Mit Trophäenjagd Naturschutz finanzieren?

62 Antworten · 11,1k Aufrufe · gestartet 28. Okt. 2013 von sekanzler
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527 Beiträge · seit 201330. Okt. 2013 · #21
Flowerrunner schrieb:At GUIDO
Du hast Recht.
Bis auf den Löwen..., der ist nicht wirklich gefährdet.
Zumal der sich auch in kürzester Zeit wieder stark vermehren kann, was beim Rhino so leider nicht der Fall ist.
Wie kommst du darauf, dass der Löwe "nicht wirklich gefährdet" ist?
Die Populationen der Löwen sind fast überall stark zurück gegangen und der Gesamtbestand in Afrika südlich der Sahara (nördlich davon wurde er schon vor 100 Jahren ausgerottet) wird auf 20 000 bis maximal 30 000 geschätzt. Das sind 90% weniger als vor 75 Jahren. Die IUCN klassifiziert den westafrikanischen Löwen als "stark gefährdet", die ost- und südafrikanischen als "gefährdet". Die Gründe der Bestandesrückgänge will ich hier nicht erwähnen; jeder halbwegs Interessierte findet dazu Hunderte von Seiten im Internet...
Gruss M.
2'338 Beiträge · seit 200730. Okt. 2013 · #22
Hallo zusammen

Zitat:
Der Erlös der Auktion werde aber nicht wie vom DSC berichtet der namibischen Organisation zum Schutz von Nashörnern (Save the Rhino Trust, SRT) zugute kommen. „Das Geld geht in die Regierungskasse“, sagte Herunga. Was mit dem Geld letztlich gemacht werden soll, konnte der Minister allerdings nicht sagen.
Hier der ganze Artikel in der heutigen AZ:
http://www.az.com.na/natur-umwelt/jagd-ist-werbung.413850

Das Geld geht in die Regierungskasse…………??????
Nicht mit Trophäenjagt Naturschutz finanzieren, wie es im Titel dieses Themas heisst????? 😮 😐 🙄

Gruss Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
359 Beiträge · seit 201031. Okt. 2013 · #23
Hui ganz sensibles Thema,

aber da ich nunmal zwei Jahre in Namibia gelebt habe, Förster (und damit Notgedrungen und reinen Gewissens auch Jäger) bin, um die Wildproblematik nicht nur in Deutschland etwas (nicht genug) Bescheid weiß und meine Frau unter anderem ein Jahr für IRDNC gearbeitet hat, will ich mal ein paar Gedanken dazugeben...

Die Frage ist für mich weniger die ethische (Trophäenjagd wird es immer geben und daran wird sich auch nichts ändern, das ist Fakt) sondern die der dahinterstehenden Struktur, Professionalität, Wissenschaft, der Bevölkerung-Tier Konflikt und Kanalisation der Erlöse.

die Struktur und Kanalisation der Erlöse:

Es gibt genug Beispiele, auch in Namibia wo die Trophäe beim Erleger blieb, das ganze Geld beim Jagdveranstalter und das Fleisch bei den Conservancies (oder dem Stammesführer plus einigen anderen die mal ruhig gestellt werden sollten) die zum Teil nur auf dem Papier so toll arbeiteten (ich weiß nicht wie es aktuell aussieht) wie gewünscht. Daran gilt es weiter zu arbeiten, kontrollieren und gerecht verteilen.

Professionalität und Wissenschaft:

bei der Trophäenjagd in Namibia geht es oft weniger um die schönste Trophäe als um das Tier an sich ("ich will ein Löwen schiessen...egal was für einen).

Auch krankes, altes oder populationsgenetisch mutiertes Wild gibt es in Namibia. Da auch hier der anthropogene Einfluss zu spüren ist, kann die Natur nicht immer (aber natürlich mehr als im Maismonokulturgemäßteten Wildschweinparadies) für einen Ausgleich sorgen (einfach und plakativ gesagt: wo kein junger Löwe, wird kein alter Eli gefressen. Wird er nicht gefressen, können sich Epidemien ausbreiten). Hier muss die Jagdlobby mit der Wissenschaft zusammenarbeiten und dies Transparent nach außen tragen.

Bevölkerung-Tier Konflikt:

Unbestritten lebt ein nicht unerheblicher Teil der einheimischen Bevölkerung z.B nördlich an den Etosha angrenzend in ständigem Konflikt mit dem Wild.

Hier ist auch Sensibilität gefragt. Aufklärung reicht oft nicht (wie z.B. einfache Wildabwehrmaßnahmen). Umsiedlung kann manchmal sinnvoll sein, aber die Jagd auf Problemtiere (ja, die gibt es) muss als Alternative in Betracht gezogen werden. Der Mensch ist nunmal Teil der Natur und eine Natur ohne Mensch eher "unnatürlich". Natürlich auch hier das Gleichgewicht beachten, welches weltweit einfach nicht mehr gegeben ist (aber die Alternative Massenselbstmord wär ja auch eine blöde Sache an sich). Bleibt dabei die Trophäe über, bitteschön...warum wegwerfen.

Die Frage ist dabei aber auch die des ökologischen Fußabdruckes der bei einem mitteleuropäischen Stadbewohner höher niedriger ist als beim Landlust-Lesenden Dorfbewohner in Brandenburg (erstmal unglaublich aber wahr!) und die eines Wild-jagenden San weitaus geringer als die eines Swimmingpoolbesitzers in Windhoek (oder eines Trophäentragenden Stammesfürsten in Zentralafrika) und vielleicht auch die eines 4x4 Touristen als die eines gewissenhaften Jägers.

Na ja, da kann man ellenlang weitermachen. Ich liebe jedenfalls Biltong und Wildfleisch zu Weihnachten, bei dem ich mir sicher bin (da ich es selbst erlegt habe) das es verdammt schnell und ohne Schmerzen gestorben ist (und nicht mehr so starken Verbißdruck ausübt).

Viele Grüße aus Berlin
Kowo
zuletzt bearbeitet 31. Okt. 2013
Gast31. Okt. 2013 · #24
Hallo,

unter der Voraussetzung, dass das Geld wirklich dem Nashornschutz zugute käme und bei der Jagd alles korrekt läuft, mag die Versteigerung des Nashorns rein rational betrachtet eine gute Sache sein. Dass diese Voraussetzungen wirklich erfüllt sind, halte ich mit Blick auf die Trophäenjagd von Wüstenlöwen für fraglich, wo das Nichteinhalten von ethischen oder rechtlichen Grundsätzen der Jagd eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheint.

Wenn ich sehe, wie in den USA die Trophäenjagd auf das Nashorn nun offenbar als die ultimative, gütige Naturschutzmaßnahme verkauft wird, dann wird mir angesichts von soviel Scheinheiligkeit schlecht. Wenn dem Dallas Safari Club und irgendwelchen stinkreichen, jagenden Multimillionären der Schutz der Nashörner wirklich am Herzen liegen würde, dann könnten sie jederzeit einfach 250.000 USD an den "Save the Rhino Trust" spenden - ohne ein Nashorn abzuknallen. Das machen sie aber nicht und das offenbart die wahren Motive. Sie zahlen nur so viel Geld für das etwas pervers anmutende, exklusive Vergnügen, eines der bedrohtesten Tiere der Welt legal abknallen zu dürfen.

Der Abschuss soll ja im Mangetti-Nationalpark erfolgen. Auch Jahre nach dessen Deklaration wurde dieser Park nicht für die Öffentlichkeit geöffnet und da entsteht bei mir immer mehr der Eindruck, dass das MET sich da ein exklusives Jagdgebiet geschaffen hat. Da scheinen regelmäßig Trophäenjäger jagen zu dürfen und vor Kurzem hat schon ein Trophäenjäger da ein Nashorn in "Notwehr" erschossen... Wenn man diesen Park mal eröffnen würde, könnte man sicherlich auch mit Eintrittsgeldern etc. 250.000 USD und mehr pro Jahr für den Naturschutz einnehmen, ohne Tiere abzuschießen...

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 31. Okt. 2013
16,9k Beiträge · seit 201204. Juni 2016 · #25
Heute schon die Suchfunktion genutzt? 🤪
zuletzt bearbeitet 08. Aug. 2026
2'391 Beiträge · seit 201617. Juni 2016 · #26
Vielleicht mag der eine oder die andere eine Petition gegen die Freigabe von Nashörnern zur Jagd in Namibia unterschreiben.

http://www.thepetitionsite.com/de-de/takeaction/911/935/167/

Gruss

Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
2'664 Beiträge · seit 201220. Juni 2016 · #27
Sasa schrieb:Vielleicht mag der eine oder die andere eine Petition gegen die Freigabe von Nashörnern zur Jagd in Namibia unterschreiben.

http://www.thepetitionsite.com/de-de/takeaction/911/935/167/

Gruss

Sasa
Die Regierung von Namibia hat erklärt, solche Petitionen würden ignoriert.
2'391 Beiträge · seit 201620. Juni 2016 · #28
Kann schon sein, aber ich bin trotzdem davon überzeugt, dass der eine oder andere doch darüber nachdenkt, wenn nur genug unterschreiben.
Ist auf alle Fälle keine gute Publicity für Namibia und durch solche Petition wird das Vorgehen der Regierung weit verbreitet. Wenn es irgendein Interesse an Tourismus gibt, dann dürfte solch eine Petition vielleicht doch etwas bringen.
Nicht tun bringt auf jeden Fall gar nichts.

Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
785 Beiträge · seit 200820. Juni 2016 · #29
Hi,

die Petition ist sicherlich gut gemeint, allerdings denke ich persönlich ist sie nicht sonderlich zielführend, denn wenn diese 3 Nashörner nicht möglichst hoch versteigert werden, kein Geld in die Kasse kommt und somit Geld zum Schutz der Nashörner, im Kampf gegen den Hauptfeind der Wilderei fehlt, dann ist den Nashörnern auch nicht geholfen, sondern ehr noch geschadet!

Auch hoffe ich, dass das erwirtschaftete Geld dann auch für den Schutz der Nashörner eingesetzt wird und nicht in irgendwelche anderen Kanäle verschwindet, hier würde ich gerne eine Petition unterschreiben, die sich für die Transparenz einer solchen Aktion stark macht.

Es ist halt ein recht komplexes Thema, dass leider nicht so einfach zu lösen ist und leider habe ich oftmals auch den Gedanken, dass dieses Thema auch gar nicht richtig von politischer Seite gelöst werden will, denn sonst gäbe es in vielen Ländern im südlichen Afrika schon längst wesentlich härtere Strafen für Wilderer!


Viele Grüße


Markus
2'664 Beiträge · seit 201220. Juni 2016 · #30
Maggus, auch Deine Aussage ist gutgemeint, wenn aber Vergaben an halbseidene Veranstalter gehen, das Finanzierungssystem intransparent ist wie hier, vermute ich mal, daß höchstens 20% in den ensprechenden Kassen landet, der Rest in den Taschen der Permitunterschreiber und ihrer vorgesetzten Dienstherren. Das ist Afrika. Verabschiede Dich mal von den Illusionen. Und dort funktioniert nur die reine Farbenlehre, Grauzonen sind immer Kriminalität und Korruption. Deine eigene Heimat ist doch auch auf bestem Wege dort hin.
785 Beiträge · seit 200820. Juni 2016 · #31
Hi Swakop,

da hast du sicherlich recht, hier sehe ich auch ein großes Problem und hier sollte auch Transparenz gefordert werden, mal als Idee:

Für den Export der Nashörner und natürlich auch für den Import wird eine Cites Genehmigung gefordert, diese wird von externer Stelle erstellt.

Mein Vorschlag: Wenn nachweislich das Geld in das Schutzprogramm für Nashörner geht, dann erfolgt Cites, wenn Nein, dann halt nicht!

Ohne Cites sind die Nashörner für einen Trophäenjäger wertlos, denn er kann sich seine tolle Beute ja dann nicht zuhause an die Wand hängen!

Ist eine Idee, wird wahrscheinlich eh nicht zur Umsetzung kommen, da wie gesagt meiner Meinung nach gar nicht der richtige politische Wille hierfür vorhanden ist!


Gruß


Markus
1'250 Beiträge · seit 200926. Mai 2020 · #34
Guten Abend zusammen,

soeben im ZDF: Frontal 21
Hat das jemand ebenfalls gesehen? Wenn nicht, dann empfehle ich die Mediathek.

Ein Bericht über die Trophäenjagd in Afrika - hier speziell in Namibia. Es ist unfassbar und leider auch ziemlich grauenhaft, was da gezeigt und erklärt wird!! Und die Bundesregierung beteiligt sich noch daran, weil sie die Einfuhr der Trophäen (auch von Tieren, die unter Artenschutz stehen!!!) nicht verbietet.

Traurige Grüße vom Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
82 Beiträge · seit 202027. Mai 2020 · #35
Elchontherun schrieb:Hat das jemand ebenfalls gesehen? Wenn nicht, dann empfehle ich die Mediathek.
Das ist in meinen Augen richtig schlechter Journalismus und da hat sich eine ZDF-Crew nur einen hübschen Namibia-Urlaubs-Trip gegönnt, ohne vernünftiges Material zu liefern. Der Jagdanbieter darf unwidersprochen behaupten, dass der größte Teil der Jagd-Einnahmen direkt an die lokalen Communities geht. Es gibt eine Reihe hochwertiger Studien, die besagen, dass das nicht so ist. Es gibt auch für Nambia recht detaillierte Statistiken dazu. Nichts davon wird angeführt. Nichts wurde recherchiert. Es gibt Verbände, Ministerien, die man dazu befragen könnte. Wurde alles nicht gemacht. Zur "Überprüfung" spricht man lediglich mit dem Chief einer einzigen Conservancy, was per se bestenfalls Anekdoten aber keine Evidenz für oder gegen solch pauschale Aussagen generieren kann. Das zuständige Ministerium darf am Ende auch ein paar leere Phrasen absondern. Es wird nicht nachgehakt. Es werden keinen Zahlen, keine Beweise verlangt. Die völlige Inhaltsleere des Beitrages wird dann dadurch überdeckt, das man ein paar garantiert emotionalisierende, widerwärtige Jagdvideos einbindet. Derartiger "Journalismus" hilft in der Debatte für oder gegen Trophäenjagd nicht weiter.
572 Beiträge · seit 201327. Mai 2020 · #36
A7456 schrieb:

Das ist in meinen Augen richtig schlechter Journalismus ... Derartiger "Journalismus" hilft in der Debatte für oder gegen Trophäenjagd nicht weiter.
Guten Morgen,
das sehe ich auch so, allerdings hilft der Beitrag ganz sicher dabei, die dumme Masse der Fernsehzuschauer auf die Seite der Jagdgegner zu ziehen.
Ich will den Sinn oder Unsinn der Auslandsjagd gar nicht erörtern. Ich finde nur, es gäbe sehr viel mehr Betätigungsfelder für die Tierschützer, bei denen Tieren in deutlich größerer Zahl geholfen werden kann. Ein paar Beispiele:

-Bekämpfung der Wilderei in Afrika, ich denke hier werden sehr viel mehr Tiere getötet als bei der legalen Jagd.
-Schließung von Zoos/Tiergärten aufgrund völlig inakzeptabler Haltungsbedingungen von Wildtieren
-Verbot von Zirkusaufführungen mit Tieren, aufgrund der noch miserableren Haltungsbedingungen
-Verbot des Skitourismus, insbesondere Tourengeher und Schneeschuhwanderer. Der Lebensraum der alpinen Arten wird extrem beengt, das Wild dadurch in Zonen gedrängt, wo es notgedrungen Schäden im Wald verursacht und dann getötet wird.

Die Liste könnte man endlos erweitern. Ich kann jeden verstehen, der etwas gegen die Jagd an sich und die Trophäenjagd im speziellen hat. Wie in allen anderen Lebensbereichen gibt es auch hier negative Auswüchse, die dann als "allgemeingültig" hervorgehoben und dargestellt werden.
Also, Tierschutz ja bitte, aber mit Augenmaß!

LG Marcus
2'530 Beiträge · seit 201127. Mai 2020 · #37
Maecs schrieb:
... allerdings hilft der Beitrag ganz sicher dabei, die dumme Masse der Fernsehzuschauer auf die Seite der
Das trifft leider auf viele andere Themen auch zu. Man glaubt alles was einem da eingetrichtert wird.
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