Quo vadis, SA?

1'048 Antworten · 262k Aufrufe · gestartet 26. Sept. 2006 von Yoshikawa
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ThemenstarterGast02. Apr. 2007 · #102
... in einer Neuinterpretation der SADC!

Moin zusammen!

Aus VAs obigem Link entnommen:

„In der Abschlusserklärung wurde der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki als Vermittler eingesetzt. Zu der auf dem Gipfel beschlossenen Förderung eines Dialogs zwischen Regierung und Opposition in Zimbabwe gebe es keine Alternative, erklärte der gastgebende tansanische Präsident und SADC-Vorsitzende Jakaya Kikwete. Der staatliche Rundfunk in Zimbabwe kommentierte, die afrikanischen Führer hätten sich nicht manipulieren lassen. Die staatliche Zeitung «Herald» schrieb, Präsident Robert Mugabe habe seine Kollegen bei der Konferenz in Daressalam über die von der grössten Oppositionspartei betriebene «Terrorkampagne» informiert, und der Gipfel habe Mugabe unterstützt.“

Was ist da in den letzten Wochen passiert? Wir sehen jetzt das Ergebnis:

http://www.iht.com/articles/ap/2007/03/30/africa/AF-GEN-Zimbabwe.php

Mugabe ist wieder Präsidentschaftskandidat der ZANU–PF. Und seine innerparteilichen Kritiker? Sie wurden mit Hilfe seiner ausländischen Unterstützer –namentlich Südafrika und Namibia- ausmanövriert. Die Opposition wird massiv eingeschüchtert und, wenn nötig, halt massakriert.

"Reports say Angola to deploy 3000 police militia to help Zimbabwe police

By Lance Guma
19 March 2007.

Details of a public order and security agreement between the government of Zimbabwe and Angola last week remain shrouded in mystery. Online news website Talk Zimbabwe.com reports that Angola will send 3000 of its notorious police militia within weeks to 'boost the Zimbabwe Republic Police force which has suffered massive desertions in the past few years.' The website says 'the MPLA government has a powerful police militia that is used to quell local disorder,' and that the same militia was used in Angola's civil war and have a reputation for brutal tactics.

The state media in Zimbabwe did not report on this part of the story. A ZBC Newsnet story confirmed that General Roberto Leal Ramos Montero, Angola's home affairs minister, signed a cooperation agreement with his counterpart Kembo Mohadi that would help to 'reduce criminal activity.' Newsnet quoted Mohadi saying 'the agreement will curb leakages of precious minerals and human trafficking, among other crimes.' Also present at the signing ceremony was the deputy minister of home affairs Obert Matshalaga, permanent secretary Melusi Matshiya, and commissioner of police Augustine Chihuri.

Talk Zimbabwe.com however say Monteiro, in announcing his sympathy for Zimbabwean police, pledged to supply over 3000 police militia, 'to help with quelling violence and maintaining law and order in Zimbabwe.' His pledge was made during a closed-door ceremony which Talk Zimbabwe.com say they had access to. Analysts have also pointed out that even if the militia are not immediately deployed, the deal effectively puts them at Mugabe's disposal should he ever need them. There is also further speculation that Mugabe might be trying to counter the influence retired General Solomon Mujuru has in the army and that by bringing in foreign security forces he has a back up unit.

Talk Zimbabwe.com quotes Monteiro as saying the police should use
appropriate measures to contain cases of violence in order to maintain peace and security and that 'the Angolan government will help Zimbabwe in this endeavour.' The website says he also gave indications his government could deploy their best-trained police militia in Zimbabwe as early as this week to help contain growing unrest. 'Angola will do everything in its power to help the Zimbabwean police force and will not allow Western imperialism to take over Zimbabwe,' Monteiro said adding, 'President Robert Mugabe and I have agreed on a law and order maintenance agreement that will see Angolan police helping with the situation in the country.'

SW Radio Africa Zimbabwe news

Quelle: http://www.zimbabwesituation.com/mar20_2007.html

Hier noch ein anderer Artikel dazu:
http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=84&art_id=vn20070322095450687C205838

Zwar erfolgt umgehend ein Dementi, aber die Warnung hatte bereits ausgereicht:
http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=84&art_id=nw20070322140827333C112958

Zumal Angola, Namibia und Tansania sich gemeinsam der Situation annehmen:
http://www.az.com.na/index.php?page=news/news.php&identifier=1079863988&id=19042

Südafrikas Präsident ist nun also der Vermittler in Zimbabwe. Ausgerechnet der Präsident des Landes, welches durch offizielle Wahlbeobachter seit 2000 noch jede Wahl in Zimbabwe als frei und fair bezeichnet hat. Ausgerechnet der Präsident des Landes, welches Mugabes Regime mit militärischen Ausrüstungsgütern versorgt, welches Treibstoff und Strom liefert, obwohl Zimbabwe seit Jahren nicht dafür bezahlt.

Wie sieht nun der Beitrag Namibias zur Unterstützung des Mugabe–Regimes aus? Direkt Unterstützung kann man sicher nicht leisten, denn dann würden vielleicht sogar die gutgläubigen Zahlmeister aus Deutschland und Skandinavien dumme Fragen stellen. Man erinnert sich also der namibischen Stromversorgungslücke und lässt NamPower einen 30 Millionen US–Dollar schweren Vertrag mit Mugabe abschließen.

http://www.az.com.na/index.php?page=news/news.php&identifier=1079863988&id=18695

Namibia liefert das Kapital zur Erneuerung des Kraftwerks in Hwange. Soweit, so gut. Nur ist das Kraftwerk dort ein Kohlekraftwerk, was Sinn machte, da in der Nähe Kohlevorkommen zu finden sind. Allerdings, und das ist der kleine Haken daran, kann die Hwange–Kohlenmine schon für den massiv eingeschränkten Betrieb des Kraftwerks kaum genug Kohle liefern. Der übliche Grund hierfür: Missmanagement, keine Devisen für Ersatzteile.

http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=2646&art_id=qw1150190284324B255

Woher also sollen die Devisen für den erforderlichen Kohlekauf im Ausland kommen, falls das Kraftwerk tatsächlich überholt würde? Ich tippe eher darauf, dass die namibischen Mittel gleich direkt dem Mugabe–Regime zugute kommen. Und falls 2008 einmal jemand fragen sollte, wo denn der Strom bleibt? Da wird sich dann schon eine Ausrede finden!

Die SADC unterstützt darüber hinaus Mugabes Forderung nach Aufhebung der EU–Sanktionen, was diese sofort honoriert:

http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=84&art_id=nw20070326133630989C201071

Vorteil Mugabe auf der ganzen Linie! Er wird seinem Land glücklicherweise noch lange erhalten bleiben.

Gruß, Michael<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 02/04/2007 08:57
3'766 Beiträge · seit 200602. Apr. 2007 · #103
Hallo Yoshikawa,

Bezug zu deiner Nachricht
"Vorteil Mugabe auf der ganzen Linie! Er wird seinem Land glücklicherweise noch lange erhalten bleiben."

Leider wenn auch ungern muss ich dir Recht geben, ich wäre froh wenn ich wiederprechen könnte, Gruss Kurt
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ThemenstarterGast03. Apr. 2007 · #104
Moin zusammen,

die Angewohnheit der schwarzafrikanischen „Eliten“, ihre Länder auszuplündern und das Füttern ihrer Menschen den dusseligen Westlern zu überlassen, die beim Fallen des Wortes „Kolonialvergangenheit“ schon beim „lo“ voller Schuldgefühle das Portemonnaie öffnen, ist offensichtlich, aber die mögliche Bitte des Mugabe–Regimes um Lebensmittelhilfe schlüge in ihrer Dreistigkeit einfach alles!!

Der nachstehende Artikel aus dem Scotsman wurde von mir im Volltext eingefügt, da das Lesen eine (kostenfreie) Registrierung erfordert.

Sat 31 Mar 2007
Mugabe ambassador takes plea for food aid to EU
ZIMBABWE'S ambassador to the European Union is drawing up a request for food aid to help relieve the country's growing food shortages, a European Parliament development committee member has said.
Zimbabwe's Gift Punungwe said he will "be making a detailed request" to EU Aid Commissioner Louis Michel concerning the need for increased food supplies, EU assembly member Eoin Ryan said yesterday.
"The ambassador said Zimbabwe needs substantial food supplies from the EU. He admitted his country is suffering chronic food shortages and people are now caught by the clear effects of a famine," Mr Ryan said after meeting with Mr Punungwe.
A spokeswoman for Mr Punungwe confirmed the meeting had taken place on Thursday and the issue of EU aid was discussed.
In 2006, the EU contributed 86.1 million (£58m) in aid to Zimbabwe in areas such as healthcare and water sanitation, but did not include food.
"This is not normal development aid," a spokesman for Mr Michel said. "We have not received any request so far for food aid, nor has the government indicated to our agencies that there is a crisis up to now."
The aid is in line with the EU's targeted sanctions which were renewed for 12 months earlier this year. The United States has also imposed sanctions following claims of election rigging.

Quelle: http://news.scotsman.com/international.cfm?id=498492007

Herr Mugabe will von der EU Lebensmittel haben, die er dann, da er die Verteilung durch Unabhängige nicht zulässt, dazu benutzen kann, sein Volk bzw. Teile davon zu disziplinieren. Denkt dran: All das geschieht mit der ausdrücklichen Billigung und tatkräftigen Unterstützung der Herren Mbeki und Pohamba – die Präsidenten der anderen 12 Länder, zu denen leider nun auch Botswana gehört, will ich hier gar nicht nennen. Seid Euch der Tatsache bewusst, dass nicht nur die staatliche Entwicklungshilfe, sondern auch private Spenden, die in diese Länder gehen, es den Regierungen ermöglichen, Mittel für die Unterstützung des Mugabe–Regimes abzuzweigen.

Gruß, Michael
1'715 Beiträge · seit 200604. Apr. 2007 · #106
In Zimbwe gibt es auch Direkthilfe an die Bevölkerung, ettliche kirchliche Organistationen machen dies. Ich habe das persönlich in einem Heilsarmeespital südlich von Bulawayo erlebt. In Gweru habe ich das durch die IMM (Int. Mining Mission) erlebt.
Gehört habe ich auch, dass das Rote Kreuz Esspackete verteilt.

Gruss
swisschees

http://www.nomaden.gmxhome.de/TB06/ZimbabweReisebericht2006.htm
http://africanomads.wordpress.com/ www.nelson2africa.blogspot.com https://europenomads.travel.blog/ YouTube Kanal https://bit.ly/3uEEK59
ThemenstarterGast05. Apr. 2007 · #107
Moin zusammen,

hier einmal wieder eine Zusammenstellung über das Leben am schönsten Ende der Welt.

Man stelle sich diese Frage einmal bei der französischen Fußballnationalmannschaft! Wäre das dort auch pc?
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=6&click_id=79&art_id=nw20070403100759490C527995&newslett=1&em=3202a6a20070403ah

Sozialer Wohnungsbau einmal anders:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=15&art_id=vn20070404003152220C722900

Die ungebremste Ausbreitung von Squatter-Camps ohne sanitäre Anschlüsse dürfte hier die Ursache sein:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=14&art_id=nw20070403222952252C198697

Kann ja mal vorkommen!
http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=vn20070401083645812C149811

http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=vn20070402030941109C610078

http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=124&art_id=vn20070403070752353C820804

Gruß, Michael

P.S. Liebe swisschees, wir lassen also Diktatoren -und nicht nur solchen, die auf Öl sitzen- alles durchgehen und füttern dann zur Belohnung auch noch seine überlebenden Opfer durch, damit die Despoten weiter und weiter machen können. Ich sehe darin keine erfolgversprechende Strategie, Armut und Hunger in der Welt zu verringern. Meiner Meinung nach können Änderungen am Status Quo sich nur dann einstellen, wenn die betroffenen Menschen dies selbst wollen und dafür kämpfen.
ThemenstarterGast08. Apr. 2007 · #109
Moin zusammen,

warum glaubt die Welt Politikern eigentlich nicht, wenn sie in aller Öffentlichkeit ihre Pläne erläutern oder andeuten? Hier die südafrikanische Blaupause, die sich offensichtlich an Zimbabwe orientiert:

http://derstandard.at/?url=/?id=2834728

http://www.mg.co.za/articlepage.aspx?area=/breaking_news/breaking_news__national/&articleid=304104

Für die Korrektur der Folgen des Kolonialismus müssen schon einmal Opfer gebracht werden! Das muss man doch verstehen!

Frohe Ostern, Michael
3'766 Beiträge · seit 200609. Apr. 2007 · #110
US-Botschafter in Zimbabwe kontert Mugabes Vorwürfe
http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=D0299764-1422-0CEF-70D2FDF76892A661

Bischöfe in Zimbabwe warnen vor Massenaufstand
http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=D263CE58-1422-0CEF-70EC52D98D0473EE

Hat sich Mugabe doch beim anzünden einer Zigarette sich selbst in Brand gesetzt, entsetzt kommt ein Mugabaanhänger zu mir gerannt und bittet um Hilfe in Form einer Spende!

Darauf ich: Was spenden denn die Leute so im Durchschnitt ??

Der Mugabejüngling antwortet etwas frustriert:
1 Liter Superbenzin 😈

Was lernen wir daraus- rauchen gefährdet die Gesundheit 😛

Gruss VA<br><br>Post geändert von: VirusAfricanum, am: 09/04/2007 12:54
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ThemenstarterGast10. Apr. 2007 · #111
Moin zusammen,

am Sonnabend erschien im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über Südafrika, welcher die positive Entwicklung am Kap zum Inhalt hatte. Insbesondere wurden die belebende Wirkung der Bautätigkeiten für die kommende Fußballweltmeisterschaft und die überall in Durban, Kapstadt und Johannesburg im Bau befindlichen Hochhäuser als Beispiel genannt. Die Steigerungsraten ausgewählter Werte der Johannesburger Börse komplettierten das Bild.

So ist das halt, wenn man eine Momentaufnahme, beschränkt auf einen kleinen Teil einer Sache, für das Ganze stehen lässt! Ich werde hier einmal versuchen, den Firniss an einigen Stellen zu entfernen, um das darunter liegende Bild freizulegen, das Bild, von dem ich seit einiger Zeit Facetten mittels Link hier poste.

Als 1994 die erste Mehrheitsregierung Südafrikas gebildet wurde, war sicherlich die Mehrheit der weißen Bevölkerung bereit, die Idee einer „Regenbogennation“ mit in die Tat umzusetzen. Zur Erinnerung: Die damals ca. 25 % der Bevölkerung ausmachende weiße Minderheit hatte es geschafft, mit ihrer Wirtschaftstätigkeit nicht nur sich selbst ein Erste–Welt–Umfeld zu erschaffen –ich weiß: unter Ausnutzung/–beutung schwarzer Arbeitskraft–, sondern auch über Jahrzehnte der Mehrheit der Welt zu trotzen.

Im dreizehnten Jahr nach der Regierungsübernahme durch den ANC ist die weiße Minderheit über ihre Steuerzahlungen immer noch der einzige Finanzier des südafrikanischen Staates, jedoch ist sie zunehmend nicht mehr in der Lage, dieser Aufgabe nachzukommen. Sie ist mittlerweile finanziell überlastet, ohne dass sich an der Schichtung von arm und reich im Lande etwas Grundsätzliches geändert hätte.

Die weiße Auswanderung macht rein zahlenmäßig nicht so viel aus, dass sie als Alarmzeichen gesehen werden müsste. Wenn man sich aber anschaut, wer da geht, bekommt die Sache schon eine ganz andere Richtung! Es sind nämlich die gut ausgebildeten und produktiven Jahrgänge, die spätestens dann die Auswanderung in Erwägung ziehen müssen, wenn ihre Kinder die Ausbildung abgeschlossen haben. Warum?

In Südafrika herrscht mittlerweile eine umgekehrte Apartheid, die dazu führt, dass gut qualifizierte Weiße, Farbige oder Asiaten (man merke auf: die ANC–Regierung hat die alten Rassenklassifizierungen der Apartheidära beibehalten!) zugunsten schlechter qualifizierter Schwarzer zurückstehen müssen, mit allen logischerweise daraus resultierenden Folgen für die Erledigung der Aufgaben. Das nennt sich Affirmative Action.

Wenn man einem Staat nun das Recht zugesteht, so zu handeln, sollte er sich über die notwendigerweise eintretenden Folgen im Klaren sein und diesen entgegen steuern. Er müsste also dafür sorgen, dass die gewünschte Bevölkerungsgruppe die für die Aufgabenerfüllung erforderliche Qualifikation erwerben kann: mithin müssten die Anstrengungen, das öffentliche Schul– und Bildungswesen in Quantität und Qualität zu erweitern, geradezu explodieren. Das Gegenteil ist der Fall: Das öffentliche Bildungswesen ist mittlerweile völlig ruiniert!

*****

Kommen wir zurück zur weißen Minderheit, der immer noch im Wesentlichen allein die Zeche der Steuerlast zahlenden Bevölkerungsschicht. Die Zusammensetzung dieser Schicht hat sich in den vergangenen Jahren dahin gehend geändert, dass sich die Zahl der wirtschaftlich aktiven Steuerzahler zugunsten der inaktiven (Rentner) vermindert. Hierdurch wird natürlich die für die Zwecke des Staates zur Verfügung stehende Geldsumme nach und nach geringer und das bei strukturell steigenden Ausgaben.

Betrachten wir nach den Individuen nun die Organisationen des Wirtschaftslebens. Industrie und Handel müssen, um den Anforderungen der AA entsprechen zu können, unterqualifiziertes Personal einstellen. Dies verteuert natürlich die erbrachte Leistung, das erzeugte Produkt, ohne dass ein messbarer Mehrwert erzeugt worden wäre.

Zusätzlich werden der Wirtschaft die Regeln des Black Economic Empowerment auferlegt. Ziel ist es hier, der früher vernachlässigten Bevölkerungsschicht, Zugang zur selbständigen wirtschaftlichen Betätigung zu verschaffen. In der Praxis kommen hier aber nur politisch ausgezeichnet vernetzte Personenkreise zum Zuge. In der Umsetzungsrealität werden Firmenanteile zu besonders günstigen Bedingungen, also quasi ohne Gegenleistung an BEE–Firmen verschenkt. Ein positiver Effekt könnte dann eintreten, wenn die BEE–Firmen nun tatsächlich Produkte erzeugten und verkauften oder Leistungen erbrächten. In nennenswertem Umfang geschieht dies jedoch nicht, da der Handel ausschließlich mit den erworbenen Beteiligungen viel profitabler ist, als die mühselige Tätigkeit mit Dienstleistungen, Handel oder Produktion.

*****

Ein weiterer einschränkender und immer bedrohlicher werdender Punkt bei der Wirtschaftstätigkeit innerhalb Südafrikas ist AIDS. Wenn die Mitarbeiter schneller wegsterben, als man sie ausbilden kann, ist jede Art anspruchsvoller Fertigung oder Dienstleistung früher oder später am Ende. Es bleibt die also große Frage, ob es sich für Firmen wie VW oder BMW in der Zukunft wirklich noch lohnen kann, für den internationalen Markt in Südafrika produzieren zu wollen, wenn, wie zu erwarten, der Binnenmarkt im Zuge der sich verschlechternden gesamtgesellschaftlichen Situation signifikant abnimmt.

Bezogen auf AIDS braucht man wohl keine großen Worte mehr zu verlieren. Ein in den ländlichen Gebieten bereits vollständig zusammengebrochenes öffentliches Gesundheitswesen führt zur Rückkehr von Krankheiten, über die selbst zu Apartheidszeiten bei der unterdrückten schwarzen Bevölkerungsmehrheit nicht gesprochen zu werden brauchte.

*****

Zurück zur Wirtschaft. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft (Individuen und Gesellschaften) nimmt durch die immer neuen Auflagen kontinuierlich ab, wohingegen die Belastungen zumindest nicht abnehmen. Gepeinigt wird wirtschaftliche Tätigkeit durch ein Ausmaß an Korruption auf allen Ebenen der Regierung (national, Provinz, Kommune) und in den staatlichen Wirtschaftsunternehmen, die selbst die –in dieser Hinsicht beileibe kein Kind von Traurigkeit gewesenen!– Apartheidregierungen locker in den Schatten stellt.

So ist das halt, wenn schwarzafrikanische Befreiungsbewegungen Staat–führen und Wirtschaftstätigkeit spielen!

Ein kleines Beispiel zu „Wirtschaftstätigkeit spielen“ kann ich mir nicht verkneifen. Im letzten Jahr, als alle (südafrikanische) Welt über die durch die Koeberg–Panne verursachten Stromausfälle redete, schwadronierten die beteiligten staatlichen Institutionen über eine Erweiterung der Alcan–Aluminiumhütte in Richard`s Bay. Auch eine russische Aluminiumhütte sollte, ich glaube bei Port Elizabeth, errichtet werden. Wie immer bei der Aluminiumherstellung ist hierfür billiger Strom die Voraussetzung, was ESKOM durch die „Entmottung“ vorhandener und den Bau neuer Kraftwerke sicherstellen wollte.

Und nun? Südafrika stellt sich im Winter auf rollierende Stromausfälle ein. Die Strompreise, die nur von der Wirtschaft und der weißen Minderheit auch wirklich gezahlt werden, steigen, schließlich braucht Zimbabwe ja kostenfreien Strom. Und neue Kraftwerke gibt`s auch nicht. Wie immer in Schwarzafrika: Nur mit dem Mund ist man wirklich leistungsfähig!

Während Teile der südafrikanischen Regierung vorne an der Wirtschaftskuh schon seit langem mit dem Schlachten begonnen haben, träumt der Melker von traumhaften Steigerungsraten bei der Milchproduktion und innovative Kräfte, auf dem Rücken der Kuh sitzend, dreschen mit der Peitsche auf sie ein, um ihre Eignung als Reittier zu beweisen.

*****

Aber nun wird ja bald die Rettung kommen, die Fußballweltmeisterschaft! Meiner Meinung nach wird sie den Niedergang noch einmal um einige Umdrehungen beschleunigen. Dem Land fehlt schlicht das Geld für eine solch unproduktive Veranstaltung. Es werden Milliarden von Rand in riesige Stadien gesteckt, die niemand braucht, und hierfür werden vereinzelt schon der Bau von Krankenhäusern und kommunale Hausbauprogramme eingestellt. Von den Vereinen der ersten südafrikanischen Fußballliga haben nur drei bis vier mehr als 10.000 Zuschauer pro Spiel, und die meisten der anderen Stadien werden auch nicht gerade in Rugby–Hochburgen gebaut. Die Mehrzahl der Stadien wird also nur für die wenigen Wochen der Weltmeisterschaft gebaut. Was aus nicht benötigten Sportstätten wird, kann man zurzeit ja schon in Athen besichtigen.

Kommen wir zu den Besuchermassen, die den Süden Afrikas so fluten werden, dass natürlich auch Namibia und Zimbabwe noch davon profitieren werden. Beispielhaft für die Gewinnschätzungen der letztjährigen WM in Deutschland: „Auch die deutsche Wirtschaft profitierte dem Abschlussbericht zufolge von der WM. Im Gastgewerbe stieg der Umsatz um vier Prozent (300 Millionen Euro), der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) geht von zwei Milliarden Euro aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und die Bundesagentur für Arbeit bilanzierten 50 000 neue Arbeitsplätze. http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1162484287686.shtml “ Es gibt allerdings auch Schätzungen, die einen weitaus geringeren Gewinn im dreistelligen Millionenbereich unterstellen.

Die Annahme, dass in Südafrika so viele Fans anreisen werden, wie in Deutschland 2006, ist unrealistisch: Da sind die hohen Anreisekosten vor, denn mal eben mit dem Zug anreisen aus Holland, Frankreich, der Schweiz, Schweden, Tschechien oder Polen ist nun mal nicht. Die Schnittmenge zwischen dem durchschnittlichen Südafrikareisenden und dem Fußballfan dürfte eher gering sein. Der bisherige Südafrikareisende könnte vielleicht sogar eher geneigt sein, seinen Besuch zu verschieben, als sich die begrenzten Transport– und Beherbergungsressourcen des Landes auch noch mit Fußballfans teilen zu müssen. Und der Besuch der geplanten –schreckliche Wortschöpfung!– Public–Viewing–Bereiche dürfte, angesichts der bekannten –und bis 2010 sicher noch weiter eskalierenden– Kriminalitätsproblematik Südafrikas sicherlich einen Abenteuerurlaub der ganz besonderen Art bieten.

*****

Aber man tut ja zumindest etwas gegen die Kriminalität, indem man Warnschilder für die Touristen aufstellt: http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=15&art_id=vn20070408082728576C921932

*****

Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie in Zimbabwe einem Volk zur Machterhaltung einer Person und seiner Clique die Lebensgrundlagen (Ernährungssicherheit) entzogen wurden. In Südafrika kann man seit einigen Jahren den Anfang einer ähnlichen Entwicklung aus anderem Grund erkennen.

Es geht um die Zerstörung der kommerziellen Landwirtschaft zum Zwecke der Redistribution des Landes an die Nachfolger der ursprünglichen Eigentümer. Es gibt eine Vielzahl Beispiele dafür, wie die übereigneten Farmen in Grund und Boden gewirtschaftet wurden, aber keine mir bekannten für eine wirtschaftlich erfolgreiche Übernahme. Diese Tatsache lässt Schlimmes für die Zukunft befürchten.

Der Süden Afrikas gehört zu den von der Klimaveränderungen der Zukunft negativ betroffenen Teile der Erde. In einem Land, in dem sowieso nur ca. 10% des Landes landwirtschaftlich nutzbar sind, erfolgreiche und nachweisbar anpassungsfähige Betriebsweisen zu vernichten, ist ein Verbrechen an den zukünftigen Generationen. Ich wage hier einmal die Voraussage, dass die Welthungerhilfe in spätestens 15 bis 20 Jahren auch Südafrika als Adressaten haben wird.

*****

Die Unruhe in der Bevölkerung angesichts der nicht eingehaltenen Versprechungen des ANC, welche ja bereits heute in manchen Bereichen eine Radikalisierung hervorgerufen haben, wird zunehmen. Interessant wird dann die Reaktion des ANC werden. Eine mögliche Abwahl wird er, ebenso wenig wie die ZANU akzeptieren, da in den Vorstellungen der marxistischen Befreiungsbewegungen die Regierungsübernahme für die Ewigkeit gedacht ist, da nur sie ja die Bedürfnisse des Volkes erfüllen können.

Was aber tun, wenn die Bevölkerung genau das nicht mehr will? Die Zimbabwe–Lösung scheidet aus, da Polizei und Armee dafür in einem völlig unbrauchbaren Zustand sind. Normalerweise würde ich auf die Kongo–Lösung, regionale Warlords mit ihnen ergebenen Milizen, tippen, aber dafür scheinen mir die Landesteile geografisch nicht dicht genug voneinander abgeschottet. Vielleicht hat Südafrika ja auch Glück, und es wird eine Kenia–Lösung geben. Dagegen wiederum spricht allerdings, dass Kenyattas Bewegung keinen marxistischen Hintergrund hatte. Auch dürfte der Xhosa–Zulu–Antagonismus, der im Vorfeld der 94er–Wahlen im jetzigen Eastern Cape schon zu einem Low–Scale–Bürgerkrieg geführt hat, vielleicht wieder eine Rolle spielen. Warten wir`s also ab, in spätestens zwanzig Jahren wissen wir mehr.

Das Ende der Entwicklung, jedenfalls, wird eine perverse Ironie bereithalten: Es wird all das, was die rassistischen weißen Regierungen der Apartheidsjahrzehnte für den Fall der Regierungsübernahme durch die schwarze Bevölkerungsmehrheit prophezeit haben, in Erfüllung gegangen sein.

Allerdings hat diese Entwicklung auch ein Gutes: Es wird sich, nachdem dann das letzte und am weitesten entwickelte Land des Kontinents dem afrikanischen Niedergang anheim gefallen sein wird, niemand mehr dem wohlfeilen Selbstbetrug hingeben können. Vielleicht ist man dann endlich so weit, die noch bestehenden Schulden der schwarzafrikanischen Staaten zu erlassen, sämtliche Handelshemmnisse zu beseitigen, die Entwicklungshilfe einzustellen und diesen hoffnungslosen Kontinent sich selbst zu überlassen. Das dann noch für Entwicklungshilfe zur Verfügung stehende Geld gebe man Lateinamerika, das hoffentlich, oder Asien, das mit Sicherheit damit etwas Vernünftiges anfangen kann.

Wenn man merkt, dass man ein totes Pferd reitet, sollte man besser absteigen.

Gruß, Michael
Gast10. Apr. 2007 · #112
hallo michael, hierzu ein artikel aus www.iol.co.za

Labour boss links 'moral degeneration' to SA's wealth gap
Moses Mdewu Mackay
05 April 2007 at 11h00
Poverty versus wealth and the widening wage gap between workers and bosses have been cited as some of the reasons for the moral degeneration of South African society.

This was the word from Vanguard Mkosana, director-general of the department of labour, when he addressed about 250 delegates at a two-day conference staged at UCT on Tuesday.

The conference, on ethical leadership, is focusing on how existing labour practices and initiatives in the labour movement can contribute to the moral renewal of society.

Mkosana said a combination of factors could result in moral regeneration, including narrowing the gap between the rich and poor.

"The more we distribute wealth the more we can reduce poverty and other social ills in our society," he said.

Speaking during a question-and-answer session, Mkosana said he agreed with some delegates that there was "colonisation" of a special type in South Africa and that it was wrong that the rich were getting richer while the poor were becoming poorer and poorer.

A shop steward for the Chemical Energy Paper Printing Wood and Allied Workers Union (Ceppwawu), Lennox Notwabaza, said many workers were still facing exploitation in the workplace after 13 years of democracy. He said many employees were being dismissed because of their HIV or Aids status, while many companies had failed to implement an Aids policy for their workers.

SA Transport and Allied Workers' Union (Satawu) genera secretary Randall Howard said although much had been achieved since 1994, there were also some limitations, such as macro-economic policies, which had not benefited the majority of South Africans.

"Yes, the economy is growing but there are problems such as job losses, housing backlogs, the casualisation of workers and other challenges," Howard said.

He said that many young people felt hopeless and had been marginalised, and that it was important that programmes be set up to improve their lives.

Howard also lashed out at MPs, other parliamentarians and the private sector for abusing their positions of power, highlighted in scandals such as Travelgate and Fidentia.

He proposed that politicians only serve their constituencies and not have business interests in the private sector.

Howard also urged the country to play a key role in the advancement of Nepad, but said South Africa should refrain from being "like America" and "being an imperialist on the African continent".
ThemenstarterGast16. Apr. 2007 · #114
Moin zusammen,

es wurden hier zuletzt auch von anderen einige Links zur Situation in Zimbabwe eingestellt. Ich nehme einmal an, dass es alle nicht traurig fänden, wenn dieser Despot endlich daran gehindert würde, sein Volk um Gegenwart und Zukunft zu betrügen. Ich fürchte jedoch, dass insbesondere die Berichterstattung in der hiesigen Presse, eine Situation suggeriert, die es so im Land gar nicht gibt.

Die Gewaltherrschaft Mugabes kann mangels Ressourcen von außerhalb seiner Clique nicht beendet werden. Ein Putsch von innen ist selbst angesichts zunehmender Desertionen der unteren Ränge seines Sicherheitsapparates unwahrscheinlich, da Mugabes Freunde, insbesondere in Angola, deutlich gemacht haben, dass sie im Falle eines Falles zur Verfügung stünden.

Wir sehen also einen innenpolitisch nicht gefährdeten und außenpolitisch durch die jüngsten Beschlüsse der SADC konsolidierten Mugabe. Das wahrscheinlichste Szenario bis zu seiner Wiederwahl im nächsten Jahr sieht deshalb wohl so aus:

Bis zum Wahltag minus n wird Mugabe das, was an Opposition noch übrig ist durch Mord, Folter und Einschüchterung zerstören. Mit kritischen Journalisten hat er bereits angefangen, und die Foltercamps sind wieder eröffnet. Erleichternd kommt für ihn hinzu, dass es nunmehr tatsächlich eine Dürre gibt, die gerade im Matabeleland verheerend wirken wird. Wer für ihn stimmen wird, der hat zumindest eine kleine Chance auf Lebensmittel und damit sein Überleben.

Kurz vor der Wahl werden dann Angola, Namibia und/oder Südafrika oder andere SADC–Länder Polizei und/oder Armee nach Zimbabwe schicken, um, angesichts des vorher herrschenden MDC–Terrors, Ruhe im Land zu schaffen. Sie werden damit ihrer Verantwortung gegenüber dem Volk von Zimbabwe nachkommen und eine freie, geheime und faire Wahl sicherstellen. Damit dies dann der Welt auch mitgeteilt werden kann, bereitet sich der südafrikanische Staatssender SABC schon darauf vor, für die Wahl die technischen Voraussetzungen für eine weit reichende Berichterstattung zu schaffen.

Ich bin gespannt, was davon wirklich eintreten wird.

Aber wer ist nun wirklich der Schlimmere, Mugabe oder der König von Swasiland, der seine Leute auch verrecken lässt, während er in Saus und Braus lebt?

http://www.news24.com/News24/Africa/News/0,,2-11-1447_2099045,00.html

Dagegen ist die 50%ige Gehaltssteigerung für Präsident Mbeki ja geradezu moralisch gerechtfertigt!

http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=nw20070416071706768C103948

Gruß, Michael

Quelle: www.mg.co.za



Die GIF-Datei, die ich einfügen wollte, ist 45k groß. Woran liegt es?<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 16/04/2007 10:32
ThemenstarterGast16. Apr. 2007 · #115
Moin liebe Leute,

manchmal schaffen es sogar Medien, die unheimlich weit weg von Afrika zu sein scheinen, vernünftige Artikel zu veröffentlichen!

Gruß, Michael
3'766 Beiträge · seit 200617. Apr. 2007 · #116
Hallo Micheal,

was wolltest du uns mitteilen 🙂 kann es sein das du uns einen Link vorenthältst 😉

Gruss Kurt
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931 Beiträge · seit 200617. Apr. 2007 · #117
Er meint die Serie 'Afrika - Der Fluch des Paradieses', beginnend im Spiegel von dieser Woche (Nr. 16).

...wobei ich im Spiegel auch schon gehaltvollere Beiträge gelesen habe...

Gruss

Ulli
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3'766 Beiträge · seit 200617. Apr. 2007 · #118
Ulli schrieb:
Er meint die Serie 'Afrika - Der Fluch des Paradieses', beginnend im Spiegel von dieser Woche (Nr. 16).

...wobei ich im Spiegel auch schon gehaltvollere Beiträge gelesen habe...

Gruss

Ulli
Danke für die Auskunft Ulli, Gruss VA
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ThemenstarterGast17. Apr. 2007 · #119
Moin Ulli,

er bietet aber eine historisch korrekte Zusammenfassung, ohne dass man mehrere Meter Geschichtsbücher über die Dekolonialisierung Afrikas lesen müsste.

Gruß, Michael
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