BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200627. März 2020 · #1
Hallo zusammen,
dieses Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln. Im Laufe meiner Reisen habe ich ja schon an den seltsamsten Plätzen übernachtet und es würde mich interessieren, was eure kuriosesten Übernachtungsmöglichkeiten waren.
Mir fehlt z.B. noch 'ne Feuerwache, 'ne Kaserne (ich kam damals um die Bundeswehr rum), 'ne Bushaltestelle usw. Dafür habe ich z.B. schon bei 'nem Stammeskönig, in 'nem Nonnenkloster, zwischen Gräbern und direkt am Polarkreis neben dem Schild übernachtet und auch in 'nem Waisenhaus, Polizeistation usw.
Was waren eure kuriosesten Übernachtungsorte?
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Ja.....es gibt fast keine Grenzen.....dessen was man im jugendlichen Wahn getan hätte.....auch diesbezüglich!
Wie wärs mit dem Seitenstreifen der N3 (zwischen Joburg und Durban) am Abzweig nach Bergville!? (in etwa gegenüber von wo die N11 nach Ladysmith startet) Das kann passieren, wenn man als armer Student unbedingt noch am Freitagabend, nach der Matheklausur per Anhalter in die Drakensberge will und spät Nachts, in Regen und Kälte (Winter, ca. -5 Grad) nicht weiter kommt! Abseits der Autobahn war Matsch pur und da wollte keiner unter diesen Bedingungen rein! Geschlafen wird dann, im Schlafsack, im "Bivibag", zu sechst in Reihe; Füsse in Richtung des ankommenden Verkehrs, weil ansonsten der Schlafsack so unangenehm von den vorbei donnernden LKWs "aufgeblasen" wird!.....wenn ich Heute dran denke bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.
Liebe Grüsse, busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200627. März 2020 · #3
Danke! Genau solche schräge Erlebnisberichte finde ich klasse. Ist was anderes als über Monate vorgebucht … 😉
Gruß Wolfgang
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Randfontein568 Beiträge · seit 201427. März 2020 · #4
langweilig... Im Grunde war ein Hühnerstall schon mein "Highligt" auf einer griechischen Insel zu Zeiten als noch die "Miaoulis" und die "Kanaris" fuhren (wenn/falls sie es denn taten). 12 bis 24 Stunden Verspätung waren damals schon "drin" und die Warteszene war entsprechend. Über das einschlägige Kafenion habe ich nur Gutes zu berichten, soweit ich eben berichten kann...
Okay, auch eine Nacht an Deck der "Hellenic Spirit" war mal ganz witzig: ein nächtlicher Überfall einer Horde von Maikäfern, als man noch seinen Schlafsack an Deck auswickelte.
Oder die Nächte auf der alten "Naxos", wo man für ca. 7 DM damals eine Kreuzfahrt machen konnte. Landgang war in Katapola auf Amorgos mit leckern Souvlaki, bevor man sich wider auf's russige Deck begab. Morgens dann weiter nach Egiali, nur um in Donoussa wegen Sturm in der Nachbarbucht "Kendros" ausgebootet zu werden. War auch geil...
Damals eher "normal", heute auch eher exotisch: die Nächte im Zug, vor oder in der Toilette etc. zu Interrail-Zeiten. Atypisches Highlight: die fantastisch ruhige Fahrt 31.12.74-1.1.75 von Milano Centrale die Adria runter bis Taranto. Ein Abteil für mich allein und links das blaue Meer, rechts verschneite Berge.
Dann war da noch das Maisfeld in Vintul de Jos/Rumänien, wo eben noch Dampfbetrieb und Fotoverbot war. Ähnlich damals "Kanal" an der Wocheiner Bahn im heutigen Slowenien. Stiefel blieben an wg. Gewitterrisiko. Oder kurz darauf beim Trampen nach Hellas: im Kosovo beim Pennen im Renault 5 von der Milizia aufgescheucht...
Hoffe, damit einige Jugenderinnerungen geweckt zu haben - liebe Erinnerungen, aber bitte ohne Rekordgeist. Wir müssen nicht die sensationellsten Dinge der ganzen RTL erlebt haben, ich finde es z.B. toll, durch dieses Thema einfach an Dinge erinnert zu werden. Auch wenn sie weniger spektakulär sind, und es fallen mir sekündlich mehr ein ...
Über meine Abenteuer in Syrien vor 40 Jahren berichte ich aus guten Gründen nicht. Schon damals landete ich in Damaskus anstatt in Aleppo, wo ich eigentlich hin wollte. Diese Schatten gehören aber nicht in diesen thread.
Mir fallen da einige Nächte ein. Vor ca. 30 Jahren habe ich mir für ca. 90$ einen Einbaum gekauft und bin in den jetzigen Tortugero Nationalpark gepaddelt. Zwei Kanister Wasser, einiges an Lebensmitteln, die man nicht kochen musste und einem Kompass an einem Survivalmesser, der sich mehr drehte als ich mich in den ersten Stunden meiner Paddelversuche. Da ich schon nach einer Stunde unsicher wurde hielt ich mich immer im größten Kanal auf . Die Mangroven waren voller Vögel und auch eine Boa entdeckte ich. Einige Zeit vor Sonnenuntergang fand ich eine Sandbank, dort konnte ich den Einbaum einige Meter hochziehen und dachte schon damals, dass mir etwas mehr Sport sicher besser getan hätte aber wer rechnet auch damit wie schwer ein Einbaum an Land ist. Mit meinem Paddel und Reservepaddel baute ich mir eine Art Baldachin und wurde pünktlich zum Sonnenuntergang zum Blutspender, die Konstruktion war nicht wirklich dicht und die Nacht wurde zur Qual. Ich steckte meine Kopf nicht mehr raus und lag äußert unbequem auf meinem Rucksack, weichen Bananen , einer Jacke. Aber die ganzen Geräusche um mich herum machten mir wirklich Angst, da war etwas wirklich großes direkt am Einbaum. Ich blieb die ganze Nacht geduckt und spendete weiter Blut. In den frühen Morgenstunden fand ich etwas Schlaf. Als die Sonne mir morgens ins Gesicht strahlte wurde es schnell warm und ich schubst meinen Baldachin zur Seite und richtete mich auf. Besuch, ein Haufen großer Krokodile hatte sich um meinen Einbaum verteilt. Die 30 qm Sandbank war ein Hotspot für prähistorische Sonnenanbeter geworden. Ganz schnell lag ich wieder in meinem Einbau und hoffte, dass mein Einbaum das größte Krokodil von allen ist und vielleicht allen anderen Respekt einflößt. Ich weiß nicht mehr wie lange ich unten blieb, jedenfalls bekam ich noch eine gewaltigen Sonnenbrand und habe immer Bananen ins Wasser geworfen und gehofft das würde die Crocs ins Wasser locken. Wenn ich über den Rand schaute, schaute ich immer in irgendein Krokodilauge oder Maul. Nach einigen Stunden Wartezeit verzog sich der letzte Koloss ins Wasser und ich ließ noch viel Zeit verstreichen bevor ich den Einbaum zurück ins Wasser wuchtete und zurück paddelte. Der Rückweg dauerte nur drei Stunden und meinen Kompass brauchte ich nicht wirklich. Die nächsten Tage verbrachte ich in einer Beachhütte, ohne Sonne meine Stiche pflegend. Ich schätze der Einbaum müsste jetzt verrottet sein. Grüße Bernd
Ich war auch vor ca 30 Jahren im Tortuguero NP in Costa Rica und habe mir wegen der Krokodile nachts fast in die Hosen gepisst. Ich habe die Riesenschildkröten beim Eierlegen beobachtet und wir haben die Schlange mit einem Stock erschlagen, sonst wären wir selber draufgegangen. Das war das Erlebnis meines Lebens.
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200628. März 2020 · #7
… habt ihr die Schlange auf Verdacht totgeschlagen? Welche war es denn? Normalerweise gehen Schlangen den Menschen doch aus dem Weg … Ich musste zum Glück noch nie irgendwas erschlagen ...
Gruß Wolfgang
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sitzend auf dem Fahrrad... wir hatten uns 1982 zum Schlafen in der ungarischen Puszta in eine Bushaltestelle gelegt. In der Nacht fing es so stark zu regenn, dass alles um uns umher ca. 15 cm unter Wasser stand. Bänke gab es in der Bushaltestelle nicht. So haben wir uns auf die Fahrräder gesetzt und in der Bushaltestelle an die Wand gelehnt damit wir nicht im Wasser stehen müssen. So anglehnt haben wir dann die Nacht verbracht. Zählt das auch als schlafen?
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200628. März 2020 · #9
thorx schrieb: Zählt das auch als schlafen?
… es ging ja um Übernachtungsplätze und ob ihr schlafend übernachtet habt, ist ja zweitrangig. 😉
Hier noch mal eine Geschichte von einer "Multifunktionsunterkunft" in einem Bergdorf in Kamerun. Mein Reisepartner und ich kamen am späten Nachmittag dort an und es gab keine reguläre Unterkunft und keinen auch nur ansatzweise ebenen Platz zum Aufstellen eines Zeltes. Wir fanden eine Hütte mit nacktem Erdboden, die abends als Kneipe diente und glichen den Flüssigkeitsverlust des Tages aus. Wir fragten, ob wir in der Hütte übernachten dürfen und das wurde uns gewährt unter der Voraussetzung, dass wir morgens zeitig aufbrechen. Die Hütte diente vormittags als Dorfschule, tagsüber als Laden, abends als Kneipe und nun auch über Nacht als "Hotel". Der Raum war gerade so groß, dass unsere beiden Innenzelte (wegen der Moskitos) reinpassten. Bezahlen mussten wir übrigens nichts. Wir waren ja am Abend vergleichsweise gute Kunden.
Gruß Wolfgang
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Dandelion547 Beiträge · seit 201728. März 2020 · #10
Hallo zusammen,
das ist ja mal ein interessanter thread 😄 Ganz spontan kommt mir da meine Reise „per Interrail nach Griechenland“ im Sommer 1981 mit 2 männlichen Kumpels aus meiner Jugendclique in den Sinn, an der ich teilnehmen durfte. Durfte deshalb, weil ich zum Zeit der Tour noch keine 18 Jahre alt war, also nicht volljährig. Noch heute staune ich über das absolute Vertrauen meiner Eltern in uns 3, dieser Unternehmung in Zeiten ohne Handy und Internet zuzustimmen 😉 Während dieser 3- wöchigen Reise haben wir u.a. übernachtet auf dem Fußboden in den Bahnhofsgängen eines Wiener Bahnhofs (oder war es Innsbruck?), ausgestreckt in den mitgebrachten Bundeswehrschlafsäcken, den Kopf auf den Rucksäcken, damit wir ja nicht bestohlen werden sowie im Park vor einem Athener Bahnhof, zusammen mit ca. 20 weiteren Backpackern, nachdem um Mitternacht der Bahnhof bis zum Morgen zugesperrt wurde. Außerdem haben wir den Weg von der griechischen Grenze bis in die Nähe von Delphi in einem Viehwaggon verbracht, weil der Zug hoffnungslos überfüllt und nicht mal im Gang ein Plätzchen zu finden war. Gott, hat das übel gerochen in dem DIng. 🤢 Aber die Stimmung war genial, irgendwer hatte eine Klampfe dabei und es wurde musiziert und gesungen. Wenn ich heute daran denke, definitiv eine Story „aus einem anderen Leben“ 😄
Liebe Grüße Kordula 🙂
wüstenfee749 Beiträge · seit 200628. März 2020 · #11
hi @all ......
da fallen mir auch einige ein ...... Pakistan 1988 wir übernachteten im Zelt am Fuße des Nanga Parbat in der Nacht fing es an, wie aus Eimern zu schütten. im strömenden Regen brachen wir am nächsten Morgen auf. Die Straße aus dem Tal war schmal und nicht wirklich befestigt. Leider kamen wir nicht weit, ein Bergrutsch hat das Durchkommen unmöglich gemacht. Einer unserer Fahrer wusste, dass in der Nähe ein Armeelager ist und machte sich zu Fuß auf den Weg. Die Armee wollte versuchen, einen Bus von der anderen Seite zu schicken. Also richteten wir uns auf der Straße ein, Zelte aufbauen war nicht möglich. Wir verbrachten die Nacht buchstäblich auf der Straße, irgendwie ......... Am nächsten Tag am späten Nachmittag hörten wir ein Gedröhne und siehe da, nach kurzer Zeit wurden wir mit viel Geschrei darauf aufmerksam gemacht, dass der Bus da ist. Sehen konnten wir den nicht. Wir packten das nötigste (unsere Willi-Jeeps sollten, wenn die Straße freigeräumt ist, mit dem Rest des Gepäcks nachkommen) Inzwischen dämmerte es schon und wir mussten über die wirklich nicht stabile Geröllhalde klettern. Die Fahrt in dem Kleinbus zur nächsten Siediung (Ort konnte man das nicht nennen) war ein Höllenritt. Inzwischen war es stockfinster, die Straße war eng, links Berg, rechts Abhang und ziemlich kurvig. Dem Fahrer störte das nicht, das Tempo war gigantisch. Bei der Flußdurchfahrt verloren wir dann noch ein paar Gepäckstücke bis wir dann endlich kurz vor Mitternacht ankamen. Gastfreundschaft wird groß geschrieben, wir wurden mit Tee versorgt und konnten unsere Zelte aufstellen. Nachtrag : unsere Willi Jeeps kamen einen Tag später
liebe Grüße Wüstenfee
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200628. März 2020 · #12
Dandelion schrieb:Wenn ich heute daran denke, definitiv eine Story „aus einem anderen Leben“ 😄
… genau solche Geschichten wie von Dir bzw. euch allen finde ich spannend. Ich habe auch noch einige, möchte aber gerne auch eure hören. Im Forum geht es ja meist darum, Monate im Voraus etwas zu buchen. Aber es gibt offenbar auch einige "Exoten", die spontan und unkonventionell übernachten. Ich freue mich auf weitere Erzählungen. Vielen Dank dafür.
Gruß Wolfgang
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Dillinger796 Beiträge · seit 201528. März 2020 · #13
Hallo,
Wolfgang hatte ja in seinem Anfangspost bereits die Bundeswehr angesprochen. Da habe ich zwei lustige Übernachtungen erlebt.
Einmal sind wir nachts mit einem Panzer, bei einem Manöver, quer Feld ein gefahren und hatten im Dunkeln etwas die Orientierung verloren. Auf einer großen Wiese gab es einen etwas helleren Fleck, den suchte sich mein Kommandant zum Übernachten aus. Also meinen Panzer dort schnell geparkt und mit einem Tarnnetz überspannt. Danach habe wir uns alle verkrochen und haben versucht zu schlafen. Etwas habe ich mich bereits beim Einschlafen über den merkwürdigen Geruch gewundert, war aber zu müde um der Sache auf den Grund zu gehen. Am Morgen hat sich gezeigt was los war. Unerträglicher Gestank in Panzer, LKW und Geländewagen. Unser Übernachtungsplatz, der helle Fleck auf der Wiese, war ein gigantischer abgeflachter, verteilter, Hühnermisthaufen. Trotz gründlicher Reinigung, hatte ich den Geruch noch Wochen in der Nase.
Ein anderes Mal haben wir uns bei einem Gewaltmarsch, zum Schlafen bei extremen Regen, in ein Fichtendickicht verkrochen. Ich hatte keine Lust unter meiner Zeltplane zu übernachten und legte mich kurzerhand, in eine mit Heu ausgelegte Wildfütterung. Dort hatte ich es warm und trocken. Als ich am Morgen meine Augen öffnete, beäugte mich aus etwa 2 Meter Entfernung ein Muffelwidder. Wahrscheinlich habe ich sogar blöder aus der Wäsche geschaut als er. Dies Geschichte ist kein Jägerlatein, sonder wirklich so passiert.
AUaustria174 Beiträge · seit 201228. März 2020 · #14
Sehr witzig erzählt Bernd. Toll. Musste echt lachen. Super.
TOtoumtoum319 Beiträge · seit 201229. März 2020 · #15
Meine Übernachtungsplätze waren schon vielfältig, sehr unter schiedliche Orte, Menschen oder nächtliche Begegnungen. Da waren unter anderem der Bischof von Uganda dabei, bei dem ich übernachten durfte und mit dem ich abends lebende Termiten gegessen habe, Armeelager usw. Einige werden mir wohl länger im Gedächtnis bleiben.
In Eritrea war ich in einem verminten Landstrich unterwegs. Ich hatte mich vorher bei den UN-Truppen über die Minenfelder informiert. Klare Maßgabe, verlasse nie die Strasse, auch nicht zum Sch.., und wenn du übernachten mußt, dann nur auf der Piste. Ok, also losgeradelt und ich kam auch gut voran. Eigentlich sollte ich den nächsten größeren Ort zum Übernachten erreichen. Schon ein komisches Gefühl, durch Gegenden zu fahren, wo links und rechts Schilder stehen „Beware of mines“ und dort leben einige Leute. Dann begann das Malheur. Ein sandiger Abschnitt, wo im Sand zahlreiche Akazienzweige waren und so hatte ich bestimmt 20++ platte Reifen und die Zeit lief mir davon. Ich freundete mich schon damit an, auf der Strasse zu übernachten, dann am Horizont neben der Strasse irgendetwas – es stellte sich als UN-Militär-Lager heraus – ein jordanisches. Gott sei Dank – ich bekam Essen und durfte sogar duschen und neben dem Lager mein Zelt aufbauen. Die Soldaten freuten sich, daß ich etwas arabisch sprach. Mir fiel etwas ein Stein vom Herzen. Übrigens zurück im UN-Office in Asmara im Minenbüro, dann die Nachricht, daß während ich auf der Piste dort lang geradelt bin, neue Minen auf der Strasse vergraben worden sind (äthopisch-eritreischer Grenzkonflikt). Da ist mir nachträglich das Herz in die Hose gerutscht.
Danach durch die Danakilwüste geradelt. Dabei in einen Sandsturm gekommen. Zum Glück eine Krankenstation in der Wüste erreicht und dort sehr herzlich aufgenommen worden und durfte dort übernachten. Ich bin dann zusammen mit den Leuten in die nächsten Tage in die Wüste gefahren, um den Afar (Nomaden) Polio und Tetanusimpfungen zu verpassen und konnte die Menschen hautnah kennenlernen. Mit dem Mann von der Station verbindet mich jetzt eine jahrelange Brieffreundschaft.
Auf dem Rückweg nach Asmara dann zum Kloster Debre Bizen aufgestiegen. Oben war ich dann total geschwächt. Einen Abstieg hätte ich wohl nicht geschafft. Ein Mönch bekam meine Situation mit, räumte seine Zelle, damit ich dann drin schlafen kann. Ich habe die ganze Nacht immer wieder pinkeln müssen und wie verrückt geschwitzt, am nächsten Morgen war ich wieder voll hergestellt – keine Ahnung, was es war. Egal, ich war froh, daß mir der Mönch seine Schlafstatt zur Verfügung gestellt hatte.
In Tunesien mit dem Rad in der Halbwüste unterwegs. Wind kam auf, bis es immer stärker wurde und mir klar wurde, daß sich ein Wüstensturm zusammenbraut – wohin jetzt? Dann sah ich etwas Gemauertes. Es stellte sich als Zisterne im Wüstenboden heraus. Sie war zum Glück ausgetrocknet und eine Leiter führte zum Zisternenboden. Also mit Schlafzeug und Kochzeug dort runter und dort die Nacht verbracht, während oben der Sturm heulte. So konnte ich eine ruhige Nacht verbringen – nur das Kratzen der Beine der Skarabäen auf meiner Isomatte war etwas gewöhnungsbedürftig.
Es gibt noch eine Menge andere Erlebnisse, Flußpferde, welche um mein Zelt herum grasen (man gewöhnt sich dran), übernachten in Gletscherspalten, um dem Sturm zu entgehen, Übernachten in heruntergekommenen Funducs im Jemen, wo jeder seine Waffen abgeben muß (von Panzerfaust über AK47 alles dabei), damit es nicht zu Mord und Totschlag kommt. An manche erinnert man sich gerne, manche braucht man nicht ein zweites Mal.
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200630. März 2020 · #16
… dazu passt 'ne Geschichte einer Radtour, die in Gambia begann und ich glaube, dass Rucksack- und Radreisende dazu prädestiniert sind, seltsame Übernachtungsmöglichkeiten zu finden.
Ich fuhr zunächst auch ins nördliche Senegal und dann auch ins südliche (die Casamance). In der Casamance ist die MFDC seit Jahrzehnten bemüht, diesen Landesteil zu einem unabhängigen Land zu machen und es wurden immer wieder mal Anschläge verübt (wobei Touristen in der Regel verschont wurden, da man auch künftig auf Tourismus setzen wollte). Ich habe mich beim Grenzübertritt erkundigt, wie die Lage ist. Was ich nicht wusste, war, dass im nächsten Land (Guinea-Bissau) gerade ein Militärputsch stattfand …
Ich radelte also durch die Casamance und kam bei Sao Domingos nach Guinea-Bissau. Von Norden kommend hielt ich mich rechts und radelte nach Varela an der Küste. Es war bekannt, dass die MFDC sich entlang der Strecke nach Varela immer wieder mal zurückzog und die Gegend auch vermint hatte. Musste man mal aus der Hose, musste man auf der Piste bleiben. Hin und wieder gab es wohl auch mal Überfälle auf die Dörfer in der Grenzregion.
In Varela durfte ich dann vor einem einfachen Haus zelten. Mitten in der Dunkelheit einer mondlosen Nacht weckte mich plötzlich ein Schuss. Ich wachte völlig erschrocken und verängstigt auf und horchte in die dunkle Nacht. Nichts war zu hören. Ich habe mich kaum zu atmen getraut. Es dauerte Minuten, bis ich erkannte, dass aus heiterem Himmel mein Zeltgestänge gebrochen war. Nein, es war kein Schuss. Ich hatte mir fast in die Hose gemacht und dabei war nur das Zeltgestänge zerbröselt. So sah das am nächsten Tag aus …
Gruß Wolfgang
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picco6'369 Beiträge · seit 201130. März 2020 · #17
Hoi zämä
Bei uns war weniger der Übernachtungsplatz speziell als der Grund weshalb wir überhaupt übernachtet haben! Wir waren 1984 mit unseren Mofas (Puch Maxi, 1,2PS, 30km/h...theoretisch...) zu viert in Chioggia/Sottomarina unterhalb von Venedig und irgendwann mussten wir natürlich wieder mal zurück. Schon auf dem Hinweg haben Andy und ich bemerkt dass wir zwei die einzigen sind die eine Strassenkarte lesen können und es gab da schon Spannungen weil wir Erich nicht den Weg bestimmen lassen wollten. Auf dem Rückweg haben Andy und ich dann kurz nach Meran gedacht dass man jetzt ja nicht mehr falsch fahren könnte und haben die Karte endlich dem Erich gegeben. So kurz vor dem Abzweig zum Ofenpass würde er ja nichts mehr falsch machen können...haben wir gedacht... Unser Ziel war durch die Nacht nach Hause zu fahren. Erich also voraus, wir hinterher... So sind wir dann durch die Abenddämmerung in die Nacht hinein gefahren. Bei einer Kreuzung ist er dann links abgebogen und Andy wie auch ich dachten dass das schon die Abzweigung in Richtung Ofenpass wäre. Kurz darauf hab ich meinen Schlafsack aus dem Rucksack geholt, bin reingestiegen und so im Schlafsack weitergefahren, denn es war arschkalt und wir hatten nur T-Shirt und ungefütterte Jeansjacken dabei. Wir fuhren und fuhren und die Strasse führte uns immer weiter in die Höhe bis Andy stutzig wurde weil er ein Ortsschild sah, das ihn an einen südtiroler Skirennfahrer erinnerte, irgendwas mit Gustaf Toni odrr so. Er hielt Erich an, wir namen ihm die Karte weg und suchten den Ort, der da angeschrieben war in der Nähe des Ofenpasses...und wurden nicht fündig! Erst als ich mehr zufällig deutlich weiter unten auf die Karte sah hab ich den Ort gefunden! Nun wussten wir dass Erich es wider Erwarten doch noch geschafft hat dass wir uns verfahren. 🤩 Da es nun nichts mehr werden konnte mit nach Hause fahren haben wir uns einen Übernachtungsplatz gesucht und diesen hinter der Strassensperre Gomagoi gefunden. Dort haben wir uns zu viert unter meinem Schlafsack zusammengekauert (die Anderen haben den Schlafsack unter allem Anderen inkl. des Werkzeuges und der Ersatzteile gepackt) und die Nacht durchgebibbert! 😵 Geschätzt wars minus 50°C, das Wasser in der Pfütze unweit von uns war schon beinahe gefroren... 😗 Bis etwa 05:00 Uhr schlotterten wir so vor uns hin statt zu schlafen, besprachen dass wir nicht mehr genügend Lire hätten um das Benzin im Südtirol zu bezahlen (wir hatten nur noch schweizer Franken) und darum weiter in Richtung dieses Passes namens Stilfser Joch fahren mussten, da kurz danach die schweizer Grenze wäre... Unwissend was das bedeutet bestiegen wir wieder unsere Mofas... Etwa 9 Stunden später stand ich als letzter der Gruppe auf der Passhöhe...die damals noch mit 2772m.ü.M. angegeben war! Ohne Benzin, ohne Lire und erst recht ohne Puste! Aber die rettende Tankstelle in der Schweiz war nicht mehr weit! Vom Stilfser Joch her konnten wir die Mofas rollen lassen und der Schwung reichte beinahe um die Passhöhe des Umbrail-Passes und somit den Zoll sowie eben die erste schweizer Tankstelle zu erreichen! Danach mussten wir natürlich noch über den Ofenpass und den Flüälapass bevor wir am Abend endlich wieder zuhause waren. Ich werds nie vergessen dass ich mein Mofa die letzten vielleicht 200 Höhenmeter raufgeschoben habe weil ich dem Erich, der uns das Ganze ja eingebrockt hat, Benzin gegeben habe...und durch einen Defekt am Tankhahn kurz darauf selber ohne Benzin stehen blieb... OK, die Puch Maxi haben uns nicht wirklich raufgetragen, ihre Kraft reichte gerade knapp damit wir sie nicht schieben müssten...viel mehr als nicht nach hinten wegrollen konnten sie mit den 1,2PS und den 27kg Gepäck nicht machen. 😄 Jahre später hab ich die Strecke dann mal mit dem Motorrad gemacht...fühlt sich zwar besser an wenn das Motorrad den Fahrer als wenn der Fahrer das Mofa hochschiebt, bleibt aber weniger in Erinnerung! 😄 😄 😄
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200630. März 2020 · #18
… spannende Übernachtungsplätze setzen keine Fernreisen voraus, wie man hier sieht. Aber genau solche Dinge bleiben in Erinnerung. Danke, Picco!
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
ALalex999944 Beiträge · seit 201930. März 2020 · #19
Schoener Thread. Ich steuer mal meine beiden schoensten ungewoehnlichen Uebernachtungen bei:
Mit 17 sind mein Kumpel und ich per Anhalter durch Schottland getrampt (heutige Eltern wuerden das wohl gar nicht mehr erlauben). Wir campten immer wild, meistens auf Sportplatzen, da dort der Rasen kurz war und die Muecken das nicht so mochten . Am Rande von Edinburgh suchten wir also wieder nach einem angemessenen Platz, fanden aber nichts. Bis auf dieses wirklich praechtige Herrenhaus. Wir hatten nichts zu verlieren, also klingelten wir. Es offnete ein Butler, der dann die (sehr junge) Dame des Hauses rief. Und wir durfetn unser Zelt auf dem perfekten Rasen aufstellen. Am naechsten Morgen kam der Butler mit Tee und Toast ans Zelt.
Vor einigen Jahren fuhr ich mit dem Mietwagen in Java zum Bromo (ohne Fahrer, nicht zu empfehlen, dagegen ist Namibia/Suedafrika easy riding). Mitten in der Nacht kam ich an, kein Hotel zu finden. Also das Auto auf einen leeren abgelegenen Platz abgestellt. Es war kalt und unbequem aber irgendwann bin ich eingeschlafen. Am naechsten Morgen wachte ich auf, weil es so enorm viel Laerm um mich herum gab. Mein Auto stand mitten auf dem zentralen Busbahnhof, und die Busse zirkelten kunstvoll um mein Auto herum. Keinen stoerte es.
Zwei weitere Nächte: Mitte der neunziger Jahre bin ich in Venezuela mit Benzin-Händler- Indios (Die Indios transportieren Benzin für Outboardermotoren den Orinoco hoch und trugen große Kanister die Wasserfälle hinauf, damit die Boote, die den Oberlauf befahren, Kraftstoff bekamen). Die erste Nacht haben wir am Flussufer in Hängematten übernachtet. Bisher habe ich in Hängematten immer nur ein Nickerchen gemacht, für ein Schläfchen waren sie mir einfach zu unbequem, laufend schläft einem etwas ein. Als Schutz vor den Moskitos spannten wir eine Leine oberhalb der Matratze und hängten das Moskitonetz über die Leine und somit über die Hängematte. Die Mosquitos begannen pünktlich ihren Singsang aber ich füllte mich ziemlich sicher und schlief völlig erschöpft von der ersten Tagestour ein. Im Laufe der Nacht rutschte ich mit den Knieen und Ellenbogen an den Rand und sponserte der weiblichen Mosquitopopulation von Gesamt-Venezuela, so fühlte es sich jedenfalls die nächsten Tage an, nahezu mein gesamtes Blut an vier Punkten. Am nächsten Morgen bekam ich von den Indios einen Spitznamen, er bedeutete in etwas sowas, wie der bleiche Mann mit dem Blumenkohl an den Gelenken. Mein Fenestil war nach einer Anwendung verbraucht, die Schmerzen und der Juckreiz waren so heftig, dass ich mir meine Fingernägel extrem kürzte um mich nicht weiter wund zu jucken. Etwas Linderung brachte irgendein Wurzelzeugs aber an den Gelenken fällt alles wieder schnell ab.
Zweite Mosquitogeschichte: Mir hätte das in Venezuela eigentlich nicht passieren dürfen, denn einige Jahre zuvor, habe ich einen Hike in den Corcovado Nationalpark in Costa Rica gemacht, damals haben keine 1000 Leute im Jahr den Park besucht und man konnte kostenlos in der Rangerstation übernachten. Ein Hike bei Vollmond ab 04:00 Uhr, damit wir (diesmal war ich nicht alleine unterwegs, sondern mit einem befreundeten Paar) bei Ebbe einen Fluss durchqueren konnten, der stark von Bullsharks (Grundhaien) und auch Krokodilen, frequentiert wurde. Der Hike war sehr schön, fast abenteuerlich, wir fanden Überreste eines Flugzeugwracks und sahen viele Faultiere, Affen, ein paar Schlangen. Die Rangerstation lag in einer Bucht, die von hunderten Aras bevölkert wurde. Wir schlugen unsere Nachtlager unter dem Dach der Station auf. Dort gab es Matratzen am Boden und die Seiten unter dem Dach waren offen, wenn man das so nennen kann, denn die Seiten waren von Spinnennetz-Schichten nahezu geschlossen. Unsere mitgebrachten Moskitonetze hingen wir an vier Ösen über den Matratzen auf und stopften die Netze unter die Matratzen. Unser Abendessen nahmen wir mit den Rangern auf Schaukeln zu uns, denn eine Fliegenart liebte es Eier in kleine Wunden zu legen, die hässliche Beulen machten und unnötige Arztbesuche verursachten. Das beste Mittel dagegen war es in Bewegung zu bleiben oder mit einem Regenschirm und Mosquitonetz darüber auf einem Stuhl zu sitzen. Pünktlich mit der Dämmerung verschwand jeder unter seinem Mosquitonetz. Es war unglaublich, Minuten später saßen tausende Mosquitos auf dem Netz, ich hielt meinen Arm für eine Weile nahe an das Netz und sofort hatte ich eine Mosquitoschwarm-Silhouette von meiner Hand und Arm am Netz. Wenig später saß in jedem Loch eine Mücke und das Netz hing richtig durch. Auch meine Begleiter nutzten vor Staunen mehr Superlative als Trump in einem Monat. In dieser Nacht habe ich gelernt, mich über mehrere Stunden totzustellen und bewegungslos auf dem Rücken zu liegen; bloß nicht zur Seite rollen und nicht wohlfühlen. P.S.: Wir wurden von der Eiablage verschont, obwohl man ständig an Stichen kratz. Grüße Bernd P.S.: Jetzt fiel mir gerade noch meine erste Safarinacht in Kenia ein aber die befindet sich schon hier: Link