Ernährungssituation

71 Antworten · 20,9k Aufrufe · gestartet 22. Apr. 2008 von Volker
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Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #1
Hallo,

eröffne zu diesem Thema mal einen neuen Thread, dürfte etwas länger aktuell bleiben.

Als Einstieg zur Diskussion die Ansichten eines Rohstoff"gurus" - bei mir krausen sich die Nackenhaare beim Lesen einiger Passagen, völlig am "Leben" vorbei argumentiert:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,548873,00.html
Bye bye Forum
zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2008
48 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #2
Die Argumentation ist vollkommen korrekt, ich empfehle Dir die Lektüre eines Buchs zu den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre.
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Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #3
Hallo Frank,

ich habe so etwas mal studiert und das Examen auch bestanden - möchte damit aber nicht protzen. Das Studium hat mich auch nicht vom selbstständigen Denken abhalten können...

Für Entwicklungshilfeländer gelten andere "Gesetze", ich empfehle die Autoren Muhammad Yunus und Amartya Sen, wobei der zweite Autor etwas schwieriger zu lesen ist. Oder lies mal allgemein etwas zu Wettbewerbspolitik und Zoll-/Subventionspolitik.

Nur folgender Gedankenanstoß: was hilft es dem Bauern/Erzeuger in der Dritten Welt, wenn nicht er, sondern die Handelsstufen dazwischen, i.d.R. nicht in den Entwicklungsländern angesiedelt, von den höheren Preisen am Weltmarkt profitieren? Und nebenbei verhungern Millionen von Menschen, weil sie die - nicht gedeckelten - Preise nicht mehr zahlen können...

Nicht überall führt die freie Marktwirtschaft zu einer Erhöhung des allgemeinen Wohlstands - definiert auch über die Ernährungssituation und weniger an so tollen Größen wie Bruttoinlands-/sozialprodukt, Inflation, Arbeitslosenquote...
Bye bye Forum
zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2008
1'927 Beiträge · seit 200822. Apr. 2008 · #4
Frank01 schrieb:
Die Argumentation ist vollkommen korrekt, ich empfehle Dir die Lektüre eines Buchs zu den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre.
...guter Tipp.

Allerdings genügt mir auch mein Abendspaziergang über die Dörfer meiner Heimat.

Der erste Bauer ist unermüdlich mit dem Bau von Photovoltaikanlagen beschäftigt, die brüchigen Holzscheunen ächzen schon unter der Dachlast...

Der zweite baut schon Monate am Wehr seines Baches Steighilfen für Lachse und Flusperlmuscheln weil es momentan enorme EU-Zuschüsse gibt...

Der dritte schmollt, weil Ihm die Biodieseldiskussion vermutlich einen Strich durch seine (Subventions)-Rechnung macht und der Arme seine Feldfrüchte wieder als gemeines Nahrungsmittel verkaufen muß.....

Gruß
Peter
48 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #5
Volker schrieb:
Für Entwicklungshilfeländer gelten andere "Gesetze",

Genau das ist der Denkfehler der immer wieder gemacht wird. Es gelten auch in Entwicklungsländern genau die selben ökonomischen Zusammenhänge wie sonstwo auch. Genau deswegen haben ja die Armen momentan unter den hohen Preisen zu leiden. Diese sind nämlich vor allem auf staatlich Eingriffe (Förderung von Biosprit, Flächenstillegungsprämien etc.) zurückzuführen und nur zu einem geringen Teil auf erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln. Nur: staatliche Eingriffe sind genau das Gegenteil von freier Marktwirtschaft. Wenn man jetzt noch mehr eingreift und die Preise deckelt wird sich die Lage noch verschärfen, weil dann kein Anreiz zu höherer Produktion besteht die Preise dann nicht über den Markt reguliert (sprich: nach unten korrigiert) werden.
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zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2008
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #6
aja, deswegen haben wir auch innerhalb von wenigen Monaten weltweit wieder einen Milchsee - weil die Abgabepreise für Bauern in Deutschland temporär hochgesetzt wurden. Glaubst Du noch an den Weihnachtsmann? Im Ernährungssektor kränkelt es neben der Subventionspolitik v.a. an der "Macht"verteilung zwischen Erzeugern und Abnehmern: viele Kleine, immer weniger Große. Das führt tendenziell zu einem Nachfrageoligopol auf Nachfrageseite (auf Stufe der Weiterverarbeiter) - und auf Endverbraucherseite wieder die vielen Kleinen. Sehr schön, das sollten wir uns alle nicht wünschen...

Und solange sich der Markt - sprich die Gewinnverteilung - nicht reguliert hat, verhungern die Leute ohne Lobby...
Bye bye Forum
zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2008
1'910 Beiträge · seit 200622. Apr. 2008 · #8
Da wird breit gestreut eine Knappheit medienträchtig verkündet, andernorts werden Tonnen von Lebensmitteln aller Art im Meer versenkt um die Preise stabil zu halten.
Dass es Knappheiten bei den genannten Getreidesorten giebt ist schon richtig, dafür sind andere im Überschuss in Lagern... genau zur Zeit wird Milch wegen totalem Überschusses ausgegossen, so war es schon mal, aber die Ach so dollen Politiker bringen es nicht fertig diese in Regionen zu verbringen wo sie gebraucht wird, neee es geht um nen stabilen Preis, ist aber nur meine Meinung dazu.
Gruss, der K l a u s Nicht behindert zu sein ist ein Geschenk, welches einem schnell genommen werden kann....... In einem Augenblick! ...... Wer einen Fehler macht und ihn nicht korrigiert, begeht schon den zweiten...
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200722. Apr. 2008 · #9
ja, es geht sowohl um (Um-)Verteilung und auch Anreizsysteme. Und da ist man auch ganz schnell bei den Verfehlungen der "klassischen" Entwicklungshilfe angelangt...
Bye bye Forum
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200723. Apr. 2008 · #11
Wen das Thema Steigende Lebensmittelpreise näher interessiert - Spiegel Online hat mittlerweile eine eigene Rubrik eröffnet:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,k-7320,00.html
Bye bye Forum
48 Beiträge · seit 200723. Apr. 2008 · #12
Volker schrieb:
Wen das Thema Steigende Lebensmittelpreise näher interessiert - Spiegel Online hat mittlerweile eine eigene Rubrik eröffnet:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,k-7320,00.html
Mal sehen welche Sau dann nächste Woche durchs Dorf getrieben wird.
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Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200723. Apr. 2008 · #13
Ich persönlich glaube nicht, dass das Thema so schnell in Vergessenheit gerät - da gibt es noch viel zu schreiben und noch mehr zu tun...
Bye bye Forum
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200707. Mai 2008 · #15
Die ganze "Ohnmacht" der WTO (World Trade Organization):

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,552082,00.html

und ein weiterer Beleg dafür, dass die "Wirtschafts"welt weit davon entfernt ist, eine weltweite Ernährung sicher zu stellen...
Bye bye Forum
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200704. Juni 2008 · #18
Nachrichten vom Welternährungsgipfel in Rom - hoffentlich kommt nach drei Tagen mehr raus als Ahmadinedschads Angriffe gegen Israel und Meldungen über prügelnde Mugabe Bodyguards:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,557545,00.html
Bye bye Forum
Gast04. Juni 2008 · #19
Moin zusammen.
Wie Entwicklungshelfer den Tod nach Afrika bringen

Wo kommerzielle Landwirtschaft funktionierte, wie in Simbabwe, Südafrika oder Namibia, wird sie hingegen durch die Vertreibung der weißen Siedler zerstört. Die namibische Landreform wird dabei ironischerweise sogar mit deutschen Steuergeldern finanziert. Bald werden auch diese Länder am Tropf des Rests der Welt hängen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551508,00.html

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Gruß, Michael
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200704. Juni 2008 · #20
Dann nicht nur auf die afrikanischen Politiker schimpfen.

Wenn Du als deutscher Steuerzahler ein Problem mit der Art der deutschen Entwicklungshilfe hast, kannst Du das auch gerne in einem Schreiben an die entsprechenden politischen Stellen artikulieren - bringt vielleicht mehr, als hier immer nur über die (zugegebenermaßen überwiegend) korrupten schwarzen Politiker zu referieren...
Bye bye Forum