NEneugierigeThemenstarter7 Beiträge · seit 202322. Mai 2023 · #1Hallo zusammen,
wir fahren Anfang Oktober für 2 Wochen nach Namibia.
Die typische Tour von Windhuk über Sossusvlei, Swakopmund, Damaraland, Etosha (1 ganzer Tag und 2 halbe), Tafelberg, Windhuk.
Wir reisen zur dritt mit einem Hilux und nächtigen in guten Lodges!
Wir, das sind 2 Erwachsene ohne nennenswerte Vorerkrankungen und 1 gesundes Kind (12 Jahre).
Ich war bereits 2007 in Namibia….ähnliche Tour…und ich wurde nicht „besonders“ geimpft und wir hatten lediglich Malaria-Prophylaxe dabei…aber nicht eingenommen.
Nun hab ich vorsorglich unseren Hausarzt befragt und er rät uns eindringlich alle 3 wie folgt zu impfen: Tollwut (3 Impfungen), Typhus (1 Impfung), Cholera (2 Schluckimpfungen) und auch die tatsächliche Einname der Malariamittelchen.
Das hat mich richtig schockiert.
Wir impfen eigentlich nur, was nötig und von der Stiko empfohlen wird.
Diese Impfungen werden auch unter gewissen Voraussetzungen empfohlen (wenn man unter Einheimischen weilt, längere Aufenthalte, zelten etc…aber die Voraussetzungen sehe ich bei uns gar nicht?! Leider ist die Formulierung schwammig und nicht konkret ausformuliert.
(Tetanus ist natürlich für uns alle obligatorisch, Hepatitis bei uns Erwachsenen ebenfalls. Die Kinderärztin werden wir zu Hepatitis nochmal befragen und ggf. impfen)
Darf ich fragen, wie ihr dies handhabt oder einschätzt?
Freue mich über Eure Meinungen…gerne auch per PN 🙂
Hajo52409 Beiträge · seit 202223. Mai 2023 · #2Welch einen Schwachsinn manche Ärzte verbreiten!
Tue es genau so wie 2007. Aber auch ohne Malaria-Prophylaxe.
Lasse Dir höchstens eine Tetanus-Auffrischung geben.
Meine Meinung dazu und gelebte Praxis seit Jahrzehnten.
H.
Gabi-Muc2'191 Beiträge · seit 201623. Mai 2023 · #3Hallo,
ich bin zwar kein Arzt und ich kann Dir nur schreiben was wir machen:
Malaria nehmen wir für dieses Gebiet keine, Typus und Cholera auch nicht. Tollwut sind wir geimpft. Namibia ist zwar kein wirkliches Tollwut Gebiet, aber wenn Du von einem tollwütigen Tier gebissen wirst, gibt es ohne vorherige Impfung in der Regel wenig Chance auf Überleben. Nachdem wir auch außerhalb von Namibia viel unterwegs sind, haben wir uns dazu entschlossen.
Wir impfen eigentlich nur, was nötig und von der Stiko empfohlen wird.
Seit Corona habe ich dazu meine eigene Meinung....
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
waterlike873 Beiträge · seit 201423. Mai 2023 · #4Das sit die Empfehlung die immer gegeben wird lt. Liste. Du brauchst das nicht!
Wir waren schon mehrmals in afrikanischen Ländern (da brauchst du dann Gelbfieberimpfung ) aber ich würde auch auf diese Impfungen wie Tollwut etc. verzichten. Du bist Tourist und damit schon automatisch in einer recht sicheren Umgebung unterwegs.
Malariaprophylaxe in diesem Gebiet würde ich nicht nehmen, und im Caprivi haben wir immer ein Standby dabei...
helga655 Beiträge · seit 200623. Mai 2023 · #5Hallo, wenn ein Hausarzt bei solch wichtigen Fragen nicht in der Lage ist, seine fehlende Fachkenntnis (Reiseland, Reisezeit, Reiseart etc.) einzusehen und z.B.an entsprechende Fachkollegen zu verweisen, würde ich ihn tunlichst schnell wechseln 🤢 😈 😠 .
Da ich keine Ärztin bin, kann ich nur von ca. 25 Jahren eigenen Erfahrungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten ausgehen: außer den in Europa notwendigen Grundimpfungen haben wir nie etwas anderes gemacht, schon gar nicht Cholera oder Tollwut. Am Kunene in der Regenzeit hatten wir Malariaprofilaxe (Doxycycline).
Viel Freude bei Eurer Fahrt und lb Gruß von Helga
VAVagabundo72 Beiträge · seit 201523. Mai 2023 · #6Es gibt zum Hausarzt immer die Möglichkeit durch einen Anruf beim Tropeninstitut oder per Sicherheitshinweis Auswärtiges Amt mich genau zu informieren.
https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/namibia-node/namibiasicherheit/208314#content_5Ein Sprichwort sagt, viel hilft nicht immer viel...
Ärzte sind quasi Geschäftsleute und leben von den Patienten. Das Wissen im Bereich der länderspezifischen Impfungen ist leider nicht immer ausgeprägt da es sehr vielschichtig ist.
chamäleon20112'497 Beiträge · seit 201123. Mai 2023 · #7Ich finde euch alle recht mutig, so vollmundig von fast allem abzuraten. Ich selber habe auch nicht alles an Impfungen, was der Threaderöffnerin empfohlen wird, aber durchaus hier und da andere eigene Erfahrungen, was die Norwendigkeit angeht.
Im letzten November ist mein Reisepartner, ein durchaus sehr erfahrener Afrikareisender, im Okaukuejo-Camp im Etosha mitten auf einem gepflasterten Weg von einem Schakal gebissen worden, also nicht abseits der Orte, an denen sich der Durchschnittstourist aufhält.
Dass man bei einem Biss eines tollwütigen Tieres ohne Impfung keine Überlebenschance hat, stimmt so nicht, aber man muss unverzüglich nach dem Biss geimpft werden (Okaukuejo hat aus gutem Grund Serum vorrätig) und es folgen 4 weitere Impfungen, sodass man seine Reiseroute in Folge massiv ändern muss, das heißt Richtung größerer Städte, die Serum und gute Ärzte haben.
Ich habe mich nach dem Erlebnis gegen Tollwut impfen lassen, habe die drei Impfungen gut vertragen und weiß, dass ich im Falle eines Bisses "nur" noch 2 Impfungen mit einem weniger diffizil einzusetzenden Serum benötige und so nicht gleich mein ganzer Urlaub vorüber ist. Mein Hausarzt scheint übrigens wenig geschäftstüchtig zu sein, ich musste ihn fast bereden, mir die Impfung zu verabreichen. Hat letztendlich als Reiseimpfung die Krankenkasse bezahlt und die Arbeit des Arztes wurde mit je ca. 9 Euro pro Spritze berechnet. Als "Geschäftsmann" hat er da ein eher schlechtes Los gezogen.
Gegen Cholera und Typhus kann man sich (glaube ich persönlich) als Tourist recht gut schützen.
Über Malariaprophylaxe lässt sich trefflich streiten, da füllen die passenden Threads hier im Forum auch viele Seiten. Ich persönlich nehme im Etosha keine Prophylaxe, nehme aber auch kein Mittel als Standby mit, da ich im Falle einer Erkrankung zur Abklärung, um was es sich denn wirklich handelt, lieber einen Arzt aufsuche. Ihr seid nirgendwo, wo ihn tagelang keinen medizinischen Beistand erreichen könnt.
Viele Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein.
Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung"
Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland
Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide
Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
fidel925 Beiträge · seit 201623. Mai 2023 · #8Ich sehe das basierend auf umfassenden Recherchen und eigenen Erfahrungen auch kritischer als die bisherige Mehrheit der Antwortenden. Kein Arzt, aber ich bilde mir ein, mehr Überblick zu haben, als manch ein Arzt - leider beschränkt sich deren Wissen auch nur auf das Nachschlagen von allgemein zugänglichen Informationen.
Tollwut ist für mich jedenfalls ab dem Moment, wo ich tatsächlich potentiell mit Wildtieren in Tollwut-Gebieten in Kontakt komme (d.h. insbesondere als Camper) ein No-Brainer. Auch wenn ich regelmäßig mit dem Hund in Deutschland im Wald unterwegs bin, je nach Region.
Ob Malaria-Prophylaxe sinnvoll ist, hängt von Jahrezeit und Route ab. Nur Etosha u. Trockenzeit ist was anderes als Etosha in der Regenzeit oder Caprivi (egal ob Trocken- o. Regenzeit). Es ist ein Unterschied, ob ich 2-3 Tage im Malariagebiet bin und dann nach Hause reise, oder ob ich 2 Wochen im Malaria-Gebiet bin. Standby-Medikation mitzunehmen ist m.E: jedenfalls in 90% der Fälle zwar eine Standardempfehlung, jedoch oftmals Bullshit. Woher will ich denn wissen, ob mein Fieber auf Malaria beruht und nicht auf einem von X anderen potentiellen Ursachen? Standby-Medikation macht nur dann Sinn, wenn ich bei Erkrankung nicht innerhalb von 24h einen Arzt aufsuchen kann, der einen Malaria-Test machen und mir entsprechende Medikamente verschreiben kann. In diese Situation dürften 95% aller Namibiareisenden nicht kommen.
Typhusimpfungen hat fast keine Nebenwirkungen, je nach Reiseprofil daher durchaus sinnvoll. Cholera ist wahrscheinlich übertrieben (man beachte aber den aktuellen Cholera-Ausbruch in Pretoria).
In eurer Liste fehlt noch die ggf. durchaus auch zu empfehlende Impfung gegen Hepatitis A u. B.
Carsten Möhle1'287 Beiträge · seit 200623. Mai 2023 · #9Das in meinem 38. Afrikajahr immer noch keine Tropenkrankheit nach mir benannt wurde, schreibe ich auch dem Umstand zu allen ärztlichen Ratschlägen und keiner "Schwarmintelligenz" gefolgt zu sein. Ich glaube in meinem Safarileben recht viele Gelegenheiten gehabt zu haben, mir was einzufangen.
Da Deutschland ja neben 40 Mio Fußballtrainern, über 60 Mio Virologen und jetzt auch 40 Mio Ärzten, wahrscheinlich auch 10 Mio Reiseveranstalter, und das alles bei Fachkräftemangel, verfügt, ist es schon spannend, welche esoterischen Vorschläge oder magische Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden. Z.B. das Antibiotikum Doxycycline als Malariaprophylaxe, dann lieber gleich Globuli, die bei richtiger oder falscher Dosierung zu keinerlei Nebenwirkung führen.
Beim touristischen Verhalten und damit fehlender Distanz zu den ganzen niedlichen, anfütterbaren Tieren ist eine Tetanus Auffrischungsimpfung und auch eine Tollwut-Impfung sehr sehr sinnvoll.
In Windhoek steht das Kudu-Denkmal zu Ehren der nur ein Viertel Kudus, die die große Tollwutepedemie in den 70er Jahren überlebt haben. Und auch heutzutage gibt es immer wieder in verschiedenen Landesteilen Ausbrüche.
Malaria ist hier keine seltene Krankheit, die Friedhöfe sind voll davon.
Auch sind die Malaria - Ausfalltage der gut ausgebildeten Himbas am Kunene oder der Caprivianischen Raketentechniker sicher vernachlässigbar.
Ich bin ein Prophylaxe-Fan. Ich halte es auch für sinnvoll, den Sicherheitsgurt bereits vor einem möglichen Unfall angelegt zu haben.
Da gibt es sicher andere Meinungen dazu, aber eine Meinung muss ja auch nicht immer richtig sein.
Auch ist eine Namibiareise anders als Home-Office oder die Fußgängerzone von Wanne-Eickel. Bei einem Land, welches nach einer Wüste benannt wurde, ist qualitätsvolles Wasser immer eine Möglichkeit. Namibia ist bei der Wasseraufbereitung und Kontrolle sehr gut. Allerdings nicht in Tsumeb.
Da bereits zu Kolonialzeiten der Bierverbrauch pro Kopf 4 x so hoch wie in Bayern war, schütze man sich bereits damals auch ohne Tablette bereits vor Typhus. In dieser Tradition steht der abendliche Gin-Tonic als Malariaprophylaxe.
Allerdings sind auch ungefähr die Hälfte der Schutztruppler für das Vaterland hier ehrenvoll an Typhus gestorben.
Vagabundos Hinweise auf eine zweite - professionelle - Meinung ist sinnvoll. Allerdings ist der Hausarzt immer der entscheidende -im doppelten Wortsinne - Ansprechpartner, denn bei dem liegt man nach der Reise mit komischen Symptomen auf dem Tisch, da die Inkubationszeit von Malaria mindestens 7 Tage beträgt, bis zu einem halben Jahr. Dann hat er in seinen Unterlagen schon das Beratungsgespräch und zieht dann hoffentlich die richtigen Rückschlüsse. Auch weiß er bei seinem Patienten - nicht Kunden, um vielleicht bestehende Unverträglichkeiten oder mögliche Medikamentenmischungen, die unvorteilhaft sein könnten. Das weiß das Tropeninstitut nicht.
Das weiß auch nicht, das im Etosha-Nationalpark mittlerweile 5.000 Parkangestellte leben. Der Wilderer-Anteil an diesen Mitmenschen ist dem Tropenarzt egal, für ihn sollten es aber die Eigenschaft als Zwischenwirte für die Malaria interessant genug sein, ihre Verbreitungskarten abzudaten.
Wer die Ärzte alle für käuflich hält, gibt ja nur zu Erkennen, das er selbst einen Preis hat.
Bleiben Sie gesund.
Gerne sogar prophylaktisch.
Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
Carsten Möhle
travelNAMIBIA33,1k Beiträge · seit 200623. Mai 2023 · #10Eine Idee: Was Impfungen angeht, kann man sich Mal die Empfehlungen für die normale namibische Mittelschicht anschauen. Also das, womit meine Kinder, ich und Hunderttausende andere geimpft sind. Das gibt einem einen Idee, was wirklich hier im Land ein Problem darstellt. Der Tourist dürfte maximal dem, eher weniger ausgesetzt sein. Dinge wie Cholera, Tollwut etc tauchen da nicht auf....
Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Hajo52409 Beiträge · seit 202223. Mai 2023 · #11@ Carsten Möhle
Das haben Sie aber schön gesagt. Jedem das Seine.
Ich habe miterlebt, daß es in Tsumeb in der Regenzeit vereinzelt Malariafälle unter Saisonarbeitern gab, aber auch in Karibib in der Trockenzeit. Und wir über mehrere Jahre wochenlang in der Regenzeit in Etoschapfanne und nördlich Tsumeb im Busch und unter freiem Himmel geschlafen, kaputtzerstochen von Moskitos, zu Fuß unterwegs waren, und NULL Fälle von Malaria hatten. Und kein Einziger darunter, der die widerliche Malariaprophylaxe genommen hat.
Es ist ganz einfach Pech, wer die Arschkarte zieht, um gerade auf einen "infizierten" Moskito zu treffen. Das kann selbst in Südeuropa passieren.
Es ist wie bei Corona, wo viele sich in panischer Todesangst fast um die ersten Impfungen geschlagen, und auch betrogen haben. Andere alles ignoriert haben. Und trotzdem leben.
Leute ziehen alles in Panik in sich hinein und machen sich keine Gedanken darüber, daß das, was sie jetzt schützen soll, ihnen langfristig auch schaden kann.
Immerhin kenne ich in Namibia mehr Menschen die in 80 Jahren keine Malaria hatten, als gleichaltrige Menschen, die davon krank wurden. Die einheimischen in Südafrika ausgebildeten Ärzte haben die Malaria bestens im Griff. Da hätte ich keinerlei Angst. Todesfälle kommen zumeist vor bei Menschen, die die Krankheit nicht rechtzeitig oder garnicht behandeln lassen und somit häufig zu spät zum Arzt kommen. Und das ist meist in den Stammesgebieten fernab von Behandlungsmöglichkeiten.
Wenn wir schon mal über Krankheiten reden, da gibt es viel schlimmere und gefährliche Krankheiten, die besonders unter den Nichteuropäern grassieren, und das sind die Tuberkulose und HIV.
Für Interessenten: Es gibt ein TBC Hospital in Usakos seit 80 Jahren, ehemals betrieben durch die katholische Mission.
Ja, wir sind in den Schulen des "alten" Namibia gegen TBC geimpft worden, und uns wurden Verhaltensweisen beigebracht. Aber, von solchen Krankheiten, wie auch das grassierende HIV, redet man nicht. Die holt man sich zumeist dort, wo man seine sozialen Kontakte pflegt. Und das ist ein Tabu darüber zu reden.
Wer nicht ganz naiv ist, kann sich sehr leicht schützen. Erst denken, dann handeln. Angst und Panik sind zumeist schlechte Begleiter.
Und ich bleibe dabei: Die wichtigste Impfung ist und bleibt Tetanus.
Hajo
busko807 Beiträge · seit 201823. Mai 2023 · #12Hallo zusammen!
Unser (menschliches) Empfinden für Gefahr ist oftmals "digital".....
Passiert nichts, so war es 100 % sicher.....Passiert doch was, so war es 100 % unsicher!
Aus obigem Grund, so ziemt es mir, sind alle Aussagen nach dem Motto;
"Ich bin schon x Jahre ohne Prophylaxe gereist und es ist nie etwas passiert!", relativ sinnfrei.
Ich bin auch schon in einigen wirklich "schummerigen" Ecken unseres schönen Planeten gewandelt und es ist nie etwas passiert.
Das heisst aber noch lange nicht, dass dies ungefährlich war!
Da die aller meisten Prophylaxen sehr, sehr viel weniger gefährlich sind als die Krankheiten die sie vermeiden sollen, würde ich im Zweifel immer zur Prophylaxe tendieren!
Liebe Grüsse,
busko
.....und, noch einen abschliessenden Gedanken aus einer ganz anderen Richtung.....
Ich persönlich würde mir schon selbst heftige Vorwürfe machen, wenn ich hier im Forum eine (womöglich Testosteron getriebene!) Empfehlung gegen Prophylaxe abgegeben hätte und ein Mitmensch dadurch ernsthaft krank geworden wäre!
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
Bonebreaker240 Beiträge · seit 201924. Mai 2023 · #13Auch das Thema Impfen hängt letztendlich wie so oft von der eigenen "Gefahrenbeurteilung" ab und die Diskussion zeigt, dass jeder damit anders umgeht. In Zeitalter von Internet meint jeder dort die richtige Antwort zu finden, bekommen tut man meist ein Sammelsurium verschiedener Antworten und ist unter Umständen verunsicherter als vorher. Nennt mich altmodisch, aber für gesundheitliche Fragen gibt es immer noch Ärzte. Allerdings zum Thema Reiseschutzimpfungen ist der Hausarzt, sofern er keine Zusatzqualifikation als Reisemediziner hat, meist nicht ideal. Daher gibt es an fast jeder Uniklinik bzw jeder größeren Stadt ein Zentrum für Reisemedizin, die einen ordentlich berät. Das kostet ein paar Euro, aber wenn man unsicher ist, oder in eine Region fährt, die man nicht gut kennt, ist das gut investiertes Geld.
Gruß Bonebreaker
MImitglied19210Gast24. Mai 2023 · #14Carsten Möhle schrieb:Da Deutschland ja neben 40 Mio Fußballtrainern, über 60 Mio Virologen und jetzt auch 40 Mio Ärzten, wahrscheinlich auch 10 Mio Reiseveranstalter, und das alles bei Fachkräftemangel, verfügt, ist es schon spannend, welche esoterischen Vorschläge oder magische Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden. Z.B. das Antibiotikum Doxycycline als Malariaprophylaxe, dann lieber gleich Globuli, die bei richtiger oder falscher Dosierung zu keinerlei Nebenwirkung führen.
Zumindest in dem Punkt dokumentierst Du nur eigene Wissensdefizite. Sowohl die WHO als auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes empfehlen offiziell Doxycyclin für die Malariaprophylaxe. Doxycyclin ist in vielen Ländern auch offiziell dafür zugelassen. In Deutschland ist das allerdings (noch) ein "Off-Label-Use". Das ändert nichts daran, dass Wirksamkeit und relativ gute Verträglichkeit von Doxycyclin in der Malariaprohpylaxe wissenschaftlich unstrittig sind. Es mit einer Empfehlung für Globuli gleichzusetzen, ist grober Unsinn.
Grüße, Thorsten
Sangwali311 Beiträge · seit 201724. Mai 2023 · #15Wirklich interessant, wie dissonant diese Diskussion geführt wird. Der Verlauf sollte jeder Userin und jedem User zeigen, dass man seine eigene Entscheidung sehr vorsichtig treffen sollte und möglichst nicht basierend auf Informationen aus diesem Forum.
Natürlich haben unterschiedliche Ärzte zu einer Frage unterschiedliche Meinungen. Die eine wird vielleicht eher zu der vorsichtigen Fraktion gehören und vielleicht auch mal zu einer Typhus-Impfung raten, der andere womöglich eher zu der robusten Fraktion, der auch von der Malaria-Prophylaxe eher abrät. Die eine Wahrheit gibt es halt nicht. Und natürlich ist auch die Erwartungshaltung jedes Patienten und jeder Patientin unterschiedlich. Erwartet der eine das Rundumsorglos-Paket, will die andere vielleicht nur ihre eigene Haltung vom Arzt bestätigt bekommen und regt sich schon über die Empfehlung zur Tetanus-Auffrischung auf. Da jedoch von „Schwachsinn“ zu sprechen, ist nicht nur unangebrachte Polemik, die die Unsicherheit von Fragestellern noch verstärkt, sondern belegt auch die eigene Unfähigkeit zur differenzierten Betrachtung von Themen.
Dass sich das Wissen von Ärzten nur auf das Nachschlagen von allgemein zugänglichen Informationen beschränkt, mag im Einzelfall nicht falsch sein. Wird z. B. ein Neurologe oder ein Gynäkologe gefragt, wie er zu Impfungen gegen Tropenerkrankungen steht, wird er vermutlich öffentlich zugängliche Quellen zu Rate ziehen. Der Unterschied zum Otto-Normal-Verbraucher besteht aber darin, dass er diese Informationen in dem Wissenskontext bewertet, den er im Studium erworben und in seinem ärztlichen Berufsleben vertieft hat. Das wird (zum Beispiel!) der Kfz-Mechatroniker oder der Jurist nicht können.
Aus diesem Grunde gehören derartige Diskussionen – nach meiner persönlichen Auffassung – nicht in ein solches Forum.
M. E. ist die einzig richtige Vorgehensweise, den Hausarzt zu fragen, wo man sich tropenmedizinisch beraten lassen kann. Hat der Hausarzt entsprechende Kenntnisse, wird er – je nach Zielland, Fragestellung und Haltung des Patienten – sicher die eine oder andere Frage kompetent beantworten können. Hat man Zweifel, kann man sich auch selbst informieren, z. B. auf der Website des Zentrums für Reisemedizin CRM:
https://www.crm.de/beratungsstellen/index.aspHier findet man per Suchfunktion entsprechend ausgebildete Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Kompetenz.
Viele Grüße Robert
Buitepos88 Beiträge · seit 202025. Mai 2023 · #16Sofern nicht irgendein guter Grund gegen eine bestimmte, von deinem Hausarzt empfohlene Reiseimpfung spricht, kann ich eigentlich überhaupt keinen Grund erkennen, darauf zu verzichten, insofern finde ich die Ausgangsfrage schon ein wenig "merkwürdig".
Bei Selbstzahlern mag ich noch nachvollziehen können, dass man sich bestimmte teurere Sachen wie Rabipur sparen möchte. Und ich sehe auch ein, wenn man keine Malarone prophylaktisch schlucken möchte (und als Standby braucht man es auch nicht, im Zweifelsfall bekommt man das immer im Umkreis einer Tagesreise).
Aber wohlgemerkt: wenn die Kasse es zahlt, dann muss man über alle hier angesprochenen Impfungen ziemlich zweifelsfrei sagen, dass der Nutzen die Risiken und Nebenwirkungen um zahlreiche Größenordnungen überwiegt, sofern es solche überhaupt gibt.
Nur weil manches vielleicht ein wenig unangenehm sein mag, ist das doch kein Grund, das auf Teufel komm raus vermeiden zu müssen. Die Sicherheitshinweise im Flieger oder bei der Kreuzfahrt gehören genauso zum verantwortungsbewussten Reisen wie die Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport, der angelegte Sicherheitsgurt im Auto, die angemessene Geschwindigkeit auf den Gravel Pads, der regelmäßig aufgefüllte Tank, ein angemessenes "Misstrauen" gegenüber (kleinen) Teilen der einheimischen Bevölkerung, die Mitnahme von ausreichend Wasser etc. pp.
Nur, weil es eine beinahe religiöse Abneigung gegen Impfungen gibt, ausgerechnet in dem Bereich auf unnötig riskantes Verhalten zu setzen, halte ich, mit Verlaub, für 🤢
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200626. Mai 2023 · #17Gabi-Muc schrieb:
Tollwut sind wir geimpft. Namibia ist zwar kein wirkliches Tollwut Gebiet, aber wenn Du von einem tollwütigen Tier gebissen wirst, gibt es ohne vorherige Impfung in der Regel wenig Chance auf Überleben.
Eine Impfung ist auch nach einem Biss möglich. Wenn bereits Symptome auftreten, ist es natürlich zu spät.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
mc3009219 Beiträge · seit 201526. Mai 2023 · #18Hallo,
ich persönlich finde es nicht verwerflich, diese Frage im Forum zu stellen. Schließlich wurde ja nicht gefragt "Was soll ich tun?" sondern "Wie handhabt ihr das?". Dass hier dann Meinungen von Impfbefürwortern wie Impfskeptikern aufeinandertreffen, war sicher zu erwarten, wenn auch die Massivität der einen oder anderen Meinung mich immer wieder überrascht.
Ich finde es auch legitim, eine Empfehlung eines Arztes infrage zu stellen. Ohne ein kritisches Hinterfragen hätte ich sonst schon eine Schulter-OP und einen Herzeingriff hinter mir, beides völlig überflüssig. Auch bei Ärzten gibt es Skeptiker und Befürworter. Ich habe zwei Ärzte im Bekannten-/Freundeskreis, denen ich beide mein Leben anvertrauen würde, die aber sicher hier völlig unterschiedliche Ratschläge geben würden.
Ich persönlich würde nie von einer Impfung abraten, umgekehrt aber auch nie eine Impfung empfehlen. Die Folgen einer Infektion ohne Impfung wie umgekehrt einen möglichen Impfschaden, würde ich nie verantworten wollen. Trotzdem kann es im Zweifel hilfreich sein, verschiedene Meinungen zu hören.
Mich für ist die Entscheidung impfen ja oder nein, eine Frage der Abwägung. Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko? Welche Risiken habe ich bei Erkrankung? Wie gut ist der Impfschutz (hier gibt es große Spannweiten)? Wie lange hält der Schutz? Wenn länger oder auf Lebenszeit, reise ich in weitere Risikogebiete? Wie ist die Impfverträglichkeit? Welche Wechselwirkungen gibt es (z.B. Typhus-Schluckimpfung zu Malaria-Prophylaxe)? Dann spielen noch andere Fragen eine Rolle, z.B. kann der ängstliche Typ möglicherweise seinen Urlaub ohne Impfung nicht genießen. Nicht abhängig mache ich eine Impfung von Kosten. Ich lasse mich nicht impfen, nur weil es umsonst ist und wenn ich mir eine Impfung, bei der ich glaube sie wäre nötig, nicht leisten kann oder will, dann wähle ich mir lieber ein anderes Urlaubsziel.
Meiner Meinung nach lohnt es sich, sich selbst damit auseinanderzusetzen, wenn es nur dazu führt, dass man ein gutes Gefühl für den ärztlichen Rat bekommt. Schließlich geht es um die eigene Gesundheit.
Viele Grüße
Marc
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200627. Mai 2023 · #19mc3009 schrieb:
Wir sprechen hier auch nicht über eine gesellschaftliche Verantwortung wie bei Masern oder Corona.
Eine gesellschaftliche Verantwortung hat es im Falle von Corona nie gegeben. Die hat man uns gebetsmühlenartig einzureden versucht (und bei sehr Vielen hat das auch funktioniert), aber tatsächlich ist die Quote der Ansteckungen bei Geimpften und Ungeimpften etwa gleich hoch gewesen bzw. ist es immer noch. Und alle, die sich angesteckt hatten, konnten das Virus auch weitergeben, ob geimpft oder ungeimpft.
Wir haben bei uns in der Belegschaft eine Impfquote von 90% gehabt. Und 90% der Infizierten waren geimpft. Wir konnten überhaupt keinen Unterschied feststellen. Allerdings wurden die Mitarbeiter unserer fünf Kliniken zur Impfung genötigt. Viele haben es nur deswegen machen lassen, um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren.
Ansonsten stimme ich mit Dir überein. Risikoabwägung ist das Stichwort. Wie hoch ist das Risiko, wie hoch der Schutz und wie groß die Gefahr, wenn man sich ansteckt. Und in manche Länder kommt man halt nur mit bestimmten Impfungen rein. Das stellt sich dann noch dieFrage, ob man sich die geben lässt oder nicht.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
mc3009219 Beiträge · seit 201527. Mai 2023 · #20Guten Morgen Wolfgang,
danke für den Hinweis, du hast natürlich recht, das war nicht gut formuliert von mir. Da mir keine bessere Formulierung eingefallen ist, habe ich diesen Satz nun einfach rausgelöscht. Was ich eigentlich nur sagen wollte ist, dass ich persönlich auch betrachte, ob ich auch andere bei einer Ansteckung gefährde oder nicht. Ich wollte kein Statement zu Corona- oder Masernimpfungen abgeben.
Mir ist ganz wichtig nochmals zu betonen, dass ich hier nicht meine Meinung verbreiten will, sondern nur auf die Frage antworten wollte "Wie handhabt ihr das?". Keinesfalls will ich eine Diskussion über einzelne Impfungen lostreten, schon gar nicht über Corona. Dafür ist mir das Thema viel zu emotional und auch zu facettenreich. Bei der Beantwortung der Fragen, die ich aufgelistet hatte, kommt auch jeder zu einem anderen Ergebnis. Chancen und Risiken lassen sich einfach nicht exakt beziffern, jeder schätzt diese anders ein und gewichtet unterschiedlich, wie sich in den Posts teilweise eindrucksvoll erkennen lässt.
Schöne Feiertage
Marc