Botswana April 2010 - Nachlieferung

47 Antworten · 9'334 Aufrufe · gestartet 23. Juni 2011 von Sanne
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Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200624. Juni 2011 · #21
Näher heranbringen wollen uns die beiden aber unbedingt an Löwen. Einer aus einem Männer-Trio versucht wohl seit ein paar Tagen eine Löwin für sich zu begeistern, bislang ziert sich die Gute aber wohl. Hobbs ist sich sicher, dass der arme Kerl mit der Dame auf die Nase fallen wird – er ist überzeugt, sie wird ihn nicht erhören. Na, kennen wir ja alle… man muss viele Frösche küssen,…. 😉
Als wir bei den Löwen ankommen, knuddeln zwei der Löwen gerade miteinander, während unser Romeo verzweifelt versucht, Julia davon abzuhalten, das Weite zu suchen. Immer wenn sie aufstehen will, lässt er sich vor sie fallen oder schneidet ihr den Weg ab. Nicht sehr gentleman-like, aber wie Hobbs erläutert, eine erfolgreiche Strategie im Tierreich. „Halb zog er sie, halb sank sie hin!“ 😗
Keiner von den vieren ließ sich von uns stören und so blieben wir so lange, bis Hobbs meinte, er würde jetzt einen anderen Guide über Funk verständigen, damit dessen Gäste die Löwen auch anschauen können. In der Konzession sind immer nur zwei Fahrzeuge bei einer Sichtung erlaubt, erläutert er. Er fragt, ob wir mit Fotos, Film und angucken zufrieden seien, dann würden wir weiterfahren. Sicher waren wir einverstanden, er rief seinen Kollegen per Funk und wir machen uns auf den Weg, weitere Tiere aufzustöbern.

Viele „Straßen“ waren über weite Strecken überflutet, so dass Hobbs sein „Hold on!“ ver-lauten ließ, um dann zügig durch die riesigen Pfützen zu fahren. Mit einem erfahrenen Fahrer macht das durchaus viel Spaß!

Für die Snackpause umrundet Hobbs später zunächst einen unscheinbaren Busch und lässt und dann aussteigen. Er berichtet, dass letztes hier ein Guide tödlich verunglückt sei, als er zu Fuß die Gegend erkundete, bevor er seine Gäste aus dem Fahrzeug lassen wollte. Als dieser hinter einem Busch nicht mehr hervorkam, brach Angst bei den Gästen aus. Hinter dem Busch lag ein Rudel Löwen und hatten den Mann getötet. 😮 Seit diesem Vorfall fahren die Guides mit dem Fahrzeug um die in Nähe gelegenen Büsche. Ja, beim Anblick dieser wunderschönen Tiere vergisst man vielleicht manchmal, dass es sich nicht um niedliche Hauskatzen handelt.











"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
2'460 Beiträge · seit 200624. Juni 2011 · #22
Hallo Sanne,
wann soll man denn die ganzen vielen Reiseberichte nur Lesen 🤩
Ich komme gar nicht mehr hinterher. Aber deinen Bericht werde ich mir bestimmt bald in Ruhe durchlesen. Wenn ich es doch nicht schaffe, musst du beim Forumstreffen berichten 😛
LG und schönes Wochenende
Gruss Chrissie ___________ Namibia 2012DVD Suedafrika DVD Botswana DVD
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #23
Liebe Chrissie,

ich berichte auch "live" sehr gern 😉 Ich war jetzt eine ganze Weile nicht im Forum aktiv und durfte auch eine ganze Menge Berichte lesen, schön war das. Ein bißchen wie selbst dort sein...

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #24
weiter geht es....

Als wir ins Camp zurückkehren, ist es schon deutlich später geworden, als ursprünglich geplant. Meist sind die Game Drives gegen 10 oder halb elf zu Ende, wir kommen erst deutlich nach elf Uhr an und freuen uns jetzt richtig auf den Brunch. Muss die viele frische Luft sein, denn zuhause frühstücken wir nicht und essen immer spät zu Mittag. Viel Bewegung haben wir eigentlich auch nicht oder zählt das Geschüttele des Fahrzeugs mit? 😗

Gegen Mittag kommen dann doch noch andere Touristen an – eine Familie aus den USA. Da sie Kinder haben, werden sie nicht mit anderen Gästen zusammen auf einen Game Drive geschickt. Die Mutter ist deutscher Abstammung, spricht aber kein Wort Deutsch, dafür aber mit erstaunlich schriller Stimme. Da das Hauptzelt deshalb kein Quell der Stille und des Rückzugs ist, entscheiden wir uns für unsere Terrasse. Bewaffnet mit Getränken lassen wir es uns da gut gehen und überlegen uns die nächste Route für das südliche Afrika.:)

Der nachmittägliche Game Drive hat anfangs vor allem den Vorteil, dass durch den Fahrtwind eine subjektive Abkühlung erfolgt. Die Hitze ist schon enorm und unser Verbrauch an Wasser beachtlich. Das Licht am Nachmittag lässt diesen wunderschönen Ort noch verzauberter erscheinen und die Sichtung unserer Gepardin mit ihren beiden Jungtieren ist ein weiteres Highlight dieses Aufenthaltes. Hobbs hat nicht zu viel versprochen, als er sagte, ich würde „meine“ Geparde schon noch sehen. Die drei halten ein Schläfchen und mustern uns hin und wieder recht interessiert. Irgendwann stehen sie auf und trollen sich. Sie verkrümeln sich hinter einigen Büschen und Hobbs fährt zunächst weiter. Nach einer kurzen Weile hören wir ein Schnauben in nicht allzu weiter Entfernung. Hobbs ist ganz aufgeregt, so haben wir ihn bislang nicht kennen gelernt. Er erklärt, dass dies ein „alarm call“ einer Antilope ist – sind unsere Geparde vielleicht auf der Jagd? Er wendet das Fahrzeug und langsam pirschen wir uns wieder ran. Unser Guide hat uns in größerem Abstand zwischen Antilopen und Geparde manövriert. Die Mutter ist nicht zu sehen, aber die Jungtiere scheinen ihr Glück versuchen zu wollen. Das Impala schnauft lauter, scharrt mit den Vorderhufen und wendet den Blick nicht von den etwa 100 Meter entfernten Geparden. Diese legen sich flach auf den Boden und versuchen, näher heranzukommen. Es wirkt, als würde das Impala nur so weit zurückweichen, bis genau diese Distanz wieder hergestellt ist. Hobbs fürchtet, die Jungtiere sind zu unerfahren, als dass wir eine erfolgreiche Jagd werden sehen können – ich wäre da nicht so böse drum. Ein Jahr später werden wir dabei sein, wenn ein Löwe ein Zebra-Junges reißt, schön war das nicht.
Die Geparde verlieren das Interesse und der Bock schnaubt noch mehrere Male triumphierend, für dieses Mal hat er eindeutig gewonnen: brave boy!









Wir haben in Little Kwara so unglaubliches Glück mit den Tieren gehabt, dass wir eigentlich nicht traurig sein dürften, wenn wir am nächsten Tag werden abreisen müssen. Doch dieser Ort hatte etwas Magisches, da passt alles. Hobbs hat sicher einen enormen Anteil daran, dass es uns so gut gefallen hat. In Bezug auf Guides hat er Maßstäbe gesetzt, nicht nur, weil wir mit ihm viel gesehen haben, sondern weil wir auch von ihm schwer beeindruckt waren. Doch Hobbs wollte den Abend nicht beenden, ohne dass wir noch mal gucken sollten, was unser Romeo machte und ob er inzwischen in der Gunst seiner Lady etwas gestiegen war. Als wir die Truppe dann fanden, hatten zwei Löwen doch mehr von einem Kuscheltier und wirkten so gar nicht gefährlich, wie sie da so am knuddeln waren.
Julia erschien uns ebenfalls deutlich freundlicher gestimmt, der Charme Romeos tat wohl doch seine Wirkung.
Wir blieben bei den Löwen, bis es stockfinster wurde und kehrten erst dann ins Camp zurück. Nach einer schnellen Dusche war es auch schon Zeit fürs Abendessen.











"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
zuletzt bearbeitet 25. Juni 2011
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #25
Beim Dinner stellen wir dann fest, dass die amerikanische Familie zwar nett, aber auch sehr präsent und laut ist. Ich werde später gefragt werden, ob ich Familie XY kenne, da ich doch auch aus Niedersachsen sei. Gut erholt werde ich bedauernd zum Ausdruck bringen, dass ich nun leider gerade DIESE Familie nicht kenne.😗 Nachdem wir aber in Florida mal gefragt wurden, ob wir in Deutschland eigentlich alle in Burgen lebten 🤩 (man selbst kannte jemanden, der Neuschwanstein besichtigt hatte), schockt uns so schnell nichts mehr. Damals hatten wir allerdings angenommen, es handele sich um einen Scherz, den mein Mann mit „ja, so wie Ihr in Planwagen durch die Gegend fahrt“ konterte, was uns fassungslose Blicke einbrachte…😊

Nach dem Dinner überlegten wir lange, wie wir das mit dem Trinkgeld für Guide und Tracker machen wollen. Für uns ist das immer eine delikate Frage, weil wir zum einen uns über die Jahresgehälter im Vergleich zu etwaigen Trinkgeldzahlungen Gedanken machen. Zum anderen widerstrebt es mir, Mitarbeiter für ihre Arbeit extra zu entlohnen. Bei mir drücken mir die Gesellschafter nach einer Sitzung ja auch nicht 10 Euro in die Hand, weil ich diese so gut vorbereitet habe. Andererseits wissen wir natürlich, dass die Tips wichtige Einnahmequelle der Guides und Tracker darstellen. Wir knobeln kurz die Positionen aus: ich verteidige Hobbs, mein Mann die Kriegskasse – der gefundene Kompromiss gefällt uns beiden sehr. Wir denken, Hobbs wird auch zufrieden sein. Erschöpft von dieser Diskussionshöchstleistung fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen heißt es Abschiednehmen von Little Kwara und unserem Guide. Das Camp war sicher das teuerste, das wir je besucht haben und vielleicht auch besuchen werden. Durch den bezahlten Komplettpreis konnte man sich das nur bedingt schönrech-nen, obwohl wir daran durchaus Übung haben (sonst gilt das aber bei uns mehr bei Motorädern – während ich das hier schreibe, träumt Micha von Moto Guzzis!).
Wir fanden, Little Kwara war seinen Preis wert. Es gab nichts, aber auch gar nichts, das uns nicht gefallen hat oder das wir „nur in Ordnung“ gefunden hätten. Es war rundum traumhaft.

Durch unseren Transfer ins nächste und letzte Camp im Central Kalahari Game Reserve mussten wir früh starten und Hobbs schlug vor, die Sachen bereits ins Auto zu verladen, ein paar Sandwiches mitzunehmen und direkt vom morgendlichen Game Drive zum Flugfeld zu fahren. Natürlich stimmten wir zu. Wir fuhren wieder durch die schöne Landschaft, genossen die Sonne und die Tiere um uns herum.

Und weil wir so unglaublich dankbare Touristen sind, wurden wir von diesen Schönheiten noch gebührend verabschiedet! Hobbs fragt mich, ob ich für dieses Mal ausreichend Geparde gesehen hätte und ich nicke dankbar.





"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #26
TAG 11-13: Central Kalahari Game Reserve, Tau Pan Camp
Am Flugfeld warten wir auf den Piloten, der uns nach Maun bringen soll. Er hat etwas Verspätung und wir nutzen die Zeit, Tiere von der Landebahn (Baboons) zu vertreiben. Als das Flugzeug erscheint, verabschieden wir uns von Hobbs und versprechen, wieder zu kommen. Mit Wehmut steigen wir in den Flieger.
In Maun landen wir, da wir dort in eine andere Cessna umsteigen müssen, die uns nach Tau Pan bringen soll. Ein junger, sehr blonder Surfertyp kommt auf uns zu und wir denken beide, wo ist sein Surfbrett und wo will er es nutzen? Der junge Mann wirkt nicht älter als 20, kurze Hose, langes Hemd – später erfahren wir, er sei der erfahrenster Flieger in der gesamten Flotte und war vorher jahrelang bei den Flying Doctors in Zentralafrika. Entweder ist der Typ doch älter als er aussieht oder die Flying Doctors unterstützen Kinderarbeit…. 😉

Der Flug ist unruhig, auf der Strecke gibt es viele Turbulenzen, aber wenigstens löst unser Held keine Sudokos. Nett ist er obendrein, wir unterhalten uns während des gesamten Flugs. Aufgrund der Lautstärke der Motoren (und ich sitze noch schräg hinter ihm) brüllen wir uns mehr an als dass wir reden.😗 Bei der Landung spüre ich ein Kratzen im Hals – später werde ich entdecken, dass ich ziemlich heiser bin. Mein Mann kann sich auf eine kurze Episode der Schweigsamkeit seiner Gattin freuen. 😛

Unser Guide für die nächsten Tage holt uns am Flugfeld ab und fährt gemächlich mit uns zur Unterkunft. Das erste Raubtier sichten wir ebenfalls.



Das Camp liegt wunderbar einsam, hat zauberhafte, enorm große Chalets und beherbergt nie mehr als 16 Gäste gleichzeitig. Für die erste Nacht, so erfahren wir, sind wir mit einem allein reisenden Amerikaner gänzlich allein. Hier hatten wir drei Nächte gebucht und haben das nicht bereut. Die große eigene Terrasse hatte eine wunderschöne Aussicht ins „Nichts“ und war geeignet, dort einige Stunden verbringen zu können. Am Hauptgebäude wurden während unseres Aufenthalts Teile der Holzterrasse neu gestrichen, so dass der Zugang erschwert war. Uns hat das nicht beeinträchtigt, auch wenn später andere Gäste daran Anstoß nahmen. Hier ein paar Eindrücke:







Bei unserer Ankunft gab es natürlich den obligatorischen Willkommens-Drink, mit dem Lunch hatte man auf uns gewartet, was wir rührend fanden. Immerhin „durften“ damit Management und Guides nicht zur gewohnten Zeit essen, sondern mussten warten, bis wir gegen halb drei angekommen waren. Wir machten uns danach kurz frisch, der Game Drive sollte bald beginnen und es mussten ja noch die Sundowner-Drinks bestellt werden. Micha ist da so einfallslos wie ich: Captain Morgan auf Eis für ihn, trockener Weißwein für mich. Hat sich in all den Jahren sehr bewährt – never change a winning team!
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461 Beiträge · seit 200825. Juni 2011 · #27
Danke Sanne

Genau die richtige Mischung mit vielen Bildernm, informativem Text und eingestreuten Schmunzelgeschichten. Danke für den Aufwand - das ganze laden etc - den du für uns treibst.

Guss
Tom
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #28
Bei unserem Game Drive am Nachmittag begeistern wir uns zunächst nur für die Umgebung. Die Pfannen und „Einöde“ üben auf uns einen enormen Reiz aus. Das sind so Orte, an denen man vollständig zur Ruhe kommen kann. Weit und breit scheinbar nichts. Die Weite, die Stille und unendliche Sicht sind die Gründe, wieso wir immer wieder kommen. Die von uns bislang immer nach Größe und Lage ausgesuchten Camps und Lodges runden das Bild perfekt ab. Das Tau Pan Camp von Kwando Safaris ist da in keiner Weise eine Ausnahme – auch dieses gefällt uns ausgesprochen gut. http://www.kwando.co.za/tau.html








Unser Tracker entdeckt ein Rudel Löwen und dann beginnt eine Erfahrung, die wir so noch nie hatten – Löwen, die ein Fahrzeug jagen! Anfangs bestaunten wir nur die schönen Tiere, dann machte unser Guide uns darauf aufmerksam, dass nach und nach die Tiere einen Halbkreis um uns bildeten. Sie flankierten schließlich unseren Landrover, der männliche Löwe und zwei Weibchen legten sich hinter unser Auto. Dieser Vorgang war von einer solchen Ruhe und Präzision geprägt, dass wir völlig erstaunt auf das Ergebnis starrten. Der Guide startete den Motor und fuhr langsam los, die Katzen erhoben sich und folgten gemächlichen Schrittes. Wir fuhren schneller, die Katzen verfielen in einen Trab. Ich versuchte zu filmen, aber irgendwann war die Aufregung zu groß. Die Löwen verfolgten uns tatsächlich, je schneller wir wurden, desto mehr Gas gaben sie. Der Guide meinte, dass dieses Rudel an Fahrzeuge nicht gewöhnt sei und ihr Verhalten nicht sehr typisch wäre. Auch mit unserer eingeschränkten Erfahrung konnten wir das bejahen. Irgendwann fuhren wir absichtlich richtig schnell und die Löwen verloren das Interesse. Für ausreichend Herzrasen hatten sie dennoch gesorgt. So furchtbar nah an diesem Ort woll-ten wir unseren Sundowner dann auch nicht nehmen. Dafür hatten wir beim Dinner eine tolle Geschichte zu erzählen.
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Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #29
















Beim Dinner lernten wir dann auch den Amerikaner kennen, der aus der Nähe von San Diego, Kalifornien, war. Da Micha dort beruflich häufiger ist, hatten die zwei sich viel zu erzählen. Beim morgendlichen Game Drive würde uns der Amerikaner auch begleiten, ein enthusiastischer Bird Watcher, der bei uns den Grundstein legte, uns endlich auch einmal ein Bestimmungsbuch für Vögel im südlichen Afrika zuzulegen. Bislang sind wir diesbezüglich wirklich völlig unerfahren und die meisten Bestimmungsbücher erscheinen uns mehr für die Profis gemacht zu sein. Er empfahl uns als Einsteigerlektüre „What’s that Bird?“ von Kenneth Newman, der zu großem Ruhm durch sein Buch „Birds of Southern Africa“ gelangte. Wir haben unsere Einsteigerliteratur inzwischen so zu schätzen gelernt, dass wir uns auch an dem Profibuch versuchen. Allerdings gestehe ich gern, dass wir schon sehr geduldige Vögel benötigen, da es uns irre viel Zeit kostet, diese in dem Hauptwerk wiederzufinden. Aber eine Freundin von uns sagt immer: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!“. Da wir vorhaben, noch sehr oft ins südliche Afrika zu reisen, haben wir ja Zeit zu lernen!! 😊

Ein wunderschöner Abend an einem wunderschönen Ort geht langsam zu Ende. Am La-gerfeuer bewundern wir die Sterne und die Milchstraße. Ach, was geht es uns gut.

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Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #30
Am nächsten Tag ist es erstaunlich kalt, saukalt um ehrlich zu sein. Sollte man bei Besteigen des offenen Fahrzeugs noch meinen, es sei zwar frisch, es ginge aber noch, lohnt sich ein Blick auf Guide und Tracker. Sitzen die mit Fleece-Jacke, Parka, Mütze, Schal und Handschuhen bewaffnet vor einem, sollte man das freundliche Angebot, eine Decke zu bekommen, NIE ablehnen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich bei unserem ersten Südafrika-Urlaub im Juli 2003 nachts nicht aus meiner einzigen mitgebrachten dünnen Strickjacke herauskam, so sehr habe ich in den unbeheizten Unterkünften gefroren. Die Jacke konnte ich nach 14 Tagen in die Ecke stellen, die stand allein vor Dreck! 🤩

An diesem Morgen haben wir zwar dicke Fleece-Jacken an, die Decken nehmen wir trotzdem. Kältenebelschwaden hängen über uns, die Luft ist lausig kalt und trotz gemächlicher Fahrt dringt uns die Kälte in die Knochen. Je stärker die Sonne hervorkommt, desto wärmer wird es. Richtig angenehm ist es aber die nächsten Stunden nicht. Für unseren Durchhaltewillen werden wir mit den ersten Löffelhunden belohnt, die wir je gesehen haben. Wunderschöne Tiere, wenngleich auch relativ scheu. Ich finde sie unglaublich putzig und dränge meinen Mann zu unsäglich vielen Fotos.
An dieser Stelle aber nur ein paar davon:













"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #31
Unser Guide, dessen Namen ich leider vergessen habe (sorry!!!, passiert mir sonst eigentlich nicht) entscheidet, dass es nun Zeit für einen heißen Kaffee oder Tee sei. Er amüsiert sich sehr darüber, dass wir in Afrika nur Tee trinken, obwohl wir in Deutschland wohl eher Kaffee-Junkies sind. Ich mag aber den Instant-Kaffee, den es meist gibt, so gar nicht und den „Five-Roses-Tea“ dagegen finde ich herrlich. Wie auch immer die das im südlichen Afrika hinbekommen, etwas anderes als brühendheißen Tee haben wir nie bekommen. Den nächsten Lacher haben wir immer auf unserer Seite, wenn wir aus der stillen Wasser Flasche etwas in den heißen Tee geben, damit wir es überhaupt trinken können.

Der von dem Guide ausgesuchte Platz für unseren Snack und Tee ist ein Wasserloch und offensichtlich bereits von anderen okkupiert. Das Löwenrudel mit einem relativ jungen Führer lässt sich durch unser Ankommen überhaupt nicht stören. Das Rudel hat noch einige Halbstarke aufzuweisen, die sich drolligerweise „uns zu Ehren“ auch gern etwas beharken. Gemeinsam entscheiden wir, den Tee an einer anderen Stelle einzunehmen. Da mir die Szenerie so gut gefällt, müsst Ihr Euch wieder ein paar mehr Bilder ansehen!



















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zuletzt bearbeitet 25. Juni 2011
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #32
Zurück im Camp genießen wir den sehr leckeren Brunch und quatschen mit dem Management. Inzwischen sind zwei Paare aus Österreich (Eltern, Tochter und Schwiegersohn) angekommen. Da die Österreicher Fußball technisch ja nicht wirklich einen Angstgegner darstellen, gibt es für uns überhaupt keinen Grund, sie nicht wahnsinnig gern zu mögen.;) Außerdem verfügen sie über eine ausgezeichnete Küche und diese überaus leckeren Mozartkugeln. Leider haben uns die Ösis die vier unsympathischsten aus ihrem Land ins Tau Pan geschickt. Während Mutti sich echauffiert, dass es erst um halb acht Dinner geben soll, kann der Gatte nicht fassen, dass es in dieser hochpreisigen Lodge keine deutschsprachigen Guides gibt. Wir schämen uns etwas fremd und entscheiden, keine deutsche Konversation treiben zu wollen. Offensichtlich ist man über Johannesburg geflogen und hatte einen langen Tag. Die Tochter ist Vegetarierin und keine von der toleranten Sorte. Als sie hört, dass es kein Tofu gäbe, steht sie scheinbar kurz vor dem Kollaps. Die bislang so souveränen Mitarbeiter wirken hilflos. Wir beschließen, dass jetzt genau der richtige Moment für einen Aufenthalt am Pool sei. Als Schwiegersohn nur mit Badehose und seine Frau ohne Oberteil durch das Haupthaus auf den Pool zusteuern,😮 greifen wir uns eine Flasche Wein und machen es uns auf unserer Terrasse gemütlich.

Den Game Drive am Nachmittag verkürzen wir in Absprache mit dem Guide, nach all den Tagen Rundum-Versorgung und Tiere gucken ist mir nach „in die Wildnis starren“ und mit niemandem reden müssen. Unser Guide zeigt vollstes Verständnis, ein paar Tiere gibt es dennoch zu bestaunen.











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Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200625. Juni 2011 · #33
Vor dem Dinner gibt es noch einen Aperitif am Lagerfeuer. Wir mögen das besonders gern. Das hat etwas so Entspanntes, vor dem Essen noch ins Feuer zu blicken und den Tag Revue passieren zu lassen. Unsere österreichische Mutti bittet darum, dass wir uns ihrer Forderung anschließen, bereits um 19 Uhr zu essen. Alles Spätere sei gesundheitlich betrachtet ein Risiko. Ich greife nach meinem Wein und lasse durchblicken, dass mir das im Urlaub immer egal sei. Unser Guide kommt dazu und hofft, dass wir vermitteln, die Küche ist nicht von jetzt auf gleich auf einen anderen Essenstermin eingerichtet. Während ich noch überlege, wie wir die Sache diplomatisch angehen können, reißt meinem Mann der Geduldsfaden. Recht harscht weist er die Österreicher darauf hin, dass im südlichen Afrika so frühes Essen nicht üblich sei, da müsse man sich auch mal anpassen. Die Frau keift uns an, dass wir ja schon viel früher hätten sagen können, dass wir auch deutsch sprechen. Micha und ich bekommen einen Lachkrampf und unser Guide lacht mit. Manchmal können einem die Leute vor Ort leidtun, mit was für Touristen die sich rumschlagen müssen.

Wir gehen spät zu Bett, da wir lange mit Guide und Management über das südliche Afrika, Infrastruktur und soziales System in Botswana und Deutschland diskutiert haben. Wir sind immer wieder überrascht, wie interessiert man hier an Europa ist. Wäre es doch umkehrt genauso! Wir fallen todmüde ins Bett, hatten unserem Guide aber mitgeteilt, dass wir morgen ausschlafen wollten – mir war einfach zu kalt!!

Wir schliefen wahrlich wie die Toten und verbrachten den Tag abwechselnd am Pool, unter der Dusche oder auf der Terrasse. Sobald die Sonne herauskam, war es unglaublich heiß. Da wir am nächsten Tag keine Zeit mehr für den Morning Drive würden haben können, stand uns also am Nachmittag die letzte Fahrt im offenen Fahrzeug bevor. Wir freuten uns sehr darauf und wurden auch nicht enttäuscht. Auch im CKGR gibt es Geparden!











Wir genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang und mir viel Wehmut bereiten wir uns darauf vor, morgen nach Deutschland zurückzufliegen! Dass wir eine Woche länger im südlichen Afrika bleiben würden, wussten wir da noch nicht! Aber davon berichten wir auch noch unter dem Motto: Vulkanausbruch und Flugverbot in Europa – Fluch oder Segen??
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4'129 Beiträge · seit 200826. Juni 2011 · #34
Holla, Sanne, das geht ja „Schlag auf Schlag“. Grad hab ich heute Mittag gedacht ich bin mit dem Lesen auf dem Laufenden, da legst du schon wieder nach...
soviel zu lesen und zu gucken in soo kurzer Zeit, ich ernte schon kritische Blicke von der Familie...
Es bringt wirklich Spaß eurer schönen Reise zu folgen, soo interessant und soo nett geschrieben!
Und ihr reist soo anders als wir, hochinteressant für uns. Wir sind ja immer als reine Selbstversorger unterwegs.
Doch langsam rumort es, doch mal etwas mehr zu investieren und an wirklich besonderen Plätzen in einer guten Lodge zu nächtigen. Hat ja was.

Vielen Dank noch mal.
Grüße lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
1'312 Beiträge · seit 200626. Juni 2011 · #35
Hallo Sanne,

deinen Bericht habe ich mit großem Genuß gelesen! Sehr schön geschrieben und wirklich klasse Bilder!
Eure Art zu reisen ist so komplett gegensätzlich zu unserer. Wir waren bisher immer nur mit 4x4 und Dachzelt unterwegs. Was ihr in Little Kwara erlebt habt, das würde mich für eine besondere Gelegenheit durchaus auch mal reizen.
Danke für deinen Bericht!

LG Claudia
http://meine.flugstatistik.de/tk240 Meine Bilder auf flickr
754 Beiträge · seit 201026. Juni 2011 · #36
Hi Sanne,

wir kennen die Tau Pan Lodge, das Kwara Camp (also den "großen" Bruder von Little Kwara) und die Savute Safari Lodge. Viele Deiner Bilder und Eindrücke kommen mir deshalb so seltsam vertraut vor, besonders die Geschichten mit den Löwen in der Kalahari 🙂
Euer Guide / Tracker in Tau Pan hieß nicht zufällig Balepi bzw Scooper ?
Die Kwara Konzession steht auf meiner "da muss ich noch mal hin"-Liste übrigens gaaaaanz oben !!!
mit einem Seufzer grüßt Walter
Zambia Juni 2018 Botswana April 2017 Mixed Emotions Botswana im Frühjahr 2016 Maun - Kasane als Lodgehopper Unterwegs in Südafrikas Norden - April 2015 Botswana im Frühjahr 2014 Botswana im Frühjahr 2013 Die Katzensafari Zimbabwe im Frühjahr 2012 Botswana im Frühjahr 2011
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200626. Juni 2011 · #37
Ganz lieben Dank für Eure netten Kommentare. Da macht das Schreiben gleich viel mehr Spaß.

@Walter: Balepi könnte sein, ich bin aber nicht wirklich sicher. Kwara können wir SEHR empfehlen, wie man meinem Bericht hoffentlich entnehmen kann.

@lilytrotter: Für einen ganz besonderen Aufenthalt ist Little Kwara genau das richtige. Allerdings waren wir dies ja vom Nxai Pan Camp (auch Kwando) ebenso begeistert. Und einen Spitzen-Guide hat wir dort in Donald auch, der sich dann als Hobbs Bruder entpuppte 🙂

So, jetzt arbeite ich an dem "Gestrandeten-Teil" weiter!

Liebe Grüße
Sanne
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Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200626. Juni 2011 · #38
Unser Fazit unserer Reise in Botswana:
Am nächsten Tag machen wir uns mit einem anderen Piloten und seiner Cessna auf nach Maun, von dort soll es am Nachmittag nach Windhoek weitergehen, abends soll der Flieger in Richtung Frankfurt abheben.

Es ist affig warm in dem Flugzeug und wir sind froh, als wir in Maun ankommen. Auf dem Flug ziehen wir unser persönliches Resümee aus gut 14 Tagen Botswana.

Vieles hat uns ausnehmend gut gefallen. Die Tiersichtungen waren spektakulär und zahl-reich, die zwei Tage am Anfang an den Victoria Falls waren wunderschön. Alle Unterkünfte hatten etwas Besonderes, in Sambia und am Chobe waren es vor allem die Lage, die uns bezauberte. Little Kwara war sicher DAS Highlight der Reise und auch Tau Pan ist es wert, wieder zu kommen. Landschaftlich war es überall sehr schön, die Kalahari hat uns letztlich aber am allerbesten gefallen. Eine grobe Idee für die Route drängt sich uns auch schon auf…

In unserem Urlaub war es durchgehend sehr warm mit wenigen Schauern in der Nacht. Abends konnte man lange draußen sitzen, was wir beide sehr zu schätzen gewusst haben, da wir so gern die Sterne angucken.

Alle Einheimischen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, waren ausnahmslos sehr freundlich, sehr interessiert und unglaublich herzlich. Vorherrschendes Gesprächsthema war aufgrund der zeitlichen Nähe ganz ohne Zweifel die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Auch die Menschen in Botswana waren sehr stolz, dass ihr Nachbar das Turnier ausrichten würde.

Die Reiseart „Fly-In“ hinterließ bei uns gemischte Gefühle. Natürlich war es praktisch und zeitsparend, von einem Ort zum anderen zu fliegen. Wir haben aber vermisst, das „wirkliche“ Leben in diesem Land auf den Straßen zu sehen – wie sehen die Dörfer aus, wie leben die Menschen hier, was bauen sie an, bauen sie überhaupt etwas an, von was leben die Einheimischen? Diese Fragen konnte uns nach 14 Tagen Urlaub in Botswana immer noch nur der Reiseführer oder Gesprächspartner am abendlichen Feuer beantworten. Im Rückblick war uns das zu wenig.

Abgesehen davon, fehlte es uns, selbst zu fahren und eine gewisse Selbstbestimmtheit zu wahren. Durch die „Fly-In“ waren wir doch relativ durchorganisiert. Von unseren aus-schließlichen Lodgereisen kennen wir das Programm auf den Lodges recht gut und der Ablauf stört uns da auch gar nicht. Dieses Mal kam aber dazu, dass man immer irgendwo hingefahren oder abgeholt wurde.

Wir haben gelernt, dass mein Mann in Afrika das Abenteuer braucht, mit einem 4x4 durch unwegsames Gelände zu gurken und wenn es auch nur wenige Stunden am Tag sind oder im ganzen Urlaub nur zwei, drei brenzlige Situationen entstehen. Er kam sich gelegentlich wie ein Gast auf einer Kaffeefahrt vor. Damit übertreibt er natürlich maßlos, aber wir haben die Gespräche mit Guides, Managern und südafrikanischen, namibischen Touristen genutzt, sie nach ihren Fahrerlebnissen zu fragen. Unisono erhielten wir eigentlich die Antwort, dass nur Selbstfahren in Botswana richtig Spaß bringen würde.

Ja, wir kommen wieder, aber nur wenn wir selbst fahren. Für meinen Kontrollzwang muss ich mich bis dahin einlesen in Themen wie: „wie buddel ich ein Auto aus?“ und „wie erkenne ich VOR Durchwaten einer Riesenpfütze, ob dort Krokodile ansässig sind?“. 😗 Das sind Aufgaben, denen ich mich jetzt nach unserer Reise durchaus gewachsen sehe. Aber jetzt geht es erst mal nach Hause!! Oder doch nicht??
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zuletzt bearbeitet 26. Juni 2011
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200626. Juni 2011 · #39
Wir stranden in Namibia: TAG 14 – 21
Am Flughafen in Maun erwartet uns eine Mitarbeiterin des Veranstalters vor Ort. Wir sind überrascht, denn eigentlich sehen wir uns doch in der Lage, auf einem Flughafen dieser Größenordnung das richtige Flugzeug nach Windhoek zu erklimmen. Die nette Andrea fragt, wie unser Urlaub gewesen sei und ob wir uns gut erholt haben. Beides bejahen wir arglos. Sie erkundigt sich, ob wir von dem Vulkan Eyjafjallajökull in Island schon einmal etwas gehört hätten? Nö, hatten wir nicht, aber wir waren jetzt ja auch 14 Tage fern jeder medialen Beeinflussung – kein Internet, kein Handyempfang, keine Zeitung. Unsere einzige Lektüre der letzten Zeit bestand aus dem Africa Geographic und da gab es zum isländischen Vulkan naturgemäß nichts.

Andrea lässt uns wissen, dass es im Moment nicht so einfach sei, nach Europa zurückzukommen, manche Flughäfen in Großbritannien seien gesperrt. Bislang sähe es aber so aus, als könnten wir abends von Windhoek planmäßig fliegen. Sie wollte uns nur kurz informieren, unser Flieger ginge jetzt ja bald. Nicht wirklich beunruhigt stiegen wir ein.

In Windhoek holte uns eine nette Mitarbeiterin aus dem Transferbereich und bat uns, nach Namibia einzureisen, der Flug am Abend sei verspätet und würde an diesem Tag nicht mehr gehen. Unser Flug für den Freitagabend war dann auch noch 5 Tage später „delayed“!

Um uns über das Internet mal grob zu informieren, während wir an der Immigration warteten, schalteten wir unsere Handys ein. Ich hatte fünf Nachrichten von Herrn Gündisch und kam gar nicht dazu, meine Mailbox vollständig abzuhören, denn er rief schon an.
Wir wüssten ja, der Flug würde abends nicht gehen, er hätte uns aber in Windhoek schon im Olive Grove für eine Nacht einquartiert, morgen kämen wir sicher weg. Ob wir uns ein Taxi mit einem anderen Paar teilen könnten, die wären auch Kunden von ihm. Das Ausmaß, das auf uns zuzukommen schien, war uns zu dieser Zeit gar nicht bewusst.😕

Am Meeting Point trafen wir dann Heiko und Uta, die ich in norddeutscher Manier natürlich erst mal nicht duzte, schließlich teilten wir uns nur ein Taxi. 😘 Die beiden waren schon etwas länger am Flughafen, dank 14 Tage Namibia Rundfahrt aber sehr erholt und gut entspannt. Na, dann bleibt man halt eine Nacht länger. Dank der unkomplizierten Behandlung der namibischen Behörden hatten wir für drei Tage ein Sondervisum erhalten, dass unserer Mitgestrandeten war eh noch nicht abgelaufen.
Der Taxifahrer war schnell da und ruckzuck waren wir in Windhoek im Olive Grove http://www.olivegrove-namibia.com/ . Micha und ich kannten diese Unterkunft nicht, dafür aber den Manager. Dieser hatte früher die Erongo Wilderness Lodge geführt und konnte sich sogar an uns erinnern. Wir checkten ein. Unser Zimmer war relativ groß, aber sehr hellhörig, da es am Gang lag und quasi jeder dran vorbei musste. Für eine Nacht aber sicher ausreichend. Was nun mit dem Abend anfangen? Zunächst riefen wir in Berlin an und berichteten, dass wir wohl einen Tag später kommen würden. Das war für Freunde und Familie keine Überraschung, die waren besser informiert als wir.

Herr Gündisch hatte zu seinen Kunden offenbar weitestgehend eine Standleitung. Er rief oft an, fragte, wie es uns ginge, ob die Unterkunft okay sei. Abwechselnd konnten unsere Mitgestrandeten und wir neue Informationen an die anderen weitergeben. An diesem Abend gab es nichts mehr zu erledigen, wir entschieden uns, im Olive Grove zu Abend zu essen. Zur Feier des Tages waren wir uns einig, dass mit dem gemeinsamen Wein auch das Duzen okay sei. Der Abend war entspannt und lustig.

Am nächsten Tag ließ der Spaß deutlich nach. Laut Medienberichten war es unwahrscheinlich, dass wir am Samstag würden fliegen können. Herr Gündisch verlängerte unsere Unterkunft um eine weitere Nacht. Wir mussten in ein Studio umziehen, das uns deutlich weniger gut gefiel. Allerdings mag das auch daran liegen, dass so langsam die Frage aufkam, wann können wir denn wohl nach Hause fliegen?

Um uns abzulenken, beschließen wir vier nach Windhoek rein zu laufen. Wir streifen durch die Geschäfte und essen mittags bei Gathemans. Danach ist uns zunehmend langweilig, wir kehren an den Pool zurück, im Olive Grove gibt es Wireless Lan, eventuell bekommen wir Neuigkeiten zur Flugsituation in Europa im Internet. In Europa werden weitere Flughäfen gesperrt – Madrid ist noch frei. Herr Gündisch ruft an und prüft zurzeit, ob er uns nach Spanien kriegt, danach müssten wir mit einem Mietwagen hochfahren, allerdings wären da keine mehr vorhanden. Der Nachmittag geht rum und wir stellen uns darauf ein, erst Montag wieder in Deutschland zu sein. Ist halt nicht zu ändern. Für den Abend ist uns nach etwas Rustikalem, da bietet sich Joes Bierhouse ja quasi an. Die Portionen sind riesig, ansonsten sagt uns das Ambiente nicht so zu, aber vielleicht sind wir auch nur schon etwas genervt. Micha „heitert“ uns auf, in dem er von einem Vulkan in USA berichtet, nach dessen Ausbruch war der Flugverkehr sechs Monaten nicht regulär. Wir lachen noch, wenn auch zunehmend mit gemischten Gefühlen.😗

Am Sonntag entscheiden wir, dass wir Windhoek verlassen wollen, das Olive Grove erwartet eh Gäste, so dass unsere Studios nicht frei wären. Wer Windhoek auf einen Sonntag erlebt hat, weiß, dass man da nicht tot über dem Gartenzaun hängen möchte. Einöde pur. Herr Gündisch kümmert sich um ein Fahrzeug, inzwischen mögen wir vier uns so gern, dass wir meinen, die ein oder zwei Tage schaffen wir auch zusammen.

Von Caprivi Car Hire kommt eine Stunde später das Fahrzeug. Blöd nur, dass wir wegen unserer Fly-In beide keinen Führerschein mithaben. Bislang schleppen wir die in jeden Urlaub mit, egal ob wir sie brauchen würden. Dieses Mal waren wir sicher, das sei unnötig, so liegen beide in Berlin. Heiko mietet daher das Auto an und wir verlassen Windhoek. Anfangs ist es mit den Unterkünften etwas schwierig. Neue Gäste werden erwartet, da alle davon ausgehen, jeden Moment würden die Flugzeuge wieder starten können. Das legt sich im Laufe der Tage und es wird einfacher, eine freie Unterkunft zu bekommen. Herr Gündisch hat uns in der Immanuel Wilderness Lodge http://www.immanuel-lodge.de/ zwei Zimmer gebucht. Wir waren dort vor ein paar Jahren schon einmal, aber inzwischen hatte das Management gewechselt. In weiser Voraussicht ging die Buchung über zwei Nächte. Unser armer Herr Gündisch berichtet von anderen völlig verärgerten Kunden, die ihn immer durchs Telefon anbrüllen. Der kann doch aber auch nichts dafür. Wir gehen bei ihm als mustergültig und humorvoll durch. Wie sang Grönemeyer so schön: Lache, wenns nicht zum Weinen reicht!

In der Immanuel Wilderness Lodge empfängt man uns sehr herzlich und voller Mitgefühl. Die Zimmer sehen kaum anders aus als damals, gefallen uns insgesamt aber ganz gut. Am Pool lässt es sich gut aushalten. Nachmittags machen wir einen Ausflug nach Okapuka, aber so richtig genießen können wir unseren Aufenthalt dort nicht. Wir fahren zurück. Uta und ich beginnen unsere Weinprobe in der Immanuel Wilderness Lodge am sehr frühen Abend. Die Männer durchforsten das Internet nach neuen Informationen. Stephan und Sabine von der Lodge sind rührend um uns besorgt. Ich bin wahnsinnig deprimiert, als ich abends unsere Freundin anrufen muss, um sie zu bitten, sich um Haus und Katzen weiterhin zu kümmern und wieder bei uns einzuziehen – keine Ahnung, für wie lange.

Leider können wir das Ehepaar nicht dazu bewegen, uns bei ihnen die Tagesschau sehen zu lassen. Das Abendessen ist ausgezeichnet und sehr reichhaltig. Herr Gündisch erzählt, dass ein anderer Kunde gegen seinen Rat unbedingt nach Libyen ausgeflogen wurde, da hing er allerdings noch fünf weitere Tage fest, denn inzwischen geht in Europa gar nichts mehr.

Am nächsten Tag, Montag, hat Uta ihren Durchhänger. Beim Frühstück hadern wir alle mit unserem Schicksal. Dank Fax und Internet beschließen wir alle, von hier aus zu arbeiten, das ist bei unseren Jobs kein Problem. Wir halten uns zwar alle nicht für unabkömmlich, aber irgendwie muss man sich ja beschäftigen. Stephan und Sabine haben uns für den Nachmittag vorgeschlagen, zur Amani Lodge http://www.amani-lodge-namibia.com/amani_ger.html hochzufahren, Tiere gucken und Sundowner genießen. Wir freuen uns auf die Abwechslung, auch wenn wir die Tierfütterung und den Game Drive ganz schön kommerziell finden. Aber ein paar Fotos machen wir natürlich trotzdem.





"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter2'462 Beiträge · seit 200626. Juni 2011 · #40
Zurück in der Lodge halten wir Kriegsrat. Was machen wir jetzt und wie? Gerade haben wir im Internet gesehen, dass in Jo’burg oder Frankfurt (eigentlich fast überall) die Menschen im Transitbereich auf Feldbetten campen müssen. Im Vergleich dazu geht es uns wunderbar. Uns ist halt nur langweilig. Die Männer diskutieren die Option mit einem Auto nach Cape Town zu fahren, beide könnten von dort arbeiten, da es dort Büros ihrer Firmen gibt. Uta und ich können überall arbeiten und Cape Town ist ja schon schön. Was aber, wenn ein Tag später die Flüge wieder gehen? Herr Gündisch hat uns auf den ersten verfügbaren Flug gebucht, in Cape Town sind ja auch zig Menschen gestrandet. Sollen wir uns wirklich aus Namibia wegbewegen? Micha plädiert für eine Afrika-Querung bis Tunesien. Wir überlegen gemeinsam, ob wir dauerhaft in Namibia bleiben wollen. Der Tourismus ist so professionell, da brauchen die uns vier sicher nicht. Im Managementbereich werden sie wohl auch nicht auf uns gewartet haben. Wir müssen feststellen, dass etwas Handwerkliches wohl bessere Aussichten hätte. Aber auch in Berlin merken wir immer wieder, wie unnütz doch Juristen, BWLer usw. im täglichen Leben sind. Das erinnert mich daran, dass wir für den nächsten Tag in Berlin einen Termin mit unserem Fliesenleger gemacht hatten. Da der so viel zu tun hatte, musste ich 8 Wochen auf einen Termin warten – mir ist zum Heulen!

Das Gute an unserer Vierer-Gruppe ist, dass immer drei gleichzeitig recht guter Laune sind. Der Vierte darf jammern, muss aber den sofortigen Spott und Sarkasmus der anderen ertragen. Dieses Konzept geht auf. Wir sind uns aber an diesem Abend bei dem wieder sehr leckeren Dinner einig, wir brauchen jetzt was für die Seele. Ich rufe Herrn Gündisch an und sage ihm, wir Damen bräuchten jetzt Luxus. In Deutschland würden wir uns ein paar teure Schuhe kaufen, nun muss er zusehen, dass wir im Okonjima Busch Camp unterkommen. Micha wendet ein, dafür würde ich aber sehr viele teure Schuhe bekommen, wir anderen lassen das nicht gelten.

Abends fallen wir ins Bett und freuen uns auf Okonjima. http://www.okonjima.com/content/Okonjima_German Wir hätten es viel schlechter treffen können, bislang war die Verlängerung von 4 Nächten doch eigentlich ganz schön! Und neue Freunde haben wir auch gefunden.

In Okonjima war noch etwas frei und Herr Gündisch hatte uns für zwei Nächte in den Bush Chalets einquartiert. Als wir vor ein paar Jahren dort waren, gefiel es uns ausgesprochen gut. Unsere Mitgestrandeten lobten uns bei der Ankunft für diesen schönen Vorschlag. Inzwischen ist Dienstag und im Internet keimt leise Hoffnung auf, dass zum Wochenende wieder geflogen werden konnte. Inzwischen war uns das egal, wir bleiben auch gern Wochen an diesem schönen Ort. Zur Not arbeiten wir unsere Schulden ab. In der Küche wird man mich wohl nicht haben wollen, aber ich könnte ja abends beim Service helfen.

Im nachmittäglichen Game Drive erfreuen wir uns an einem Leoparden, der eine Beute den Baum hochzerrt, hatten wir vorher auch noch nicht gesehen.
Nach dem ausgezeichneten Dinner fahren wir noch Stachelschweine angucken (auch sehr schön) und sitzen noch lange am Feuer Sterne gucken.





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zuletzt bearbeitet 26. Juni 2011