Liebe Fomis,
am 12.3. stand ich hier vor der Entscheidung die Pauschalreise nach Guinea/Liberia/Sierra Leona anzutreten oder nicht:
Kiboko schrieb:
Auf dem Programm für Sierra Leone steht nur die Diamantenmine bei Kenema und Planschen bei Two Rivers.
In Guinea stehen ein paar Wasserfälle und Schimpansen auf dem Programm.
Ich werde die große Tüte zu hause lassen.
Vom Reiseveranstalter stehen noch alle Ampeln auf Grün.
Wenn ich auf die Reise verzichte, sehe ich mein Geld nicht wieder.
Das wäre ein materieller Verlust, aber es bringt mich nicht um.
Bleiben andere Fragen.
Habe ich vielleicht das Virus schon, ohne es zu wissen und bringe es in ein Land, wo es offiziell noch nicht ist?
Das gleiche gilt, wenn ich mich auf dem Reiseweg (Bahn / Flieger) anstecke?
Vielleicht hat einer der Mitreisenden, die ich alle nicht kenne, bereits den Virus und stecken mich damit an?
Bei allen drei Fällen sitze ich dann mit Virus in einem Land,
welches zwar im Umgang mit Viren (Ebola) praktische Erfahrungen hat,
aber nicht unbedingt die allerhöchsten Standards bieten kann.
Hilfe aus dem Ausland ist nicht zu erwarten.
Dann hänge ich dort fest, bis ich wieder geheilt bin oder in eine Urne passe.
Schaumamal was bis morgen früh passiert.
Es bleibt spannend.
Viele Grüße
Bernd
13.03 Kiboko schläft kaum.
Die Gedanken kreisen um die Reise nach Westafrika.
Soll Kiboko fahren oder nicht?
Soll Kiboko mit dem eigenen Auto statt mit der Bahn fahren um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren?
So kurzfristig geht aber die Parkplatzreservierung in Frankfurt nicht mehr.
05:00 Kiboko checkt ein letztes Mal den Status von Marokko (Transit), Guinea und Sierra Leone.
Liberia ist unverändert dicht.
06:00 Der Bus zum Bahnhof kommt. Fahrkartenkauf ist im Bus nicht mehr möglich.
07:09 Kiboko fährt über Hannover nach Frankfurt.
Die Gruppenreise sollte mit 8 Leuten durchgeführt werden.
Drei haben die Reise nicht angetreten.
Eine Dame hat am in Frankfurt den Wechsel des Gates nicht mitbekommen und die Reise nicht angetreten.
Somit besteht die Reisegruppe nur noch aus 4 Leuten einschließlich Kiboko.
Mit Air Maroc geht es über Casablanca nach Conakry.
Im Flieger nach Casablanca musste ein Health Check Formular ausgefüllt werden,
welches aber niemand haben wollte.
In Conakry musste erneut ein Formular ausgefüllt werden.
Körpertemperatur wurde gemessen.
Auf dem Weg zum Hotel wurden wir mehrfach von Polizisten angehalten.
Einige haben ohne Umschweife Geld gefordert, aber nicht bekommen.
Bei der dritten Kontrolle wollte der Polizist ein Zertifikat sehen, dass wir nicht an Corona-Virus erkrankt sind.
Der nicht abgegebene Fragebogen aus Marokko hat ihm nach langer Diskussion als Zertifikat gereicht.
Seine Geldforderungen konnte er in den Wind schreiben. 😛
14.03. Bootsfahrt zur vorgelagerten Insel Room
15.03. Fahrt nach Kindia.
Vor jedem Restaurant, Hotel, etc. steht ein Wassereimer und Desinfektionsmittel.
Ohne Händewaschen kommt niemand rein.
Ein Angestellter misst die Körpertemperatur.
Die Messergebnisse liegen zwischen 31 (!) und 38°C. Alles OK!
Sierra Leone erlaubt nur noch die Einreise für Deutsche mit 14 tägiger Quarantäne.
Damit fällt Sierre Leone aus. Damit können wir den Flughafen für den Rückflug (Freetown) nicht mehr erreichen.
16.03. Fahrt nach Dalaba. Air Maroc hat den Flugbetrieb eingestellt.
17.03. Fahrt in den Fouta Djalon.
In Pita erreicht uns ein Telefonanruf vom Reiseveranstalter.
Wir sollen unverzüglich zurück nach Conakry fahren und uns selbst um einen Rückflug kümmern.
Air France soll noch fliegen.
Wegen schlechter Straße schaffen wir es nur bis Kindia.
Wir weigern uns auf eigene Kosten - und ganz schlechter Internetverbindung ein Rückflug selbst zur besorgen.
Ein Eintrag in die Elefand-Liste ist nicht möglich.
Eine Mitreisende hat bei einem anderen Reiseveranstalter gebucht und hat einen Rückflug für den 18.03. mit Air France bekommen.
Preis für das Ticket, ca. 1800 EUR.
18.03. Rückfahrt nach Conakry.
Der Rückflug der Einzelreisenden hat geklappt.
Reisegruppe ist auf drei geschrumpft.
Der Reiseveranstalter hat Rückflugtickets für den 20.03. mit Air France nach München organisiert.
Geht doch!
19.03 Tagesausflug nach Durbreka zu einem Wasserfall.
Die Fallhöhe und Wassermenge sind geringer als in der Hoteldusche.
Kiboko ist tief beeindruckt.
20.03. Die Reiseleiterin bringt uns zum Flughafen.
16:30 Vor dem Flughafenparkplatz müssen alle Leute aussteigen und die Hände desinfizieren.
Im Flughafengebäude ist eine Health-Check Karte auszufüllen. Die Körpertemperatur wird gemessen.
"Mediziner" im weißen Kittel schauen sich die Reisenden an.
Die Reiseleiterin ist bereits auf dem Weg nach Mali und versucht noch vom dem 22.03 (Wahltag) die Grenze zu erreichen.
21:40 Abflug des Air France Fliegers verzögert sich wegen Technischer Probleme.
Am Triebwerk wird gewerkelt.
Der Abflug verzögert sich Stunde um Stunde.
Die Stimmung am Gate droht zu eskalieren.
21.03. Das Boarding beginnt um 02:30.
Kiboko macht es sich im Flieger "bequem".
Um 04:00 erfolgt die Durchsage, dass die Crew angeblich das Zeitlimit überschritten hat.
Sie dürfen nicht mehr nach Paris fliegen.
Aussteigen.
Die Triebwerkverkleidung ist noch offen.
Wir müssen das Gepäck wieder abholen.
Es gibt Hotelgutscheine.
05:00 Auf dem Flughafenparkplatz herrscht das pure Chaos.
Die Transferbusse sind überfordert.
06:30 Mit massiven Ellenbogeneinsatz gelingt es Kiboko zusammen mit 15 Leuten und vollem Gepäck im Minibus zum Hotel zu fahren
07:00 Kiboko ist im Hotel Noom in Conakry.
Gegen Mittag erfahren wir, dass der Rückflug um 18 Uhr erfolgen soll.
Wenn wir heute nicht wegkommen, müssen wir mindestens 10 Tage in Conakry bleiben,
da wegen der mehrfach verschobenen Wahlen die Grenzen und der Flughafen gesperrt werden sollen.
15:00 Transfer zum Flughafen.
Desinfizieren, Health Check. Das kennen wir schon.
Wir sind die letzten, die noch im Flughafengebäude auf die Öffnung der Schalter warten dürfen.
In und vor dem Flughafen bildet sich eine riesige Schlange.
18:15 Die Schalter öffnen sich. In einen unbeschreiblichen Gedränge wird um jeden Millimeter gekämpft.
Ellenbogeneinsatz, Gepäckwagenschubsen- stoßen und drängeln. Wortgefechte in unterschiedlichsten Sprachen.
19:15 Wir haben uns bereits um zwei Meter im Getümmel nach vorn gekämpft.
Die Nerven liegen blank.
20:15 Die ersten 10m Richtung Schalter sind bereits geschafft. Auf der Anzeige steht, dass um 21:40 die Schalter geschlossen werden.
Wer bis dahin keine neue Boardkarte hat, hat Pech gehabt.
20:45 Das Chaos wird langsam entwirrt.
21:15 Kiboko und die beiden verbliebenden Mitreisenden haben die begehrte Boardkarte bis Paris.
Das Gepäck kann wegen Technischer Probleme in Paris nicht durchgecheckt werden.
Niemand weiß, ob und wie es in Paris weitergeht.
Der reguläre Linienflug findet mit der reparierten Maschine des Vortages statt.
Kiboko und die Reisenden des Vortages bleiben zurück.
22:03 Gegen Mitternacht landet eine leere Maschine der Air France.
ca. 02:00 geht es mit dem letzten Flieger nach Paris.
Der Anschlussflug nach München wird nicht mehr erreicht werden können.
ca. 10:00 Landung in Paris. Kein Health Check, alles normal, nur leerer als sonst.
12:00 Kiboko ergattert eine Boardkarte für einen Flug nach Hamburg
12:30 Das Boarding beginnt.
13:15 etwas verspätet startet der Flug nach Hamburg
ca. 14:45 Kiboko ist in Hamburg gelandet. Kein Health Check, alles normal, nur leerer als sonst.
15:13:10 S-Bahn zum Bahnhof um 10 Sekunden verpasst
15:48 IC nach Bremen am Hauptbahnhof um 2 Minuten verpasst
16:46 IC nach Bremen
18:00 Kiboko ist wieder zu Hause.
Eine abenteuerliche Reise ist zu Ende.
Von Westafrika hat Kiboko nicht viel gesehen.
Viele Grüße
Bernd