„La Puna deja huellas“ oder „Im Höhenrausch“

Reisebericht 88 Antworten · 9'335 Aufrufe · gestartet 08. Nov. 2022 von Sabine26
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200911. Dez. 2022 · #41
Hallo zusammen,

ich weiß zwar nicht, ob noch viele beim Bericht dabei sind, aber wer gerne noch weitere Bilder sehen möchte, ein weiterer Teil ist auf meiner Seite fertig. Unter Teil 3 gibt es nur einen einzigen Tag, ich hatte einfach zu viele Bilder:

https://www.passionate-about-travel.de/argentinien-teil-3---tolar-grande

Auf alle Fälle vielen Dank an alle DANKE-Button-Drücker.

Viele Grüße
Sabine
1'523 Beiträge · seit 201111. Dez. 2022 · #42
Oh Nein....... ich bleibe dran......die Landschaft fasziniert mich.....wahrscheinlich aus den gleichen

Gründen wie bei Dir..... 🙂 🙂 🙂

LG.....BMW
2'191 Beiträge · seit 201612. Dez. 2022 · #43
Hallo Sabine,

ich bin noch dabei, auch wenn ich mich nicht gemeldet habe. Ich weiß, dass Du mir Deinem Mann inzwischen Englisch sprichst. 😉

Ich frage mich auch immer wieder, ob diese Reise etwas für mich wäre. Die Landschaften sind zwar atemberaubend, aber die Lodgen gefallen mir so gar nicht....

LG

Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
761 Beiträge · seit 201012. Dez. 2022 · #44
¡Hola! Sabine, 😉

erst heute bin ich dazu gekommen, Deinen Reisebericht mit den tollen Fotos durchzulesen - in einem Rutsch. 🙂
Ich finde es bewundernswert, dass Du eine solche Reise allein unternommen hast.
Zum Glück hattest Du einen kompetenten Reiseleiter.

Die Fotos zeigen ein traumhafte Landschaft, verwunschene Orte, schöne Unterkünfte.
Leider hab ich Probleme ab 3000 m , das wär also nichts für mich.
Um so mehr genieße ich Deine Bilder!

LG Doro
~ Africa is a feeling ~
560 Beiträge · seit 202112. Dez. 2022 · #45
Liebe Sabine!

Auch ich bin noch dabei und genieße deinen Bericht mit den wunderschönen Fotos! Einfach nur großartig - diese Einsamkeit und Weite!
Besonders nett ist das gefleckte Lama 😘
Der Fuchs leidet scheinbar nicht unter Futtermangel 😗 Obwohl - vielleicht ist es ja nur so viel Fell - das hat meine Schwester von ihrem übergewichtigen Islandspitz immer behauptet 😗 😗
Freu mich schon auf die Fortsetzung,
viele liebe Grüße,
Kathrin
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200915. Dez. 2022 · #46
Lieber BMW, liebe Kathrin,

schön, dass Ihr noch dabei seid. Ich muss mal schauen, wann ich den nächsten Teil schaffe. Bin gerade beruflich ziemlich eingespannt, aber ich bleibe dran.


Liebe Doro,

wie schön, mal wieder von Dir zu lesen! Oh, wenn Du schon bei 3.000 Metern Probleme hast, ist diese Route wahrscheinlich wirklich nichts für Dich. Selbst die Übernachtungsorte liegen schon um Einiges höher. Reise dann einfach virtuell mit mir mit. Grüße Deinen Mann von uns.


Liebe Gabi,

die Unterkünfte in Argentinien sind natürlich anders als in Namibia, aber ich würde keinesfalls sagen, besser oder schlechter, halt anders. Ich habe mich schon in sehr vielen dort richtig wohl gefühlt, manchmal gibt es aber natürlich nicht immer schöne. Gefallen Dir die Unterkünfte in Cachi und in Salta auch nicht? Ich habe mich in beiden sehr wohl gefühlt. In Cachi ist es mit die beste, in Salta in der Stadt gibt es andere. Aber wenn Dir diese nicht zusagen, kann es tatsächlich schwierig werden.

In Tolar Grande und in El Peñón muss man natürlich Abstriche machen, das sind schon die besten bzw. in Tolar Grande auch die einzige. Wenn ich allerdings bedenke, in welcher abgelegenen Gegend ich dort war, war es okay.

Viele Grüße
Sabine
zuletzt bearbeitet 15. Dez. 2022
1'624 Beiträge · seit 201520. Dez. 2022 · #47
natürlich lese ich nach wie vor hier mit und freue mich schon auf noch mehr Fotos auf Deiner Homepage. Die Gegend ist einfach so gigantisch und vielleicht hat sich seit 2014 wirklich gar nicht soviel verändert.
Was mir nicht ganz klar ist, welche Straße Ihr zwischen Tolar Grande und Antofagasta gefahren seid.
Herzlich grüßt
Elisabeth
Reiseberichte/ Fotos im Namibiaforum: Namibia, 2x Kenia, Äthiopien/Djibouti, Südafrika, Marokko, Ecuador Festland Reiseberichte/Fotos in Ingrids Forum: Baja California, Delta und Krüger, Simbabwe, Réunion, Ecuador/Galapagos, 2x Indien, Milos/Santorini, Kanada "Viele sagen, man soll gehen, wenn es am schönsten ist, aber ich finde, man soll lieber dahin gehen, wo´s am schönsten ist." Das Känguruh
2'191 Beiträge · seit 201621. Dez. 2022 · #48
die Unterkünfte in Argentinien sind natürlich anders als in Namibia, aber ich würde keinesfalls sagen, besser oder schlechter, halt anders. Ich habe mich schon in sehr vielen dort richtig wohl gefühlt, manchmal gibt es aber natürlich nicht immer schöne. Gefallen Dir die Unterkünfte in Cachi und in Salta auch nicht? Ich habe mich in beiden sehr wohl gefühlt. In Cachi ist es mit die beste, in Salta in der Stadt gibt es andere. Aber wenn Dir diese nicht zusagen, kann es tatsächlich schwierig werden.
Hallo Sabine,

die Unterkunft in Cachi sieht sehr schön aus. Die könnte mir sicherlich auch gefallen. Aber wenn ich lese: es ist kalt, ich schichte die Decken übereinander und den Heizlüfter möchte ich nicht anstellen, dann kommt bei mir da keine so große Freude auf.

Aber vielleicht habe ich mich mit der Ecke auch noch nicht beschäftigt und wäre Feuer und Flamme, wenn ich es täte.

Aber es gibt so viele Ecken zu erleben und die verfügbare Zeit für Reisen ist leider begrenzt.

LG

Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200927. Dez. 2022 · #49
Liebe Elisabeth,

ich freue mich, dass Du noch mitliest 🙂
Die Route führte quer über den Salar de Arizaro bis nach Antofalla, dann einmal quer über den Salzsee und von dort nach Antofagasta de la Sierra. Beschilderungen: Fehlanzeige


Liebe Gabi,

ich war mir nicht sicher, was Du meintest hinsichtlich der Unterkünfte, aber ich verstehe Dich, ich habe es ja auch gerne etwas komfortabler.


Gleich geht es mit dem nächsten Tag weiter.

Viele Grüße

Sabine
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200927. Dez. 2022 · #50
Der hier bereits gepostete Tag 8 sowie auch (!) der nun folgende Tag 9 sind seit kurzem auf meiner Seite online.


Tag 9 – El Peñón
Vulkanische Puna, archäologische Puna, tierreiche Puna oder kurz gesagt: Ich bin im Safari-Himmel

Das Frühstück nehme ich wieder zusammen mit dem Herrn aus England ein. Seiner Frau geht es weiterhin nicht gut und sie wird heute in der Unterkunft bleiben. El Peñón liegt auf etwa 3.500 Metern und ist in der Puna damit fast schon als gemäßigt zu bezeichnen, aber dennoch hoch genug gelegen, um unter Soroche zu leiden. Zum Glück geht es mir nach wie vor gut, nur die Trockenheit macht mir ein wenig zu schaffen, ständig behalte ich meine sich in Windeseile leerenden Wasservorräte im Auge - und natürlich meine Zähne mit den immer wiederkehrenden Flecken, die dann über Nacht wundersamerweise wieder verschwinden.

Kurz nach 08:00 Uhr sitzen mein Guide und ich bereits im Pickup. Auf der geteerten Straße fahren wir bis Antofagasta de la Sierra, wo nicht nur der Asphalt endet, sondern wo wir auch bis zum Abend die letzten Spuren menschlicher Ansiedlung hinter uns lassen werden. Wir biegen Richtung Osten ab und legen unseren ersten Stopp am Campo las Tobas ein. Die archäologische Sehenswürdigkeit in Form von 10.000 Jahre alten Petroglyphen ist mir ebenfalls bisher nicht bekannt gewesen.


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Unweit vom Campo las Tobas liegt der Canyon de Membrita. Ich laufe alleine los. Von einem ungesicherten Felsvorsprung schaue ich in die Tiefe auf eine Vega. Das lebensspendende Blau des Wassers, das für das Gelb und Grün an seinen Ufern verantwortlich zeichnet, liefert einen interessanten Kontrast zum Rot und Grau der Umgebung. Ich stelle mir vor, wie es wäre, hier einen Puma zu sehen, aber die Wahrscheinlichkeit einen Sechser im Lotto zu erzielen, liegt möglicherweise höher als solch eine Sichtung. Schade, mit dieser Sichtung wäre mir die Entscheidung für den Titel meines Reiseberichtes leicht gefallen, Puma in der Puna. Nun gut, man kann nicht alles haben. Lange kann ich diesem Gedankengang nicht nachhängen, denn meine Einsamkeit hat ein Ende, als drei Männer mit ihrem Guide vorfahren und sich nähern. Wie üblich, werde ich von allen freundlich gegrüßt und einer fragt mich, woher ich käme. Nachdem ich die Frage beantwortet habe, mache ich geschwind ein paar Fotos, unter anderem eines mit unserem Wagen im Matchbox-Format auf Felsen.


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Mein Guide und ich unterhalten uns über die mir so witzig erscheinenden gleichlautenden Doppelnamen. Während des Gespräches lerne ich einen neuen dieser Namen kennen, Muña Muña. Es handelt sich um eine Pflanze, die in den hohen Regionen der Anden wächst und unter Einheimischen als natürliches Viagra bekannt ist.

Die Landschaft, durch die wir nun fahren, ist einmal mehr wieder komplett anders als alles, was ich in den vergangenen Tagen gesehen habe, aber nicht minder schön und ebenso einsam. Die Puna erstaunt mich ständig aufs Neue, es ist kaum zu glauben, dass es in der Kargheit solch eine Vielfalt von Formen und Farben geben kann. Keine Minute ist mir langweilig, ständig prasseln neue Eindrücke auf mich herab. Ich merke, wie sich meine interne Speicherkarte mehr und mehr füllt. Das ist auch gut so, denn die Speicherkarte meines Fotoapparates kann diese Landschaften nur begrenzt erfassen.


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Dann stehen wir vor dem Eingang des Cañón de Real Grande, die 4.000 Meter Marke haben wir schon längst ein weiteres Mal überschritten. Hier am Beginn des Canyons steht ein Schild, das darauf hinweist, dass dieser Abschnitt nur mit 4 x 4 zu befahren ist. Nun gut, jeder, der es bis hierher geschafft hat, wird sicherlich nicht ohne auf der ihm hinter liegenden Strecke ausgekommen sein.

Etwa 15 Minuten dauert die Fahrt auf recht rauer und zuweilen so enger Piste, dass nur wenige Zentimeter zwischen Fahrzeug und Felswänden liegen.

Die Piste, die nun folgt, hat den Namen nur zeitweise verdient, denn des Öfteren ist sie nicht existent. Nach meiner Einschätzung ist dies der bisher anspruchsvollste Streckenabschnitt, den wir auf meiner Tour durch die Puna fahren. Dafür ist die Landschaft um mich herum einmal mehr atemberaubend, sogar Büßerschneeformationen in Bonsaigröße finden sich zu meiner Freude am Wegesrand. Wie kalt es hier werden kann, zeigt sich auch am Eis auf den Bachläufen.


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Nach langer, aber spektakulärer Fahrt durch Landschaften, die mir keine Minute des Durchatmens gönnen, was in Anbetracht des spärlichen Sauerstoffes in dieser Höhe beinahe doppelt anstrengend klingen mag, stehen wir am Mirador auf 5.140 Metern am Kraterrand des Vulkans Galán und schauen hinunter auf die Laguna Diamante, die im südwestlichen Bereich der Caldera liegt. Obwohl dieser Vulkan eine der größten Calderas mit einem Durchmesser von mehr als 40 Kilometern umfasst, gehört er eher zu den unbekannten, heißblütigen Repräsentanten seiner Art auf unserem Planeten. Dieser gigantische Krater entstand bei einer Supereruption vor mehr als 2 Millionen Jahren, wurde aber tatsächlich erst durch Satellitenaufnahmen entdeckt.


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Wir fahren hinunter zur Lagune. Es bläst ein eisiger Wind. Auf einem etwas erhöhten Aussichtspunkt halte ich ein paar Meter Abstand zum Abgrund, da der Wind hier nicht nur eisig, sondern mit solcher Kraft an mir zerrt, dass ich Probleme habe, nicht den Halt zu verlieren. Lange halte ich es daher hier oben nicht aus und flüchte mich ins Auto, in dem ich mich fast ein wenig wie auf einem Boot fühle, so sehr schwankt es. Recht nahe an der Wasserkante ist es nicht mehr ganz so stürmisch.

Für mich und meine Kamera gibt es kein Halten mehr, so sehr nimmt mich die Szenerie gefangen. Irgendwann trenne ich mich aber auch von diesem Ort. Vor uns liegen weitere Programmpunkte und auch dieser Tag ist endlich. Die Straßenverhältnisse im Krater sind auch nicht die allerbesten, um es vorsichtig zu formulieren.


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Zu meiner Überraschung gibt es hier sogar ein kleines Areal mit Fumarolen, nichts Spektakuläres, wenn man bereits andere ähnliche Gebiete oder Geysire gesehen hat, aber auf alle Fälle lohnenswert für einen kurzen Stopp, wenn man ohnehin gerade in dieser Gegend unterwegs ist. Mein Guide wartet wieder im Auto, während ich einige Fotos von den Fumarolen mache. Hier begegne ich wieder den Männern vom Membrita Canyon. In fließendem Englisch fragt mich einer der Männer tatsächlich, ob ich für ein Naturmagazin oder eine Universität arbeite. Ich bin völlig erstaunt, als er mich dies fragt und wundere mich, wie er darauf kommt. Möglicherweise, so meine Annahme, weil es eher ungewöhnlich ist, ausländische Touristen hier anzutreffen und dann noch eine allein reisende Frau mit Guide. Nein, ist meine Antwort, ich bin nur eine Touristin, die bereits schon einige Male in Argentinien war und immer wieder gerne durch dieses schöne Land reist. Jetzt ist es an ihm, völlig erstaunt zu sein. Im Nachhinein frage ich mich, was er wohl dachte, als ich ihm meine Antwort mit unterschiedlich weißen, dafür aber mit obendrein hellweiß gesprenkelten Zähnen entgegnet habe. Zumindest hat er sich nichts anmerken lassen. Wir unterhalten uns kurz, er erzählt mir, dass er Argentinier sei, aber in Europa lebt und arbeitet. Das war eine sehr nette Begegnung und auch die einzige, seitdem wir das Asphaltband hinter uns gelassen haben.

Wir verlassen den Krater mit seinen gigantischen Ausmaßen und halten nur kurz an einem Aussichtspunkt, der mich auf eine weitere kleinere Lagune blicken lässt, bevor wir unsere Fahrt zur Laguna Grande fortsetzen.

Die Szenerie, die die Laguna Grande umgibt, ist wunderschön. Wir suchen uns oberhalb der Lagune einen Platz, wo wir unser verspätetes Mittagessen mit spektakulärem Blick auf die Lagune einnehmen. Leider ist es so windig, dass wir unser Sandwich im Auto essen müssen, aber mit was für einem Ausblick werde ich belohnt. Hinter dem Wagen befinden sich Felsformationen, die mich an Hoodoos in Nordamerika erinnern und wenn ich mich nach links drehe, schaue ich auf eine weitere kleinere Lagune, die eine gänzlich andere Farbe aufweist.


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In der Laguna Grande tummeln sich unzählige James Flamingos. Im Winter friert alles zu, aber sobald der Frühling erwacht, finden sich die rosa-weiß gefiederten Vögelchen ein. Die Lagune auf 4.150 Metern Höhe ist eine ihrer größten Sammelpunkte in den Anden. Zeitweise beherbergt die Lagune sogar 25 % der gesamten Population des James Flamingos. Ich habe bereits einige Lagunen in den Anden besucht und immer wieder Flamingos gesehen, aber noch nie in dieser Anzahl, und ich bin mir zudem nicht sicher, ob ich zuvor schon einmal James Flamingos gesehen habe.

Ich kann mich nicht satt sehen und mein Fotoapparat muss im Akkord arbeiten; ich bekomme in der Puna keine Atempause, warum sollte er.

Gerade, als wir die Lagune verlassen wollen, sammelt sich eine größere Gruppe und vollzieht einen Tanz, wie ich in bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Die Gruppe stolziert gemeinsam nach rechts, dreht sich dann geschlossen um und stolziert nach links, um anschließend das gleiche Ritual ein weiteres Mal zu vollziehen. Dieses Schauspiel wiederholt sich mehrmals. Es ist einfach nur faszinierend und ich kann es mit eigenen Augen sehen. Ich bin nicht in Afrika, ich bin in der Puna und dennoch bin ich im Safari-Himmel, jetzt und hier.


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Langsam wird es zur Gewohnheit, das Abendessen nehme ich wieder gemeinsam mit dem Herrn aus England ein und wieder führen wir sehr angenehme Gespräche. Seine Frau fühlt sich immer noch nicht fit genug, um das Zimmer zu verlassen. Ich hoffe für die beiden, dass sie ihre Reise, die die nächsten Tage noch ganz andere Höhen als El Peñón abverlangen wird, gut überstehen und sie diese auch genießen werden können. Ich werde die netten Gespräche vermissen, denn beide werden morgen abreisen, ich hingegen habe noch einen weiteren Tag, einen letzten Tag in der Puna. Auf mich wartet ein ganz besonderes Highlight, auf das ich mich sehr freue.
608 Beiträge · seit 202028. Dez. 2022 · #51
Hallo Sabine!

Bislang hab ich diesen Bericht mehr oder weniger unbeachtet gelassen - welch eine Sünde, wie ich jetzt feststellen musste! Die Landschaft finde ich total genial! Wunderbar, das Karge, das Trockene! Wunderbar diese Farben und Formen! Wunderbar, wie blau der Himmel darüber erstrahlt!
Leider wird das aber ein Ziel außerhalb meiner Reichweite bleiben. Mir wurde früher schon auf 2000m beim Skifahren schlecht, besonders dann wenn Wind ging. Und Kälte mag ich auch nicht.
Daher ein umso größerer Dank, dass Du uns Weicheier zumindest auf diese Weise auf die Reise mitnimmst!
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200929. Dez. 2022 · #52
Hallo Birgit,

schön, dass Du Dich entschlossen hast, hier doch reinzuschauen und den Bericht nicht weiterhin „links liegen zu lassen“, aber ist auch echt schwierig, es gibt so viele schöne und interessante Berichte, man (also ich) schafft/schaffe gar nicht alle zu lesen, die mich interessieren.

So richtig kalt war es eigentlich nur, sobald die Sonne unterging und tagsüber nur, wenn es wirklich weit nach oben ging und zu allem Überfluss noch der Wind hinzukam. Aber ja, wenn Du bereits bei 2.000 Metern Probleme hast, sind diese Höhenlagen natürlich noch einmal eine ganz andere Nummer.

LG
Sabine
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200931. Dez. 2022 · #53
Tag 10 – El Peñón
Formenreiche Puna, surreale Puna oder einfach: Wunderwelten-Puna


Gestern Abend sagte mir mein Guide, er habe während des standardmäßigen Checks unseres Wagens festgestellt, dass wir einen platten Reifen hätten. Nur gut, dass das nicht unterwegs passiert ist, ich wäre keine große Hilfe gewesen und hier im Ort ist der Reifenwechsel sicherlich einfacher zu handhaben. Bei den Pisten mit dem oftmals sehr scharfkantigen Vulkangestein habe ich mich schon gefragt, ob unsere Reifen die Reise unbeschadet überstehen werden.

Gegen 08:15 Uhr verlassen wir die Hostería für unsere Tagestour und ich bin voller Vorfreude, denn heute steht ein Programmpunkt an, auf den ich entgegenfiebere. Vor vielen Jahren hatte ich das erste Mal Fotos gesehen und ich wusste, diesen Platz muss ich unbedingt mit eigenen Augen sehen. Aber zuvor fahren wir zur Laguna Carachi Pampa und zum Vulkanfeld des namensgebenden Vulkans.

Mein Guide lässt mich an einem Ende der Lagune aussteigen und wird am anderen Ende der Lagune auf mich warten. Wie immer, soll ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Ich habe keinerlei Zeitdruck und genieße die Zeit für einen Spaziergang entlang der Lagune, auch wenn der Untergrund äußerst uneben und von Wasserläufen durchzogen ist. Gleichzeitig Fotografieren, Laufen und nicht nach unten schauen, könnte durchaus zu nassen Füßen führen oder ein Stolpern zu mehr als nur nassen Pedes. Wieder ist kein Mensch weit und breit, dafür ist das tierische Leben einmal mehr auf dieser Reise reichlich vorhanden. Einige Esel weiden. Als sie mich sehen, lassen sie mich nicht mehr aus den Augen. Ein weiteres Mal kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die argentinischen Esel mir nicht unbedingt freundlich gewogen sind. Möglicherweise handelt es sich hier an der Lagune auch um Verwandte des Langohres vom Lago de Brealito. Ich versuche soviel Abstand wie möglich zu halten, was nicht einfach ist, da ich mich direkt zwischen diesen mürrischen Vierbeinern und der Lagune befinde.


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Nachdem ich diesen Gefahrenherd hinter mich gebracht habe, grasen nur noch Lamas, von denen sich die meisten so gar nicht für mich interessieren. Dann entdecke ich ein Babylama, das sich in Begleitung seiner Mama befindet. Das Kleine kann noch nicht so alt sein, es wirkt recht wackelig auf seinen Beinen. Ich beäuge die Mutter, aber zu meiner großen Überraschung scheine ich ihr tatsächlich egal zu sein, dem Kleinen jedoch nicht. Es ist sehr neugierig und versteckt sich nicht, so habe ich die Möglichkeit, ein paar Schnappschüsse zu machen.


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Auch in dieser Lagune haben sich Flamingos eingefunden. Heute sind es zumeist Andenflamingos und ein paar wenige James Flamingos, insgesamt jedoch keinerlei Vergleich zu den Massen von gestern an der Laguna Grande. Am anderen Ende der Lagune nehme ich eine Gruppe von 4 Touristen wahr, aber sie haben bereits schon ihren Rückweg angetreten. Es ist einfach unglaublich, wie wenige Touristen hier unterwegs sind. Nach den obligatorischen Flamingofotos des Tages, setzen wir unsere Fahrt durch die Ebene der Carachi Pampa fort.


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Diese Pampa macht ihrem Namen, Carachi Pampa, alle Ehre. Welch eine Kargheit, jedoch unglaublich faszinierend, besonders tut es mir ein Abschnitt mit unwirklichen Wellengebilden an.


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Vor allem am Nachmittag ist es in dieser Gegend extrem windig. Der gestrige Tag und die Nacht waren jedoch eine Ausnahme, es hat ununterbrochen ein heftiger Wind geweht, das war beileibe mehr als ein laues Lüftchen. Der englische Herr war bereits gestern zum Sonnenuntergang mit seinem Guide an dem Platz, auf den wir nun zusteuern. Er erzählte mir, dass es so windig gewesen sei, dass man fast nicht aus dem Auto hätte steigen können, sie seien „sandgestrahlt“ worden. Von meinem Guide höre ich, dass diese Wetterverhältnisse hier eher die Regel als die Ausnahme seien. Umso mehr habe ich heute das Glück, dass kaum Wind weht.

Am Horizont sehen wir schon seit einiger Zeit meinen heutigen Sehnsuchtsort, das Bimssteinfeld Campo de Piedra Pómez. Auf einer Fläche von etwa 4 x 7 Kilometern hat der Vulkan Robleado Blanca vor etwa 73.000 Jahren mit einem gigantischen Ausbruch dieses surreale Feld geschaffen, um nicht zu sagen, gespuckt, indem er diese Bimssteingebilde niederregnen ließ, bevor der unerbittliche Punawind in Form der Erosion diese surreale Wunderwelt formvollendet und perfektioniert hat. Bimssteinfelder von Vulkanausbrüchen gibt es auch woanders, aber ich glaube, diese Wunderwelt hier ist einzigartig. Je mehr wir uns durch die nun graue Ascheebene nähern, umso mehr wächst meine Vorfreude. Ich mache einige Fotos, aber es fällt mir schwer, dieses Panorama auf Speicherkarte zu bannen und ich versuche mein Bestes, indem ich zusätzlich auch meine Kamera mit dem Teleobjektiv beschäftige.

Aufgrund des nicht pausierenden Windes während der letzten Tage ist die Luft voller Staub. Die Vulkane und Bergketten am Horizont liegen zumeist unter einer Dunstglocke.

Dann sind wir da und was soll ich sagen, natürlich sind wir wieder alleine. Wir fahren etwas weiter nach oben. Während mein Guide unser Lunch vorbereitet, schickt er mich in dieses Labyrinth. Immer tiefer gehe ich hinein und fotografiere und staune. In einer Stunde soll ich zurück am Wagen sein. Irgendwann stelle ich mit Schrecken fest, wie sehr die Zeit vorangeschritten ist und der Weg zurück erweist sich weiter, als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich bin 10 Minuten später am Vehikel als vereinbart und entschuldige mich sogleich. Alles kein Problem, Hauptsache, ich bekäme meine Fotos, höre ich. Hier sitzen wir nun und essen unser Picknick-Lunch mit Blick auf das Bimssteinfeld Campo de Piedra Pómez. Was geht es mir doch gut und die Quinoa-Tortilla schmeckt einfach nur köstlich.


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Gesättigt im Magen, aber noch nicht im Kopf, fahren wir zum offiziellen Parkplatz und siehe da, dort parkt tatsächlich ein weiteres Fahrzeug. Die Insassen kommen uns aber bereits entgegen, steigen ein und werden gleich losfahren, damit habe ich diese Wunderwelt ein weiteres Mal für mich alleine. Mein Guide wartet an unserem Pickup. Immer weiter zieht es mich in dieses Gebiet hinein. Hier scheinen nur drei Farben zu existieren, das dunkle Grau der Aschefelder, auf denen das Laufen ein wenig schwer fällt, das Weißgrau der Flächen und des Bimssteins und ein surreales Orange-Rot, das sich zumeist, aber nicht ausschließlich, auf der Oberfläche dieser eigenwilligen Formen gebildet hat. Ich kann es nicht fassen, durch welch ein Gebiet ich hier gerade laufe, immer wieder klettere ich auf eines dieser Gebilde. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mit mir selbst spreche. Ich höre mich sagen, dass es kaum sein kann, was ich hier sehe und wie wunderbar es ist, ich aber eigentlich gar keine Worte dafür finde, es zu beschreiben … oder spreche ich mit mir selbst, um mich davon zu überzeugen, dass ich nicht träume? Ich bin hin und weg von diesem Ort, der so unwirklich scheint, so als ob er irgendeiner Computeranimation eines Hollywoodstudios entsprungen wäre, aber doch ist es real.


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Irgendwann steuere ich den Rückweg durch das Wunderweltenlabyrinth an. Auf dem Weg zum letzten Stopp des heutigen Tages kann ich ein paar Aufnahmen des Areals aus einiger Entfernung machen.

Die Dunas Blancas sehen so aus, wie sie heißen. Ich steige auf eine der weißen Dünen, kein Fußabdruck im Sand ist zu sehen. Ob ich heute die erste Touristin bin, die diesen Dünenkamm erklimmt? Egal, von oben hat man eine nette Aussicht. Es ist mittlerweile jedoch so windig geworden, dass ich mich entschlossen habe, nur mein Handy mit auf diesen Sandkasten zu nehmen.


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Was für ein letzter Tag in der Puna. Morgen werde ich diese faszinierende Welt verlassen, aber noch ist meine Reise nicht zu Ende.
zuletzt bearbeitet 02. Jan. 2023
541 Beiträge · seit 201201. Jan. 2023 · #54
Hallo Sabine,

ein frohes neues Jahr und alles Gute für 2023!

Das sind unglaublich schöne Fotos von einer unglaublich schönen Landschaft! Toll!

Vielen Dank fürs Zeigen und für den Bericht!

Viele Grüße
Dieter
1'425 Beiträge · seit 201301. Jan. 2023 · #55
Hi Sabine,
Jetzt ist mal ein riesiges Dankeschön fällig. Traumhaft schöne Bilder von einer traumhaften Landschaft.
LG
Claudia
Unsere Reisen findet man unter: http://clamat.de/
2'191 Beiträge · seit 201602. Jan. 2023 · #56
Hallo Sabine,

Tolle Bilder die Du zeigst. Damit wird einem bewusst, dass man leider nur einen Bruchteil der Schönheiten dieser Welt erleben kann.

LG Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200902. Jan. 2023 · #57
Allen ein frohes neues Jahr!

Ganz lieben Dank für Eure netten Kommentare, Dieter, Claudia und Gabi! Ebenso ein großes Dankeschön an die Danke-Button-Drücker.

Der hier zuletzt gepostete Reisetag 10 ist auf meiner Seite online. Es gibt unter anderem mehr Bilder vom Lama-Nachwuchs sowie seeeeehr viele von Campo de Piedra Pómez.


https://www.passionate-about-travel.de/argent-puna-2022-reiseroute
(Bitte zu Teil 5 gehen, wer Lust hat, sich das anzuschauen.)


Liebe Grüße
Sabine
zuletzt bearbeitet 02. Jan. 2023
1'624 Beiträge · seit 201502. Jan. 2023 · #58
einfach nur toll!!!! Vielen Dank.
Herzliche Grüße Elisabeth
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Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200903. Jan. 2023 · #59
sphinx schrieb:einfach nur toll!!!! Vielen Dank.
Herzliche Grüße Elisabeth
Danke, liebe Elisabeth!

Du weißt ja zudem auch aus eigener Erfahrung, wie klasse dieses Piedra Pómez ist.

LG
Sabine
Themenstarter1'394 Beiträge · seit 200906. Jan. 2023 · #60
Tag 11 – El Peñón - Colomé
Abschied von der Puna


Heute ist der Abschied gekommen. Abschied von der Puna. Tatsächlich bin ich sogar froh, dass ich nun die Puna verlasse. Ich merke, dass ich nichts mehr aufnehmen kann. Meine Festplatte ist zum Zerbersten voll. Es liegen viele Tage hinter mir, in denen ich von morgens bis abends keine Minute des Durchschnaufens hatte, ständig prasselten neue, unvorstellbare schöne Eindrücke auf mich herab und genau diese fordern nun ihren Tribut. Ich benötige ganz dringend Zeit für mich, um alles zu verarbeiten und bin einmal mehr erfreut darüber, wie ich meine Reise aufgebaut habe. Den heutigen Tag kann man getrost als Transfertag bezeichnen und der morgige wird der Entspannung in, so erhoffe ich mir, traumhafter Umgebung eines Weingutes dienen.

Nach fast einer Woche ohne Kontakt zu meinem Mann lechze ich geradezu danach, mit ihm telefonieren zu können. Ich hoffe darauf, dass ich bereits in Hualfin seine Stimme vernehmen kann, spätestens jedoch in Cafayate; aber je früher das sein wird, umso besser. Auch bin ich gespannt, was mein Zahnarzt zum Foto mit meinem entzückenden Lächeln gesagt hat. In den letzten Tagen habe ich mich schon mit dem Kreislauf angefreundet; tagsüber unterschiedlich weiß gefärbte Zähne mit zusätzlichen hellweißen Sprenkeln zu sehen, die wundersamerweise über Nacht verschwinden, um sich dann ziemlich schnell am Tag wieder zurückzumelden.

Bevor wir heute in gemäßigte Höhen von unter 3.000 Metern fahren werden, zeitweise werden wir uns in Cafayate sogar unter 2.000 Metern befinden, müssen wir ein letztes Mal eine Passhöhe bewältigen mit der markanten 4 zu Beginn der vierstelligen Höhenmeterangabe. Nach dem Aufstehen sind die Sprenkel auf meinen Zähnen einmal mehr verschwunden, aber ich rechne damit, dass ich ihnen auch heute ein Bienvenidos entgegnen kann, auch wenn ich sehr gerne darauf verzichten würde.

Wie zumeist üblich während unserer Reise, verlassen wir gegen kurz nach acht Uhr morgens unsere Unterkunft. Ich merke bereits schon jetzt, dass ich heute wohl ein wenig fotografierfaul bin. Das Adjektiv lazy fällt im Laufe des Tages einige Male in unserem Wagen von der Beifahrerseite. Wir fahren durch eine Landschaft, die mich normalerweise dazu veranlassen würde, um mehrere Stopps zu bitten, lägen diese unglaublichen Eindrücke der vergangenen Tage nicht hinter mir. So aber schaffen es nur die letzten Vikuñjas auf dieser Reise, dass diese Bitte von mir geäußert wird oder war es doch eher mein Guide, der anhielt? Egal, ein paar Fotos im nicht gerade besten Licht werden nun doch noch von mir geschossen.



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Nach diesem Stopp schraubt sich die Straße weiter nach oben und würde mein Guide nicht darauf hinweisen, dass wir einmal mehr die 4.000er Marke überschritten haben, wären es wohl nur meine Zähne, die dies vermelden würden und die jedem Höhenmesser zur Ehre gereichen. Nicht lange befinden wir uns aber in diesen Regionen und fortan windet sich die Straße Höhenmeter um Höhenmeter nach unten. Die Vegetation nimmt zu und irgendwann haben wir die Straße erreicht, auf der wir bereits vor 12 Jahren von Cafayate nach Chañarmuyo gefahren sind. Diesmal geht es jedoch nordwärts. Mein Handy behalte ich von nun an fest im Blick und kurz vor Hualfin erscheint auf dem Display das so sehnsüchtig erwartete Zeichen. Ich habe Empfang. Mein Guide will in Hualfin tanken, ich will telefonieren. So hat jeder von uns für die nächsten Minuten einen festen Plan. Der Unterschied wird nur sein, ich werde Erfolg haben, mein Guide weniger.

Während mein Guide hören muss, dass es keinen Diesel gibt und wie ich im Anschluss erfahre, dass dies derzeit in Argentinien keine Ausnahme darstellt, denke ich bei mir, gut, dass er für Ersatzdiesel vorgesorgt hatte. Ich frage ihn, ob dieser Engpass nur Diesel oder auch anderen Treibstoff betrifft und ob dies nur im eher ländlich geprägten Argentinien ein Problem sei. Seine Antwort fällt ernüchternd aus, nein, mal fehlt Diesel, mal Benzin, mal beides, auch sei es egal, ob man wie jetzt in Hualfin oder in einer größeren Stadt tanken möchte. Man muss einfach darauf vorbereitet sein, dass man seinen Tank nicht gefüllt bekommt oder gegebenenfalls in einer langen Schlange darauf hoffen muss, die begehrte Flüssigkeit zu ergattern.

Ich hingegen habe mehr Glück. Ich telefoniere mit meinem Mann. Es ist einfach nur schön, seine Stimme zu hören. Er berichtet mir, dass meine Zahnprobleme aufgrund der extremen Trockenheit in der Höhe entstanden sind, sich das Ganze aber in niederen Höhenlagen nach und nach bessern sollte. Zudem sei es kein Grund zur Besorgnis. Jetzt bin ich beruhigt, aber frage mich gleichzeitig, was ich noch hätte trinken sollen. Alleine nachts habe ich meine drei Wasserflaschen jedes Mal geleert, das alleine sind 2 Liter. Tagsüber habe ich noch deutlich mehr getrunken. Ich denke, diese Trockenheit muss man tatsächlich selbst erlebt haben, um sie zu begreifen.

Die Strecke bis Cafayate ist eher ereignislos. Den einzig lohnenswerten Stopp für die Ruinas de Quilmes habe ich abbestellt, da wir diese Ruinen bereits vor 12 Jahren besichtigt haben und wir heute ohnehin eine straffe Fahrstrecke hinter uns legen müssen.

In Cafayate halten wir für eine verspätete Mittagspause und essen in einem Restaurant an dem zentralen Platz beide ein Sandwich. Ich fühle mich gedanklich um mehrere Jahre zurückversetzt, nur dass der Tourismus auch in diesem Städtchen merklich zugenommen hat.

Auch die Strecke bis zur Abzweigung in Molinos der Valles de Calchaquíes kenne ich von der damaligen Reise, wenn auch aus der anderen Richtung.



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Ein Stopp gilt einem Friedhof recht nahe an der Straße unweit der Quebrada de las Flechas. Ein Friedhof ist per se kein Quell der Freude, aber diesen hier empfinde ich ganz besonders trostlos. Möglicherweise gar der traurigste und trostloseste, den ich bisher gesehen habe. Einzig die (Papier-)Blumenkränze an einigen Gräbern, die höchstwahrscheinlich zu Allerheiligen aufgefrischt wurden, verleihen diesem Ort wenigstens ein klein wenig Farbe. Viele Gräber verzeichnen noch nicht einmal Namen und dort, wo ich eine Zahl lesen kann, stelle ich nicht selten fest, dass einige der Gräber 80 Jahre und älter sind. Dennoch hängen auch an diesen vereinzelt Blumenkränze.



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Auf unserer damaligen Reise waren wir auf diesem Streckenabschnitt recht spät dran und passierten die Quebrada de las Flechas im einsetzenden Abendlicht, zudem mit einem stark wackelnden Beifahreraußenspiegel an unserem Fahrzeug. Heute steht die Sonne noch hoch am Himmel und die Außenspiegel sitzen fest, so haben wir für die Quebrada diesmal mehr Zeit und nutzen diese für kurze Fotostopps.



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Es ist bereits 18:00 Uhr, als wir unser Ziel, die Estancia Colomé erreichen. Wir waren 10 Stunden unterwegs, ein langer Fahrtag liegt hinter uns. Alle Anstrengung ist vergessen bei Ankunft an diesem Ort. Ist das hier zauberhaft, so habe ich mir das vorgestellt. Insgesamt verfügt Colomé über 9 Zimmer. Mein Zimmer hat einen grandiosen Balkon mit wunderbarem Blick auf die Weinfelder. Hier werde ich mich definitiv die nächsten zwei Nächte sehr wohl fühlen. Schade nur, dass ich hier erneut keinen Handyempfang habe, zu abgelegen ist auch dieses Tal. Das Abendessen ist ganz hervorragend, ebenso wie der hauseigene Torrontés, den ich aus den angebotenen Hausweinen wähle.