahren, aber es gelingt uns nicht, einen ausfindig zu machen. Als wir diesbezüglich herumfragen, bekommen wir lediglich Fahrten mit privaten PKWs angeboten. Zu einem Preis von 80 USD ist mir das zu teuer. Außerdem müssten wir, da die Grenze gegen 18 Uhr schließt, dann in Kasesya übernachten. Und selbst wenn wir das heute noch schaffen, wäre ein Weitertransport von der Grenze in Sambia sehr ungewiss.
Wir lassen unser Gepäck in einem kleinen Hotel und gehen erst mal etwas essen. Dann zum Busbahnhof, Verbindungen für morgen checken. Dort werden wir sofort von einer Gruppe junger Männer umringt und belabert. Dabei wedeln sie mit Blocks in den Händen, die Bögen mit Ticketvordrucken enthalten. Seitdem ich in Kenia einmal beinahe auf einen Ticketbetrüger hereingefallen wäre, bin ich vorsichtig geworden und kaufe Tickets nur in einem Booking Office. Da das kleine Büro der nach Kasesya fahrenden Busgesellschaft unbesetzt ist, lassen wir uns von einem der Ticketboys auf eine Reservierungsliste für den morgigen Tag setzen. Aber bezahlen werde ich erst morgen.
Busbahnhof Sumbawanga
Abends laufen wir noch ein bisschen durch Sumbawanga. Da es mal wieder keinen Strom gibt, ist es sehr dunkel und man sieht außerhalb der flackernden Lichtscheine der Petroleumlampen in den kleinen Geschäften nicht viel. In einem winzigen Restaurant, dessen Einrichtung aus drei wackligen Holztischen besteht, essen wir gegrilltes Fleisch und gebratene Bananen. Das Fleisch ist so zäh, dass ich das meiste einem kläglich miauend dürren Kätzchen überlasse.
Am nächsten morgens klopft es früh an die Tür des Hotelzimmers. Draußen steht der Manager mit einem der Typen, die wir gestern auf der Straße nach LKWs oder Sammeltaxis Richtung Grenze ausgefragt hatten. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass ein Mzungu nach Transportmöglichkeiten gefragt hat. Vor dem Hotel steht ein Minivan und der Fahrer würde uns für rund 80 USD nach Kasesya fahren. Ich winke ab. Wir haben jetzt schon die Busfahrt organisiert.
Der Bus von Sumbawanga nach Kasesya
Im Bus von Sumbawanga nach Kasesya
Der kleine Bus ist bis zum Anschlag mit Menschen und Gepäck vollgestopft. Wir haben die Plätze ganz vorne neben dem Fahrer. Es regnet leicht, als wir gegen 13 Uhr losfahren. Außer mir sind noch zwei weitere Wazungu zugestiegen. In diesem Teil Tanzanias sieht man selten Weiße und noch seltener in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Straße ist zunächst super, frisch geteert und in perfektem Zustand. Aber schon nach kurzer Zeit verwandelt sie sich in eine rote, schlammige Piste. Das überladene Fahrzeug quält sich ächzend und schlingernd durchs Buschland.
Die Straße von Sumbawanga nach Kasesya
Am Straßenrand einzelne aus luftgetrockneten Ziegeln gemauerte Häuser mit Dächern aus Stroh, manche haben ein Wellblechdach. Zerlumpte Kinder winken dem Bus hinterher, die Erwachsenen starren nur mit ausdruckslosen Gesichtern. Mit Kisten, Körben, Säcken und anderen Gegenständen beladene Lastenfahrräder kommen uns entgegen. Oft werden sie geschoben, da sie unter diesem Gewicht kaum noch fahrbar sind.
An einer abschüssigen, besonders schlüpfrigen Stelle, kommt der Bus ins schleudern. Der Fahrer verliert für einen Moment die Kontrolle über das Fahrzeug. Wir rutschen in eine tiefe Furche und es gibt einen lauten Knall. Da war wohl ein Fels im Weg. Ernsthaft beschädigt ist aber nichts. Nach kurzer Inspektion und ein paar Fußtritten gegen das Blech steigt der Busfahrer wieder ein und es geht weiter.
Kurzer Ess- und Pinkelstopp in dem kleinen Kaff Matai auf halber Strecke. Ich bleibe im Bus sitzen weil ich weder Hunger habe noch Lust eine afrikanische Dorftoilette kennen zu lernen. Wie so oft auf meinen Afrikareisen höre ich helle Stimmchen rufen: „Mzungu, Mzungu“. Ich schaue aus dem Fenster und da steht die Dorfjugend um den Bus versammelt um den Alien anzustarren.
Mzungu-Starren in Matai
Ich sage „Hello everybody“ und sie antworten im Chor „Hello Sir“ ohne dabei den starren Blick abzuwenden. Ich zücke meine Kamera und endlich kommt Bewegung in die Gruppe. Schreiend und lachend spritzen sie auseinander, verstecken sich, kommen wieder zurück und rennen wieder weg. Dann fährt der Bus los.
Als wir an einer kleinen Häuseransammlung anhalten und alle aussteigen, fragen wir ob dies die Endstation sei.
„Yes Sir, Kasesya, Border.“
Kasesya, der Grenzort, ist einer dieser Orte, an denen man nicht länger als unbedingt nötig verweilen möchte. Es gibt nichts außer einer staubigen Straße, ein paar ärmliche Häuser und ein heruntergekommenes Guesthaus, das davon lebt, dass der Grenzposten nur tagsüber (bis 18 Uhr) besetzt ist. So kommt es gelegentlich vor, dass einer der wenigen Reisenden, die diesen Übergang nach Sambia benutzen, hier die Nacht verbringen muss.
Meine Freundin braucht eine Toilette. Wir gehen zum Hotel und während sie im Hinterhof verschwindet, tausche ich bei einer dicken Frau, die in der Hotelbar herumlungert, ein paar tansanische Schilling in sambische Kwacha. Meine Freundin kommt zurück, sie hat die Zimmer und die Toiletten gesehen.
„Hier möchte ich nicht übernachten“ meint sie leicht schaudernd.
Nun das hatten wir auch nicht vor. Also los, den Seesack geschultert, und zur tansanischen Immigration marschiert. Das Auschecken aus einem Land geht in der Regel schnell und da wir hier die einzigen Grenzgänger sind, dauert es keine Minute und ich habe den Exit-Stempel im Pass.
Die Grenzstationen von Tansania und Sambia liegen schätzungsweise einen Kilometer auseinander, verbunden durch eine Erdstraße, die durch einen Streifen Niemandsland führt. Dieses Niemandsland wirkt total verlassen, ein paar Häuserruinen, dazwischen vereinzelte Büsche, sonst nichts. Kein Auto, kein Mensch zu sehen. Während wir nach Sambia laufen, fragen wir uns, was wohl wäre, wenn uns hier etwas zustoßen würde. Kein Land wäre für uns zuständig, aus Tansania sind wir ja schon ausgereist und in Sambia noch nicht eingereist. Zum Glück stößt uns nichts zu und wir erreichen unbeschadet die sambischen Grenzgebäude.
Es ist ein kleines Häuschen in dem zwei Grenzbeamte sitzen. Einer ist damit beschäftigt, die zwei Wazungu, die mit uns im Bus nach Kasesya saßen, mit Visa auszustatten, der andere damit, in einer Zeitschrift zu blättern. Ich gehe mit unseren Pässen in der Hand auf ihn zu, er meint jedoch, ich solle draußen warten, bis sein Kollege mich ruft.
Die zwei Wazungu kommen schon bald aus dem Grenzerhäuschen. Sie sind US-Amerikaner, eine Frau und ein Mann, aber kein Paar, wie sie später erzählen. Sie reisen bloß eine Weile zusammen. Sie sagen, sie wollen nach einer Transportmöglichkeit weg von der Grenze suchen.
„Falls ihr etwas findet, wartet bitte auf uns“ sage ich.
Sie versprechen es.
Dann werden wir vom Customs Officer ins Büro gerufen. Er betrachtet unsere Pässe eingehend von allen Seiten und meint schließlich, mein Visum sei kein Problem, vorausgesetzt ich könne 50 USD Gebühr bezahlen, aber meine Freundin müsse eine Geburtsurkunde mit sich führen, das sei für Kenianer Vorschrift. Ihr Pass alleine reiche nicht aus für die Einreise nach Sambia .
Natürlich hat sie keine Geburtsurkunde dabei und hat auch noch nie gehört, dass sie eine solche für die Einreise nach Sambia bräuchte. Ich teile dem Officer mit, wenn sie kein Visum bekommt, will ich auch keins, dann gehen wir halt zurück nach Tansania.
Der Officer nimmt sein Handy und verlässt den Raum. Wir warten. Nach fünf Minuten kommt er zurück und sagt, er habe mit seinem Vorgesetzten gesprochen und er könne das Visum für meine Freundin nur ausstellen, wenn wir eine kleine Extragebühr zahlen würden. Ah, jetzt wird mir klar was die Show bezweckt. Ich frage wie hoch die Gebühr sei.
Gu-koThemenstarter275 Beiträge · seit 201406. Juni 2014 · #39
. Nahe den Grenzgebäuden stößt man auf eine kleine Ansammlung von Häuser und Hütten. Ich habe keine Ahnung, ob der Ort einen Namen hat. Hier beginnt die Erdstraße Richtung Mbala, dem nächsten größeren Ort in Sambia. Dort treffen wir auf die zwei US-Wazungu, die auf ihren Rucksäcken am Straßenrand sitzen. Wir setzen uns dazu. Außer zwei oder drei Motorradfahrer kein Fahrzeug weit und breit. Kein Bus, kein Truck, kein PKW.
Aus einiger Entfernung werden wir von einer Schar Kinder neugierig beobachte. Ich winke sie heran, aber sie trauen sich nicht. Die kleineren verstecken sich hinter den größeren.
Während wir warten vertreibe ich mir die Zeit damit, ein bisschen zu fotografieren.
Grenzort Sambia
Grenzort Sambia
Grenzort - Sambische Dorfschönheiten
Grenzort - Boda Boda
Grenzort - Sambische Dorfschönheiten
Grenzort
Endlich ein Motorengeräusch. Eine lange Staubfahne hinter sich herziehend nähert sich ein großer LKW. Etwa 200 m von uns entfernt bleibt er stehen. Ein älterer Afrikaner, der auch auf Transport wartet, springt auf und eilt dem LKW entgegen. Es ist ein Viehtransporter. Auf der Ladefläche drängt sich eine Ziegenherde. Wir bleiben sitzen.
Aus dem Nachmittag wird langsam später Nachmittag, dann früher Abend. Die Sonne sinkt tiefer, die Schatten werden länger und ich befürchte schon, wir müssen an diesem trostlosen Ort die Nacht verbringen. Ein Zelt haben wir dabei. Ich beginne den Ort gedanklich nach einem geeigneten Platz abzusuchen. Die Amerikanerin denkt darüber nach, nach Mbala zu laufen und ihr Reisegefährte darüber, eines der Motorräder zu mieten.
Plötzlich kommt ein Mann auf uns. Er hat ein Handy in der Hand und fragt, ob er ein Taxi rufen soll. Er kennt jemand in Mbala der ein Auto hat. Ich frage nach dem Preis. Der ist OK. Viel Spielraum für Verhandlungen haben wir an diesem verkehrsarmen Ort sowieso nicht.
Auf das Taxi müssen wir noch fast eine Stunde warten. Als es kommt, ist es schon voll. Der Fahrer hat unterwegs Leute aufgenommen, die noch irgendwohin wollen. Als ich sage, dass wir den Fahrpreis durch alle Mitfahrer teilen, ist das Taxi plötzlich wieder leer. Als wir losfahren, schaue ich nach dem älteren Afrikaner, um ihm anzubieten, mit uns zu fahren. Ich kann ihn nirgends entdecken. Vielleicht hat er auf dem Viehtransporter zwischen den Ziegen einen Platz gefunden.
Das Taxi kommt
zum Abschied Mzungu starren 😉
Nach Mbala sind es etwa 25 km Erdstraße. Die Sonne steht jetzt als oranger Feuerball über dem Horizont und taucht die Landschaft in warmes Abendlicht. Wir sind alle erleichtert, dass wir wieder in Bewegung sind. Der Taximann ist auch gut drauf. Er dreht die Musikanlage auf und singt laut mit. Dabei klatscht er in die Hände und schüttelt rhythmisch den Kopf. Ich höre die Frauen hinter mir kichern. Verkehr gibt es auf dieser Straße keinen, lediglich die Schlaglöcher erfordern ein gelegentliches Eingreifen des Fahrers.
Kurz vor Mbala am Lake Chila steigen die beiden Amerikaner aus. Dort gibt es eine nette Lodge, die Lake Chila Lodge. Sie haben dort ein Zimmer reserviert. Wir fahren weiter Richtung Zentrum, wo ich an einem Geldautomaten sambische Kwachas ziehe.
Der Taximann will uns zur Chivunda Lodge (100 Kwacha/DZ) bringen („My sisters Hotel“), etwas außerhalb des Stadtzentrums. Wir schauen uns die Zimmer an, großes Bett, TV, Dusche, einigermaßen sauber, für eine Nacht ok. Ein paar geflügelte Insekten sitzen an den Wänden, aber die sehen nicht gefährlich aus, also was soll‘s. Der Taximann verabschiedet sich mit dem Versprechen, am nächsten Morgen sehr früh wiederzukommen und uns zum Busabfahrtsplatz zu fahren.
Wir machen es uns gemütlich, schauen noch ein bisschen TV. Ich bemerke, dass sich das Zimmer zunehmend mit den fliegenden Insekten füllt. Plötzlich sind sie überall. Ich öffne die Tür zum Bad und kann es kaum glauben. Angelockt durch das Licht der Glühbirne sitzen, grabbeln, fliegen tausende dieser Insekten an den Wänden, der Decke, dem Boden. Unter meinen Füßen knackt es, als würde ich über trockene Zweige laufen. Ich gehe zur Dusche und versuche den Insektenschwarm von den Wänden zu spülen. Doch das führt nur dazu, dass der Abfluss verstopft und sich ein ekliger Insektenbrei auf dem Boden des Badezimmers ausbreitet. Die Lust auf eine Dusche ist mir vergangen.
Chivunde Lodge
Ich rufe die Lodge Managerin um Hilfe. Sie sagt etwas das klingt wie: „Oh my God“, verschwindet kurz, und kommt mit Eimer und Wischlumpen wieder. Doch ihre Bemühungen sind wenig erfolgreich. Zwar schafft sie es den Abfluss wieder frei zu bekommen und einen Eimer voller Insektenleichen aus dem Bad zu schaffen, aber da das Fenster weder eine Glasscheibe noch ein Netz hat, reißt der Strom an fliegenden Insekten nicht ab. Bleibt nur das Licht ausmachen und die Türe schließen. Auch unser Schlafzimmer lässt sich nicht komplett abdichten. In den Wänden unter der Decke sind Öffnungen nach draußen, wohl als Lüftungskanäle gedacht.
Vor dem Schlafen versuchen wir einen Trick. Wir löschen alle Lichter im Zimmer, schalten das Licht im Bad wieder ein und lassen die Türe offen. Dann warten wir, bis alle Insekten ins Bad geflogen sind, machen dort das Licht aus und schließen schnell die Türe. Wir kriegen zwar nicht alle raus, aber es sind deutlich weniger geworden, als wir schlafen gehen. In der Nacht wache ich ein paar Mal auf, weil etwas über mein Gesicht krabbelt. Zum Glück stechen die Biester nicht. Meine Freundin meint am nächsten morgen:
„For me that was the longest night. I just wanted morning to come we go to Mpulungu.”
Mbala – Mpulungu (28-11-2014)
Zum Frühstück gibt es nur Instant-Kaffee und Kilimanjaro-Tee, gebrüht in unserer mobilen Küche. Während der kleine Reisetauchsieder vor sich hin blubbert, packen wir die Rucksäcke. Keiner hat Lust auf eine Dusche. Es ist gegen acht Uhr und ein wunderschöner, klarer, sonniger Morgen als wir die Lodge verlassen.
Da der Taximann nicht gekommen ist, frage ich die Lodge Lady, wie wir am besten nach Mpulungu kommen. Sie meint, ein paar Kilometer von hier fahren Kleinbusse nach Mpulungu. Wir haben Glück, vor der Lodge steht ein PKW und der Fahrer ist bereit und für 10 Kwacha dorthin zu bringen. Unterwegs kommt ein Matatu entgegen, unser Fahrer macht Zeichen und es stoppt. Wir steigen um. Der Minibus ist schon ziemlich voll, ich bekomme einen Platz vorne neben dem Fahrer und einer dicken sambischen Lady. Meine Freundin quetscht sich auf einen halben Sitz hinten im Van und los geht’s Richtung Mpulungu.
Nirgendwo waren die Matatus voller als in Sambia
Unterwegs hält das Fahrzeug immer wieder an, Menschen steigen ein, Säcke und Körbe werden auf dem Dach zu immer höheren Türmen gestapelt. Im hinteren Teil ist es inzwischen so eng, dass die Passagiere teilweise übereinander sitzen, Beine und Arme in grotesker Haltung verknäult. Der Beifahrer sitzt am Fenster der Schiebetür mit dem Oberkörper draußen, die Beine im Fahrzeuginneren verhakt. Meine Freundin kann ich in diesem Knäul von Leibern, Armen und Beinen nicht mehr sehen.
Ich saß in Afrika schon in einigen überfüllten Verkehrsmitteln, aber die Minibusse in Sambia toppen alles. Und richtig, er hält schon wieder an um zwei weiter Passagiere aufzunehmen…
Dann geht’s hinab zum Tanganjika See. Der Höhenunterschied beträgt über 800m und ist deutlich an der Lufttemperatur zu spüren. Es wird wärmer. Die Landschaft ist phantastisch, leider kann ich keine Fotos machen, da meine Freundin mit dem Rucksack und der Kamera irgendwo im hintersten Teil des Vans verschwunden ist.
Später beschreibt sie die Fahrt so:
„We were eight people at the back sit. This was unbelievable. The other three rows had even more people. It got to a point where the conductor had no space, so he had to hang out of the window. It was so hot inside I felt like I was going to faint despite of the open windows. I was squeezed at the corner.”
Gegen 11 Uhr vormittags erreichen wir etwas zerdrückt, aber wohlbehalten Mpulungu und den Tanganjikasee.
nun verstehe ich, welchen Weg Ihr nach Zambia genommen habt.
Dein Bericht fühlt sich an, als währe man mittendrin in Eurer Tour. Einfach klasse.
LG Christa
www.botswanadreams.de
"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway