Alptraum Südafrika oder alles auf Reset

116 Antworten · 57,2k Aufrufe · gestartet 01. Feb. 2011 von Kori
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Themenstarter231 Beiträge · seit 200901. Feb. 2011 · #1
Natürlich ist der erste Teil des Titels unseres Reiseberichts leicht übertrieben. Wir sollten weder körperliche Schäden davontragen, noch sollte unser Leben zu irgendeiner Zeit in Gefahr sei. Mit etwas Abstand lassen sich die Erlebnisse auch dahingehend relativieren, dass wir sagen, es gibt Schlimmeres im Leben, aber das war unsere bisher unschönste Reise, trotz einiger fantastischer Naturerlebnisse und toller Begegnungen mit wunderbaren Menschen.
Zum 17. Mal heißt das Ziel Afrika. Die Augrabisfalls, der Richtersveld und der KTP soll die Ziele sei.
Schon am Flughafen in Frankfurt haben wir den Eindruck, bei Chaostours gebucht zu haben. Völlig überforderte Fraport-Mitarbeiter und Lufthansa-Beschäftigte machen aus dem Chaos ein riesiges Chaos. Man kann den Eindruck gewinnen, der Schnee Mitte Dezember sei so plötzlich und unerwartet über uns gekommen, wie eine Überschwemmung in der Sahara. Dabei schneit es seit Tagen und für Dezember auch gar nicht so ungewöhnlich viel, dass man eigentlich davon ausgehen kann, die „Profis“ der beiden Weltunternehmen Lufthansa und Fraport haben die Sache einigermaßen im Griff. Wie man sich doch täuschen kann. Für die kürzere der beiden Monsterschlangen am Check-In werden vier bis fünf Stunden Wartezeit prognostiziert. Unser Flug wäre weg. Was tun?
Wir entdecken einen Lufthansa-Schalter mit der Anschrift „Sperrgepäck“ und einer jungen Frau, die an ihrem Computer tippt. Von Schlange keine Spur. Ein Versuch kostet nichts. Unsere vorsichtige Frage, ob wir denn unser Gepäck für Johannesburg auch bei ihr loswerden könnten, beantwortet die Dame mit einem kurzen „klar, haben Sie schon eingecheckt?“. „Klar, im Internet“, antworte ich und kann mein Glück kaum fassen. In Nullkommanichts haben unsere drei Koffer Gepäckanhänger und sind auf dem Transportband verschwunden.
Unser Flug soll um 22.40 Uhr nach Johannesburg starten - mit dem neuen Supervogel A380. Wir haben noch reichlich Zeit, entschliesen uns, eine Kleinigkeit zu essen und gehen schließlich durch die Sicherheitskontrolle zum Gate. Alles läuft wie geschmiert. Wir steigen pünktlich ein, haben ordentliche Plätze und freuen uns auf einen entspannten Flug.
Nach etwa einer Stunde kommt dann die Durchsage, dass die Beleuchtung am Notausgang nicht funktioniert und deswegen ein „Reset“ gemacht werden müsse. Das solle 20 Minuten dauern. Nach einer halben Stunde wird dann das zweite „20-Minuten-Reset“ angekündigt, nach einer weiteren halben Stunde das dritte „20-Minuten-Reset“. Wir wissen jetzt: Bei der Lufthansa dauern zwanzig Minuten eine halbe Stunde. Schließlich soll ein Computer ausgetauscht werden. Nach drei oder vier Stunden müssen wir das Flugzeug verlassen. Im Warteraum des Terminals wird mitgeteilt, dass die Arbeitszeit der Cockpit-Crew überschritten würde, würde der Flug jetzt noch gestartet, Ersatz sei nicht verfügbar.
Die neue Abflugzeit wird für denselben Tag, 14 Uhr, festgesetzt. Gegen 3 Uhr in der Nacht sind wir im Hotel.
Am Nachmittag wiederholt sich das Spiel. Erst wird die Abflugzeit auf 14.30 Uhr verschoben, dann sitzen wir wieder unendlich lange im Flugzeug, ohne dass sich dieses Wunderwerk der modernen Technik auch nur einen Meter bewegt. Von technischen Problemen ist die Rede. Schließlich rollen wir in Richtung Startbahn. Drei oder vier Flugzeuge seien noch vor uns an der Reihe, dann soll es losgehen. Zuvor, so heißt es, müssten wir erneut enteist werden. Daraus wird allerdings nichts mehr.
Ihr ahnen es schon: Die Arbeitszeit der Cockpit-Crew würde überschritten, würde der Flug jetzt noch gestartet, Ersatz sei nicht verfügbar. Gegen 19 Uhr sitzen wir wieder im Flughafengebäude. Die neue Abflugzeit wird für 22.40 Uhr festgesetzt. Und tatsächlich, gegen Mitternacht hebt das Flugzeug ab und landet 25 Stunden später als geplant in Johannesburg.
Nachdem wir außerplanmäßig unsere mitgebrachten Käsevorräte am Zoll abgeliefert haben - ich wusste gar nicht, dass Käse nicht eingeführt werden darf - sehen wir auch schon das Schild mit unserem Namen. Gebucht hatten wir bei Kwenda-Safari, abgeholt werden wir von Bushlore. Ist dasselbe, wie wir inzwischen wissen. Gleich nach der Flughafenausfahrt kommen wir in eine Polizeikontrolle. Der Bushlore-Fahrer, der uns erzählt, dass er aus Simbabwe stammt, soll seinen internationalen Führerschein zeigen. Den hat er nicht. Eine endlose Diskussion beginnt. Ich überlege, ob ich mich einschalten soll, entscheide mich aber dagegen. Ich bin zu müde, mache die Augen zu, hoffe, dass es nicht so lange dauert und träume von der Weite Afrikas.
(Fortsetzung folgt)
2'610 Beiträge · seit 200701. Feb. 2011 · #2
Hallo Kori,

ich habe gerade meinem Mann lauthals deinen Bericht vorgelesen, nicht ohne dabei fortwährend zu grinsen. Ich weiß, dass es euch während des Aufenthaltes im Flughafen sicher nicht nach lachen zumute war, aber du schreibst mit so viel Humor, ich konnte nicht anders.

Ich schaue selbst schon gespannt auf die Wettervorhersage und hoffe, dass uns in ca. 2 wochen nicht wieder ein Schneechaos angekündigt wird. Mir reichte heute schon der Bericht in der Zeitung, dass die Lokführer wieder einen Streik planen - aber zur Not kämen wir auch noch mit einem Leihwagen nach Frankfurt.

Ich freue mich schon auf deine Fortsetzung.

Liebe Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Sprichwort der Ovambo) 1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
8'054 Beiträge · seit 200801. Feb. 2011 · #3
Hallo Kori,

Habe auch gerade deinen Bericht gelesen und schon kamen Erinnerungen zurück..... 😎
Wir sind mit BA von Joburg am 1. Dezember zurück nach Genf via London geflogen. Es wurde ein Horror. In London sind wir schon einmal 12 Stunden wegem Schnee hängen geblieben. Statt in Genf zu landen war es Lyon........ 🤩
Und trotzdem muss ich über deinen Bericht lachen. Ueberall dasselbe Boot!!! 😄

Freue mich auf die Fortsetzung.
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
42 Beiträge · seit 200901. Feb. 2011 · #4
Hallo ihr Lieben,

ich habe eben im Augenblick meinem Mann auch Koris äußerst ärgerliche, aber so amüsant geschriebene Erlebnisse vorgelesen. 😛

Ich hoffe, dass die Fortsetzung nicht ganz so tragisch 😮 ausfällt, wie die ersten 2 Tage.
Bin gespannt, wie es weiter geht.

Grüsse Nina
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Themenstarter231 Beiträge · seit 200902. Feb. 2011 · #5
Schön, dass euch der Beginn meines Reiseberichts Freude macht. Ich werde so schnell wie möglich nachlegen.

Viele Grüße, Kori
652 Beiträge · seit 200703. Feb. 2011 · #6
Hallo Kori,
jetzt hast du uns so neugierig gemacht auf eine "etwas andere Reise". Nun lass uns nicht so lange warten und mach mal hinne..
Gruß
Mutsel
Themenstarter231 Beiträge · seit 200903. Feb. 2011 · #7
mutsel schrieb:
Hallo Kori,
jetzt hast du uns so neugierig gemacht auf eine "etwas andere Reise". Nun lass uns nicht so lange warten und mach mal hinne..
Gruß
Mutsel
Ich verstehe: Wer den Schaden hat, muss für den Spot nicht sorgen.

Aber freut euch nur an unserem Elend, dann war es wenigstens noch für was gut.

Ich versuche jeden Tag ein Stück zu schreiben, muss aber auch noch ein bisschen arbeiten. Schließlich wollen wir wieder nach Südafrika und dafür muss gespart werden.

Herzliche Grüße, Kori

Hier ist Teil 2:

Die etwas füllige Dame hinter dem Schreibtisch hat mit einem ganzen Stapel Formulare zu kämpfen. Die Mittagshitze macht ihr sichtbar zu schaffen. Vielleicht ist das die Erklärung für den „kühlen“ Empfang im Büro bei Bushlore. Wir sitzen ihr gegenüber und kommen uns ein bisschen vor wie auf dem Amt: bloß kein Wort zu viel sagen und mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln schlechte Laune zum Ausdruck bringen. Aber wir wollen keinen Bauantrag stellen, sondern endlich „unseren“ Landrover und dann ganz schnell aufbrechen. Und mitnehmen auf unser afrikanisches Abenteuer müssen wir sie ja schließlich auch nicht. Endlich ist alles erledigt und sie führt uns zu dem Wagen. Um den Kilometerstand und den Füllstand des Tanks abzulesen, schwingt sie sich hinter das Lenkrad. Das wirkt unfreiwillig komisch, und wir haben einen Moment lang die Befürchtung, dass sie sich zwischen Sitz und Lenkrad verkeilt und nicht wieder herauszubekommen ist. Unser Wunsch nach zusätzlichen Kunststoffboxen für allerlei Kleinkram wird prompt erfüllt. Problematisch ist das zweite Reserverad. Das müsste ins Innere des Autos und da ist jetzt schon kein Platz mehr. Wir sind zu dritt, haben reichlich Gepäck und müssen Vorräte für fast unsere gesamte Reise unterbringen, weil wir ausschließlich an Feiertagen außerhalb der Nationalparks sein werden. Also verzichten wir. In den steinigen Richtersveld mit nur einem Reserverad - welch ein Leichtsinn. Unsere Probleme mit dem Auto sollten während der knapp dreiwöchigen Reise aber ganz andere werden. Aber dazu später mehr. Der Tank ist leer, wir müssen voll tanken. Dann zum Supermarkt. Wir schieben drei völlig überladene Einkaufswagen zum Auto. Jeder Zwischenraum wird genutzt. Sechs Flaschen besten südafrikanischen Chardonnays verabschieden sich durch den instabilen Boden des Kartons und schlagen auf dem Parkplatz auf. Drei zerbrechen, drei bleiben heil - gar keine so schlechte Quote angesichts der schlechten Voraussetzungen für Glas beim Aufprall auf Asphalt aus knapp einem Meter Höhe. Wir sammeln die Scherben ein und machen uns auf den Weg. Augrabis-Falls haben wir wegen der verspäteten Ankunft abgehakt. Wir müssen uns jetzt beeilen, um unsere reservierte Unterkunft im Richtersveld zu erreichen. Bis Potschefstroom wollen wir heute noch kommen. Das gelingt auch. Mit dem letzten Licht erreichen wir die Kumkani-Country-Lodge, bekommen auch ein Zimmer. Abendessen gibt es nicht. Wir sind die einzigen Gäste. Brot, Käse und eine Flasche Wein sind unser Abendessen. Bevor es das gibt, muss das Auto ordentlich gepackt werden. Ich muss euch jetzt nicht im Detail beschreiben, was es für ein Aufwand ist, Proviant und Reisegepäck für drei Wochen in einem Landrover so unterzubringen, dass zwei Erwachsene und ein fast erwachsenes Kind noch bequem sitzen können. Als wir fertig sind und uns auf den Chardonnay freuen, kommt der Lodge-Betreiber auf einen Guten-Abend-Gruß und einige Ratschläge vorbei. Das Anwesen sei zwar ganz gut gesichert, ungebetener Besuch des Nachts aber nicht auszuschließen, sagt er. „Besser ihr lasst nichts im Auto“, empfiehlt er. Er meint bestimmt Wertgegenstände, denke ich und frage: „Für unsere Kleidung und die Lebensmittel bricht doch bestimmt niemand das Auto auf?!“ Er hebt die Schultern, sagt: „Weiß man nie“ und geht mit dem Ratschlag, den Wagen möglichst dicht ans Fenster unseres Zimmers zu fahren. Wir stehen da und schauen ungläubig uns und unseren perfekt bepackten Landrover an. Sollen die Diebe doch kommen wir packen nicht wieder aus! Jedenfalls nicht alles. Wertgegenstände und elektronisches Gerät hätten wir ohnehin nicht im Auto gelassen. Jetzt montieren wir noch die beiden Gasflaschen ab und auch den High-Lift, für die es keine Schlösser gibt. Den Blick fest auf unseren voll gepackten Wagen gerichtet sitzen wir auf der Terrasse, trinken Wein und schlafen vor Müdigkeit im Sitzen ein. Wir haben wundervoll geschlafen, die Sonne scheint, das Frühstück ist lecker und für unterwegs bekommen wir unsere Thermoskanne mit Kaffee gefüllt. Wir brechen auf in Richtung Richtersfeld. Bis Spingbok wollen wir wenigstens kommen. Nach ereignisarmen gut 1000 Kilometern erreichen wir unsere Tagesetappe und finden auch gleich ein B&B. Zum Abendessen wollen wir uns eine Pizza holen und dann ganz schnell ins Bett. Der B&b-Betreiber empfiehlt ein Lokal ganz in der Nähe. Da gibt es so leckere Sachen wie Eisbein und Wiener Schnitzel. Wir bleiben bei Pizza und bestellen dreimal die Griechische zum Mitnehmen. Als der Kellner mit einer Bestellung für das Restaurant vorbei kommt, ahnen wir, dass trotz großen Hungers die Maxi-Pizza für unsere mitteleuropäischen Durchschnittsmägen zu groß sein könnte. Aber bestellt ist bestellt. Wir werden zu dritt tatsächlich von einer unserer drei Pizzen bequem satt. Gut gestärkt und hoffentlich auch ausgeschlafen soll es am nächsten Morgen in den Richtersveld gehen. Wir freuen uns riesig, weil wir diesen Teil Südafrikas noch nicht kennen.
(Fortsetzung folgt)
zuletzt bearbeitet 03. Feb. 2011
78 Beiträge · seit 200703. Feb. 2011 · #8
Hallo Kori,

kein Spott, wir hatten einen ähnlich chaotischen Reisebeginn im Dezember. Wir sind zwar nur mit einer Stunde Verspätung aus Frankfurt weggekommen, aber da die Crew der Meinung war, der Anschlussflug in Jo´burg ist nicht zu kriegen, hatten sie uns 30 Stunden später auf den Inlandsflug umgebucht. Unseren regulären Flug hätten wir aber noch bekommen, aber man sagte uns das ginge nicht mehr, da wir ja bereits umgebucht wären. Der nächste Flug um 13.00 Uhr hatte noch Plätze, da einige Flüge aus Europa nicht rechtzeitig da waren. 10 Minuten vor Abflug bekamen wir unsere Bordkarten. Wir rannten los, an der Sicherheitskontrolle spielten alle mit und wir konnten fast ohne Kontrolle durch, aber am Gate war dann die Aussage, der Bus ist weg, Ihr kommt nicht mehr mit. Also zurück zum Checkin, leider war für den Tag nichts mehr zu kriegen. Wenigstens bekamen wir eine Hotelübernachtung.
Der restliche Urlaub war phantastisch.

Gruß
Kerstin
Themenstarter231 Beiträge · seit 200905. Feb. 2011 · #9
Hallo liebe Forumleser, hier ist der dritte Teil unserers Reiseberichts, der vom Aufenthalt im Richtersveld erzählt.

Viel Spaß beim Lesen, Kori

Die Nacht war erholsam, das Frühstück im B & B Boesmanland Gastehuis ist lecker und reichhaltig. Wir kaufen in Springbok noch ein paar Lebensmittel ein und tanken voll bis zum Rand. Leider haben wir die beiden zugesagten Reservekanister nicht bekommen und müssen jetzt mit der Reichweite auskommen, die der eingebaute Tank hergibt.
Wir beginnen uns ein bisschen über Kwenda/Bushlore zu ärgern: Weil das zweite Reserverad nicht außen am Fahrzeug angebracht war, hätten wir es innerhalb des Wagens verstauen müssen. Darauf haben wir aus Platzgründen verzichtet. Die beiden zusätzlichen Dieselkanister haben wir nicht bekommen, weil nicht verfügbar. Radio und CD-Spieler funktionieren nicht, die extra mitgebrachten CDs mit „Reisemusik“ können wieder zurück in den Koffer. Die Dichtung in der Beifahrertür fällt immer wieder heraus, der Außenspiegel ist ausgeleiert und bleibt nicht in der eingestellten Position, die Klimaanlage nässt auf der Beifahrerseite in den Fußraum, das ist eigentlich der Platz für die Kameratasche. Und das bei einem Auto, das erst ein halbes Jahr alt ist und gerade gut 40.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Na gut, sind nur Kleinigkeiten.
Wir freuen uns an der tollen Landschaft zwischen Steinkopf und Eksteenfontein, die Aussicht vom Anenouspass ist atemberaubend. Hier hätten wir eigentlich überachten wollen - so wenigstens unser ursprünglicher Zeitplan.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Sendelingstrift nach abenteuerlicher Fahrt durch schweres Gelände. Schön war es trotzdem oder gerade deswegen. Wir haben Glück, es gibt Diesel, unsere ärgsten Probleme diesbezüglich sind gelöst. Wir checken ein und weiter geht es in Richtung Tatasberg-Wilderness-Camp. Die freundliche Rangerin in Sendelingstrift hat nicht übertrieben, als sie von einer „schwierigen Strecke“ sprach und uns warnte, in einigen Passagen sehr vorsichtig zu fahren. Untersetzung und der zweite Gang sind das Maß der Dinge. Meter für Meter „quälen“ wir uns durch das bergige Gelände. Wir genießen es. Schließlich sind wir gerade deswegen hier. Oft sind links und rechts nicht mehr als wenige Zentimeter Platz zwischen Auto und Felsen. Uns quält der Gedanke, dass wir nur ein Reserverad dabei haben. Hier ohne einen Plattfuß wieder herauszukommen, würde an ein Wunder grenzen.
Das Camp ist wunderbar gelegen, mit direktem Blick auf den Oranje. Es gibt nur vier Einheiten für jeweils zwei Gäste. Wir dürfen auch zu dritt dort wohnen. Die Gebäude sind eine Kombination aus Zelt und fester Bauweise - wie wir es von anderen Wilderness-Camps schon kennen. Küche und Schlafbereich sind getrennt, dazwischen eine Terrasse. Außer uns ist nur noch ein südafrikanisches Paar hier. Wir stellen uns vor und halten einen kleinen Plausch. Die beiden wollen am nächsten Tag weiter. Wir bleiben drei Nächte und erfahren vom Camp-Assistenten, dass wir dann die einzigen Gäste sein werden.
Jetzt ist relaxen angesagt. Wir wollen ein paar Tage nur ausspannen und hier Heiligabend feiern. Am ersten Weihnachtsfeiertag soll es weiter gehen. Der KTP wird dann unser Ziel sein.
Spaziergänge am Oranje, ein paar kurze Ausfahrten in die nähere Umgebung und viel Zeit zum Lesen und Träumen bestimmen unseren Aufenthalt im Tatasberg-Wilderness-Camp. Es ist herrlich. Wir lieben diese Einöde, diese schroffe Schönheit der Steinwüste, den Kontrast, den das schmale grüne Band entlang des Flusses bietet. Fotomotive ohne Ende, auch wenn die Tierwelt hier eher weniger vertreten ist. Die Schafe und Ziegen des Hirten ganz in der Nähe, der unseren Gastgeber täglich besucht, sind schon das Highlight. Und natürlich seine Hunde, die uns an unser zuhause gebliebenes vierbeiniges Familienmitglied denken und ein wenig Wehmut aufkommen lassen. Das Wissen darum, dass es unserer Schäferhündin bei den Menschen, die sie betreuen, gut geht, beruhigt uns und verdrängt die trübsinnigen Gedanken. Das ist der Preis, den wir immer wieder bezahlen, wenn wir auf große Reise gehen.
Die Tage sind unendlich heiß. Wir haben kein Thermometer dabei, aber es dürften in der Spitze über 45 Grad Celsius sein. In Deutschland regieren Eis und Schnee. Am Abend schmeckt der Chardonnay - schließlich haben die meisten Flaschen das Desaster auf dem Parkplatz in Johannesburg überlebt, und in Springbok konnten wir nachkaufen. Wir machen eine ganz private Weinprobe und haben schnell zwei Favoriten gefunden. Unglaublich, dass wir in Südafrika immer wieder für weit unter zehn Euro Weine finden, die in Europa nicht zu bezahlen wären.
Der Heiligabend ist kurz. Wir gehen früh schlafen. Am nächsten Morgen wollen wir mit dem ersten Licht aufbrechen. Wir haben einen langen Fahrtag vor uns. Twee Rivieren soll das Ziel sein. Das ist weit, sehr weit.
(Fortsetzung folgt)
zuletzt bearbeitet 06. Feb. 2011
245 Beiträge · seit 200905. Feb. 2011 · #10
Vielen Dank für den schönen Bericht.

Trotz des Ärgers über den Wagen ist es doch eine schöne Reise. Wäre schön wenn es auch ein paar Fotos zu sehen gäbe.

LG
Lio
Themenstarter231 Beiträge · seit 200906. Feb. 2011 · #11
Schön, dass dir meine Zeilen gefallen. Ich will das mit den Fotos gern einmal versuchen, kann aber nicht garantieren, dass es funktioniert. Ich glaube, ich muss die Bilder erst verkleinern.

VlG Kori
Themenstarter231 Beiträge · seit 200906. Feb. 2011 · #12




Die Fotos zeigen:
1. Die Aussicht vom Anenouspass ist atemberaubend
2. Der Schäfer im Richtersveld ohne seine Herde
3. Bei Eksteenfontein
4. Blick vom Tatasberg-Wilderness-Camp auf den Oranje
5. Der Richtersveld mit dem Oranje und ganz hinten ist Namibia
6. Unterwegs im Richtersveld
7. Der Oranje im Abendlicht
8. Fluss und Berge
9. Das Tatasberg-Wilderness-Camp
10. Das Tatasberg-Wilderness-Camp
zuletzt bearbeitet 07. Feb. 2011
Themenstarter231 Beiträge · seit 200906. Feb. 2011 · #13
Hallo ihr Lieben, hier ist Teil 4 meines Resieberichts: Vom Richtersfeld nach Twee Rivieren oder die Wiedergeburt des Reset

Herzliche Grüße, Kori

Mit dem ersten Licht brechen wir auf. Der erste Teil unserer Reise und drei fantastische Tage voller Ruhe und Entspannung liegen hinter uns. Der Weg ist weit. Twee Rivieren im KTP ist das Tagesziel. Wir wollen auf namibianischer Seite am Oranje entlang fahren - das ist die landschaftlich viel schönere Strecke. T4A nennt 700 Kilometer, elf Stunden Fahrzeit, zwei Grenzübertritte und die kurze Fährfahrt über den Oranje. Wir machen uns aber keinen großen Stress deswegen: wenn wir es nicht schaffen, übernachten wir irgendwo unterwegs.
Die Ausfahrt aus dem Richtersveld ist viel einfacher als die Einfahrt. Wir erreichen Sendelingstrift - ohne einen Reifenschaden, und das in diesem Gummi fressenden, steinigen Gelände. Wir untersuchen die Räder peinlichst genau. Ein Reifenplatzer auf Piste bei höherer Geschwindigkeit ist kein Spaß. Nichts, nicht mal ein Kratzer. Wir tanken nach. Grenzübertritt auf südafrikanischer und namibianischer Seite und die kurze Fährfahrt dazwischen laufen reibungslos. Wir wünschen uns frohe Weihnachten.
Schade, dass wir keine Zeit haben. Die Strecke am Oranje ist wunderschön. Wenn wir das nächste Mal hier sind, werden wir zwei Übernachtungen einplanen.
Um 16.30 Uhr schließt der Grenzübergang Rietfontein. Wir sind gerade noch rechtzeitig. Beim Vorfahren stirbt der Motor ab - und lässt sich nicht wieder starten. Der Anlasser dreht und dreht und dreht und der Motor springt nicht an. Schnell erkennen die namibianischen Grenzpolizisten, dass wir ein Problem haben und bieten Hilfe an. Sie haben jetzt gleich Feierabend, wollen uns aber noch über die Grenze lassen, sagen deswegen ihren südafrikanischen Kollegen, dass da noch jemand kommt. Daraus wird aber nichts. Der Wagen will und will nicht wieder anspringen. Fremdstarten und anschieben, alles bleibt ohne Erfolg. Ganz in der Nähe gibt es die Schanzkolk-Farm. Der Eigentümer kenne sich mit Motoren aus, erzählen die Grenzpolizisten und rufen ihn auch gleich für uns an.
Wir wählen inzwischen die Notrufnummer von Kwenda Safari beziehungsweise Bushlore. Bei beiden Mobilfunknummern schaltet sich nach endlosem Klingeln die Mailbox an. Wir versuchen Herrn Lehmann von Kwenda in Deutschland zu erreichen. Im Vorfeld unserer Reise hatten wir einen so netten Kontakt. Beim zweiten Versuch geht Herr Lehmann auch ans Telefon. Mein Mann schildert unser Problem und Herr Lehmann hat die Lösung: Das sei nicht unbekannt. Wir müssten einfach nur ein Reset machen, dann laufe der Wagen wieder.
Ein Reset? Da war dieses Wort vom Beginn unserer Reise wieder. Das Reset beim A380 hat uns unter dem Strich 25 Stunden gekostet und den Start unserer Reise völlig vermasselt. Wie geht das Reset beim Landrover? Ganz einfach, sagt Herr Lehmann, einfach die Starterbatterie für zehn Minuten abklemmen. Die sei unter dem Beifahrersitz. Außerdem sollten wir die Relais unter dem Fahrersitz herausziehen und wieder neu einstecken. Dann werde alles wieder gut. Wir wünschen uns noch frohe Weihnachten und verabschieden uns.
Wir machen das Reset und entdecken, dass die Batterie ausläuft. Die Schraubverschlüsse haben deutliche Spuren von überdrehenden Schraubendrehern.
Außerdem vergaß Herr Lehmann zu erwähnen, dass die Alarmanlage einen Höllenlärm macht und nicht abzuschalten ist, wenn die Starterbatterie abgeklemmt wird. Schnell steht die gesamte Besatzung der Grenzstation um unser Auto, das auch nach dem Reset nicht wieder anspringt. Wir sollten im weiteren Verlauf unserer Reise noch viele neue „Freunde“ gewinnen, wenn wir unseren Landrover mit einem geräuschreichen Reset zum Leben zu erwecken versuchten.
Inzwischen ist auch Jacko von der Schanzkolk-Farm da. Er nimmt den Wagen und vor allem den Motorraum genau in Augenschein, zieht Stecker, bewegt Kabel. Wir verstehen rein gar nichts davon, sind ahnungslos was Technik angeht.
Nach über zwei Stunden springt der Wagen wieder an. Weil es in einer halben Stunde dunkel wird, bietet Jacko an, bei ihm zu übernachten. Seine wenigen Gästezimmer seinen zwar ausgebucht, aber er werde etwas arrangieren.
Um dem Fehler auf den Grund zu gehen, müsse der Wagen an ein Analysegerät, sagt Jacko. Vielleicht ist ein Kabel durchgescheuert und produziere einen Kurzschluss, vielleicht ist ein Relais defekt. Mit Sicherheit könne er uns allerdings sagen, dass die Starterbatterie irreparabel defekt sei und ausgetauscht werden müsse.
Wieder rufen wir Herrn Lehmann an. Einen Ersatzwagen kann er uns nicht in Aussicht stellen. Schließlich sei Hauptferienzeit und alle Autos vermietet. Außerdem müssten wir Verständnis dafür haben, dass am ersten Weihnachtsfeiertag auch die Bushlore Mitarbeiter feierten und nicht erreichbar seien. Wir haben Verständnis und bitten um Kostenübernahme für eine neue Batterie. Herr Lehmann gibt sein OK. Wir müssten sie uns nur selbst besorgen. Gleich am nächsten Tag wollen wir uns darum kümmern, notfalls den Umweg über Upington fahren. Jacko macht uns wenig Hoffnung, dass das gelingt - der nächste Tag ist ein Sonntag. Immerhin versorgt er uns mit den nötigen Telefonnummern.
Wir genießen den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein, Käse und Brot und gehen schließlich in unserer Notunterkunft schlafen. (Fortsetzung folgt)
Themenstarter231 Beiträge · seit 200908. Feb. 2011 · #14
Teil 5 meines Reiseberichts erzählt von Löwen, Sonnenuntergang, Rooiputs und einem neuen Reset.
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch Kori


Alle Versuche scheitern, in Upington telefonisch eine neue Batterie aufzutreiben. Es ist Sonntag. Niemand ist zu erreichen, und die, die wir erreichen, haben keine Batterie. Am Grenzübergang Rietfontein kennen sie uns noch vom Vortag. Wir sind die Deutschen mit der lauten Alarmanlage.

Wir wollen nicht nur auf Verdacht nach Upington fahren. Der Wagen springt gut an und wir machen uns auf den Weg zum KTP. Am späten Vormittag erreichen wir Twee Rivieren. Aus dem Batteriekasten unter dem Beifahrersitz riecht es jetzt nach Schwefelsäure. Wir reisen gleich aus Südafrika aus und nach Botswana ein. Zwei Nächte sind wir auf dem Campsite Rooiputs, dann zwei Nächte in Bitterpan, anschließend ist Polentswa unser Ziel, und schließlich wollen wir weiter nach Mabuasehube. In die botswanischen Camps können wir gleich einchecken, für Bitterpan sollen wir uns in Nossob anmelden. Wir dürfen den Computer der netten Sanparks-Mitarbeiterin benutzen und schreiben Herrn Lehmann von Kwenda Safari beziehungsweise Bushlore eine E-Mail mit unseren Stationen in den nächsten Tagen und bitten ihn darum, uns eine neue Batterie zu schicken oder vielleicht sogar den Wagen auszutauschen. Telefonisch erreichen wir ihn leider nicht. Die Computerbenutzung ist kostenlos, wir bedanken uns mit einem Trinkgeld.

Der Wagen springt nicht an. Dieselben Symptome wie am Vortag. Also: Reset! Schnell bildet sich eine Menschentraube um unseren dauerhupenden Landrover. Wir erklären, dass wir ein Reset machen müssen, weil er nicht anspringt und bekommen jede Menge wertvolle Tipps. Nach einer halben Stunde und mehreren Versuchen läuft der Wagen schließlich wieder. Wir tanken nach, der Landrover springt sofort an, und wir machen uns auf den kurzen Weg nach Rooiputs. An der Straße nach Nossob wird noch immer gebaut. Nach zehn Kilometern biegt ein Weg ab und läuft parallel zur Straße.

Wir kennen die Strecke noch aus dem Vorjahr und können unser Glück kaum fassen: Erst sehen wir nur zwei Köpfe und dann die ganze Löwenfamilie, direkt am Weg. Wir stoppen und überlegen, ob wir es wagen können, den Motor auszuschalten. Was ist wenn er nicht wieder anspringt? Schließlich schalten wir doch ab. Die ganze Stimmung würde zerstört, würden wir mit laufendem Motor neben den edlen Tieren halte. Fast zwei Stunden beobachten wir die Löwenfamilie, die faul im Schatten eines Busches liegt und den heißen Teil des Tages verpennt.

Dann der spannende Moment: Springt er an oder nicht?
Er springt an und wir fahren die wenigen Kilometer nach Rooiputs. Den Rest des Tages werden wir faulenzen, in der Hängematte liegen und lesen, ein Brot backen und uns schließlich am Sonnenuntergang erfreuen. Rooiputs ist ein so wundervoller Ort. Wir genießen die Weite der Savanne, die Ruhe, die Einsamkeit. Nur zwei andere Gruppen sind am anderen Ende der Campsite. Über unseren Platz führt eine Spur. Die Fußabdrücke sind so groß, dass sie nur von Löwen stammen können. Wie alt die Spur ist, vermögen wir nicht zu sagen. Vielleicht haben wir ja Glück und bekommen Besuch. Die Vorfreude ist groß, Wachsamkeit aber angesagt. Wir überlegen, ob wir unseren Löwen von Mittag noch einen Besuch abstatten sollen, entscheiden uns dann aber doch fürs Faulenzen.

Wir genießen unser Candle-Light-Dinner mit einem grandiosen Sonnenuntergang im Hintergrund, das Lagerfeuer knistert und aus dem Potje riecht es nach frischem Brot.
Ein fantastischer Tag geht zu Ende, wir gehen früh schlafen. Am nächsten Morgen wollen wir zeitig losfahren, schauen, ob unsere Löwen noch an ihrem Platz sind und dann weiter in Richtung Mata Mata. Im vergangenen Jahr haben wir im Auobtal ganz viele Löwen und drei Geparden gesehen. (Fortsetzung folgt)
zuletzt bearbeitet 08. Feb. 2011
4'451 Beiträge · seit 200808. Feb. 2011 · #15
Hallo Kori,
diese wunderschöne Erlebnisse haben euch doch wohl ein wenig entschädigt oder ? Tolle Bilder Danke dafür. 🙂
Lieben Gruß
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
245 Beiträge · seit 200908. Feb. 2011 · #16
Großartige Bilder.

Da wart Ihr aber mutig, dass Ihr den Motor bei den Löwen ausgeschaltet habt. Zum Glück ist er ja wieder angesprungen.

Habt Ihr den Potjie mitgebracht oder vor Ort gekauft?

LG
Lio
Themenstarter231 Beiträge · seit 200909. Feb. 2011 · #17
Danke Cécile, danke Lio,
schön, dass euch die Fotos gefallen. Die hat mein Liebster gemacht. Er versucht sich gern als Fotograf und freut sich immer diebisch, wenn jemandem seine Aufnahmen Spaß machen.
Der Potje gehörte zur Ausstattung. Den haben wir aber auch bei unseren anderen Vermietern immer dazu bekommen. Wir möchten dieses fantastische Küchenutensil auch nicht mehr missen. Brot und vor allem tolle Eintopf-Gerichte lassen sich darin zubereiten. Inzwischen haben wir auch zuhause einen. Den stellen wir an kalten Winterabenden mit Brotbackmischung in den Kamin, trinken südafrikanischen Wein und träumen von diesem grandiosen Land/Kontinent.
Bei den Löwen mussten wir den Motor ganz einfach abstellen, um die Stimmung nicht zu verderben. War aber auch nicht ganz so mutig, weil dort immer wieder andere Reisende vorbei kommen. Im Verlauf unserer weiteren Reise kamen wir noch einige Male in diese Situation. Ich werde davon berichten.
Natürlich haben die tollen Erlebnisse entschädigt. Aber der permanente Gedanke daran, dass diese Sch...karre wieder nicht anspringt, nervte schon enorm.

Herzliche Grüße, Kori
Themenstarter231 Beiträge · seit 200911. Feb. 2011 · #18
Hier ein weiterer Teil meiner Reiseerzählung. Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende wünscht euch Kori, die jetzt eine Flasche Chardonnay aus Südafrika öffnet und sich mit Familie Urlaubsfotos anschaut

Von Löwen, Geparden und einem stinkenden Auto

Er springt wieder nicht an. Der Anlasser dreht und dreht und dreht, aber der Motor springt nicht an. Nach ein paar Versuchen geben wir auf. Es ist zu früh am Morgen. Auch wenn nur zwei weitere Gruppen auf Rooiputs sind, können wir jetzt, noch vor Sonnenaufgang, unmöglich einen unserer lautstarken Resets machen. Wir müssen die Starterbatterie für zehn Minuten abklemmen, dann geht die Alarmanlage los. Das können wir unseren Nachbarn nicht zumuten. Wir trinken den Kaffee, den wir für unterwegs gekocht haben, frühstücken. Nach einer knappen Stunde ein neuer Versuch. Und tatsächlich, der Defender läuft. Unglaublich.

Wir wollen unsere Löwen vom Vortag besuchen - sie sind weiter gezogen. Wir fahren weiter in Richtung Mata Mata. Die untere Querung in das Auobtal ist wenig spektakulär. Die Wege sind fürchterlich. Wellblech, überall Wellblech. So schlimm war das hier noch nie. Wir lassen es langsam angehen. Die Batterie unter dem Beifahrersitz gast immer stärker. Es stinkt nach Schwefelsäure. Immer wieder lassen wir die Fenster herunter. Irgendwann lässt sich das auf der Beifahrerseite nicht mehr schließen. Der elektrische Fensterheber arbeitet, aber die Scheibe taucht nicht wieder aus ihrer Versenkung auf. Egal, stinkt sowieso viel zu viel, wenn es geschlossen ist.



Ein ganzes Stück abseits des Weges ist unter einem Busch Bewegung. Drei Geparde haben es sich bequem gemacht. Wir sind mutig und schalten den Motor aus, beobachten die edlen Jäger eine Weile. Die Tiere sind sehr weit entfernt. Wir schrauben alles was wir haben auf die Kamera, aber selbst mit 960mm Brennweite ist die Ausbeute nur dürftig. Dann geht es weiter.



Glück muss der Mensch haben: Nur wenige Kilometer weiter liegt ein Löwenrudel neben dem Weg, dahinter der Riss aus der Nacht, an dem zwei Löwinnen frühstücken. Wir beobachten die Tiere bestimmt eine Stunde.



Wir wollen nach Mata Mata weiterfahren, hoffen, Telefonempfang zu haben, um unseren Autovermieter anzurufen. Die Batterie stinkt jetzt fürchterlich. An einem Wasserloch entdecken wir eine Giraffe und sehen unterwegs noch eine ganze Reihe anderer Tiere. Anderen Reisenden, denen das Schloss des Kofferraumdeckels kaputt gegangen ist, können wir mit Draht aushelfen. Sie wollen ihren Vermieter anrufen und um Ersatz oder Reparatur bitten.

Natürlich funktionieren unsere Mobiltelefone in Mata Mata nicht. Als wir unseren Notfall erklären, dürfen wir das Festnetz der Parkverwaltung benutzen. Wir erreichen Herrn Lehmann von Kwenda Bushlore. Wir selbst nach Upington fahren und uns selbst eine Batterie besorgen, sagt er. Wir rechnen ihm vor, dass wir bis Twee Rivieren rund drei Stunden unterwegs wären, weitere drei Stunden bis Upington bräuchten, und noch mal drei Stunden, um wieder in den Park zu kommen. Mittlerweile ist es fast Mittag, wir könnten das unmöglich vor Einbruch der Dunkelheit und bis zur Schließung des Gates schaffen.

Unser Vorschlag: Er schickt jetzt jemanden in Upington los, wir treffen uns in Twee Rivieren, tauschen die Batterie aus und sind im Hellen alle wieder zu Hause. Alternativ könnten wir uns auch auf Rooiputs treffen, in drei Stunden könnten wir dort sei. Wir telefonieren fast eine halbe Stunde, kommen aber nicht wirklich zu einem Ergebnis. Ob wir nicht doch nach Upington fahren und uns selbst um Ersatz kümmern könnten? Das wäre doch viel einfacher. Für Kwenda und Bushlore vielleicht, aber was ist mit uns? Herr Lehmann sagt, er wolle sehen, was er für uns tun könne. Wir sagen, wir würden dann auf Rooiputs warten.



Auf dem Rückweg sehen wir noch einen beeindruckenden Löwenmann, machen aber nur schnell ein paar Fotos. Wir müssen schnell nach Rooiputs. Wir warten vergeblich auf Kwenda Safari, Bushlore oder Nachricht von Herrn Lehmann. Wir sind maßlos enttäuscht, können an nichts anderes mehr denken. Das Auto beherrscht unseren Urlaub. Die lassen uns einfach im Stich. Mit diesen Gedanken schlafen wir an diesem Abend ein.
(Fortsetzung folgt)
zuletzt bearbeitet 11. Feb. 2011
2'460 Beiträge · seit 200611. Feb. 2011 · #19
Hallo Kori,
es tut mir richtig leid, was ihr für ein Pech mit dem Auto hattet und dann auch noch vom Autovermieter so im Stich gelassen wurdet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das die Urlaubsqualität sehr beeinträchtigt. Wenigstens habt ihr bei den Tieren richtig Glück, ganz tolle Aufnahmen sind euch gelungen.
Ich bin gespannt, wie es mit dem Auto weiter geht.
Genießt den Wein und die Fotos,
lG Chrissie
Gruss Chrissie ___________ Namibia 2012DVD Suedafrika DVD Botswana DVD
4'451 Beiträge · seit 200811. Feb. 2011 · #20
Hallo Kori,
unglaublich schöne Bilder, was für ein Glück habt ihr da gehabt , der Löwenmann ist ja absolut der Hammer 🤩
Wie Chrissie bin ich auch mal gespannt wie das mit dem Auto weiter geht 😉 Das ist ja keine gute Reklame was sich da dieser Vermieter geleistet hat.
Lieben Gruß
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
zuletzt bearbeitet 11. Feb. 2011