Wildwest in Südafrika 34 Arbeiter erschossen

31 Antworten · 8'400 Aufrufe · gestartet 18. Aug. 2012 von Tomcat
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2'338 Beiträge · seit 200728. Aug. 2012 · #21
Die streikenden Minenarbeiter in Südafrika rannten in den Kugelhagel, weil ein Wunderheiler ihnen Unverwundbarkeit versprach.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/suedafrika-mit-dem-zauber-als-waffe/7055156.html

Das ist natürlich sehr tragisch.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'048 Beiträge · seit 200728. Aug. 2012 · #22
Hallo Fomis,
am Montag war der erste Prozesstag. Auf der Anklagebank saßen aber nicht die Schießfreudigen Polizisten sondern Vertreter der streikenden Arbeiter. Das hat die Empörung nochmal gesteigert.
Die Absage des Mahaherotages in Okahandja war übrigens auch mit den Todesopfern in Südafrika begründet: Der Polizeichef wollte nicht ähnliche Zustände in Namibia haben.

Viele Grüße aus Windhuk

jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
2'664 Beiträge · seit 201228. Aug. 2012 · #23
Jaw,
ich weiß nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben sollte, zumal die Hererotage immer friedlich abliefen. Es ist ein Volkstrauertag im Gedenken an die verstorbenen Häuptlinge, der sich im Laufe der vergangenen wenige Jahre etwas ausgeweitet hat mit einem gewissen Maß an Politisierung.

Ob die Polizisten in Südafrika schießfreudig waren, genau das mag ich arg bezweifeln, denn als Polizist hätte ich nach den vorangegangenen Morden an zwei Polizisten (wurden mit Pangas zerhackt), und Beschuß mit Waffen aus einem gewalttätigen Mob heraus, auch zurück gefeuert, um das eigene Fell zu retten. In meinen Augen war das reine Notwehr. Die sich in der Minderheit befindlichen Polizisten wären garantiert massakriert worden. Ob dann alle auch so "empört" gewesen wären?

Im übrigen gäbe es die Tsumeb-Mine in Namibia noch heute, hätte die NAM-Polizei dazumal vor dem gewalttätigen Mob nicht gekniffen. Diese Mine hat einmal 7000 Menschen Arbeit verschafft und ebenso vielen Familien das Brot. Auch uns. Das zum Ergebnis gewaltätiger Streik-Mobs.
zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2012
2'048 Beiträge · seit 200728. Aug. 2012 · #24
Hallo Swakop,
ob das eine mit dem anderen zu tun hat, hat der Poizeichef der Region entschieden: Er sagte in einem Interview, er will in Okahandja keine solche Eskalation haben wie aktuell bei den Minenarbeitern in Südafrika. Es war eine seiner Begründungen für das Verbot.
Es spuckt hier halt gerade in den Köpfen der Leute was rum.
Dass Forderungen nach Lohn und Lebensqualität oder auch Arbeitssicherheit ein Minenunternehmen viel Geld kosten können ist wohl jedem klar.Ob das immer nur ein aufgebrachter Mopp ist oder da wirkliche Mißstände angeprangert werden, kann ich nach meinem Wissen nicht beurteilen. Meines Wissens wurde aber der Abbau in Tsumeb als auch perspektivisch nicht mehr wirtschaftlich vom Unternehmen eingestuft und deshalb eingestellt.
Viele Grüße aus Windhuk an die Küste
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
2'664 Beiträge · seit 201228. Aug. 2012 · #25
Hallo Jaw,
ja, eine überschwemmte kaputte Mine mit 44 Sohlen wieder in Betrieb zu setzen war wohl keine Perspektive mehr, allein vom Gefährungspotential, zumal die ganz reichen Zonen weitgehend erschöpft waren. Ich war unten und weiß wie es dort maschinentechnisch aussah. Zugleich waren die Öfen der Hütte auch kaputt gestreikt, weil Notmannschaften gewalttätig behindert und bedroht wurden, und diese erkalteten.
Selbst die Instandsetzung und erneute Produktion mit ausländischen Erzen hat mehrere Anläufe gekostet.
Ich kenne den Unternehmer persönlich, der dann versucht hat in den oberen Levels noch Mineralien raus zu holen. Er hat es aufgegeben aufgrund des unbeschreiblichen Haftungsrisikos und der tickenden Umweltproblematik.
Ich finde es immer so klasse, wie so tiefschürfende Geschehnisse, die Existenz von so vielen Menschen mit ihren Familien, abgetan werden. Hatte die Anglo American eine andere Wahl als den Betrieb einzustellen? Ich glaube nicht.
Beste Grüße,
H.
2'338 Beiträge · seit 200705. Okt. 2012 · #26
Hallo zusammen

Der Platinproduzent Anglo American entlässt 12‘000 Minenarbeiter! Zudem streiken Transportarbeiter und LKW-Fahrer.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Platinproduzent-entlaesst-12-000-Minenarbeiter/story/20333165

Gruss
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'664 Beiträge · seit 201205. Okt. 2012 · #27
Auch in Europa können bei ungesetzlichen wilden Streiks oder Arbeitsniederlegungen außerhalb der Tarifverträge die Streikenden entlassen werden, wie das hier der Fall ist.

Leider führen Streiks in Südafrika immer wieder zu grausamen Gewalttätigkeiten, bei denen Menschenleben zu beklagen sind. Es herrscht eine völlig undisziplinierte und gewalttätige Streikkultur, die mit europäischen Streiks und Abläufen überhaupt nicht zu vergleichen ist. Vor allem werden Streikbrecher oftmals durch den streikenden Mob ganz einfach umgebracht, oder, wie zuletzt, auch auf die Polizisten geschossen wird.
Gast06. Okt. 2012 · #28
Hallo,

Ich gucke so gut wie kein Fernsehen und weiß nicht, ob das in Deutschland auch berichtet wurde, aber 1-2 Tage nach den tödlichen Vorfällen war noch ein zusätzliches Video aufgetaucht (aufgenommen von Al Jazeera), dass eindeutig belegt, dass Minenarbeiter zuerst geschossen haben.

Bei YouTube ansehen ↗

Man kann trotzdem nicht alle Minenarbeiter pauschal beschuldigen - genauso wie man die Polizei nicht pauschal beschuldigen kann. Es reichen leider wenige Idioten, um so etwas völlig unkontrolliert eskalieren zu lassen. Brandstifter wie Malema, die zum bewaffneten Widerstand aufrufen, tun ihr übriges.

Irgendwo pervers, aber eben die "Logik" der Finanzmärkte: Europäische Touristen profitieren von den schrecklichen Ereignissen. Nicht zuletzt aufgrund der Lonmin-Vorkomnisse werden die wirtschaftlichen Perspektiven in Südafrika schlechter. Südafrika wurde nun von Ratingagenturen abgewertet und hat einen weiterhin schlechten Ausblick. Sofern es keine gravierenden politischen Änderungen gibt, wird Südafrika in den nächsten Monaten also weiter abgewertet. Der Rand ist in den letzten 2 Monaten schon um 10% gefallen (Kurs deutlich über 1:11) und entsprechend ist für Touris alles in Südafrika und Namibia 10% billiger geworden...

Beste Grüße

Guido
2'664 Beiträge · seit 201208. Okt. 2012 · #29
Hallo Guido,
als ziemlich regelmäßiger Nachrichtenseher bei AlJazeera (dort sieht man u.a. auch Nachrichten aus Deutschland und Europa, die im deutschen Mainstream wegzensiert werden) kann ich Deine Aussage bestätigen. Die eindeutigen Bilder zumindest des einen Postolenschützen könnten der Polizei sogar zur Identifizierung dienen. Daher vermute ich mal, daß die vor Gericht Geschleppten sich auch in diesem Umkreise aufhielten und die Schützen in deren Reihen möglicherweise abschirmten. Ob das von AlJazeera verwendete Filmmaterial Eigenes ist oder vielleicht Polizeivideos entnommen wurde, werden wir wohl nie erfahren. Für uns alle wird das wohl im Dunkeln bleiben.

Ich stimme Dir bei, man kann niemanden pauschal beschuldigen. Die Polizei in SA handelt jedoch nach Eskalationsregeln. Das hat sie früher getan, und das tut sie heute noch. Wie in Deinem Video dargestellt, scheint sie wirklich erst massiv geschossen zu haben, nachdem auf sie geschossen wurde. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang sind die zwei bestialisch umgebrachten Polizisten zwei Tage vor diesem Schießvorfall. Da muß man sich auch in die Situation weniger Polizisten hineindenken, die einer aufrührerischen gewalt- und lynchbereiten Menge von mehreren tausend Personen gegenüber stand. Heute wie damals waren ganz einfach nicht ausreichend Polizisten verfügbar die großen Mengen aufrührerischer Menschen gegenüber stehen oder standen. Und diese Mengen haben weniger Skrupel als z.B. die linken Autonomen in Deutschland, denen meistens zehn Polizisten gegenüber einem Gewaltbereiten stehen. Oftmals sind es dort 100 und mehr Gewaltbereite auf einen Polizisten, der sich nicht anders als mit der Schußwaffe seiner Haut erwehren kann.

Daß die SA Regierung von den Ratingagenturen abgewertet wird, wage ich sogar als angemessenen Schuß vor den Bug der ANC-Regierenden anzusehen, die BEE und ähnliche gesetzgeberische Werkzeuge nur noch als Selbstbedienungsvehikel zum Ausräubern der Staatskasse und zum Selbstzweck für die eigene Tasche benutzen. Denn davon kommt eh nie etwas beim Volk an, zumal manche ANC Kader in wenigen Jahren von sprichwörtlich armen Mäusen zu Milliardären wurden, ähnlich wie in Rußland manche Oligarchen.
Die gleiche Erscheinung hat man ja auch in Namibia in manchen Swapo-Kreisen, wo man besser nicht hinterfragt, woher der plötzliche riesige Reichtum stammt. Dieses läuft jedoch nicht ganz so dreist ab wie in Südafrika.



Gruß
H.
zuletzt bearbeitet 08. Okt. 2012
2'338 Beiträge · seit 200708. Okt. 2012 · #30
Hallo zusammen

Auch der Streik der 20‘000 LKW-Fahrer muss Anlass zu grosser Sorge geben. Die angrenzenden Staaten werden mit Preiserhöhungen und Engpässen bei der Versorgung rechnen müssen.

Meiner Meinung nach waren die Erwartungen der einfachen Bevölkerung nach dem Ende der Apartheit viel zu hoch. Man hatte ihnen weiss was versprochen und sie glauben lassen, dass die Schuld an ihrer Armut nur bei den weissen Ausbeutern zu suchen ist. Das hat sich natürlich nicht bewahrheitet. Vielen geht es schlechter als zuvor und nur eine kleine Minderheit hat von der Wende profitiert, nicht nur Schwarze, sondern auch viele Weisse, welche heute ihre Waren, wie Wein, Früchte usw. problemlos in alle Herren Länder exportieren können, während sie früher boykottiert wurden.

Hier ist ein interessanter Artikel:
http://www.tagesspiegel.de/politik/suedafrika-es-brodelt-am-kap/7225286.html

Wir werden sehen, jedenfalls hat man manchmal den Eindruck, dass Südafrika auf einer Zeitbombe sitzt.

Gruss
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
39 Beiträge · seit 201108. Okt. 2012 · #31
Hallo,
ich Fürchte, das Bild mit der Zeitbombe trifft genau zu, wobei man Zeitbomben auch entschärfen kann. Wir sind letztes Jahr fast 3 Monate mit unserem Wohnmobil durch Südafrika gereist und haben das Land lieben gelernt, aber auch das Gefühl bekommen, daß sich die Situation zuspitzt. Das größte Problem ist meines Erachtens die hohee Jugendarbeitslosigkeit bei einer weiter wachsenden jungen Bevölkerung und die rießigen Unterschiede im Wohlstand. Wenn energiegeladene Jugendliche Zeit und Mühe in eine Schulausbildung investiert haben und dann keine Chance auf einen Arbeitsplatz und damit auf eine Perspektive sehen, ist das eine gefährliche Mischung. Wenn diese Jugendlichen dann noch sehen, daß der Weg zu Wohlstand häufig über Korruption, Bandengewalt und andere kriminelle Aktivitäten möglich ist, wird es sehr schwierig. Ich habe mein ganzes Berufsleben Investitionen im Ausland betreut und verantwortet. Im gegenwärtigen Südafrika würde ich keine kapitalintensive langfristige Investition tätigen. Ich habe auch in der Vergangenheit Investitionen in den meisten afrikanischen Ländern vermieden.
Morgen fliegen wir wieder nach Namibia, um in weiteren 4 Monaten durch das südliche und östliche Afrika bis Tansania zu reisen. Ich hoffe, ich komme optimistischer zurück.
Gruß
Stefan
2'460 Beiträge · seit 200608. Okt. 2012 · #32
Erika schrieb:Hallo zusammen

Auch der Streik der 20‘000 LKW-Fahrer muss Anlass zu grosser Sorge geben. Die angrenzenden Staaten werden mit Preiserhöhungen und Engpässen bei der Versorgung rechnen müssen.

Sind letzten Dienstag von Nelspruit nach JHB gefahren, da wurde im Radio berichtet, dass es in Nelspruit an einigen Tankstellen kein Benzin mehr gibt und in JHB haben wir dann selbst die Erfahrung gemacht.

Hoffen wir für Südafrika und die angrenzenden Länder, dass sich die Lage baldmöglichst entspannt, wenn ich auch leider pessimistisch bin, dass die umfangreichen Probleme schnell gelöst bzw. wenigstens angepackt werden.
Gruss Chrissie ___________ Namibia 2012DVD Suedafrika DVD Botswana DVD