Der Praesident ist tot - es lebe die Praesidentin

13 Antworten · 10,2k Aufrufe · gestartet 10. Apr. 2012 von camelthorn
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Themenstarter409 Beiträge · seit 200910. Apr. 2012 · #1
Endlich kann es wieder bergauf gehen mit Malawi. Nachdem der Praesident vergangene Woche seiner selbstverschuldeten Medikamentenknappheit zum Opfer gefallen ist (Herzinfarkt ohne schnell verfuegbares Adrenalin) ruhen die Hoffnungen auf Joyce Banda. Samstag wurde sie vereidigt, Sonntag fing sie an das Kabinett auf den Kopf zu stellen. Der Polizeichef ist schon geschasst, der Radiochef ebenfalls. Die Regierungssprecherin, die mit einigen Getreuen noch einen halbherzigen Versuch gestartet hatte, einen Staatsstreich zu unternehmen und dem Bruder des Verstorbenen an die Macht zu verhelfen, wurde auch abgedankt. Es werden wohl noch einige "Koepfe rollen" bis die neue Regierung auf stabilen Fuessen steht.
Aber die wichtigsten Donors, USA, GB, EU und D haben bereits die zur Versoehnung ausgestreckte Hand von JB honoriert: Alle wollen mit anpacken, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Also, liebe FoMis, die Ihr Malawi aus guten Gruenden auf Eis gelegt hattet, es darf wieder geplant werden. Ich schaetze mal in ein, zwei Monaten ist die Spritkrise vorbei und auch die ausloesende Forexkrise duerfte bald Geschichte sein.

I'll keep you updated.

Gruss

Camelthorn

p.s. www.allafrica.com hat die Chronologie der Ereignisse gut dokumentiert und jetzt auch analysiert: http://allafrica.com/stories/201204100721.html

www.nyasatimes.com ist immer aktuell am Ball
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
zuletzt bearbeitet 11. Apr. 2012
154 Beiträge · seit 201011. Apr. 2012 · #2
Danke für das Update.

Ich hatte 2003/2004 die Möglichkeit in meiner Tätigkeit für Lekani Nkanza Frau Banda kennen zu lernen. Ich fand, dass sie eine ziemliche "Erdverbundene" Frau ist.

Ich hoffe, dass sich die Situation endlich wieder ändert.

Leider hatten wir auch beim Amtsantritt von Mutharika ähnliche Hoffnungen.

Gruß Moochi
33,1k Beiträge · seit 200611. Apr. 2012 · #3
Hallo Camelthorn,

es wäre Malawi in jedem Fall zu wünschen. Was ich aus der Bevölkerung mitkriege (durch Freunde, zugegebenermaßen eher gehobene Mittelschicht) ist aber leider, dass Frau Banda 0,0 Rückhalt in der Bevölkerung hat.... mal sehen wie es ausgeht, hoffen wir auf das Beste.

Sonnige Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Themenstarter409 Beiträge · seit 200911. Apr. 2012 · #4
Ja, Christian,
eine gesunde Skepsis ist natuerlich angebracht.
Den von Dir ziemlich niedrig eingeschaetzten Rueckhalt in der Bevoelkerung kann ich so nicht bestaetigen. Ich habe nur ihren Rausschmiss aus der Regierungspartei mit bekommen und dass recht wenige Unterstuetzer ihr in ihre neue Partei gefolgt sind. Jetzt sieht das natuerlich anders aus. In Scharen wechseln die Parlamentarier die Partei um wieder vorne dabei zu sein (oder auch dafuer zu sorgen, dass sie ihre vom Vorgaenger grosszuegig bereitgestellten (Klappe-halten-)Darlehen fuer Haus, Auto etc. doch nicht zurueck zahlen muessen...) Eigentlich ist ein Parteienwechsel eines MP's waehrend er Legislaturperiode verboten, hier gibt es allerdings den kuriosen Fall, dass die Joyce-Banda-Partei (PP) garnicht im Parlament vertreten ist, weil es sie bei der letzten Wahl noch nicht gab.
Mal sehen, wie das alles weiter geht.
Die Hoffnung auf Besserung ist jedoch noch frisch und kaum getruebt.
Moege sie lange vorhalten...


Gruss (aus Windhoek)

Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
8 Beiträge · seit 201217. Apr. 2012 · #5
Hallo Camelthorn,
da ich im Sept. 2012 nach Malawi kommen werde, finde ich es ganz toll von dir hier immerwieder auf Neusten Stand gehalten zu werden. Weiter so !!!
Natürlich hoffe ich auch, dass die Situation stabil bleibt und wünsche nur das Allerbeste fürs ganze Land und die Menschen dort.
Gruß Tatonka
2'338 Beiträge · seit 200712. Okt. 2013 · #6
Hallo zusammen

Wegen Korruption und Veruntreuung setzt Norwegen ab sofort die Hilfszahlungen an Malawi aus.

http://www.regjeringen.no/en/dep/ud/whats-new/news/2013/budget-support-malawi.html?id=738930

Es geht unter der Regierung von Joyce Banda munter weiter, wie schon gehabt. Schade. 🙁

Gruss
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'338 Beiträge · seit 200713. Okt. 2013 · #8
Hallo lilytrotter

Dass die Präsidentin ihr Flugzeug verkaufen möchte, hab ich auch gelesen. Fragt sich nur, wie viel von dem Erlös wirklich für Lebensmittelhilfe verwendet wird und ob das längerfristig überhaupt reicht.

Gemäss diesem Artikel hat Joyce Banda nun wegen der Korruption ihre gesamte Regierung entlassen, da die EU damit gedroht hat, ihre Beiträge zu stoppen:

https://staseve.wordpress.com/2013/10/11/malawi-prasidentin-entlasst-gesamtes-kabinett/

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
Themenstarter409 Beiträge · seit 200910. Nov. 2013 · #9
Ach Malawi!

Es ist doch erstaunlich, mit welcher unbelehrbaren Naivität man sich bemüht, die Hoffnung auf Besserung zu nähren sobald sie aufzukeimen scheint.
Anderthalb Jahre nach der Eroeffnung dieses Threads ist malawische Normalität eingekehrt. Joyce wird die Wahlen 2014 verlieren, weil sie genauso versagt hat, das Land auf stabile Fuesse zu stellen, wie ihre Vorgänger es taten und ihre Nachfolger es tun werden.
Malawi funktioniert nur wenn Malawi nicht funktioniert, das ist das Geschäftsmodell, dem die internationale Gemeinschaft stillschweigend zugestimmt hat.
Alles andere sind Sonntagsreden.

Nur das Wetter ist schön.

Camelthorn, redesillusioned.
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
4'129 Beiträge · seit 200810. Nov. 2013 · #10
camelthorn schrieb:
„Es ist doch erstaunlich, mit welcher unbelehrbaren Naivität man sich bemüht, die Hoffnung auf Besserung zu nähren sobald sie aufzukeimen scheint.“
– egal ob naiv oder nicht, schadet doch niemand – kommt doch nur darauf an, was man dann mit seinen „naiven“ Hoffnungen anfängt...
Is doch’n netter persönlicher Zug, immer mal wieder Hoffnungen zu haben... 🙂
tausendmal besser und lebensbejahender als täglicher Griesgram...
- auch wenn man zwischendurch „redesullusioned“ ist... 🤪

In diesem Sinne, camelthorn:
Auf’s schöne Wetter!

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 10. Nov. 2013
Themenstarter409 Beiträge · seit 200928. Mai 2014 · #11
Kurzes Malawi update.

Malawi hat gewählt. Vor genau einer Wche. Frei und fair, so die Wahlbeobachter aus der EU und den SADC Bruderländern unter namibischer Führung.
Stimmt, wenn man mal davon absieht, dass in zig Wahllokalen entweder keine oder falsche Wahlunterlagen angekommen sind und es zu gewalttätigen Protesten, brennenden Wahllokalen und Strassenblockaden kam in deren Folge die Schliessung der Wahllokale um drei Tage verschoben wurde. Dann sind die Beobachter abgereist, bevor die Ergebnisse aus den Distrikten in der zentralen Zählstelle angekommen waren. Nach einer Woche ist jetzt alles da: Wahlergebnisse mit Stimmenzahlen, die die Zahl der registrierten Wähler bei Weitem übersteigt. Die Ebenfalls mitgelieferten Wahlurnen wurden teilweise vorsorglich geflutet, so dass eine Nachzählung unmöglich ist.
Ein offizielles Ergebnis gibt es nicht. Eine Klage jagt die naechste einstweilige Verfügung jagt die naechste Gegenklage jagt die usw.
Stillstand. Inoffizielle Ergebnisleaks melden den Bruder des vorigen, gestorbenen Präsidenten als Sieger. Andere melden die alte Kamuzu Banda Partei als Gewinner. Nur, da ist man sich einig, die Präsidentin Joyce Banda darf sich schon mal an dias Präfix "Ex" gewöhnen.
Heute melden die Zeitungen, wieviele Millionen eine Nachzählung kosten würde: sehr viele!
Montag lautete die Schlagzeile: Circus goes on!
Damit ist eigentlich alles gesagt.
Das Problem ist, alle Vier chancenreichen Parteien haben sich bis ueber alle Ohren verschuldet um den Wahlkampf zu stemmen. Jetzt darf keiner verlieren, um keinen Preis.
Eine Woche hatten die Kinder schon schulfrei. Meine auch. Am Wahltag erhielt ich gegen elf Uhr einen panischen Anruf von der Schule: Sofort Kinder abholen! Weil vor der Schule Brennende Barrikaden die Strasse blockierten und hunderte Protestler gerade von der Armee mit Tränengas auseinander getrieben wurden kam ich nur zu Fuss ueber einen Friedhof auf Schleichwegen zur Schule. Das war nicht entspannt.
Heute hat die Schule wieder geöffnet. Mein Handy ist in Reichweite.
Malawi, das warme Herz Afrikas.
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
zuletzt bearbeitet 28. Mai 2014
2'664 Beiträge · seit 201229. Mai 2014 · #12
Es ist richtig traurig wie Malawi den Weg Afrikas gegangen ist, nämlich nur abwärts.
Solange ein Dr. Banda das Land regierte, war es noch ein Paradies.
Wer sich auskennt, empfindet einen Besuch wie ein Waten durch Ruinen.
Wer es nicht besser kennt und keine Vergleichsmöglichkeit hat, wie die meisten heutigen Touries, der wird natürlich schwärmen. Daß diese Länder mal genauso entwickelt waren wie Namibia oder Südafrika, machen sich die wenigsten klar.

Es liegt auf gleicher Ebene wie die Werbung einiger Reiseveranstalter über Zambia:
"Das wahre Afrika erleben". Nur machen sich die wenigsten klar, daß das wahre Afrika
wohl wohl die Ruinenlandschaft ist.
Schade eigentlich, denn Afrika ist ein unwahrscheinlich reicher Kontinent, auch ohne Tourismus, und könnte eigentlich genauso reich sein wie Nordamerika.
zuletzt bearbeitet 29. Mai 2014
Themenstarter409 Beiträge · seit 200931. Mai 2014 · #13
alea iacta est - Malawi hat einen neuen Präsidenten: Peter Mutharika.

Nach quälenden acht Tagen des Wartens auf weissen Rauch wurde heute, 20 Minuten vor Ablauf der gesetzlichen Veröffenlichungsfrist der 5. Präsident ausgerufen. Trotz massiver "Unregelmässigkeiten" und offenkundigem Wahlbetrug.
Wem die Hoffnung noch nicht abhanden gekommen ist kann sie jetzt wieder eine Weile bemühen.
Frage: Was ist in Malawi der Unterschied zwischen der vordemokratischen Einparteienherrschaft und der heutigen Demokratie?
Antwort: Früher konnten die Malawier ihren Diktator nicht wählen.

Gute Nacht!
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
1'155 Beiträge · seit 200631. Mai 2014 · #14
camelthorn schrieb:

Trotz massiver "Unregelmässigkeiten" und offenkundigem Wahlbetrug.
Wem die Hoffnung noch nicht abhanden gekommen ist kann sie jetzt wieder eine Weile bemühen.
Frage: Was ist in Malawi der Unterschied zwischen der vordemokratischen Einparteienherrschaft und der heutigen Demokratie?
Antwort: Früher konnten die Malawier ihren Diktator nicht wählen.

Gute Nacht!
That’s Africa.. . die Probleme sind oft selbstgemacht und das Tragische ist, dass es immer so bleiben wird, oder noch schlimmer kommt…

lg tom