Malariaprophylaxe

56 Antworten · 18,2k Aufrufe · gestartet 30. März 2012 von jmaus
Antworten
2'167 Beiträge · seit 200931. März 2012 · #41
Zu dieser Gelegenheit muss ich euch wohl wieder mal den Artikel von DAN South Africa (Divers Alert Network) in Erinnerung rufen - http://www.mwh.co.za/barra/__documents/malaria_dansa/malaria_prophylaxis_new_proposal.pdf Ok, es geht hier vor allem um Taucher, ist aber fuer alle andern Reisenden genauso relevant.

Sieht vor allem die Bemerkung unter Lariam!

Gruss aus Sodwana
Maddy
Reiseberichte: Camping Tour Northern Namibia, August 2010 Dlinza Forest, Eshowe, KZN, South Africa Die erste Reise - Loggerhead Camping trip 2020: KNP-Mapungubwe-Magoebaskloof-Mt.Sheba
Gast31. März 2012 · #42
Hallo,
Axel schrieb:Wir hatten auch schon in D. den Fall, das sich jemand, der nie in Malariagebieten war, sich in der Klinik mit Malaria infiziert hat, weil in einem Nebenzimmer ein Erkrankter lag.
Es gibt auch zig dokumentierte Fälle von sogenannter Airport Malaria. D.h. Menschen haben sich um Umfeld von Airports durch eingeflogene Moskitos mit dem Malaria-Erreger infiziert. Das Heimtükische ist in den Fällen, dass beim Auftreten von Fieber dann kaum jemand an Malaria denkt und die Leute ggf. falsch behandelt werden, wodurch die Malaria so richtig gefährlich wird.

Wie man anhand der aktuellen Zahlen in dem von Strelitze verlinkten Ärzteblatt-Artikel auch noch mal sehen kann, liegt die Malaria-Sterbequote für Menschen mit Zugang zu ordentlicher Behandlung bei um die 0,5 Prozent. Und die 0,5% dürften vor allem die Fälle sein, die zu spät die richtige Behandlung bekommen haben. Es kann dann jeder für sich selbst entscheiden, wie er diese Statistik bei der Entscheidung pro oder contra chemischer Prophylaxe gewichtet.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 31. März 2012
727 Beiträge · seit 200831. März 2012 · #43
Axel schrieb:Etwas "off topic"
Wir hatten auch schon in D. den Fall, das sich jemand, der nie in Malariagebieten war, sich in der Klinik mit Malaria infiziert hat, weil in einem Nebenzimmer ein Erkrankter lag.
Sorry, aber das glaube ich nicht! Hast Du dafür eine Quelle?

Die Übertragung der Malaria von Mensch zu Mensch funktioniert nicht, sondern ausschliesslich durch die Anopheles Mücke. Es gibt die Mücke zwar in Deutschland, aber nach einem Stich dauert es 12 Tage, bis die Mücke einen Menschen infizieren kann.

Gruß

Dino
499 Beiträge · seit 200602. Apr. 2012 · #44
Hallo alle,

nur kurz zu den einzelnen Kommentaren:
Eine Korrektur: Bei der Todesursachenstatistik steht Malaria nur bei Kindern an Nr. 1,
overall steht die Malaria weltweit an Nr. 5. Das hatte ich etwas unklar formuliert.

Das jemand, der eine Malaria überlebt hat, immun werden kann, ist medizinisch akzeptiert und bekannt.

Für die Übertragung braucht es einen infizierten Menschen, eine geschlechtsreife Anophelesmücke, etwa 2 Wochen Inkubation in der Mücke und wieder einen Stich. Mensch zu Mensch Übertragung gibt es nicht.

Doxycyclin ist in Deutschland nicht zugelassen als Prophylaxe, wird von der WHO aber empfohlen. Dessen muss man sich im Sinne der Produktehaftung im Klaren sein. Es handelt sich um off label use. Die Wirksamkeit ist belegt, allerdings nimmt auch hier die Zahl der Resistenzen zu. Zur Behandlung ist es definitiv nicht geeignet.

Die psychomimetischen Nebenwirkungen von Lariam treten bei 25% der "Benutzer" auf, am häufigsten sind Schlafstörungen. Selten ist etwas anderes...

Die Malaroneeinahme wird einen Tag vor Einreise in das Malariagebiet begonnen und bis einschliessliche 7 Tage nach Ausreise aus dem Malariagebiet weitergeführt. Bei 14 Tagen Urlaub im Malariagebiet macht das 22 Tabletten.

In diesem Sinne
Tobias
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
1'287 Beiträge · seit 200802. Apr. 2012 · #45
Hallo zusammen,

es wird ja immer (zu recht) darauf verwiesen bzgl. Malariaprophylaxe zu einem (Fach)Arzt zu gehen. Aber mal ganz ehrlich nach meiner Erfahrung wird doch wohl JEDER Arzt in Deutschland nach Blick auf die obligatorische WHO Malariarisikogebietskarte IMMER eine Prophylaxe verschreiben. Also geht es ja nicht wirklich um eine Beratung hinsichtlich Prophylaxe ja oder nein, sondern nur darum welche Prophylaxe empfohlen wird und wie diese anzuwenden ist.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
415 Beiträge · seit 201002. Apr. 2012 · #46
Carl, das ist eine Behauptung die allenfalls auf Deiner persönliche Erfahrung beruht. Mit der Realität hat das aber herzlich wenig zu tun.

Zu einer tropenmedizinischen Reiseberatung ist die Beratung zur Malariavorbeugung nur ein kleiner Teilaspekt und keinesfalls eine reflexartige Handlung.

Ich persönlich bekomme ein 14-tägiges update zu weltweit tropenmedizinisch relevanten Themen. Diese Informationen gehen immer mit in meine Beratungen mit ein. Jede Beratung ist sehr individuell auf den Gesundheitszustand, Reiseziel, Reiseart, Dauer und vieles mehr ausgerichtet.... das ist eine vielschichtige Beratung.

Schöne Reisen wünscht
Jens-Uwe
Meine letzten Reisen
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
1'287 Beiträge · seit 200802. Apr. 2012 · #47
JUKoehler schrieb:Carl, das ist eine Behauptung die allenfalls auf Deiner persönliche Erfahrung beruht. Mit der Realität hat das aber herzlich wenig zu tun.
Hallo Jens-Uwe,

natürlich werden die Ärzte weitere Aspekte des zu Beratenden wie aktuelle Medikation allgemeiner Gesundheitszustand etc. pp. berücksichtigen. Ich bin dennoch davon überzeugt, dass die entsprechenden aktuellen Malariarisikolandkarten schlussendlich den Ausschlag zur Verschreibung einer Prophylaxe geben werden.

Allerdings lass ich mich gern eines besseren belehren, falls jemand andere Erfahrungen mit deutschen (Fach)Ärzten gemacht hat.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
359 Beiträge · seit 201002. Apr. 2012 · #48
Hallo liebe Fomis,

zunächst einmal: Ich finde es vollkommen o.k. wenn so ein Thema mal wieder die Runde macht. Bei allem Halbwissen, Polemik und Panikmache wird dem halbwegs gebildeten Mitteleuropäer wohl bei ausreichender Filtration etwas geholfen werden.

Was mir bei der ganzen Sache immer ein bisschen Bauchschmerzen macht sind Mediziner, Reiserveranstalter, Kurz-Caprivi-Besucher und sonstwelche Mitglieder die da sehr dolle so tun die Weisheit gepachtet zu haben. Es gibt nicht das Malariagebiet und die Malariazeit! Aber natürlich gibt es gefährdetere und nicht so gefährdete Zeiten und Gebiete. Da kann Euch eigentlich nur jemand gute Auskunft geben, der gerade vor Ort ist und medizinisches Fachwissen hat (also fragt doch einfach mal bei Ärzten in Rundu oder Katima nach, die können Euch gerne aktuelle Info geben).

Also wir haben über ein Jahr im Caprivi gewohnt. Mit zwei Kindern (damals ein und fünf Jahre) und wir haben die Medikamente nach einer kurzen Zeit des Ankommens, so wie alle dort länger lebenden In- und Ausländer, abgesetzt.

Vor unserer Ausreise waren wir bei mehreren Ärzten und Kollegen (Spanne von: Tropeninstitut Berlin: "es ist unverantwortlich mit Kindern nach Namibia zu gehen" Hausarzt: "sie können Lariam jahrelang schlucken, ist nicht so schlimm", bis Kollege der Jahre in Botswana war: "keine Panik, meine Tochter hatte schon dreimal Malaria und das ist besser als Grippe, Pille rein und am nächsten Tag ist es vergessen). Das war wirklich so, kein Scherz.

Aber: bei jedem kleinen Anschein sind wir zum Arzt (auch Heiligabend um 18.00 Uhr) und haben testen lassen. Dann natürlich die ganzen Vorkehrungen wie Netze, Kleidung usw.

Also meine subjektive Sichtweise: schluckt das Zeug 🤢 (am besten Malarone) wenn das Risiko hoch ist (Gesellschaft, Regenzeit, anfällig für Mücken), denn ihr schlaft auch in einem Zimmer was täglich mit Doom (einem üblen Nervengift was in D bestimmt keine Zulassung bekommt und bestimmt zu einer Menge Krebs in diesem Land führt) ausgesprüht wird, raucht, trinkt, fahrt Gravelroad usw usw. (die Aussage das Malaria Todesursache Nummer eins ist finde ich übrigens größten Schwachsinn. Da ist z.B. Fettsucht bestimmt noch weit davor! Und gerade in HIV-Risikogebieten stirbt man schnell an Malaria nicht an AIDS, jedenfalls ist in Katima nie einer an Aids gestorben). Da sind die paar Tage Prophylaxe vollkommen o.k.

Gruß aus Windhoek (übrigens auch nicht vollkommen Malariafrei!)
Kowo
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
499 Beiträge · seit 200602. Apr. 2012 · #49
Hallo,

ich wiederhole mich gern: ich habe meine Korrektur oben angeführt: Malaria ist bei Kindern nach wie vor die Todesursache Nr. 1. Fettleibigkeit ist unter Afrikanern nicht ganz so weit verbreitet... Davon Abgesehen zählt die Region um Katima zu den Gegenden mit der weltweit höchsten Infektionsrate an HIV!
Was den Vergleich mit AIDS angeht, ist mir nicht ganz klar, was das bedeuten soll. Soweit mir bekannt, wird HIV nicht über Mücken übertragen. Wenn man allerdings den Vergleich heranziehen möchte, wäre eine fehlende Malariaprophylaxe in einem Risikogebiet vergleichbar mit ungeschütztem Sex mit einem HIV-Positiven Partner.
Viele Grüsse
Tobias
PS.: Weiter werde ich mich nicht äussern. Ich muss mir Anfeindungen, sei es als PM oder im Thread nicht antun. Zumindest lese ich ab jetzt erstmal nur noch still mit.
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
359 Beiträge · seit 201002. Apr. 2012 · #50
Hallo Tobias,

tut mir leid wenn du angefeindet wirst. Ich tu es bestimmt nicht.

Der Vergleich liegt nahe. Ein Todesopfer in Katima ist nie an HIV/AIDS gestorben. Dann war es doch mal die Malaria. Hört sich besser an. Und ich habe es erlebt. Jeder Schnupfen ist Malaria! Die ist dann ohne Arztbesuch in zwei,drei Tagen vorbei. Cool,ne?

Und das Malaria die Todesursache Nummer eins bei Kindern ist, glaub ich auch nicht so einfach. Du kannst mir nicht erzählen, das mehr Kinder an Malaria als an Unterernährung, Mangelernährung und mangelnder Hygiene sterben. Aber Todesursache Colakonsum ist einfach schwer nachzuweisen!

Abgesehen davon hat das ja gar nichts mehr mit dem Thread zu tun. Prophylaxe ist gut, aber (fast) niemand muss an Malaria sterben wenn er sowieso halbwegs gesund ist, die Symptome deuten kann, schnell zum Arzt kommt und richtig behandelt wird.

Gruß aus Windhoek
Kowo
723 Beiträge · seit 201102. Apr. 2012 · #51
kowo schrieb:.... aber (fast) niemand muss an Malaria sterben wenn er sowieso halbwegs gesund ist, die Symptome deuten kann, schnell zum Arzt kommt und richtig behandelt wird. ...
Na dann wollen wir doch der Pharmaindustrie nicht weiter die Taschen füllen!
Einfach unglaublich so ein Beitrag!

Danke Tobias für deinen Vergleich! Besser kann man es nicht sagen!
Gruß Reinhard
359 Beiträge · seit 201002. Apr. 2012 · #52
Reinhard1951 schrieb:
Na dann wollen wir doch der Pharmaindustrie nicht weiter die Taschen füllen!
Einfach unglaublich so ein Beitrag!
Na, du scheinst den Thread ja wirklich gewissenhaft verfolgt zu haben. Vielen Dank für deine Verdrehungen. Hättest du mal eine Seite vorgeblättert, wüsstest Du dass ich sage: Urlaub im Risikogebiet? Prophylaxe unbedingt.

Hat schon was von stiller Post.

Gruß aus Windhoek
Kowo
723 Beiträge · seit 201102. Apr. 2012 · #53
Hallo kowo,
Wenn du nicht zitiert werden möchtest musst du das anmerken!
Gruß Reinhard
3'175 Beiträge · seit 200602. Apr. 2012 · #54
da scheinen ja nur Profis am Werk zu sein............
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
zuletzt bearbeitet 02. Apr. 2012
727 Beiträge · seit 200803. Apr. 2012 · #55
Joerg schrieb:
Hallo Tobias!

Kannst Du mir bitte erklaeren warum man das Mittel NUR eine Woche nach Verlassen des Infektionsgebietes nehmen muss??

Vielen Dank
Bin zwar nicht Tobias, und ich bin auch kein Mediziner, aber ich hab das folgendermaßen verstanden:

Die Erreger durchlaufen im menschlichen Körper einen bestimmten Lebenszyklus, bei dem sie nach dem Stich vom Blut in die Leber wandern. In der Leber vermehren sie sich dann, bevor sie nach einiger Zeit wieder in das Blut gelangen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Malaria#Lebenszyklus)

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann kann Lariam die Erreger nicht in der Leber abtöten. Man muss also warten, bis diese die Leber wieder verlassen, was einige Zeit dauert.

Malarone hingegen kann die Erreger auch in der Leber abtöten. Die "Wartezeit", bis die Erreger die Leber verlassen, entfällt also.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/30490/Malarone-Malaria-Prophylaxe-nach-einfachem-Schema

Ich hoffe mal ich hab das so richtig wiedergegeben. Lest bitte selber die angegebenen Quellen.

Gruß

Dino
2'048 Beiträge · seit 200703. Apr. 2012 · #56
hallo Dino,
das ist soweit korrekt. Hinzu kommt, dass Malerone auch sehr viel länger im Körper bleibt, also nicht so schnell abgebaut / ausgeschieden wird. Du hast nach dem Absetzen also noch eine ganze Weile ausreichend Wirkstoffe im Blut. Das ist aber auch der große Nachteil wenn jemand es nicht verträgt - die Nebenwirkung bleiben genauso einige Zeit erhalten.
Diese "anderen" Nebenwirkungen von Lariam habe ich bereits mehrfach beobachten dürfen. Das hat denen den Urlaub total geschmissen. Ich würde dieses Mittel Menschen mit psychiatrischen Vorerkrankungen nicht empfehlen.

Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
7'296 Beiträge · seit 200627. Apr. 2012 · #57
Tobias schrieb:Das mit dem Tonic ist garnicht so falsch. Früher (zu Hemmingway's Zeiten) war im Tonic Water sehr viel Chinin, dass damals das einzige Malariamittel war. Daher hat regelmässiger Gin Tonic Genuss einen gewissen Schutz vor Malaria gebracht, aber leider auch eine Leberzirrhose...
... dazu muss ich noch anmerken, dass Tonic Water zu Hemmingways Zeiten wesentlich mehr Chinin enthielt. Um mit dem heutigen Zeugs eine medizinische Wirkung zu entfalten, muesste man meines Wissens ueber zehn Liter pro Tag davon trinken und dann kann man mit reichlich Nebenwirkungen rechnen und ist wohl selbst mit Lariam besser beraten.

Gruss
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...