Carsten MöhleThemenstarter1'287 Beiträge · seit 200622. Jan. 2021 · #22
Tanz an dem Vulkan etwas ausführlicher und mehr Videos in meinem Blog
Wir stehen am Kraterrand und schauen hinunter. Ein wenig ist es, als wenn man den Geschirrspüler öffnet und einem der heiße Dampf ins Gesicht knallt.
Die obere Wand besteht halb aus verfestigten hellen Lavaschichten, halb aus rotem Explosions-Tuffgestein. Der leichte Nieselregen regnet rein. Fein, dann gibt es bestimmt einen Whirlpool. Dafür hatte picco also die Schnorchelmaske mit, für Passivdampf. https://youtu.be/kOMdWxwlnCs
Von Götzen hatte das genauso 1894 S. 210: „ Wie eine riesige Arena, ein verzehnfachtes Kolosseum, liegt ein Kraterkessel zu meinen Füssen. Fast senkrecht stürzt sich die Wand, auf deren äusserstem Rande wir stehen, in die Tiefe hinab; der Grundton ihrer Farbe ist tiefstes Schwarz; nur die Ränder der unzähligen Risse, von denen sie durchzogen ist, sind rosaroth gefärbt.
Im ersten Augenblick ist die ganze Arena mit Wolken und Dampf angefüllt, gleich als befürchte die Natur, dass Sinn und Augen der ersten Menschen, denen es vergönnt war, eines ihrer grossartigsten Geheimnisse zu schauen, nicht auf einmal den ganzen mächtigen Eindruck zu fassen vermöchten. Aber ein Windstoss fegt die Wolken rasch hinweg, so dass auch der jenseitige Rand des Kraters sichtbar wird. Dann blicken wir hinab, aber nicht in einen dunkelen, unergründlichen Schlund, sondern auf eine helle, völlig eben erscheinende Fläche, die wie marmorirt in den verschiedensten Farbentönen heraufschillert.“
Aber eigentlich könnte der Vulkan jetzt auch mal so langsam abdampfen. Tatsächlich wurde der Regen stärker, prasselnder, ein richtiger Wolkenguss. Wir flüchten uns in unsere Festzelthütten, die Aussehen, wie die Zelte von Graf Götzen. Zeitloses Afrika.
Erschöpfungsschlaf bis zum Abendessen. Schnell war ich wieder agil wie ein Springbok. Ein alter Springbok. Mit Arthrose. Neben einer Pad liegend. Überfahren. Vor 5 Tagen. Dieser Moment, wenn das Power-Napping wieder mal eskaliert und man wacht auf und weiß nicht, in welchem Jahr man ist. Die Matratze ist eine Zeitmaschine. Legt man sich für nur 5 Minuten rein, springt die Uhr 2 Stunden vor. Ich phantasierte bereits von einem leichten Barbie-cue Kannibalismus. Dabei hätte ich nicht gedacht, dass ich mal etwas mit einem Heidi-Klum-Model gemeinsam haben werde - Hunger.
Ich ging zur Küchenhütte. Erika und Heiko hatten schon gegessen. Mein Erschöpfungsschlaf war ausdauernder als ihrer. Mein erster Blick fiel auf die Kochstelle. Hmm, wenn schon was in Töpfen hergestellt wird.
Es gab Käsesandwiches, Reis und Nudeln mit Gemüseeintopf. Sehr viel, sehr üppig, für einen Vegetarier. Aber dieser Vegetarier hier braucht eine Extrawurst. Ich erfuhr, dass das Hühnchen mit zu den richtigen Männern gegangen ist, den bewaffneten Rangern, nicht zu uns, die auf Stöcken den Berg raufwankten. Wenn da unten nur jemand grillen würde, ahne ich jetzt, wie sich Haie fühlen müssen, wenn sie Blut im Wasser bemerken.
Ich fragte ihn, ob wir "Russisch Boulette" spielen wollen, ein gutes Fundament ist die Basis aller Beilagen! Dann erklärte ich dem Koch, dass wir uns vom Rest der Tierwelt dadurch unterscheiden, dass wir Gegrilltes essen. Das ist doch keine Artgerechte Ernährung.
Wozu Vitamine? In meinem Alter brauche ich Konservierungsstoffe! Man kann den Salatteller übrigens auch 90 Grad nach rechts kippen. Ich brauche keine Rohkost als philosophische Befriedigung. Ein Elephant braucht auch 250.000 Kalorien pro Tag. Vielleicht bin ich nur im falschen Körper geboren?
Da ich nicht so viel kauen musste wie bei einer richtigen Mahlzeit, konnte ich den Koch Jean ein wenig ausfragen: Für die Einheimischen war der Krater ein Aufenthaltsort für die Seelen nach ihrem Dahinscheiden. Aber nicht wie die christliche Vorstellung als Paradies oder als Hölle der Qualen, sondern eher die Antike Vorstellung des Tartaros, eines Jenseits in der das Feuer die Seelen der Ahnen auf immer am Leben erhält. (In der Lutherbibel seit 2017 gibt es übrigens keine Hölle mehr. Und auch die Papstkirche ging bereits vor Jahrzehnten zu ihrem Konzept der Hölle auf Abstand; 1971 geschah es verschwiegen und vage durch das Vatikanische Konzil.)
Hölle: Lieber kochen oder braten? Man hört nie von gedünstet. Auferstehung des Fleisches und nicht der Möhrchen. Wieso heißt es denn überhaupt Fort-Pflanzung? Hätte Adam die Schlange im Paradies gegessen, statt des Apfels, wäre uns vielleicht so manches erspart geblieben.
Der Regen hatte aufgehört. Schnell ging ich vor die Kochhütte. Der purpurfarbene Schein des Vulkans war endlich gut zu sehen. Der Blick nach Goma war frei.
Voller Vorfreude stolperte ich die 10 Höhenmeter bis zum Kraterrand hinauf.
War es nur Proteinmangel bei mir oder sah der Kratersee aus wie ein riesiges Spermium?
Ein Lavasee ist eine Rarität, der eine derartige Wärmezufuhr, wie sie für die Erhaltung eines flüssigen Lavasees nötig ist, selten über länger als ein paar Wochen oder Monate erhält. Der Nyiragongo gilt als der größte der Welt, bis zu 260m lang und auch sehr beständig. Die Hitzeabstrahlung beträgt ungefähr 960 Megawatt, wenn der See ca. 13.000 m² Ausdehnung hat. Der Energieaufwand ist dafür 75-150 Kilowatt pro Quadratmeter. Die Temperaturen an der Oberfläche sind 1.020 bis 1.095 Grad Celsius.
Aktuelle Ausdehnung erhält man beim Global Vulcanism Programm der Smithonian Institution
Aufsprudeln verstreuter Fontänen aus Schwefel- und Kohlendioxidhaltige Dämpfen, weite Wellenbewegungen, ein Wogen, Pulsieren, Schwingen, ein Kräuseln, als wäre die bewegliche Haut mit dem Zinnschimmer lebendig. https://youtu.be/C_rmYUFGx7s https://youtu.be/MLsmfWGHuqE Das Pfeifen und Heulen der Gase ist bis oben zu hören, unten muss es ohrenbetäubend sein. https://youtu.be/EfEg4KXbNjo
Die spezielle Nyiragongo Lava ist sehr dünnflüssig, erreicht bis zu 100 km/h bergab. Der See wird durch Zufluß von Lava aus einem neuen Produzenten ständig in Bewegung gehalten.
Alles muss raus! Der kleine Lavaspritzer war bereits 5 Jahre alt. Picco hatte ihn noch als Baby gesehen. Danke fürs Kommen.
Nachdem man sich erst einmal satt gesehen hat, machte ich mit Erika und Heiko einen Treffpunkt am Krater um 05:00 Uhr aus und wachse bis dahin das Surfbrett. Und noch ein wenig Schlaf.
Da ich auch zum erlauchten Kreis 😉 der Nyiragongo-Besteiger gehöre, lese ich mal interessiert mit. Bei unserem Aufstieg (Reisebericht 2017) mussten wir gegen Schnee und Eisregen kämpfen, trotzdem eine extrem eindrucksvolle Tour. Ein Surfbrett hatten wir allerdings nicht dabei... 😄
YAyanjep1'014 Beiträge · seit 201623. Jan. 2021 · #25
Ich hätte versucht, das Surfbrett gegen das Huhn einzutauschen. Oder statt des Surfbretts einen Schinken mitgenommen. Oder ein Mautlier, das das Surfbrett trägt, den Schinken und ein zweites Huhn 😗
Yanjep
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200623. Jan. 2021 · #26
yanjep schrieb:Ich hätte versucht, das Surfbrett gegen das Huhn einzutauschen.
Ich denke, der Umtauschkurs steht dort in der Gegend bei einem Surfbrett plus einer Ziege gegen ein Huhn. 😉
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Carsten MöhleThemenstarter1'287 Beiträge · seit 200629. Jan. 2021 · #27
yanjep und Wolfgang, ich habe es ja versucht, aber nur wie folgt verstanden: Wenn Du 3 Pfannkuchen hast und ich 9 Bananen, wieviele Fleischspießchen passen dann auf das Surfbrett? Und die Antwort war: Grün, weil Ziegen keinen Schal tragen.
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200629. Jan. 2021 · #28
Carsten Möhle schrieb:yanjep und Wolfgang, ich habe es ja versucht, aber nur wie folgt verstanden: Wenn Du 3 Pfannkuchen hast und ich 9 Bananen, wieviele Fleischspießchen passen dann auf das Surfbrett? Und die Antwort war: Grün, weil Ziegen keinen Schal tragen.
… und die Kühe in dieser Jahreszeit nur Heizöl häkeln …
Ja, ich arbeite an der Fortsetzung "Brettspiele"
… ich bin gespannt. 😉
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
La Leona2'779 Beiträge · seit 200729. Jan. 2021 · #29
Carsten Möhle schrieb:
Ja, ich arbeite an der Fortsetzung "Brettspiele"
Was man alles für ein Foto auf sich nimmt, tz tz tz auch ich bin still mit dabei...und freue mich auf weitere Lava Bilder
Gruss Leona
Carsten MöhleThemenstarter1'287 Beiträge · seit 200629. Jan. 2021 · #30
Surfen auf dem Nyiragongo - Brettspiele
Im Bwana Blog wieder etwas ausführlicher wegen der Bilderbegrenzung: Bwana Blog
Meine Matratze und ich verstehen uns. Wir lagen stundenlang so zusammen, ohne zu reden. Ich bin gut im Bett. Ich schnarche nicht. Menschen, die beim ersten Klingeln aufstehen, lieben ihr Bett gar nicht richtig. Daher noch einen kleinen Traum, den man noch nicht kannte, schnell hinterherschieben. Aber lassen Sie mich ganz hinten beginnen, da, wo der letzte Traum zu Ende war: Der vegane Gemüsekoch stürzt, von seinen Hassern mit einem Kartoffelpüree-Quirl zu Fall gebracht, von einem Baobab-Ast aus, in einen kolossalen, teflonbeschichteten, rotierenden Potje und wird unter dem Gejohle der räudigen Talbevölkerung zu einem leckerem Ratatouille verhackschnitzelt. Dann drei Stunden unter leichtem Schreien köcheln lassen, ab und zu mit einem Einbaumpaddel umrühren, wenn alle Körperteile an der Oberfläche treiben, leicht abstechen, um zu sehen, ob er schon well done ist. Blutig servieren. Mit einem mundenden Doppel-Schnitzel und einem Schuss Hackfleischsoße abschmecken, fertig.
Wie heißt es doch in der Snickers Werbung: Du träumst nicht wie Du, wenn Du Hunger hast!
Dabei stellt der Kannibalismus eine Sonderform des Vegetariers dar. Dieser vereinigt die Ideologien der Vegetarier und der Veganer, indem er sowohl den Verzehr pflanzlicher als auch tierischer Produkte ablehnt und sich ausschließlich von Mensch ernährt. Im Gegensatz zu den Ideologien des Veganismus und Vegetarismus ist die Theorie des Kannibalen in sich konsequent: Er muss nicht unschuldige oder wehrlose Lebewesen töten, um sich von diesen zu ernähren, sondern bedient sich auf derselben Stufe der Nahrungskette. Und eine Person, die man liebt, besteht ja auch aus 72,8% Wasser. Jeder Tag ohne Fleisch ist ein Gesundheitsrisiko
Wofür steht man morgens auf? Um die Welt zu retten? Um Leute glücklich zu machen? Oder um nicht in den Schlafsack zu pinkeln? Nun, der “Cold Feet Club” wird verlassen, es geht an den Kraterrand. Noch ist es Dunkel, aber man kann sich schon eine geeignete Stelle aussuchen. Der Regen hat aufgehört, der Nebel sich verzogen und das ununterbrochene fauchen und Gurgeln des Kraters wird durch nichts gedämmt.
Die Innenwand ist nach dem großen Ausbruch in 1977 zusammengestürzt und fällt seitdem fast 180 m senkrecht ab bis zur ersten Stufe. Nur Mut, es ist zu dunkel, um in die Tiefe zu blicken. Wackelprobe und rauf auf das Surfboard.
Surfen ist ja auch wie meditieren, und meditieren ist ja auch besser als rumsitzen und nichts tun. Man konzentriert sich auf sein Gleichgewicht, ignoriert den Hunger, zieht das Bäuchlein ein, während die Photos gemacht werden und gibt sich sanft den Wellen hin, die diesmal nicht kamen.
Da, eine kleine Welle bringt das Bild zum Wackeln.
Herr Frodo, wir kennen ihn alle, er hatte so große Füße, das er gar kein Surfbrett brauchte, liebte das gemächlich dahinplätschernde Leben im Auenland. Ein überschaubares und vorhersehbares Leben. Bis der Hobbit eines Tages unvermittelt vor der für ihn kaum zu bewältigenden Herausforderung stand, den Einen Ring nach Mordor zu bringen und den Feuern des Schicksalsberges zu übergeben.
Es ist erstaunlich, wie akkurat Graf Goetzen 1894 bereits den Vulkan vermessen hat. Goetzen 1894 S.210: Die Tiefe bis hinab zu der Decke des ehemaligen Lavasees suchten wir annähernd aus dem Schall hinabgeworfener Gesteinsstücke zu ermitteln und fanden die Zahlen 200 — 300 Meter. [ist heute 180m-300m]. Zu einer Taxirung des Kraterdurchmessers fehlte uns vorläufig jeglicher Vergleichspunkt, und so beschlossen wir denn, einen Rundgang zu versuchen. Vorher jedoch wurden wiederum die erforderlichen Instrumentenbeobachtungen gemacht und eine beiläufige Seehöhe von 3475 m [ist 3.470m] festgestellt. Nachdem dann noch einige photographische Aufnahmen bewerkstelligt worden waren, brachen wir Beide auf;
Den kleinen Vulkan auf der rechten Seite gibt es erst seit April 2014, spuckt aber schon Lava wie ein ganz großer.
Man könnte darauf einen Apel zur Ehre der Göttin Bratislava grillen. Wo bekomme ich jetzt aber ein Spanferkel als Halterung für den Apfel her? https://www.youtube.com/watch?v=4YDFrVGOsw4
Die dünne Abkühlungshaut, metallisch glänzend und zitternd, umhüllt die zinnober- und purpurrote Masse – zu sehen in ihren Rissen- und gab den Wellen nach, die über die Fläche des Sees liefen. Wie ein eisengraues und scharlachfarbenes Watt.
Ein Ring sie zu Knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden. Der Ring tritt beim Sinnieren deutlich hervor.
Allein hätte Herr Frodo, der Leiter der Expedition, den Einen Ring nie und nimmer zum Schicksalsberg bringen können. Zu unwägbar waren Wege und Herausforderungen. Im Zweifelsfall sollte man immer seiner Nase folgen«, rät Frodos Gefährte Gandalf und meint damit das Vertrauen darauf, die richtige Entscheidung zur rechten Zeit zu treffen. Gegen äußere und innere Widerstände haben ihm die Gefährten beigestanden, weil sie von der Sinnhaftigkeit ihres Tuns zutiefst überzeugt waren.
Bleibt die Frage: Hat Herr Frodo den Einen Ring nun dem Feuer übergeben, oder nicht – erinnern Sie sich?
Ein letzter Blick auf den Lavasee, sieht er nicht aus wie ein Mettbrötchen?
Ich ging erwartungsfroh herunter zum Frühstück, wo wir uns für den Abstieg stärken wollen. Es ist schön, wenn der Kaffee morgens schon vor einem aufsteht. Morgenstund hat Fleisch im Mund! Der frühe Vogel fängt die Wurst!
Carsten MöhleThemenstarter1'287 Beiträge · seit 200604. Feb. 2021 · #31
Was hat sich unser Koch für das Frühstück Tolles ausgedacht? Wird er Metta, die Halbmettmargarine auffahren? Ein Proteinomelette vielleicht? Liebe Veganer, wenn man ein Hühnerei aus Freilandhaltung statt aus dem Hühnerlockdown isst, isst man ja kein Hühnchen. Einige werden es vielleicht kennen, aber wenn man Sperma schluckt, verschlingt man auch keine ganzen Menschen. Ich würde ja auch Tiere aus Massentierhaltung essen. Für mich sollen keine glücklichen Tiere sterben. Make Wurst not war, Wurst für die Welt.
Aber es gab dann wieder nur reichlich Toastbrote, Tomaten, Bohnen in schwerer Sauce und dazu guten Kaffee.
Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, bei den Aufnahmen zu dieser Tour sind keine Tiere zu Schaden gekommen.
Die Sachen werden zusammengepackt und dann kann es ja schon fast losgehen mit dem Abstieg. Unten gibt es bestimmt ein kleines Restaurant am Rande des Universums. Ich spüre schon einen Hahn-Drang.
Der Schatten des Surfbrettes fällt auf das Klo.
„Ich bin kurz noch für kleine Affen!“ Heiko: „Wie bitte?“ „Makaken“.
Wenn man auf einem normalen Klo sitzt, schließt man seinen Hintern an ein gigantisches Netzwerk miteinander verbundener Ärsche an. Ich weiß, das ist für viele jetzt eine ganz neue Sichtweise. Aber hier scheint der Ursprung selbst des Fecal Distancing zu sein. Dazu ein wenig Klo - Poesie … sich ausdrücken dem gestaltlosen gestalt geben formen prägen zeichen setzen erkennen, was in mir steckt zu dem stehen, was ich gemacht habe hinter sich lassen abschied nehmen aufrichten nicht mehr nach hinten sehen aufbrechen türen öffnen fenster aufreißen frischen wind spüren aufatmen
Mensch, was hätten wir aus diesem Klo, und vor allem das an der Rangerstation am Vulkan unten hätten alles machen können, wenn Annick mit dabei gewesen wäre. Annick, wenn Du das liest, isst Du Fleisch?
Der Abstieg geht wieder durch alle Klimazonen Zentralafrikas, von der Hochgebirgswüste am Gipfel bis in den tropischen Regenwald am Hang.
Man geht runter wie ein speckiges Kind auf der Wippe. Denkste. Einen vorsichtigen Schritt vor den Anderen, damit man im Morgennebel nicht feuchtfüssig ausgleitet und Tatütata, Krankenträger, Congo Krankenhaus.
Wir machen beim Abstieg noch einen kleinen Abstecher zum Vulkanausbruchsloch von 2002. Unscheinbar, verwachsen.
Man sinniert, welche Karrieren außerhalb des Tourismus mit meinen Fähigkeiten angestrebt werden könnten. Ich könnte zum Beispiel den Fleischgeruch in die Verpackung von Veggie-Freakadellen rülpsen, falls der Tourismus nicht schnell genug anläuft. So eine Vulkankraterbesteigung trainiert sicher auch für Pakete austragen, einen Beruf mit Zukunft, bei dem sich einem auch alle Türen öffnen.
Genzübergang nach Gisenyi in Ruanda. Und wieder einmal das Afrika-Abitur, den Congo-Stempel geschafft.
Das nächste Surfziel mit den Gefährten war am Lake Kivu auf der Ruanda Seite und dann auf den Nilquellen in Burundi auf der Suche nach dem verschollenen Boot "Bodelschwingh" bis an den Lake Tanganjika bei Kigoma.
Aber das ist sicher eine andere Geschichte am virtuellen Lagerfeuer.
Und wer diese und ander Geschichten in meinem Blog nachlesen möchte, hat hier dazu Gelegenheit.
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200604. Feb. 2021 · #32
Carsten Möhle schrieb: Der Schatten des Surfbrettes fällt auf das Klo.
„Ich bin kurz noch für kleine Affen!“ Heiko: „Wie bitte?“ „Makaken“.
Ich hoffe, Du hast alles gegeben und das Letzte aus Dir rausgeholt. 😉 Schon Shakespeares Ausspruch "to pee or not to pee" würdigte ja die Bedeutung einer ordentlichen Toilette.
Die ganze Unternehmung erinnert mich an die Geschichte von Kenneth "Kenny" Campbell, der 1971 (?) alleine ein Klavier auf den Gipfel des Ben Nevis (der höchste Berg Schottlands) geschleppt hat, um dort "Scotland the Brave" zu spielen.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Das war mal definitiv ein etwas anderer Reisebericht. Vor kurzen habe ich den folgen Spruch gelesen: Mann kan ruhig ein bisschen verrückt sein. Es muss aber Stil haben. Yeap. Ein Surfboard zum Vulkan mitzunehmen hat Stil 🙂 . Und im gegensatz zu Herrn Frodo, wurde die Aufgabe aus eigener Kraft selbst erfüllt und nicht mittels eines Gollumschen Fingerabbeisens umgesetzt.
Also ich hätte die ungewollte Veganeinlage nicht so humorvoll hingenommen. Meine emotionale Seite wäre dann wie Bruce Banner mit Puls 200 gewesen.
Danke Friederike. Ein sehr guter Artikel. Lernte etwas Neues dazu: "Jeden Tag stößt der Vulkan bis zu 50.000 Tonnen Schwefeldioxid aus: Das ist mehr als die gesamte Industrie, die Wirtschaft und alle Autos zusammen in den USA produzieren."