Ungewöhnliche Übernachtungsplätze ...

42 Antworten · 7'989 Aufrufe · gestartet 27. März 2020 von BikeAfrica
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319 Beiträge · seit 201231. März 2020 · #21
Noch eine kleine Story von einer etwas unschönen Nacht. Obwohl ich auf vielen Reisen in muslimische Länder immer sehr gute Erfahrungen mit Gastfreundschaft gemacht habe ( besonders gut war es auf den Reisen in Syrien), ist mir ein Land schon sehr negativ in Erinnerung geblieben - der Jemen. Landschaftlich, kulturhistorisch und architektonisch eigentlich ein schönes Land - wenn nicht die Kinder wären.

Ich war zwar auf Entführungen vorbereitet, weil ich im Internet gelesen hatte, daß ab und zu Touristen entführt werden, damit die Stämme gewisse Forderungen gegenüber der Regierung in Sanaa erpressen können. Von anderen Reisenden wusste ich um die Gefahr in gewissen Gebieten (welche ich aber mied). Übrigens wurde damals 95/96 vom Auswärtigen Amt Jemen als total sicheres Land eingestuft.

Der Tag begann eigentlich ganz gut. Die Nacht zuvor in einer netten jemenitischen Herberge verbracht und dann auf dem Weiterweg einen Wochenmarkt besucht mit schönen Impressionen. Dann begann das Pech. Ich radelte durch ein ausgetrocknetes Flußtal mit großen Kieselsteinen. Auf einmal hielt mich ein Jemenite mit AK47 an und gab sich als Polizist aus. Ich verlangte seine Ausweispapiere, und er zeigte mir seine normale ID-Karte. Ich machte ihm klar, daß dies ein ganz normaler Personalausweis ist und setzte meine Reise fort.
Auf einmal Schreie und dann höre ich seine Schlapplatschen hinter mir auf die Kieselsteine beim Laufen aufklatschen. Ich versuche so schnell wie möglich zu radeln, aber da es ein Flußbett ist, komme ich langsamer als er voran. Ich versuche noch die nächste Flußbiegung zu erreichen, in der Hoffnung, daß dort andere Jemeniten sind. Dann sind aber seine Schritte nur noch knapp hinter mir - ich springe vom Rad und gehe in Abwehrhaltung. Er total erregt nimmt seine Ak47 runter und lädt durch - sehr unangenehm und ich muß schauen, meinen Puls unter Kontrolle zu halten.

Ich schreie ihn an und frage ihn auf arabisch was er will. Dabei erkläre ich ihm, daß ich kein Geld habe, sonst würde ich ja nicht mit dem Rad durch Jemen radeln (damals waren im Jemen mindestens 90% der Touristen mit Guide und Leihwagen unterwegs). Da ich darauf vorbereitet war (Geld war im Rahmen und doppelten Böden etc. versteckt), fing ich an, meine Taschen nach außen zu krempeln. Dafür hatte ich für solche Fälle in ein paar Taschen kleine Scheine gesteckt. Die fielen auf den Boden. Der Jemenite klaubte die Scheine auf: dabei hätte ich ihn ohne Probleme niederschlagen können, bloß dann hätte ich ihn wohl umbringen müssen, weil die Schmach, daß ich ihn niederschlage und entwaffne und mit der Waffe abhaue, hätte er mit Sicherheit nicht auf sich sitzen lassen und hätte mich wohl mit seiner ganzen Sippschaft verfolgt. Egal, er war mit den Scheinen zufrieden (umgerechnet knapp 1 DM) und ließ mich weiterziehen.

Da ich in dem ausgetrockneten Flußtal nur langsam vorwärts kam, musste ich nach einem Übernachtungsplatz Ausschau halten. In einer kleinen Ansiedlung fragte ich dann den Dorfältesten, ob ich mein Zelt aufstellen darf und übernachten darf, was mir gewährt wurde. Natürlich großes Kino. Du baust dein Zelt auf und kochst etwas und unzählige Augen beobachten jeden Handgriff - eben Fernsehen für die Menschen. Es wurde dunkel und die Leute zerstreuten sich und ich verschwand im Zelt.

Als es dunkel war, ging ich nochmals vor das Zelt, um mir mit einem Topf voll Wasser einfach mal die Arme und Beine etwas vom Staub und Schweiß zu befreien. So stand ich vor dem Zelt auf einmal fliegt ein faustgroßer Stein an meinem Kopf in 30cm Entfernung vorbei und nicht weit entfernt höre ich Kinderlachen. Ich rase los, um die Kinder mir zu schnappen, aber in der Dunkelheit und Unkenntnis der Gegend habe ich keine Chance. So fluche ich sehr lautstark. Ein wirklich alter Jemenite kommt zu mir und fragt, was geschehen ist. Ich erkläre ihm den Sachverhalt und erkläre ihm, daß ich unter Gastfreundschaft (um welche ich ja auch gefragt hatte) in arabischen Ländern verstehe, daß meine Unversehrtheit und Sicherheit garantiert ist. Er entschuldigte sich und versprach mir, sich darum zu kümmern. Ich dachte nun, daß er ins Dorf geht und die Kinder ein paar gehörige Ohrfeigen versetzt - weit gefehlt. Er ebnet sich in der Nähe vor meinem Zelt einen Platz und legt sich dort hin, um die restliche Nacht mich zu bewachen. Ich schämte mich, daß ein Mann, der mein Großvater hätte sein können, zu so etwas gezwungen wurde. Er tat mir aufrichtig leid, aber gleichzeitig war mir klar, daß hier die Gesellschaft wohl etwas aus den Fugen ist. Es war ein ereignisreicher Tag mit einer unschönen Nacht. Mich machte das Erlebnis in der Nacht traurig.

Auf der weiteren Reise wurde mir von alten Jemeniten sehr oft Hochachtung entgegengebracht (so wie ich es von anderen arabischen Ländern kannte). Die Kinder entwickelten sich aber zur Seuche. Bettelten ständig um Kulis (danke an die tollen Lodgetouristen) und bewarfen mich dann oft mit Steinen. Ich warf dann mit Steinen zurück. Durch mehr Kraft und bessere Zielgenauigkeit konnte ich sie auch oft treffen und außerdem rannte ich hinter ihnen her. Da sie in ihren Schlapplatschen nicht schnell genug flüchten konnten, kam ich sehr schnell näher, so daß sie dann barfuß weiter flüchteten. Ich sammelte dann die Latschen als Kriegsbeute ein und vergrub sie dann irgendwann weit weg in der Erde. Besonders verwunderte mich, daß manchmal die Eltern die Kinder aufforderten mit Steine werfen aufzuhören und die Kinder ihren Eltern den Stinkefinger zeigten.

Ich konnte durch die Erlebnisse dann etwas nachvollziehen, wie sich israelische Soldaten in besetzten Gebieten fühlen müssen (obwohl ich das sehr kritisch sehe). Dadurch fühlte ich mich auch oft so halb im Krieg, was mit Reisen nichts mehr gemein hat. So brach ich dann irgendwann die Reise ab und verbrachte dann die restlichen Wochen in Jordanien und Sinai, wo ich wieder in eine mir vertraute arabische Gesellschaft eintauchen konnte und viele schöne Erlebnisse und Begegnungen hatte.
zuletzt bearbeitet 31. März 2020
6'369 Beiträge · seit 201131. März 2020 · #22
Hoi zämä
BikeAfrica schrieb:… spannende Übernachtungsplätze setzen keine Fernreisen voraus, wie man hier sieht...
Glaub mir, mit dem Mofa über die Alpen nach Venedig war mehr Fernreise als alle meine anderen Reisen zusammen! 😄 😄 😄
😎
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
2'610 Beiträge · seit 200731. März 2020 · #23
Unsere "kurioseste" Übernachtung war 1987 im Norden Kenias/nördlich Maralal. Unsere Freunde und wir hatten uns einen schönen Platz etwas abseits Straße ausgesucht. Weit und breit kein Mensch zu sehen, also Bodenzelte aufgebaut und Feuer an. Im Dunkeln kommt ein Polizeiwagen mit einem einem höheren Polizeibeamten und ein paar einfachen Polizisten vorbei. Um es kurz zu machen, wir wurden zu unserer eigen Sicherheit verhaftet. Alles zusammenräumen und in halsbrecherischem Tempo hinter dem Polizeifahrzeug her zur Polizeiwache. Hier konnten wir dann auf einem Grasplatz campen. Am nächsten Morgen wurden wir - nach ein paar ermahnenden Worten - wieder entlassen.

Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Sprichwort der Ovambo) 1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
582 Beiträge · seit 201031. März 2020 · #24
Ok, es war nicht wirklich eine ungewöhnliche Übernachtung, sondern ein ungewöhnliches Erlebnis.
Wir, meine Frau Ute und ich, waren mit unseren Gleitschirmen 1999 auf einer Tour in Marokko. Erst waren wir an der Küste bei Sidi Ifni, aber weil wir auch noch in den Sanddünen fliegen wollten, sind wir nach Tafraoute gefahren. Dort war auch der Autovermieter von unserem Defender beheimatet (zumindest Verwandte). Über die ganzen original marokkanischen Abende in den Teppichhäusern brauch ich wohl nichts zu sagen. Kaufst du was, gibt es ein Programm, wenn nicht, gibt es nichts. Genauso haben wir es erlebt....
Eigentlich wollten wir am nächsten Tag zu den blauen Steinen im Antialtas fahren und dort übernachten, aber das Wetter war zu schlecht. Als Alternative haben wir in einer dunklen Wohnung (von dem Veranstalter organisiert) in Tafraoute gegrillt. Alles war verreuchert und überall hingen merkwürdige Gestalten herum.
Am nächten Tag wollten wir vom Hotel aus in ein Hamam, so ein schönes Hamam, wie wir es von Deutschland kennen, ein Dampfbad, um einfach etwas zu entspannen. Von der Reception haben sie uns das organisiert. Am Nachmittag kam ein Taxi und hat uns durch die Stadt in ein recht einfaches Viertel gefahren und vor einem unscheinbarem Haus abgeladen. Er deute auf eine Tür und sagte "Hamam". Ok, wir packten unseren Rucksack und stiegen aus. Als wir beide hinein gehen wollten, sagte der "Wächter", dass Ute die andere, abseits gelegene Tür nehmen müsste. Wir haben kurz beraten ob das für uns ok ist und haben uns dann -natürlich vorurteilsfrei- entschieden zu vertrauen und in dieses wirklich nicht vertrauensvolle Gebäude zu gehen.
Ich bin dann in einen Raum gekommen, in dem erst einmal niemand war. Es war eher ein runtergekommener Umkleideraum mit Bänken und Haken an der Wand. Da ich nicht wusste, was ich alles ausziehen müsste, hab ich erst einmal gewartet. Dann öffnete sich eine Tür aus alten Holzbrettern und jemand in weisser Unterhose kam heraus und stellte zwei Eimer aus vulkanisierten Autoreifen vor mich hin. Ok, also behielt ich die Unterhose an. Nun wollte ich aber noch meine Wertsachen sicher aufbewahren. Da kam dann eine ältere Marokkanerin herein und stellte sich hinter einen Tresen. Ich fragte sie, ob ich die Sachen abgeben könnte und sie hielt mit einen Plastikbeutel hin, in den ich die Sachen packte. Sie nahm den Beutel und verschwand durch eine Tür. Innerlich hatte ich mich dann von den Sachen verabschiedet....
Ich schnappte mir dann die beiden Eimer und trottete in meiner Unterhose durch die alte Brettertür. Ich kam in ein wirklich sehr altes Dampfbad. Der Boden und die Gewölbewände waren aus stark abgenutzten roten Backsteinen. Heisse feuchte Luft schlug mir entgegen. Im ersten Raum lag ein Marokkaner auf dem Boden, der von einen riesigen und schlacksigen Marokkaner massiert und durchgeknetet wurde. Der Geknetete sprach mich in deutsch an, dass er einige Jahre als Gastarbeiter in Köln gewesen sei. Er erklärte mir ein paar Regeln und ich ging in den nächsten Raum. Dort saßen einige ältere Männer auf dem Boden an den heissen Wänden. Ich setzte mich erst einmal einfach mit meinen beiden Eimern dazu. Sie sagten/zeigten mir dann, dass ich die Eimer aus zwei Behältern/Rinnen jeweils mit heissem und kaltem Wasser füllen sollte. Das hab ich gemacht und mich wieder zu ihnen auf den Boden gesetzt. Mit einer abgeschnittenen Kunststoff Colaflasche habe ich mir dann abwechselnd kaltes und warmes Wasser über meinen Körper geschüttet. Es wurde geguckt, aber nicht geredet....
Nach ca. einer Ewigkeit kam der deutschsprechende aus dem Nebenraum und fragte, ob ich auch eine Massage möchte. Ok, wenn schon, denn schon, dachte ich.
Ich ging in den Nebenraum und der schlacksige Typ fing an mich mit heissem Wasser zu überschütten und dann komplett mit einem Waschlappen zu waschen. Komplett, am ganzen Körper....
Ok, es war etwas ungewohnt, aber das war eigentlich alles andere auch.
Dann hat er angefangen mich zu massieren. Das war aber eher keine Massage, sondern ein verrenken und verdrehen aller Körperteile. Teilweise hab ich da echt Angst bekommen und mich irgendwie ausgeliefert gefühlt....
Zum Glück kam dann der deutschsprechende Marokkaner rein und sagte, dass meine Frau draussen warten würde. Schade, jetzt musste ich doch tatsächlich die tolle Massage abrechen...
Falls jemand interessiert, was Ute erlebt hat, würde ich sie fragen, ob sie das auch berichten möchte.

Euch allen einen schönen Abend aus der Ausgangssperre in Swakopmund,
Volker

Übrigens haben wir alle Sachen wieder bekommen.
Und weil es nicht geklappt hat, in den Sanddünen zu fliegen, haben wir die nächste Reise (im Jahr 2000) nach Namibia gebucht, um an den den Dünen zwischen Swakopmund und Walvisbay zu fliegen. Da sind wir dann in Namibia hängen geblieben...
Keinen Tag bereut!
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zuletzt bearbeitet 31. März 2020
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200631. März 2020 · #25
magic-vibes schrieb:
Zum Glück kam dann der deutschsprechende Marokkaner rein und sagte, dass meine Frau draussen warten würde. Schade, jetzt musste ich doch tatsächlich die tolle Massage abrechen...
Falls jemand interessiert, was Ute erlebt hat, würde ich sie fragen, ob sie das auch berichten möchte.

… da sie vor Dir draußen war, war es wohl nicht ganz so entspannend. 😉
Und natürlich bin ich (und bestimmt auch die anderen) interessiert.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
3'883 Beiträge · seit 201101. Apr. 2020 · #26
Die Reise in die südalgerische Sahara im Oktober 2002 war ein Abenteuer, das einen Thread ausfüllen könnte, aber ich will beim Thema bleiben.

Acht Frauen zwischen vierzig und sechzig Jahren, sechs Lehrerinnen und eine Erzieherin aus Berlin sowie ich aus Stuttgart, wollen nach Tamanrasset/Algerien, um von dort mit Geländewagen und einer einheimischen Crew durch die Sahara zu fahren. Nach dem Flug von Paris nach Algier ist erst einmal Schluss. Ein alter Algerier versucht uns gestenreich zu erklären, dass der Flugplatz in Tamanrasset unter Wasser stände und heute kein Flugzeug mehr dorthin fliegen würde. Da unser bisschen Französisch mit seinem nicht kompatibel ist, glauben wir an ein Missverständnis. Überschwemmung in der Wüste? Hahahah! Doch dann erscheinen Kader, unser Reiseleiter, und sein Bruder Mohamad und bestätigen, dass wir eine Nacht in Algier bleiben und erst am nächsten Tag weiterfliegen werden.
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Wasser in der Wüste?
Wir steigen in einem ******Hotel ab, das die Fluglinie zahlt. So prunkvoll wird es in den nächsten vierzehn Tagen nicht zugehen, denn geplant sind Übernachtungen mit Isomatte und Schlafsack unter freiem Himmel. Nur in der Oase Djanet werden wir für zwei Nächte in ein Hotel gehen.

Als wir am nächsten Morgen in Tamanrasset landen, staunen wir über die vielen Wasser gefüllten Gräben an der Landebahn. Und ja, es regnet. Immer noch. So richtig. Wir lernen die vierköpfige Crew aus Touaregs kennen und verteilen uns und unser Gepäck auf vier Fahrzeuge.
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Über holprige, teils matschige Pisten kämpfen wir uns hinauf zum Basaltberg Assekrem, den höchsten Berg Algeriens im Hoggargebirge.
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Im Hoggargebirge
Die Fahrt entwickelt sich zu einer riesigen Schlammschlacht. Da es weiterhin regnet, müssen wir im „Tausend-Sterne-Hotel“ im Gebirge übernachten. Die Unterkunft selbst besteht aus einigen Mehrbettzimmern und einem verrauchten Aufenthaltsraum. Kader organisiert ein Chalet, sprich: einen Schuppen, wo wir allein unser Abendessen einnehmen. Die anderen ca. dreißig Gäste der Herberge sind ausschließlich Männer, die uns neugierig betrachten und miteinander tuscheln. „Ein Glück, dass ihr nichts versteht“, sagt Kader. Ab sofort schließt unsere Crew einen Kreis um uns. Sogar zum Toilettengang außerhalb des „Hotels“ lassen sie uns nicht allein. Waschgelegenheit? Lieber nicht, denn das „Badezimmer“ hat keine Tür.

Die Zimmertür hat weder Schloss, noch Klinke. Wir verbarrikadieren sie notdürftig mit unserem Gepäck. Das Zimmer riecht muffig, doch wir können kein Fenster öffnen. Die Matratzen stinken ebenfalls! Wir kriechen in unsere Leinen- und damit in die dicken Schlafsäcke und können lange nicht einschlafen, weil vor unserer Tür mal gewispert und mal geschimpft wird. Ich fluche, weil ich meine einzige Waffe, ein Taschenmesser, tief unten in der Reisetasche habe.
Irgendwann fängt es an, mich zu jucken: Arme, Hals, Kopf und im Schlafsack die Füße. Auch die anderen werden unruhig. Als der Lärm vor unserem Zimmer anschwillt, sind wir hellwach. Kader klopft an unsere Tür, wir sollen uns fertigmachen, Frühstück gibt’s unterwegs, denn der Regen hat aufgehört.

Beim Frühstück am Rande eines Bachs mit Blick auf den Assekrem berichtet er, dass sie zu dritt abwechselnd vor unserer Tür Wache gehalten hätten. „Und das war nötig!“ betont er. Hinzuzufügen ist, dass alle Frauen jede Menge Floh- und/oder Wanzenbisse eingefangen haben, die die gesamte Reise über jucken.
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Ein Highlight: Kamelritt in Djanet
Fotos: Susanne Schweitzer (gest.), neu formatiert

LG freshy
Reiseberichte und Videos Video:Bootsafari auf dem Kwando 2018 Forum(2016): Südafrika & KTP Forum(2013): Zwei Gruftys in Botswana Forum(2013): Fünf Tage in Johannesburg Web:Namibia & Botswana 2017 Video:Sani Pass 2015 Web:Südafrika & Lesotho 2015 Web:Auf Pad im südl. Afrika 2014 Video:Elefanten im Senyati Safari Camp 2013 Web:Namibia 2011
zuletzt bearbeitet 01. Apr. 2020
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200601. Apr. 2020 · #27
… ich habe auch noch 'ne Geschichte (oder auch noch einige).

Ich war Ende 2006 u.a. in Zimbabwe unterwegs. Dank meiner wie immer "peniblen Vorbereitung" wusste ich nicht, dass vor Monaten eine Inflation begonnen hatte. Ich hatte auch keine Landkarte dabei, sondern radelte einfach so munter drauflos. Ich fuhr von Victoria Falls in Richtung Süden nach Bulawayo und von hinten kam ein Truck mit Doppelauflieger, bremste ab und hielt neben mir. Der Fahrer fragte mich, ob ich noch genug Wasser hätte und ich dachte mir, es könne nicht schaden, eine leere Flasche aufzufüllen. Er füllte sie mir aus seinem kleinen Außentank auf und fragte dann, wohin ich wolle. Als ich als Ziel Bulawayo nannte, meinte er, er fahre die Strecke regelmäßig und sie sei ziemlich öde und außer ein paar winzigen Siedlungen gäbe es da nichts und das seien noch etwa 300 km. Dann fragte er, ob ich nicht lieber mitfahren wollte und er würde auch kein Geld verlangen.
Wir haben dann mein Fahrrad auf einen der beiden leeren Plattformauflieger bugsiert und dort verzurrt. Das hat irgendwie an die Fahrer von Tiefladern erinnert, die nach Abliefern eines Baggers auf der Rückfahrt aus Spaß ein Bobbycar verzurren. 😉

Als wir Bulawayo erreichten und es bereits dunkel war, fragte er mich, wo ich übernachten wolle und ich meinte, ich würde mir einen Campingplatz suchen. Er sagte, er wisse gar nicht, ob es hier einen gäbe. Er würde jetzt zu einer Firma fahren, wo sein LKW am nächsten Morgen beladen würde und schläft im Führerhaus. Die eine Koje seines Etagenbetts sei frei und ich könne im Führerhaus übernachten, wenn das für mich ok wäre. Das sei wohl besser als durchs nächtliche Bulawayo zu radeln.

Das leuchtete mir ein und wir luden das Fahrrad ab und verstauten es über Nacht in der Pförtnerkabine, die die ganze Nacht über besetzt war. Dann übernachtete ich in der Koje des LKW und konnte am nächsten Morgen sogar in der Firma noch duschen.

Gruß
Wolfgang
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Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200601. Apr. 2020 · #28
… und hier noch was aus dem Damaraland.
Ich radelte von Opuwo nach Sesfontein und weiter nach Palmwag. Irgendwo entlang der Strecke (ich müsste im Tagebuch nachlesen, um das verorten zu können) wurde es langsam dunkel. Ich übernachte lieber irgendwo in einem Dorf/Siedlung, aber es kam seit Ewigkeiten nichts. Es war etwas hügelig und ich redete mir schon seit 1-2 Stunden ein, dass hinter dem nächsten Hügel ja eine Siedlung sein könnte. So fuhr ich ständig weiter, überquerte Hügel um Hügel und dahinter - keine Siedlung.
So ziemlich im letzten Tageslicht habe ich dann mein Zelt direkt neben der Piste aufgestellt (das Foto ist dann am nächsten Morgen entstanden).

e06.jpg


Und dann -ihr könnt es euch denken ...
Am nächsten Morgen fuhr ich über den nächsten Hügel und erreichte eine kleine Siedlung. Sie lag keine 500 Meter von meiner Übernachtungsstätte entfernt.

Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 01. Apr. 2020
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200603. Apr. 2020 · #29
Hallo zusammen,

ich habe noch was aus Kamerun 2003. Diesmal waren wir zu zweit unterwegs und hatten Reiseschecks dabei, weil EC- und Kreditkarten -wenn überhaupt- nur in größeren internationalen Hotels akzeptiert wurden. Beim Erwerb der Reiseschecks wurde uns -unabhängig voneinander- geraten, den Kaufbeleg zuhause aufzubewahren, damit im Falle von Diebstahl später der Schaden ersetzt werden könne. So machten wir es auch. EC- und Kreditkarte hatte ich trotzdem dabei und am Flughafen zweifelte ich, ob der in Reiseschecks vorhandene Betrag für die Reise ausreichend wäre. Ich hob noch 500 Euro ab und konnte die ohne vorherige Anmeldung nicht spontan in Reiseschecks umtauschen. Mein Reisepartner hatte überhaupt kein Bargeld dabei.

In Kamerun dann eine böse Überraschung. Keine Bank tauschte die Reiseschecks ohne Vorlage des Original-Kaufbelegs und meine EC- und Kreditkarte wurden tatsächlich auch nirgends akzeptiert. Von meinen 500 Euro hatten wir für die Taxifahrt vom Flughafen (wir kamen im Dunkeln an), für die erste Übernachtung und die zurückgehaltene Reserve für die Taxifahrt für den Rückflug schon einen Teil verbraucht. Grob gerechnet hatten wir nun für zwei Personen und vier Wochen Aufenthalt im Land noch 400 Euro übrig. 50 Euro pro Woche und Person ließen natürlich keine Übernachtungen in Gästehäusern zu, weswegen einige der Schlafplätze ein wenig "unüblich" waren. Wir kauften nicht einmal Wasser, sondern entnahmen es aus Bächen und Flüssen und filterten es, um mit dem Geld auszukommen.

In den Dörfern fragten wir uns immer zum Dorfchef durch und diesen dann, ob wir im Dorf irgendwo unsere Zelte aufstellen dürfen. Zweimal schickte uns der Dorfchef hinter sein Haus, wo wir die Zelte zwischen den Ahnengräbern aufstellen durften. Einmal war es so eng, dass die Zelte gerade so jeweils zwischen zwei Gräber gepasst haben.

Das hätte ich mir auch nie träumen lassen, dass ich mal zwischen Gräbern zelten würde.

Gruß
Wolfgang
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5'479 Beiträge · seit 200908. Apr. 2020 · #30
Mitte der 80er Jahre bis Anfang des neuen Jahrtausends habe ich zum Jahreswechsel immer 1-2 Wochen zum Klettern in Finale Ligure verbracht. Die ersten Jahre haben wir immer gezeltet, doch auch an der Riviera fallen im Winter die Nachttemperaturen oft unter 0°C. Sehr komfortabel war es somit nicht.
Ab 1990 durften dann auch meine sächsischen Kletterfreunde reisen und es zeigte sich einmal wieder, wie findig und improvisationsfreudig die ehemaligen DDR-Bürger waren. Im Herbst bekam ich einen Anruf der Freunde, man habe einen verlassenen Gutshof gefunden, den man perfekt als Unterkunft herrichten könne. Das wäre dann viel bequemer als Zelten und im Gegensatz zum Campingplatz auch noch gratis. Ich erhielt eine Anfahrtsbeschreibung und war gespannt, was mich erwartet.
Rund 2 Monate später stand ich vor der neuen Unterkunft, genauer gesagt vor der Natursteinmauer, welche den ehemaligen Gutshof umgab. Dahinter ein nahezu undurchdringliches Efeu- und Dornendickicht, aus dem lediglich an einigen Stellen das Dach eines Gebäudes herausragte. Durch das Dickicht war ein Tunnel geschlagen, der so niedrig war, dass man nur in stark gebücktem Gang hindurch kam. Als ich dann im Eingang des Gebäudes stand fragte ich mich, wo man hier auch nur halbwegs akzeptabel übernachten soll. Alles war verfallen, vermodert, verdreckt. Es war nass und kalt.
Dann erklangen aber Stimmen aus dem ersten Stock. Hier bot sich dann ein ganz anderes Bild. Es gab 3 große Räume mit Kreuzgewölbe, deren Dach dadurch noch dicht war. Zwei der Räume waren als Schlafräume hergerichtet worden. Die längst glaslosen Fensterhöhlen waren mit Folie wieder abgedichtet worden und an den Wänden waren in regelmäßigen Abständen Nägel eingeschlagen, damit man tagsüber die Schlafsäcke zum Schutz vor den streunenden Katzen aufhängen konnte. Das Prunkstück war aber die Küche; ebenfalls ein trockener Raum mit Kreuzgewölbe. Auch hier waren die Fensterhöhlen mit Folie abgedichtet. Aus alten Türen war ein großer Eßtisch gezimmert und aus mitgebrachtem Verschalungsholz eine umlaufende Sitzbank errichtet; aus Getränkedosen zugeschnittene Kerzenhalter hingen an den Wänden. Das Highlight war aber der in einer Ecke stehende Kohleofen, der aus sächsischen Beständen hierher gebracht wurde. Die Eingänge zu den Schlafräumen und zur Küche war mit davor gehängten Decken gegen Zugluft geschützt.
In einem zum Teil verfallenen Raum befand sich die Toilette. Das war nichts anderes als ein Loch im Boden, welches zu einem Raum im Untergeschoss führte. Daneben Stand ein Zentnersack ungelöschter Kalk und als Klodeckel diente eine alte Tür. Die eingestürzte Rückwand des Raums stellte das "Herrenpissoir" dar. Ein großer Balkon diente als Badezimmer. An Nägeln hingen hier die Wassersäcke, welche wir an einer nahe gelegenen Quelle füllen konnten.

Mehr als 10 Jahre lang war unsere "Villa" Treffpunkt der befreundeten Kletterszene. Teilweise haben wir mit 25 Personen gleichzeitig dort gewohnt. Selbst wenn es draußen Minusgrade hatte, konnten wir in der Küche im T-Shirt sitzen.

Ein ganz spezielles Erlebnis war, als eines Abends ein Spezialeinsatzkommando der Polizei unsere Unterkunft stürmte. Das Ganze stellte sich glücklicherweise als Irrtum heraus. Es hatte wohl in der Vergangenheit nicht weit entfernt Drogendeals gegeben und als man im Dunkeln Licht aus der Ruine dringe sah, vermutete man erneut solche Geschäfte. Als klar war, dass wir lediglich eine Gruppe harmloser Kletterer waren wünschte man uns noch einen schönen Urlaub und verschwand wieder. Man gut, dass die keinen Drogenhund dabei gehabt hatten, denn den einen oder anderen Joint hätte der sicherlich aufgespürt.

Inzwischen sind wir alle älter und bequemer geworden, so dass wir schon lange nicht mehr dort übernachten. Trotzdem denke ich gerne an die Zeit zurück und statte der Ruine noch immer einen Besuch ab, wenn ich in Finale bin. Inzwischen ist das Badezimmer abgebrochen und liegt im Garten.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200608. Apr. 2020 · #31
Topobär schrieb:
Durch das Dickicht war ein Tunnel geschlagen, der so niedrig war, dass man nur in stark gebücktem Gang hindurch kam.

… was bei Deiner Körpergröße bereits der Fall wäre, wenn ich noch aufrecht laufen könnte. 😉

Gruß
Wolfgang
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4'382 Beiträge · seit 201509. Apr. 2020 · #32
Hallo, Topobär, ich finde es jammerschade, daß es von dieser Unterkunft keine Fotos gibt!
Grüße von Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
2'319 Beiträge · seit 201109. Apr. 2020 · #33
Guten Morgen,

da möchte ich doch auch zu diesem interessanten Thread dazu beitragen.

Meine außergewöhnlichste Übernachtungsstätte bisher war das Hotel Zenobia in Palmyria in Syrien.
Während unserer Rucksackreise durch Syrien im Juni 1987 verschlug es uns auch in die syrische Wüste. Alleine schon das Reisen innerhalb des zu dieser Zeit vom alten Diktator Assad regierten und unterdrückten Staates war eine große Herausforderung. Das Land war voll von Geheimpolizei und Militäreinheiten, die das Leben der Einheimischen sowie das Reisen der ganz, ganz wenigen westlichen Touristen (ich zählte in drei Wochen außer uns beiden insgesamt nur eine weitere Deutsche und ein schwedisches Pärchen) erheblich erschwerten. Es war an der Tagesordnung, daß der Staatsapparat Straßensperren errichtete und sämtliche Reisende, egal ob in privaten PKW, Überlandbussen, zu Fuß oder auf Eseln, stoppte, kontrollierte und Angst einflößte. Auf unserem Weg mit dem Überlandbus von Damaskus nach Tadmur (Palmyra) kam es in Mitten der Wüste zu einem solchen Roadblock. Militär stürmte den Bus, alle Reisenden mußten von ihren Sitzen aufstehen und wurden zusammengepfercht. Wir, als einzige Westler, hielten unsere deutschen Reisepässe in die Luft und den Atem an und wohnten dieser Szenerie mit Fassungslosigkeit bei. Die bis über beide Ohren bewaffneten Soldaten fuchtelten mit ihren Messern und Kalaschnikows wild gestikulierend und lauthals brüllend im Bus umher, schnitten mit ihren Dolchen alle Sitze des Busses auf und durchsuchten diese akribisch. Zum Schluß stießen sie einen der Reisenden mit Fußtritten aus dem Bus und führten ihn ab. Uns beiden wurde auf die Schultern geklopft und mit breitem Grinsen entgegnet: Germany good, good. Jewish dead. Good. So fuhr der Bus weiter und wir setzten, noch immer unter Schock stehend, unsere Reise nach Palmyra fort. Dort angekommen liefen wir zu dem damals außerhalb der Stadt Tadmur direkt an den Ausgrabungen und des Baaltempels liegenden Hotel Zenobia. Ein in klassizistischem Stil erbautes Hotel, daß uns im Sommer 1987 mit schiefhängenden Holzfensterläden, aus den Angeln gehobenen Türen, bröselndem Stuck, unglaublich schönem Mosaikfußboden und einem kleinen Garten mit Plätscherbrunnen empfang. Wir sollten die einzigen Gäste bleiben. Angeboten wurde lediglich Übernachtung und Getränke. Essen gab es nur im nahen Städtchen Tadmur, dort wo die Überlandbusse hielten. Die Lage des abgehalfterten, ehemals berühmten Hotels (zu den illustren Gästen zählte auch Agatha Christie, die ihrem Gatten, einem englischen Archäologen, in den 30er Jahren in den Nahen Osten folgte und dort u. a. den Mord im Orientexpress verfasste) direkt an den Tempelanlagen, Ausgrabungen, Nekropolen war atemberaubend. Das uns aus der dem Hotel gegenüberliegenden Oase erreichende Insektenzirpen lag tagsüber wie ein lauter Schleier über allem. Wir schlenderten mutterseelenalleine durch die UNESCO-Weltkulturerbestätte; außer uns war niemand dort. Alles war sehr surreal. Die Größe, die Gesamtheit der Ruinen war mental schier nicht zu erfassen. Da uns das Hotel Zenobia ja lediglich kühle Getränke, Tee oder Kaffee offerierte, mußten wir uns zum Abendessen nach Tadmur begeben. Das heiße Wetter, die fetten und vor Öl triefenden Speisen garniert mit dicken, rohen Zwiebelringen, die über Gebühr gesüßten Getränke sowie das auf Autodächern „gebackene“ Fladenbrot trugen, trotz unserer mehr als zurückhaltenden Essensaufnahme, dazu bei, daß sich eine weitere Reisende uns anschloß: Die Diarrhö. Das uns zugeteilte, scheinbar einzig belegbare Hotelzimmer verfügte über ein sehr ansehnliches, großes Bad. Schade nur, daß die Toilettenspülung defekt war und es uns aufgrund der unüberwindbaren sprachlichen Hürden…wir sprachen nur Deutsch und Englisch, die paar Hotelmitarbeiter nur Arabisch… nicht gelang, hierfür einen Ersatz zu erhalten. So blieb uns zu nächtlichen Stunden lediglich die Badewanne, die eine funktionierende Wasserzuleitung hatte. Mit nackten Ärschen saßen wir somit auf dem Badewannenrand und schissen uns die ganze Nacht die Seele aus dem Leib. Unabhängig von unseren Darmbeschwerden wäre an Schlafen eh nicht zu denken gewesen, da der stark zunehmende Wüstenwind wild an den ausgemergelten Holzfensterläden riß und großen Lärm verursachte.
Diese Nacht, wir nennen sie heute noch den nächtliche Palmyraschiß, wird uns immer in Erinnerung bleiben. Zu unserem großen Glück hatten wir eine Woche zuvor im gedeckten Basar in Aleppo ausreichend parfümierte Kernseife gekauft und Gott sei Dank war genug Druck auf der Wasserleitung, sodaß wir unsere "flüssigen" nächtlichen Geschäfte entsorgen und die Wanne sauberschrubben konnten.
Wenn das die gute alte Agatha wüßte. Wir würden mit Sicherheit Eintritt in eines ihrer Werke erhalten.

Gruß vom Alm
zuletzt bearbeitet 09. Apr. 2020
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200609. Apr. 2020 · #34
Die Geschichte erinnert mich an eine Übernachtung in der Bibliothek der Seemannsmission in Douala (Kamerun). Wir durften dort auf dem Fußboden schlafen, nachdem wir in der Stadt keine Übernachtungsmöglichkeit gefunden hatten und die Zimmer der Mission auch alle belegt waren.
Mein Reisepartner und ich hatten abends irgendwelche frittierten Kartoffelteile der Baureihe "Pommes frites" gegessen, aber irgendwie war das Frittierfett wohl in einem Zustand, der bei Stiftung Warentest nicht über ein "mangelhaft" hinausgekommen wäre.
Etwa zwei Stunden später ließen wir uns die ganze Sache nochmal durch den Kopf gehen.
Mein Reisepartner suchte die (einzige) Toilette auf und hielt zu Ehren von Villeroy&Boch eine stundenlange Andacht am weißen Porzellanaltar ab. Ich füllte derweil fleißig vorverdaute Kartoffeln portionsweise in eine Plastiktüte ab.
Immerhin mussten wir am nächsten Morgen keine Badewanne schrubben … 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
6'369 Beiträge · seit 201110. Apr. 2020 · #35
Hoi zämä

1978 wollte mein Stiefvater mit meiner Mutter, meiner Grossmutter, meinem Bruder und mir in einem 1971er und demnach auch kleinen, dreitürigen Toyota Corolla Kombi nach Sitges (etwas südwestlich von Barcelona).
Um die beinahe 1200 km rechtzeitig hinter uns zu bringen und Reserve zu haben sind wir am Tag bevor wir ins Hotel einchecken konnten in den bis unters Dach vollgeladenen kleinen Corolla gestiegen und losgedüst.
Wie für eine Fahrt mit einem Toyota üblich sind wir trotz nur etwa 55PS aus dem kleinen Motörchen problemlos durchgekommen!
Zumindest beinahe!
Denn weil wir auf der Strecke keine Probleme hatten kamen wir irgendwann um Mitternacht in Sitges an und da das Hotel keinen 24h-Rezeption hatte standen wir ohne Hotel da!
Also haben wir die Hotels die noch offen waren abgeklappert und dabei bemerkt dass zwar wenige Zimmer frei waren.
Aber nichts was zahlbar gewesen wäre...
Nach Stunden der Suche entschied mein Stiefvater dass wir im Auto übernachten und stellte das Auto in einem Park auf die dort am Boden rumliegende Wiese.
So weit, so unbequem!
Aber irgendwann haben wirklich alle mal geschlafen!
Als wir dann am Morgen aufwachten haben wir uns erstmal umgeschaut und uns über die vielen Leute mit Golfschlägern gewundert...bis wir dann endlich bemerkten dass wir mitten auf dem Grün eines Golfplatzes standen! 😄
Schnell weg und ab ins Hotel! 😄
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200610. Apr. 2020 · #36
… das erinnert mich an eine Fahrt mit dem Land Rover zur Oase Goanikontes vor fast 20 Jahren.
Landkarten sind ja was für Turnbeutelvergesser und so habe ich mir das nur kurz angeschaut und bin los. Und dann irgendwann Gras, was ja irgendwie gut zu Oase passte. Was nicht so passte, war dann irgendwo eine Fahne, die ein Loch kennzeichnete. Ich bin also quer über den Golfplatz in der Nähe von Swakopmund gefahren, von dem ich zuvor nie gehört hatte. War irgendwie nicht so gelungen …

Gruß
Wolfgang
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44 Beiträge · seit 201910. Apr. 2020 · #37
Zuerst mal noch vielen Dank für den tollen Thread! Auch wenn ich nicht mit den abenteuerlichen Erzählungen von Wolfgang und den anderen Jungs mithalten kann, so möchte ich trotzdem zwei Geschichten erzählen, welche mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind und ein Schmunzeln ins Gesicht zeichnen. Es geht bei meinen Erzählungen nicht so sehr um ungewöhnliche Orte sondern mehr um die Randerscheinungen.

Wie schon von Kordula in einem vorherigen Beitrag erwähnt, kann auch ich erst heute als Mutter nachvollziehen, welches Vertrauen meine Eltern in meinen Freund und mich hatten, als sie mich mit 17 Jahren mit dem Motorrad bis nach Portugal fahren ließen. Im Gegensatz zu den heutigen Helikopter-Eltern war in unserer Familie nicht mal ein Telefonanruf notwendig, dass man gut angekommen sei oder ähnliches. „Was Schlechtes erfahren wir früh genug.“ war die Devise meiner Eltern. Entsprechend war auch die Reaktion als ich nach 4 Wochen doch mal zu Hause anrief. „Um Himmels Willen! Was ist passiert?“ waren die ersten Worte meiner Mutter….Dieses Urvertrauen und der Mut, dass alles schon irgendwie gut gehen wird, begleiten mich seitdem durchs Leben. Und das ist wirklich eine sehr angenehme und entspannende Sichtweise. Doch nun zurück zu meinen Geschichten.

Im Sommer 1982 machten wir uns mit dem Motorrad (Yamaha SR 500) auf den Weg nach Portugal. Bepackt waren wir „bis zum Stehkragen“. Sogar einen Ersatzreifen hatten wir dabei.

Portugal1.jpg


Übernachtet haben wir im Zelt – oder auch nicht. Manchmal lagen wir auch einfach so unterm Sternenhimmel.
Portugal2.jpg



Portugal war damals noch „Entwicklungsland“. Strom gab es nicht überall und schwer beladene Ochsenkarren konnten einem hinter jeder Kurve auf den schmalen Landstraßen den Weg blockieren. In Lissabon schockte mich ein Slum mit Pappkarton- und Wellblechhütten. Nackte Kleinkinder saßen im Dreck und spielten in Pfützen. So etwas kannte ich nur aus dem Fernsehen von südamerikanischen Ländern – aber doch nicht bei uns in Europa! Als ich Jahrzehnte später wieder nach Portugal kam, gab es eine Autobahn parallel zur alten Landstraße, die einem im Vergleich nun wie ein geteerter Feldweg anmutete. Auch im kleinsten Dorf gab es nun Strom statt Petroleumbeleuchtung. Und Pommes statt Gemüse. Überall im Land standen große Hinweistafeln, auf denen man nachlesen konnte, was die EU alles gefördert hat. Doch ich schweife ab…

Nachdem wir damals ein paar Tage in Biarritz verbracht hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Keine Ahnung warum, aber Armin wollte unbedingt in einem Rutsch von Frankreich bis nach Portugal durchfahren. Unser Motorrad schaffte nur max. 120 km/h und auch die Tankfüllung reichte nur für ca. 150 km. An ein zügiges Vorankommen war somit nicht zu denken. Da der von uns anvisierte Grenzübergang von Spanien nach Portugal um 1.00 Uhr nachts schloss, mussten wir rechtzeitig dort ankommen. Für mich als Sozia war es zwar weniger anstrengend als für den Fahrer. Aber doch auch ermüdend. Und so fielen mir während der Fahrt immer wieder die Augen zu. Armin bemerkte es daran, dass ich mit meinem Helm gegen seinen knallte. Irgendwann gab er mir einen Schubs nach hinten, so dass ich mich bequem an unserem Berg von Gepäck anlehnen konnte und in einen Tiefschlaf fiel. Solange es nur geradeaus ging, war das fahrtechnisch kein Problem, nur in den Kurven musste er sehr vorsichtig sein, damit ich ihm nicht verloren ging. So konnte ich wenigstens einen Teil der langen Strecke im Schlaf hinter mich bringen. (Ich stelle gerade fest, dass es sich auf einem Motorrad zwar nicht um einen Übernachtungsplatz aber doch zumindest um einen ungewöhnlichen Schlafplatz handelt.)

Je näher wir der Grenze kamen, desto kurviger wurde die Straße. Links und rechts nur Eichenwälder oder riesige Weiden mit ebenso riesigen, schwarzen Rindern. Besonders in der Dunkelheit verlangte die Strecke viel Konzentration vom Fahrer ab. Und die Zeit saß uns im Nacken! 5 Minuten vor der Grenzschließung sind wir gerade noch drüber gekommen. Untern Strich waren es 17 Stunden, die wir an diesem Tag auf dem Motorrad verbrachten. Nun war aus Armin wirklich die letzte Energie raus. Wir brauchten dringend einen Platz zum Schlafen! Auf den nächsten Kilometern war links und rechts alles mit einer Steinmauer unzugänglich eingezäunt. Als endlich das erste Stückchen freie Wiese auftauchte, sind wir im wahrsten Sinn des Wortes vom Motorrad gefallen. Keine 5 Meter neben der Straße. Ich kann mich nicht mal daran erinnern, ob wir noch eine Iso-Matte oder sonst was zum Schlafen unterlegten. Ich glaube nicht…
Wach wurde ich durch das Gebimmel von kleinen Glöckchen. Als ich die Augen öffnete, sah ich einen Bauer, der mit seinem Holzkarren mit zwei geschmückten Ochsen an uns vorbei zog. Er und ich starrten auf das Szenario, das sich uns bot. Ich sah den ersten Ochsenkarren in meinem Leben und er zwei herunter gekommene Motorradfahrer, die direkt neben der Straße schlafen. Und ich glaube, wir beide haben in dem Moment genau das gleiche gedacht: „So was habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen!“

So ging also meine erste Nacht in Portugal zu Ende. Die anderen waren etwas komfortabler, wir hatten wenigstens das Zelt in einem Kiefernwald aufgestellt und die Isomatten ausgerollt. Als Toilette diente ein in idealer Höhe quer gewachsener Kiefernzweig mit integrierten praktischen Klopapierhalter. Im lockeren Sandboden war somit eine wunderbare Freilufttoilette geschaffen. Leider gab es Myriaden von Mücken. Sobald man die Hosen runter ließ, musste man sofort an den frei gelegten Hautpartien die chemische Keule gegen die Blutsauger auftragen. Mückenstiche an „diesen“ Stellen sind anscheinend gerade bei Männern sehr unangenehm… Auch beim Duschen mit dem 10 l Faltkanister, der tagsüber in der Sonne erwärmt wurde, musste der andere daneben stehen und mit einen Handtuch die Mücken abwehren.

Eines Nachts, ich schlief zum Glück mit dem Gesicht in Richtung Zeltwand, schlug mein Freund mit den Fäusten plötzlich auf mich ein! Ich bin total erschrocken und dachte an einen Skorpion oder eine Schlage oder was auch immer, was er zu erschlagen versuchte. Ich schrie laut auf, er aber fiel mit einem lauten Seufzer zurück auf die Isomatte und wollte einfach so weiter schlafen, während ich panisch an der Zeltdecke klebte. Also habe ich ihn wachgerüttelt und gefragt, was denn los sei! Seine Antwort:“ Fass dir mal an die Nase.“ Ich fasse mir wie gewünscht an die Nase und tastete mich rundum ab um dann zu bestätigen, dass da alles in Ordnung ist. Wieder ein Seufzen und ein Wegnicken seinerseits. Nun war aber Schluss mit lustig! Ich habe ihn so lange geschubst, bis er wirklich richtig wach war und mir den Hintergrund seiner Attacke erklären konnte: er hatte einen Alptraum! Auf meiner Brust saß eine riesige Mücke, welche mir über die Nase das Blut aussaugte! Er hat also versucht mir das Leben zu retten! Mein Held! Ich muss dazu sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits 148 Mückenstiche hatte. Dass mein Freund sich deshalb Sorgen macht und mich vor weiterem Unheil bewahren wollte, rechnete ich ihm hoch an!
2012 Südafrika - Einsteiger Gruppenreise 2017 Südafrika - Selbstfahrer 2018 Botswana - Zeltsafari 2020 Namibia - Frauen Power 4 x 4 wegen Corona verschoben auf 2021 .....da kommt sicher noch viel mehr!
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200611. Apr. 2020 · #38
Löwenseele schrieb:
Im Gegensatz zu den heutigen Helikopter-Eltern war in unserer Familie nicht mal ein Telefonanruf notwendig, dass man gut angekommen sei oder ähnliches. „Was Schlechtes erfahren wir früh genug.“ war die Devise meiner Eltern. Entsprechend war auch die Reaktion als ich nach 4 Wochen doch mal zu Hause anrief. „Um Himmels Willen! Was ist passiert?“ waren die ersten Worte meiner Mutter….Dieses Urvertrauen und der Mut, dass alles schon irgendwie gut gehen wird, begleiten mich seitdem durchs Leben.

… sehr schön.
Bei mir war es das genaue Gegenteil. Der Vater war zwar entspannt, aber die Mutter konnte vor (und während) meinen ersten Reisen manchmal wochenlang nicht richtig schlafen.
Bevor ich nach Alaska fuhr, war es meinem Vater und mir klar, dass es nicht gut wäre, wenn die Mutter wüsste, dass es dort Bären und Wölfe gibt.
Afrika und Löwen ließ sich dann nicht mehr so einfach vertuschen … 😉

Gruß
Wolfgang
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2'779 Beiträge · seit 200711. Apr. 2020 · #39
Sehr unterhaltsam, da mach ich mit.

Mitte 1980er Jahre arbeitete ich während acht Monaten auf einem Kreuzfahrtschiff und einer unserer ports of call der sich immer wiederholenden einwöchigen Karibik-Kreuzfahrt war eine unbewohnte Insel im San Blas Archipel vor Panama. Nach mehreren Wochen schmiedete ich einen Plan um einmal bei den Cuna Indianern eine Nacht zu verbringen, einmam weg vom Schiff zu sein, weg von all den Leuten, näher bei diesem faszinierenden Inselvolk. Dieser Landgang auf San Blas wurde im Katalog als Beach Day beschrieben. Ein Tag mit beach volley, beach buffet, beach bar und baden an der beach. Die Passagiere wurden mit Tender Booten rübergebracht, Hafen gab es ja keinen, das grosse Schiff lag etwas draussen im Meer verankert. Auf der Insel gab es keinerlei Infrastruktur, nur Sand und Palmen und türkisfarbenes lauwarmes Badewasser. Die Musiker des Orchesters trugen Hawaiishirts und kurze Hosen und breitrandige Mariachi Hüte und spielten Gitarre und sangen. Die Cuna Indianerinnen kamen mit ihren Kanus und verkauften ihre typischen Textilien. Mein Plan war mit einer jungen Cuna-Familie und ihrem Kanu zu ihrer Insel zu fahren und dort bei ihnen zu übernachten. Meine Arbeitskollegin deckte derweilen meine Abwesenheit mit der Begründung ich läge mit Fieber in der Kajüte.
Auf der bewohnten Insel standen eine Handvoll sehr einfacher Behausungen aus Palmenblättern und mit spartanisch wenigen Möbeln, nur Tische, Stühle und Hängematten. Die Hütten hatten nicht einmal Türen. Als es dunkel wurde gab es gebratenen Hummer und Schnaps, von beidem sehr viel und es wurde gesungen, gelacht und gefeiert. Meine Gastgeber sprachen kaum spanisch, nur ihre einheimische Sprache, wir schwatzten stundenlang, aber ich habe keine Ahnung was sie sagten. Irgendwann fielen wir alle betrunken in die Hängematten. Am nächsten Morgen gabs Kokosmilch und Fladenbrot und man brachte mich per Kanu auf eine dritte Insel wo mich wie abgemacht der Hummertransport mitnehmen würde nach Panama City. Ich stieg in das Kleinflugzeug ein und setzte mich auf die Krustentiere, die beiden Sitze vorne waren besetzt vom Piloten und vom Händler. In Panama City machte ich dann Flug-Anhalter, das ist wie herkömmlicher Anhalter, aber am Flughafen der Charterflüge. Drei sehr schick gekleidete Geschäftsmänner hatten erbarmen und nahmen mich mit in ihrem Jet auf die Karibik Seite des Panamakanals in die Stadt Colon, da wo mein Schiff lag seit der Nacht zuvor. Ich erwischte dann auch schnell ein Taxi und kam grad rechtzeitig an Bord bevor es hiess Leinen los. Die darauffolgenden Wochen, wenn wir wieder in San Blas hielten, lachten die Einheimischen und ich über unser gemeinsames Abenteuer.
Ohne jugendlichen Leichtsinn gäbe es viele der hier beschriebenen Geschichten nicht.
Gruss Leona
Themenstarter7'296 Beiträge · seit 200611. Apr. 2020 · #40
La Leona schrieb:
Ohne jugendlichen Leichtsinn gäbe es viele der hier beschriebenen Geschichten nicht.

… ja, das ist wohl so.
Allerdings muss ich feststellen, dass der jugendliche Leichtsinn auch in späteren Jahren von Zeit zu Zeit mal wieder zurückkehrt.

Danke an alle, die hier bisher ihre schönen Geschichten mitgeteilt haben!

Gruß
Wolfgang
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