WOWolfgang1956Themenstarter35 Beiträge · seit 201931. Mai 2019 · #1
Für alle Interessierten: Ich bin vor 10 Tagen aus Etosha zurückgekehrt. Die Situation dort ist erschreckend. In weiten Teilen, vor Allem im Westen herrscht extreme Trockenheit. Es gibt wenig bis keine Weide. Viele natürliche Wasserstellen sind trocken. Ein mir bekannter Guide, der seit 15 Jahren in die Etosha-Pfanne fährt, berichtete, dass er noch niemals im Mai solch eine Dürre gesehen hätte. In Goas (bei Halali) habe ich Sable gesehen; die kommen sonst nur im äußersten Westen vor und sind offenbar vor der Trockenheit hierher abgewandert. Die Wasserstellen um Fishers Pan (bei Namutoni) sind praktisch trocken; kein Wild zu sehen. Der z.B. bei Kalkheuwel normalerweise dichte Mopane-Busch verliert bereits die Blätter. Kalkheuwel selbst ist ausgetrocknet; der Weg dorthin ist für PKW unbefahrbar, für SUV eingeschränkt, für Geländewagen (Landcruiser) noch ok. Vermutlich werden viele der großen Grasfresser (Zebras, Gnus) den Oktober nicht mehr erleben. Dafür dürften Löwen, Leoparden, Hyänen, Schakale und Geier ein Fest feiern. Gute Wasserstellen sind nach wie vor Goas, Koinachas und Klein Namutoni. Hoffen wir für die Menschen und Tiere in Namibia, dass es eine frühe und ergiebige nächste Regenzeit gibt. Viele Grüße Wolfgang
Flash20101'425 Beiträge · seit 201531. Mai 2019 · #2
Vielen Dank für die "Vorwarnung"... Wir haben uns zwar mental auch schon drauf vorbereitet, aber ich glaube, wenn man es mit eigenen Augen sieht, wird es nochmal schlimmer. Bisher haben wir bei 4 von 5 Besuchen im Juni Etosha noch grün erlebt, besonders letztes Jahr. Selbst da fragt man sich, wie soll das ganze Grün nur über die Trockenzeit für alles Wild reichen.
Guten Tag allerseits. sind von Namibia seit gestern zurück. Dem Bericht von Wolfgang ist nur noch hinzu zu fügen, das die Wege im Etosha Park zum größten Teil in einem erschreckend schlechten Zustand sind. Gruß Georg
piscator1'483 Beiträge · seit 200901. Juni 2019 · #4
Guten Tag, wenn ich das lese und die anderen Posts (u.a. von Christian) über die Dürre, frage ich mich, was das für den Tourismus in 2020 0der 2021 bedeutet. Womit muss in einem Jahr gerechnet werden?
Nachdenklich überlegt Piscator
Biologe1'162 Beiträge · seit 201203. Juni 2019 · #5
Hallo Wolfgang,
danke für Deinen Bericht, der sich völlig mit meinen Beobachtungen deckt. Im Norden hat gerade mal die Gegend von Tsumeb ausreichend Regen erhalten; dort können die Farmer Gras / Heu verkaufen. Im Süden sieht es ziemlich düster aus. Die Rinderfarmer haben ihr Vieh zu Dumpingpreisen verkaufen müssen, und die Gamefarmer schießen die Tiere ab, damit wengstens ein paar Tiere überleben können. (Vielleicht auch dehalb das derzeitige Überangebot an Bergzebrafellen.) Am Wasser liegt es sehr selten, denn das gibt es z.Z. noch ausreichend. Es fehlt ganz einfach am Futter. Selbst wenn es jetzt noch mal regnen sollte, dann reift das Gras nicht und säht nicht aus. Im April / Mai dieses Jahres habe ich mit vielen Farmern gesprochen; die Stimmung ist durchgehend unter Null. Die Statistiken sagen, dass nach einer Dürre niemals wieder der ursprüngliche Tier- /Wild-bestand erreicht wurde.
Das war Wolwedans vor einigen Jahren; eine üppige Graslandschaft.
Das ist Wolwedans heute, eine abgegraste Landschaft ohne Perspektive.
Beste Grüße Michael
7x Namibia, 2x S-Afrika, ca. 45x Atlantische Inseln (Kapverden > 25x, Kanaren, Madeira, Azoren); 7x W-Afrika (Senegal, Guinea Bissau, Gambia, Sierra Leone), Marokko, Tunesien, Jemen, Madagaskar, USA, Kanada, Costa Rica, ziemlich viel ME & SE rauf und runter und kreuz und quer
Hallo Zusammen, die Situation liest sich ja momentan ziemlich dramatisch. Da wir in 10 Tagen zu unsere 6. Namibia Reise aufbrechen hätte ich da mal eine Frage. Weiß jemand wie es im Kaokoveld aussieht (Crowthers Trail, Mudurib, Purros Canyon und Purros Region). Wir wollen diese Ecke bereisen und wollten nur mal wissen wie die Strecke aussieht und wie die Beschaffenheit der Strecke ist
überall im Kaokoveld ist auf den Pisten mit fürchterlichen Wellblech zu rechnen, außer da wo es felsig ist. Nur die Piste durch den Obias ist gut zu befahren (wird wohl von der Lodge gepflegt).
WOWolfgang1956Themenstarter35 Beiträge · seit 201920. Juni 2019 · #9
Als Ergänzung würde ich gerne noch über meine Übernachtungen in Halali und Namutoni berichten. Ich habe in beiden Camps jeweils allein in einem Bungalow übernachtet. Wenn ich mich recht entsinne, lag der Preis jeweils knapp unter 90 € incl. Frühstück. Die Bungalows waren in meinem Fall zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber sauber. Die Klimaanlagen funktionierten. Der Bungalow in Namutoni war für meine Begriffe schon fast zu 'schick'. Vielleicht stelle ich bei Gelegenheit noch Fotos ein. Das Frühstücksbuffet hatte in beiden Camps aus meiner Sicht den Standard eines Europäischen Mitteklasse-Hotels. So wurden Omeletts, Spiegeleier oder Rühreier (jeweils frisch zubereitet) angeboten. Wurst und Käse war genau wie Müsli und Marmelade/ Honig in ausreichender Vielfalt vorhanden. Aus meiner Sicht passte das Preis/Leistungsverhältnis auf jeden Fall. Auch das Personal (sowohl an der Rezeption als auch beim Service) war freundlich. Abends gab es bei uns Braai; über die Qualität der Restaurants kann ich daher nichts berichten. Der Hauptvorteil einer Übernachtung im Park gegenüber einer Übernachtung in einer Lodge außerhalb besteht m.E. darin, nach Sonnenuntergang noch an den beleuchteten Wasserstellen beobachten zu können. Die Wasserstelle in Halali bietet Platz für viele Menschen, die beobachten wollen. Hier kommen normalerweise Nachts viele Tiere zum Wasser. Bei meinem Aufenthalt waren in 2 Stunden ca. 30 Elefanten, mindestens 8 Spitzmaulnashörner, 2 Löwinnen, ein Leopard und eine Tüpfelhyäne, um die die etwas weniger häufig zu beobachtenden Arten zu nennen, am Wasser. Die Wasserstelle in Namutoni bietet deutlich weniger Platz. Aber die leidet noch unter weiteren Verhältnissen: zum einen sind Klein Namutoni und Koinachas (beide während meines Aufenthalts mit gutem klaren Wasser) in relativ geringer Entfernung, zum anderen hatte ich den Eindruck, dass das Wasser nach Abwasser roch. Als Folge war nicht viel bzw. mit Ausnahme eines Springbocks in einer Stunde, nichts los. Ich kann das Wild da durchaus verstehen: ich würde auch nicht aus dem Klo trinken, wenn es um die Ecke frisches Wasser gibt. Dieser Bericht gibt natürlich nur meinen Eindrücke zum Zeitpunkt meines letzten Aufenthalts (ich war vorher über 40 Jahre nicht mehr in Etosha) wider. Die z.T. sehr negativen Eindrücke was die Camps im Park betrifft, die in manchen Reiseberichten anklingen, kann ich so jedenfalls nicht bestätigen. Viele Grüße Wolfgang