LauraRalf schrieb:
„zahlt ihr alles tutti kompletti selbst?“
Ja natürlich. Bei unserem eigene Fahrzeug sowieso und wenn wir einen Mietwagen haben, machen wir keine Rundum-„Vollkasko“-Versicherung. Allerdings wissen wir dann genau, wie die Versicherungsbedingungen aussehen, weil wir uns den Vertrag vorher durchlesen.
Es ist eine ganz einfache Rechnung:
Jeder Unfall, der nicht durch Fremdverschulden verursacht ist, ist im Prinzip „selber schuld“, soll heißen, der Fahrer hat nicht aufgepasst, sich überschätzt oder Fahrfehler jedwelcher Art gemacht. (Bei uns guckt der Beifahrer auch immer mit!) Das ist das Allerwichtigste!
Niemand, der mit seinem eigenen Auto in Afrika fährt, würde auf die Idee kommen, sich seinen eigenen Anteil an einem Unfall nicht einzugestehen, denn das wäre blöd, man würde Einsichten/Lernen verhindern und würde denselben Fehler immer wieder machen.
Wir, z.B. fahren mittlerweile so gute 5 Jahre und einige hunderttausend Kilometer durch Afrika – und wir haben noch nie einen Unfall gehabt - toi toi toi – und wir konnten auch einige durch Fremde herbeigeführte Beinahe-Unfälle verhindern.
Ich will hier nicht behaupten, dass es nur an uns läge, nein, das, worauf ich hinaus will ist:
- wenn man sich vorrangig auf eine Total-Absicherung stürzt, anstatt auf das eigene Fahrverhalten - und dazu gehört eine gute Selbsteinschätzung und Training! – dann liegt man falsch.
Reisrouten, die mitunter täglich hohe Kilometerleistungen beinhalten erledigen den Rest. Warnungen vor einem „Zuviel“ oder „Unerfahrenheit“ werden gern belächelt oder in die Besserwisser-Ecke gestellt. Schließlich ist jeder sein eigener Herr und ein guter Autofahrer.
Das könnte uns natürlich egal sein, wir sagen auch nur noch selten etwas dazu, aber wirklich egal ist es uns nicht. Es ist sehr bitter, hier über Unfälle lesen zu müssen, von Fomis, die meinen sich gut vorbereitet zu haben, wenn sie abgefragt haben, ob man in Lodge X einen Fön anschließen könne und glauben, alles andere im Griff zu haben.
Ich kann das Bedürfnis, sein eigenes Risiko zu minimieren, gut verstehen.
Die Vollkasko ist da aber nicht immer die richtige Richtung!
Die Vollkaskoversicherungs-Mentalität hat einen entscheidenden Haken: Sie verführt dazu, zu glauben, dann sei man aus dem Schneider! Schließlich ist man ja versichert. Und damit hat man seinen Focus schon in die falsche Richtung gelenkt!
Denn die eigenen Gesundheit interessiert es nicht, ob man sich versichert gefühlt hat, wenn das Ärmchen hinterher dauerhaft lädiert ist!!
Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Vielen Fahrern würde es gut zu Gesicht stehen, weniger versichert zu fahren, denn dann wären sie eindeutig vorsichtiger!
Die Mietfahrzeuge zeigen immer wieder, dass der alte Spruch noch seine Gültigkeit besitzt: Don’t be gentle it’s a rental – und so werden Kupplungen gequält bis es raucht und Reifen im Gelände geschlitzt und mal eben wieder geflickt, der Nächste wird es dann ausbaden. Und nicht nur das, es wird leider weit überwiegend zu schnell gefahren, für die bestehenden Straßenzustände, denn der innere Druck ist da, die nächste Buchung nicht zu verpassen. Da kann man dann weder die Geschwindigkeit allgemein anpassen, geschweige denn reduzieren, wenn einer entgegenkommt, solche Gepflogenheiten werden leider grundsätzlich missachtet. Wir sehen schon immer von weitem, an der Silhouette und der entsprechenden Staubfahne, wer kommt und fahren langsam an der Seite weiter, bis das Fahrzeug vorbei ist. Das spart Windschutzscheiben.
Ich wünsch euch allzeit sichere Pad, Gruß lilytrotter
und konzentriertes angepasstes Fahren und immer mit ALLEM rechnen (es gibt nicht die Regeltreue Europas im afrikanischen Straßenverkehr!) und die grundsätzliche Bereitschaft IMMER auszuweichen. Und damit das Ausweichmanöver nicht zur Katastrophe wird, darf man eben nicht zu schnell sein...
und prüft den Zustand eures Mietfahrzeugs, wenn ihr es übernehmt.