AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200808. Juli 2009 · #101
28. Windhoek - Stadtrundfahrt mit Carsten Möhle Heute wäre eigentlich unser letzter Tag in Namibia gewesen, aber durch die Flugverschiebung hatten wir noch eine Nacht in Windhoek. Zum ersten Mal auf dieser Reise leisteten wir uns ein Frühstücksbüffet. Das Restaurant öffnete für uns ausnahmsweise schon um 7.30 Uhr, statt erst um 8.00, damit wir dort frühstücken konnten. Um kurz nach 8.00 Uhr ging es dann auf Richtung Windhoek - rund 90 km Asphaltstrasse, also keine grosse Sache.
Dort angekommen wollten wir den Wagen an einer Tankstelle von aussen waschen lassen. Irgendwie hatte ich angenommen, dass das eine Sache von maximal 5 Minuten sei. Ich kannte das aus der Türkei: da stand bis vor ein paar Jahren immer einer mit einem Schlauch an der Tankstelle und wusch das Auto von aussen, wenn man das wünschte. Bei PKWs war das eine Sache von ca. 2 Minuten. Hier zog sich das irgendwie in die Länge... wir mussten warten, da noch ein PKW vor uns war. Insgesamt dauerte die Autowäsche eine dreiviertel Stunde!
Anschliessend fuhren wir nach "Bwanapolis" zu Carsten Möhle, wo wir für 11.00 Uhr eine Stadtbesichtigung gebucht hatten. Carsten (den wir beim letzten Winter-Potije kennengelernt hatten) empfing uns freundlich, wir konnten unser Auto bei ihm auf dem Gelände parken. Er wusste, dass unser Flug verschoben wurde und schlug vor, die Stadtrundfahrt auf 14.00 Uhr zu verschieben. In einem schönen Hinterhof mit Garten fragte er, ob wir bereits gefrühstückt hätten und bot uns Kaffee an. Es war eine sehr gemütliche Atmosphäre. Wir erzählten ein wenig von unserer Reise und luden dann alle Wertsachen aus dem Wagen, um erstmal unser Auto abzugeben.
Die Autorückgabe verlief problemlos. Ohne Diskussion hiess es, dass die Kosten für den Ersatzreifen (über 160 Euro) wieder unserer Kreditkarte gutgeschrieben werden würden und auch die Kosten für die Chemietoilette würde er uns wieder gutschreiben, da wir sie nicht benutzt hatten und alle Chemikalien noch da waren. Bobo-Camper übernahm die Taxikosten zurück zu Carsten Möhle. Dort waren mittlerweile eine Reihe von Personen. "Himba-Uwe" schraubte an einem antiken Landrover, jemand der seit einiger Zeit auf einer Farm in Namibia lebt, sass am Frühstückstisch und zwei Reisende gingen mit Carsten eine Route nach Swakopmund durch. Die beiden letzteren hatten eigentlich eine Botswana-Tour geplant und sind jedoch von dort geflüchtet, weil es nur noch geregnet hatte und nicht klar war, wie lange man das Land noch auf den Strassen verlassen konnte. Dort muss es noch heftiger geregnet haben als im Kgalagadi Transfrontier Nationalpark, wo wir gewesen sind.
Um kurz nach 14.00 Uhr starteten wir die Stadtrundfahrt im offenen Landrover. Ich sicherte mir sofort den Beifahrerplatz, denn es war der einzige Platz mit einem Sicherheitsgurt. Auch wenn ich mich fragte, was ein Sicherheitsgurt nutzt, wenn die Seitenwand des Wagens gerade mal aus einer dünnen Kette besteht, das Auto kein Dach hat und mein Mann in schallendes Gelächter ausbrach als ich ihn fragte, wieso das Auto keinen Überrollbügel hätte, falls wir uns überschlagen würden. Angeblich hatte der Wagen (der bei einer der letzten Fahrten in zwei Teile zerbrochen war, aber mittlerweile wieder zusammengeschweisst wurde) frisch den namibianischen TÜV bestanden. Der wirft aber offenbar keinen Blick auf die Reifen, denn die hatten ein Profil was so glatt war wie ein Babypopo.
Wir sassen zu siebt in dem Auto und hinten sah es verdammt eng aus. Ich war froh den Vordersitz für mich zu haben. Die Stadtrundfahrt führte am ältesten Gebäude Windhoeks vorbei auf den berühmtberüchtigten Lovershill, von dem aus es eine gute Aussicht auf die Stadt gab, weiter zur Christuskirche und der Reiterstatue, zum Parlament, durch das Schwarzenviertel Katutura und auf einen weiteren Aussichtspunkt am Ende der Reise. Carsten hat eine unterhaltende Art die Geschichte auf seine Weise zu erzählen. Ausserdem schien er die Hälfte der Bevölkerung zu kennen - in jeder Strasse grüsste irgendjemand. Ich glaube mit diesem annähernd 50 Jahre alten Gefährt ist er mittlerweil ein "Original" in dieser Stadt. In Katutura sprangen eine Reihe Kinder auf den Wagen. Das war auch recht lustig. Dann kam der schlimme Teil... er steuerte den Wagen auf einen Hügel zu, auf den man zwar irgendwie hoch konnte, aber ich würde sagen, dass es keine wirkliche Strasse gab. Noch nie hatte ich eine solche Schräglage des Autos erlebt (und das bei einem Wagen ohne Seitenwand). Über eine Strecke voller grober Felsen kämpfte sich der Landrover auf den Hügel. Ich sah uns schon irgendwo in den Abgrund stürzen und war vor Angst so paralysiert, dass ich gar nicht mehr ans Fotografieren gedacht habe (und das will bei mir was heissen). Wer hätte gedacht, dass ich die schlimmste Offroadstrecke meines Lebens ausgerechnet auf einer Stadtrundfahrt in Windhoek erlebe. 🤩
Auf dem Hügel gab es einen Sundowner, die Strecke nach unten war zwar auch heftig, aber weniger schlimm als die Auffahrt. Zurück nach Bwanapolis, wo wir erst nach Einbruch der Dunkelheit ankamen. Mein Mann war sehr angetan von der Stadtrundfahrt, mir hatte es ebenfalls gefallen, obwohl mir immer noch der Schock der Offroadtour auf den Hügel in den Gliedern sass. Sollten wir wiedermal nach Namibia kommen, dann würden wir die längere Rundfahrt mit Carsten nach Katutura buchen.
Carsten fuhr uns samt Gepäck noch in das Safari Court Hotel, in dem uns Air Namibia für die letzte Nacht einquartiert hatte. Meine Güte war das ein Luxus-Schuppen nachdem wir nun vier Wochen Camping gemacht hatten. Die Zimmer waren riesig, ich hätte dem Hotel 5 Sterne gegeben, es hatte allerdings nur vier. Das Abendessen wurde (inkl. Getränke) von Air Namibia übernommen und stellte alle anderen Büffets, die wir auf dieser Reise erlebt hatten in den Schatten. Eine unglaubliche Auswahl von gutbürgerlich bis exquisit. Ob Kudubraten oder Austern und Lachs - es gab einfach alles. Als ich später gesehen hatte, dass das essen umerechnet gerade mal 19 Franken kosten würde konnte ich es kaum glauben. Wenn ich wiedermal in Windhoek übernachten sollte wäre das definitiv meine Adresse!
Chrigu7'267 Beiträge · seit 200608. Juli 2009 · #102
Australienfan schrieb:
Dann kam der schlimme Teil... er steuerte den Wagen auf einen Hügel zu, auf den man zwar irgendwie hoch konnte, aber ich würde sagen, dass es keine wirkliche Strasse gab. Noch nie hatte ich eine solche Schräglage des Autos erlebt (und das bei einem Wagen ohne Seitenwand). Über eine Strecke voller grober Felsen kämpfte sich der Landrover auf den Hügel. Ich sah uns schon irgendwo in den Abgrund stürzen und war vor Angst so paralysiert, dass ich gar nicht mehr ans Fotografieren gedacht habe (und das will bei mir was heissen). Wer hätte gedacht, dass ich die schlimmste Offroadstrecke meines Lebens ausgerechnet auf einer Stadtrundfahrt in Windhoek erlebe. 🤩
Ich hoffe Carsten hat Euch auch erzählt, dass dies die Teststrecke für unser Büssli war. Ich musste viermal da rauffahren. Wobei das erste mal recht stressig war und nicht so viel Spass gemacht hat. 🙂
Herzliche Grüsse Chrigu
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lisolu886 Beiträge · seit 200708. Juli 2009 · #103
.. wobei Carsten aussieht als ob er sehr viel Spaß dabei hatte.
Danke Tatjana, für Deinen ausführlichen Bericht und Deine schönen Bilder. Daraus wird bestimmt wieder ein dickes Fotobuch, oder ?
LG lisolu
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200809. Juli 2009 · #104
29. Heimflug Der endgültig letzte Tag unserer Reise. Morgens gab's noch mal ein tolles Frühstücksbüffet. Der Flug war auf 10.55 Uhr angesetzt und wir fuhren sehr zeitig (um 7.00 Uhr) mit dem Taxi zum Flughafen. Da ich teilweise erschreckende Sachen über einige Taxifahrer in Windhoek gehört hatte und unter gar keinen Umständen riskieren wollte, dass wir am allerletzten Tag noch ausgeraubt werden, fuhren wir mit einem Fahrer, den Carsten uns am Vortag organisiert hatte.
Am Flughafen hatten wir dann reichlich Zeit. Das Einchecken und die Sicherheitsmassnahmen gingen relativ schnell. Die "neuen" Sicherheitsmassnahmen, die weltweit nach dem "11. September" eingeführt wurden, wie dass keine Flüssigkeiten mit in die Kabine genommen werden dürfen, werden seit ein paar Wochen (!) nun auch hier angewandt.
Der Flughafen ist ziemlich klein - kein Wunder bei ca. 10 Flügen pro Tag. Da bin ich anderes gewohnt. Mein Elternhaus liegt unter der Warteschleife des Frankfurter Flughafens - da starten und landen die Flieger im 2-Minuten-Rhythmus. Es gab hier auch nur eine einzige grosse Wartehalle für alle Gates und nur einen Duty Free Shop. Da uns der Amarula sehr geschmeckt hat beschlossen wir noch ein paar Flaschen davon mit nach Europa zu nehmen. Wir hatten auch überlegt, ob wir sie bereits vorher im Supermarkt kaufen sollten (gut möglich dass sie da billiger sind als am Duty Free) - aber der Vorteil, wenn man sie am Duty Free kauft ist, dass sie nicht zu den 20 kg Gepäck zählen, die man einchecken darf sondern dass man sie zusätzlich mitnehmen kann. Und eine Flasche wiegt bestimmt 1,5 kg. Wir diskutierten, dass Amarula eigentlich auch ein perfektes Mitbringsel ist. Ich bin kein Fan von diesen landestypischen Souvenirs von Handwerksmärkten, die man in der Verwandtschaft verteilt. Das sind in meinen Augen nur "Rumsteher" und "Staubfänger". Insbesondere wenn man sie geschenkt bekommt und keinen persönlichen Bezug dazu hat, weil man selbst gar nicht in dem Land war. Daher kaufe ich normalerweise nie Souvenirs. Ein Amarula hingegen scheint mir das perfekte Souvenir. Kurzentschlossen besorgten wir 8 Liter davon.
Unsere Maschine startete mit über einer Stunde Verspätung, was mich ziemlich ärgerte. Jetzt haben die hier schon nur einen Flieger pro Stunde und schaffen es trotzdem nicht pünktlich abzuheben? Der Flug kam mir relativ lang vor. Als Tagesflug war an Schlaf nicht zu denken und das Entertainmentprogramm an Bord war nicht der Rede Wert. Vor der Landung hiess es, es gäbe "Thunderstorms" in Frankfurt, aber die Landung war trotzdem sanft. Da wir erst gegen 23.00 Uhr landeten war an eine Fahrt in die Schweiz nicht mehr zu denken, Air Namibia hätte uns eine Nacht im Steigenberger spendiert, aber wir zogen es vor bei meiner Mutter, die 20 km vom Frankfurter Flughafen entfernt lebt, zu übernachten. Meine Schwester hatte uns per SMS angeboten, uns abzuholen und wir teilten ihr mit, dass wir jetzt gelandet wären. Dann kam der Zoll. Natürlich war uns klar, dass wir mit 8 Litern Amarula nicht durch den grünen Bereich gehen können. Also zum roten und brav erklärten wir, dass wir 8 Liter Amarula dabei hätten. Der Zöllner lächelte: "Oh, Amarula, der ist lecker!". Ich hatte geglaubt, dass wir für alles was über der Freigrenze liegt einfach die deutsche MWSt nachzahlen müssen, das wären ca. 2 Euro pro Flasche. Leider war dem nicht so, sondern es kam in der Tat eine Zollgebühr dazu. Die positive Nachricht war, dass wir 2 Liter pro Nase frei hatten (weil der Alkoholgehalt unter 22% lag). Aber für die restliche Menge mussten wir pro Flasche 6,80 Zoll bezahlen.
Um 0.40 Uhr kam meine Schwester und holte uns ab. Sie hatte die Landung der Maschine im Internet verfolgt und sagte, unsere Maschine sei eine der ersten, die wieder in Frankfurt gelandet wäre. Alle Maschinen vorher seien wegen eines Gewittersturms auf irgendeinen anderen sehr weit entfernten Flughafen umgeleitet worden. Jetzt war ich froh, dass wir eine Stunde Verspätung hatten. Wären wir in Windhoek pünktlich geflogen, wären wie wesentlich später angekommen, da wir dann gar nicht in Frankfurt gelandet wären. Um 1.00 Uhr waren wir bei meiner Mutter - und blieben noch bis 3.30 Uhr auf, verschenkten die ersten beiden Amarulas und erzählten von unserer ersten Namibia-Rundreise.
Am nächsten Tag ging's mit dem ICE in die Schweiz (ein Teil des Amarula lagert noch bei meiner Mutter, da wir keine Lust haben in der Schweiz noch einmal Zoll zu zahlen nehmen wir ihn jetzt in Raten mit heim).
Danke für den tollen Reisebericht. Genau solche ausführlichen Tagesberichte sind mir am liebsten. Und natürlich sind auch Deine Fotos ausgesprochen schön. Könntest Du ruhig noch ein paar nachlegen. 🙂
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200810. Juli 2009 · #106
Gerne komme ich der Bitte zu noch ein paar Fotos nach...
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200811. Juli 2009 · #110
Ich bekam vergleichsweise viele PMs zu unserem Auto. Daher halte ich es für angemessen jetzt wo der Reisebericht fertig ist auch noch etwas zu dem Wagen zu schreiben. Ich werde dann auch noch ein paar Bilder vom Innenraum einstellen, dass man sich wirklich ein Bild von dem Fahrzeug machen kann.
Unser Auto: DISCOVERER X Meines Wissens ist der Discoverer X bei zwei Vermietern zu haben: Seit 2007 bei Bobo-Campers und seit 2009 bei Asco, wo er den alten Bushcamper ersetzt. Es gibt beim Innenausbau und wohl auch in der Ausstattung leichte Unterschiede. Meine Beschreibung bezieht sich auf die Bobo-Camper-Version.
Beim Preis bin ich mir nicht so sicher, den habe ich versucht möglichst schnell zu verdrängen, aber ich schätze wir haben so rund 150 Euro pro Tag bezahlt. Wir haben über Nature Trekking gebucht, weil wir im Schadensfall eine deutsche Firma als Ansprechpartner haben wollten und keine Firma in Afrika. Wir haben das All-Inclusive-Package genommen, in dem alles abgedeckt ist, inkl. Reifen und Glas. Es gab keinen Selbstbehalt.
Zur Technik: Vom Chassis her handelt es sich um einen Nissan Patrol (Pickup-Version). Auf den Pickup wurde dann quasi eine Wohnkabine gesetzt, die vollkommen geschlossen ist. Es gibt vom Fahrerabteil keinen Zugang zur Wohnkabine. Zumindest bei unserem Exemplar war die Kabine erstaunlich staubdicht. Der einzige Ort wo sich grosse Staubmengen ansammelten war unter der Sitzbank. Da muss es einen Zugang von aussen geben. Der Motor ist ein 4,2 Liter Diesel, es gibt ein Untersetzungsgetriebe aber keine zuschaltbare Differenzialsperre. Der Wagen hat genug Kraft, um auch Sandstrecken problemlos zu bewältigen. Er ist allerdings extrem schwer (Leergewicht 2,5 t - also voll ausgestattet ca. 3 Tonnen). Daher empfehle ich den Wagen nicht für Fahrten im Schlamm. Grobe Steine sowie Sand hingegen waren kein Problem. Mein persönlicher Eindruck (aber ich bin nur wenig gefahren) war, dass das Heck tendenziell leicht ausbrechen kann, ich empfehle ganz klar den Wagen langsam zu fahren. Unser Modell zog von der Spurlage her auch deutlich nach links. Der Wagen ist mit zwei Tanks ausgestattet. Einer fasst 95 Liter, der andere 75 Liter. Die Umschaltung erfolgt per Knopfdruck im Cockpit; dann pumpt eine kleine Pumpe Diesel vom Subtank in den Haupttank.
Zum Verbrauch: Es kommt wohl extrem darauf an, wie man ihn fährt. Ich habe von einigen Forenmitgliedern gehört, dass er 18-22 Liter schluckt und war schon geschockt. Wir sind ihn auf Teerstrassen mit knapp 11 Liter gefahren. Im Gesamtdurchschnitt der Reise haben wir rund 12 Liter pro 100 km verbraucht. Aber wir sind nie schneller als 75 km/h gefahren, meistens lag unser Reisetempo auf Schotterstrassen bei einer Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h. In der von Bobo-Camper herausgegebenen Fahranleitung steht, dass man dem Wagen auf Teerstrassen nicht schneller als 80 km/h und auf Schotterstrassen nicht schneller als 60 km/h fahren soll. Das kommt einem beim Fahren zwar langsam vor und die meisten Leute meinen auch sie haben den Wagen noch unter Kontrolle, wenn sie auf Schotter 80 oder gar 100 fahren - aber sobald etwas unvorhergesehenes passiert ist kommt es dann zum Überschlag. Insofern kann ich nur dafür plädieren, dass man sich durch den guten Zustand der Gravelroads nicht dazu verführen lässt mit 90 km/h zu fahren. Wir haben selbst gesehen, wie es einen Wagen bei dieser Geschwindigkeit auf völlig gerade Strecke wo es keine Hindernisse, keine Tiere und keine Kurven gab, überschlagen hat.
Der Wagen war wie in Namibia üblich mit zwei Reserverädern ausgestattet, was uns ein vergleichsweise sicheres Gefühl auch im Kaokoveld gab.
Es gab in der Fahrerkabine eine Klimaanlage - doch die war nicht der Rede Wert. Jedenfalls hat sie nur mässig gekühlt. Da wir im Winter unterwegs gewesen sind, war das nicht schlimm - im Sommer wären wir mit dieser Klimaanlage ganz sicher nicht zufrieden gewesen. In der Fahrerkabine gibt es einen Sitz für den Fahrer und eineinhalb für den Beifahrer. Das ist also kein Sitz wie in einem normalen Auto sondern eher so eine Sitzbank. Trotzdem war vorne absolut nirgends Platz für meinen Fotorucksack. Ich habe alle Varianten ausprobiert - keine Chance. Aber durch den halben Sitz neben mir konnte ich wenigstens meine beiden Fotoapparate dort ablegen. Der Rest der Ausrüstung war hinten in der Wohnkabine. Dann gab es ein paar Kleinigkeiten, die ich für verbesserungswürdig halte, was den Stauraum im Cockpit angeht. Wieso gibt es keine Taschen oder wenigstens irgend ein Netz an den Innenseiten der Türen? Das wäre so praktisch, um während der Fahrt Karte und Reiseführer zu verstauen. So fliegt alles vorne herum. Wenigstens gab es zwei Getränkehalter.
Ich werde in einem weiteren Beitrag noch ausführlich über die Innenausstattung schreiben.
janet1'419 Beiträge · seit 200912. Juli 2009 · #111
Hi,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und die tollen Fotos! 🙂
Was mich interessieren würde, wäre wie die Bilder vor der Bildbearbeitung mit Photoshop ausgesehen haben ... und zwar die Rohlinge 😉 Mir ist klar dass das hier kein Fotoforum ist, aber ich denke das dürfte einige interessieren^^
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200812. Juli 2009 · #112
Hi Janet
Es freut mich, dass Dir die Bilder gefallen.
Was die Bearbeitung angeht: bei manchen Bildern sieht man kaum einen Unterschied, bei manchen stärker, bei ganz wenigen greife ich auch wirklich manipulierend in den Bildinhalt ein, wenn ich dadurch mehr Freude an dem Foto im Fotobuch habe.
Die am aufwendigsten nachbearbeiteten Bilder sehen übrigens meistens ganz harmlos aus. Von allen Bildern, die ich bislang in diesem Reisebericht online gestellt habe, habe ich mit Abstand am meisten an diesem hier (Wohnkabine Discoverer X) nachbearbeitet. Ich schätze für das habe ich rund 15 min Nachbearbeitungszeit gehabt:
SCschawitti62 Beiträge · seit 200912. Juli 2009 · #114
Hallo Australienfan (der ich auch bin:) ), auch ich schließe mich den anderen Fomis an: einen tollen Bericht mit wunderschönen Bildern hast Du da ins Forum gestellt. Wir haben für unsere Reise im Dezember ´ne ganze Menge Anregungen bekommen... Kannst Du vielleicht noch etwas zu den Schlafplätzen im Camper sagen ? Gibt es oben ein Doppelbett (wie breit ungefähr?)oder kann man auch die Sitzbank zu einem Bett umbauen ? In Deinem Bericht habe ich außerdem gelesen, dass Du das Foto-Permit für Kolmanskop vorab in Lüderitz bestellt hast, könntest Du mir vielleicht die Kontaktadresse (email) geben ? Wir haben versucht über Lüderitzsafaris anzufragen, aber bisher keine Antwort bekommen. Vielen Dank schon mal. Gruß schawitti
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200813. Juli 2009 · #115
@Janet Es gibt kein Original. Die Frage ist, wie Du ein Original definierst. Jedes Bild ist immer nur eine Interpretation der Rohdaten, die der Sensor aufnimmt. Diese Rohdaten werden je nach dem in der Kamera eingestellten Bildstil bereits bearbeitet (da kann man Sättigung, Kontrast u.s.w. definieren). Das heisst Du kannst mit ein und derselben Kamera das gleiche Bild 5x mit unterschiedlichen Bildstilen aufnehmen - und hast 5 völlig verschiedene Ergebnisse. So viel nur zu dem weit verbreiteten Gerücht, dass das Original immer dem entspricht, was man gesehen hat.
Es kommt immer auf die Interpretation der Daten an. Ich habe in meiner Kamera programmiert, dass diese gar nicht in das Bild eingreifen soll (weil sonst für alle Fotos die gleiche Interpretation gewählt wird und genau das will ich nicht, ich will jedes Bild individuell interpretieren können). Meine Fotos haben also beim Aufnehmen deutlich weniger Farbe als die meisten Bilder von anderen Leuten, bei denen bereits die Kamera die Bilder "bearbeitet". Die meisten Personen wissen nur nicht, dass die Kameras standardmässig bearbeitete Bilder ausgeben, die bereits in Sättigung, Kontrast und Schärfe nach einem vordefinierten Algorithmus von der Software des Fotoapparats nachbearbeitet wurden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Belichtungszeit. Ein Himmel kann von weiss bis tiefblau variieren, je nachdem mit welcher Belichtungszeit ich eine Szene aufnehme. Würde ich bei der von Dir gezeigten Klippschlieferaufnahme die von der Kamera vorgeschlagene Belichtungszeit wählen, hätte ich folgendes Ergebnis: http://tatjana.ingold.ch/tat/div/klipp-normal.jpg
Du siehst am Himmel, dass der Helligkeitswert absolut von der Belichtungszeit abhängt. Jetzt ist es so, dass das menschliche Auge wesentlich mehr Kontrastumfang hat als ein Fotoapparat. (Keine Ahnung wie man das misst, aber ich habe Werte gelesen vom Auge was angeblich einen Kontrastumfang von 1:1'000'000 schafft, während der Fotoapparat bei 1:4096 am Limit ist). Das heisst, wenn der Fotoapparat etwas dunkles sieht, dann werden gleichzeitig alle hellen Sachen viel zu hell dargestellt und umgekehrt. Dieses Manko kann man mit der digitalen Bildbearbeitung ein bisschen ausgleichen. Wenn ich die Belichtungszeit also so einstelle, dass der Himmel gut aussieht, dann ist der Rest des Bildes oft zu dunkel wegen dem Kontrastumfang des Fotoapparats - also muss ich den Rest des Bildes (Klippschliefer und Felsen) nachträglich wieder etwas aufhellen, um diesen technischen Mangel auszugleichen.
Ein weiterer Aspekt ist der Weissabgleich. Den kann man an der Kamera einstellen. Je nachdem mit welchem Weissabgleich man fotografiert, erhält man bei dem Bild rote, grüne oder blaue Felsen. Dass die Felsen tendenziell rot sind ist klar, aber ob die Farbtemperatur mit der sie interpretiert werden eher bei 5000 oder 6000 liegt, ist Interpretationssache. Da ist bei dem Bild eine Spannweite von einer Farbtemperatur zwischen 4000 und 7500 K. Meine Kamera, die wie gesagt so eingestellt ist, dass sie keine Interpretationen macht, empfiehlt eine Farbtemperatur von 4500 K. Dann sieht das Bild so aus:
Wenn ich das Bild jedoch in einem anderen Modus aufnehme, so dass die Werte etwas anders interpretiert werden und eine automatische Korrektur des Weissabgleichs stattfindet, landet der auf einmal bei 7500 und haargenau das gleiche Bild sieht so aus:
Also noch einmal: Es gibt kein Original. Du kannst die gleiche Szene von 10 Kameras fotografieren lassen und hast 10 unterschiedliche "Interpretationen" (ausgehend vom Bildstil der jeweiligen Kameraeinstellung) von der Szenerie, die ganz erheblich voneinander abweichen können. Ich habe das schon auf Gruppenreisen ausprobiert, wenn mehrere Leute mit unterschiedlichen Kameras das gleiche fotografiert haben. Es geht natürlich auch mit einer Kamera, wenn man die Bildstile (so nennt Canon das neuerdings) verändert. In der Bildbearbeitung mache ich also (weitestgehend) nichts anderes als das was alle Kameras intern tun, nämlich festzulegen, wie die einzelnen Daten interpretiert werden. Nur eben individuell pro Bild und nicht einfach ein Algorithmus für alles 😉
@Rest Ich schreibe demnächst noch was zum Innenraum vom Camper und liefere noch weitere Bilder nach.
Hier übrigens nochmal meine Interpretation zum Verlgleich:
janet1'419 Beiträge · seit 200913. Juli 2009 · #116
Hi Tatjana,
vielen lieben Dank für Deine so ausführliche Antwort und die Mühe! 🙂
Das mit den vielen unterschiedlichen Modi (die eigentlich ja nur die Blende bzw Belichtungszeit ausmachen) habe ich auch schon durchprobiert, es ist wirklich verblüffend welch unterschiedliche Ergebnisse da rauskommen.
Das mit dem Nicht-Eingreifen der Kamera ist denke ich wirklich die cleverste Lösung. Vielen Dank für diesen Tipp! Nun muss ich nur noch schauen dass ich diese Einstellungen an meiner Cam bis zum Urlaub finde 😉
Das hast Du wirklich super anschaulich erklärt. Respekt!
Wir fotografieren ebenfalls in RAW und bearbeiten hinterher, denn ich möchte mir nicht von einem Mitarbeiter von Canon, Nikon und wie sie alle heißen, vorschreiben lassen, wie die fotografierte Szenerie aussah. Bearbeitet ist sowieso jedes Foto.
AustralienfanThemenstarter265 Beiträge · seit 200813. Juli 2009 · #118
Ja, wenn die Kamera RAW unterstützt, kann ich nur empfehlen, damit zu fotografieren. Ich habe leider die ersten paar Jahre nicht mit RAW fotografiert (bin 2002 in die Digitalfotografie eingestiegen und habe damals 1000 (!) Euro für 2 GB Speicherkarten bezahlt, da haushaltet man dann mit dem Platz). Heute reut mich jedes Bild was ich nur in JPG und nicht in RAW habe.
Was die Bildstile angeht: die heissen bei jeder Kamera anders. Canon nennt sie Bilstile. Ich fotografiere entweder in "Standard" oder in "Natürlich", bei beiden wird vergleichsweise wenig ins Bild eingegriffen.
Kriwan323 Beiträge · seit 200713. Juli 2009 · #119
Australienfan schrieb:
Erstmal Danke für das Feedback... ich dachte schon, dass gar niemand den Beitrag liest und war schwer am Überlegen, ob ich mir die Mühe machen soll und weiter schreiben...
Kannst Du Dich noch daran erinnern? Also zu Deinem Reisebericht: Das Beste, was ich zuletzt so als Reisebericht gelesen habe! Nicht nur ein Reisebericht, auch Hintergrundinfos zum Fahrzeug und zu Deinen Fotos. Allererste Sahne! Kompliment. Ich wähle Deinen Beitrag zum "Reisebericht des Jahres" 😉 Wann fliegst Du wieder? Wann geht es weiter? Gruß Wolfgang
Erstmal Danke für das Feedback... ich dachte schon, dass gar niemand den Beitrag liest und war schwer am Überlegen, ob ich mir die Mühe machen soll und weiter schreiben...
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