NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202323. Juli 2025 · #181
Fortsetzung
Während wir es uns in Ababis gutgehen ließen, meldete sich unsere Reiseagentur mit der Anfrage, ob wir mit einem Upgrade in Swakopmund einverstanden wären. Unser Guesthouse sei überbucht, und man böte uns ein Zimmer im Strandhotel an. Guesthouse gegen Hotel klingt für mich leider gar nicht nach Upgrade. Aber ehrlich gesagt – die Lust, mich an so einem schönen Ort und in der Gesellschaft von echten Charakterköpfen, mit Unterkunfts-Recherchen zu beschäftigen, hielt sich gewaltig in Grenzen. Auch auf lange WhatsApp-Konversationen hatte ich keine Lust. SIM-Karten hatten wir übrigens auch noch nicht organisiert – das hat sich bisher einfach nicht ergeben. Da wir ohnehin nur eine Nacht in Swakop bleiben würden, entschieden wir: Augen zu und durch. Lass sie machen – wird schon okay sein. Unsere Agentur hat vergessen uns die Adresse mitzuteilen und ich habe tiefenentspannt von der Ababis-Luft nicht daran gedacht, nachzufragen. Kurz vor unserer Abreise, haben wir deshalb online die Adresse vom Beachhotel gesucht.
Schwer zu finden war es nicht. Aber meine Güte, das ist ja ein echter Betonpunker. Genau die Art Unterkunft die wir, um jeden Preis im Urlaub zu vermeiden versuchen. Ich bin wirklich enttäuscht. Wie dumm von mir, so einem Blind Date zuzustimmen. Auch wenn es nur für eine Nacht ist. Ich habe so viel Zeit und Mühe in meine Unterkunftssuche gesteckt.
Es fällt uns schwer zu glauben, dass uns dies hier als Upgrade angedreht wurde. Wir denken, dass es vielleicht noch ein anderes Beachhotel gibt und wir nur die falsche Adresse haben. Anrufen wäre jetzt nicht schlecht, aber ohne SIM-Karte… Wir beraten uns und entscheiden zum Guesthouse zu fahren, um dort nach der richtigen Adresse zu fragen.
Gesagt getan: Die schicken uns aber allen Ernstes wieder zum Betonpunker zurück. Meine eh schon angeknackste Laune verabschiedet sich in den Keller.
Wie auf Bestellung versperrt uns jetzt ein großer Reisebus mit seinen dazugehörigen Gästen und Koffern die Zufahrt zum Parkplatz. Wenn du denkst: Schlimmer geht nimmer, kommt garantiert ein Bus ins Spiel.
Am Check-in Schalter befindet sich eine endlose Warteschlange, die die ganze Lobby verstopft. Ich bin schon dermaßen im Schlechte-Laune-Modus, dass auf meiner Stirn geschrieben steht: Vorsicht bissiger Hund.
Allerdings hat der Reiseleiter der Gruppe Erbarmen mit uns und bittet uns nach vorne. Das finde ich richtig nett. Verbessert meinen Gemütszustand aber nicht exorbitant.
An der Rezeption hämmert der Angestellte in seine Tastatur und schüttelt den Kopf. Er findet unsere Buchung nicht und möchte unser Voucher sehen. Wir haben keines und erklären ihm die Umbuchung vom Guesthouse aufs Strandhotel. Wir zeigen ihm die WhatsApp. Jetzt klingelt es bei ihm: Er hebt den Kopf und erklärt uns, dass dies das Beachhotel ist. Das Strandhotel sei ganz wo anders.
Hört ihr wie der Stein von meinem Herzen plumpst: Hurra, wir müssen hier nicht bleiben. Der nette Mann erklärt uns noch den Weg und dann sprinten zwei Deutsche wie von der Hummel gestochen aus der Lobby.
Dank der guten Wegbeschreibung finden wir das Hotel ohne weitere Umwege. Es präsentiert sich zwar rein äußerlich auch als Betonbunker, überrascht uns aber mit einem stilvollen Innenleben und mit bester Strandlage. Die Aussicht vom Zimmer aufs Meer ist wirklich traumhaft.
Allen voran versöhnt uns aber das zuvorkommende, freundliche und hilfsbereite Personal mit unserer ersten Enttäuschung. Unser Auto wird für uns geparkt und unser Gepäck direkt ins Zimmer gebracht. Der Service lässt schon mal keine Wünsche offen.
Die fehlende Sim- Karte nervt uns mit jedem Tag ein bisschen mehr. Heute wollen wir diesen Zustand endlich ändern und machen uns auf die Suche nach einem Anbieter.
Vor ein paar Tagen wehte der Ostwind durch Swakopmund und brachte ein wahres Backofen-Klima mit. Bei der Gluthitze fühlt sich unser Marsch zum SIM-Laden wie eine nicht enden wollende Marathon Strecke an. Wir schwitzen uns den Wolf. Vor der Little-Desert-Tour morgen haben wir jetzt schon eine gute Portion Ehrfurcht.
Irgendwann haben wir die Strecke geschafft. Der Wartebereich ist aber bumsvoll und die Uhr läuft gnadenlos Richtung Ladenschluss. Wir fürchten schon unverrichteter Dinge wieder weggeschickt zu werden. Doch nach 45 Minuten Sitzen und Schwitzen sind wir an der Reihe. Die Mitarbeiterin ist ein echter Lichtblick: freundlich, hilfsbereit und mit einem Lächeln im Gesicht. Sie setzt sogar die SIM-Karten noch für uns ein. Das nenne ich Engagement so kurz vor Feierabend. Nach uns wird die Tür zackig abgeschlossen – und endlich erwacht unser Handy wieder zum Leben.
Das Cafe Anton liegt auf unserem Rückweg und bettelt förmlich darum, dass wir uns in den Schatten setzen und uns ein Becherchen Eis gönnen. Diesen Ruf können wir doch nicht einfach ignorieren. Wir bestellen und je drei Kugeln, die aber so riesig sind, dass wir den Kampf gegen den Eisberg verlieren. Die Portion ist nicht zu schaffen. Der Gaumenschmaus erinnert stark an Fürst Pückler aus der Tiefkühltruhe. Aber nach unserem Hotel-Desaster heute und der Jagd nach einer SIM-Karte, ist das ja wohl Jammern auf hohem Niveau.
Zurück im Hotel haben wir im Grunde nur noch Zeit zum Duschen und einen kleinen Sundowner- Strandspaziergang. dann müssen wir uns schon wieder auf den Weg machen, weil wir im Old Steemer einen Tisch reserviert haben. Diesbezüglich war unser Kampf mit dem Eisberg auch nicht unbedingt unsere Beste Idee des Tages.
Im Restaurant wird uns unser Tisch zugewiesen. Es ist doch wie verhext. Neben uns an einer langen Tafel, sitzt eine Reisegruppe die sich angeregt und lautstark unterhält. Habt ihr etwa etwas anderes erwartet?
Die Leute denken nicht im Traum daran, dass wir uns vielleicht auch gerne unterhalten würden, ohne uns über den Tisch anschreien zu müssen, damit unsere Worte am Ohr unseres Gegenübers ankommen.
Die Manieren der Tafel-Ritter am Nebentisch bieten allerdings beinahe schon wieder eine Show. Es sind kleine, zierliche Gäste, aber sie holen sich Portionen vom Buffet, dass mir die Gesichtszüge einfrieren. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, muss sehen, ob sie das alles stehen lassen, oder tatsächlich essen. Ich staune nicht schlecht, die leeren ihre Teller und machen sich fünf Minuten später, scheinbar ausgehungert ein weiteres Mal auf den Weg zum Buffet. Die zweite Portion ist genauso groß und es kommt sogar noch eine dritte Runde dazu.
Ich bin fassungslos, sowas habe ich noch nicht gesehen. Echt jetzt, wo lassen die das? Neeein, die haben das Essen nicht etwa eingepackt, sondern wirklich geschluckt. Und als hätten sie Angst beim dritten Gang vielleicht leer auszugehen, wird das Fleisch nicht erst zeitaufwändig geschnitten, sondern auf die Gabel gespießt und gleich abgebissen. Ich bin davon überzeugt: das sind gar keine Asiaten, sondern Wikinger im Asiaten-Kostüm.
Tatsächlich bin ich viel zu sehr mit Beobachten beschäftigt, um selbst zum Essen zu kommen. Da bekommt doch die Redewendung: „Das Auge isst mit“ eine ganz neue Bedeutung. Was uns hier aus nächster Nähe geboten wird, ist zwar ein wenig eklig, aber zugleich höchst unterhaltsam. Das ist die reinste Reality Dinner Show – und die verdient es definitiv, erzählt zu werden.
Satt in jeder Hinsicht, macht sich langsam die Bettschwere breit. Wir verlassen die Gesellschaft der Buffet-Barbaren und nehmen Kurs auf unser Hotel. Der heutige Tag steckt voller Eindrücke, die wir mit in unsere Träume nehmen: Historische Begegnung mit Henno und Hermann, ein Hitzemarathon, eine Stadtrundfahrt mit Hotelbesichtigung und eine Dinnershow die ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Na, dann gute Nacht - und süße Träume, jedenfalls bitte keinen in dem ich an der Gabel hänge.
Logi16,9k Beiträge · seit 201223. Juli 2025 · #182
Falls es Dir ein Trost ist: Ihr seid nicht die Einzigen, die ein Opfer der Verwechselung Strandhotel / Beachhotel werden.
Pro Swakopmund Aufenthalt werden wir mindestens 1x Zeugen, wie Leute das richtige Etablissement suchen.
LG Logi
TinuHH898 Beiträge · seit 201623. Juli 2025 · #183
Ich kann Euren Frust über den Beton-Bunker incl. der Bus-Armada sehr gut nachfühlen 😵 ! Auch wir versuchen unsere Unterkünfte mittlerweile auch hinsichtlich der potentiellen Möglichkeit eines Überfalls durch Bustouristen zu wählen. Klein und gemütlich, lieber eine etwas mühevolle Anfahrt. Auf unserer erste Reise nach Namibia wurden wir auch in Swakopmund umgebucht, allerdings war der Grund keine Überbuchung, sondern leichte Verzögerungen bei der Fertigstellung des Umbaus unseres Hotels. Kennen wir ja zur Genüge aus dem heimischen Umfeld. Allerdings wurden wir zum Swakopmund Hotel umgebucht, was nun wirklich ein großer Schritt auf der Leiter nach oben war.
Danke für den kurzweiligen Reisebericht! Ich freue mich auf weitere Erlebnisse!
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202323. Juli 2025 · #184
Logi schrieb:Falls es Dir ein Trost ist: Ihr seid nicht die Einzigen, die ein Oper der Verwechselung Strandhotel / Beachhotel werden.
Pro Swakopmund Aufenthalt werden wir mindestens 1x Zeugen, wie Leute das richtige Etablissement suchen.
LG Logi
War ja am Ende ein spannendes Erlebnis, ein bisschen wie Schnitzeljagd mit Stadtrundfahrt. Letztendlich haben wir ja das richtige Hotel noch gefunden und die Stadt auch gleich ein bisschen kennengelernt 🤩 Eine Urlaubsstory mehr, die ich erzählen kann 🤩
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202323. Juli 2025 · #185
TinuHH schrieb:Ich kann Euren Frust über den Beton-Bunker incl. der Bus-Armada sehr gut nachfühlen 😵 ! Auch wir versuchen unsere Unterkünfte mittlerweile auch hinsichtlich der potentiellen Möglichkeit eines Überfalls durch Bustouristen zu wählen. Klein und gemütlich, lieber eine etwas mühevolle Anfahrt. Auf unserer erste Reise nach Namibia wurden wir auch in Swakopmund umgebucht, allerdings war der Grund keine Überbuchung, sondern leichte Verzögerungen bei der Fertigstellung des Umbaus unseres Hotels. Kennen wir ja zur Genüge aus dem heimischen Umfeld. Allerdings wurden wir zum Swakopmund Hotel umgebucht, was nun wirklich ein großer Schritt auf der Leiter nach oben war.
Danke für den kurzweiligen Reisebericht! Ich freue mich auf weitere Erlebnisse!
Herzliche Grüße Martin
Hallo Martin, Gegen eine mühevolle, sprich holprige Anfahrt haben wir sowieso nichts einzuwenden. Wenn es nicht gerade stundenlang über die C27 geht 😵 Wir lieben die abgelegenen Wege mit weniger Verkehr und mehr Natur. Dafür nehmen wir gerne Umwege in Kauf. Strategisch günstig gelegen hat man leider nicht immer die Wahl zwischen Groß und Klein wenn man nicht ganz anspruchslos unterwegs ist. Aber wo es möglich ist, möchte ich auch mehr nach kleineren Alternativen Ausschau halten.
Vielen herzlichen Dank, dass du noch mit dabei bist und auch immer mal ein Feedback verlauten lässt. Das freut mich. Liebe Grüße, Silvia
SISilvy298 Beiträge · seit 200724. Juli 2025 · #186
Hallo nochmal von Silvia zu Silvia.
ganz tollen Bericht schreibst du da und manchmal denke ich mir, ich hätte genauso reagiert bzw. die gleichen Worte gewählt. Wir waren auch 6 mal als Selbstfahrer unterwegs und letztes Jahr (zum letzten Mal aus Altersgründen) als Gruppen-Reisende. Natürlich kommt man da nur in großen Lodges oder Hotels unter, was überhaupt nicht schlecht war. Aber die Tage auf einer Gästefarm bleiben doch immer in Erinnerung. Man erlebt Land und Leute anders. Ich freue mich auf die nächsten Erlebnisse mit dir.
Hallo Silvia, puh was für ein Tag! Unglaublich, was man an einem Tag alles erleben kann. LG Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202324. Juli 2025 · #188
Silvy schrieb:Hallo nochmal von Silvia zu Silvia.
ganz tollen Bericht schreibst du da und manchmal denke ich mir, ich hätte genauso reagiert bzw. die gleichen Worte gewählt. Wir waren auch 6 mal als Selbstfahrer unterwegs und letztes Jahr (zum letzten Mal aus Altersgründen) als Gruppen-Reisende. Natürlich kommt man da nur in großen Lodges oder Hotels unter, was überhaupt nicht schlecht war. Aber die Tage auf einer Gästefarm bleiben doch immer in Erinnerung. Man erlebt Land und Leute anders. Ich freue mich auf die nächsten Erlebnisse mit dir.
Liebe Grüße aus Münche Silvy
Liebe Silvy aus München 😄 , wie schön, dass du meinen RB immer noch gerne liest. Das freut mich.
Jedes Mal wenn ich über meinen Reisebus-Frust geschrieben habe, dachte ich: Hoffentlich liest das hier niemand der gerne in der Gruppe reist und den ich mit meinen Worten verletze. Wenn das bei irgendjemandem geschehen ist, entschuldige ich mich.
Weißt du, ich verstehe es ja sogar, dass man in der Gruppe schnell laut wird, weil man sich kennt und jeder mit jeden spricht und wenn links und rechts neben einem auch jemand spricht, wird man automatisch lauter. Ich schließe gar nicht aus, dass ich in der Gruppe auch für Einzelgäste unangenehm wäre - zumindest die Lautstärke betreffend. Mein Essverhalten ist schon noch einigermaßen zivilisiert 🤩 .
Ich habe auch Verständnis dafür, dass Menschen aus verschiedensten Gründen eine Gruppenreise wählen, weil die Alternative gar nicht zu reisen, keine Option ist. Vielleicht bleibt uns irgendwann auch nur nichts anderes übrig, wenn wir nicht auf Reisen verzichten möchten.
Doch wenn man noch zu zweit reisen kann, wünscht man sich eben ein bisschen mehr Privatsphäre, Ruhe und Romantik oder Abgeschiedenheit.
Nichts desto trotz haben natürlich auch Gruppen das gleiche Recht zu reisen und das schöne Land zu erleben wie ich. Im Grunde bin ich diejenige, die lernen muss, es zu akzeptieren dass sich unsere Wege manchmal kreuzen. Ich werde versuchen kleinere Unterkünfte zu wählen und hoffen, dass es zumindest ein bisschen ausgewogen bleibt mit den Reisegruppen-Begegnungen. Und tatsächlich muss ich auch zugeben, dass nicht alle Gruppen unangenehm sind. Die in der Alten Kalköfen-Lodge empfanden wir überhaupt nicht störend.
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202324. Juli 2025 · #189
Enilorac65 schrieb:Hallo Silvia, puh was für ein Tag! Unglaublich, was man an einem Tag alles erleben kann. LG Caroline
Hallo liebe Caroline, dich zähle ich schon ein bisschen zu meinen Reisebericht-Stammtisch- Kumpels 🤩 Wie schön, dass du noch mit dabei bist und dich gemeldet hast. Wenn ich nicht jeden Tag aufschreiben würde, was ich erlebt habe, hätte ich vieles nur vage zur Kenntnis genommen und bis zum Verfassen des RB längst vergessen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die aber doch erzählenswert sind.
Liebe Grüße und morgen einen angenehmen Start ins Wochenende, Silvia
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202325. Juli 2025 · #190
17. Mai
Der Wecker holt uns aus unseren Wikinger-Träumen. Wir machen uns salonfähig, packen unsere paar Besitztümer zusammen und geben die Koffer in die Aufbewahrung. Dann checken wir aus und auf geht es Richtung Frühstückssaal. Wir suchen uns einen schönen Platz im Wintergarten und beobachten, wie die Sonne über dem Meer und der Stadt aufgeht.
Meine Verdauung pocht heute energisch auf Mitspracherecht und ich bringe sie mit einer Imodium zum Schweigen. Bei Uwe meckert der Magen. Er nimmt auch ein bisschen medizinischen Beistand in Anspruch, verzichtet allerdings vorsichtshalber aufs Essen und trinkt nur eine Tasse Kaffee.
Das tut mir ausgesprochen leid für ihn, denn heute haben wir das absolute De Luxe Frühstücksbuffet. Ich bin sogar ein wenig überfordert mit der Auswahl und drehe, wie ein Helikopter drei Runden, bevor ich mich entscheiden kann, was auf meinen Teller landen darf. Sogar Austern sehe ich. Die lösen aber eher meinen Fluchtreflex aus. Auf meinen Teller schaffen es schließlich ein frischgebackenes, noch warmes Körnerbrot mit herzhaftem Belag und ein Joghurt mit Früchten kann ich auch nicht ignorieren.
Wegen der Little Desert Tour sind wir heute die ersten Frühstücksgäste und bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit des Personals. Die Dame mit der Kaffeekanne bemerkt mein Herpesbläschen, welches sich gestern ungefragt auf meine Lippen gelegt hat. Sie vermutet allerdings, dass ich einen Sonnenschaden habe und bietet mir fürsorglich ihre Aloe-Vera-Crema an- sie würde mir sogar ihre angebrochene Tube verkaufen. Aber sie hat sie leeeeider nicht dabei. Wenn wir nach ihrer Mittagspause noch da wären, würde sie sie uns mitbringen. Aber da sind wir zum Glück leeeeider schon abgereist. Während sie uns begeistert erklärt, wofür die Creme alles gut ist, stelle ich mir lieber nicht vor, wo sie schon überall im Einsatz war. Ihre Hilfsbereitschaft ist rührend – aber vielleicht doch einen Hauch zu enthusiastisch.
Lange nachdem wir die Little Desert Tour gebucht haben, las ich irgendwo, dass sie manchmal im Konvoi gefahren wird. Darauf hatte ich ja so gar keine Lust, weshalb ich erst kurz vor unserer Reise um eine Umbuchung auf einen privaten Drive gebeten habe. Der neue Abholort für die Tour musste ebenfalls weitergeleitet werden. Ich habe Sorge, ob alles reibungslos ablaufen wird.
Tatsächlich rollt zu unserer Freude punkt 8.00 Uhr der Jeep der Little Desert Tour vor die Hoteltür. Der Fahrer steigt aus dem Wagen und stellt sich vor: Jürgen mein Name…ich sehe, dass er keine Schuhe trägt und denke: Barfuß-Jürgen… geschüttelt nicht gerührt. Schuhe braucht der Mann nicht. Er ist eher der Typ, der gerne Sand zwischen den Zehen spürt. Wir lernen ihn an diesem Morgen als eine echt coole Socke kennen.
Wir fahren nur ein kurzes Stück raus aus der Stadt - hinein in den Namib -Sandkasten. Jürgen stellt den Jeep ab, und wir laufen über den Wüstenboden. Die Fußspuren vom Vortag wurden längst vom Wind verweht. Die Wüste trägt wieder ihr gewohntes Gewand mit dem natürlichen Wellenmuster.
Die Buschzeitung liegt jetzt am Morgen noch weitgehend unbeachtet vor uns im Sand und Jürgen versteht sie meisterhaft zu lesen. Sein Herz schlägt spürbar für diese Landschaft - für das Ökosystem, die Vegetation und die Tierwelt. Sein Wissen scheint unerschöpflich zu sein und seine Begeisterung fasziniert uns. Er ist ein Mann, der den Schutz seiner geliebten Wüste zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit macht.
Wir erwähnen die unglaubliche Hitze, die uns gestern in der Stadt in den Schwitzkasten genommen hat. Jürgen erklärt uns, dass der Ostwind dafür verantwortlich ist, aber er bringt nicht nur sengende Hitze mit sich, sondern er spielt auch eine Schlüsselrolle im Ökosystem der Namib. Er transportiert feinste Staubpartikel und organische wie mineralische Spurenelemente vom Landesinneren bis weit über die Küste hinaus, wo sich die feinen Partikel schließlich wieder ablagern. Jürgen nennt es das Wüsten-Müsli. Die Bezeichnung gefällt mir.
Der Wind ist quasi der Frühstücksservice der Namib. Winzige Mikroorganismen ernähren sich von den veganen Cerealien, größere wiederum von ihnen. So greift alles ineinander – und aus ein bisschen Wind und Wüsten-Müsli entsteht der Circle of Life.
Während wir uns mit Jürgen unterhalten und beim Gehen Staub aufwirbeln, hält er seinen Blick immer auf den Boden gerichtet, auf der Suche nach verräterischen Spuren kleiner Tiere, die sich längst unter der Erde ihr Bettchen gerichtet haben. Denn die meisten Wüstenbewohner sind nachtaktiv.
Plötzlich bleibt Jürgen stehen – Da, er zeigt auf die Fährte eines Namib-Geckos. Genau den zu sehen hatte ich mir am meisten gewünscht. Er ist so klein, fast durchsichtig, herzig bis zum Geht – nicht - mehr. Man kann sehen, wie das Leben in ihm pulsiert, denn durch seine Haut schimmern die Organe. Zwischen den Zehen hat er Schwimmhäute, die wie Schneeschuhe im Wüstensand funktionieren – er ist wohl auch ein Barfußläufer, vielleicht ein Karma - Verwandter von Jürgen?
Wir betrachten das süße Kerlchen und achten darauf, dass es Schatten hat. Nach einer ausgiebigen Fotosession entlassen wir ihn wieder in sein Schlafgemach bzw. in ein neues. Jürgen gräbt ihm den Anfang vor. Aber hier gefällt es unserem Wüstenfreund nicht. Er gibt sich wählerisch. Jürgen 007 der Wüste, mit Lizenz zum Graben, sucht ihm ein anderes Baugrundstück. Er befeuchtet den Sand ein bisschen mit Wasser und siehe da, diese Wohngegend findet schon eher Wohlgefallen bei Mr. Gecko. Er lässt sich nicht lange bitten und verschwindet in kürzester Zeit von der Bildfläche. Fortsetzung folgt
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202326. Juli 2025 · #191
Holt eure Lesebrille und legt die Füße hoch... Fortsetzung 17. Mai
Unsere Desert Tour entwickelt sich zu weit mehr als einer Suche nach den Little Five. Jürgen hat ein hervorragendes Fingerspitzengefühl Spaß und aufklärenden Umweltschutz zu kombinieren.
Während wir ein kurzes Stück weiterfahren, macht er uns auf Quadspuren abseits der offiziellen Wege aufmerksam. Er erzählt uns von den immensen Schäden, die entstehen, wenn auf Abwegen gefahren wird.
Wir sind in unseren Urlauben schon öfter mit dem kleinen Vierrad unterwegs gewesen, zwar mit Guides und auf offiziellen Wegen, aber uns war nie bewusst, was die Spaßkisten hier im empfindlichen Wüstenboden anrichten können.
Jürgen macht uns darauf aufmerksam, dass der Sand durch das Gewicht der Fahrzeuge so stark verdichtet wird, dass die unterirdischen Gänge und Schlafkammern vieler Tiere einbrechen.
Der verdichtete Boden lässt keinen Sauerstoff mehr durch. Ganze Lebensräume verschwinden dadurch, oft sogar dauerhaft. Das ist eine folgenschwere Konsequenz fürs fragile System und löst eine Kettenreaktion aus.
Ja, Jeeps haben auch Gewicht und unter ihren Rädern wird auch Lebensraum zerstört. Würden alle Fahrer auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, bliebe mehr geschützter Lebensraum für die Tiere. Es geht Jürgen gar nicht darum, uns den Spaß am Quadfahren zu verderben, sondern um Achtsamkeit und Vernunft.
Seine Aufklärung, berührt mich zutiefst. Ich denke an den süßen Namib Gecko und die vielen anderen Lebewesen, denen unsere Unbedarftheit das Leben kosten könnte. So wie ich meine Fußspuren in den Wüstensand drücke, so drückt mir jetzt die Namib ein Flehen ins Herz, das mich zur Achtsamkeit auffordert.
Was mich an Jürgens Aufklärungsarbeit besonders beeindruckt, ist sein Verständnis dafür, dass die meisten Abenteurer gar nicht wissen, was unter ihren Rädern passiert. In seinen Worten klingt nicht der Hauch eines Vorwurfs mit – nur das ehrliche Bedürfnis, aufzuklären und Achtsamkeit zu fördern. Diese Haltung ist mir unglaublich sympathisch, und vielleicht finden seine Worte gerade deshalb den Weg in mein Herz.
Wir erfahren, dass das Chamäleon entweder in dieser Gegend ausgestorben oder es ist in ein anderes Gebiet abgewandert ist. Jürgen erzählt uns die erschreckende Wahrheit, dass den Wilderern während Corona Tür und Tor geöffnet waren. Sie konnten ungestört die auf dem Schwarzmarkt sehr wertvollen Tiere einfangen. Nach der Pandemie war der Bestand auf 10% geschrumpft. Heute leidet die Population unter mangelnder genetischer Vielfalt. Die Folge ist Inzucht.
Auch hier erkenne ich keinen Vorwurf in Jürgens Stimme, „nur“ Herzschmerz und das Bedürfnis zu informieren.
Wir gehen wieder ein Stück zu Fuß, hängen an den Lippen unseres sympathischen Barfuß-Man und saugen alle Infos auf, die er uns weitergibt. Diese Tour ist wahnsinnig interessant.
Im Internet habe ich ein Foto von der White Lady Spider gesehen. Sie sah aus, als trüge sie ein Pelzmäntelchen und wenn man sie in einer Nahaufnahme betrachtet, hat sie fast so etwas wie eine Frisur. Ihre Haare an den langen schlanken Beinen, zeugen davon, dass sie nicht viel von Damenrasur hält.
Ich frage Jürgen, ob er sie schon einmal gefunden hat. Denn sie verbringt ihre Tage auch lieber in ihrer unterirdischen Residenz. Ich würde sie gerne persönlich kennenlernen, habe allerdings wenig Hoffnung.
Doch da unterschätze ich seine Fähigkeiten. Er freut sich an meinem Interesse und findet ihre Behausung nur ein paar Schritte weiter. Sein geschultes Auge erkennt die Hauptpforte zu ihrer Burg. Er kniet sich in den mittlerweile gut temperierten Sand und fängt an im ungefähr 30-Grad–Winkel zu buddeln.
In einer Tiefe von schätzungsweise 20 bis 25 cm findet er die Lady, die sofort versucht, aus ihrer Burg zu fliehen. Jürgen ist allerdings schneller. Kaum hat er sie auf der Hand, bleibt sie aber stolz wie eine Königin ganz ruhig sitzen und lässt unsere neugierigen Blicke über sich ergehen.
Zur Orientierung, für die Balz und als Warnsignal verursacht sie durch eine Art Tanzbewegung seismische Vibrationen, die andere Artgenossen über eine Entfernung von mehreren Metern wahrnehmen können. Das bedeutet: Sie ist die Königin der Buschtrommel. Das Männchen trommelt ebenfalls mit den Füßen, wenn es sich zur Balz nähert. Macht es allerdings falsche Tanzschritte und ist sein Stepptanz nicht klar in der Aussage, kann es ihm passieren, dass ihm seine auserkorene Wüstentänzerin den Garaus macht. In dem Fall war schon allein die Vorstellung vom Sex, im wahrsten Sinn des Wortes „zum Sterben schön“.
Wir lassen die Königin der Wüste wieder in Ruhe und setzen sie im Sand ab. Sie ergreift sofort die Gelegenheit zur Flucht und sucht Schutz in ihrer Burg. Hoffentlich findet sie den richtigen Eingang wieder.
Wir bewegen uns nur auf kleinem Raum. Ein paar Schritte hin und her – mehr ist gar nicht nötig, um erstaunlich viele Tiere zu entdecken. Aber die 38 Grad von gestern haben auch heute kein Erbarmen mit uns.
Ich frage Jürgen, ob er nicht langsam heiße Füße bekommt. Er antwortet, dass es erst bei 50 Grad anfängt zu prickeln. Davon sind wir sicher nicht mehr weit entfernt. Aber 007 ist hart im Nehmen – ein echter Wüstenjunge halt.
Wir hingegen bekommen von der Sonne so langsam einen Dachschaden. Bisher hat es uns fast überall den Hut vom Winde verweht, so dass wir irgendwann gar keinen mehr aufgesetzt haben. Heute rächt sich unsere Nachlässigkeit. Wir haben beide nicht daran gedacht, dass es hier wirklich schlauer wäre, eine Kopfbedeckung dabei zu haben.
Aber jetzt ist es wie es ist.
Blendschleiche- nicht Blindschleiche
Wir hoffen, dass unser Wüsten-Scherlock eine Zwerg-Sandviper für uns entdeckt. Mit seinem geschulten Auge und seinem Wissen über ihre Lebensgewohnheiten, findet er sie schließlich – nur etwa zwanzig Zentimeter lang und geschickt versteckt zwischen grünen Wüsten-Bodendeckern.
Er zeigt uns, wo wir hinschauen müssen. Ich jedoch sehe nichts außer Sand. Dann geht er mit seinem Haken etwas näher heran. Ich sehe immer noch nichts. Mein Auge braucht eine halbe Ewigkeit, bis ich ihres zwischen den Sandkörnern entdecke. Sie hat sich eingegraben und zeigt nur ein Auge von sich. Jürgen erklärt uns, dass einige Vipern eine schwarze Schwanzspitze haben. Im Jagdmodus wird sie eingesetzt, um mit zarten Zuckungen ein Insekt zu imitieren, welches Beutetiere anlockt. Lässt sich eines täuschen und meint, ihm würde ein Snack serviert, endet seine Reise mit einem One Way Ticket in die ewige Siesta.
Barfuß-Jürgen warnt uns eindringlich davor, unbedacht hinter einem Busch mit entblößtem Hinterteil in die Hocke zu gehen. Er sagt: „Stellt euch vor, da liegt eine Schlange – und euer Hinterteil nähert sich ihr. Das arme Tier wäre für den Rest seines Lebens traumatisiert.“ 🤩
Das Schlängerl ist nicht begeistert von unserem Besuch in seinem Revier. Es ist nervös und reagiert überraschend agil. Ich habe zu viel Respekt vor ihm, um mit dem Handy nah genug an es heranzutreten.
Von diesem hier weiß ich jetzt, dass es zu den Hybrid-Schlangen gehört und sein Gift sowohl neurotoxisch als auch hämatotoxisch ist. Das bedeutet, es greift das Nervensystem an und zerstört sowohl die Blutgerinnung als auch das Gewebe. Zwar ist der Biss der Zwergpuffotter nicht lebensbedrohlich, aber der Schmerz soll bleibende Erinnerungen schaffen.
Unser Wüsten-Profi arbeitet unter Einsatz seines Lebens für uns. Er nimmt mein Handy, wirft sich in den Sand und schenkt uns ein paar eindrucksvolle Aufnahmen. Während er im Staub liegt, die Viper mit dem Haken auf Abstand hält und gleichzeitig versucht zu fotografieren, ist mir nicht wohl bei dem Risiko, das er für uns eingeht.
So wie sie sich nervös gibt, bin ich überzeugt: Wenn sie ihn erwischt, beißt sie zu – und in Sachen Beweglichkeit hat sie klar die besseren Karten. Sollte Uwe Jürgen ins Krankenhaus fahren müssen, wissen wir Dank Fahrtraining wenigstens, wie man im Sand zu fahren hat. Barfuß-Man bleibt aber unversehrt. Ich freue mich über die Erinnerungsfotos, die ich mit nach Hause nehmen kann. Das Fotoshooting war nicht ihre Idee – aber jetzt hat es die Viper hinter sich und darf sich zwischen den Bodendeckern eine neue Wellness - Oase suchen.
Mit Jürgen waren wir letztes Jahr auch unterwegs. Allerdings mit 2 Fahrzeugen und seinem Kollegen Kevin, aber auch bei uns war es extrem heiß und zum Ende hin kam noch ein Sandsturm auf. Wir fanden ihn aber auch ganz toll, auch mit den Kindern konnte er sehr gut und die Blend-, nicht Blindschleiche ist mir sehr im Gedächtnis geblieben.
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202326. Juli 2025 · #193
Melanie1982 schrieb:Hallo Silvia!
Mit Jürgen waren wir letztes Jahr auch unterwegs. Allerdings mit 2 Fahrzeugen und seinem Kollegen Kevin, aber auch bei uns war es extrem heiß und zum Ende hin kam noch ein Sandsturm auf. Wir fanden ihn aber auch ganz toll, auch mit den Kindern konnte er sehr gut und die Blend-, nicht Blindschleiche ist mir sehr im Gedächtnis geblieben.
Liebe Melanie, dann haben wir jetzt nicht nur eine gemeinsame Leidenschaft, sondern auch einen gemeinsamen Bekannten 🤩 Sandsturm fühlt sich auf der Haut an wie Schmirgelpapier. Darum beneide ich euch nicht. Ich kann mir aber super gut vorstellen, dass Jürgen mit seiner Art Kinder wie Erwachsene gleichermaßen zu Begeistern weiß. Bei der Tour gibt es Biologieunterricht zum Anfassen 😄 Ich bin jetzt beim Reisebericht schreiben noch genauso begeistert wie live vor Ort.
Hallo Silvia, wir haben im März auch eine Living Desert Tour gemacht, allerdings war es eher eine Raining Desert Tour, da dann der große Regen kam 😮 . Uns wurde auch die Problematik mit den Quads erklärt und wir waren wirklich schockiert, was dadurch angerichtet wird 🙁 . Ich glaube den wenigsten Leuten ist das klar. Daher ist es schon wichtig, damit nicht hinterm Berg zu bleiben. LG Regina
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202326. Juli 2025 · #195
Restliche Little Desert Tour - 17. Mai
Hier flattern übrigens erstaunlich viele schöne Namib-Bläulinge herum. Anscheinend wurden schon mehr als 75 Arten hier gesichtet. Die kleinen zarten Falter tanzen nervös um die kleinen Blüten der Bodendecker. Sie setzen sich nur ganz kurz ab, um im nächsten Moment schon wieder auf einer anderen Blüte zu landen. Es ist gar nicht so leicht, ihnen mit dem Handy hinterher zu kommen.
Der braune Schmetterling dürfte ein Distelfalter sein. Wenn ich richtig liege, ist das ein Wanderfalter, der tausende von Kilometern im Jahr zurücklegt. Er pendelt zwischen Westafrika und Europa, allerdings schafft nicht ein einzelner Falter diese Distanz, sondern es sind Generationen, die die Pilgerreise fortsetzen.
Selbst die Falter wissen, dass man sich nicht mehr auf die Bahn verlassen kann, und ziehen den Flug vor. Sie gehören zu denen, die Gruppenreisen bevorzugen – und in ganzen Schwärmen durch die Lüfte fliegen. In den Dünen rund um Swakopmund sorgen Nebel und Wüsten-Müsli dafür, dass die Falter auf ihrer Reise zwischenübernachten und wieder auftanken können.
Sogar eine Honigbiene hat sich hierher verirrt, wobei sie um uns herum doch erstaunlich viele Nahrungsquellen findet. Meines Wissens gibt es in Swakopmund sogar Imker. Also ist die Honigbiene wahrscheinlich keine große Seltenheit. Aber für uns ist sie die reinste Wunder (same) Begegnung mitten in einem Lebensraum, der kaum mehr bietet als Sand, Hitze und Nebel.
den Kumpel sehen wir auch noch:
Mittlerweile ist es Mittag geworden. Die Sonne brutzelt uns von allen Seiten. Wir sind langsam Well Dun und dürfen uns wieder ins klimatisierte Fahrzeug setzen.
Nur eine kurze Fahrt weiter gibt es einen weiteren kleinen Stopp und eine kleine Geologie Stunde. Vor uns liegt dunkler, violett-schwarzer Sand, der wie feiner Puderzucker über die hellen Dünen verteilt ist. Es handelt sich um Magnetit. Das Meer übernimmt den Transport von Sossusvlei an die Küste und der Wind verbreitet es wie feines Make -up auf den Dünen.
Mit einem Magneten fährt Jürgen eine Handbreit über den Sand. Wie ein Staubsauger zieht dieser das puderzuckerfeine Magnetit an, das sich auf dem Magneten zu einem kleinen Igel formiert. Das ist Wissenschaft zum Anfassen.
Unsere Tour neigt sich dem Ende zu. Auf dem Rückweg hält unser Wüsten-007 immer wieder an, um Müll einzusammeln oder Klopapier kontrolliert abzufackeln. Zum Glück machen das alle Guides.
Aber Barfuß Jürgen hat auch dazu noch eine Anekdote parat. Er erzählt: „Ich habe meine Familie zum Sonnenaufgangs-Picknick eingeladen. Noch im Dunkeln breiten wir unsere Decke aus – und mit dem ersten Licht erkennen wir: Wir sitzen mitten in einem Meer aus Klopapier.“
Dazu muss er nicht mehr erzählen. Auch wir haben schon diverse Stellen im Busch entdeckt, die uns verrieten, dass wir nicht die ersten waren, die sich hier erleichterten. Dabei ist es doch ganz einfach: Loch puddeln, oder Klopapier kontrolliert abfackeln, sofern keine Brandgefahr besteht - wie im Sandkasten.
Wir rollen auf dem Rückweg in die Stadt über die letzten Dünen und bleiben einen Moment stehen, um noch einmal auszusteigen und die fantastische Aussicht bis zur Küste zu genießen.
Bevor wir wieder in den Wagen steigen, stellt uns Jürgen noch zwei Nebeltrinker-Käfer vor – auch bekannt als Tok-Tokkies. Ihre schwarzen Panzer sind mit feinen Rillen durchzogen, in denen sich Wasser aus dem Morgennebel sammelt. Mit ihren langen Beinen laufen sie wie auf Stelzen über den heißen Sand – so bleibt ihr Bauch vor der Hitze geschützt.
Die kleinen Frühaufsteher klettern im ersten Morgengrauen auf die Dünen und richten ihr Hinterteil gegen den Nebelwind. Die Feuchtigkeit kondensiert auf ihrem Rücken und läuft über den Kopf direkt ins Maul – Wassergewinnung auf Käferart. In der Mittagshitze graben sie sich unter die Oberfläche, echte Tagschläfer sind sie aber nicht.
Bei der Verpflegung greifen sie zum sogenannten Namib-Müsli und droht Gefahr, verschwinden sie blitzschnell unter dem Sand. Wenn sie miteinander quatschen wollen, klopfen sie mit den Füßen – daher ihr Name Tok-Tokkie.
Na, wenn das mal keine Missverständnisse mit der White Lady Spider oder anderen Buschtrommlern gibt.
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202326. Juli 2025 · #196
Regina schrieb:Hallo Silvia, wir haben im März auch eine Living Desert Tour gemacht, allerdings war es eher eine Raining Desert Tour, da dann der große Regen kam 😮 . Uns wurde auch die Problematik mit den Quads erklärt und wir waren wirklich schockiert, was dadurch angerichtet wird 🙁 . Ich glaube den wenigsten Leuten ist das klar. Daher ist es schon wichtig, damit nicht hinterm Berg zu bleiben. LG Regina
Liebe Regina, wie schade, dass es euch die Tour verregnet hat. Habt ihr trotzdem einige Tiere sehen können? Jürgen hat eine wunderbare liebenswerte Art, um zu sensibilisieren. Bei jedem Wort haben wir gespürt wie sehr sein Herz für die Wüste und die Tiere schlägt und wie groß sein Bedürfnis ist, Aufklärungsarbeit zu leisten und zwar ganz ohne erhobenen Zeigefinger, sondern indem er uns die Wüste mit ihren Tieren ans Herz legt. Ich glaube, dass diese Touren einen sehr großen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Wir haben morgens angerufen und gefragt ob die Tour trotz Regen stattfindet. Es wurde bejaht, alle waren total aufgeregt, da so ein Erlebnis echt Seltenheitswert hat. Es war eine schöne Tour und wir haben auch alle Tiere gesehen. Nur das Chamäleon war etwas sauer, das hat man an der Farbe erkannt 😄 . Ebenso ein schönes Wochenende und liebe Grüße Regina
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202326. Juli 2025 · #198
Regina schrieb:Wir haben morgens angerufen und gefragt ob die Tour trotz Regen stattfindet. Es wurde bejaht, alle waren total aufgeregt, da so ein Erlebnis echt Seltenheitswert hat. Es war eine schöne Tour und wir haben auch alle Tiere gesehen. Nur das Chamäleon war etwas sauer, das hat man an der Farbe erkannt 😄 . Ebenso ein schönes Wochenende und liebe Grüße Regina
Da siehste mal, wir hatten schönes Wetter und gar kein Chamäleon gesehen. Von mir aus hätte es auch schlecht gelaunt sein dürfen 😄 Freut mich, dass euch dieses schöne Erlebnis nicht durch die Lappen gegangen ist. Dir auch ein schönes Wochennde
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202327. Juli 2025 · #199
Immernoch 17. Mai 🤩
Zurück im Hotel verabschieden wir uns von Jürgen, der uns in wenigen Stunden wie ein Freund ans Herz gewachsen ist. Die Little Desert Tour wird uns im Gedächtnis bleiben und der Weckruf zur Achtsamkeit ebenso.
Jetzt heißt es: Gepäck verladen, vom Parkplatz rollen – und los geht es in die nächste Etappe. Unsere schwindenden Wasservorräte empfehlen einen Besuch im Spar und meine Lippen bitten um einen Abstecher in die Apotheke nebenan. Nachdem ich ja nun nicht in den Genuss der fürsorglich angebotenen Aloe-Vera-Creme gekommen bin, fordern meine Lippen ein anderes Rettungspaket.
Dann lassen wir Swakopmund hinter uns und nehmen die B2 unter die Räder. Sie empfängt uns nicht gerade charmant – eher wie ein gerissener Staubsaugerbeutel. Die LKWs vor uns verstärken den Effekt. Aber wenigstens ist die heutige Distanz nicht so Ultra lang und wir kommen trotz Staub und LKWs gut voran.
Ich freue mich darauf, endlich das berühmte Matterhorn Namibias zu sehen. Doch für die erste Begegnung hüllt es sich in einen diesigen Schleier. Mein Auslösefinger zuckt kein bisschen. Wir halten mehrmals an und ich versuche mein Glück – doch das Ergebnis bleibt ernüchternd. Der Himmel verbreitet eine leicht depressive Stimmung, und es ziehen Wolken auf. Sollte sich das himmlische Trübsal ausweiten, wären ein paar Tränchen durchaus angebracht.
Auf der Zufahrt zur Lodge werden wir von einer freistehenden Schaukel eingeladen, ein Erinnerungsfoto von der Spitzkoppe zu machen. Diese Einladung nehmen wir doch gerne an und schaukeln eine Runde bevor wir weiterfahren.
Nachdem wir das Tor zur Lodge passiert haben, öffnet sich eine noch schönere Landschaft. Was solls- ob das Matterhorn nun in seiner vollen Schönheit strahlt oder nicht. Das große Ganze zählt und das stimmt hier auf jeden Fall.
Zwei Zebras stehen gelassen im Feld. Wir halten an und beobachten sie eine Weile. Sie lassen sich nicht im Geringsten stören – eines nimmt zur Begrüßung sogar den Mund ziemlich voll.
Wir freuen uns sehr über die Streifen-Donkeys. Bisher haben wir noch nicht allzu viele größere Tiere gesehen – da sind zwei entspannte Savannen-Läufer durchaus ein kleines Highlight.
In der Lodge werden wir mit wohlriechenden Tüchern freundlich empfangen. Der Staub der Namib, der uns noch am Körper klebt, freut sich auf eine Dusche, aber vorerst tut auch ein feuchter Lappen seinen Dienst.
Natürlich gehört auch ein Welcome-Drink zur Begrüßungszeremonie. In diesem Fall Sprudelwasser, dekorativ aufgewertet mit einer kleinen Frucht. Geschmacklich überraschend unaufdringlich – es wurde vorsorglich darauf geachtet, dass die Frucht keinen Eigengeschmack abgibt und das Wässerchen nicht versehentlich geschmacklich verfälscht. Aber in der Präsentation sieht man durchaus Ansätze von Ambitionen.
Zunächst wird geklärt, ob wir Lebensmittelunverträglichkeiten haben – Nein… oder etwas nicht essen…oh, da wäre die Liste länger als ich zugeben möchte. Wir belassen es aber bei der diplomatischen Aussage: kein Fisch, kein rohes Fleisch – und hoffen auf kulinarische Nachsicht.
Dann dürfen wir uns aussuchen, ob wir heute Abend den inkludierten Drive zu den Felsmalereien, dem Zebra-Pool und zum Rock Arch machen möchten – morgen früh oder morgen Nachmittag. Wir wählen: morgen früh. Uns gefällt die Vorstellung dem Berg bei aufgehender Sonne ins Auge zu schauen.
Später sehen wir das Fahrzeug für die Tour – der reinste Massentransporter, für gefühlte sechzehn Persönlichkeiten samt ihren Meinungen. Unsere Lust schwindet augenblicklich. Wir setzen uns ein Limit: Sechs Personen sind okay, drüber beginnt unsere Unverträglichkeit. Glücklicherweise klärt sich schnell – alle anderen reisen ab. Wir sind allein. Jackpot.
Die Lodge überzeugt sofort. Leider auch die zwei Reisebusse am Parkplatz. Wir sind inzwischen leider schon ziemlich voreingenommen.
Aber jetzt kommen wir erst mal an. Unser Gepäck wird auf einen Golfwagen gepackt – wir gleich mit. Dann gurken wir über den Steg, gesteuert von einer Mitarbeiterin, die die engen Kurven elegant meistert. Die Fahrt dauert ein bisschen, und die Aussicht ist zum Verlieben.
Zwischen den Chalets wurde ein angenehmer Abstand eingehalten. Wir haben das letzte. Es liegt vor einem großen Felsen. Später sehen wir, dass sich hinter diesem noch zwei weitere verstecken – aber dank seiner Barriere genießen wir wunderbaren Sichtschutz.
Der Blick nach innen hat Wow-Effekt: großzügig, durchdacht, einladend. Eine große Kofferablage, keine verzogenen Türen, ein geräumiges Badezimmer mit großer Dusche und zuverlässig heißem Wasser.
Ringsum lassen sich Fenster mit Fliegengitter versehen öffnen. Die Bodendielen und das Zeltdach bieten eine gute Belüftung. Den Ventilator werden wir kaum brauchen – die Luft zirkuliert angenehm.
NachoThemenstarter990 Beiträge · seit 202327. Juli 2025 · #200
auf zum Endspurt vom 17. Mai
Der Weg zum Restaurant fordert einen Fußmarsch von schätzungsweise einer Viertelstunde in gemütlichem Tempo. Meines Wissens kann man sich auch mit dem Golfwagen fahren lassen. Aber die letzten Chalets liegen nun mal am schönsten – ruhig und privat.
Sollte jemand eines dieser Häuschen bewohnen und erst am Pool bemerken, dass er sein Handy im Zimmer vergessen hat, könnte er sich fragen, ob jetzt vielleicht der Moment gekommen ist, zu testen, ob er körperlichen oder seelischen Schaden nimmt, wenn er für ein–zwei Stunden versucht, ohne sein Wischkästle zu überleben.
Es ist ratsam, zum Dinner eine Taschenlampe mitzunehmen. Der Weg ist bei Dunkelheit kaum beleuchtet – und das gefällt uns. Denn wenn der Himmel wolkenlos ist, bekommen Mond und Sterne ihre Bühne. Und die wirkt am eindrucksvollsten, wenn kein künstliches Licht ablenkt.
Im Chalet angekommen, richten wir uns ein, duschen, trinken auf unserer wunderbaren Terrasse einen Kaffee und lassen die fantastische Aussicht auf uns wirken. Am frühen Abend machen wir uns auf den Weg zum Sundowner.
Neben dem Pool befindet sich ein riesiger Felsen, auf dem gemütliche Sitzgelegenheiten dazu einladen, den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Wir haben freien Blick ins Tal und auf die untergehende Sonne. Ein Moment, den wir gerne schweigend genießen. Doch das ist uns leider wieder einmal nicht vergönnt.
Kaum lassen wir uns mit unserem Cocktail in den Sessel fallen, kommen nach und nach die zwei Reisegruppen an den Pool, wohl ebenfalls in der Absicht, den Sonnenuntergang zu genießen – aber eben auf ihre ganz eigene Art.
Die einen hören Musik auf ihrem Handy – scheinbar in der Annahme, dass jeder im Umkreis von einem halben Kilometer mithören möchte. Sie glauben offenbar, ihr Musikgeschmack erfreue jedes Ohr. Andere telefonieren mit Lautsprechanlage – es wäre ja unverantwortlich, wenn wir uns von ihrer Konversation ausgeschlossen fühlen würden. Und dann gibt es noch die Fußballfans, die das Spiel in voller Lautstärke verfolgen – samt dem dazugehörigen Gegröle.
Meine Toleranz gegenüber gruppendynamischen Urlaubsverhalten, steckt noch in der Entwicklungsphase- präzise gesagt: im absoluten Frühstadium. Bei künstlicher Beschallung im Urlaub schwillt mir der Kamm. Da bekomme ich Kragenweite XXL und wünschte mir, diese Leute würden ihren Urlaub in abgelegenen Selbstversorgerunterkünften verbringen – wo sie niemanden nerven können. Nicht alle Reisegruppen, aber Gäste wie diese verdienen Hausverbot.
Es ist Zeit fürs Dinner. Mitten im Speisesaal gibt es ein kleines Podest mit einem Zweier-Tisch und genau da werden wir platziert. Ich fühle mich wie auf einem Präsentierteller. Nach unserer Getränkebestellung warten wir auf die Speisekarte. Aber stattdessen entdecken wir eine Menükarte, die bereits auf dem Tisch liegt. Ahaaa, keine Auswahl, hier lautet die Devise: Friss oder stirb… die Speisen sind sehr kreativ angerichtet und optisch durchaus beeindruckend. Geschmacklich: Naja….vielleicht sind wir ja Gourmet Banausen. Unser Ding sind sie nicht. Wir essen sie, überleben es auch, aber wir hoffen, dass unser Gusto morgen besser bedient wird.
Nach dem Dessert haben wir genug für heute. Wir freuen uns auf einen kleinen Nachtspaziergang zum Chalet. Die Luft ist lauschig, Mond und Sterne funkeln uns – wenn auch nur als schwache Funzel - entgegen. Dafür ist die Stimmung seeehr romantisch. Den Weg erkennen wir nur schemenhaft. Aber dank Handy stolpern wir nicht ganz blind durch die Gegend.
Dieser Verdauungsspaziergang ist genau das Richtige vor dem Schlafengehen. Unter unserem Chalet tagt gerade die große Sattelheuschrecken-Konferenz. Uuuui- eine wahre Invasion, die als Vorlage für einen Horrorfilm taugen würde. Schüttel…. Zum Glück steht unser Häuschen auf Stelzen und ist rundum mit Fliegengittern gesichert. Drinnen müssen wir keinen ungebetenen Besuch dieser Art fürchten.
Abgesehen von dem Untermieter, der heute Nachmittag schon mal Hallo gesagt hat. Ein Gecko fühlt sich hier zu Hause und solange er nicht auf Kuscheln in meinem Bett aus ist, soll er uns willkommen sein.