TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200903. Apr. 2017 · #81
Hallo Mari, überwiegend haben wir asiatisch gekocht. Da KLM auf den Flügen nach Ostafrika ein sehr großzügiges Gepäcklimit hat, haben wir von zuhause eine Küchenkiste mit vielen Gewürz-Saucen und Gewürzmischungen mitgebracht. Auch Ratatouille geht sehr gut.
@Friederike: Ich habe auch 4 Affen entdeckt. Madenhacker finde ich immer sehr interessant zu beobachten.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200906. Apr. 2017 · #82
14.Tag (Sa. 07.01.2017) Ruaha National Park 94km
Auch für heute ist wieder ein ganztägiger Gamedrive angesetzt, so dass wir wieder sehr früh starten. Unser erstes Ziel ist der Kimiramatonge Hill, den wir fast ganz umrunden. Schöne Landschaft, bestes Licht, aber keine Tiere.
Unser eigentliches Ziel für den heutigen Tag ist aber der Mittellauf des Mwagusi, wo es uns schon gestern sehr gut gefallen hat. Außerdem ist hier die größte Tierdichte. Wir werden nicht enttäuscht. Vor allem Elefanten hat es jede Menge, so dass wir eine spannende Fahrt haben.
Mal eine Frage an die vielen Birder unter Euch: Hat die kahle Stelle auf der Brust der Sattelstörche eine Funktion oder Bedeutung?
Gestern hatten wir am gegenüber liegenden Ufer einen Picknickplatz entdeckt, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Das ist unser Ziel zum Brunch. Der Picknickplatz ist ein paradiesischer Ort. Zwischen großen Felsen und unter hohen Bäumen direkt am Ufer gelegen und mit Tischen, Bänken und Sanitäranlagen top ausgestattet. Man kann weit das Flussbett überblicken. Was will man mehr?
Während wir essen, sorgen mehrere Baumhörnchen für Unterhaltung, die überhaupt nicht scheu sind und darauf hoffen, dass etwas für sie abfällt. Was das Füttern von Wildtieren angeht sind wir aber sehr streng, so dass die kleinen Racker leer ausgehen.
Im Flussbett haben sich in der Zwischenzeit zahlreiche Elefanten versammelt. Es ist ein ständiges kommen und gehen, da es hier auch einige der wenigen verbliebenen Wasserstellen gibt. Da uns der Platz gefällt und es viel zu sehen gibt, beschließen wir, die nächsten Stunden bis zum Nachmittag hier zu verbringen.
Auch für körperliche Ertüchtigung ist gesorgt, denn als ich zwischendurch kurz am Auto bin, stelle ich fest, dass der rechte Hinterreifen platt ist. Ärgerlich ist vor allem, dass wir jetzt keinen intakten Ersatzreifen mehr haben. Der Reifenwechsel selbst ist Routine und in 5 Minuten erledigt.
Wir lassen uns aber die gute Laune nicht verderben und bleiben noch eine Weile hier.
Unser Platz hier ist so geschützt, dass wir auch bleiben, als die Dickhäuter ganz in unserer Nähe vorbei ziehen. Als Kathrin nach einer Pinkelpause das Klohäuschen verlassen will, steht sie vor einer grauen Wand, genauer gesagt vor dem Hinterteil eines großen Elefantenbullen. Nach Ihrer Aussage hätte sie den Elefanten berühren können, hat sich aber nicht getraut.
Als ein Safariwagen vorbeikommt, fragt Kathrin nach der Möglichkeit hier im Nationalpark den Reifen flicken zu lassen und tatsächlich soll es im Headquarter einen Reifenflicker geben. Da es vom Picknickplatz eine direkte Piste zum Headquarter gibt beschließen wir zunächst dort den Reifen versorgen zu lassen und anschließend eine abendliche Runde entlang des Ruaha zu drehen.
Von unseren beiden Reifen ist einer, wie schon gesagt, nicht mehr zu gebrauchen. Beim anderen handelt es sich um einen Schlauchreifen auf Sprengringfelge. Das ist glücklicherweise die ideale Kombination für einen Fundi hier im Park. Innerhalb einer halben Stunde ist der Reifen geflickt. Gefühlt am längsten dauert es, bis er mit seinem batteriebetriebenen Spielzeugkompressor den Reifen wieder gefüllt hat. Meine Mitfahrer finden das spannend und beobachten die Reparatur. Ich habe derweil etwas viel interessanteres entdeckt - die Kantine für die Nationalpark-Mitarbeiter. Hier kann ich ein eiskaltes Bier erstehen. Ein echtes Highlight, nachdem es seit Iringa nur „Heißgetränke“ gab.
Entlang des Ruaha River ist heute schon mehr los als gestern. Eine junge Giraffe zeigt überhaupt keine Scheu, was ich für ein Portrait nutzen kann, zumal sich der Kopf auch noch in akzeptabler Höhe befindet.
Es wimmelt hier aber auch vor Mangusten. Wir sehen Zwerg-, Zebra- und Fuchs-Mangusten. Alle mehrfach und fast immer sehr scheu.
Den Sundowner begehen wir auf unserer Campsite. Hier hat man einen schönen Blick, auf die Sonne, wie sie hinter dem Escarpment untergeht.
Heute bin ich wieder dran mit kochen. Die Insektenplage ist deutlich geringer als an den letzten Abenden. Während wir essen hören wir Schritte im Hintergrund. Mit der Taschenlampe entdecken wir ein Hippo, welches aus dem Flussbett steigt und zum Grasen ins Hinterland marschiert. Wenig später schleicht dann eine Hyäne ums Camp und es gesellt sich auch noch ein Schakal hinzu. So gibt es auch jetzt ein abwechslungsreiches Programm, bis es uns auf die Matratzen zieht.
Ist das beim Sattelstorch vielleicht ein Brutfleck?
Gruß Mabe
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200907. Apr. 2017 · #84
Mabe schrieb:Ist das beim Sattelstorch vielleicht ein Brutfleck?
Gruß Mabe
Das muss ich mal ganz dumm nachfragen, was ein Brutfleck ist? Ich habe diese kahle Stelle auf der Brust von Sattelstörchen auf jeden Fall schon häufiger gesehen.
Ein Brutfleck ist eine eher federlose Stelle im Brust-/ Bauchbereich, die zudem äußerst gut durchblutet ist. Dadurch verbessert sich die Wärmeübertragung auf das Gelege. Manche Vögel haben sogar mehrere, bei einigen bilden sie sich nach der Brut zurück, bei anderen bleiben sie.
Vielleicht können die Vogelexperten mehr dazu beitragen..?
Gruß Mabe
leofant754 Beiträge · seit 201007. Apr. 2017 · #86
Hi Topo, na sie ist doch wirklich abwechslungsreich, Eure Reise ! Aber jetzt hast Du mich wieder erinnert, welchen Preis man in Tanzania zahlen muss. Ich hatte die Tse Tse Fliegen irgendwie verdrängt 😵 Aber was will man machen ... Africa is NOT for sissies 😗
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200907. Apr. 2017 · #87
Hallo Walter,
glücklicherweise sind die TseTse-Gebiete meist recht begrenzt, so dass man sie auch schnell wieder verlassen hat. Dazu habe ich noch das große Glück, dass ich überhaupt nicht auf die Stiche der TseTse-Fliegen reagiere. Ich spüre nur den Stich und das wars. Keine Schwellungen oder ähnliches.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200925. Apr. 2017 · #91
15. Tag (Sa. 07.01.2017) Ruaha National Park – Iringa 147km
Lt. unserer Wildtierkamera waren in der Nacht sowohl Schakale, als auch Hyänen im Camp. Leider sind die Aufnahmen sehr unscharf.
Geweckt werden wir dann vom Brüllen der Löwen. Das ist besser als jeder Wecker. So wie es sich anhört, sind die Großkatzen wieder rings ums Camp verstreut.
Heute frühstücken wir im Camp, denn es wird keinen Gamedrive mehr geben. Nach dem Essen räumen wir zusammen und machen uns auf den Weg zurück nach Iringa.
Wir sind gerade einmal 40km unterwegs, da ereilt uns der nächste Platten. Diesmal hinten links. Damit sind jetzt beide Original-Hinterräder hin und wir sind mit den beiden Ersatzreifen unterwegs.
Der Reifen ist wieder schnell gewechselt, aber die weitere Strecke bin ich doch recht angespannt, da wir jetzt ohne einsatzfähigen Reservereifen unterwegs sind. Selbstverständlich würden wir bei einem weiteren Platten nicht in der Wildnis stranden, dafür ist auf der Strecke zu viel los. Trotzdem würde ein weiterer Platten aber ziemlichen Aufwand mit sich bringen, worauf wir gut verzichten können. Man wird dann auch leicht paranoid. Bei jeder Veränderung der Fahrgeräusche und jedem seitlichen wegdriften des Fahrzeugs schreckt man auf und wirft einen prüfenden Blick in den Rückspiegel, bzw. aus dem Fenster, um den Zustand der Reifen zu prüfen. Letztendlich kommen wir aber ohne weitere Panne in Iringa an.
Auf der Strecke sind uns die vielen griechisch-orthodoxen Kirchen aufgefallen. Die müssen hier in der Gegend einen Schwerpunkt ihrer Missionsarbeit haben.
In Iringa setzten wir uns kurz mit unserem Autovermieter zusammen, um über die Reifensituation zu beraten. Da die beiden ursprünglichen Hinterreifen schon sehr kaputt sind, kommen wir zu folgender Lösung: Wir bekommen die Freigabe, einen neuen Reifen auf Kosten des Vermieters zu erwerben. Dafür entsorgen wir den schlechtesten Reifen. Den anderen Reifen lassen wir flicken. Ein Fahrer von 4x4 Adventures bringt uns dann noch einen weiteren Reifen in den Tarangire National Park.
Der Grund weshalb die Reifen trotz gutem Profil schon so runter sind, liegt daran, dass die Fahrzeuge bei den geführten Touren immer mit sehr niedrigem Luftdruck gefahren werden, da dies den Komfort für die Gäste deutlich erhöht. Dadurch walken die Reifen allerdings so stark, dass die inneren Strukturen noch vor dem Profil das Ende des Reifens einläuten.
Nachdem mit den Reifen alles geregelt ist geht es zu unserer heutigen Unterkunft, der African Garden Lodge, welche auf ihrem Gelände auch eine Campsite betreibt. Die Lodge gehört einem sehr netten tansanisch-deutschen Paar, die mit Ihren drei kleinen Kindern vor ein paar Jahren nach Tansania ausgewandert sind, um sich hier mit der Lodge selbstständig zu machen. Die beiden sind sehr hilfsbereit. So können wir unsere Getränke in deren Kühlschrank kühlen, damit wir heute zum Abendessen endlich mal wieder kalte Getränke haben.
Ganz in der Nähe der Lodge liegt die Isimilia-Schlucht. Hier befinden sich zum einen steinzeitliche Ausgrabungsstätten, als auch eine mit Erdpyramiden gesäumte Schlucht. Das Gelände ist ein nationales Monument und darf nur mit einem Guide betreten werden. Wir können direkt von der Campsite loslaufen. Als erstes kommen wir zu den Ausgrabungsstätten, aber ich muss gestehen, dass sich für uns die Steinwerkzeuge kaum bis gar nicht von den übrigen Steinen der Umgebung unterscheiden.
Danach folgen wir einem schmalen Bachbett, welches die eigentliche Isimilia-Schlucht bildet. Auf beiden Seiten erheben sich eindrucksvolle Formationen. Man fühlt sich an den Bryce Canyon in den USA erinnert, wobei das Gelände hier nicht so weitläufig ist. Entstanden sind die Erdpyramiden nachdem ein Vulkanausbruch eine Schwemmtonebene mit einer Schicht Lava überlagert hat. Nur dort wo die Lavaschicht erodierte, wurde der darunter liegende Schwemmton abgetragen. Ansonsten schützt die Lavaschicht die darunter liegenden weichen Sedimente. So sind fantastische Erosionsformen entstanden: Schlanke Säulen, mächtige Pfeiler, Orgelpfeifen und bizarre Wände. Leider hat der Himmel an diesem Nachmittag zugezogen. Bei Sonnenschein wäre es sicher noch beeindruckender gewesen. Insgesamt waren wir etwas über 2h unterwegs. So ein kleiner Spaziergang ist immer eine schöne Abwechslung zum langen Sitzen im Auto
Abends kochen wir. Die Katzen und Hunde der Lodge leisten uns Gesellschaft, ohne jedoch aufdringlich zu betteln.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200927. Apr. 2017 · #92
16.Tag (So. 08.01.2017) Iringa – Dodoma 274km
Nachts hat uns die Lodgekatze ein Geschenk vorbei gebracht. Wir finden bei Aufstehen eine tote Maus in der Apsis unseres Zelts.
Nach dem Frühstück kommen Kerstin & Saidy bei uns vorbei und wir unterhalten uns lange mit den beiden. Die beiden haben bis vor ein paar Jahren in Berlin gelebt und dort ein Restaurant mit afrikanischer Erlebnisgastronomie betrieben, bevor sie sich entschieden, in Saidys Heimat eine Lodge zu eröffnen. Die Erlebnisse der beiden sind sehr Interessant. Man erfährt viel über das Alltagsleben in Tansania. Saidy beklagt sich vor allem über die Arbeitsmoral seiner Landsleute. Das ist seiner Ansicht nach einer der großen Unterschiede zu Deutschland. Am schlimmsten sind Mitglieder des eigenen Stammes. Die meinen Sonderrechte zu haben, weshalb die meisten Angestellten der beiden aus anderen Landesteilen kommen. Solche Gespräche erweitern ungemein den eigenen Horizont.
Bevor wir uns auf den Weg machen, untersuchen Hans und ich noch einmal genau den Kühlschrank und werden tatsächlich fündig. Durch das heftige Wellblech zum Ruaha National Park hat sich ein Kabel losgerüttelt. Wir können den Schaden selbst reparieren und haben für den Rest der Reise endlich einen gut funktionierenden Kühlschrank. Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Dann steht ein Großeinkauf in Iringa an. Im kleinen Supermarkt und auf dem großen Markt bekommen wir alles, was wir brauchen.
Von Kerstin & Saidy hatten wir noch den Tip bekommen, die alte Deutsche Boma zu besuchen, wo Kerstins Mutter ein Cafe betreibt. Wir treffen Kerstins Eltern dann sogar in der Boma und es stellt sich heraus, dass Kerstins Vater (ein pensionierter Architekt) die Restaurierung der Boma initiiert und organisiert hat. Während wir uns einen leckeren Kuchen gönnen, erfahren wir viel über die Restaurierung und so verfliegt die Zeit und wir kommen erst um 14:00Uhr aus Iringa los.
Glücklicherweise ist die Strecke nach Dodoma bis auf einige sehr kurze Baustellenabschnitte inzwischen komplett asphaltiert, wobei sich allerdings schon jetzt erste Schlaglöcher zeigen. Sowie wir die Hochebene von Iringa verlassen und ins trockene Tiefland kommen, steigen die Temperaturen drastisch und es wird sehr heiß.
Auf einem der Baustellenabschnitte überfahre ich beinahe in kleines Chamäleon. Ich schaffe es gerade noch das Tierchen zwischen die Räder zu nehmen. Danach muss es dann noch eine ausführliche Fotosession über sich ergehen lassen. Als Kathrin es dann retten und ins Gebüsch setzen will, zeigt es sich sehr undankbar und beißt gleich zu. Da Chamäleons aber keine Zähne haben ist das nur ein kleines Zwicken. Das schlimmste war der Schreck.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Dodoma. Wir übernachten wieder in New Dodoma Hotel. Noch immer nix dolles und trotzdem die beste Unterkunft in der Hauptstadt Tansanias.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200904. Mai 2017 · #93
17.Tag (Mo. 09.01.2017) Dodoma – Tarangire National Park (350km)
Nachts gab es einen derart heftigen Wolkenbruch, dass wir davon sogar in unserem Hotelzimmer aufgewacht sind. Das war ja eine glückliche Fügung, dass wir ausgerechnet diese Nacht nicht gezeltet haben. Morgens ist es immer noch am tröpfeln.
Das Frühstück im Hotel ist sehr dürftig. Das habe ich von unserem letzten Aufenthalt besser in Erinnerung.
Die Strecke von Dodoma bis Babati ist fast durchgehend Baustelle. Auf 90% der Strecke sind die Bauarbeiten aber schon so weit fortgeschritten, dass wir auf Asphalt fahren können.
Unterwegs haben wir die Reifenpannen Nummer 5 & 6. Bei der ersten Panne ziehen wir den alten geflickten Reifen auf, da ich mich wohler fühle, wenn wir den neuen Reifen als letzte Reserve aufheben. Der kommt dann allerdings nur 20 Minuten später zum Einsatz, da sich der alte geflickte Reifen schon nach wenigen Kilometern wieder verabschiedet hat. Bei unserer zweiten Reifenpanne an diesem Tag befinden wir uns leider gerade auf einer schmalen weichsandigen Baustellenumfahrung. Ich muss ganz am Rand anhalten, damit andere Fahrzeuge passieren können. Beim Hochbocken mit dem Highlift rutscht der Wagen dann im weichen Sand etwas seitlich weg und das lange Gestänge des Highlifts drückt eine dicke Beule in die Karosserie. Sehr dumm gelaufen. Zu dieser Zeit hat der Reisebericht noch den Arbeitstitel „Plattfuß in Afrika“.
Das längste Stück noch nicht asphaltierter Straße ist die steile Abfahrt aus den Bergen hinunter nach Babati. Das ist noch die altbekannte Lehmpiste und genau auf diesem Abschnitt erwischen wir einen kurzen aber heftigen Regenschauer, der die Lehmpiste in kürzester Zeit in eine Rutschbahn verwandelt. Da ist es dann gar nicht mehr so einfach, unser schweres Gefährt auf der Spur zu halten.
Schon auf vielen Strecken dieser Reise ist uns die starke Vermüllung der Straßenränder negativ aufgefallen. Als wir von Babati bis zum Abzweig in den Tarangire Nationalpark hinter einem Überlandbus herfahren, können wir miterleben, wie es dazu kommt. Alle paar Minuten fliegt eine leere Trinkflasche oder anderer Müll im hohen Bogen aus dem Fenster. Es ist wirklich erschreckend, dass bei den Menschen hier anscheinend überhaupt kein Bewusstsein für die Umwelt Ihres Landes zu bestehen scheint.
Wer schon einmal im Tarangiere National Park war, kennt die Wellblechpiste zum Gate. Alles im Wagen klappert und scheppert. Plötzlich kommt ein neues und sehr lautes Geräusch hinzu. Ich halte sofort an und muss feststellen, dass sich unser linkes Trittbrett verabschiedet hat. Eine Schweißnaht ist durch die ständigen Erschütterungen und Vibrationen gebrochen. Nicht zum ersten Mal, wie es aussieht. Glücklicherweise habe ich für genau solche Fälle ein paar Spanngurte aus Deutschland mitgenommen. Zwar muss ich mich für die Reparatur im Staub wälzen, aber danach steht unserem Besuch im Tarangire National Park nichts mehr im Weg.
Am Gate in den Nationalpark können wir dann auch den von 4x4 Adventures für uns dort deponierten Reifen übernehmen. Der ist zwar nicht neu, aber doch in erheblich besseren Zustand als unser alter Ersatzreifen. Diesen verfrachte ich aufs Dach, wo ich ihn mit einem weiteren Spanngurt befestigen kann. So ist er aus dem Wege und stört niemanden.
Nachdem wir eingecheckt haben, fahren wir auf direktem Weg zur Public Campsite, welche in der Nordwest-Ecke des Parks unweit des Tarangire Rivers liegt. Die Campsite ist mit mehreren Waschhäusern gut ausgestattet. Hier sind wir auch erstmals nicht die einzigen Gäste. Es ist aber reichlich Platz, damit man sich nicht zu sehr auf der Pelle sitzt.
Zum Abend hin entschließen wir uns noch zu einem sehr kurzen Gamedrive, der uns lediglich ans Ufer des Tarangire River führt. In diesem Bereich ist der Fluss komplett ausgetrocknet und es gibt lediglich ein paar von Elefanten gegrabene Wasserlöcher im sandigen Flussbett. Dafür wimmelt es nur so von Tieren.
Während wir hier stehen und das Treiben im und am Fluss beobachten, zieht der Himmel schnell immer mehr zu und es kommen heftige Böen auf. Genauso schnell wie der Spuk begonnen hat, ist er aber auch wieder vorbei, ohne dass auch nur ein einziger Tropfen gefallen ist.
Die Elefanten sind hier deutlich entspannter als bei unseren bisherigen Begegnungen auf dieser Reise. Wir stehen lange Zeit direkt neben einer Herde mit vielen Jungtieren. Es ist sehr interessant zu beobachten wie die Mütter die Kälber sortieren. Die Kälber versuchen bei allen Kühen an der Milchbar anzudocken, werden aber von den Kühen abgewiesen, solange es nicht das eigene Kalb ist.
Wir fangen erst relativ spät an zu kochen. Beim Essen bekommen wir dann Gesellschaft. Ein Elefant bedient sich gleich nebenan von einem großen Busch.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200905. Mai 2017 · #95
Hallo Friederike,
ich habe zwar noch immer keine Ahnung von Vögeln, aber durch die vielen Birder hier im Forum sind die Piepmätze zumindest beim Fotografieren stärker in meinen Fokus gerückt. So firmiert der abgebildete Vogel bei mir auch lediglich unter dem Sammelbegriff Glanzstar. 😎
PKPapa Kenia541 Beiträge · seit 201206. Mai 2017 · #98
Hallo Topobär,
auch Dir vielen Dank für den schönen und ausführlichen Bericht! Dass die Fotos mich voll ansprechen, brauche ich eigentlich nicht erwähnen. Die sind in allen Euren Berichten super. Aber das Bild "Kuh mit Kalb" ist der Knaller! Schönes Wochenende wünscht Papa Kenia
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200909. Mai 2017 · #99
18.Tag (Di. 10.01.2017) Tarangire National Park 130km
In dieser Nacht war Highlife auf unserer Campsite. Mindestens zweimal befanden sich Elefantengruppen unmittelbar an den Zelten. Woher ich das so genau weiß? Mindestens ein Elefant hat sich direkt von dem Baum bedient, unter dem unser Zelt stand. Wenn dabei ständig Blätter und kleine Zweige aufs Zelt rieseln, hat man eine ziemlich konkrete Vorstellung, wo sich der gefräßige Dickhäuter gerade befindet. Meine größte Sorge war deshalb auch, dass der Elefant einen dicken Ast abbricht, der dann auf unser Zelt fällt. Ansonsten hat man im Zelt wenig von Elefanten zu befürchten. Kathrin hat mal wieder alles verschlafen. Hans & Hedda waren beeindruckt von der Nacht. Sehr cool für Afrika-Neulinge.
Ergänzt wird der ganze Rummel in dieser Nacht noch vom Brüllen der Löwen und den Rufen der Hyänen, die anscheinend auch nicht allzu weit von der Campsite entfernt sind.
Da sich die Public Campsite im äußersten Nordwesten des Nationalparks befindet, ist ein Ganztages-Gamedrive die einzige Möglichkeit, auch die südlichen Teile des Parks kennenzulernen. Wir starten deshalb kurz nach Sonnenaufgang ohne zu frühstücken. Unser erstes Ziel ist ein Aussichtspunkt mit Picknickplatz oberhalb des Tarangire-Rivers. Sehr schön hier, aber da wir erst eine halbe Stunde unterwegs sind, noch viel zu früh für eine lange Pause.
Geprägt wird der heutige Tag ganz eindeutig von den Elefanten. Sie laufen einem permanent über den Weg. Ich habe längst nicht jede Begegnung fotografisch festgehalten. Sehr angenehm war, dass alle Elefanten, ohne Ausnahme, sehr ruhig und entspannt unterwegs waren, so dass man für beide Seiten stressfrei ganz in ihrer Nähe stehen konnte. Ein besonders schönes Erlebnis hatten wir gleich am frühen Morgen. Wir trafen auf eine mächtige Elefantenkuh, die mit ihrem noch sehr kleinen Kalb allein unterwegs war. Der Kleine war unglaublich knuffig. Die ganze Zeit war er dabei seine Umwelt zu entdecken. Dabei war ihm sein Rüssel häufiger im Wege, als dass er ihm half. So etwas niedliches und tollpatschiges kann man sich stundenlang ansehen.
Es viel uns sehr schwer, uns von dieser Szene loszureißen, aber wir wollten ja noch etwas mehr von diesem schönen Nationalpark sehen.
Nach wenigen Kilometern trafen wir auf den Wiesen am Flussufer auf eine kleine Herde Elands, die sich zusehends vergrößerte. In einem fort rannten weitere Tiere den Hang hinunter und sprangen in einem großen Satz über den Weg. Dieses Schauspiel dauerte ca. 20min. und danach hatte sich am Flussufer die größte Herde dieser stattlichen Antilopen zusammengefunden, die ich je gesehen habe. Leider ist diese größte Antilopenart auch der größte Schisser unter den Antilopen. Die Fluchtdistanz ist immer viel zu groß für gute Fotos. Ich frage mich, wieso die Elands so viel ängstlicher sind, als ihre kleineren Artgenossen.
Unser Ziel für eine ausgedehnte Mittagspause ist die Picknicksite am Silale Swamp. Hier hat man mit der weiten grasigen Sumpfebene ein ganz anderes Landschaftsbild als im Tal des Tarangire River. Wir lassen uns Zeit und verbringen mehrere Stunden auf der Picknicksite.
Wie auf jeder Picknicksite, so haben auch hier einige Tiere den Menschen als Futterquelle entdeckt. Diesmal sind es Vögel.
Zur Mittagszeit ist die Picknicksite gut besucht. Da das Gelände aber sehr weitläufig ist und sich alle sehr gesittet verhalten, ist das kein Problem. Wenn man sich umschaut, kann man auch leicht die verschiedenen Preisklassen der Safari-Touren erkennen. Während bei einigen nur Lunchpakete verteilt werden, die aus der Hand gegessen werden, wird bei anderen mit Tischtuch, Porzellan und Kristallglas eingedeckt und der Lunch mit einem kühlen Weißwein serviert. Gut, den kühlen Weißwein hätten wir auch noch gehabt, beim Rest müssen wir aber passen. Eine kuriose Szene spielt sich dann an unserm Nachbartisch ab, dort schafft es ein extrem übergewichtiger Mann nicht, ohne sich abzustützen aufzustehen, und reißt dabei Tisch und Bänke um. Er selbst schlägt lang hin und tut sich dadurch auch sehr weh. Krass ist dann, dass er aufgrund seines Gewichtes nicht in der Lage ist, selbstständig vom Boden aufzustehen. Nur mit den vereinten Kräften des Guides und einiger Familienmitglieder bekommen sie ihn wieder in die Vertikale. Unter solchen Voraussetzungen hätte ich nicht den Mut nach Afrika zu reisen.
Auf der Rückfahrt entdeckt Kathrin dann noch ein Rudel Löwen. Allerdings sind diese weit weg und weitgehend unter Büschen verborgen. Ein Wunder, dass Kathrin die entdeckt hat.
Ansonsten ist der Rückweg in hohem Maße von Vögeln geprägt, die ich hier gut vor die Linse bekomme.
Später treffen wir dann noch auf eine Herde Büffel, in der sehr große Aufregung herrscht. Wir entdecken auch einen Büffel, der aus mehreren Wunden aus der Flanke blutet. Da liegt die Vermutung nahe, dass der Grund für die Aufregung in einem erst vor kurzen stattgefundenen Löwenangriff zu sehen ist.
Ganz in der Nähe der Campsite gibt es eine sandige Furt, mittels der der Tarangire River an dieser Stalle bei Niedrigwasser durchquert werden kann. Momentan ist hier gar kein Wasser, allerdings noch einmal viele Tiere.
Diese Nacht haben wir die Campsite fast für uns allein. Außer uns ist nur noch ein Paar mit Ihrem Tourguide und der Warden anwesend. Der Warden ist im Übrigen ein ganz sparsamer. Ständig stellt er am Hauptschalter, bzw. Haupthahn Wasser und Strom ab. Das ist echt nervig, zumal wenn man erst einmal herausbekommen muss, wo sich der Hauptschalter und der Haupthahn befinden. Auch denkt man nicht immer daran, dass mal wieder alles abgestellt ist, was auch zu blöden Situationen führen kann.
Während wir kochen, hören wir sehr häufig Hyänen in der Nähe, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal welche zu sehen.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200912. Mai 2017 · #100
19.Tag (Mi. 11.01.2017) Tarangire National Park – Mto wa Mbu 302km
Am morgen berichten die Anderen, dass auch in dieser Nacht jede Menge Tiere auf der Campsite waren. Diesmal habe ich nichts mitbekommen und alles verschlafen. Die Wildtierkamera zeigt dann auch Massen von Impalas und Zebras.
Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen von diesem schönen Nationalpark. Hier könnte man auch gut mehrere Tage verbringen. Für unseren nächsten Besuch ist eine Nacht auf einer Special Campsite im Süden des Parks fest eingeplant.
Dort wo die Nationalpark-Zufahrt auf die Hauptstraße trifft, ist ein kleiner Versorgungspunkt mit Läden und Werkstätten entstanden. Hier lassen wir den Besseren unser beiden platten Reifen flicken und das Trittbrett wieder fest schweißen. Schweißbrillen scheinen sie hier nicht zu kennen. Da fragt man sich, wie lange das die Augen mitmachen. Es wird auch mitten durch den Dreck geschweißt. Wenn man bedenkt, welch Aufwand bei uns in die Sauberkeit der zu schweißenden Stelle gesteckt wird, fragt man sich schon, wie lange das wohl hält. Nun gut, es hat zumindest für den Rest unserer Reise gehalten.
Da unser eigentliches Ziel für heute der Lake Easy ist, entscheiden wir uns für die Strecke südlich des Lake Manyara entlang und via Mbulo zum Lake Easy.
Die Auffahrt auf das Escarpment ist zwar sehr steil, aber für so eine kleine Nebenstraße erstaunlich gut ausgebaut. Unterwegs ergeben sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in die Ebene und auf den Lake Manyara.
Auch im fruchtbaren Hochland gefällt uns die Strecke sehr gut. Den in der Landkarte verzeichneten Shortcut zum Lake Easy können wir allerdings nicht finden, so dass wir den Umweg über Karatu in Kauf nehmen müssen.
Von Karatu zum Lake Easy verlieren wir schnell wieder an Höhe und die Landschaft wird immer trockener. 10km vor dem See müssen wir an einer Schranke 20US$ „Einritt“ für die Region zahlen. Beim hier angesiedelten Office versucht man uns mit aller Macht eine Ethno-Tour zu den Hadzebe aufzudrängen. So eine Tour wollen wir zwar machen, aber da lt. Reiseführer solche Touren auch von unserer Campsite angeboten werden, wollen wir das lieber dort organisieren, da wir uns davon weniger Fahrerei versprechen. Außerdem sind uns die Typen in dem Office sehr suspekt. Sie sprechen so gut wie kein Englisch, sind extrem ausdringlich und machen alle den Eindruck als würden sie unter Drogen stehen.
Unser Ziel ist das am See gelegene Kisima Ngeda Tented Camp, welches dort auch eine Campsite betreibt. Das entpuppt sich dann leider ebenfalls als große Enttäuschung. Obwohl es sich bei dem Camp um eine teure Luxuslodge handelt, ist die Campsite nichts anderes als eine vermüllte Lichtung im dichten Wald. Vom See ist nichts zu sehen und die Sanitäranlagen stehen kurz vor den Zusammenbruch. Das Personal passt zu diesem Eindruck und ist ebenfalls ziemlich neben der Spur. Niemand ist in der Lage, einen Preis für die Campsite zu nennen, noch kann man uns irgendwelche Auskünfte zu Ausflügen und Touren geben. Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn man hier in der sauteuren Lodge gebucht hat und dann mit solch einem “Service“ konfrontiert wird.
Uns scheint in der ganzen Region um den See der Wurm drin zu sein. Die laufen hier alle wie benebelt durch die Gegend. So etwas kenne ich aus Regionen, wo z.B. Khat weit verbreitet ist. Weiß da jemand genaueres drüber, was hier los ist? Wir beschließen jedenfalls den Lake Easy zu canceln und noch heute weiter nach Mto wa Mbu zu fahren. So haben wir morgen dafür einen ganzen Tag im Lake Manyara National Park. Davon versprechen wir uns nach den hier gemachten Eindrücken deutlich mehr.
Zwischen Karatu und Mto wa Mbu kommen wir in eine Polizeikontrolle. Die Polizisten beanstanden dass ich barfuß Auto fahre und wollen eine Strafe kassieren. Das passt ja bestens ins Bild des heutigen Tages und wir sind nicht gewillt uns noch weiter verarschen zu lassen. Ich verlange Auskunft, gegen welche Vorschrift ich verstoßen habe, denn ich war schon in Dutzenden Polizeikontrollen und fahre immer barfuß Auto. Da es solch eine Vorschrift natürlich nicht gibt, versuchen sie zu diskutieren und auf Zeit zu spielen, worauf sich Kathrin demonstrativ ihre Personalnummern aufschreibt, die jeder tansanische Polizist auf seiner Uniform stehen hat. Jetzt wird die Diskussion hitziger. Sie verlangen Auskunft, weshalb wir die Personalnummern notieren und wir sagen, dass wir den neuen Präsidenten bei seinem Kampf gegen Korruption unterstützen, nicht bereit sind eine ungerechtfertigte Strafe zu zahlen und sie bei ihrem Vorgesetzten und der Anti-Korruptionsstelle melden werden. Ich mache mir schon Sorgen, dass das Ganze eskaliert, da lenken die beiden doch noch ein und wir können weiterfahren.
In Mto wa Mbu schauen wir uns mehrere Unterkünfte an und entscheiden uns dann für die recht zentral gelegene Twiga Lodge, die auch Campingmöglichkeiten anbietet. Hier gibt es zudem WLAN und im angeschlossenen Restaurant bekommt man für wenig Geld einfaches, aber leckeres Essen.