Wir stranden in Namibia: TAG 14 – 21Am Flughafen in Maun erwartet uns eine Mitarbeiterin des Veranstalters vor Ort. Wir sind überrascht, denn eigentlich sehen wir uns doch in der Lage, auf einem Flughafen dieser Größenordnung das richtige Flugzeug nach Windhoek zu erklimmen. Die nette Andrea fragt, wie unser Urlaub gewesen sei und ob wir uns gut erholt haben. Beides bejahen wir arglos. Sie erkundigt sich, ob wir von dem Vulkan Eyjafjallajökull in Island schon einmal etwas gehört hätten? Nö, hatten wir nicht, aber wir waren jetzt ja auch 14 Tage fern jeder medialen Beeinflussung – kein Internet, kein Handyempfang, keine Zeitung. Unsere einzige Lektüre der letzten Zeit bestand aus dem Africa Geographic und da gab es zum isländischen Vulkan naturgemäß nichts.
Andrea lässt uns wissen, dass es im Moment nicht so einfach sei, nach Europa zurückzukommen, manche Flughäfen in Großbritannien seien gesperrt. Bislang sähe es aber so aus, als könnten wir abends von Windhoek planmäßig fliegen. Sie wollte uns nur kurz informieren, unser Flieger ginge jetzt ja bald. Nicht wirklich beunruhigt stiegen wir ein.
In Windhoek holte uns eine nette Mitarbeiterin aus dem Transferbereich und bat uns, nach Namibia einzureisen, der Flug am Abend sei verspätet und würde an diesem Tag nicht mehr gehen. Unser Flug für den Freitagabend war dann auch noch 5 Tage später „delayed“!
Um uns über das Internet mal grob zu informieren, während wir an der Immigration warteten, schalteten wir unsere Handys ein. Ich hatte fünf Nachrichten von Herrn Gündisch und kam gar nicht dazu, meine Mailbox vollständig abzuhören, denn er rief schon an.
Wir wüssten ja, der Flug würde abends nicht gehen, er hätte uns aber in Windhoek schon im Olive Grove für eine Nacht einquartiert, morgen kämen wir sicher weg. Ob wir uns ein Taxi mit einem anderen Paar teilen könnten, die wären auch Kunden von ihm. Das Ausmaß, das auf uns zuzukommen schien, war uns zu dieser Zeit gar nicht bewusst.
😕 Am Meeting Point trafen wir dann Heiko und Uta, die ich in norddeutscher Manier natürlich erst mal nicht duzte, schließlich teilten wir uns nur ein Taxi. 😘 Die beiden waren schon etwas länger am Flughafen, dank 14 Tage Namibia Rundfahrt aber sehr erholt und gut entspannt. Na, dann bleibt man halt eine Nacht länger. Dank der unkomplizierten Behandlung der namibischen Behörden hatten wir für drei Tage ein Sondervisum erhalten, dass unserer Mitgestrandeten war eh noch nicht abgelaufen.
Der Taxifahrer war schnell da und ruckzuck waren wir in Windhoek im Olive Grove
http://www.olivegrove-namibia.com/ . Micha und ich kannten diese Unterkunft nicht, dafür aber den Manager. Dieser hatte früher die Erongo Wilderness Lodge geführt und konnte sich sogar an uns erinnern. Wir checkten ein. Unser Zimmer war relativ groß, aber sehr hellhörig, da es am Gang lag und quasi jeder dran vorbei musste. Für eine Nacht aber sicher ausreichend. Was nun mit dem Abend anfangen? Zunächst riefen wir in Berlin an und berichteten, dass wir wohl einen Tag später kommen würden. Das war für Freunde und Familie keine Überraschung, die waren besser informiert als wir.
Herr Gündisch hatte zu seinen Kunden offenbar weitestgehend eine Standleitung. Er rief oft an, fragte, wie es uns ginge, ob die Unterkunft okay sei. Abwechselnd konnten unsere Mitgestrandeten und wir neue Informationen an die anderen weitergeben. An diesem Abend gab es nichts mehr zu erledigen, wir entschieden uns, im Olive Grove zu Abend zu essen. Zur Feier des Tages waren wir uns einig, dass mit dem gemeinsamen Wein auch das Duzen okay sei. Der Abend war entspannt und lustig.
Am nächsten Tag ließ der Spaß deutlich nach. Laut Medienberichten war es unwahrscheinlich, dass wir am Samstag würden fliegen können. Herr Gündisch verlängerte unsere Unterkunft um eine weitere Nacht. Wir mussten in ein Studio umziehen, das uns deutlich weniger gut gefiel. Allerdings mag das auch daran liegen, dass so langsam die Frage aufkam, wann können wir denn wohl nach Hause fliegen?
Um uns abzulenken, beschließen wir vier nach Windhoek rein zu laufen. Wir streifen durch die Geschäfte und essen mittags bei Gathemans. Danach ist uns zunehmend langweilig, wir kehren an den Pool zurück, im Olive Grove gibt es Wireless Lan, eventuell bekommen wir Neuigkeiten zur Flugsituation in Europa im Internet. In Europa werden weitere Flughäfen gesperrt – Madrid ist noch frei. Herr Gündisch ruft an und prüft zurzeit, ob er uns nach Spanien kriegt, danach müssten wir mit einem Mietwagen hochfahren, allerdings wären da keine mehr vorhanden. Der Nachmittag geht rum und wir stellen uns darauf ein, erst Montag wieder in Deutschland zu sein. Ist halt nicht zu ändern. Für den Abend ist uns nach etwas Rustikalem, da bietet sich Joes Bierhouse ja quasi an. Die Portionen sind riesig, ansonsten sagt uns das Ambiente nicht so zu, aber vielleicht sind wir auch nur schon etwas genervt. Micha „heitert“ uns auf, in dem er von einem Vulkan in USA berichtet, nach dessen Ausbruch war der Flugverkehr sechs Monaten nicht regulär. Wir lachen noch, wenn auch zunehmend mit gemischten Gefühlen.
😗 Am Sonntag entscheiden wir, dass wir Windhoek verlassen wollen, das Olive Grove erwartet eh Gäste, so dass unsere Studios nicht frei wären. Wer Windhoek auf einen Sonntag erlebt hat, weiß, dass man da nicht tot über dem Gartenzaun hängen möchte. Einöde pur. Herr Gündisch kümmert sich um ein Fahrzeug, inzwischen mögen wir vier uns so gern, dass wir meinen, die ein oder zwei Tage schaffen wir auch zusammen.
Von Caprivi Car Hire kommt eine Stunde später das Fahrzeug. Blöd nur, dass wir wegen unserer Fly-In beide keinen Führerschein mithaben. Bislang schleppen wir die in jeden Urlaub mit, egal ob wir sie brauchen würden. Dieses Mal waren wir sicher, das sei unnötig, so liegen beide in Berlin. Heiko mietet daher das Auto an und wir verlassen Windhoek. Anfangs ist es mit den Unterkünften etwas schwierig. Neue Gäste werden erwartet, da alle davon ausgehen, jeden Moment würden die Flugzeuge wieder starten können. Das legt sich im Laufe der Tage und es wird einfacher, eine freie Unterkunft zu bekommen. Herr Gündisch hat uns in der Immanuel Wilderness Lodge
http://www.immanuel-lodge.de/ zwei Zimmer gebucht. Wir waren dort vor ein paar Jahren schon einmal, aber inzwischen hatte das Management gewechselt. In weiser Voraussicht ging die Buchung über zwei Nächte. Unser armer Herr Gündisch berichtet von anderen völlig verärgerten Kunden, die ihn immer durchs Telefon anbrüllen. Der kann doch aber auch nichts dafür. Wir gehen bei ihm als mustergültig und humorvoll durch. Wie sang Grönemeyer so schön: Lache, wenns nicht zum Weinen reicht!
In der Immanuel Wilderness Lodge empfängt man uns sehr herzlich und voller Mitgefühl. Die Zimmer sehen kaum anders aus als damals, gefallen uns insgesamt aber ganz gut. Am Pool lässt es sich gut aushalten. Nachmittags machen wir einen Ausflug nach Okapuka, aber so richtig genießen können wir unseren Aufenthalt dort nicht. Wir fahren zurück. Uta und ich beginnen unsere Weinprobe in der Immanuel Wilderness Lodge am sehr frühen Abend. Die Männer durchforsten das Internet nach neuen Informationen. Stephan und Sabine von der Lodge sind rührend um uns besorgt. Ich bin wahnsinnig deprimiert, als ich abends unsere Freundin anrufen muss, um sie zu bitten, sich um Haus und Katzen weiterhin zu kümmern und wieder bei uns einzuziehen – keine Ahnung, für wie lange.
Leider können wir das Ehepaar nicht dazu bewegen, uns bei ihnen die Tagesschau sehen zu lassen. Das Abendessen ist ausgezeichnet und sehr reichhaltig. Herr Gündisch erzählt, dass ein anderer Kunde gegen seinen Rat unbedingt nach Libyen ausgeflogen wurde, da hing er allerdings noch fünf weitere Tage fest, denn inzwischen geht in Europa gar nichts mehr.
Am nächsten Tag, Montag, hat Uta ihren Durchhänger. Beim Frühstück hadern wir alle mit unserem Schicksal. Dank Fax und Internet beschließen wir alle, von hier aus zu arbeiten, das ist bei unseren Jobs kein Problem. Wir halten uns zwar alle nicht für unabkömmlich, aber irgendwie muss man sich ja beschäftigen. Stephan und Sabine haben uns für den Nachmittag vorgeschlagen, zur Amani Lodge
http://www.amani-lodge-namibia.com/amani_ger.html hochzufahren, Tiere gucken und Sundowner genießen. Wir freuen uns auf die Abwechslung, auch wenn wir die Tierfütterung und den Game Drive ganz schön kommerziell finden. Aber ein paar Fotos machen wir natürlich trotzdem.


