Moin zusammen,
am Sonnabend erschien im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über Südafrika, welcher die positive Entwicklung am Kap zum Inhalt hatte. Insbesondere wurden die belebende Wirkung der Bautätigkeiten für die kommende Fußballweltmeisterschaft und die überall in Durban, Kapstadt und Johannesburg im Bau befindlichen Hochhäuser als Beispiel genannt. Die Steigerungsraten ausgewählter Werte der Johannesburger Börse komplettierten das Bild.
So ist das halt, wenn man eine Momentaufnahme, beschränkt auf einen kleinen Teil einer Sache, für das Ganze stehen lässt! Ich werde hier einmal versuchen, den Firniss an einigen Stellen zu entfernen, um das darunter liegende Bild freizulegen, das Bild, von dem ich seit einiger Zeit Facetten mittels Link hier poste.
Als 1994 die erste Mehrheitsregierung Südafrikas gebildet wurde, war sicherlich die Mehrheit der weißen Bevölkerung bereit, die Idee einer „Regenbogennation“ mit in die Tat umzusetzen. Zur Erinnerung: Die damals ca. 25 % der Bevölkerung ausmachende weiße Minderheit hatte es geschafft, mit ihrer Wirtschaftstätigkeit nicht nur sich selbst ein Erste–Welt–Umfeld zu erschaffen –ich weiß: unter Ausnutzung/–beutung schwarzer Arbeitskraft–, sondern auch über Jahrzehnte der Mehrheit der Welt zu trotzen.
Im dreizehnten Jahr nach der Regierungsübernahme durch den ANC ist die weiße Minderheit über ihre Steuerzahlungen immer noch der einzige Finanzier des südafrikanischen Staates, jedoch ist sie zunehmend nicht mehr in der Lage, dieser Aufgabe nachzukommen. Sie ist mittlerweile finanziell überlastet, ohne dass sich an der Schichtung von arm und reich im Lande etwas Grundsätzliches geändert hätte.
Die weiße Auswanderung macht rein zahlenmäßig nicht so viel aus, dass sie als Alarmzeichen gesehen werden müsste. Wenn man sich aber anschaut, wer da geht, bekommt die Sache schon eine ganz andere Richtung! Es sind nämlich die gut ausgebildeten und produktiven Jahrgänge, die spätestens dann die Auswanderung in Erwägung ziehen müssen, wenn ihre Kinder die Ausbildung abgeschlossen haben. Warum?
In Südafrika herrscht mittlerweile eine umgekehrte Apartheid, die dazu führt, dass gut qualifizierte Weiße, Farbige oder Asiaten (man merke auf: die ANC–Regierung hat die alten Rassenklassifizierungen der Apartheidära beibehalten!) zugunsten schlechter qualifizierter Schwarzer zurückstehen müssen, mit allen logischerweise daraus resultierenden Folgen für die Erledigung der Aufgaben. Das nennt sich Affirmative Action.
Wenn man einem Staat nun das Recht zugesteht, so zu handeln, sollte er sich über die notwendigerweise eintretenden Folgen im Klaren sein und diesen entgegen steuern. Er müsste also dafür sorgen, dass die gewünschte Bevölkerungsgruppe die für die Aufgabenerfüllung erforderliche Qualifikation erwerben kann: mithin müssten die Anstrengungen, das öffentliche Schul– und Bildungswesen in Quantität und Qualität zu erweitern, geradezu explodieren. Das Gegenteil ist der Fall: Das öffentliche Bildungswesen ist mittlerweile völlig ruiniert!
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Kommen wir zurück zur weißen Minderheit, der immer noch im Wesentlichen allein die Zeche der Steuerlast zahlenden Bevölkerungsschicht. Die Zusammensetzung dieser Schicht hat sich in den vergangenen Jahren dahin gehend geändert, dass sich die Zahl der wirtschaftlich aktiven Steuerzahler zugunsten der inaktiven (Rentner) vermindert. Hierdurch wird natürlich die für die Zwecke des Staates zur Verfügung stehende Geldsumme nach und nach geringer und das bei strukturell steigenden Ausgaben.
Betrachten wir nach den Individuen nun die Organisationen des Wirtschaftslebens. Industrie und Handel müssen, um den Anforderungen der AA entsprechen zu können, unterqualifiziertes Personal einstellen. Dies verteuert natürlich die erbrachte Leistung, das erzeugte Produkt, ohne dass ein messbarer Mehrwert erzeugt worden wäre.
Zusätzlich werden der Wirtschaft die Regeln des Black Economic Empowerment auferlegt. Ziel ist es hier, der früher vernachlässigten Bevölkerungsschicht, Zugang zur selbständigen wirtschaftlichen Betätigung zu verschaffen. In der Praxis kommen hier aber nur politisch ausgezeichnet vernetzte Personenkreise zum Zuge. In der Umsetzungsrealität werden Firmenanteile zu besonders günstigen Bedingungen, also quasi ohne Gegenleistung an BEE–Firmen verschenkt. Ein positiver Effekt könnte dann eintreten, wenn die BEE–Firmen nun tatsächlich Produkte erzeugten und verkauften oder Leistungen erbrächten. In nennenswertem Umfang geschieht dies jedoch nicht, da der Handel ausschließlich mit den erworbenen Beteiligungen viel profitabler ist, als die mühselige Tätigkeit mit Dienstleistungen, Handel oder Produktion.
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Ein weiterer einschränkender und immer bedrohlicher werdender Punkt bei der Wirtschaftstätigkeit innerhalb Südafrikas ist AIDS. Wenn die Mitarbeiter schneller wegsterben, als man sie ausbilden kann, ist jede Art anspruchsvoller Fertigung oder Dienstleistung früher oder später am Ende. Es bleibt die also große Frage, ob es sich für Firmen wie VW oder BMW in der Zukunft wirklich noch lohnen kann, für den internationalen Markt in Südafrika produzieren zu wollen, wenn, wie zu erwarten, der Binnenmarkt im Zuge der sich verschlechternden gesamtgesellschaftlichen Situation signifikant abnimmt.
Bezogen auf AIDS braucht man wohl keine großen Worte mehr zu verlieren. Ein in den ländlichen Gebieten bereits vollständig zusammengebrochenes öffentliches Gesundheitswesen führt zur Rückkehr von Krankheiten, über die selbst zu Apartheidszeiten bei der unterdrückten schwarzen Bevölkerungsmehrheit nicht gesprochen zu werden brauchte.
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Zurück zur Wirtschaft. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft (Individuen und Gesellschaften) nimmt durch die immer neuen Auflagen kontinuierlich ab, wohingegen die Belastungen zumindest nicht abnehmen. Gepeinigt wird wirtschaftliche Tätigkeit durch ein Ausmaß an Korruption auf allen Ebenen der Regierung (national, Provinz, Kommune) und in den staatlichen Wirtschaftsunternehmen, die selbst die –in dieser Hinsicht beileibe kein Kind von Traurigkeit gewesenen!– Apartheidregierungen locker in den Schatten stellt.
So ist das halt, wenn schwarzafrikanische Befreiungsbewegungen Staat–führen und Wirtschaftstätigkeit spielen!
Ein kleines Beispiel zu „Wirtschaftstätigkeit spielen“ kann ich mir nicht verkneifen. Im letzten Jahr, als alle (südafrikanische) Welt über die durch die Koeberg–Panne verursachten Stromausfälle redete, schwadronierten die beteiligten staatlichen Institutionen über eine Erweiterung der Alcan–Aluminiumhütte in Richard`s Bay. Auch eine russische Aluminiumhütte sollte, ich glaube bei Port Elizabeth, errichtet werden. Wie immer bei der Aluminiumherstellung ist hierfür billiger Strom die Voraussetzung, was ESKOM durch die „Entmottung“ vorhandener und den Bau neuer Kraftwerke sicherstellen wollte.
Und nun? Südafrika stellt sich im Winter auf rollierende Stromausfälle ein. Die Strompreise, die nur von der Wirtschaft und der weißen Minderheit auch wirklich gezahlt werden, steigen, schließlich braucht Zimbabwe ja kostenfreien Strom. Und neue Kraftwerke gibt`s auch nicht. Wie immer in Schwarzafrika: Nur mit dem Mund ist man wirklich leistungsfähig!
Während Teile der südafrikanischen Regierung vorne an der Wirtschaftskuh schon seit langem mit dem Schlachten begonnen haben, träumt der Melker von traumhaften Steigerungsraten bei der Milchproduktion und innovative Kräfte, auf dem Rücken der Kuh sitzend, dreschen mit der Peitsche auf sie ein, um ihre Eignung als Reittier zu beweisen.
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Aber nun wird ja bald die Rettung kommen, die Fußballweltmeisterschaft! Meiner Meinung nach wird sie den Niedergang noch einmal um einige Umdrehungen beschleunigen. Dem Land fehlt schlicht das Geld für eine solch unproduktive Veranstaltung. Es werden Milliarden von Rand in riesige Stadien gesteckt, die niemand braucht, und hierfür werden vereinzelt schon der Bau von Krankenhäusern und kommunale Hausbauprogramme eingestellt. Von den Vereinen der ersten südafrikanischen Fußballliga haben nur drei bis vier mehr als 10.000 Zuschauer pro Spiel, und die meisten der anderen Stadien werden auch nicht gerade in Rugby–Hochburgen gebaut. Die Mehrzahl der Stadien wird also nur für die wenigen Wochen der Weltmeisterschaft gebaut. Was aus nicht benötigten Sportstätten wird, kann man zurzeit ja schon in Athen besichtigen.
Kommen wir zu den Besuchermassen, die den Süden Afrikas so fluten werden, dass natürlich auch Namibia und Zimbabwe noch davon profitieren werden. Beispielhaft für die Gewinnschätzungen der letztjährigen WM in Deutschland: „Auch die deutsche Wirtschaft profitierte dem Abschlussbericht zufolge von der WM. Im Gastgewerbe stieg der Umsatz um vier Prozent (300 Millionen Euro), der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) geht von zwei Milliarden Euro aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und die Bundesagentur für Arbeit bilanzierten 50 000 neue Arbeitsplätze.
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1162484287686.shtml “ Es gibt allerdings auch Schätzungen, die einen weitaus geringeren Gewinn im dreistelligen Millionenbereich unterstellen.
Die Annahme, dass in Südafrika so viele Fans anreisen werden, wie in Deutschland 2006, ist unrealistisch: Da sind die hohen Anreisekosten vor, denn mal eben mit dem Zug anreisen aus Holland, Frankreich, der Schweiz, Schweden, Tschechien oder Polen ist nun mal nicht. Die Schnittmenge zwischen dem durchschnittlichen Südafrikareisenden und dem Fußballfan dürfte eher gering sein. Der bisherige Südafrikareisende könnte vielleicht sogar eher geneigt sein, seinen Besuch zu verschieben, als sich die begrenzten Transport– und Beherbergungsressourcen des Landes auch noch mit Fußballfans teilen zu müssen. Und der Besuch der geplanten –schreckliche Wortschöpfung!– Public–Viewing–Bereiche dürfte, angesichts der bekannten –und bis 2010 sicher noch weiter eskalierenden– Kriminalitätsproblematik Südafrikas sicherlich einen Abenteuerurlaub der ganz besonderen Art bieten.
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Aber man tut ja zumindest etwas gegen die Kriminalität, indem man Warnschilder für die Touristen aufstellt:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=15&art_id=vn20070408082728576C921932*****
Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie in Zimbabwe einem Volk zur Machterhaltung einer Person und seiner Clique die Lebensgrundlagen (Ernährungssicherheit) entzogen wurden. In Südafrika kann man seit einigen Jahren den Anfang einer ähnlichen Entwicklung aus anderem Grund erkennen.
Es geht um die Zerstörung der kommerziellen Landwirtschaft zum Zwecke der Redistribution des Landes an die Nachfolger der ursprünglichen Eigentümer. Es gibt eine Vielzahl Beispiele dafür, wie die übereigneten Farmen in Grund und Boden gewirtschaftet wurden, aber keine mir bekannten für eine wirtschaftlich erfolgreiche Übernahme. Diese Tatsache lässt Schlimmes für die Zukunft befürchten.
Der Süden Afrikas gehört zu den von der Klimaveränderungen der Zukunft negativ betroffenen Teile der Erde. In einem Land, in dem sowieso nur ca. 10% des Landes landwirtschaftlich nutzbar sind, erfolgreiche und nachweisbar anpassungsfähige Betriebsweisen zu vernichten, ist ein Verbrechen an den zukünftigen Generationen. Ich wage hier einmal die Voraussage, dass die Welthungerhilfe in spätestens 15 bis 20 Jahren auch Südafrika als Adressaten haben wird.
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Die Unruhe in der Bevölkerung angesichts der nicht eingehaltenen Versprechungen des ANC, welche ja bereits heute in manchen Bereichen eine Radikalisierung hervorgerufen haben, wird zunehmen. Interessant wird dann die Reaktion des ANC werden. Eine mögliche Abwahl wird er, ebenso wenig wie die ZANU akzeptieren, da in den Vorstellungen der marxistischen Befreiungsbewegungen die Regierungsübernahme für die Ewigkeit gedacht ist, da nur sie ja die Bedürfnisse des Volkes erfüllen können.
Was aber tun, wenn die Bevölkerung genau das nicht mehr will? Die Zimbabwe–Lösung scheidet aus, da Polizei und Armee dafür in einem völlig unbrauchbaren Zustand sind. Normalerweise würde ich auf die Kongo–Lösung, regionale Warlords mit ihnen ergebenen Milizen, tippen, aber dafür scheinen mir die Landesteile geografisch nicht dicht genug voneinander abgeschottet. Vielleicht hat Südafrika ja auch Glück, und es wird eine Kenia–Lösung geben. Dagegen wiederum spricht allerdings, dass Kenyattas Bewegung keinen marxistischen Hintergrund hatte. Auch dürfte der Xhosa–Zulu–Antagonismus, der im Vorfeld der 94er–Wahlen im jetzigen Eastern Cape schon zu einem Low–Scale–Bürgerkrieg geführt hat, vielleicht wieder eine Rolle spielen. Warten wir`s also ab, in spätestens zwanzig Jahren wissen wir mehr.
Das Ende der Entwicklung, jedenfalls, wird eine perverse Ironie bereithalten: Es wird all das, was die rassistischen weißen Regierungen der Apartheidsjahrzehnte für den Fall der Regierungsübernahme durch die schwarze Bevölkerungsmehrheit prophezeit haben, in Erfüllung gegangen sein.
Allerdings hat diese Entwicklung auch ein Gutes: Es wird sich, nachdem dann das letzte und am weitesten entwickelte Land des Kontinents dem afrikanischen Niedergang anheim gefallen sein wird, niemand mehr dem wohlfeilen Selbstbetrug hingeben können. Vielleicht ist man dann endlich so weit, die noch bestehenden Schulden der schwarzafrikanischen Staaten zu erlassen, sämtliche Handelshemmnisse zu beseitigen, die Entwicklungshilfe einzustellen und diesen hoffnungslosen Kontinent sich selbst zu überlassen. Das dann noch für Entwicklungshilfe zur Verfügung stehende Geld gebe man Lateinamerika, das hoffentlich, oder Asien, das mit Sicherheit damit etwas Vernünftiges anfangen kann.
Wenn man merkt, dass man ein totes Pferd reitet, sollte man besser absteigen.
Gruß, Michael