aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201114. Feb. 2013 · #1
Hallo zusammen,
inzwischen ist es schon eine Weile her, seitdem mein Freund und ich zu unserer allerersten Afrika-Reise aufgebrochen sind. Eine Reise voller neuer Eindrücke, aufregenden Begegnungen und atemberaubenden Momenten.
Die Reiseplanung wurde mir durch eure Hilfe unglaublich erleichtert und als kleines Dankeschön möchte ich euch im Nachhinein wenigstens noch virtuell an unserer Reise teilhaben lassen. So lässt sich die momentane Eiseskälte hier vielleicht auch besser aushalten.
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201114. Feb. 2013 · #5
Sooo, Fotos sind alle hochgeladen, dann probiere ich mal mein Glück...
Tag 1 – Freitag, 28. September 2012
6 Uhr. Der Wecker klingelt. Nach ein paar Mal Snoozen stehe ich auf und mache mich fertig. Das Büro wartet. Noch ein kurzes Telefonat mit Dirk, alles wird noch mal durchgesprochen. Eigentlich müssten wir an alles gedacht haben. Mal sehen...
Nach einem stressigen Tag im Büro stempel‘ ich mit nur 20 Minuten Verspätung um 12:20 Uhr aus. Dirk war schneller und ist schon auf dem Weg von Zürich nach Singen, von wo er den Zug nimmt. Zu Hause werden noch die letzten Sachen gepackt, die Kätzchen verabschiedet und los geht’s mit der S-Bahn zum Stuttgarter Hauptbahnhof, wo auch Dirk pünktlich eintrifft.
Der ICE ist voll, aber wir schnappen uns die letzten zwei Sitzplätze und dann werden zwei Radler ausgepackt. Durchatmen. Entspannen. Wir sind im Urlaub. So richtig kann ich aber noch nicht relaxen, da der Blackberry freudig weiter vor sich hin blinkt. Dies und das will noch unbedingt vor dem Flug erledigt werden. Unabhängig davon verläuft die Zugfahrt aber problemlos, sodass wir pünktlich am Frankfurter Flughafen ankommen.
Nach einem ziemlich langen Fußweg finden wir auch unseren Schalter, wo wir uns in die Schlange einreihen. Nach kurzer Zeit fordert uns ein Polizist jedoch freundlich aber bestimmt auf, den Schalter zu verlassen und uns zum Ausgang zu begeben. Und zwar alle Anwesenden. Unsere Vermutung bestätigt sich schnell: ein unbeaufsichtigtes Päckchen treibt sein Unwesen. Also ab hinter die Polizeiabsperrung und warten. Stresst uns aber nicht, wir sind ja im Urlaub. Nach einer Viertelstunde ist das mysteriöse Paket auch beseitigt und wir können einchecken.
Einen BigMac, sechs Chicken McNnuggets, Passkontrolle, Security Check und Boarding später sitzen wir in unserem Flieger. Zusammen mit 300 anderen Charakteren, die mich unweigerlich an Hummeldumm erinnern. Zum Glück haben wir unser eigenes Auto. Mit ein paar Minuten Verspätung heben wir um 20:30 Uhr ab. Das Abendessen ist erstaunlich gut und gesättigt und entspannt schlafen wir ein. Afrika kann kommen!
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201114. Feb. 2013 · #6
Tag 2 – Samstag, 29. September 2012
Nach einer erstaunlich ergiebigen Nacht, dafür, dass man sich wie eine Sardine eingezwängt in ihrer Büchse fühlt, beginnt die Dämmerung und es gibt Frühstück. Kurz darauf landen wir um 6:15 Uhr in Windhoek und steigen bei 3°C aus dem Flieger.
Als wir nach Passkontrolle – die kein Ende nehmen wollte – Gepäckabholung, Geld-Abheben und Mietwagenvermieter-Finden das Flughafengebäude verlassen, ist es schon deutlich wärmer und die Sonne strahlt. Gemeinsam mit einigen anderen, die witzigerweise alle auch im Namibia-Forum sind, werden wir zur Mietwagenstation gefahren. Unterwegs müssen wir uns schon ein „Wie, das erste Mal in Afrika und gleich nach Botswana?!“ anhören. Naja, wird schon irgendwie gut gehen.
Nach einer sehr detaillierten Einweisung geht’s endlich los. Erste Challenge: Linksverkehr. Dirk meistert die Situation super. Zuerst gehen wir tanken und danach SHOPPEN. Mit Hilfe meiner mehrseitigen Checkliste füllt sich unser Einkaufswagen beeindruckend schnell. Muss ja schließlich auch eine ganze Weile reichen. Fasziniert sind wir davon, wie sehr deutsch doch alles ist. Unzählige deutsche Produkte sind zu haben; vom Bratwurst-Stand draußen bis zu den Butterbrötchen und Bauernbrot ist alles da. Nur das Springbockfleisch dazwischen erinnert daran, dass wir uns in Afrika befinden.
Nach einer kurzen weiteren Shoppingtour im City Centre von Windhoek beschließen wir, dass wir alles haben und verlassen die Stadt. Kurze Zeit später befinden wir uns schon im großen Nichts, wo aber unsere erste Lodge liegt: die Immanuel Wilderness Lodge. Sie besteht aus ruhig gelegenen einzelnen Strohhütten und es wimmelt nur so vor Tieren – von süßen Katzen über eine Menge Hunde zu Schildkröten und Straußen ist alles dabei. Und einen Pool gibt es auch. Genau da legen wir uns dann auch in den Halbschatten und relaxen. Der Tag war anstrengend genug, wir sind ja schließlich im Urlaub!
Abends gönnen wir uns noch den Luxus und genießen das 4-Gänge-Menü der Lodge, das wirklich unglaublich gut ist. Hauptgericht ist Kuhantilope. Sehr lecker. Anschließend fallen wir erschöpft ins Bett.
---------
So, morgen geht's weiter. Euch einen schönen Abend!
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201116. Feb. 2013 · #8
Sorry, gestern ist es nichts mehr geworden... Jetzt geht's weiter!
----------------------------------
Tag 3 – Sonntag, 30. September 2012
Als die Sonne um 6:30 Uhr aufgeht sind wir schon putzmunter – das Lariam lässt vor allem mich wieder nicht so richtig schlafen. Naja, aber wenigstens sind wir so gleich früh beim Frühstück. Ganz allein, alle anderen schlafen noch. Wir genießen es in der Morgensonne.
Danach packen wir unsere Sachen zusammen und ab geht’s gen Norden. Heute fahre ich das erste Mal – klappt auch noch ganz gut, der Scheibenwischer wird nur einmal fälschlich eingeschaltet. Als wir plötzlich ein Warzenschwein am Straßenrand sehen, sind wir ganz aufgeregt und drehen sofort um – das muss fotografiert werden! Diese Aktion stellt sich im Nachhinein als vollkommen unnötig heraus, denn auf der weiteren Strecke sehen wir noch massenhaft Pumbaas am Straßenrand grasen. Nächstes Highlight sind kreuzende Paviane, für die wir natürlich auch sofort anhalten.
So geht die Fahrt munter weiter, bis wir Richtung Waterberg Plateau Nationalpark abbiegen und kurz danach auf unsere erste Gravel Road abbiegen. Die ist aber noch ganz harmlos und am Mittag erreichen wir die Waterberg Wilderness Campsite. Sofort machen wir uns an den Aufbau unseres Dachzelts – das kriegen wir auch gleich ganz gut hin. Anschließend gibt es einen kleinen Snack und danach hole ich etwas Schlaf im Dachzelt nach – bis es mir darin zu heiß wird. Dirk liest währenddessen.
Um 15 Uhr starten wir motiviert los auf unsere Wanderung, die wir uns für den heutigen Tag vorgenommen haben. Vermutlich ist es gerade die heißeste Tageszeit, jedenfalls läuft uns der Schweiß schon bald den Rücken herunter. Insgesamt ist der Trail sehr anstrengend. Es geht auf und ab, über Stock und Stein, während die Sonne beständig auf uns herunterbrennt. Aber wir sind tapfer und kämpfen uns voran. Auf unserer Karte ist eine Quelle eingezeichnet, die wir unbedingt erreichen wollen. Nach zwei Stunden sind wir da, die Temperatur ist inzwischen etwas angenehmer und unter den alten Feigenbäumen ruhen wir uns etwas aus, bevor wir den Rückweg antreten.
Als wir nach insgesamt vier Stunden wieder unser Camp erreichen, sind wir durchgeschwitzt, von oben bis unten dreckig und vollkommen k.o. Entsprechend gut schmeckt die eiskalte Cola aus unserem Kühlschrank.
Frisch geduscht machen wir danach unser erstes Feuer und warten in der angenehm kühlen Abendluft bei einem leckeren Radler auf die perfekte Glut für uns 600g Rumpsteak. Dazu gibt’s Ofenkartoffeln, alles schmeckt sehr lecker.
Nachdem der Vollmond aufgegangen ist legen wir uns in unser Dachzelt und machen es uns gemütlich. Dirk liest noch ein wenig und dann schlafen wir beide ein.
Tag 4 – Montag, 01. Oktober 2012
Noch bevor die Sonne aufgeht sind wir schon wieder putzmunter. Wir dösen aber noch vor uns hin, schauen der Morgendämmerung zu und stehen gegen 6.45 Uhr auf. Heute haben wir noch mal reichlich Zeit zum Frühstücken, was wir auch ausnutzten.
Um 8 Uhr lernen wir unseren Guide JJ kennen, der uns gemeinsam mit vier weiteren Touris auf die Wildpirsch zu Fuß nehmen soll. Zwei der Touristen sind auch deutsch und ich frage mich, warum frau sich eigentlich Lippenstift und Schminke auftragen muss, wenn sie auf Wildsuche geht. Nun gut, jeder das ihre. Ihr Mann fragt uns nach unserer Route. Als wir sie ihm nennen, fragt er noch mal nach: „Aber ward ihr schon mal in Afrika?“ Auf unsere Antwort, dass es unser erstes Mal sei, erwidert er: „Und dann fahrt ihr gleich nach Botswana?!“ Oh je, was uns da wohl so Schwieriges erwartet...
Wir ziehen los und JJ erklärt uns in seinem – freundlich ausgedrückt – miserablem Englisch einiges über Spuren, Pflanzen und Tiere. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf die Spuren von zwei Giraffen – Mutter und Kind – denen wir nun folgen. Es geht im Gänsemarsch durch das Dickicht, die Sonne brennt mit jeder Minute heißer herunter. Nach einer gefühlten Ewigkeit sehen wir endlich die ersten Vierbeiner, allerdings nur ihre Hintern, weil sie so schnell wie möglich vor uns wegrennen. Kein Wunder, vor solchen Trampeltieren würde ich als Kudu auch Angst haben. Unverdrossen geht es weiter und weiter. Inzwischen haben wir fast fünf Kilometer zurückgelegt und noch immer keine Giraffen. Immerhin sehen wir zwischendurch in der Ferne Straußen, Warzenschweine und ein Zebra.
Nach zwei Stunden gibt JJ auf und lässt seinen Kollegen mit dem Auto kommen, damit wir nicht den ganzen Weg zurücklaufen müssen. Mit dem offenen Landrover – wir sitzen hinten in den Gästereihen – fahren wir jedoch nur ein paar kurze Meter, bevor wir wieder aussteigen und etwas ins Dickicht eindringen. Und dort, friedlich grasend stehen zwei dicke zufriedene Breitmaulnashörner, die sich gerade mal 20 Meter von uns entfernt befinden. Wir kriegen einiges über sie erzählt, dürfen Fotos machen und genießen es, diese vom Aussterben bedrohten Tiere zu beobachten.
Nach dieser tollen Begegnung geht es zurück zum Camp und wir machen uns sofort wieder auf den Weg Richtung Etosha. Den Waterberg Plateau National Park fanden wir schön, allerdings nicht umwerfend. Die Nashörner so nah zu sehen, war aber eine tolle Erfahrung.
Unterwegs kommen wir durch Otjiwarongo, wo wir auftanken und ein paar Dinge nachkaufen. Wir werden von vielen Afrikanern angequatscht, sie sind aber freundlich, wollen nur ihre Sachen verkaufen. Ein paar Kilometer weiter legen wir an einer Raststätte eine Mittagspause ein und vespern. Es ist inzwischen brütend heiß.
Gegen 15.30 Uhr erreichen wir das Okaukuejo Camp im Etosha Nationalpark, wo wir einchecken und danach unseren Campingplatz beziehen. Wir haben einen der schönsten erwischt: „Ortsrandlage“, weit weg von den Reisegruppen mit den großen Bussen. Sofort checken wir das Wasserloch, wo sich Zebras, Springböcke und Giraffen erfrischen. Das tun wir danach auch, indem wir in den Pool springen – herrlich. Um lange dort zu Verweilen sind wir aber zu neugierig und so verlassen wir um 15.45 Uhr das Camp um uns auf die Suche nach den Tieren Afrikas zu machen.
Zuerst geht es Richtung Pan – Salzpfanne – wo heute Mittag Löwen gesichtet wurden. Leider sind sie jedoch nicht mehr da, dafür sehen wir zwei riesige Elefanten, die wir begeistert beobachten. Außerdem gibt es unzählige Zebras, Spring- und Spießböcke, einige Gnus und ein paar Schwarznasenimpalas. Die Landschaft ist karg, teilweise verbrannt und am Himmel bauen sich beeindruckende Wolken auf, deren Regen jedoch nicht zu uns kommt. Immer wieder sehen wir auch Elefanten, vor allem an den Wasserlöchern. Die Beleuchtung ist wunderschön, besonders mit dem gelb-gold leuchtenden Steppengras im Kontrast zur dunklen Wolkenwand.
Langsam wird es später, aber wir wollen noch versuchen, zum Olifantsbad zu kommen. Die Zeit wird jedoch eng, weswegen wir schon fast umdrehen. Aber für einmal kurz Gucken sollte es noch reichen. Ein freundlicher Tourist aus dem Wagen vor uns hält uns das Tor zum Besucher-Aussichtspunkt auf und verweist auf die gerade gesichteten Löwen, wegen denen das Tor schnell wieder geschlossen werden muss. Löwen? Wir fragen sofort nach und angeblich liegen sie einfach um die Ecke am Wasserloch. Und tatsächlich, als wir wieder herausfahren können wir unser Glück kaum fassen. Drei halbstarke Männchen faulenzen unter einem Baum und lassen sich von uns nicht stören. Wir beobachten sie solange die Zeit es zulässt und brechen dann wieder auf zum Camp.
Bei Sonnenuntergang müssen wir wieder dort sein und haben bloß noch 30 Minuten. Aber wir bleiben entspannt und genießen die Fahrt in die untergehende Sonne. Wir halten noch ein paar Mal für Bilder und beobachten einen Schakal, der eine Wildkatze jagt – erfolglos. Sieht auch mehr nach einem Revierkampf aus.
Pünktlich wie die Maurer kommen wir im Camp an und bauen sofort unser Zelt auf. Das geht auch schon wirklich gut und schnell. Nur das Feuer-Machen müssen wir noch etwas üben. Na gut, wir sind ja auch noch Anfänger. Irgendwann wird es auch und wir nutzen das erste Mal unseren Potije, in dem wir uns Gulasch kochen.
Um uns herum laufen überall Schakale auf der Suche nach etwas Essbarem. Bei uns sind sie aber erfolglos. Das Essen schmeckt super und nachdem sowohl wir als auch das Geschirr gewaschen ist, gehen wir noch mit Schoki und Amarula zum Wasserloch. Dort bestätigt sich noch mal unser Rhino-Tag. Insgesamt fünf Spitzmaulnashörner stehen um das Wasserloch herum und stärken sich. Außerdem ein Elefant, Giraffen inklusive zwei Kleinen und natürlich Schakale. Wir genießen die Aussicht, bis wir um 23 Uhr müde beschließen, ins Bett zu gehen. Morgen geht es schließlich wieder früh los. Noch kurz lesen und lange Bericht schreiben, dann schlafen wir glücklich und zufrieden ein.
ich mag den sonnenuntergang mit der giraffe, einfach toll...
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201117. Feb. 2013 · #10
Tag 5 – Dienstag, 02. Oktober 2012
Nachts wachen wir ein paar Mal von Löwengebrüll auf, insgesamt schlafen wir aber sehr gut. Dass das Löwenbrüllen eine Vorankündigung des heutigen Tages werden soll, ahnen wir noch nicht.
Schnell packen wir am Morgen alles zusammen und verlassen zwei Minuten nach Sonnenaufgang das Camp. Heute Morgen wollen wir zuerst mal Richtung Norden fahren. Da oben bei den Wasserlöchern Okondeka und Wolfsnes sollen die Chancen auf Gepardensichtungen etwas höher sein. Und ich würde doch so gerne welche sehen! Wir fahren durch die einsame Weite, während die Sonne über der Pfanne alles in wunderschönes Morgenlicht taucht. Was ich zuerst für Gnus halte, stellt sich schnell als zwei Tüpfelhyänen heraus, die einen Morgenspaziergang machen.
Als wir bei Okondeka ankommen, packen wir Thermoskanne und Müsli aus und frühstücken gemütlich, während wir die Aussicht genießen. Am Wasserloch tümmeln sich einige Schakale und der große Stein entpuppt sich nach genauem Hinsehen als Löwenmännchen. Gemütlich liegt er da und neben ihm machen wir auch ein zweites Männchen aus. Eine ganze Zeit verweilen und frühstücken wir da, bevor wir weiter ins Hinterland Richtung Adamax und Natco fahren. Die Landschaft ist beeindruckend, besonders durch die tolle Beleuchtung, die alles in ein sanftes goldgelb taucht. Unterwegs begegnen wir Oryx, kämpfenden Gnus, Zebras und natürlich Springböcken. Ansonsten große weite Leere und glücklicherweise auch keine anderen Autos. Als wir fast zurück sind, sehe ich plötzlich eine Löwin nicht weit vom Straßenrand liegen. Und hinter ihr unter einem Baum beobachten uns zwei weitere. Die armen hecheln in der inzwischen brutalen Vormittagssonne. Wir beobachten sie kurz, es ist jedoch deutlich zu erkennen, dass die drei sich in den nächsten Stunden nicht freiwillig bewegen werden.
Also drehen wir noch eine Runde über Gemsbokvlakte, wobei sich nun alle Tiere vor der brennenden Sonne verstecken. Na gut, dann fahren wir auch mal zu unserem Camp. Nach einem Mittagssnack machen wie es den Tieren gleich und legen uns in den Schatten, wobei wir den Vorteil genießen, einen kühlen Pool zu haben. Es ist unglaublich heiß, sicher 40°C.
Erst gegen 15 Uhr machen wir noch einen Abstecher zum Wasserloch, wo ein paar Springböcke und Zebras baden. Danach fahren wir los. Doch die Hitze hat ihre Auswirkungen. Wo gestern noch riesige Herden unterwegs waren, ist alles wie ausgestorben. Keine Tiere bei Aus, auch nur ein paar einzelne beim Olifantsbad. In der Ferne ziehen bereits dunkle Wolken auf, es donnert und blitzt, aber der heiß ersehnte Regen kommt nicht an.
Wir fahren wieder in Richtung Camp und sehen dann im Dickicht ein Spitzmaulnashorn, das gemütlich in der Gegend herumsteht. Kurze Zeit später sehen wir ein zweites in der Ferne. Das Land ist extrem verbrannt und vollkommen schwarz.
Beim Wasserloch Gemsbokvlakte halten wir noch mal an, da sich dort eine große Zebraherde aufhält. Die Tiere sind angespannt und kämpfen viel, wir vermuten, dass es am aufziehenden Gewitter liegt. Gerade wollen wir wieder zurück ins Camp fahren, da stöbt die ganze Herde auf und rennt ein paar Schritte weg. Warum? Direkt am Wasserloch sehen wir plötzlich zwei Löwenmännchen faul herumliegen, bisher waren sie von den Zebras verdeckt. Die zwei machen sich einen Spaß daraus, durch ein simples Anheben des Kopfes alle umher stehenden Tiere zu verjagen. Es ist ein spannendes Schauspiel, wie sich die Zebras immer wieder vorsichtig ans Wasser heranwagen, bevor sie wieder panisch wegspringen. Kein Wunder, dass sie aggressiv sind, wenn die hinteren durstig drücken, ohne zu wissen, dass vorne die Löwen auf sie warten. Die zwei Jungs bleiben aber entspannt und leider tut sich nichts weiter.
Auf den letzten Drücker verlassen wir das Wasserloch und erreichen wieder auf die Minute genau das Camp. Lange Zeit haben wir dort aber nicht. Das Gulasch vom Vorabend wird schnell aufgewärmt und heruntergeschlungen. Dann geht’s auch schon wieder los – wir haben den Night game Drive gebucht. Unsere Erwartungen sind nicht sonderlich hoch, denn letztendlich ist es ja mit den Sichtungen schon tagsüber eine große Glückssache und bei Nacht wird es sicherlich noch schwieriger sein. Ein paar der üblichen Begegnungen – Springböcke und Co. – haben wir und dann tauchen kurz vor Nebrownii Hyänen auf, die wir beobachten. Am Wasserloch stehen zwei Elefanten müde herum und – wie könnte es anders sein – liegen drei Löwinnen schlafend im Hintergrund. Das sind Nummer 8, 9 und 10 des heutigen Tages. Sie schlafen aber tief und fest und lassen sich nicht stören.
Weiter geht’s Richtung Gemsbokvlakte. Und was sehen wir da am Wegesrand? Unsere zwei Löwen vom Abend, inzwischen in Begleitung eines Springbocks, auf dem einer der beiden genüsslich herumkaut. Der andere – offensichtlich sein Bruder – muss genauso wie eine Bande Schakale warten. Wir beobachten fasziniert und lauschen dem Knacken der Knochen, während das Abendessen verschlungen wird. Nach einer Weile ist der Hunger bei Nr. 2 zu groß und er versucht sein Glück, wird aber sofort vom Chef zurechtgewiesen. Im Eifer des Gefechts stauben die Schakale ein Stück Fleisch ab. Nach langer Zeit lassen wir von ihnen ab und fahren weiter.
Der Rest der Fahrt ist weniger aufregend. Wir sehen ein paar Vögel und einen Waran. Auf dem Rückweg begegnen wir noch mal unseren inzwischen gesättigten Löwen und erreichen gegen 23 Uhr wieder das Camp. Schnell ins Bett, wir sind nämlich unglaublich müde von den ganzen Eindrücken. Als wir einschlafen, rundet erneutes Gebrüll unseren Löwentag ab.
TiaRosario215 Beiträge · seit 201222. Feb. 2013 · #12
Tolle Bilder, kämpfende Zebras, Giraffe usw. Macht neugierig auf mehr.... Eure Unterkünfte decken sich teilweise mit unseren gebuchten für August. Da kommt natürlich Neugierde (!!!) auf. Bin gespannt wie es weiter geht. LG. Irene.
tolle Bilder. Die Zebras sind echt toll. Ihr habt wirklich Glück.
In der Immanuel haben wir 2011 unsere letzte Nacht verbracht und waren sehr zufrieden. Das Essen war wirklich sagenhaft und das Betreiberpaar sehr nett. Wir haben uns gut unterhalten und den gesamten Abflugtag noch dort verbracht, was überhaupt kein Problem war.
Wir hatten auf unserer letzten Tour ja auch Botswana auf dem Plan, allerdings als Lodgetour und wurden vorab auch häufi gefragt, ob wir uns das als Selbstfahrer wirklich zumuten wollen. Hoffentlich habt ihr ebenso positive Erfahrungen gemacht wie wir. Ich bin gespannt.
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201110. Apr. 2013 · #14
Hallo zusammen,
sorry für die lange Funkstille, Job, Urlaub und Krankheit kamen dazwischen. Jetzt will ich die Reise weiterführen. Viel Spaß beim Lesen!
Viele Grüße Ann-Kathrin
Tag 6 – Mittwoch, 3. Oktober 2012
Als wir heute Morgen um 6 Uhr vom Wecker geweckt werden, kommt es uns so vor, als hätten wir von den Löwen letzte Nacht nur geträumt. Aber die Fotos auf meiner Kamera beweisen, dass wir sie wirklich gesehen haben. Wir packen wieder im Schnelldurchlauf und brechen auf. Tschüss, Okaukuejo!
Wir fahren Richtung Halali und stoppen noch mal bei Gemsbokvlakte. Einige Zebras sind da, ansonsten ist es ruhig.
Nach einem ersten Kaffee, bzw. Kakao, geht es auf einer uns noch unbekannten Strecke Richtung Halali. Und als wir so vor uns hin fahren, tritt plötzlich 50m vor uns eine Katze auf die Straße. Erster Reflex: Löwe. Aber nein, zu dünn, zu klein. Ein Gepard! Wir können es nicht glauben. Was kann uns Tolleres passieren?! Dann plötzlich tritt ein zweiter auf die Straße.
Wir rollen näher heran und sind vollkommen aus dem Häuschen. Nach einer kurzen Zeit biegen sie ins Dickicht ab und laufen parallel zur Straße weiter, sodass wir sie langsam voranrollend weiter beobachten können. Plötzlich taucht ein dritter auf und gemeinsam laufen sie durch das Gestrüpp. Außer uns weit und breit kein anderes Auto.
Als sie sich in den Schatten eines Baumes legen, halten wir und holen unser Frühstück heraus. Was für eine Aussicht! Ein zweites Auto taucht auf und als ein voller Overlander neben uns hält, die Hummeldumm-Touris oben drin, trennen wir uns schweren Herzens von den wunderschönen Katzen. Wir freuen uns, dass wir sie eine Weile für uns haben durften, als sie noch aktiv waren.
Weiter geht’s, heute brauchen wir eigentlich nichts mehr zu sehen, der Tag ist sowieso schon als perfekt abgestempelt, war es doch mein größter Wunsch, Geparden zu sehen. Wir biegen ab zum nächsten Wasserloch. Und was liegt da mal wieder gemütlich – ein Löwenmännchen. Als ich an das Männchen heranzoome, sehe ich im Hintergrund ein weiteres Weibchen. Gefolgt von – ich kann es kaum glauben – drei Jungen.
Wir sind total begeistert, auch wenn sie relativ weit weg sind, und beobachten sie, bis sie davonziehen. Auch das Männchen liegt jetzt gemütlich im Schatten. Nun trauen sich auch endlich die Zebras ans Wasser. Und endlich trifft auch unser Overlander wieder ein. Zeit zu fahren.
Auch am nächsten Wasserloch liegen wieder drei Löwinnen. Heißt Etosha eigentlich Löwe? An der Stelle ist es uns aber zu voll, deswegen verlassen wir sie schnell wieder. Inzwischend ist es auch wieder brütend heiß.
Als kurze Zeit später einige Autos am Straßenrand stehen, halten wir auch an, sehen aber nichts und fragen. Darauf die Antwort: „A leopard. In the tree!“. Und wirklich, im nahestehenden Baum entdecken wir ihn, wie er gemütlich und perfekt getarnt abhängt. Er scheint noch recht jung zu sein.
Ob es ihm da zu warm wird oder er sich zu beobachtet fühlt, wissen wir nicht, jedenfalls zieht er sich bald zurück. Vollkommen ungläubig, dass wir an einem Vormittag drei verschiedene Katzenarten gesehen haben, fahren wir weiter. Ich merke an, dass wir dafür heute noch keine Elefanten gesehen haben. Gesagt, getan. Keine halbe Minute später taucht eine Herde von 20 Tieren vor uns auf, die sich an einem Wasserloch abkühlt. Darunter sind auch junge Elefanten, einer ist ganz klein. Wir beobachten sie eine Weile und fahren dann weiter nach Halali, da es inzwischen wieder unerträglich heiß ist.
Dort checken wir ein und springen sofort in den Pool. Anschließend gönnen wir uns mal wieder eine ordentliche Dusche, wobei die Sauberkeit nicht lange anhält. Es weht einfach die ganze Zeit ein beständiger Fön, der einen ganz feinen Sand auf die Haut legt. So staubtrocken leiden natürlich auch Nasen und Augen ziemlich unter den Bedingungen, sodass wir häufig mit Nasenbluten zu kämpfen haben.
Nachmittags drehen wir wieder eine Runde und sehen auch wieder ein Löwin schlafend am Wasserloch Goas.
Bei einem weiteren Wasserloch vermuten wir auch einen Löwen, erkennen es jedoch nicht, weil sich die Autos bereits in zwei Reihen aufgestellt haben, beim Kampf um den besten Platz. Vergeblich suchen wir nach dem Schalter, an dem man das Ticket ziehen muss… Na gut, dann fahren wir eben weiter, auch andere Wasserlöcher haben schöne Löwen.
Letztes Ziel des Tages: Etosha Lookout. Auf einer gerade Sandbahn geht es schnurstracks ins Nichts – in die Pfanne hinein. Dort sind wir – zumindest für den Moment – ganz alleine und genießen die absolute Stille und Weite. Bis an den Horizont sieht man nichts weiter als die große Leere. Ein perfekter Ort für ein gemütliches kühles Radler auf der Motorhaube. Als die Sonne langsam Anstalten macht, unter zu gehen, fahren wir zurück und sehen noch mal unsere Elefantenherde vom Vormittag, die vor uns die Straße kreuzt.
Im Camp gibt es ganz unspektakulär Nudeln, für alles andere sind wir zu faul. Außerdem muss es schnell gehen, weil wir noch ans Wasserloch wollen. Das ist jedoch leer, im Gegensatz zur Tribüne, auf der sich ca. 50 Menschen wie im Kino in die Reihen gesetzt haben. Die Vorstellung hat noch nicht begonnen. Jedenfalls nicht die auf der Bühne. Die auf den Zuschauerrängen ist dafür umso spannender. Ich muss ständig an die Radiosendung „Wer piept denn da?!“ denken, die auf herrliche Art und Weise über Stereotypen herzieht. Dies wäre auch der perfekte Ort für eine Folge über eine Kreuzung aus dem weißbeinigen Trampeltier und der quasselnden Schnapsdrossel. Leicht erkennbar an dem deutlichen Warnruf „Psssst!“, der regelmäßig vernommen werden kann. Oder so ähnlich. Wissen die nicht, dass "Psssst!" eins der lautesten Geräusche überhaupt ist?! Wir "genießen" also das Schauspiel hinter den Kulissen, wissend, dass vor uns noch zwei Wochen absoluter Stille liegen. Bald beginnt aber auch die erste Szene auf der Bühne – in der Hauptrolle und gleichzeitig einziger Darsteller: eine Tüpfelhyäne. Leider wurden die Zuschauer vor Beginn der Vorstellung nicht darauf hingewiesen, dass Blitzlicht nicht gestattet ist, so ist es kein Wunder, dass unsere Protagonistin bald wieder den Rückzug antritt. Das tun wir auch. Eine kurze Dosis Menschen-Wahnsinn reicht aus.
Endlich geht’s mal wieder früh ins Bett, morgen müssen wir schließlich wieder früh raus.
aku1986Themenstarter151 Beiträge · seit 201110. Apr. 2013 · #15
Und es geht gleich weiter:
Tag 7 – Donnerstag, 4. Oktober 2012
Wie immer klingelt der Wecker um 6 Uhr, wir packen und fahren los Richtung Norden. Halali hat uns nicht so gut gefallen wie Okaukuejo. Weder Poolanlage noch Camp oder Wasserloch konnten mithalten.
Wir fahren auf der Hauptstraße durch wunderschöne weite aber leider auch meist tierlose Ebenen. Auch die Wasserlöcher sind wie leer gefegt, bis auf die zahlreichen Autos, die sich dort tummeln. Hier erscheint es uns irgendwie voller als um Okaukuejo herum. Also fahren wir weiter entlang der Pfanne bis Kalkheuwel, wo auch kaum etwas los ist.
Egal, warten wir eben ab. Und tatsächlich kommen nach und nach immer mehr Tiere zum Trinken. Nach einer Weile tummeln sich Zebras, Schwarznasenimpalas, Kudus, Spring- und Spießböcke direkt neben unserem Auto. Wir schauen ihnen lange zu.
Auch am Wasserloch Chudop ist erst nichts los, doch dann scheinen sich die Giraffen verabredet zu haben. Um 12 Uhr tauchen aus allen Richtungen insgesamt acht Giraffen auf und treffen sich am Wasserloch. Auch ein paar Warzenschweine sind da. Rund um Namutoni wimmelt es dann plötzlich wieder vor Tieren. Hier haben sie sich also versteckt. Insbesondere Giraffen scheinen überall zu sein. Darüber freuen wir uns besonders.
Gegen 14 Uhr heißt es, sich von Etosha zu verabschieden. Insgesamt hat es uns sehr gut gefallen. Für Afrika-Neulinge gibt es eine Menge zu sehen, nur Autos könnten es weniger sein, aber das kommt ja noch. Landschaftlich hat uns die Gegend nördlich von Okaukuejo am besten gefallen, insgesamt haben wir um das Camp auch die meisten Tiere gesehen.
Wieder auf fester Fahrbahn fahren wir Richtung Grootfontein, kaufen dort kurz ein und fahren dann direkt weiter nach Norden. Kurze Zeit später biegen wir zu Roy’s Rest Camp ab. Es gefällt uns auf Anhieb sehr gut, alles ist mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Wir snacken kurz und gehen dann in den erfrischenden Pool mit dem inzwischen zum Standard gewordenen Windhoek Lager – allerdings verdünnt mit Sprite. Sehr niedlich ist auch das „Internet Café“, ein paar rustikale Holzstühle, die draußen stehen. Mit Wifi loggen wir uns ein und geben ein kurzes Lebenszeichen von uns.
Abends machen wir uns ein gemütliches Feuer und grillen unseren Springbock mit Maiskolben. Danach fallen mir schon im Sitzen die Augen zu, sodass wir früh schlafen gehen.
herzlichen Dank für den informativen Reisebericht und die tollen Fotos. Das Glück, so viele seltene Tiersichtungen im Etoscha NP in so kurzer Zeit zu haben, ist nur wenigen Besuchern vergönnt.
Nane421'362 Beiträge · seit 201110. Apr. 2013 · #18
Hallo Ann-Kathrin,
Habe Euren RB erst heute entdeckt; macht Spaß mit Euch zu fahren !! Ich hattet ja ein wahnsinniges Sichtungsglück im Etosha !! Bei uns im April 2012 gab es keine einzige Katze , schluchz... 😉 Bin gespannt wie es weitergeht... LG, Nane 🙂