14.Dezemberheute wird es wieder interessanter.
Vanessa und ich machen uns auf den Weg nach Mahebourg, in den Süden der Insel. Wir möchten eine Tour ins Naturschutzgebiet
Île aux Aigrettes machen.
Für unser heutiges Vorhaben freue ich mich über den strahlenden Sonnenschein, der uns vom Himmel lacht.
Durch wunderschöne, blühende und saftig grüne Landschaften fahren wir ein bisschen länger als eine Stunde an den Trou d’Eau Douce Beach, von dessen Uferpromenade wir die vorgelagerte Insel sehen können.
Wir bekommen fast vor der Tür zum Ticket-Häuschen einen Parkplatz und sind um 11.00 Uhr da.
Aber zunächst sind wir ziemlich platt über dieses Bilderbuch Panorama vor unseren Augen, mit dem kristallklaren Wasser in unterschiedlichen Türkis Farbtönen, dem Blick auf die Insel, den Bäumen und Häuschen am Strand und einigen Booten. Das ist wirklich eine Augenweite.
Wir reisen uns los und betreten das kleine Büro in der Holzhütte, um uns die Tickets zu holen. Uns wird gesagt, dass die nächste Tour auf die Insel erst wieder um halb zwei angeboten wird. Das ist jetzt ein bisschen doof, denn wir hatten vor, nach der Tour noch den Wasserfall „Cascade Eau Blue“ zu sehen. Je nachdem wie lange die Tour auf der Insel dauert, und wie lange es dauert, bis wir den Wasserfall überhaupt finden, könnte es knapp werden, noch bei Tageslicht ins Hotel zurückzufahren.
Die Tickets können wir noch gar nicht buchen. Wir sollen um halb zwei wieder da sein, aber der Mitarbeiter reserviert uns zwei.
So, da stehen wir nun und müssen irgendwie die zweieinhalb Stunden füllen.
Aber vielleicht ist es sogar genug Zeit, um den Wasserfall vorwegzunehmen. Wir schwingen unseren Hintern wieder ins Auto und fahren Richtung Blue Cascade. Google gibt uns eine Fahrtzeit von ca. 25 Minuten an.
Der Weg führt uns wieder durch traumhaft schöne Gebiete. Auf dieser Strecke säumen einige wunderschöne Alleen die Straßen. Ich bin schon allein von dieser Fahrt absolut begeistert!
Leider habe ich die Landschaften nur gefilmt und keine Fotos gemacht.
Im Vorfeld habe ich schon oft gelesen, dass der Wasserfall nicht so leicht zu finden ist. Man soll auf ein Wasserpumpwerk achten. Auf der gegenüberliegenden Seite soll ein Weg zu einem Parkplatz führen.
Wir finden ein Wasserpumpwerk, aber es ist kein kleines Häuschen wie wir annahmen, sondern eine große Fabrik. Allerdings gibt es auf der gegenüberliegenden Seite einen Feldweg zwischen hohen Zuckerrohrfeldern. Das wird es schon sein.
Ich sag zu Vanessa, fahr da rein. Da geht es hinter den Feldern sicher auf den Parkplatz. Vanessa widerspricht: Mama, das ist ein Feldweg, da kann ich doch nicht reinfahren. Ich: Dooooch, hier steht, man muss auf der anderen Seite den Weg nehmen und der führt zum Parkplatz. Fahr einfach mal rein.
Auf dem Fabrikgelände macht gerade ein Mitarbeiter seine Pause, aber recht weit weg von der Straße. Sonst hätten wir ihn gefragt, ob es der richtige Weg ist.
Ich habe den Eindruck, er schaut skeptisch zu uns rüber. Aber das bilde ich mir sicher nur ein.
Widerwillig tut Vanessa, was ich sage, mault aber schon, dass sie mich killt, wenn sie da wieder rückwärts rausfahren muss. Es schaukelt gewaltig und ich habe Sorge, dass wir mit unserem normalen Auto aufsitzen könnten. Wir fahren vielleicht hundert Meter um die Kurve und hier ist nichts zu sehen, außer Zuckerrohr Felder.
Ich: „Oh Oh….Vanessa, das war doch keine so gute Idee, lass uns lieber wieder zurück fahren“. Sie: „Danke Mama! Jetzt muss ich tatsächlich rückwärts auf diesem Scheiß Weg fahren. Falls du es noch nicht weißt, ich hasse Rückwärtsfahren und kann das auch nicht gut.“
Also gurken wir nicht sonderlich elegant wieder zurück. An einer etwas breiteren Stelle wendet Vanessa halsbrecherisch, aber ohne etwas am Auto kaputt zu machen.
Wir nähern uns der Straße und da wartet doch tatsächlich dieser Fabrik Arbeiter schon auf uns. Dem war klar, dass wir gleich wieder zurückkommen. Diese Aktion ist so peinlich wie nur was. Wir würden vor Scham am liebsten im Boden versinken.
Der Mann grinst uns an und gestikuliert, wir sollen die Scheibe runterdrehen. Wir erklären ihm, dass wir den Wasserfall suchen. Er spricht allerdings nur französisch. Vanessa versteht zwei Worte: Links und Parkplatz. Wir bedanken uns und sehen zu, dass wir hier wegkommen. Nach Links versteht sich.
Wir fahren und fahren, und sind schon viel zu lange unterwegs, als dass wir noch auf der richtigen Strecke sein könnten. Nirgends ist ein Weg oder ein Parkplatz zu finden.
Dafür finden wir ein Tempelchen, schön bunt, mitten im nirgendwo und mit einem hübschen Garten und einer Mauer drum herum.
Die Suche nach dem Wasserfall geben wir auf. Dafür ist die Zeit zu schade. Der Trou d’Eau Douce Beach ist schließlich auch einen Besuch wert. Dann gehen wir halt ein bisschen an den Strand. Die Rückfahrt ist wieder purer Genuss durch sehr schöne Landschaften und kleine Örtchen.
Wir parken wieder unser Fahrzeug. Dann suchen wir nach dem Strandzugang.
Das gestaltet sich auch nicht ganz so einfach. Denn am Parkplatz gibt es noch keinen Strand, sondern nur die Boot-Anlege-Stelle mit Mauer. Wir müssen den Zugang erst suchen und laufen ein Stück an den privaten Gärten und Mauern vorbei, bis wir einen schmalen Durchgang zum Ufer finden.
Die Badebucht ist relativ klein, aber es gibt weichen weißen Puderzucker Sand und der ist auch hier sehr sauber. Am Ufer gibt es ein paar Steine und direkt hinter dem schmalen Sandstreifen stoßen schon die Gärten der Häuschenbesitzer an. Bäume und Schatten finden wir hier leider nicht. Aber dennoch ist es ein sehr schöner Platz, um die Seele baumeln zu lassen.
Das Wasser ist für meinen Geschmack angenehm temperiert. Manch einem wahrscheinlich schon zu warm.
In Ufernähe schaukeln einige Boote im Wasser und auch von hier sieht man wunderschön die Île aux Aigrettes.
So sehr viel Zeit ist jetzt auch gar nicht mehr, dann müssen wir zurück zum Tickethäuschen.
Jetzt steht schon eine ganze Schlange von Gleichgesinnter vor dem Büro. Aber es ist noch Mittagspause. Wir müssen alle warten.
Pünktlich geht die Tür auf.
Vor uns werden einige Kunden abgewiesen, weil die Tour schon ausgebucht ist. Zum Glück haben wir vorhin vorreserviert und bekommen unsre Tickets.
Dann steigen wir in ein Motorboot und fahren ungefähr zehn Minuten zur Insel. Vom Ufer sah sie viel näher aus. Île aux Aigrettes ist eine Koralleninsel, die von einem Riff umgeben ist und zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Ein „Partyboot“ ankert so dicht an der Insel, dass die Touris mit ihren Getränkebechern oder Gläsern im Wasser stehen und die Insel mit den Händen berühren können.
Wir erfahren, dass es eine laufende Klage gibt, die das Verhindern soll, und zwar aus gutem Grund.
Die Naturschützer bemühen sich seit 1965 darum, die einheimische Flora und Fauna auf dieser Insel wieder herzustellen.
Als die Holländer 1598 die Insel besetzten, holzten sie die Ebenholzwälder ab um damit ihre Häuser zu bauen. Ein Ebenholzbaum wächst 50 bis 100 Jahre. Mit ihren Schiffen kamen nicht nur Menschen, sondern auch Ratten an Land.
Auf der Insel gab es seiner Zeit den Dodo, einen flugunfähigen großen Vogel, der nur einmal im Jahr ein Ei legte und mangels Flugeigenschaften am Boden brüten musste. Für die Ratten waren die Eier gefundenes Fressen und so kam es, dass der Vogel bereits 60 Jahre später ausgestorben war.
Ratten werden von Essen angelockt und von Müll. Als Inselbesucher darf niemand etwas zum Essen mit auf die Insel nehmen.
Für den Dodo ist es schon zu spät, wobei es, wenn ich es richtig verstanden habe, Bemühungen gibt, ihn mittels Gentechnik wieder zu neuem Leben zu erwecken. Grusliger Gedanke: „Jurassic Park“ lässt grüßen.
Aber man kann sich vorstellen, dass die Naturschützer ihre Arbeit bedroht sehen, wenn Partyboote vor der Insel ankern und Lebensmittel oder Müll zurücklassen.
Über einen Steg gelangen wir auf die Insel und verschwinden im Dickicht. Unser Weg ist nicht viel breiter als ein Trampelpfad. Kaum haben wir Boden unter den Füßen, haut es mich vor Hitze und Schwüle fast aus den Latschen. Hier ist es laut der Guides auch fünf Grad wärmer als an Land. Innerhalb von zwei Minuten ist mein Shirt durchgeschwitzt.
wer findet das Tierchen?
Aber ich habe einen Bikini an und zieh das Shirt einfach aus, auch wenn das sonst keiner macht. Dafür lege ich mir ein leichtes Mikrofaser-Handtuch über die Schultern. Ganz nach dem Motto, „Schwester Käthe: Tupfer bitte…“
Wir besuchen einige Riesenschildkröten und erfahren, dass die Wirbelsäule einer Schildkröte mit ihrem Panzer verbunden ist und dass sie jede Berührung spürt. Deshalb sollte sich auf keinen Fall jemand auf ihren Rücken setzen, auch keine Kinder. Schäden am Panzer können nicht repariert werden.
Die berühmte rosafarbene Taube sehen wir auch. Sie duldet uns sogar relativ nah.
Einige kleine Geckos bekommen wir auch zu Gesicht. Jetzt erfahren wir, dass der grüne Madagascar Gecko, der uns im Hotel auf unserem Balkon besucht hat, auch ein Schädling ist. Seine Lieblingsspeise ist der einheimische, kleine Gecko, den wir hier auf der Insel sehen. Davon verspeist er gerne zwei pro Tag.
Wir werden gefragt, ob wir schon mal ein Madagascar Exemplar gesehen hätten. Unsere Hand geht hoch. Dann werden wir gefragt, wo wir ihn gesehen hätten, und das wurde notiert. So wird kontrolliert, ob er sich weiter ausbreitet, und gegebenenfalls werden Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen.
kleiner einheimischer Gecko
Madagascar Gecko
Etwas später fragen wir, was mit den Tieren gemacht wird, wenn sie gefunden werden. Wir dachten, sie werden irgendwo gefangen gehalten, aber das ist zu kostspielig. Die Tiere müssen zum Wohl der einheimischen Geckos leider ihr Leben lassen.
Wir erfahren auch, dass die meisten blühenden Bäume auf Mauritius, nicht endemisch sind, genauso wie das meiste tropische Obst nicht auf der Insel heimisch war, bis es durch die Kolonialisten eingeführt wurde.
Die Lehrstunde auf der Insel dauert ungefähr eine Stunde. Dann steigen wir wieder ins Boot und werden zum Parkplatz zurückgebracht.
Als ich mein Handtuch von der Schulter nehme, sind meine Arme komplett übersäht mit Wasserbläschen, die teils doppelt so groß sind wie ein Fingernagel. Ich erschrecke zutiefst, so etwas habe ich noch nie gesehen und es sieht auch eklig aus. Mir wird ganz anders. Vor einer Stunde war noch alles ganz normal. Was ist das? Irgendeine allergische Reaktion? Aber mit Wasserbläschen?
Ich zeige es Vanessa. Sie arbeitet in der medizinischen Forschung und beruhigt mich. Mama das kommt davon, weil deine Haut verbrannt ist und den Schweiß nicht mehr absorbieren kann. Das ist eine einleuchtende Erklärung und passt, weil ich erst auf der Insel das Blaue vom Himmel runtergeschwitzt habe.
Beim Duschen und Abtrocknen gehen die Blasen auf und das Wasser kann abfließen. Jetzt sieht halt meine Haut aus wie eine aufgeplatzte Pellkartoffel. Aber es tut wenigstens nicht weh und nach einem Sonnenbrand schält sich früher oder später sowieso die Haut.
Das war heute einmal wieder ein Tag ganz nach meinem Geschmack. Viele schöne Bäume und grüne Landschaften, kristallklares Wasser, Bootfahren, interessante Führung…Da kann ich es verschmerzen, dass wir diesen Wasserfall nicht gefunden haben. Aber falls jemand von euch einen Mauritius Urlaub vor sich hat, wäre er ein wirklich schönes Ziel für einen Ausflug. Ich wünsche viel Glück bei der Suche.