eure Reise hört sich spannend an, auch wenn's deinem Mann leider schlecht ging. 🙁 Ich hoffe, das hat sich schnell geändert. Freue mich auf die Fortsetzung. 🙂
Sadie1'835 Beiträge · seit 201522. Apr. 2016 · #22
Danke für deinen Kommetar zur camp Site. Es tönt sehr eindrücklich und nun freue ich mich erst recht dass wir dort gebucht haben. Natürlich wäre es Klasse die Erdmännchen zu sehen, ein richtiger Bonus zu einem schönen Camping Platz.
Netti59847 Beiträge · seit 201522. Apr. 2016 · #23
Hallo Bettina,
WOW, so tolle Eindrücke von den Köcherbäumen und nun der Fish River Canyon - Granate !!! Aber was macht denn dein Mann 😮 Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als im Urlaub krank zu werden. Ich drücke die Daumen, dass er bei der Aussicht vom Bett aus, schnell wieder aufwärts geht. Was für eine Lodge 🤩 was für ein Ausblick 🤩 Tolle Eindrücke vom Canyon, bin zum ersten Mal irgendwie begeistert von dem kleinen Bruder des Grand Canyons.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201622. Apr. 2016 · #24
5. November: Heißer Ritt in den Canyon
Es ist noch stockfinster, als am nächsten Morgen der Wecker klingelt. Thomas steht mit auf, doch schnell ist klar: Er muss die Canyon-Tour sausen lassen.
Ich mache mich also alleine auf den Weg - und dabei bleibt es auch: Ich bin der einzige Gast, eine Exklusivfahrt sozusagen. Mein Guide, dessen Name mir leider entfallen ist 😐 , fährt erst einmal ein Stück zurück auf der rumpligen Strecke, die wir gestern gekommen sind, und biegt dann ab. Was für ein Geholper! Ich dachte, eine Steigerung sei kaum mehr möglich, doch je tiefer wir uns in den Canyon hineinfressen, desto abenteuerlicher wird die Fahrt. Alle Achtung, zu was Fahrer und Fahrzeug im Stande sind...
Außer uns ist weit und breit kein Mensch, ein faszinierender Gedanke. Der Wagen kämpft und klappert, am Rand eines Plateaus mit tollem Panoramablick steigen wir schließlich aus - wow!
Ich genieße Aussicht und Stille, unten liegt der Fish River, der dem Canyon seinen Namen gibt.
Eine weitere Dreiviertelstunde und wir wären dort unten, doch ich entscheide mich dagegen. Die Fahrt ist toll, aber auch anstrengend, die extreme Hitze und vielleicht auch der Gedanke an Thomas setzen mir zu. Nach einem kleinen Brunch machen wir uns auf den Rückweg und der Guide, der aus dem Damaraland stammt, erzählt mir von der anhaltenden Dürre, die seinen Leuten zu schaffen macht. Ein immer wiederkehrendes Thema auf dieser Reise.
Klippspringer-Paar
Mittags sind wir zurück. Thomas geht es besser, er hat sich rasiert 😁 , eine Kleinigkeit gegessen und die Temperatur hat sich normalisiert. Er ist aber noch schlapp, legt sich gleich wieder hin. Ich bin dennoch erleichtert, mache ein kleines Nickerchen und kühle nachmittags im eiskalten Pool ein wenig runter. Ich lese, döse, schwimme und überlege, ob Thomas den Tok Tokkie Trail in ein paar Tagen wohl antreten kann. Und was wir eigentlich tun, falls nicht?!
Schon am Mittag sind mir zwei Frauen aufgefallen. Sie sitzen immer noch am Pool, rühren sich kaum von der Stelle und wirken nervös. Die beiden Schweizerinnen sind am Vorabend im Dunkeln (!) angekommen - sprichwörtlich auf der letzten Rille, denn an ihrem SUV ist die Achse gebrochen. Sie warten nun sehnsüchtig auf den Rückruf ihres Autovermieters in Windhoek und können nicht vom Fleck: Nur am Pool gibt es Empfang. Das Hauptproblem: Eigentlich hätten sie schon heute nach Lüderitz weiterfahren müssen, um in ihrem Zeitplan zu bleiben. Doch bereits jetzt ist die Strecke bei Tageslicht nicht mehr zu schaffen und eine weitere Übernachtung hier gestaltet sich schwierig. Die Lodge ist ausgebucht.
Ich versuche zu beruhigen, es wird eine Lösung geben, spreche aber nicht aus, was ich denke: Der Reiseplan wäre auch ohne die Panne sehr ambitioniert gewesen - und wird es im weiteren Verlauf auch bleiben. Hier herauszufahren für nur einen Abend - Wahnsinn. Die Reisegruppe, die später ankommt, macht es allerdings nicht anders. Sundowner am Canyonrand um am nächsten Morgen weiter, puh, ganz schön stressig.
Ich sehe nach Thomas, er fühlt sich fit genug für einen Mini-Spaziergang und wir gehen ein kleines Stück am Canyonrand. Es sieht nach Gewitter aus, doch der ersehnte Regen fällt nicht.
Zum Abendessen gehe ich allein und setzte mich zu den beiden Schweizerinnen, deren Tauschauto heute noch gebracht werden soll. Tatsächlich rollen um neun Uhr zwei Wagen auf den Parkplatz. Der Fahrer und sein Kollege sind den ganzen Weg aus Windhoek gekommen und mies gelaunt, sie müssen jetzt noch bis Keetmanshoop zurück. Das zerbrochene Auto bleibt da und soll in den nächsten Tagen abgeschleppt werden. Die Frauen aber freuen sich wie Bolle über ihr neues, unversehrtes Vehikel, und ein Zimmer für die Nacht haben sie nach einer Stornierung auch noch bekommen. Na also!
Wir haben einen netten gemeinsamen Abend, dann trennen sich unsere Wege. Als Thomas und ich (ja, er auch! 🤩 ) am nächsten Morgen frühstücken, ist das Duo schon auf dem weiten Weg ins Sossusvlei. Gute Pad also, unser nächstes Ziel heißt Klein-Aus Vista.
Applegreen1'796 Beiträge · seit 201423. Apr. 2016 · #25
Hallo Bettina,
bis jetzt gleicht Eure Tour unserer im Februar 2015. Wir sind Sie nur anders herum gefahren.
Die Fish River Lodge ist traumhaft - nur schade, dass es Deinem Mann nicht gut ging. Die Tour in den Canyon ist ein Erlebnis - ich vermute Du hast vor dem Terror Pass abgebrochen, da wäre es noch mal ruppiger geworden 🤩
Ich kann Dich gut verstehen, wenn der Partner krank irgendwo wartet kann man die schönste Aktivität nicht genießen.... Ging mir dieses Jahr im Elephant Park ja sehr ähnlich 🙁
Vielen Dank für die fantastischen Bilder. Bin gespannt wie ihr Klein Aus Vista erlebt habt.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201623. Apr. 2016 · #26
Hi Sabine,
Applegreen schrieb:Ich vermute Du hast vor dem Terror Pass abgebrochen, da wäre es noch mal ruppiger geworden 🤩
Terror Pass?!?!! Au weia, ist der Name Programm? 😉 Nochmal ruppiger kann ich mir gar nicht vorstellen. 🙄 Wir sind ab der Stelle nicht mehr weiter runtergefahren, wo ich fotografiert habe, mit Blick auf den Fluss. Ich war echt durchgeschüttelt und hatte auch Kopfweh - was aber sicher vor allem den Umständen mit Thomas' Unwohlsein etc. geschuldet war. Außerdem - und das wird nun auch leider ein kleines Thema in den nächsten Kapiteln sein - bin ich gesundheitlich auch nicht komplett unfallfrei durchgekommen. Das waren dort wohl schon die Vorboten...
Applegreen schrieb:Vielen Dank für die fantastischen Bilder.
Vielen Dank für das Kompliment. Aber du weißt ja: Das Beste kommt zum Schluss 😉 😛
Applegreen1'796 Beiträge · seit 201423. Apr. 2016 · #27
Beatnick schrieb:Hi Sabine,
Applegreen schrieb:Ich vermute Du hast vor dem Terror Pass abgebrochen, da wäre es noch mal ruppiger geworden 🤩
Terror Pass?!?!! Au weia, ist der Name Programm? 😉 Nochmal ruppiger kann ich mir gar nicht vorstellen. 🙄
Hallo Bettina, ja der Name ist programm 🙂 In meinem RB vom Februar 2015 gibt's dazu ein Video...falls es dich interessiert, was da noch auf dich zugekommen wäre... 😎 LG Sabine
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201625. Apr. 2016 · #28
6. November: Eine Landschaft in Pastell
Nach dem (sehr guten) Frühstück brechen wir nach Klein-Aus Vista auf. Die 19 Kilometer auf der Rumpelpiste machen uns kaum etwas aus und kommen uns kürzer vor als auf dem Hinweg. Wir hatten ursprünglich in Erwägung gezogen, den weiteren, aber landschaftlich sicher schöneren Weg am Oranje entlang zu nehmen. Doch Thomas ist noch nicht hundertprozentig auf dem Damm und so fahren wir die rund 250 Kilometer möglichst direkt.
Wir haben - vor allem hier im Forum - schon viel gelesen über Klein-Aus Vista und das Eagle's Nest, wo wir zwei Nächte verbringen werden. Doch die Realität sieht wie immer ganz anders aus. Die einsame, weite Landschaft in den schönsten Pastelltönen begeistert uns komplett. Die Chalets sind an den Hang und zwischen mächtige Granitfelsen gebaut, die Teil der ebenso rustikalen wie liebevollen Innenarchitektur sind. Von der hinteren Terrasse haben wir Ausblick auf einen hoch gelegenen Adlerhorst - hier kann man es aushalten!
Die angedachte Kraxeltour hoch auf die Felsen kommt für Thomas noch zu früh, und so entscheiden wir uns für eine Farmrundfahrt, die ich absolut empfehlen kann. Nur zwei weitere Gäste aus Österreich sind mit an Bord, sie sind zum achten Mal in Namibia und bleiben diesmal sechs Monate. Uff, beneidenswert... 😮 Wir können uns kaum sattsehen an der Landschaft, allerdings ist auch hier die schon (zu) lange andauernde Dürre ein Thema.
Ein Sundowner mit grandiosem Ausblick macht unser Glück perfekt. Was für eine entspannte Tour! Die Österreicher, die eine ganze Woche im Eagle's Nest bleiben, wollen sie wiederholen.
Am Abend fahren wir zum Desert Horse Inn, wo unter anderem Rezeption und Restaurant untergebracht sind. Ein Fehler. Das Essen finden wir nicht besonders gut, es ist trubelig und das Restaurant voller Bustouristen. Wir sind froh, als wir nach der viertelstündigen Rückfahrt wieder in unserer Einöde sind. Am nächsten Abend wollen wir es besser machen. Aber vorher stehen Ausflüge nach Kolmannskuppe, Lüderitz und zu den Wildpferden auf dem Programm. Ein voller Tag - wir freuen uns drauf.
Hach, und wieder so schöne Bilder. Das Eagles Nest liebe ich auch sehr. Viiieeelen Dank für die tollen Aufnahmen und den wunderbaren Bericht.
6 Monate Urlaub, und dann solche Unterkünfte - diese Österreicher sind aber auch echt zu beneiden.
Viele Grüße Tanja
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201625. Apr. 2016 · #30
Hi Sabine und Tanja,
danke für die Blumen 😁
@Sabine: Hab' mir dein Video vom "Terror-Pass" jetzt mal angeschaut. Ich würde sagen: Da bin ich gerade nochmal davongekommen 😉 Da unten geschwommen wäre ich allerdings auch gern. Aber eben nicht alleine...
@Tanja: Erst gestern haben wir beim Blick aufs Hamburger Schneetreiben 😠 überlegt, wie wir die Reisezeiten weiter ausdehnen können. Uns fiel leider nur Lotto ein 🙁 Wird also nix werden...
vielen Dank für die interessanten und sehr schönen Aufnahmen vom Eagles Nest und Umgebung. Das weckt in der Tat ordentlich die Vorfreude. Wir haben uns dort auch für 2 Nächte einquartiert. Es macht Spaß mit Euch durch Namibia zu "fahren", auch wenn es mir um Deinen Thomas echt leid tut. Ich hoffe, es stellt sich bald Besserung ein.
LG, Mel
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201626. Apr. 2016 · #32
7. November: Eine Stadt versinkt im Sand
Auf diesen Ausflug haben wir uns sehr gefreut: Kolmannskuppe. Die etwas mehr als 100 Kilometer führen durch Sand, Sand und nochmal Sand, der bei starkem Wind trotz Teerstraße zum Problem für Autofahrer werden kann. Wir haben Glück. Die Sonne scheint, kein Sturm, kein Nebel und Thomas ist auch wieder richtig fit. Alles bestens.
Wir sind schon beim ersten Blick auf die Geisterstadt beeindruckt.
Diamanten machten den abgelegenen Ort einst zum reichsten Afrikas, heute versinkt er im Sand. Wie langes es wohl dauern wird, bis er die Ruinen komplett verschluckt hat? Und wie hat es sich hier gelebt? Die Vision gelingt auch dank der launigen Führung, die wir in Englisch wählen, überraschend gut. Die deutschsprachige Gruppe platzte aus allen Nähten.
Vieles ist mir hängengeblieben. Die typisch deutschen, im namibischen Sand so deplatziert wirkenden Altbauten. Das überraschend große Krankenhaus mit dem ersten Röntgengerät Afrikas, das verschluckte Edelsteine aufspürte. Das Theater, die Kegelbahn, das ausgeklügelte Kühlsystem - alles Geschichte und Geschichten, deren Spuren der Sand unaufhaltsam verwischt.
Nach der Führung lassen wir uns viel Zeit bei der Erkundung des Geländes. Wir finden alles spannend, krabbeln in jedes Gebäude. Betreten auf eigene Gefahr. 😮 Schon bald, denken wir, wird auch das nicht mehr möglich sein.
Das Laufen im Sand strengt an, es ist heiß, wir gönnen uns im Cafe ein Kaltgetränk. Erstaunlich, wie kühl es hier drinnen dank der alten, dicken Mauern ist. Sie waren schon ganz schön schlau damals, diese Deutschen, finden auch unsere niederländischen Tischnachbarn. Sie haben sogar ihren eigenen Bau-Sand in die Wüste mitgebracht. 😛
Es ist schon früher Nachmittag, als wir nach Lüderitz weiterfahren. Die irgendwann etwas verzweifelte Suche nach einem Geldautomaten, der auch etwas ausspuckt, kostet ein bisschen Zeit.
Weiter auf der Halbinsel suchen und finden wir Flamingos, die karge Ödnis erinnert uns an die Mondlandschaft bei Swakopmund.
Am Diaz Point ist der Wind frisch und voller Salz; eine "steife Brise", würde man in Hamburg sagen. Ein gottverlassener, aber schon auch faszinierender Ort. Wir sind allein und fühlen uns auch so.
Auf dem Rückweg nach Klein-Aus Vista hat der Wind an vielen Stellen Sand auf die brandneue Fahrbahn geweht. Arbeiter fegen, kehren und schaufeln. Eine Sisyphosarbeit, aber anders geht es wahrscheinlich nicht.
Wir hoffen auf Wüstenpferde an der Wasserstelle - und tatsächlich sind welche da. Auch ihnen macht die Dürre sichtlich zu schaffen.
Zurück am Desert Horse Inn holen wir unser morgens bestelltes Braai-Paket ab. Thomas schmeißt auf der Terrasse den Grill an. Ich wusste schon, dass dieser Korb sehr reichlich ausfällt - doch das ist gar kein Ausdruck. Wir wären mit dem Inhalt drei Tage ausgekommen. Die richtige Strategie also: Am ersten Tag das Paket mitnehmen und mehrere Abende damit bestreiten.
Bei uns bleibt dummerweise nicht nur aus diesem Grund viel übrig. Mein Magen war seit Tagen angeschlagen, jetzt hat mich Montezumas Rache voll erwischt. Ich bin sauer. Gerade ist Thomas über den Berg und nun komme ich. Blöd. Ich schmolle und sehe Thomas beim Essen zu, der es sich richtig schmecken lässt. 😠
Ein wunderschöner Sonnenuntergang und die Erinnerung an einen grandiosen, ausgefüllten Tag söhnen mich einigermaßen aus. Doch ein wenig bleibt die bange Frage: Werde ich den Tok Tokkie Trail trotz allem gut schaffen? Schon morgen startet die Wanderung durch das Namib Rand Nature Reserve, in die wir hohe Erwartungen setzen.
Sadie1'835 Beiträge · seit 201527. Apr. 2016 · #33
Ach was seit ihr beide doch für ausgezeichnete Fotographen. Man könnte nur neidisch werden wir ihr es so leicht macht ein gutes Bild im halbdunkeln und Gegenlicht zu machen, alles schön ausgewogen und pleasing to the eye. Gut gemacht!
Klasse Fotos und ein sehr schöner Bericht. Schade das du jetzt auch noch gesundheitliche Probleme bekommst 🙁 Viel Glück das das mit dem Trail klappt! Lothar
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201627. Apr. 2016 · #36
8. November: Himmel über der Wüste
Die Nacht war erholsam, wenn auch ziemlich warm, und am nächsten Morgen hat sich mein Magen etwas beruhigt. Doch er bleibt spürbar in Kampflaune, und ich tue das, was ich in diesen Fällen immer tue: Ich esse nur noch das absolut Notwendigste. Wir haben viel Zeit für die nicht allzu weite Strecke zum NamibRand Reserve, wo wir uns mittags beim Tok Tokkie Farmhaus einfinden sollen. Auf der legendären D707, die wir tatsächlich schon beim Durchfahren spektakulär finden, legen wir mehrere Stopps ein.
Ich hatte hin und her geplant und mir den Kopf zerbrochen, um einen Aufenthalt in den Tirasbergen in unsere Tour einzubauen, habe mich am Ende aber für den Tok Tokkie und gegen die D707 entschieden. Alles geht eben nicht, und Thomas hatte großen Wert auf einen längeren Aufenthalt im Etosha gelegt, wo er seinen 50. Geburtstag unbedingt auf einem Safaritruck verbringen wollte. Ein Antrag, dem ich leichten Herzens stattgeben konnte. 😁 Bei unserer dritten Namibia-Reise, die bereits vollständig geplant ist, aber leider noch ohne absehbares Datum auskommen muss, wird die D707 dann aber eine zentrale Rolle spielen.
Wir gönnen uns den Schlenker zum Schloss Duwisib, das allerdings keinen tiefen Eindruck bei uns hinterlässt.
Gegen 14 Uhr erreichen wir das Farmhaus, werden herzlich empfangen und lernen bei Tee und Keksen (nicht für mich!) unsere Weggefährten kennen. Wir sind acht Gäste, unser Guide Sebastiaan gefällt uns mit seiner offenen, gelassenen Art sofort. Außer uns sind vier Schweizerinnen sowie ein Ehepaar aus England dabei. Wie groß die Herausforderung bei dieser Affenhitze wohl sein wird? Allen ist ein wenig mulmig - und mir im Magen sowieso.
Wir packen unser Gepäck um, nehmen nur das Notwendigste mit. Die Taschen werden mit einem Jeep zum jeweiligen Nachtlager gebracht, und auch wir werden um 16 Uhr per Auto zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Die Landschaft mit ihren orangenen Dünen und den schroffen Bergen ist grandios, der Fahrtwind tut gut, doch dann wird es ernst - wir marschieren los.
Es geht direkt eine steile Düne hinauf, mir bleibt in diesem Glutofen fast die Luft weg und meine Knie wackeln - eine Folge der Zwangsdiät.
Sebastiaan legt sehr viele Stopps ein, erklärt die Geschichte des privaten Naturschutzgebietes, das einst heruntergewirtschaftetes Farmgelände war. Wir lesen Tierspuren, entdecken Echsen und Tok-Tokkie-Käfer, sehen Antilopen und Zebras. Vor allem aber checkt unser cleverer Guide ganz nebenbei die Belastbarkeit der Gruppe. Mein Eindruck: Wir sind keine Hochleistungssportler, aber an Aktivitäten gewöhnt und werden alle durchhalten.
Ich bemühe mich, direkt in den Fußspuren von Sebastiaan zu laufen, was im rutschigen Sand viel ausmacht. Wir kommen auf diesem ungewohnten Terrain immer besser in Tritt, sind aber heilfroh, als wir nach knapp zwei Stunden unser erstes Lager erreicht haben. Schwer zu sagen, wie weit wir an diesem Nachmittag gegangen sind, sicher nur ein paar Kilometer. Doch das Thema bei diesem Trail wird nicht die Entfernung, sondern vor allem die Hitze sein. Soviel wissen wir schon jetzt.
Unser Nachtlager am Fuße des Horseshoe, eines hufeisenförmigen Berges, ist ein wahres Wüsten-Paradies und auf seine Weise Luxus pur. Es gibt Betten, eine Schlafrolle mit richtigem Bettzeug, eine Dusche, zwei Toiletten, eine Küche, einen "Speisesaal" - und all das Open Air. Es ist ein Traum!
Blick rüber ins "Esszimmer"...
...und in die "Suiten".
Das Essen, das unsere sympathische Köchin Agnes launig serviert, ist köstlich; leider muss ich weitgehend passen. Es ist eine lustige Runde, mit Laternen geht's schließlich aufs "Zimmer". Das Bett ist urgemütlich, die Nacht mild, die Kulisse unbezahlbar. Beim Sound der bellenden Geckos bin ich schon fast eingeschlafen, als ich mich noch einmal zu Thomas drehe. Er starrt nach oben, ist fasziniert vom funkelnden Nachthimmel und den vielen Sternschnuppen. "Du musst schlafen", sage ich, "wir müssen früh raus." "Ich kann nicht", antwortet er: "Guck dir das doch mal an. Es ist einfach zu schön."
Hallo Bettina, bin auch als "blinder Passagier" dabei. Weckt Erinnerungen an unsere Namibiareise 2007. Wir fuhren allerdings in umgekehrter Richtung ohne Etosha. Hatten auch in der damals nagelneuen Sossus Dune Lodge und Bagatelle genächtigt. Tolle Fotos, ein Genuß. Freue mich auf die Weiterfahrt, besonders auf Etosha. Liebe Grüße Isolde
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. Apr. 2016 · #38
Hallo Isolde,
dein Ticket hast du ja jetzt hochoffiziell gelöst und bist somit kein blinder Passagier mehr 😉
Wie schön, dass wir Erinnerungen wecken können, zur Sossus Dune Lodge kommen wir dann ja auch schon bald, war eine tolle Zeit! Auf die Nachbereitung Etosha freue ich mich aber auch ganz besonders...
Danke für dein Lob und bis später beim zweiten Teil Tok Tokkie, liebe Grüße, Bettina
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. Apr. 2016 · #39
9. November: Schatten verzweifelt gesucht
Am nächsten Morgen bringt der "Weckdienst" Tee und Kaffee ans Bett. Wir sind aber schon längst wach, wollen uns möglich wenig von diesem tollen Erlebnis und besonderen Lebensgefühl entgehen lassen. Der Morgen ist mild, das Aufstehen kein Problem, die Gruppe bester Stimmung und das Frühstück lecker. Meine Möglichkeiten sind in dieser Hinsicht allerdings weiterhin sehr eingeschränkt.
Katzenwäsche am Morgen.
Frühstück ist fertig!
Um sieben machen wir uns auf den Weg. "The earlier, the better", meint Sebastiaan. Wir werden den Horseshoe überqueren, was eigentlich eine überschaubare Herausforderung ist. Aber bei dieser Hitze?!?
Am Morgen läuft es sich noch angenehm, wir lesen wieder Spuren im Sand, nah am Berg war in der Nacht ein Leopard unterwegs. Statt durch Sand geht's jetzt über Geröll. Auf dem Bergrücken gibt's eine Pause mit Tee und Snacks.
Ab zehn Uhr ist es richtig heiß, zum Glück geht's jetzt bergab.
Wir durchqueren eine weite Ebene, unsere Gruppe zersplittert ein wenig, wir feuern uns gegenseitig an. Ich erreiche unser Mittagslager, ein großer Baldachin, was so ein bisschen Schatten doch ausmacht. Unter großem Hallo und Beifall kommt einer nach dem anderen ins Ziel, es warten Liegestühle, Kaltgetränke und ein fantastisches Lunchpaket, dem ich nicht widerstehen kann. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Mehrfach muss ich den kurzen, aber nun kochend heißen Weg zum Bretterverschlag nebst blitzsauberem WC hinter mich bringen. Das Holz knistert vor Hitze, zeigt verkohlte Stellen und kann sich wahrscheinlich jederzeit selbst entzünden. Ich überlege, ob ich es in meiner aktuellen Lebenssituation wohl rechtzeitig raus schaffen würde. 😐
Wir dehnen die Mittagspause auf vier Stunden aus, es ist zu heiß, um weiterzulaufen. Wir lesen, dösen, kühlen uns leidlich mit wasserdurchtränkten Tüchern, schlafen kann ich auf dem Deckchair nicht - ich fand diese Stühle schon immer unbequem. Ich rutsche unruhig hin und her, mein Stuhl zerbricht, Sebastiaan macht ihn wieder heile.
Um 16 Uhr packen wir zusammen, es geht weiter, wir hangeln uns von Schatten zu Schatten unter den wenigen Bäumen. Wir laufen über Dünen, erahnen in der Ferne die Dächer von Wolwedans, orakeln über die Feenkreise.
Doch wo nur ist unser zweites Camp? Dann endlich, noch eine weitere Düne, und plötzlich ist es da. Mitsamt Agnes, einer Bar und kühlen Getränken. Wir jubeln, feuern die Nachhut an, suchen uns ein Plätzchen im Schatten und sind alle gemeinsam stolz, froh und glücklich.
Nach der ebenso verdienten wie wohltuenden Eimerdusche tischt Agnes wieder mächtig auf.
Hinten im Bretterverschlag die Eimerdusche mit Fernblick - was für ein Segen!
Sebastiaan erzählt uns voller Stolz von seinem Sohn, der in der vergangenen Nacht zur Welt gekommen ist. Wir freuen uns mit ihm, gratulieren herzlich, in zwei Wochen wird er seinen Filius das erste Mal sehen, wenn er heim nach Windhoek fährt. Noch eine Tour nach uns, dann macht Tok Tokkie erst einmal Pause. Es werde zu heiß für den Trail, meint Sebastiaan. Ach was. Darauf wären wir nun echt nicht gekommen. 😛
Netti59847 Beiträge · seit 201529. Apr. 2016 · #40
Wow Bettina,
was für Eindrücke vom Tok Tokkie Trail. Traumhaft schöne Landschaft. Hoffe du hast dein Magen-Darm-Gedöns bald im Griff und es geht ohne weitere gesundheitliche Probleme weiter. Das braucht wirklich niemand.
Was gibt es schöneres, wenn "Mann" nicht einschlafen kann, weil er sich nicht sattsehen kann. Klasse 🙂