Nashorn-Wilderei nun auch in Namibia?

513 Antworten · 91,5k Aufrufe · gestartet 07. Okt. 2013 von sekanzler
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33,1k Beiträge · seit 200629. Okt. 2014 · #41
Hallo allerseits,

"wie man hört" greift das MET nun zu drastischen Maßnahmen. Alle namibischen Nashörner sollen in den nächsten Monaten (Jahren?) enthornt werden. Somit bleiben die Tiere vielleicht am Leben..

Offizielle Bestätigung steht aber noch aus.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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1'324 Beiträge · seit 201329. Okt. 2014 · #42
Das wäre ja nichts neues.
Hat sich aber nicht bewährt (Zimbabwe).:
- erzeugt höhere Preise
- verschärft den Druck auf andere Länder
- ist schädlich für den Tourismus
- Tiere werden trotzdem getötet, da selbst die Stümpfe noch zu Geld zu machen sind
- die Prozedur ist aufwendig, gefährlich und teuer

Hoffentlich kommt das nicht.


Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela 10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
785 Beiträge · seit 200829. Okt. 2014 · #43
Hallo Guido,

es gibt allerdings jetzt schon sehr viele Hörner in Staatsbesitz, sowie auch sehr viel Nashörner in Gefangenschaft, man könnte also sofort den Markt bedienen, Problem ist nur, dass es für diese Hörner momentan keine Vermarktungsfreigabe gibt!

Hierzu währe allerdings, wenn der Wille vorhanden währe, nur eine Gesetzesänderung nötig und die könnte relativ schnell von umgesetzt werden.


Gruß


Markus
33,1k Beiträge · seit 200629. Okt. 2014 · #44
Hi Joe,

ich stecke in der Dehorning-Thematik zu wenig drin um das beurteilen zu können. Laut Save the Rhino macht es durchaus Sinn:
"There have been several other successful cases across Africa. Rhinos dehorned in recent years in certain Zimbabwe Lowveld conservancies appear to have 29.1% higher chance of surviving than horned animals. In Mpumalanga, South Africa, just over one-third of all the reserves’ rhinos (excluding Kruger NP) have been dehorned, and out of the 33 rhinos killed from 2009-11, only one was a dehorned rhino."

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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Gast29. Okt. 2014 · #45
Hallo,
maggus schrieb:es gibt allerdings jetzt schon sehr viele Hörner in Staatsbesitz
Hast Du dazu eine konkrete Quelle?
maggus schrieb:Hierzu währe allerdings, wenn der Wille vorhanden währe, nur eine Gesetzesänderung nötig und die könnte relativ schnell von umgesetzt werden.
Nein, die meisten Länder sind dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) beigetreten und es ist nicht schnell und einfach mit einer Gesetzesänderung getan. Generell gibt es nicht diese vermeintlich einfachen Lösungen: "wir machen einfach dies oder jenes und dann wird alles gut."

Ich habe zur Freigabe des Handels mit Elfenbein, Nasenhörnern usw. noch keine abschließende Meinung. Kritiker sagen: In dem Moment, wo man den Handel frei gibt, wird es unmöglich, legales von illegalem Horn zu unterscheiden. Die Bekämpfung von Wilderei und Schmuggel wird so massiv erschwert. Die bisherigen Teilverkäufe von Elfenbeinbeständen waren auch nicht gerade ein Erfolg.

Wirklich zuverlässig funktionieren würde das nur, wenn man soviel Horn oder Elfenbein auf den Markt werfen könnte, dass der Preis kollabiert und Wilderei und Schmuggel sich nicht mehr lohnen. Da ist aber niemals zu erreichen.

Beste Grüße

Guido
1'324 Beiträge · seit 201329. Okt. 2014 · #46
Bei der Menge kann ich aushelfen:
Derzeit lagern in Südafrika nach offiziellen Angaben 18 Tonnen Nashorn.
https://www.prowildlife.de/PM_Nashorn_handel_0407_2013

Ich bezweifel aber, dass eine Freigabe mittelfristig zum erfolg führt. Bei den elefanten hat sich durch die Teil-Freigabe ja auch das meiste zum negativen verändert.
Eine dosierte Freigabe könnte aber den Druck und den Preisdruck vorläufig mindern um andere Strategien ins Spiel zu bringen.


Gruß!
der Joe
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785 Beiträge · seit 200829. Okt. 2014 · #47
Hi,


ich denke auch, dass eine Dosierte und streng kontrollierte Freigabe einfach auch erst mal Zeit verschafft um andere Strategien zu entwickeln.

Auch könnte ein Teil der erzielten Erträge ja auch wiederum für den Kampf gegen den Illegalen Handel eingesetzt werden!

Bei 18 Tonnen, also 18.000 kg mal ~ EUR 10.000,- ( diesen Wert habe ich jetzt einfach mal angenommen ) da kommt schon ein ganz schönes Sümmchen zusammen!

Gleichzeitig sollte halt auch weiterhin Propaganda gemacht werden, dass das Pulver aus Nashörnern nichts bringt!


Gruß


Markus
33,1k Beiträge · seit 200629. Okt. 2014 · #49
Hi Sonja,

blätter mal zwei Seiten zurück - darum geht es hier ja 😉

Viele Grüße
Christian
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1'250 Beiträge · seit 200931. Okt. 2014 · #50
Guten Morgen zusammen,

und hier zum allgemeinen Thema (ich möchte wegen dieses Artikels in der AZ keinen neuen Thread eröffnen) mal einer, der mir aus der Seele spricht........

http://az.com.na/leserpost/naturschutz-ist-zur-farce-geworden-des-profites-wegen.421333

Traurige Grüße aus der Sonne,
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
Gast31. Okt. 2014 · #51
Hallo,

der Bernd Seefeldt scheint jede Woche 10 Leserbriefe zu allen möglichen Themen zu schreiben, aber inhaltlich trifft er es wohl recht gut. Es scheint vor allem an Kommunikation, Transparenz und Zusammenarbeit zu fehlen. Das MET selbst ist sehr intransparent und kommuniziert am liebsten gar nicht. Bei den ganzen NGOs traut sich niemand, die beim MET angebrachte Kritik auch öffentlich vorzubringen, weil die NGOs wiederum davon abhängig sind, vom MET die entsprechenden Permits für ihre Arbeit zu bekommen. Und das MET hat schon bewiesen, dass es Kritiker gern mundtot macht. Weil es keine Transparenz und Kommunikation gibt, machen sich dann fast zwangsweise immer wieder üble Gerüchte und Anschuldigungen hinsichtlich Korruption und mehr breit.

Das MET ist neben dem Umweltschutz auch für den Tourismus im Land zuständig und auch da hat das MET für die aktuelle Legislaturperiose meines Erachtens keine positive Bilanz vorzuweisen. In einem Monat sind in Namibia Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Ich hoffe, das nach der Wahl die Spitze des MET ausgetauscht wird und es dann wieder besser läuft. Minister Herunga an der Spitze des MET hat z.B. alle Kritiker der zahlreichen Abschusspermits für Wüstenelefanten pauschal als dumm und ahnungslos abgekanzelt. Er führt dann immer an, das Namibia ja insgesamt 20.000 Elefanten hat und die Population wächst. Nur nützt es den Wüstenelefanten und dem Tourismus in der Kunene-Region nichts, wenn z.B. im eingezäunten Etosha NP die Population wächst, während sie bei den Wüstenelefanten schrumpft und z.B. in der Purros Conservancy kaum noch ein Elefant übrig ist. Dürfen nach der Wahl die selben Leute beim MET weiter machen, dann wären das wahrscheinlich schlechte Aussichten auch für die nächsten 5 Jahre.

Beste Grüße

Guido
33,1k Beiträge · seit 200631. Okt. 2014 · #52
Hi Guido,

falls es Dich beruhigt, ein Herunga wird in Zukunft sicher erstmal keine größere Rolle spielen. Er steht nicht einmal mehr auf der Parteiliste und wird somit auch nicht ins Parlament einziehen (außer er zählt zu den acht glücklichen, die vom Präsidenten ernannt werden). Vermutlich wird Pohamba Shifeta das Amt übernehmen (derzeitiger Vizeminister und Nr. 3 auf der SWAPO-Parteiliste).

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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33,1k Beiträge · seit 200610. Nov. 2014 · #53
Moin zusammen,

vier weitere Nashornkadaver (etwa 3 Wochen alt) wurden in der Palmwag-Konzession gefunden. Spezialeinheiten sind den Wilderern auf der Spur; es soll sich um eine extrem gefährliche Situation handeln. Angeblich wurde ein Informant der Sondereinheiten in den vergangenen Tagen ermordet.

Mehr Infos gebe ich gern bekannt, sobald diese freigegeben wurden.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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4'129 Beiträge · seit 200810. Nov. 2014 · #54
Iiii, wie eklelig!

Furchtbar das alles.

Und - ganz egoistisch - fühlen wir uns durch solche Vorkommnisse auch in unserem Reisestil betroffen, denn weit ab, am liebsten wochenlang allein ohne Menschenkontakt, ist genau der Zufall eines "Zusammenstoßes" mit dereierlei Pack unsere einzige echte Sorge beim Reisen in der Wildnis. Wir hängen da ja z.T. Tage an einem Platz rum und niemand sieht uns. Und solche Typen sind unberechenbar, denn sie haben nix zu verlieren, außer ihr kriminelles Ziel.

Nun sind wir nicht ganz unerfahren in Begegnungen mit bewaffneten Typen, aber ganz im Gegensatz z.B. zu früheren Begegnungen mit Tuareg-Rebellen in der Sahara, bei denen immer klar war, dass sie an einen gewissen Ehrenkodex gebunden sind und uns Touristen nicht meinten und man sich entsprechend vorsichtig annäherte und kommunizierte, halten wir eine zufällige Begegnung mit Wilderern für eine ziemlich existenzbedrohende Angelegenheit... 🤢

Ismirübl
lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 10. Nov. 2014
33,1k Beiträge · seit 200611. Nov. 2014 · #56
Hi Gabriele,

so ist es:
"Naturschutzbeamte Namibias haben unter hohen Sicherheitsvorkehrungen damit begonnen, Nashörner zu enthornen. Das habe das Umweltministerium bestätigt, berichtet die Allgemeine Zeitung. Wo die Aktionen stattfinden, wird geheim gehalten. Pläne zur Enthornung waren Anfang Oktober bekannt geworden. Ziel ist, die Nashörner vor Wilderern zu schützen. - Experten kritisieren, dass das Horn ständig nachwachse und manche Tiere bei den Aktionen wegen Stress sterben würden. - Hitradio Namibia hatte gestern davon erfahren, dass im Nordwesten Namibias erneut vier Nashorn-Kadaver gefunden wurden. Die Gesamtzahl für dieses Jahr steigt damit auf 15." (Quelle: HRN)

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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Gast11. Nov. 2014 · #57
Hallo,

ob das Enthornen etwas bringt, wird man dann sehen. Die Preise sind so hoch, das auch ein Stumpen oder ein nur halb nachgewachsenen Horn lukrativ ist. Aber irgendwas muss man tun und Horn vergiften, Chip implantieren usw. sind wohl noch weniger erfolgsversprechend. Das einzige Land im südlichen Afrika, in dem der Schutz der Nashörner zu funktionieren scheint, ist wohl Botswana. Vielleicht kann man von da Maßnahmen und Strategien übernehmen.

Wenn es so weiter geht und sich neben den ganzen sonstigen Abschüssen nun auch noch die organisierte Kriminalität in Form der Nashorn-Wilderei im Nordwesten breit macht, dann steht die Region wohl bald vor dem touristischen Totalschaden. Es sind ja nicht nur die Nashörner sondern auch die Löwen und vor allem die Elefanten, die da verloren gehen. Wegen Eseln und Ziegen und im besten Fall ein paar Springböcken und Oryx werden kaum Touristen kommen.

Zur exklusiven und sehr teuren "Okahirongo Elephant Lodge" in Purros existiert schon der 'Running Gag', dass man die eigentlich in "Okahirongo Donkey Lodge" umbenennen müsste. Weil es da eben nichts anderes mehr zu sehen gibt als Esel und Ziegen. Derartige Häme ist für solche Luxusanbieter weitaus schlimmer, als Kritik am Essen o.ä.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 11. Nov. 2014
33,1k Beiträge · seit 200611. Nov. 2014 · #58
Hi Guido,
Das einzige Land im südlichen Afrika, in dem der Schutz der Nashörner zu funktionieren scheint, ist wohl Botswana. Vielleicht kann man von da Maßnahmen und Strategien übernehmen.
Botswana hat einen 1-zu-1-Schutz für Nashörner eingerichtet, d.h. jedes Nashorn wird von mindestens einem bewaffneten Ranger beschützt. Dies geht vor allem, weil Botswana relativ wenige Nashörner hat - weniger als Namibia und deutlich weniger als Südafrika. Die Enthornung in Simbabwe war wohl bisher auch recht erfolgreich - in dem von mir (hier irgendwo) verlinkten Bericht war von 28 Prozent weniger Wilderei die Rede. Immerhin.

zu Okahirongo: Ich war mehrmals da - mal sieht man viele Esel, mal viele Elefanten. Aber die Esel vermehren sich definitiv schneller 😉

Viele Grüße aus dem heute recht sonnigen Windhoek
Christian
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Gast11. Nov. 2014 · #59
Hallo Christian,
travelNAMIBIA schrieb:zu Okahirongo: Ich war mehrmals da - mal sieht man viele Esel, mal viele Elefanten. Aber die Esel vermehren sich definitiv schneller 😉
Laut Desert Elephant Conservation wurde da in den letzten Monaten noch mehrere Elefanten geschossen und jetzt sind im Hoarusib und angrenzenden Gebieten nur noch 2 Elefantenkühe mit 3 Halbstarken übrig. Da der Hoarusib lang ist, hat man wohl nur noch wenige Chancen, als Kunde der exklusiven Okahirongo Elephant Lodge auch tatsächlich Wüstenelefanten zu sehen.

Ein bisschen befürchte ich auch, dass es eine sich selbst verstärkende Spirale gibt. Wenn es weniger Tourismus und somit weniger Geld aus dem Tourismus geben sollte, dann bleibt den Locals gar nichts anderes übrig als verstärkt auf Viehhaltung zu setzen und dann wird man noch mehr Fläche für Nutzvieh beanspruchen und die Akzeptanz für Elefanten und Löwen noch weiter sinken.

Beste Grüße

Guido
33,1k Beiträge · seit 200611. Nov. 2014 · #60
Hi Guido,

DEC ist eine "Humbug-Organisation", die wird sogar vom MET und zahlreichen Organisationen die zum Schutz von Elefanten/Nashörnern/Löwen dort im Gebiet arbeiten gemieden bzw. als nicht ernstzunehmend eingestuft wird (ich meine dazu gab es mal einen eigenen Thread?!). Laut den anderen Organisationen gibt es +-150 Wüstenelefanten im Kaokoveld/Damaraland - ich habe alleine das letzte Mal bei Okahirongo (im Juni/Juli) mehr als 30 in einer Herde dort gesehen.

Scheinbar wird nun auch verstärkt die Proklamation des schon seit 2008 geplanten "Kunene Peoples' Park" vorangetrieben. Es wird dann ein Nationalpark mit besonderen Richtlinien, da eben der einzige (neben Teilen des Bwabwata) in denen auch Menschen leben). Versuche da derzeit näheres vom MET herauszubekommen.

Die Wüstenlöwen sind in jedem Fall in einer deutlich schlechteren Lage, da sie eben direkt das Vermögen (=Nutztiere) bedrohen.

Viele Grüße
Christian
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