Sinn oder Unsinn des Schenkens

40 Antworten · 13,8k Aufrufe · gestartet 13. Nov. 2011 von Erika
Bilder klein
Antworten
172 Beiträge · seit 201114. Nov. 2011 · #21
Hallo,

Wir Europäer leben ja bekanntlich inmitten einer zentralisierten Wegwerfgesellschaft und tun uns somit sehr schwer afrikanische Verhältnisse zu verstehen, geschweige denn diese zu begreifen.

Eventuell könnte uns die Kenntnis folgender Fakten beim "besser verstehen" helfen bzw. dazu beizutragen, dass wir uns in Zukunft angemessener und vernünftiger verhalten - daher eine Frage an unsere Freunde in Namibia:

Wie hoch ist in Namibia der Monatslohn eines

.) Chirurgen
.) Lehrers
.) Polizisten
.) Bauarbeiters

Bedanke mich im vorhinein für die Auskunft

LG
Luigi
Themenstarter2'338 Beiträge · seit 200715. Nov. 2011 · #22
Hallo zusammen

Es geht ja in diesem heiklen Thema nicht nur um‘s Geschenke an die Armen verteilen.
Oft wird man an Grenzübergängen oder Polizeikontrollen so unter dem Motto: „Was hast du mir aus deiner Heimat mitgebracht?“ danach gefragt. Wie geht ihr damit um? Gebt ihr ihnen dem Frieden zuliebe und um Schwierigkeiten zu vermeiden etwas, oder macht ihr ihnen klar, dass es kein Geschenk gibt? Oder seid ihr sogar der Meinung, dass Beamte so wenig verdienen, dass ihnen ein kleiner Zustupf zusteht?

Gespannte Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
5'479 Beiträge · seit 200915. Nov. 2011 · #23
Ich hatte es heute auch schon in einem anderen Thread geschrieben: Auf diese Geschenke-Tour reagiere ich immer, indem ich freundlich lächelnd mitteile, dass in Deutschland traditionell die Gäste beschenkt werden. Damit hat sich das Thema bislang immer erledigt.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
983 Beiträge · seit 201115. Nov. 2011 · #24
Topobär schrieb:Auf diese Geschenke-Tour reagiere ich immer, indem ich freundlich lächelnd mitteile, dass in Deutschland traditionell die Gäste beschenkt werden. Damit hat sich das Thema bislang immer erledigt.
Genial! 😎

Mache ich demnächst auch so! Danke für den Tipp!
Beste Grüße
Ralf
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 15. Nov. 2011
387 Beiträge · seit 200917. Nov. 2011 · #25
Also ich nehme grundsätzlich immer Werbe-Kugelschreiber mit. Die sind Mangelware in Namibia und den ersten gebe ich bereits am Zoll bei meiner Einreise ab. Weitere im Kindergarten, bei der Ausreise etc...

Ja und sonst - ich gestehe - ich schenke.... immer

Dem weiblichen Wachpersonal am Gate etwas für die Kinder (Kleidung-aber nicht zu viel sonst wird es verkauft für eine Handy-Karte), auch bringe ich ein belegtes Brötchen vom einkaufen mit und eine Dose Cola oder diesen papsüßen Saft den sie so lieben. Nicht immer, aber doch ab und zu. Die Mädels sitzen da den ganzen Tag für wenig Geld und haben schlichtweg zu viele Kinder, zu wenig Geld und Hunger....

Ich schenke "Bildung". Ich spare mir jeden Monat 50,-€ von meiner Minirente für den Kindergarten in Mondessa ab, um einem kleinen Jungen ein anständiges Leben zu ermöglichen.
Kein Kindergarten - keine Vorschule ... Keine Vorschule - keine Schule. Das mit der Schule wird noch richtig teuer werden, aber kann man zusehen wie ein kleiner Mensch von vornherein kein Chance hat, weil er keine Bildung hat. Seine Mutter geht arbeiten - jeden Tag 9 Std., 6 Tage die Woche und bekommt 920,-N$ (sind nicht mal 100,-€). Sie kann das finanziell nicht schaffen. Es ist schon ein Kraftakt dem Kleinen jeden Tag etwas zu essen mitzugeben (und Klopapier und Klenextücher und Milipapp und Windeln und Duftspray für die Toilette und Putzmittel und so weiter (je älter die Kinder werden um so länger wird die monatliche Mitbringliste vom Kindergarten).

Ja, ein Kind ist teuer in Namibia. Ein schwarzes vielleicht nicht so wie ein weißes (da hätte der Kindergarten 180,-€ monatlich gekostet.

Allein der Arzt das letzte mal (der Kleine kam mit Verbrennungen kurz vor der Sepsis aus dem Ovamboland von der Großmutter) hat knapp 1.000,-N$ gekostet. Der Arzt sagt die Mütter kommen zu spät, aber die haben ja auch kein Geld dafür.

So und jetzt schleppe ich einen Buggs-Kinderwagen mit. Den habe ich geschenkt bekommen. Die Mutter muss jeden Tag 5 km zur Arbeit LAUFEN...... das geht ohne Kind auf dem Buckel einfacher.

Macht das jetzt SINN oder ist es UNSINN an das gute im Menschen zu glauben und zu helfen?

Gruß, Swakop-Moni

Bin mal echt auf eure Meinungen gespannt

IMG_6968.JPG
Es wird viel gefragt um es dann doch selbst wieder mal besser zu wissen...
4'451 Beiträge · seit 200817. Nov. 2011 · #26
Hallo Moni,
das nenne ich gezieltes Schenken.:) Das ist genau das was m. M . nach gut ist. Da wo wirklich "Hilfe" gebraucht wird, da sollte was "abgegeben" werden. Ich bin auch der Meinung , einfach den "Nikolaus " zu spielen , fördert das Betteln. 😉
Hoffe das Du den Buggy ohne Zahlen mitnehmen kannst.
Liebe Grüße
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
1'723 Beiträge · seit 200917. Nov. 2011 · #27
na moni .. ich glaub das ist nicht das gleiche.. ehrlich ..
ich bin grundsaetzlich gegen schenken, sogar ziehmlich heftig weil ich meine, je nach dem wie es gemacht wird, verdirbt es.. ich habs auch in Asien gesehen, schrecklich, hinterher reissen sie dir das zeug aus den haenden und wenn es nicht gut genug ist wirds auch weggeschmissen..

aber was du machst hat damit gar nix zu tun..
du schenkst nicht, du foerderst, und zwar ganz gezielt fuer ein kind .. das is ne patenschaft.. das hat einen weg, das hat ein ziel .. so muss das sein.. dagegen kann wohl keiner was einwenden, im gegenteil, davon sollten wir uns alle ne scheibe abschneiden, und das mein ich ehrlich ..

ich schenke etwas entweder wenn mich jemand oder etwas wirklich beruehrt hat, oder wenn sich eben personal oder aehnliches wirklich gut gekuemmert hat.. das mache ich aber in europa auch durch trinkgeld ... ich gebe dann wenn es keiner von mir erwartet und fordert.. ein beispiel : wir waren in der beachlodge und die jungs haben immer das auto sauber gehalten. Na klar gabs dafuer auch ein paar dollars, auch wenn wir den service nicht "bestellt hatten" .. als wir abgefahren sind hatten wir noch ne menge zeugs im kuehlschrank, welches wir sonst weggeworfen haetten. Wir sind damit in die personalstube und haben gefragt ob sie interssiert waeren. Ohne Hochmut, ohne diese ARt "hier nimm meinen muell, fuer dich ist er schon gut genug".. wir haben uns quasi entschuldigt ihnen das anzubieten, war aber alles frisch und noch zu ... das is okay, aber wie son nikolaus rumlaufen find ich zum kotzen
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
983 Beiträge · seit 201117. Nov. 2011 · #28
@Moni

Dein Beitrag ist für mich weder Schwarz noch Weiss.
Selbstverständlich ist zielgerichtetes Spenden etwas anderes, als das, was Erika mit Schenken ohne Gegenleistung meinte. Spenden für eine gute Sache ist doch wohl über jeden Zweifel erhaben. Ob die "gute Sache" jetzt die Patenschaft für ein Kind oder die Spende für den Naturschutz oder so etwas wie die LCFN ist, bleibt Geschmackssache. Wir spenden überwiegend für Naturschutz; jetzt erstmalig auch für LCFN.
Für mich fällt das Verteilen von Kugelschreibern bei der Einreise und das Schenken an das Wachpersonal (ohne das dieses für dich etwas Extra tut) unter die Kategorie "Schenken ohne Gegenleistung", die über lange Sicht und bei Praktizieren von mehreren Touristen/Zweitwohnsitzlern bei den Beschenkten eine bestimmte Erwartungshaltung verankert ... die dann auch wieder negative Konsequenzen haben kann ...
Das hier von einigen so gescholtene Weiterreichen von "Müll" (also z. B. alte T-Shirts) ist und bleibt ein Schenken. Jeder, der einem seinen "Müll" anbietet, riskiert zurückgewiesen zu werden: "Ich will den Müll nicht!" Dann stehste de dumm da und guckst ... Somit ist es eine Überwindung das alte T-Shirt anzubieten. Wer es sich bequem macht, bietet es nicht an, sondern wirft es auf den Grund des Müllcontainers. Mache ich zugegebenermassen auch oft ...
Beste Grüße
Ralf
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 17. Nov. 2011
461 Beiträge · seit 200817. Nov. 2011 · #29
Hallo Moni

Ich denke du hast ein Kind als Patin "adoptiert" und schaust, dass an einem kleinen Ort dieser Welt etwas besser wird. Das ist ein so persönlicher Beitrag und ich denke das hat auch nichts mit generellem Schenken zu tun.
Ich gehe auch davon aus, dass ihr euch entsprechend persönlich kennt und die Mutter des Kindes geht weiterhin ihrer Arbeit nach - aber es reicht da trotzdem nicht ganz und dabei stopfst du Lücken. Es ist ja nicht so, dass die Nutter jetzt deswegen "auf der faulen Haut liegt" sondern sich mit Einsatz durch das Leben schlägt.
Ich finde das machst du gut und du solltest dabei auch keinerlei ein schlechtes Gewissen haben.

Gruss
Tom
709 Beiträge · seit 201117. Nov. 2011 · #30
Swakop-Moni schrieb:Also ich nehme grundsätzlich immer Werbe-Kugelschreiber mit. Die sind Mangelware in Namibia und den ersten gebe ich bereits am Zoll bei meiner Einreise ab. Weitere im Kindergarten, bei der Ausreise etc...

Ja und sonst - ich gestehe - ich schenke.... immer

Dem weiblichen Wachpersonal am Gate etwas für die Kinder (Kleidung-aber nicht zu viel sonst wird es verkauft für eine Handy-Karte), auch bringe ich ein belegtes Brötchen vom einkaufen mit und eine Dose Cola oder diesen papsüßen Saft den sie so lieben. Nicht immer, aber doch ab und zu. Die Mädels sitzen da den ganzen Tag für wenig Geld und haben schlichtweg zu viele Kinder, zu wenig Geld und Hunger....
...
Genau so erzieht man Bettler zum Betteln und Behördenmitarbeiter dazu, grundsätzlich einen Bakschisch zu fordern!!!
Danke dafür!😠


Etwas ganz Anderes ist es, wenn man ein Patenkind hat und sich darum kümmert.

Rocky
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
zuletzt bearbeitet 17. Nov. 2011
1'816 Beiträge · seit 200817. Nov. 2011 · #31
Hallo allerseits, ich wollte ja eigentlich nix schreiben, aber jetzt mach ich`s halt doch:

Wir hatten fast 15 kg Kinderklamotten dabei, die unseren Enkeln/Nichten, Neffen zu klein geworden waren. Ich hatte zuvor bei Elsie von Vreugde angefragt, ob sie etwas für die Farmkinder brauchen könnten. Reaktion: ein Foto mit ca. 100 Kindern einer Schule, die sie unterstützen.... und ein begeistertes "ja bitte". Wir haben die Kleider dann auf der Farm bei Elsie gelassen, damit sie sie verteilen kann. Einen kleineren Teil hatten wir zuvor Hannelore auf Rooiklip für den dortigen Kindergarten gegeben.
Ich denke, dass das keine schlechte Aktion war: wir konnten uns als "Spender" raushalten und die Leute dort können die Sachen mit Sicherheit viel besser verteilen.

Ach ja: Buntstifte haben wir auch dort gelassen.

LG Boris
Themenstarter2'338 Beiträge · seit 200718. Nov. 2011 · #32
Hallo zusammen

Um aufzuzeigen, welche Auswirkungen das Schenken ohne Gegenleistung hat, möchte ich ein paar selbst erlebte Beispiele von irgendwo in Afrika aufführen.

Wir möchten in einer touristischen Kleinstadt im einzigen Mini-Shopping Center weit und breit wieder mal unsere Vorräte auffüllen und haben noch nicht einmal richtig den Blinker gestellt, als wir von einer ganzen Horde Halbwüchsiger verfolgt werden, die uns bis zum Parkplatz nachrennen und wild gestikulierend und auf uns einquatschend alle etwas geschenkt bekommen wollen und sich dabei an unser Fahrzeug hängen und mit den Fäusten auf die Motorhaube hauen. Da es uns wegen des Tumultes zu mulmig ist auszusteigen, müssen wir unverrichteter Dinge weiterfahren.

Ein laut Reiseführer sehenswerter Wasserfall ist unser Ziel. Vom Parkplatz aus wären es auf einem markierten Weg nur ein paar Minuten zu laufen. Leider werden wir aber sofort von zahlreichen selbsternannten Tour Guides empfangen, die uns alle in Erwartung einer Entschädigung begleiten wollen und uns auch aggressiv anbetteln. Auch hier treten wir den Rückzug an, da an „in Ruhe geniessen“ nicht zu denken ist.

Wir übernachten auf einem eingezäunten Campingplatz. Am Morgen marschieren unzählige Schulkinder vorbei. Viele bleiben stehen „ give me money, give me pen, give me sweets!“ rufen sie. Als wir nicht reagieren, schmeissen sie faustgrosse Steine nach uns.

Wer schon ein paar Mal in Afrika war, könnte die Liste bestimmt beliebig verlängern. Und immer passiert es an Orten, wo sich regelmässig Touristen aufhalten, die oft wahllos Geschenke verteilen. Dort, wo praktisch niemand hinfährt, hat man seine Ruhe und kann sich ohne angebettelt zu werden die Sehenswürdigkeiten anschauen.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
709 Beiträge · seit 201118. Nov. 2011 · #33
Erika schrieb:Hallo zusammen

Um aufzuzeigen, welche Auswirkungen das Schenken ohne Gegenleistung hat, möchte ich ein paar selbst erlebte Beispiele von irgendwo in Afrika aufführen.

Wir möchten in einer touristischen Kleinstadt im einzigen Mini-Shopping Center weit und breit wieder mal unsere Vorräte auffüllen und haben noch nicht einmal richtig den Blinker gestellt, als wir von einer ganzen Horde Halbwüchsiger verfolgt werden, die uns bis zum Parkplatz nachrennen und wild gestikulierend und auf uns einquatschend alle etwas geschenkt bekommen wollen und sich dabei an unser Fahrzeug hängen und mit den Fäusten auf die Motorhaube hauen. Da es uns wegen des Tumultes zu mulmig ist auszusteigen, müssen wir unverrichteter Dinge weiterfahren.

Ein laut Reiseführer sehenswerter Wasserfall ist unser Ziel. Vom Parkplatz aus wären es auf einem markierten Weg nur ein paar Minuten zu laufen. Leider werden wir aber sofort von zahlreichen selbsternannten Tour Guides empfangen, die uns alle in Erwartung einer Entschädigung begleiten wollen und uns auch aggressiv anbetteln. Auch hier treten wir den Rückzug an, da an „in Ruhe geniessen“ nicht zu denken ist.

Wir übernachten auf einem eingezäunten Campingplatz. Am Morgen marschieren unzählige Schulkinder vorbei. Viele bleiben stehen „ give me money, give me pen, give me sweets!“ rufen sie. Als wir nicht reagieren, schmeissen sie faustgrosse Steine nach uns.

Wer schon ein paar Mal in Afrika war, könnte die Liste bestimmt beliebig verlängern. Und immer passiert es an Orten, wo sich regelmässig Touristen aufhalten, die oft wahllos Geschenke verteilen. Dort, wo praktisch niemand hinfährt, hat man seine Ruhe und kann sich ohne angebettelt zu werden die Sehenswürdigkeiten anschauen.

Erika
Ja, genauso ist es!!!

Rocky
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
1'457 Beiträge · seit 200618. Nov. 2011 · #34
ich habe mal an einer Art Berufsschule für Mädchen gearbeitet (schonmal geschrieben die Geschichte). Die liegt an der C28, wo auch immer mal wieder Touris vorbeifahren. Eines Abends war da eine der Schülerinnen, die wirklich weder arm noch super reich sind, an der Straße um bei besserem Handyempfang nach Hause zu telefonieren. Danach kam sie auf einen Tratsch zu mir.

Als sie bei mir lachend vor der Tür stand, hatte sie eine Plastiktüte in der Hand, die ihr Touristen aus einem Auto gereicht hatten. Dachten wohl das kleine Negerlein braucht "neue" T-Shirts, gebrauchte Sandalen etc. Wir haben uns amüsiert, wirkliche Abnehmer für alte Plastiksandalen der Größe 43 gesucht und uns gewundert wie wichtig einem wohl das ziellose "Ablassschenken" sein muss, dass man selbst einer Frau völlig unpassende Dinge in die Hand drückt und noch nicht mal weiß, WARUM sie gerade im Busch an der Straße steht. Ich habe mich besonders über die Campino Bonbons gefreut, nach langem endlich mal wieder (deutsche) Süßigkeiten, die nach was geschmeckt haben....
359 Beiträge · seit 201018. Nov. 2011 · #35
Also irgendwie werde ich das schleichende Gefühl nicht los, dass hier eher berichtet wird wie „Gutmensch“ wir doch alles sind und was für tolle Erlebnisse man in den entlegensten Winkel der Welt so hatte mit unerwarteter Hilfe ohne Gegenleistung, ohne auf die Fehler die bestimmt schon jeder gemacht hat näher einzugehen.

Beispiel: wir fahren regelmäßig durch den Bwabwata. Die Kinder kommen dort an die Parkplätze wenn ein Auto hält. Aber sie betteln nie. Sie bleiben immer in einiger Reichweite stehen und warten bis man wieder losfährt. Dann springen sie in die Mülltonne. Ich habe dort einmal den Fehler gemacht nur einem der Kinder eine angebrochene Packung Kekse zu geben (in dem dummen Glauben der verteilt sie schon). Anstatt mit den anderen zu teilen gab es beinah Mord und Totschlag. Daraus lernt man.

Aber: wenn man mal so eine (bestimmt nicht fundierte) Rechnung aufstellt: Jedes Jahr kommen einfach gerechnet eine Millionen Touristen ins Land. Viele sind jedoch nur „ Papiertouristen“: Angolaner und Südafrikaner auf „Geschäftsreise“. Die fallen nämlich auch oft mit in die Statistik (und nicht in die der Geschäftsreisenden), wie man dem Tourism Board entnehmen kann. Viele kommen auch gar nicht in Kontakt mit der Bevölkerung. Sagen wir also hoch geschätzt eine Viertelmillionen verteilt zweimal etwas (und die meisten sind ja zu zweit oder dritt oder viert unterwegs), dann sind das pro Jahr vielleicht ein „Geschenk“ pro Kind in Namibia (ich glaube jedoch eher viel weniger). Davon kann sich doch keine lebenserhaltende Industrie entwickeln. Abgesehen vielleicht von ein paar Dutzend Kindern, die an den einschlägigen Touristen Hotspots darauf warten. Aber davon gibt es in diesem Land doch auch nicht allzu viele, oder?

Ich habe in über einem Jahr nun recht viel vom Land gesehen und mir fallen nur ein paar Orte ein, wo die Kinder wirklich aufdringlich betteln. Und wer dort was gibt, der weiß es eben nicht besser. Und in die bevölkerungsreichen Regionen des Nordens fahren ja onehin viel weniger Touristen.

Mein Fazit: das Wasser hier wird nicht so heiß getrunken wie gekocht. Wenn jemand wirklich ein nachhaltiges Problem sieht, ist er vielleicht noch nicht allzu oft auf die Dörfer gefahren.

Die Mentalität (ich kann hier nur für den Caprivi sprechen) ist in allen Altersgruppen sowieso vielmehr auf „nehmen“ als auf „geben“ ausgerichtet (natürlich mit vielen Außnahmen). Und dafür kann ich dutzende Beispiele aus dem Alltag nennen. Gerade hier wo der Chief noch solche Macht hat. Nicht umsonst hat z.B. der Craft Market in Kongola noch immer nicht wieder geöffnet. Aber das ist eine lange Geschichte die nicht hierher gehört. Gibt wirklich größere Probleme hier in diesem Land zu bewältigen.

Also sage ich: Schenken? ja unbedingt, aber wo und was ist die Frage (Kugelschreiber braucht keiner der sie sich nicht auch selber besorgen kann, Fußbälle schon. Und die alten Kinderklamotten geben wir im örtlichen Waisenhaus ab, davon gibt es mehr als genug im Land).

Gruß aus Katima
Kowo
956 Beiträge · seit 200918. Nov. 2011 · #36
Hallo zusammen!

Ich seh überhaupt nicht ein, warum ich irgendjemandem auf Straße irgendetwas schenken sollte. So völlig grundlos, im Vorbeifahren. Und welcher Teufel mich reiten müsste, für Beamte, die ohnehin keine schlechten Jobs haben, Geschenke mitzubringen.

Ein paar Beispiele von sinnvoller Hilfe wurden hier ja genannt. Zum Beispiel Buntstifte und Kleidung bei einer Stiftung oder über einheimische "Mittelsmänner", die sich auskennen, bei Schulen abzugeben. So nach dem Motto: Kinder, wenn ihr in die Schule geht, lernt ihr was und es rentiert sich auch noch anders. Oder eine Familie, ein Patenkind bewusst und gezielt unterstützen.

Was wir heuer gemacht haben: Wir hatten an unserem letzten Tag im KTP noch ein paar Lebensmittel (Nudeln, Cornflakes und Tütensuppe) übrig. Die hab ich auf dem Küchentisch drappiert und einen Zettel geschrieben, dass sie gerne genommen werden können, weil wir das nicht mit nach Europa nehmen können. Das hätte ich aber in einem Ferienhaus in Europa genauso gemacht, weil ich gute Lebensmittel nicht grundlos in die Tonne werfen will.

Was anderes ist es, wenn jemand nett und unaufdringlich (!!!) seine Hilfe anbietet und man dann ein Trinkgeld gibt, falls man sie annimmt. Aber das ist auch kein Schenken...

LG aus Österreich,

Tanja
zuletzt bearbeitet 18. Nov. 2011
197 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #37
glueck auf,

wegen "ablassschenken" von KOWO------->arebbush lodge whk.

m.l.,eine dort arbeitende end30igerin bekommt als trinkgeld im august von deutschen gutmenschen eine tube MERIDOL zahnpasta und eine angefangene/benutzte dose rasierschaum!

nun,zwei wochen zurueck,medikamente,speziell fuer magen/darm-funktionsstoerungen.
antibiotika,schwerpunkt sexuell uebertragene krankheiten!!, verfallen 2.2009. FEBRUAR 2009!!!!! 🤩
nasentropfen,auch abgelaufen,schmerzmittel und andere abgelaufene "frauenproblem oder wehwehchenbekaempfer" ! 😄

klasse!

fast alles mit deutschem beipackzettel.

einiges der medizin war noch in brauchbarem zustand,also nix MHD verfallen.
gefreut hat sich m.l. hingegen ueber das geschenkte SALEWA zelt.

also fragen "wir" noch x den media markt ------> ist geiz geil???


manchmal. und manchmal auch laecherlich!!!

und das schenken auch! 🤢

david
1'942 Beiträge · seit 201119. Nov. 2011 · #38
Hallo Tanja,
Dein Argument hinsichtlich Schule ist sehr überzeugend. Das sollen die Kinder dort spüren, dass sie Hilfe bekommen, wenn sie in die Schule gehen. Ich möchte jetzt zwar keine Diskussion über Schulsysteme lostreten, aber Bildung ist für mich der einzige Weg, dass Afrika aus seiner Misere rauskommt.
Ich würde mich so einem Beispiel gerne anschließen, hab aber keine Kontakte zu Schulen oder Kindergärten. Kann mir da jemand Kontakte sagen?

Liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
zuletzt bearbeitet 19. Nov. 2011
387 Beiträge · seit 200921. Nov. 2011 · #39
phantom schrieb:glueck auf,

wegen "ablassschenken" von KOWO------->arebbush lodge whk.

m.l.,eine dort arbeitende end30igerin bekommt als trinkgeld im august von deutschen gutmenschen eine tube MERIDOL zahnpasta und eine angefangene/benutzte dose rasierschaum!

nun,zwei wochen zurueck,medikamente,speziell fuer magen/darm-funktionsstoerungen.
antibiotika,schwerpunkt sexuell uebertragene krankheiten!!, verfallen 2.2009. FEBRUAR 2009!!!!! 🤩
nasentropfen,auch abgelaufen,schmerzmittel und andere abgelaufene "frauenproblem oder wehwehchenbekaempfer" ! 😄

klasse!

fast alles mit deutschem beipackzettel.

einiges der medizin war noch in brauchbarem zustand,also nix MHD verfallen.
gefreut hat sich m.l. hingegen ueber das geschenkte SALEWA zelt.

also fragen "wir" noch x den media markt ------> ist geiz geil???


manchmal. und manchmal auch laecherlich!!!

und das schenken auch! 🤢

david
Du sprichst mir aus der Seele......

Ich habe manchmal auch solche Gäste in meinem Flat. Erst regen sie sich auf, das ich so dekadent bin und ein "schwarzes" Hausmädchen habe, dann lassen sie nach 2 Wochen "hinterherputzen" ihre alte offene Billigmarmelade da und den Kühlschrank voller Dingen die man entsorgen muss und 20,- N$ Trinkgeld !!!!!!!!!! Das muss man sich mal geben-für 2 Wochen.....!!!!! Ach, nicht zu vergessen Duschgel, Shampoo - alles Pröbchen.... schon mal mit der Kultur und der Lebenssituation von meinem Mädchen gehört??? Da braucht man UNBEDINGT Duschgel und für die Haare SHAMPOO........😈

Das dieses mein Hausmädchen ihre Würde behält, da sie für Geld arbeiten gehen kann - auf die Idee kommt da so niemand. Das "weiße" auch für Geld arbeiten müssen/dürfen auch nicht....... ist das etwas
anderes?
Nachdenklich Grüße von Swakop-Moni
Es wird viel gefragt um es dann doch selbst wieder mal besser zu wissen...
zuletzt bearbeitet 21. Nov. 2011
1'247 Beiträge · seit 200921. Nov. 2011 · #40
solitaire schrieb:Ich würde mich so einem Beispiel gerne anschließen, hab aber keine Kontakte zu Schulen oder Kindergärten. Kann mir da jemand Kontakte sagen?
Hallo Solitaire
ich war vor gut einer Woche im SOS-Kinderdorf in Windhoek. Was ich da gesehen habe, hat mich schwer beeindruckt. Mit einer Dorfpatenschaft bist du dabei und hast die Gewissheit (ist belegt), dass der Hauptteil deines Geldes wirklich zweckgebunden eingesetzt wird. Und wenn du dem Dorf beim nächsten Namibia-Besuch deine Aufwartung machst (voranmelden) kannst du immer noch ein paar Hefte, Farbstifte oder dgl. mitbringen; das wird sehr gerne entgegengenommen.

Den für dich zutreffenden Länderlink findest du via Google und "SOS-Kinderdorf" problemlos.

Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)