Hat das Volk (leider) nicht besonders lange durchgehalten...
Viele Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Der High Court in Simbabwe hat vor 2 Stunden geurteilt, dass die von der Regierung verordnete Abschaltung des Internets rechtswidrig war. Vize-Präsident/Verteidigungs-/Sicherheitsminister Chiwenga hat nicht die Befugnis, die Abschaltung das Internets anzuordnen. Der Internetzugang ist ohne Einschränkungen wieder herzustellen (d.h. inkl. Facebook, Twitter, usw.).
Das lässt die Regierung noch schlechter dastehen. Da es schon vorher zwischen Mnangagwa und Chiwenga gekriselt haben soll, könnte Mnangagwa versucht sein, nun alles auf Chiwenga zu schieben, um seine Präsidentschaft zu retten und den unliebsamen Chiwenga los zu werden. Ex-General und Putschführer Chiwenga ist aber wohl immer noch gut beim Militär verdrahtet.
Die Zimbabwe Teachers’ Association erklärt alle ihre Lehrer aufgrund von deren finanzieller Situation so lange für arbeitsunfähig, bis sie mehr Geld bzw. Bezahlung in harter Währung bekommen. Proteste und Plünderungen gehen teilweise weiter. Aktivisten versuchen einen neuen Generalstreik zu organisieren - dieses Mal für 5 Tage. Die Regierung versucht mit aller Härte, diesen zu unterbinden.
Der neue Finanzminister von Simbabwe Ncube will innerhalb von maximal 12 Monaten wieder eine eigene Währung einführen. Eine der Hauptvoraussetzungen dafür sei, das fiskalische Disziplin herrsche und die Ausgaben des Staates beschnitten werden. Dies ist laut Ncube nun gesichert.
Glaubwürdig erscheint das nicht. Es hieß bislang immer, das 95% des Staatsbudgets für die Kosten der Staatsbediensteten drauf gehen - im wesentlichen deren Gehälter. Weder gab es Massenentlassungen noch massive Gehaltssenkungen bei den Staatsbediensteten. Wie können die Staatsausgaben nun beschnitten sein, wenn der einzige wesentliche Ausgabeposten nicht angefasst wurde? Lässt man das außen vor, so fordern fast alle Staatsbediensteten gerade sehr große Gehaltserhöhungen, weil die meisten Preise um 50-100% gestiegen sind und sie mit den Zollars auf ihren Konten nicht mehr über die Runden kommen. Wie Ncube diese berechtigten Forderungen über die nächsten 12 Monate abwehren will, um erneute kräftige Ausgabesteigerungen des Staates zu verhindern, wüsste man auch gern.
Daneben sind für die Einführung einer eigenen Währung erhebliche Devisenreserven erforderlich, sonst ist die Währung vom Start weg wertlos, weil mit nichts unterfüttert. Wie er diese Reserven anhäufen will, wo doch nicht mal genug Devisen zur Deckung dringend benötigter Importe da sind, bleibt unklar. Und die Lage könnte sich weiter verschlimmern. Von den großen Reedereien, die alles Mögliche um die Welt shippern, weigern sich bereits einige, Lieferungen von/für Simbabwe zu befördern, weil sie nicht bezahlt werden und es ausstehende Millionenbeträge gibt. Ebenso drohen die Goldminen in Simbabwe zu kollabieren. Die Lieferanten, die denen die Bohrer, Sprengstoff und andere notwendige Materialien liefern, werden seit 2-3 Monaten nicht bezahlt und wollen nicht mehr liefern. Bedeutet für Simbabwe noch weniger Exporte und noch weniger Devisen.
SADC (Vorsitz hat aktuell der namibische Präsident Geingob) und AU halten angesichts der Krise schön die Klappe und sind einmal mehr dysfunktional. Gleichzeitig redet man sich im südlichen Afrika immer ein, dass man die Dinge alle allein viel besser regeln kann und internationale Institutionen nicht braucht.
Der neue Finanzminister von Simbabwe Ncube will innerhalb von maximal 12 Monaten wieder eine eigene Währung einführen.
haben sie ja eigentlich mit den Bond Notes schon gemacht... klappt ja hervorragend 😉
Viele Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Abgesehen vom ambitionierten Zeitplan werden sich kaum Banknotenpapierlieferanten und Banknotendruckereien finden lassen, die Zimbabwe, angesichts seiner bekannten Zahlungsmoral, auf Pump beliefern werden. Und auch wegen der fehlenden Unterfütterung der neuen Währung (DL) ist das also auch nicht realistisch. Es gibt eben leider kein Licht mehr am Ende des Tunnels. Die nötige Kapitalisierung müsste dem Land GESCHENKT werden, weil es nie in der Lage sein wird, das in regelkonformen Zeiträumen zurückzuzahlen. Das könnten nur Saaten machen und das ist -ohne Regimewechsel- also auch nicht realistisch. Das Geld dafür wäre aber schon vorhanden. Die Milliarden, die die fat cats in den letzten Jahrzehnten angehäuft haben, liegen ja größtenteils im Ausland, in Cash, Immobilien, Finanzanlagen. Experten wissen sicher auch wo, die Banken sowieso. Wäre schön, wenn man das den Bürgern Zimbabwes „unbürokratisch“ zurückgeben könnte. Seit Mobutu weiß man aber leider, dass das illusionär ist, die französischen Immobilienmakler müssen eben auch leben. Allerdings ging bei Marcos schon Einiges und ein Blick nach Italien zeigt, was (bei der Austrocknung der Mafien) möglich wäre, wenn man nur wollte. Werner PS. Und wenn man die neue Währung „auf billig“ macht, werden die Besitzer von Kopierern bald die neuen Milliardäre sein, aber leider nur in Zollars…..und nur bis das Papier und der Toner ausgehen.
Maputo828 Beiträge · seit 201624. Jan. 2019 · #346
Für mich ist ZIM verloren. Ich kann mir beim Besten Willen nicht vorstellen, wie dieses Land je wieder auf die Beine kommen soll.
Die aktuellen immensen Probleme sind ja hier zur Genüge beschrieben, ZIM ist im Moment ein Pulverfass, dass jederzeit explodieren kann.
Auch wenn China oder weiss ich wer Milliarden investiert, was dann? Die reissen sich wahrscheinlich die Rohstoffe unter den Nagel, bringen ihre eigenen Leute und Maschinen mit, bauen ein paar neue Strassen, machen sich die Regierung gefügig und der normale Bürger fristet weiterhin ein menschenunwürdiges Dasein ganz unten.
Zimbabwe ist durch und durch von Korruption unterhöhlt. Da hocken immer noch die Günstlinge von Mugabe, bis in die tiefsten Positionen. Dort aufzuräumen ist schlicht unmöglich.
Auch wenn es wirtschaftliche wieder einmal aufwärts gehen sollten, was ich mir nur schwer vorstellen kann, gibt es im Land keine gut ausgebildeten Fachkräfte mehr. Die haben das Land schon lange verlassen und arbeiten in gut bezahlten Jobs in Südafrika, wo sie gern gesehene Angestellte sind.
Es ist wirklich hoffnungslos, und die Leute -vor allem die nächste Generation- kann einem bedingungslos leid tun. Keine Perspektive....
Die haben das Land schon lange verlassen und arbeiten in gut bezahlten Jobs in Südafrika, wo sie gern gesehene Angestellte sind.
oder auch in schlecht bezahlten Jobs. Gefühlt jeder zweiter "Uber"-Fahrer in SA ist Simbabwer, ein Großteil der Putzfrauen kommen aus Simbabwe, unser Maler in Windhoek ist aus Simbabwe (und war vorher Hochschullehrer)... aber alles eben noch besser als IN Simbabwe.
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Maputo schrieb:Für mich ist ZIM verloren. Ich kann mir beim Besten Willen nicht vorstellen, wie dieses Land je wieder auf die Beine kommen soll.
Im Moment ist die Lage wirklich hoffnungslos. Es gibt aktuell keine Chance, da raus zu kommen, sondern das Land ist in einer Art Todesspirale, wo sich die negativen Effekte gegenseitig immer weiter verstärken. Gleichwohl halte ich Szenarien für möglich, in denen es wieder aufwärts geht. Stark aufwärts.
Die Wirtschaft in Simbabwe ist auf 30-40% dessen geschrumpft, was im Jahr 2000 da war. Rechnet man nur ein für Entwicklungsländer moderates Wachstum ein, dann ist die Wirtschaft aktuell bei etwa 10-15% dessen, was bei halbwegs normaler Entwicklung da sein sollte. Weil das Niveau so erbärmlich niedrig ist, ist es umso einfacher, massives Wachstumspotential zu entfesseln. Wenn man 1.000kg Mais pro Hektar erntet und die erfolgreichsten Landwirte auf mehr als 20.000kg Mais je Hektar kommen, dann ist es relativ einfach, 100, 200 oder 500% Zuwachs zu erzielen. Selbst mit 500% Wirtschaftszuwachs wäre Simbabwe kein reiches Land, aber es würde sich zumindest mal an das Niveau von Namibia heran arbeiten.
Es braucht eine große Injektion an Liquidität aus dem Ausland. Ohne diese geht gar nichts. Unter Mnangagwa und einer Zanu-PF-Regierung wird es die höchstwahrscheinlich nicht geben. China, Russland, USA, EU, Südafrika, IWF und Weltbank wollen aktuell alle kein Geld geben. Grundvoraussetzung für eine Chance auf Verbesserung, ist deshalb der Sturz oder die Abwahl von Mnangagwa und Zanu-PF. Je früher, desto besser. Schwer zu beurteilen, ob das friedlich möglich ist und ob Oppositionschef Chamisa kompetenter und weniger korrupt ist. Vielleicht reicht es auch für eine Regierung der nationalen Einheit. Der alten Garde traut im Ausland niemand etwas zu und der will niemand ein paar Milliarden anvertrauen.
Im britischen House of Lords (der oberen Parlamentskammer) ließ angesichts der Krise in Simbabwe letzte Woche ein Lord anfragen, ob schon eine Re-Kolonialisierung Simbabwes erwogen wurde. 🤪 Ich glaube andere Probleme haben die in Britannien auch gerade nicht
D.
Maputo828 Beiträge · seit 201624. Jan. 2019 · #349
@Christian
Ja die sind überall, in Südafrika halten sie die ganze Gastronomie und Hotellerie zusammen. Sie sind freundlich, kompetent, arbeiten gerne und speditiv. Man muss nur mal die Kellner fragen von wo sie kommen. Fast keiner ist aus Südafrika. Zimbabwe, Kongo und Malawi ist angesagt.
Als der Regierungswechsel in ZIM kam, waren alle euphorisch und in der Gastroszene in Südafrika ging eine Heidenangst um, dass die Simbabwer alle zurück gehen. Das hat sich ja jetzt zerschlagen.
Ja die sind überall, in Südafrika halten sie die ganze Gastronomie und Hotellerie zusammen. Sie sind freundlich, kompetent, arbeiten gerne und speditiv. Man muss nur mal die Kellner fragen von wo sie kommen. Fast keiner ist aus Südafrika. Zimbabwe, Kongo und Malawi ist angesagt.
Als der Regierungswechsel in ZIM kam, waren alle euphorisch und in der Gastroszene in Südafrika ging eine Heidenangst um, dass die Simbabwer alle zurück gehen. Das hat sich ja jetzt zerschlagen.
lg Maputo
Ist OT, muss aber mal gesagt werden: mir ein jemand aus Simbabwe die besten Maultaschen meines Lebens auf den Tisch gebracht. Zubereitet nach einem uralten schwäbischen Rezept, das aus Cannstadt den Weg nach East London geschafft hat. Alle Mitarbeiter in dem Lokal kamen aus Simbabwe, und das aus gutem Grund.
Die Einstellung und die Fähigkeiten, die man den Leuten in dem Land nachsagt, machen mir Hoffnung, dass sie auch mal wieder gute Zeiten erleben dürfen.
Sie sind freundlich, kompetent, arbeiten gerne und speditiv.
kann ich zu 100% so unterschreiben!
Viele Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
freshy3'883 Beiträge · seit 201124. Jan. 2019 · #352
Dreamliner schrieb: Im britischen House of Lords (der oberen Parlamentskammer) ließ angesichts der Krise in Simbabwe letzte Woche ein Lord anfragen, ob schon eine Re-Kolonialisierung Simbabwes erwogen wurde. 🤪 Ich glaube andere Probleme haben die in Britannien auch gerade nicht
D.
😄 Womit jener Lord verrät, wovon die Erz-Konservativen auf der Insel im Zusammenhang mit dem Brexit träumen: Von einer Neuauflage des Commonwealth! 😉
Dreamliner schrieb: Im britischen House of Lords (der oberen Parlamentskammer) ließ angesichts der Krise in Simbabwe letzte Woche ein Lord anfragen, ob schon eine Re-Kolonialisierung Simbabwes erwogen wurde. 🤪 Ich glaube andere Probleme haben die in Britannien auch gerade nicht D.
😄 Womit jener Lord verrät, wovon die Erz-Konservativen auf der Insel im Zusammenhang mit dem Brexit träumen: Von einer Neuauflage des Commonwealth! 😉 LG freshy
Ein Rückblick auf die Zeit als die jolly good fellows eine jolly good time hatten ohne Chateau Margaux ist so eine Safari nix (bitte das Datum beachten) Werner
Dreamliner schrieb: Im britischen House of Lords (der oberen Parlamentskammer) ließ angesichts der Krise in Simbabwe letzte Woche ein Lord anfragen, ob schon eine Re-Kolonialisierung Simbabwes erwogen wurde. 🤪 Ich glaube andere Probleme haben die in Britannien auch gerade nicht
D.
😄 Womit jener Lord verrät, wovon die Erz-Konservativen auf der Insel im Zusammenhang mit dem Brexit träumen: Von einer Neuauflage des Commonwealth! 😉
LG freshy
Commonwealth gibt es noch... Mehr wird es aber nimmer. Die Zeiten, wo man sich den Reichtum überall auf der Welt zusammengeraubt hat, sind vorbei. Wobei, eigentlich nicht ganz. Meine Freunde aus Fernost machen es vor. Die ziehen aus Afrika die Bodenschätze ab, exportieren wertvolles Holz, kaufen sich Elfenbein und Hörner vom Nashorn, und fischen vor der Küste Afrikas das Meer leer. Einziger Unterschied ist, dass man heute nicht einfach Länder überfällt und sich einverleibt.
Simbabwe wird sicher Geld von der Welt bekommen, wenn eine Situation da ist, die Hoffnung macht. Das ist gerade leider nicht der Fall.
freshy3'883 Beiträge · seit 201124. Jan. 2019 · #355
@Ebi: Deshalb habe ich geschrieben: Neuauflage!!! LG freshy
PS zur Sache, im Telegrammstil, natürlich könnte man mehr dazu sagen, aber es passt nicht hierher: Der rechtliche Status von "Südrhodesien" war in der Zeit, als UK die Kolonien in die Unabhängigkeit entließ, zwischen diesen heftig umstritten. Ian Smith hat seine UDI u. a. damit begründet, dass Rhodesien nie britische Kolonie war, nie (völlig) vom Colonial Office verwaltet wurde bzw. selbstverwaltet war. UK hätte daher kein Recht den Rhodesiern etwas vorzuschreiben*). Da ist was dran, denn „Zambezia“ entstand faktisch als Privatbesitz der British South Africa Company von Cecil Rhodes. Im Austausch für Nutzungsrechte (Nachtrag: bzw. die "Royal Charter") musste die Company für Infrastruktur und Verwaltung sorgen, was den Staatssäckel der Krone geschont hat. Mit dem Commonwealth hatte das mE nicht unbedingt was zu tun Werner *) In der Endphase war damals aber schon eine Labourregierung, die das mit NIBMAR gekontert hat (No Independence before Majority Rule), was von Smith vehement abgelehnt wurde.
PS. zur augenblicklichen Situation, Mitteilung einer Bank an seine einheimische Kundschaft: “Please note that the USD account is, for the time being, restricted to receiving inward transfers only and cannot support outgoing international payments.“ ...erhalten vor ein paar Wochen aus SA, wohin das wiederum von deren Freunden aus Zimbabwe kam.
Hab vorgestern einen getroffen, der Vic Falls gen Livingstone verlassen hat, weil selbst in der Touristenhochburg kein einziger US$ zu bekommen war. ok, am Abend hatte er ein sehr junges Mädel dabei, dafür brauchte er Geld, aber das ist eine andere Geschichte.
Die ganzen Meldungen sind sicher interessant. Ne praktische Erfahrung würde mich aber noch viel mehr interessieren. Ist aktuell jemand in Sim unterwegs? Übers Eck habe ich gehört, dass es weniger Roadblocks als zu Bobs Zeiten sind, dass man als Tourist immer gleich weiterfahren darf. Davon mal abgesehen, dass man halt Dollar dabeihaben muss, sehe ich gerade nicht, dass man das Land meiden sollte.