Sinn oder Unsinn des Schenkens

40 Antworten · 13,8k Aufrufe · gestartet 13. Nov. 2011 von Erika
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Themenstarter2'338 Beiträge · seit 200713. Nov. 2011 · #1
Hallo zusammen

Ich möchte mal versuchen, eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn des Schenkens ohne Gegenleistung zu eröffnen. Da dazu die Meinungen weit auseinander klaffen, hoffe ich auf eine rege Teilnahme.

Hier kurz meine persönliche Einstellung zu dem Thema:

Mit dem Verschenken von allen möglichen und unmöglichen Dingen fördern wir die Bettelei und tragen überhaupt nichts zur Armutsbekämpfung bei. Wir degradieren die Leute zu Bettlern und Almosenempfängern, fördern die Korruption und nehmen ihnen ihre Würde. Aus diesem Grunde bin ich strikt dagegen.

Ansätze einer Diskussion über dieses Thema gab es bereits in girwals Reisebericht und da ich es schade finde, diesen netten Beitrag mit hitzigen Kommentaren zu“ verschandeln“, bitte ich euch, hier eure Meinung kundzutun. Bin gespannt.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'130 Beiträge · seit 200613. Nov. 2011 · #2
Interessante Frage,
ich kann mich an ein Erlebnis an den Popa Fslls erinnern. Ich unterhielt mich mit einem Einheimischen, der dort beschäftigt war und auch sehr stolz auf seine Arbeit war. Er erzählte mir, dass sein Sohn kein Lust hätte etwas zu lernen, weil er mit den "milden Gaben" der Touristen in einer Woche mehr verdienen würde als sein Vater in einem Monat.
Helfen wir diesem Kind mit unseren Geschenken?
Ich habe kein Problem damit, auf einem Community Campingplatz mich mit einem kleinen Geschenk für die gastliche Aufnahme und Betreuung zu bedanken, ich sage aber auch immer, wofür dieses Geschenk ist. In allen Fällen habe ich bisher ein nettes Dankeschön gehört und mehrmals auch, das so ein Lob (und auch das Geschenk von einem Gast) ihnen zeigen würde, das sie es richtig gemacht haben und stolz sein können.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
359 Beiträge · seit 201013. Nov. 2011 · #3
na es kommt doch immer auf den Umstand des Schenkens an. Verschenkst du nichts zu Weihnachten? Ich schon. Und es macht mir Spaß wenn sich jemand drüber freut (und ich erwarte keine Gegenleistung).

Guck dir doch mal das Potlach Fest einiger Indianer an. Es kommt eben auch auf die Kultur an.

Ich versteh immer nicht so ganz worauf die Fragen abzielen. Ist genauso mit dem fotografieren von fremden Menschen. Ich habe da auch meine Hemmungen. Andererseits haben die Namibier, Zimbabwer, Botswaner und Zambier die in der Regel z.B. gar nicht.

Unsere Kinder werden regelmäßig ohne zu Fragen fotografiert. Die machen sich darüber eben gar keine Gedanken, so wie in unseren Kulturkreisen der Fall.

Gruß aus Katima
Kowo
zuletzt bearbeitet 13. Nov. 2011
250 Beiträge · seit 201013. Nov. 2011 · #4
... ich bin überzeugter „Handgepäckreisender“ reise praktisch nie mit Check In Gepäck, ausser nach Afrika, da nehme ich immer meine alten Klamotten und Schuhe mit die nicht mehr so „Fashion“ oder nicht mehr ganz neu sind… hätte ich druchgelatsche Schuhe mit Löchern wäre es mir persönlich egal wenn mir jemand bessere schenken würde…. und seit ich in Mozambique einmal einen original Africa -Cup Fussball an eine Community verschenkt habe, gehe ich dort als Säulenheiliger durch ... 😄
Die ganze Bar kam mir hoch (Charles Bukowski)
983 Beiträge · seit 201113. Nov. 2011 · #5
Hallo Erika,

wir reden jetzt hier von Afrika und ich bin dort als Tourist unterwegs:

Schenken ohne Gegenleistung: Nein!

Ausnahme1: Ich lasse alte Kleidung einfach liegen und gehe - ohne Kontakt mit dem Empfänger. Dann "findet" es jemand und es wird nicht erbettelt.

Ausnahme2: Das Gegenüber sieht aus wie ne ganz arme Sau, die kurz vorm Verhungern o.ä. ist und ich gehe von echter Not aus ... Versuche in solchen Fällen aber immer die Leute dazu zu bringen, irgendetwas für uns zu tun, damit es wie eine Bezahlung aussieht ...

Schenken nach Geschäftsabschluss: Ja, gelgentlich! Wer mir etwas verkauft oder mir eine Dienstleistung erbringt, wird dafür bezahlt und wenn er besonders nett ist (und bedürftig aussieht) erhöhe ich ggf. die Bezahlung um ein kleines Geschenk.

Grundsätzlich sehe ich es wie du, Bezahlen für Dienstleitung/Ware ist würdevoller - als ständig den guten Samariter zu spielen. Die ganze "Brot für die Welt-Politik" der vergangenen Jahrzehnte, die auf der großen politischen Bühne abgezogen wurde (Entwicklungshilfeministerium als Weltsozialamt usw.) und die immer noch in den Köpfen der Touristen herumgeistert, ist gescheitert. Wer das noch nicht begriffen hat, der ist entweder Teil dieses Systems oder will es nicht sehen.

Würdevoller Umgang auf Augenhöhe sollte das Ziel sein!

Beste Grüße
Ralf
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 13. Nov. 2011
4'451 Beiträge · seit 200813. Nov. 2011 · #6
Ralph Schreibt :

Ausnahme1: Ich lasse alte Kleidung einfach liegen und gehe - ohne Kontakt mit dem Empfänger. Dann "findet" es jemand und es wird nicht erbettelt.

So haben wir es mal gemacht, dann wurde hinter uns her telefoniert, das wir was im Zimmer vergessen haben. 😉


Axel schreibt :
Ich habe kein Problem damit, auf einem Community Campingplatz mich mit einem kleinen Geschenk für die gastliche Aufnahme und Betreuung zu bedanken, ich sage aber auch immer, wofür dieses Geschenk ist. In allen Fällen habe ich bisher ein nettes Dankeschön gehört und mehrmals auch, das so ein Lob (und auch das Geschenk von einem Gast) ihnen zeigen würde, das sie es richtig gemacht haben und stolz sein können.

nachdem ich als Tourist unterwegs bin, handhabe ich es auch so wie Axel.

Liebe Grüße
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
359 Beiträge · seit 201013. Nov. 2011 · #7
rhh64 schrieb:


Grundsätzlich sehe ich es wie du, Bezahlen für Dienstleitung/Ware ist würdevoller - als ständig den guten Samariter zu spielen. Die ganze "Brot für die Welt-Politik" der vergangenen Jahrzehnte, die auf der großen politischen Bühne abgezogen wurde (Entwicklungshilfeministerium als Weltsozialamt usw.) und die immer noch in den Köpfen der Touristen herumgeistert, ist gescheitert. Wer das noch nicht begriffen hat, der ist entweder Teil dieses Systems oder will es nicht sehen.

Würdevoller Umgang auf Augenhöhe sollte das Ziel sein!
Im großen und Ganzen stimme ich dir vollkommen zu. Aber ihr fahrt doch alle gerne über die KFW finanzierte Brücke von Namiba nach Zambia, oder? Und die schönen Teerstraßen hier sind auch zum großen Teil durch die deutsche "Brot für die Welt" Politik finanziert. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Gruß aus Katima
Kowo
983 Beiträge · seit 201113. Nov. 2011 · #8
kowo schrieb:Im großen und Ganzen stimme ich dir vollkommen zu. Aber ihr fahrt doch alle gerne über die KFW finanzierte Brücke von Namiba nach Zambia, oder? Und die schönen Teerstraßen hier sind auch zum großen Teil durch die deutsche "Brot für die Welt" Politik finanziert. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Gruß aus Katima
Kowo
Wenn ich als Tourist über eine Teerstraße/Brücke fahre, ich es mir scheißegal, wer die bezahlt hat, ob Mugabe (ist nur fiktiv so gesagt, kann gar nicht sein 😄 ) oder das deutsche Entwicklungshilfeministerium (das auch unter Niebel noch nicht in das AA integriert wurde, wo es meiner Meinung nach hingehört 😈 ) oder die Einheimischen mit ihren Steuergeldern selbst.

Deine Aussage ist kein Argument für/gegen Schenken ohne Gegenleistung.

Beste Grüße
Ralf
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 13. Nov. 2011
33 Beiträge · seit 201113. Nov. 2011 · #9
Es gibt ja einen Unterschied zwischen Fördern und einfach "den Geldhahn aufdrehen". Es gibt ja genügend Beispiele, wo einfach irgendwo Geld hingeschmissen wurde oder irgendwelche tollen Maschinen gekauft wurden und eigentlich brauchte das so keiner. Man muss halt auch immer die Strukturen vor Ort in Betracht ziehen.
Ich selbst gebe eigentlich nie direkt jemandem einfach so Geld. Aber wenn mich ein Obdachloser (ob in Dtl. oder in Afrika) nach einem Stück Brot fragt und ich grad ne Butterstulle in der Hand hab, dann kriegt er ein Stück ab.

Bei Verein "Fahrräder für Afrika" (http://www.fahrraeder-fuer-afrika.de) haben wir uns ja auch gefragt, wie man es am Besten macht. Wir kriegen ja Fahrräder kostenlos in Deutschland durch Spenden bereitgestellt und müssen dann quasi "nur" den Transport und alles drumherum bezahlen. Vor Ort verschenken wir die Räder aber nicht, sondern sie werden für 20-40 Euro verkauft. Das ist in Afrika viel Geld, aber man kann es selbst finanzieren. Wenn man dann nach ein paar Monaten das eigene Fahrrad in den Händen hält, hütet man es wie einen Schatz, den man kennt den Wert davon. Würden wir den Leute die Fahrräder einfach so in den Hof stellen, würden sie bestimmt nicht so gepflegt und wertgeschätzt!
86 Beiträge · seit 201013. Nov. 2011 · #10
Erika schrieb:

Schenken ohne Gegenleistung

Liebe Erika,

Schenken erfolgt an sich ohne Gegenleistung.
Wird eine Gegenleistung erwartet, handelt es sich nicht um ein Geschenk.

Nur mal so als Geschenk der Logik-Fraktion 😗 🙂
119 Beiträge · seit 200913. Nov. 2011 · #11
Danke, Erika, für den Thread. Ich finde es nämlich auch schade, wenn ein Reisebericht mit einer solchen Diskussion "verschandelt" wird. Zugleich juckten aber jedesmal die Finger, wenn ich darin las 😗

Ich bin von Berufes wegen ein Gutmensch 😉 Aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mit Geschenken durch Sambia zu reisen. Wir machten damit sehr gute Erfahrungen, weil wir den Menschen als Menschen begegnet sind und nicht als "barmherzige Samariter". Wir hatten viele interessante Gespräche und Diskussionen, auch über Entwicklung, Fortschritt - und ihren Preis, im positiven wie im negativen.

Es schaudert mich, wenn jemand etwas verschenkt, um sich - etwas überspitzt formuliert - an den leuchtenden (Kinder-)Augen zu ergötzen. Mir scheint dann, als ob die Kolonialzeit doch noch nicht vorbei ist. "Kommt her, all ihr armen Negerlein, ich hab was Gutes für euch." Macht man es wirklich, um den Menschen zu helfen, oder macht man es, um sich ein gutes Gefühl zu geben, um sein schlechtes Gewissen zu besänftigen, um sein teures Reisen zu rechtfertigen?

Ich bin davon überzeugt, dass diese Menschen nicht unsere Almosen brauchen, auch nicht unsere Süssigkeiten und erst recht nicht unsere ausgetragene Altkleidersammlung. Sie brauchen eine Zukunft - und die können sie sich nur selber geben. Wir können sie dabei unterstützen, aber sicher nicht, indem wir da und dort (und wieso dem nächsten nicht?) etwas verschenken.

Etwas anderes ist es natürlich für einen erbrachten Service. Auf dem Weg von den Liuwa Plains nach Lukulu (Westsambia, dem wohl ärmsten Landesteil) ist einer über 20 km mit uns mitgefahren und hat uns den Weg gezeigt. Nachher ist er alles zurückgelaufen. Er wollte nichts dafür (auch wenn wir ihm schlussendlich doch etwas Wegproviant mitgeben durften). Es war für mich eine der eindrücklichsten Begegnungen.

Ganz anders in den touristischen Gebieten, wie z.B. auf der Fahrt vom Nord- zum Südluangwa. In jedem Dort kammen die Kinder angerannt und riefen nach Süssigkeiten oder Geld. Eine ehrliche, gleichberechtigte Begegnung mit diesen Menschen war kaum mehr möglich. Und die Touristen, die wahllos verteilen, haben sie zu diesen Bettlern gemacht.

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Menschen wahr- und ernstgenommen werden wollen als gleichberechtigtes Gegenüber. Wenn man sich für sie interessiert und sie nicht nur bemitleidet, entstehen wertvolle Kontakte (inkl. viel Lachen und leuchtenden Augen). Auf den Markets war es sogar oft so, dass wir immer noch ein Geschenk erhielten (zusätzliche Tomaten etc.).

Dies ein paar Gedanken meinerseits 😄
983 Beiträge · seit 201113. Nov. 2011 · #12
engelstrompete schrieb:Ralf Schreibt :

Ausnahme1: Ich lasse alte Kleidung einfach liegen und gehe - ohne Kontakt mit dem Empfänger. Dann "findet" es jemand und es wird nicht erbettelt.

So haben wir es mal gemacht, dann wurde hinter uns her telefoniert, das wir was im Zimmer vergessen haben. 😉

Liebe Grüße
Cécile 🙂
Ganz pragmatisch bezogen auf den von dir genannten Fall: Wir legen die z. B. T-Shirts lose auf den Papierkorb im Zimmer, wenn wir abreisen. Dann ist es klar für die Angestellten. Das wollen die nicht wieder zurück haben. Wird aber stets verwertet, wie wir in dem ein oder anderen Fall im nachhinein erfahren haben. Alternative: Lass es im Zimmer liegen und sage bei der Abfahrt an der Rezeption, dass die T-Shirts bitte "entsorgt" werden sollen.

Beste Grüße
Ralf
Beste Grüße rhh64
461 Beiträge · seit 200813. Nov. 2011 · #13
Sinn oder Unsinn ?

Ich denke es ist immer auch eine Frage der Umstände und des Umfangs der Geschenke, Gaben oder dergleichen und es sollte nicht ganz so dogmatisch wie in einigen Statements angegangen werden.

Wir handhaben es so:
- Wir gehen nicht mit der Absicht und Waren in solche Länder (und dazu zählt nicht nur Afrika) etwas schenken zu wollen.
- Einfach zu schenken weil jemand ein besonders trauriges Gesicht macht oder offensichtlich bettelt lehnen wir ab.
- Wir suchen aber in diesen Ländern immer wieder auch den Kontakt zu den Menschen und kommen mit diesen auch ins Gespräch. Je nach Situation bietet man auch etwas zu trinken ab - und ist dann oft grosszügig, dass er die ganze Flasche behalten kann. Oder er muss uns etwas aufschreiben und wir überlassen dann den Schreiber -so als Dank oder Wertschätzung. Das ergibt sich dann ganz natürlich und hat nichts mit Gönnerhaftigkeit und Bettelei zu tun. Das ist etwas was wir auch in der Schweiz machen würden.
- Am Schluss der Reise ist immer was übrig und wir werfen es nicht weg. Dabei halten wir jeweils völlig unerwartet bei einer Familie, die das ganze nicht erwartet. Wir erklären Ihnen, dass wir das ganze leider nicht über die Grenze nehmen dürfen und es sei falsch Essen wegzuwerfen. Dann wechselt ein Sack Reis und dergleichen den Besitzer.

Gruss
Tom
2'721 Beiträge · seit 200614. Nov. 2011 · #14
Ich denke, man sollte den Begriff „schenken“ nicht zu weit dehnen.

Meine eigene, persönliche Meinung dazu ist diese:
Wenn ich z.B. nicht mehr benötigte, gebrauchte Gegenstände im Zimmer zurück lasse oder sie lose über den Papierkorb lege und es dem Finder überlasse was er damit macht, ist dies für mich nicht schenken sondern billig entsorgen. Zu Hause müsste ich es bei der Kleidersammlung oder anderswo entsorgen und so habe ich wieder Platz für Souvenir.
Schenken bedeutet für mich auch nicht, wenn ich dafür eine Gegenleistung erwarte. Für mich ist das dann eine Be- bzw. Entlohnung für eine Leistung und sei sie noch so klein.
Dann gibt es da noch die sog. Gastgeschenke, die einer Tradition entsprechen. Meine Gaben empfinde ich da auch nicht als allgemein gültiges Geschenk sondern als Respekt gegenüber dem Gastgeber bzw. der Tradition. Wobei dies genaugenommen trotzdem schon ein Geschenk darstellt; mindestens in unseren Augen.
Für mich ist herzliches Schenken situationsbedingt. Wie tom schrieb, am Wegesrand eine Flasche Wasser oder auch etwas zu essen oder sonst etwas mit dem ich in diesem Moment wirklich helfen kann - oder Freude bereite - oder eben auch der angesprochene Kugelschreiber usw.
Grundsätzlich wird nichts „geschenkt“, wenn Erwachsene oder Kinder an strategisch günstigen Plätzen betteln. Diese haben schon gemerkt, dass sie so am leichtesten und bequemsten mit Betteln durch das Leben spazieren.
Für mich ganz wichtig ist auch, dass ich den Beschenkten nicht überfahre und seine Würde verletze. Die Ärmsten haben oft die grösste Würde und fühlen sich minderwertig, wenn man sie mit Geschenken überhäuft, mit denen sie schlussendlich vielleicht gar nichts anfangen können.
Man könnte noch über Sinn und Unsinn von Geschenken sprechen, die in unseren Augen Sinn machen, den Beschenkten damit aber schlussendlich nicht geholfen ist.
Bazi
zuletzt bearbeitet 14. Nov. 2011
Themenstarter2'338 Beiträge · seit 200714. Nov. 2011 · #15
Hallo zusammen

Danke für eure Kommentare, die sich im Grossen und Ganzen mit unserer Einstellung decken 🙂 . Natürlich sind auch wir jeweils gerne bereit, für besonders nette Gesten und “Dienstleistungen” etwas zu schenken, aber sicher keine unnützen Dinge wie Bonbons usw.

Sha, auch wir hatten vor Jahren mal so ein nettes Erlebnis wie ihr in Zambia. Im Jahr 2001, als die grosse Sintflut über Mosambik hereinbrach, waren wir ganz im Süden in Ponta d’ouro und wollten von dort nach Maputo fahren. Auf dieser Strecke erreichten wir plötzlich eine Stelle, wo der Weg in einem riesigen See endete. Wir schauten uns ratlos an, als plötzlich ein Mann aus dem Nichts auftauchte und uns anbot, den Weg zu zeigen. Da wir nur zwei Sitze im Fahrzeug haben, stellte er sich hinten aufs Trittbrett und dirigierte uns über viele Kilometer Querbeet durch die Pampa. Plötzlich waren wir wieder auf einer normalen Strasse und er beschrieb uns noch genau, wie wir weiterfahren sollen. Wie euer Freund, lehnte auch unserer ein Geldgeschenk strikte ab, obwohl er die ganze Strecke wieder zurück laufen musste. Toni vermachte ihm dann sein bestes T-shirt und eine Cola, was er gerne annahm.


Dieses Jahr waren wir in Gegenden unterwegs, wo sich kaum ein Tourist aufhält. Wir haben am Wegesrand wild übernachtet und wurden nicht ein einziges Mal angebettelt, obwohl immer wieder Menschen und sogar ganze Schulklassen vorbei liefen. Nicht mal stehen geblieben sind sie, sondern scheu grüssend vorbeigehuscht. Es gibt Regionen in Afrika, wo die Bevölkerung unvergleichlich viel ärmer ist als z.B. an den touristischen Routen, wo sich als Folge die Bettelei teilweise ins Unerträgliche gesteigert hat. Oft waren wir wirklich versucht, ihnen eine Kleinigkeit zu geben, weil sie manchmal nicht mal Schuhe besassen, aber dann wäre bereits der Grundstein zum Betteln gelegt, wenn nur ein einziger Tourist mit dem Verteilen von Süssigkeiten oder Geld usw. anfangen würde, das heisst, hätten wir nur einer einzigen Person etwas geschenkt, wäre der Bann gebrochen gewesen. Und aus der Armut helfen mit einigen Gaben kann man ihnen sowieso nicht.

Mit diesem kleinen Beispiel wollte ich eigentlich nur sagen, dass es nicht immer die Ärmsten und Bedürftigsten sind, welche betteln, sondern dass sie entlang der Touristenrouten einfach entdeckt haben, dass damit Geschenke und Geld zu holen sind. Das von Axel beschriebene Beispiel von Popa Falls, wo der Junge mit Betteln mehr verdient als der Vater, spricht Bände.

Leider vermisse ich Beiträge und Argumente derjenigen, die nach Afrika in den Urlaub fliegen, um Gutes zu tun, indem sie aus purer Nächstenliebe oder Mitleid möglichst viele Geschenke (ohne Gegenleistung!) an die Bevölkerung verteilen.

Grüessli
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
298 Beiträge · seit 201014. Nov. 2011 · #16
Hallo Erika,
wir sind letztes Jahr zu Weihnachten in Namibia unterwegs gewesen. Es war unsere erste Afrikareise und wir haben uns im Vorfeld schon Gedanken gemacht, was wir an kleinen nützlichen Dingen mitbringen könnten. Die Entscheidung fiel dann zugunsten von Buntstiften und Anspitzern, die wir zum Großteil in die Ombilistiftung bringen wollten, aus.
Auf unserem Weg dorthin, haben wir immer mal wieder hier und da ein Päckchen an die Kinder von Angestellten verschenkt, die sich auch riesig darüber gefreut haben. Wir haben uns natürlich über das Strahlen der Kinderaugen gefreut! Es war ja schließlich auch Weihnachtszeit...
Von hier aus haben wir auch schon an der "Schuhkarton"-Aktion teilgenommen, das heisst, man beklebt einen Schuhkarton mit buntem Papier und packt Geschenke für eine bestimmte Altersklasse und Geschlecht ein. Die Kartons werden dann von einer Organisation in die ganze Welt verteilt, an Kinder, die sonst keine Weihnachtspräsente bekommen...Letzes Jahr waren wir nun unterwegs und wollten dann auch vor Ort was "tun", was ich auch gerade im Hinblick an Wertevermittlung für unsere Kinder wichtig fand, denn die haben sich mit ihrem Taschengeld (freiwillig!) an den 90 Päckchen Buntstiften beteiligt! Meistens haben dann auch unsere beiden Kinder die Stifte direkt an die Kids übergeben.
Die Kinder die am Etosha-Tor gebettelt haben, haben von uns aus den oben, bereits von meinen Vorrednern, beschrieben Gründen nichts bekommen, denn das Betteln sollte nicht gefördert werden..
Ich finde, dass man es von der jeweiligen Situation abhängig machen sollte, ob man nun etwas gibt oder nicht. Es sollte jedem das Recht zugesprochen werden das selbst zu entscheiden, uns erschien es nun sinnvoll zu sein keine Bonbons oder Geld, sondern Stifte zu verschenken.
Bei den San haben wir z.B. volle Wasserkanister dagelassen.
Ich finde es jedenfalls gut, wenn sich Reisende mit diesem Thema sachlich auseinandersetzen.
Liebe Grüße Kiwi
Reisebericht: Afrika- Ein Traum wird wahr !!!http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/175448-afrika-ein-traum-wird-wahr--1212-01012011.html Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was berichten.... Matthias Claudius
1'309 Beiträge · seit 200914. Nov. 2011 · #17
Hallo Erika,

ich werde sicher nicht vergessen, wie ich bei einer Kenia-Reise mit ein paar Bonbons keine strahlenden Kinderaugen verursacht habe, sondern einen Tumult aus Habgier, Grabschen und Streit!

In Malawi haben wir unsere "Geschenke" (Stifte) an einen vertrauensvollen Dorfbewohner gegeben, mit der Bitte, sie zu verteilen.

Viele Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
131 Beiträge · seit 201114. Nov. 2011 · #18
Liebe Erika,

ich kann mich meinen Vorrednern/Vorrednerinnen nur anschließen. Egal ob Afrika oder Südamerika, wir nehmen auch immer Kleinigkeiten (wie zB Buntstifte oder Blöcke für Kinder; Taschenmesser; etc.) mit. Besonders aufmerksame/hilfsbereite Angestellte von Unterkünften oder andere Menschen, die uns unterwegs irgendwie behilflich sind bekommen dann eben ein Geschenk (oder deren Kleinkinder), oft wollen ja gerade diejenigen, die einem wirklich helfen kein Geld nehmen.
Selbstverständlich ist für uns, dass wir etwas mitnehmen, wenn wir zu jemandem nachhause eingeladen werden. Oder wenn man in jemandes "Vorgarten" sein Zelt aufschlägt. Da bringen wir allerdings oft im Land gekaufte Dinge mit, die die Gastgeber sich nicht ohne Weiteres leisten können.
Super finde ich auch die Idee von Kiwi Dinge für Hilfsprojekte mitzubringen.
Was ich mir allerdings auch nicht vorstellen mag ist es einfach so durch die Gegend zu gehen und irgendwelchen Menschen, die gerade da sind einfach etwas in die Hand zu drücken. Ich würde mir da auch selbst komisch vorkommen. Und dass die Kinder gar nicht mehr zur Schule wollen, weil sie währenddessen ja ihren "Bettelverdienst" einbüßen hat man mir zB auch in Marokko an vielen Orten bestätigt. Die Eltern haben da dann auch keine Argumente, schließlich können sie ihren Kindern das Geld/die Geschenke nicht selber geben. Ich bitte euch das zu bedenken bevor ihr mit euren Mitbringseln um euch werft!

Liebe Grüße,
Kerstin
709 Beiträge · seit 201114. Nov. 2011 · #19
Hallo,

bettelnden Kindern oder Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter geben wir grundsätzlich nichts. Auch nicht Kindern die Vorgeben eine Leistung zu erbringen, wie z.B. Faust- bis Kindskopf-große Steine vor unserem 4x4 wegzuräumen. Rufe nach Geld, Stylos und Süßigkeiten ignorieren wir und riskieren damit auch gelegendliche Steinwürfe und Treffer am KFZ.

Wie haben einmal im Atlasgebirge einer Frau mit 2 kleinen Kindern, einem Esel und max 10 Ziegen etwas Essen gegeben. Wir waren abseits jeder Ortschaft, hatten eine Pause gemacht und die Frau kam mit Kindern und Tieren vorbei. Die 3 grüßten und zogen ohne anzuhalten weiter. Die beiden Kinder drehten sich immer wieder nach uns um. Sie sahen nach Kleidung und Ausrüstung deutlich ärmer als die Durchschnittsbevölkerung der Gegend aus. Meine Frau hat der Frau einige Äpfel und ein Fladenbrot gegeben. Die 3 haben sich bedankt, die Kinder haben mit glücklichen Augen je einen Apfel gegessen und haben beim Weiterziehen immer wieder gewunken. Ich glaube hier war es gut, etwas zu geben.

Wenn uns unterwegs etwas kaputt geht, nutzen wir immer einheimische Handwerker.
Wir haben in Nordafrika mehrmals in den jeweiligen Medinas Taschen, Rucksäcke, Schuhe reparieren lassen. Ich habe mir in der jeweiligen Handwerkergasse einen Handwerker gesucht, der die -aus meiner Sicht- notwendige Ausrüstungen hatte, zeigte ihm das Problem, ohne das wir einer gemeinsamen Sprache mächtig waren und der Handwerker begann zu arbeiten. Ich hockte mich jedesmal mit daneben, bekam meist einen Tee und gab zum Schluß zu dem geringen Preis ein kleines Trinkgeld (ca.10%), angemessen zum verlangtem Preis. Einmal hat ein Sattler nach seinem Messer länger gesucht, ich half mit meinem Victorinox (Werbegeschenk eines deutschen Schraubenlieferanten) und habe ihm das Messer hinterher da gelassen.
2010 hatte sich der Nachschalldämpfer meines 4x4 auf einer Piste im Dahargebirge selbstständig gemacht. Der einzige Metallbetrieb mit Autogenschweißgerät im nächst größerem Ort hat mir den Schalldämpfer mit Rödeldraht als Schweißzusatz und einer alten emailierten Kühlschranktür wieder zusammengeschweißt (hält seitem). Sein Feuerzeug zum Zünden des Schweißgerätes machte ständig Zicken. Der Preis für die Arbeiten (ca. 12€ für 3h) war für mich sehr sehr gering und wohl fair. Ich habe ihm neben einem ca. 10%igen Trinkgeld dann 2 Werbefeuerzeuge überlassen.
Ähnliches bei dem Wechsel der Bremsklötze an unserem 4x4-Iveco in der UA usw usf.

Gruß

Rocky
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
1'942 Beiträge · seit 201114. Nov. 2011 · #20
Hallo Rocky,
ich stimme Dir zu. Man kann in dieser Sache nicht einfach im Schwarz/Weiß-Mustern denken. Jeder soll verantwortungsvoll und mit Ehrerbietung entscheiden. Und manchmal weiß man einfach nicht, was richtig und was falsch ist.Ich schicke auch Kleider nach Afrika, obwohl ich weiß, dass die eigene Bekleidungsindustrie gestärkt werden soll. Aber wenn ich daran denke, dass - bis es so weit ist - die Menschen frieren, weiß ich nicht, was richtig ist. Ich war auch in einem Dilemma, als mich eine Frau aus Namibia bat, Handy zu spenden. Erst dachte ich, dieses Zeugs, das viele bei uns zum Sklaven macht? Aber dann dachte ich auch, Handys sind - sinnvoll genutzt - Möglichkeiten der Kommunikation. Und Kommunikation zwischen Mensche ist etwas Gutes. Es hilft auch, Informationen und irgendwie auch Bildung weiter zu tragen, wenn man es richtig nutzt.

Also ich tu mir wirklich schwer, pauschal zu urteilen.

Liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari