Olli Bö447 Beiträge · seit 200826. Nov. 2009 · #21
Also jetzt lasst aber mal die Kirche im Dorf hier. Diese oberflächlichen Pauschalisierungen schreien ja zum Himmel. "Der chinese ist fleißig" , "die Chinesen mischen sich nicht"
Das Thema Entwicklungshilfe ist sehr diffizil, und ich bin zu wenig im Thema, als dass ich hier maßgeblich zur Diskussion beitragen könnte, aber ich muss sagen, dass ich ebenfalls über diese Pauschalisierungen "gestolpert" bin. Danke, Konno, für Deine Gedankennahrung, und dass Du uns einen Einblick aus einem anderen Blickwinkel gewährt hast, denn einige Kommentare vorher fand ich dann doch recht verstörend.
Anbei noch, was mir so spontan durch den Kopf ging, als ich bis Seite 3 gelesen hatte 😛 :
(hoffentlich funktioniert das mit dem Bild hochladen)
TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200628. Nov. 2009 · #22
@Konno
Pauschalisierungen haben schon auch etwas Wahrheit. So ist der Deutsche eher gründlich, der Italiener mehr ein lässiger Lebenskünstler und der Chinese halt fleissig.
Chinesen haben ein Talent für Handel. In Thailand zum Beispiel, sind es die Chinesen welche Wirtschaft und Handel kontrollieren. Die Thais sind vom Naturell her (achtung es wird wieder Pauschal…)… eher „kikriat“ (faul)… und „tamnaan“ (arbeit) ist „mai sabai“ (kein Vergnügen). Thais mögen „Sanuk“ (Spass).
Ein Thai Fischer fährt auf das Meer und fängt genug damit er eine Woche leben kann. Er fährt also nicht wieder raus sondern hat eine Woche Sanuk und Sabai. Ganz im Gegensatz zum chinesischen Fischer. Der Fährt gleich wieder raus, weil er die nächste Ladung verkaufen will.
Mit Anstand und Achtung vor anderen Kulturen ist es bei den Chinesen auch nicht sehr weit hergeholt. Dies beweisen sie in der Tibet Frage immer wieder. Das ist vielleicht auch wieder Pauschal … aber in Asien gelten die Chinesen jedoch eher als ungehobelt und etwas rüpelhafte Trampel mit schlechten Manieren.
Trotzdem: Chinesen bewegen im Gegensatz zu den Europäern etwas auf dem afrikanischen Kontinent. Währen die Chinesen Strassen bauen überweisen europäische Länder weiterhin fleissig Geld an korrupte Regierungen in Afrika.
Dies seit 50 Jahren ohne sichtbaren Erfolg. Entwicklungsorganisationen sind oft reine Selbstläufer, die sich nicht abschaffen wollen. Dies müssten sie ja wenn sie Erfolg gehabt hätten…
Ich bin nicht generell gegen Entwicklungshilfe. Wenn eine Regierung seine Verantwortung gegenüber dem Volk wahrnimmt ist die ein durchaus gangbarer Weg. Leider gibt es praktisch kein Staat in Afrika der eine solche Regierung besitzt (Ich rede jetzt nicht von Südafrika oder Namibia). Viel zu oft sind die Eliten leider korrupt und weit weg von ihrem Volk. Die Gelder kommen nie dort an wo sie ankommen sollten. Sie wandern in die Taschen dieser verantwortungslosen Clans, die sich schamlos bereichern.
Länder wie Zimbabwe, Angola, Nigeria zum Beispiel haben den Boden voller Rohstoffe (Nigeria ist der sechstgrösste Ölförderer…) , gutes Klima für Ackerbau (Zimbabwe) und kommen auf keinen grünen Zweig. Das muss doch irgendwie zu denken geben …
Glaubt ihr denn wirklich dass die europäische Entwicklungshilfe an irgendwelche politischen Maßstäbe gebunden ist?
Nein, letztlich steht auch da das Geschäft häufig über moralischen und ethischen Werten. Aber europäische Länder kritisieren Regierungsführung, Menschenrechtssituation, Korruption und andere Mißstände in afrikanischen Ländern zumindest gelegentlich öffentlich. Die Chinesen machen das nicht. Deshalb sind die Chinesen für viele afrikanische Machthaber die einfacheren, bequemeren Partner als die oft auch noch besserwisserischen, bürokratischen und historisch belasteten Europäer.
Davon abgesehen suchen wir alle immer so gern nach der einen Ursache und der einen Lösung für die großen Probleme unserer Zeit. Wenn man sich dann etwas intensiver mit "Problemen wie Afrika" beschäftigt, dann stellt man fest, dass das Problem so unglaublich komplex, vielschichtig und facettenreich ist, dass man eigentlich gleich kapitulieren möchte.
Vom langjährigen Korrespondenten der Zeit im südlichen Afrika gibt es übrigens ein meines Erachtens ganz lesenswertes Buch zum "Problem Afrika". Ach, Afrika (Bartholomäus Grill)
Beste Grüße
Guido
TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200628. Nov. 2009 · #24
Ein guter Buchtip von Guido.
Grill gibt eine sehr guten Überlick zur Lage in Afrika.
Ebenfalls ein ausgezeichnetes Buch -mehr über Entwicklunspolitk- von Volker Seitz, der 17 Jahre als Diplomat in Afrika gelebt hat und eine radikale Änderung der Entwicklungspolitk fordert.
Erika2'338 Beiträge · seit 200728. Nov. 2009 · #25
Zitat aus dem Buch von Brigitte Erler: Tödliche Hilfe, Bericht von meiner letzten Dienstreise in Sachen Entwicklungshilfe
“Entwicklungshilfe schadet allen, denen sie angeblich nützen soll, ganzen Ländern wie einzelnen Betroffenen. Sie muss deshalb sofort beendet werden. Ohne Entwicklungshilfe ginge es den Menschen in der Ländern der Dritten Welt besser”.
Das sind harte Worte, aber wenn man das Buch gelesen hat, muss man es glauben.
Leider nicht mehr online zu schauen, aber es gibt ja gute Seiten wie zum bsp dokujunkies oder so
"Es ist zu früh dies zu beantworten," sagt Freddy Mulumba, der Journalist der Onlinezeitung "Le Potentiel". "Die Chinesen treten anders auf als der Westen. Sie haben eine 'Win-win-Situation' vor Augen. Sie bringen uns keinen Krieg. Und zum ersten Mal in der Geschichte Afrikas haben wir die Wahl zwischen zwei Zivilisationen, zwischen zwei Mächten. Wir können wählen, mit wem wir zusammenarbeiten. Mit den Amerikanern, mit den Europäern, mit den Chinesen. Früher hatten wir keine Wahl. Wir wurden zu allem gezwungen."
klaus63630 Beiträge · seit 200801. Dez. 2009 · #27
Hallo Konno,
vielleicht etwas zum Nachdenken zu den Aussagen von Freddy Mulumba:
1. "Sie (die Chinesen) bringen keine Krieg."
Es wird in der Diskussion über Rohstoffe aus Afrika immer wieder angeführt, dass die große Nachfrage der Welt nach Rohstoffen die vielen Bürgerkriege in Afrika, z.B. im Kongo, fördert und am Leben hält (Bsp. "Blutdiamanten"). Wenn dies richtig ist, was soll bei den Chinesen als Handelspartnern anders sein? Bringen die dann keine Krieg?
2. "Zum ersten Mal in der Geschichte Afrikas haben wir die Wahl zwischen zwei Zivilisationen"
Ist das wirklich zutreffend? Im kalten Krieg konnten doch viele Potentaten sich bestens über Wasser halten, in dem sie sich vom Westen oder dem Ostblock als Unterstützer kaufen ließen.
Gruß
Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.
(Hans Magnus Enzensberger)
TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200602. Dez. 2009 · #28
@ Klaus und Konno
...vor allem stellen Chinesen den Regierungen keine unangenehmen Fragen 🙂
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200618. Dez. 2009 · #29
passt mehr oder weniger zum Thema :
Ohne Entwicklungshilfe Jetzt sollen die Kapitalisten Afrika retten
TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200630. Dez. 2009 · #30
Hallo Kono
Ein sehr guter FAZ Bericht.
Ruanda geht den richtigen Weg, so hat Schwarzafrika langfristig eine gute Zukunf...
Gruss Beat
camelthorn409 Beiträge · seit 200901. Jan. 2010 · #31
Wenn ich die, zugegeben, anregende Diskussion zum Chinathema so en block lese, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich kaum ein Beitragsschreiber mal die gedankliche Muehe gemacht hat, die eigene empoerte Sicht einmal umzudrehen. Was wuerden Deutsche in Deutschland wohl sagen, wenn die Schweizer beispielsweise fuer Handelsbeziehungen mit Deutschland ihr Basisdemokratieverstaendnis zur Vertragsvoraussetzung machen wuerden oder Bananenhaendler aus Costa Rica den Export nach D an einer Ueberarbeitung der Asylgesetze knuepfen wuerden? Wer wuerde sich denn belehren lassen wollen?
"Der Westen" hat in Afrika immer auch seine Kultur importiert, das ist bekannt. Zu Pioniermissionszeiten, zu Kolonialzeiten und jetzt zu EZ-Zeiten. Selbst die gut gemeinte "good governance" policy ist nichts anderes als den Menschen zu sagen, wie regiert werden sollte. Nicht dass ich die Demokratie westlicher Praegung gering schaetzen wuerde, oder gar Kleptokratien afrikanischer Praegung in irgend einer Weise gutheissen wuerde, aber China hat offenkundig groesseren Respekt vor gewachsenen Strukturen in Afrika. Der einheimischen Kultur schadet es sicherlich weniger, wenn Containerchinesen in grosser Zahl anruecken, in Chinatowns ihre Garkuechen aufmachen und Strassen aufbauen (die sich kein Kleptokrat aufs schweizer Nummernkonto ueberweisen kann)oder Bodenschaetze abbauen und dann ihren Lohn mit nach Hause nehmen, als wenn Westler mittels ueppiger EZ-Gehaelter das Mietpreisnivieau in den Staedten in die Hoehe pushen (und damit eine finanzielle Apartheid befeuern) und mit ihren Zollfreiimportlandcruisern den Automarkt unterminieren und ausserdem Neid entfachen, wo sie nur auftauchen. Gaengige, kaum hinterfragte, Begriffe wie "breit machen" und "einnisten" haben ausserdem einen sehr unschoenen, arroganten Beiklang.
Prost Neujahr!
Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
Wenn ich die, zugegeben, anregende Diskussion zum Chinathema so en block lese, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich kaum ein Beitragsschreiber mal die gedankliche Muehe gemacht hat, die eigene empoerte Sicht einmal umzudrehen. Was wuerden Deutsche in Deutschland wohl sagen, wenn die Schweizer beispielsweise fuer Handelsbeziehungen mit Deutschland ihr Basisdemokratieverstaendnis zur Vertragsvoraussetzung machen wuerden oder Bananenhaendler aus Costa Rica den Export nach D an einer Ueberarbeitung der Asylgesetze knuepfen wuerden? Wer wuerde sich denn belehren lassen wollen?
Niemand möchte sich bevormunden und belehren lassen, aber Du liegst trotzdem falsch, weil Du Vergleiche ziehst, die absurd sind. Bei China und vielen afrikanischen Staaten diskutieren wir nicht über Feinheiten der Demokratie, sondern über grundsätzlich fehlende Demokratie und über die Missachtung elementarer Menschenrechte. Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit einer Diskussion, ob Deutschland Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild einführen sollte oder nicht.
Nicht dass ich die Demokratie westlicher Praegung gering schaetzen wuerde, oder gar Kleptokratien afrikanischer Praegung in irgend einer Weise gutheissen wuerde, aber China hat offenkundig groesseren Respekt vor gewachsenen Strukturen in Afrika.
Das China als "Respekt" auszulegen, halte ich für mehr als blauäugig. China verfolgt einfach nur ohne Rücksicht auf Dritte seine wirtschaftlichen und politischen Interessen. Und wie sollte auch ein Land, das selbst keine Demokratie ist und das selbst die Menschenrechte nicht achtet, andere Länder genau dafür kritisieren? Das wäre völlig lächerlich.
Beste Grüße
Guido
camelthorn409 Beiträge · seit 200901. Jan. 2010 · #33
Werter Guido,
you missed the point. Bei dem was Du als absurden Vergleich bezeichnest ging es mir nicht darum, politische Systeme gegeneinander aufzuwiegen. Mir ging um den Punkt, dass seit Jahrzehnten vornehmlich europaeische Regierungen und in ihrem Gefolge EZ-ler daherkommen und es immer schon besser gewusst haben, wie ein Land zu regieren sei. Die Kroete, sich das immer wieder anhoeren zu muessen, wurde in zahllosen afrikanischen Hauptstaedten lange geschluckt, schliesslich ging es um dicke Schecks. Eigentlich kaum ertraeglich fuer einen stolzen Afrikaner in Fuehrungsposition. Vor allem wenn die Besserwisser aus niedrigeren Positionen kamen und gar noch juenger waren als die zu Belehrenden (natuerlich finden die allermeisten afrikanischen Staatslenker Mugabes Terrorregime zum Kotzen - nur leider sind sie fast ausnahmslos juenger als Bob und wuerden sich zuhause diskredidieren, wenn sie oeffentlich den aelteren Bruder kritisierten). China tut das nicht. Da sind sich die ostasiatische und die afrikanischen Kulturen recht aehnlich. Man mag das Respekt nennen oder oder die Nennung blauaeugig finden. Jedenfalls kommt China nicht besserwisserisch daher, hat nichts zu verschenken und zahlt puenktlich fuer Ware und Leistung. Und das ist erwachsen gewordenen afrikanischen Fuehrungskraeften offensichtlich irgendwie lieber als das dauernde Danke-sagen-muessen. Vielleicht haben sie das als Kind zu Weihnachten auch schon gehasst...
Wie ich.
Camelthorn.
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)