Namibische Mentalität

19 Antworten · 6'889 Aufrufe · gestartet 02. Sept. 2019 von gdp77
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Themenstarter3 Beiträge · seit 201902. Sept. 2019 · #1
Liebe Forums-Gemeinschaft,

ich habe diesen Sommer zum ersten Mal Namibia besucht, eine tolle Reise, für die ich viele wertvolle Tipps und Infos hier im Forum gefunden habe. Allerdings waren des Öfteren die Begegnungen mit Einheimischen für mich überraschend, manchmal auch irritierend. Bei meiner bisher einzigen Afrika-Erfahrung (Tansania) habe ich die Menschen dort meist als sehr fröhlich, offen, gut gelaunt und sehr bemüht erlebt, und auch bei anderen Fernreisen hatte ich das Gefühl, dass ich als Tourist sehr willkommen bin und man sich bemüht, auf meine Wünsche bestmöglich einzugehen (und dafür mit einem Trinkgeld „belohnt“ zu werden – was ja sehr OK ist).

Meine Erwartungshaltung vor der Namibia-Reise war daher eine ähnliche, und ich war deshalb sehr überrascht, wie unterkühlt viele Begegnungen waren: Mit einem Lächeln wurde ich selten begrüßt, der übliche Einheimische-Touristen-Smalltalk (Woher kommen Sie, wie gefällt es Ihnen hier?) fand kaum einmal statt, die Konversation hat sich oft auf das Nötigste beschränkt, und ein Lachen habe ich nur sehr selten gesehen. Da und dort hatte ich in Lodges oder bei Sehenswürdigkeiten richtiggehend das Gefühl, als Tourist ein Störfaktor zu sein – obwohl ich beileibe keine komplizierter, anspruchsvoller oder gar unfreundlicher Gast bin. Ich fand das irritierend, zumal der Tourismus für Namibia ein wichtiger Wirtschaftszweig ist und grade in strukturschwachen Gebieten für Jobs sorgt. So wirbt z.B. die Waterberg Wilderness Lodge damit, ihr Team vorwiegend aus Bewohnern der umliegenden Dörfer zu rekrutieren, in denen eine Arbeitslosigkeit von 45% herrscht, aber die Kontakte mit den Mitarbeitern dort waren ein negatives Highlight der Reise.

Nun ist mir natürlich klar, dass Namibia ein heterogenes Land mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ist, aber diese Erfahrung hat sich tatsächlich über die ganze Reise hin durchgezogen, vom Café in Swakopmund bis zum Waterberg, von der Grootberg Lodge bis zum Tankstellencafé in Sesriem. Und, auch wenn es natürlich heikel ist, das zu sagen: Die meisten dieser unterkühlten Begegnungen hatten wir mit dunkelhäutigen Menschen (auch wenn die schroffe Art auf manchen von Weißen geführten Farmcamps auch gewöhnungsbedürftig war). Wir haben in der Familie oft diskutiert, warum das so ist – ob die Menschen hier „einfach so sind“, ob sie (aus der Geschichte verständliche) Vorbehalte gegenüber Weißen haben, ob es am niedrigen Bildungsniveau liegt, an Unsicherheit, oder ob wir einfach Pech hatten.

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen andere Reisende hatten und wie die echten Namibia-Kenner das Thema sehen.
568 Beiträge · seit 201403. Sept. 2019 · #2
Interressantes Thema! Eine einfache oder gar allgemeingültige Antwort gibt es sicher nicht.
Das "Gefälle" in einer von einer weißen Minderheit dominierten Kultur mag durchaus eine Rolle spielen.
Meine Erfahrung in Südafrika und Namibia (auch aus der Zeit, als es noch "ein Land" war) scheint mir
in die Richtung zu zeigen, dass schöne Kontakte dann möglich sind, wenn sich aus der Sicht der heimischen Bevölkerung eine gewisse Augenhöhe einstellt.
Im wirtschaftlichen Sinn ist das fast unmöglich, auf persönlicher Ebene zum Teil schon.
Das Zauberwort heißt "Respekt". Respekt für die Leistung, die ein Namibier erbringt und die du selbst nicht erbringen könntest. Ob es das Anspannen zweier Esel vor einen bemalten Einachser ist oder das Wissen über die biologische Bedeutung der Mistkäfer ist dabei zweitrangig.
Servicepersonal ist oft eingeschüchtert ob der unterschiedlichen Auffassung von Pflichterfüllung und des daher überwiegend negativen feedbacks der weißen "Bosse", ob nun Manager oder Kunden.

Ich selbst habe immer wieder schöne Kontakte zu Einheimischen gefunden, in Stadt und Land.
Es ist weniger eine devote Anbiederung als echte Freundlichkeit, die man sich erarbeiten muss oder die aus der Situation entspringt.
Beispiel:
Nach einem Raubüberfall in Windhoek schlug mir eine grandiose Welle der Hilfsbereitschaft entgegen.
Da war ich eben nicht der "reiche Geldsack", sondern ein Hilfsbedürftiger mit nur ein paar Nam$ in der Tasche, kaputter Brille, ohne smartphone etc. Unglaublich, wie sich alle mir geöffnet haben. Ich war ein Mensch, wie sie auch.
Das verbindet. Die einzigen Negativbeispiele waren die (weißen) Mitarbeiterinnen der deutschen Botschaft.
Die schwarzen Damen im Fotogeschäft nebenan sagten mir, ich könne jederzeit zum Telefonieren kommen.
Wenn ich kam, streckten sich mir sofort zwei smartphones entgegen, meine Brille wurde natürlich kostenlos zurechtgebogen, eine schwarze Mitarbeiterin im Kleiderladen legte ihren ganzen Ehrgeiz darin, mich für möglichst wenig Geld für den deutschen Winter einzukleiden (sie hat's für umgerechnet €13 von Kopf bis Fuß geschafft) und was ich an Lächeln an einem Tag bekam, dafür braucht Deutschland Wochen.

Oder man interessiert sich wirklich für die Menschen. Die haben ein feines Gespür dafür, wohl aus Erfahrung.
Es ist eben eher die tiefe Freundlichkeit eines Schwaben oder Westfalen als die schnelle oberflächliche Kumpelhaftigkeit eines New Yorkers oder Rheinländers (man verzeihe mir die Verallgemeinerung, es gibt ja überall "solche und solche").

Sag'mal einem Fahrer auf der Sundowner-Tour, es sei dir egal, ob du einen Löwen siehst - er solle dir einfach "seine" Natur zeigen und dass du dich auch an weniger spektakulären Dingen erfreust. Das reicht meist schon, denn es stellt "Augenhöhe" her. Er muss nun nicht "Kätzchen liefern" und ist nicht der Trottel, wenn kein Löwe da ist.
Nein, er kann dir Dinge zeigen, die du womöglich nicht kennst.
Schon hat er eine andere Perspektive und du kannst dich mit ihm über alles mögliche unterhalten.

Souvenirverkäufer an der Tankstelle sind natürlich ein eher undankbares Publikum für solche Versuche.
Für die bist du potenzielle Einkommensquelle fürs Überleben. Die haben andere Sorgen als philosophische Gespräche.
Und am ATM in Opuwo sollte man auch nicht gerade nach Freunden suchen. Dann lieber gleich in eine Shabeen.

Generell gilt aber auch für Namibia:
wer mit einem echten Lächeln auf Menschen zugeht, findet auch dort echte Freundlichkeit.
Ob im Miniladen in Warmbad, dem "Manchester United Supermarkt" irgendwo im Nirgendwo,dem Snack-Kiosk an der Spitzkoppe oder (ja tatsächlich!) der Touristenbäckerei in Solitaire,: was hatten wir Spaß mit den VerkäuferInnen und Umstehenden! Sollte eben nicht gerade eine Busladung auf sie einstürzen...

Okay, die Kranke, die wir von Etendeka bzw. Palmwag ins Hospital nach Sesfontein fuhren, war so eingeschüchtert, daß sie kein Wort herausbekam. Als Küchenhilfe war sie den Kontakt mit Europäern wohl einfach nicht gewohnt.
Aber dankbare Augen sind ja auch schon was.

Vielleicht hatest du Pech, vielleicht war's der fehlende "Touristen-smalltalk" (der mir jetzt weniger fehlt), oder - was ich dir nicht unterstelle - du machtest den Eindruck, Freundlichkeit "konsumieren" zu wollen.
Wie gesagt, es gibt auch bei uns Volksstämme, denen man zu Unrecht Unfreundlichkeit nachsagt.
Doch wenn man sie "knackt" offenbaren sie sehr viel Seele. So sehe ich die Namibier und viele Südafrikaner auch.

Grüßle aus dem Schwabenland
Randfontein
807 Beiträge · seit 201803. Sept. 2019 · #3
@ Randfontein: 100% deiner Meinung und danke für den ausgewogenen Beitrag.

Unsere Erfahrung ist, dass man oftmals durchaus "hartnäckig" in "Vorleistung" gehen muss! Es ist uns mehr als einmal passiert, dass mehrere Anläufe nötig waren um durch die (vielleicht auch historisch bedingte) zurückhaltende Unsicherheit durchzukommen.

Liebe Grüsse,
Ulli
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
873 Beiträge · seit 201603. Sept. 2019 · #4
Auch wir haben in 2 x 3 Wochen Namibia sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, aber die positiven haben weit überwogen. Was wir sehr wenig erlebt, aber auch nicht vermisst haben, ist diese übertriebene / antrainierte / auf Knopfdruck abrufbare Freundlichkeit, die das Tourismus-Dienstleistungsgewerbe in anderen Ländern oft bestimmt (in Japan wird Dir die Kaufhaustür geöffnet, in den USA der Einkaufswagen befüllt oder in Italien das Hafenrestaurant angepriesen - alles natürlich mit teilweise devot und damit unglaubwürdig wirkender Freundlichkeit.
So etwas gab es in Namibia kaum. Stattdessen machen viele wohl eher 'Dienst nach Vorschrift' oder trauen sich nicht an die weißen Touristen ran.

Wenn wir von uns aus versucht haben, mehr Kontakt zu bekommen, hat das eigentlich IMMER toll funktioniert - beim Fahrer der Autovermietung, der uns noch von vor zwei Jahren kannte und von seiner Familie erzählt hat, beim Game-Drive-Fahrer, der noch eine Stunde draufgelegt hat und am Ende meinte, so viel Spaß, wie er mit uns hatte, reicht für die ganze Woche, beim Koch, der in der Lodge mal um die Ecke geschaut hat und den wir gleich auf ein Rezept angesprochen haben, beim Kofferwagenschieber, der sich freute, dass wir mit angeschoben haben, sogar beim Straßenpolizisten, der uns angehalten hat und mit dem wir über die deutsche Bundesliga geredet haben.

Auffällig war für uns, dass teilweise (weiße) südafrikanische Gäste sehr schroff und im Befehlston mit den (schwarzen) Angestellten umgegangen sind und diese dann entweder eingeschüchtert oder mürrisch reagiert haben.
Und teilweise waren die schwarzen Angestellte nicht besonders sicher im Englischen, was zu mehr Einsatz von Händen und Füßen führte, aber weniger intensive Gespräche möglich machte.

Den negativsten Eindruck machten einige 'Offizielle' (erkennbar durch besonders tolle Uniformen und Abzeichen), die ihre 'Macht' - vielleicht auch gerade gegenüber einem Weißen ? - gern mal ausspielen (Grenzübergang Mata-Mata, Veterinärkontrolle Etosha-Gate, Nationalparkverwaltung Okaukuejo). Wenn man dann aber so einen Kennzeichen-Listenschreiber mit Klemmbrett besonders fröhlich und freundlich begrüßt "Hello, have a nice day. We're happy, to be here again. ", direkt aufs Wetter, auf die Dürre oder den nervigen Bus voller Spanier anspricht, den er vor uns abgefertigt hat, schon ist die Atmosphäre o.k. und ein muffeliges Gesicht strahlt plötzlich.

Christoph
NAM 09/2017 mit Galerie NAM 07/2019 mit Galerie NAM 08/2021 mit Galerie Südafrika 08/2023 mit Galerie NAM 08/2025 mit Galerie
zuletzt bearbeitet 03. Sept. 2019
74 Beiträge · seit 201916. Sept. 2019 · #5
Hi,

ich war jetzt das erste mal in Namibia. Meine Frau ist Namibianerin (Damara) und es war mein Antrittsbesuch.

Also andere Situaion, ich bin kein Tourist.

Zu mir, ich selbst bin Deutscher, habe seit Ewigkeiten einen Zweitwonsitz in Ungarn und habe viele
Reisen mit meinem Jeep gemacht, von der Ukraine über Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien,
Montenegro, Griechenland bis Istanbul. Daher habe ich keine Probleme mit einfachen Verhältnissen.

Meine Erfahrung ist das viele Europäer panische Angst vor den einfachen Verhältnissen. Das geht beim Wasser los,
Angst vor der Kriminalität usw.

Ich bin einfach auf die Leute zugegangen und habe keine Probleme gehabt.

Wir haben uns jetzt in Namibia noch ein Haus gebaut (Brautgeld... Dient zur Absicherung der Familie (meine Frau und unsere Tochter)) und ich habe die Nachbarn immer gegrüßt. NAch dem 4. oder 5. Tag waren alle freundlich, obwohl es eine schwarze Gegend ist. Also alles ganz entspannt bis jetzt.

Gruß


Michael
Themenstarter3 Beiträge · seit 201916. Sept. 2019 · #6
Liebe Forums-Gemeinschaft,

ich bedanke mich für die wirklich sehr interessanten Antworten und Erfahrungsberichte. Nur kurz noch als Ergänzung: Auf den klassischen Touristen-Smalltalk (Woher kommt ihr, gefällt es euch hier etc.) lege ich an und für sich keinen Wert, aber er ist oft ein guter Eisbrecher bzw. Einstieg in ein "richtiges" Gespräch. Keinen besonderen Wert lege ich auch auf die manchmal geradezu devote Dienstfertigkeit, der man z.B. in Asien manchmal begegnet, ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe (wechselseitig) ist mir da weitaus lieber.
Wenn ich eure Antworten gesammelt lese und überdenke, so scheint mir naheliegend, dass das, was ich in Namibia oft als abweisend, unterkühlt, distanziert wahrgenommen habe, eher etwas mit Unsicherheit zu tun hat - möglicherweise hätte ein offensiveres Auf-das-Gegenüber-Zugehen da Abhilfe geschafft; beim nächsten Mal probier ich das aus.
568 Beiträge · seit 201416. Sept. 2019 · #7
Hallo Michael,
du hast da natürlich einen Punkt getroffen, der nicht nur einseitig wahr ist.
Das Wohlstandsgefälle trennt uns von beiden Seiten. Mit deiner Damara lebt ihr jetzt ein "janusköpfiges" Leben.
Alles Gute für eure Liebe in spannungsreichem Kulturgegensatz!

Gegenüber Touristen habt ihr Vor- und Nachteile.
Der Tourist verschwindet wieder, lässt Geld da, mault vielleicht, ist aber temporäre Erscheinung.
Das "Abgreifen eines lokalen Mädels durch einen Kolonialisten" ist ja theoretisch heftigerer Tobak.
Ich denke da nur an meine Jugend, als ich mit einer Athenerin (heute Vizeprofessorin an der Uni Athen)
durch die damals noch sehr bäuerlichen Inseln gezogen bin, Culture Clash at its best/worst!
Heute bin ich überzeugter "Aushlifsgrieche" mit meiner deutschen Frau.
Damals habe ich viel gelernt, ohne dass mir jemand offensiv böse entgegengekommen wäre.
Das entspricht nicht Gesellschaften, die gewohnt sind, einen Fremden erst mal als "Versprengten" wahrzunehmen,
der Schutz braucht und über den man nach anfänglichem Grummeln erst dann urteilt, wenn er sich in der Gemeinschaft beweist.
Greifen die einheimischen Jungs ausländische Mädels ab, ist das ja noch hinnehmbar, oder eine Heldentat.
Andersrum ist es nicht so einfach.
Da gehört viel "Einlassen" dazu, man mag die "Augehöhe" ja haben, aber sie muss auch akzeptiert werden.
Gerade wenn du von "oben" kommst.

Ich gratuliere euch und wünsche euch von Herzen alles Gute!!
Den Touristen unter uns wünsche ich fröhliches(!) Nachdenken über die Situation.
Fröhlichkeit verbindet übrigens auch, sofern sie mit Respekt verbunden ist. 😁
Liebe Grüßle
Randfontein
568 Beiträge · seit 201416. Sept. 2019 · #8
Hi gdp77,
ich bedanke mich nochmal explizit für die Eröffnung dieses threads!
Sind es doch diese Gedanken, die aus einer "Reise" eine "Erfahrung" machen.
Nicht einfach zum Alltag zurückzukehren, sondern Gedanken zu verarbeiten, macht doch Reisen erst wertvoll.
Sonst wäre es ja reine Ressourcenvernichtung.
Ist es aber dann nicht, wenn es Horizonte öffnet und zum Denken anregt.
Gerade in Zeiten, wo Nationalismus und Rassismus wieder en vogue sind.

Möge das Nachdenken, das dir gelungen ist, dir mehr Freude bringen als die momentane Irritation über die
fehlende Servilität, die dich aus Nachdenken zum Schreiben bewegt hat.
Danke für den Mut, diese "Enttäuschung" anzusprechen.
Du hast damit, glaube ich, viele Leute zum Nachdenken gebracht.

Happy travelling, happy life!
Liebe Grüßle
Randfontein
74 Beiträge · seit 201916. Sept. 2019 · #9
Hi,

das Abgreifen "des Kolonialherren" spielt nur eine Rolle wenn man nicht bereit ist sich zu integrieren.

Wenn also Holz angeliefert wird für das zubereiten des Essen sollte man mit anfassen,
ich bestehe darauf das wir noch traditionell heiraten etc.

Also auf die Leute zugehen und die Kultur gleichberechtigt betrachten, auch wenn man bei der Hochzeit
ein Bullen schächten muss. 😵

Oder einfach auf die Kinder zugehen und ihre Herzen gewinnen, und wenn es Eis oder Chips sind, das muß sein.

Ich denke das viele Probleme darauf beruhen das man die Kulturen nicht gleichberechtigt betrachtet, bewusst oder unbewusst.
Egal ob es Namibia, Ukraine oder Albanien ist. Ich kann auch falsch liegen.

Und man sollte ihnen ohne Angst begegnen, auch so ein Thema.

Jedenfalls ist es eine gute Erfahrung.

Griechenland war bestimmt auch sehr interresannt.

Gruß

Michael
568 Beiträge · seit 201416. Sept. 2019 · #10
Danke Michael,
wenn man keinen Dünkel hat und Menschen als Menschen wahrnimmt, geht so manches.
Nur müssen auf beiden Seiten Vorurteile abgebaut werden, die teilweise über lange Jahre aufgebaut wurden.
Begegnen sich Menschen untereinander ohne grundsätzlichen Vorbehalt, legt sich eine Grundübereinstimmung über das Ganze. Nun sind wir eben in einer Situation, in der seit Langem nicht die Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede zum Thema gemacht wurden und das mit "kultureller (wen nicht gar rassischer) Überlegenheit".
Da knabbert die Menschhet noch 'ne Weile daran...
Conclusio:
die Menschheit macht sich das Leben selbst schwerer, als es sein müsste.
Ändert nichts an meinem Ausgangspunkt: "Respekt" ist immer noch das Zauberwort.

Liebe Grüßle
Randfontein
215 Beiträge · seit 201229. Sept. 2019 · #11
Wir waren überrascht von der Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung. Ausnahmen gab es - wie bei uns in Deutschland sehr oft - natürlich auch.
Aber in bester Erinnerung geblieben ist eine Einheimische am Anderson Gate. Wir sind zweimal über diese Grenze eingereist. Am zweiten Tag habe ich gefragt, ob ich wieder aussteigen und mich registrieren müsste, wobei mir diese total nette Person mitteilte, ich könnte an der eigentlichen Ausreisestelle einfahren. Da dort aber immer wieder Fahrzeuge ausfuhren, hat sie für mich ein eigenes Schiebetor geöffnet, damit ich in den Park einfahren konnte. Klingt kompliziert, war aber einfach so, dass ich als "Geisterfahrer" durchgelassen wurde.
Und auch in den ganzen drei Wochen waren alle sehr nett. Ausser am Flughafen bei der Ausreise. Diese Damen war sehr gewöhnungsbedürftig. ALLE.
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/280227-namibia-fuer-anfaenger-teil-ii-der-norden 2013 Namibia für Anfänger Teil II - der Norden 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/270318-namibia-fuer-anfaenger.html 2012 Namibia für Anfänger 2012
568 Beiträge · seit 201429. Sept. 2019 · #12
Hi Tia Rosario und Alle,
wie bei dir schon angeklungen, gibt es überall "solche und solche", ja okay: manchmal "mehr solche als solche", 😈
Je nach Glück, Pech, Tagesform der Beteiligten usw. differiert die Erfahrung.
Man könnte jetzt noch nach "Beamten", "privaten Dienstleistern", Privatpersonen, "Bettlern" und "Kriminellen" unterscheiden.
Da wird's aber schon schwierig, weil die Grenzen fließend sind.

Was bleibt uns?
Nur mit Singapore Airlines zu fliegen, weil die Damen in engem Kostüm deinen Namen in der Business Class auswendig können? Selbst wenn du mit "Mistel Cheng" den Platz getauscht hast und du wirklich nicht nach "Mistel Cheng" aussiehst?
Okay, du wirst in Rekordzeit besoffen gemacht. Die sind eben soooo freundlich... 😎

Oder doch den alten abgegriffenen "Respekt" zum Maßstab machen?
Du scheinst auf dem selben Weg zu sein, den ich gehe.
Auch wenn "Respekt" altmodisch ist, er hat seinen Zauber und manchmal funktioniert er immer noch.
Und v.a.: nur wenn wir Anderen Respekt entgegenbringen, regen wir uns mit Recht auf, wenn dieser nicht erwidert wird.

Gibt Dinge, die man nicht kaufen kann, das sind die wertvollsten!
Weiterhin happy travelling!

Liebe Grüßle
Randfontein
761 Beiträge · seit 201030. Sept. 2019 · #13
Zurück zum Thema ' Namibische Mentalität '.

Wir waren grad 3 Wochen im nördlichen Botswana und im Caprivi unterwegs , und dabei ist uns nicht zum ersten Mal aufgefallen , dass die ~Mentalität~ der einheimischen Bevölkerung - sprich der Schwarzen - in Botswana eine ganz andere ist als in Namibia.
In Botswana waren alle sehr selbstbewusst - auf einer Line mit uns weißen Touristen. Mindestens.
Offensichtlich sieht das Bild der Schwarzen von sich selbst so aus wie es sein sollte. Gleichberechtigt. Selbstverständlich.
Warum das in Namibia nicht so ist ( nach unseren Beobachtungen, vielleicht sehen wir das nicht richtig) ????? - vermag ich nicht wirklich zu sagen.


Unfreundlich haben wir allerdings nie jemanden empfunden. Weder in Namibia noch in Botswana.
Am Grenzübergang ( es war Sonntag 😉 ) allerdings konnte es etwas dauern.^^

Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
33,1k Beiträge · seit 200630. Sept. 2019 · #14
Hi Doro,
Warum das in Namibia nicht so ist ( nach unseren Beobachtungen, vielleicht sehen wir das nicht richtig) ????? - vermag ich nicht wirklich zu sagen.
in Botswana gab es keine Apartheid. Das ist schon mal ein wichtiger historischer Grund der fehlenden Gleichberechtigung, die sich auch heute noch (scheinbar) durch Namibia zieht.

Beste Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
4'140 Beiträge · seit 200930. Sept. 2019 · #15
Hi Christian,
ich bin ja nun schon seit 20 Jahren jedes Jahr mindestens einmal nach Namibia ein- und ausgereist. Ich habe im Lande viele freundliche und nette Leute kennen gelernt und mit vielen Guides Spaß gehabt und bin mit einigen Schwarzen auch befreundet.
ABER: Bei den Ein- und Ausreisebeamtinnen habe ich noch NIE ein Lächeln gesehen, obwohl ich mir mit Freundlichkeit immer Mühe gegeben habe. Erhalten die eine Spezialausbildung in Unfreundlichkeit ?
Viele Grüße:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
2'530 Beiträge · seit 201130. Sept. 2019 · #16
Das wird sich erst mit der nächsten Generation ändern, war doch in Botswana vor 10 Jahren auch so. Jetzt sind die Beamten super freundlich.
Best Regards Adolf Conservation is our passion! Trustee, Sponsor & SA Contact for 'Desert Lion Conservation'! Sponsor of Desert Elephant Conservation. Hobby: Land Cruiser Touring Vehicles. Member of the LCCSA. Slogan: Tread lightly, leave nothing but your foot prints!
78 Beiträge · seit 201030. Sept. 2019 · #17
Hallo alle

Ein etwas unglückliche Diskussion finde ich - und dies ohne jemandem persönlich zu nahe treten zu wollen. Es sind ja durchaus Gedanken die wir uns wohl alle manchmal machen wenn wir auf Reisen sind...

Trotzdem: Es gibt halt 2 Millionen NamibierInnen und darunter gibts freundliche und weniger freundliche, so what. Da find ich es schon eher problematisch, wenn man als wohlhabender Tourist mit der Erwartung anreist, man müsse überall und immer auf aufgestellte, freudliche und interessierte Menschen treffen. Und wenn es nach über 100 Jahren Unterdrückung, Enteignung, Vertreibung, Ausrottung, Versklavung und Entrechtung mal nicht mehr für ein Lächlen für den Vorbeireisenden reicht, kann ich auch das verstehen. Ich bin einfach nur froh, dass es viele gibt, die trotz dieser Geschichte und der immernoch anhaltenden wirtschaftlichen Unterdrückung trotzedem offen und herzlich sind. Und also was Offizielle betrifft (ZöllnerInnen, Beamte, Polizisten,etc..), da muss ich sagen, dass (insbesondere Schwarze) AusländerInnen in der Schweiz und Deutschaland erfahrungsgemäss leider auch nicht immer mit freundlichem Lächeln begrüsst werden....

Ich hoffe ihr habt doch alle auch schöne, freundliche und spannende Begegnungen mit verschiedensten Leuten!
Herzlich,
Beginner
Themenstarter3 Beiträge · seit 201930. Sept. 2019 · #18
Liebes Forum,
ich freue mich, dass mein Posting zu diesem zugegebenermaßen etwas heiklen Thema eine so angeregte und hoffentlich auch für das Forum interessante Diskussion provoziert hat. Ich habe aber nun, zumal nach der letzten Antwort, das Gefühl, etwas richtigstellen zu müssen: Mir ging es nicht um eine Beschwerde unter dem Motto: "Ich bezahle viel Geld für diese Reise, also erwarte ich mir auch rundum höfliche, freundliche, engagierte Menschen und lachende Gesichter." So eine Art Tourist bin ich nicht, und da ich selbst aus einer Region stamme, die eher unter "Overtourism" leidet, kenne ich auch die andere Seite sehr gut.
Ich versuche deshalb nochmals zu konkretisieren: Auf meinen bisherigen Reisen habe ich meist die Erfahrung gemacht: Je weniger Tourismus, desto wohlwollender begegnen die Einheimischen - im Großen und Ganzen - den Besuchern. Und je größer die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus, vor allem in Ländern der sogenannten "Zweiten" bzw. "Dritten Welt", desto engagierter wird er als Mittel des wirtschaftlichen Vorankommens betrieben. Das in Kombination mit all den - ich gebe zu: sehr fragwürdigen - Klischees von afrikanischer Lebensfreude und Positivität hat meine Erwartungshaltung vor der Reise geprägt, und ich war dann vor Ort in erster Linie überrascht, wie unterkühlt die Atmosphäre häufig blieb. Aber das meine ich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, tatsächlich mehr als sachliche Feststellung und nicht als Kritik an einem "verweigerten Service".
Das war mir noch wichtig festzuhalten, interessante Denkanstöße, was diese Wahrnehmung verursacht haben könnte, hat mir das Forum ja schon einige gegeben - dafür nochmals danke.
99 Beiträge · seit 201201. Okt. 2019 · #19
@Beginner: Ich finde es sehr schade, dass du diese Diskussion als "unglücklich" bezeichnest. Hier haben Namibia-Reisende ihre Erfahrungen geschildert, ich kann darin nichts Verwerfliches sehen. Du hättest doch auch einfach deine Meinung schreiben können ohne die Diskussion an sich zu verurteilen.
Grüße von der Gnukuh
1'014 Beiträge · seit 201601. Okt. 2019 · #20
Also mein Fazit, wenn auch nur nach 2 Reisen:
Über mangelnde Kommunikation konnten wir nicht klagen, auch wenn keine tiefschürfenden Diskussionen rausgekommen sind.
Ein paar Beispiele:
Bei der Einreise waren die Beamten muffelig ohne Ende. Allerdings drängelten sich direkt nach Öffnung der Schalter im Morgengrauen die übernächtigten Passagiere zweier Großraumflieger in der Halle und wollten abgefertigt werden. Da wäre meine Laune auch nicht auf dem Höhepunkt.
Aber: Wir haben bei einer der Einreisen die pole position erobert. Die Beamtin hat versucht, die drängelnden Massen zu bewegen, ordentliche Schlangen zu formen. Natürlich ohne Aussicht auf Erfolg; ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, die Beamtin hat es gesehen und spontan zurück gegrinst.
Wir kommen zwar aus Dortmund, haben aber null Interesse an Fußball. Blankes Unverständnis bei fußballbegeisterten Barmännern und Verkehrspolizisten, die ob unserer Herkunft aus der Stadt des BVB gerne die Mannschaftsaufstellung sämtlicher Erstligavereine diskutieren wollten. Wir haben mit Nichtwissen geglänzt, egal, dann haben wir uns halt über was anderes unterhalten. Und haben die Mitnahme des Kickers und von Aufklebern des BVB, Bayern München, Schalke etc. als Gastgeschenke auf die Merkliste gesetzt.
Meinem Mann ging es auf einem Rückflug nicht gut (Magengeschichte) und er wollte nichts essen oder trinken in der BC. Die nette und sehr mütterliche Flugbegleiterin hat Ursachenforschung betrieben und ihn streng ermahnt, sofort nach der Landung zum Arzt zu gehen.
Im Caprivi war die Zufahrt zur Lodge überflutet und die Einheimischen haben geau dort ein Bad genossen. Als wir angefahren gekommen sind haben sie sich einen Spaß gemacht und sind kollektiv im Wasser in die Knie gegangen so daß es so ausgesehen hat, als ginge ihnen das Wasser bis zum Oberkörper. Wir haben blöde aus der Wäsche geguckt und sie haben es lachend aufgelöst.
Ach ja, in einer ziemlich runtergekommenen Unterkunft direkt neben einer Tankstelle haben wir mangels anderer Unterhaltungsmöglichkeiten vor Langeweile youtube Videos geschaut. Der Wachmann hatte auch Langeweile und hat sich dazugesetzt. Wir haben dann zusammen Zeichentrickvideos mit tanzenden und singenden Hippos, Löwen und Giraffen angesehen, was er klasse gefunden hat.

Yanjep
zuletzt bearbeitet 01. Okt. 2019