Unsere erste Reise durch Namibia

Reisebericht 54 Antworten · 13,1k Aufrufe · gestartet 16. Juli 2015 von zeitungsleser
Themenstarter65 Beiträge · seit 201529. Juli 2015 · #41
Tag 15

Unser Vorhaben, den Park bereits gegen 7 Uhr zu verlassen, scheitert. Wir schlafen etwas länger, genießen das wirklich gute Frühstück (gebratene Würste mit Koriander sind der Hammer!) und machen uns gegen 8:30 Uhr in die Spur.
Wir ahnen noch nicht, was uns am Ende des Tages erwartet. Dies wird wieder Probleme bringen.
Unser Tag führt uns zunächst quer durch den Nationalpark, wir fahren viele Wasserlöcher an und kontrollieren, ob die im Park lebenden Tiere auch ihren Dienstplan einhalten und rund um die Uhr die Wasserlöcher zur Touristenerfreuung besetzen. Und irgendwie finden sich tatsächlich an jedem Wasserloch (manche, die auf unserer Karte eingezeichnet sind, sind jedoch trocken, ursprünglich gabs hier 40 natürliche, von denen nur noch 13 existieren, die anderen jetzt noch vorhandenen werden durch Bohrungen gespeist) die jeweils Diensthabenden ein, manchmal jedoch nur in Wochenendnotbesetzung. Klar, es ist Sonntag, dafür haben wir Verständnis. Schließlich läuft bei RTL „Beate und Irene auf Reisen – das hat die Welt noch nicht gesehen“ und auch die Tiere wollen sich an den beiden wahnsinnig wunderlichen wabbligen westdeutschen Weltenbummlerinnen (Vera ter Veen wäre stolz auf diesen Stabreim) erfreuen. Vielleicht tauchen die ja demnächst hier in Namibia auf und da können die Etosha-Tiere die beiden dann schon mit Namen begrüßen.

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Auch heute begegnen uns viele Tiere, manche sehr, sehr nahe am Auto, fast in Reichweite.
Von den „Big Five“ haben wir bislang leider nur Löwen und Elefanten gesehen. Wir trösten uns: Man kann nicht alles (auf einmal) haben. Als wir vor plötzlich am Straßenrand mehrere Autos halten sehen, gesellen wir uns dazu und suchen den Horizont mit dem Fernglas ab. Ich bin mir sicher, ein einzelnes Nashorn am Waldrand gesehen zu haben und wir drehen um, um auf einem in diese Richtung führenden Weg näher an das Tier zu kommen. Wir befahren eine schreckliche Schotterpiste ca. 6 km, ehe wir uns entschließen, doch wieder umzukehren, weil wir Rhino längst gesehen haben müssten. Offenbar führte der Weg doch etwas vorbei.
Auf der Rückfahrt zur Hauptstraße nehme ich rechterhand plötzlich wieder diesen hellen Fleck (fast weißen) wahr und wir halten an. Er erweist sich als ein großer Elefant (offenbar ein Bulle), ist jedoch so weit entfernt, dass wir nichts Näheres in Erfahrung bringen.

Auf der Hauptstraße fahren wir weiter in Richtung HALALI. Klingt lustig und für unsere Ohren vertraut. Und tatsächlich: Dieser Ort wurde nach dem Jagdende benannt, er soll bedeuten, dass hier das Jagen vorbei ist und nunmehr der Nationalpark den Tieren einen weitestgehend von Menschenhand unveränderten Lebensraum bieten soll. Unverändert ist jedoch relativ, denn der bestehende Zaun führt trotz der Größe des Parks zu ungewollten und manchmal sehr weitreichenden Veränderungen im Ökosystem. Und zum Beispiel sind die von allen Besuchern so geliebten Elefanten durchaus eine gewisse Bedrohung für die hiesige Pflanzenwelt. An dieser Stelle möchte ich unbedingt auf das 2009 erschienene Buch „Verjagt … verweht … vergessen … Die Hai//om und das Etoschagebiet“ (von Reinhard Friederich / Horst Lempp) verweisen. Wir haben es uns hier gekauft (stolze 383 N$, aber jeden N$ wert, deutsch, 458 Seiten, viele Bilder und Fotos, einfach faszinierend) und streiten uns ständig, wer es lesen darf. Es gibt einen unglaublich guten Einblick in das (ehemalige) Leben der Hai//om im und um das Etoschagebiet. Außerdem wird hier die Pflanzen- und Tierwelt hervorragend beschrieben und bebildert und tolle Kolonialzeitgeschichten gibt’s darin auch zu lesen. Informativ und unterhaltsam zugleich – KAUFEMPFEHLUNG!
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(Dafür krieg ich keine Provision)

Unsere Fahrt führt uns weiter nach Goas. Laut der Eintragungen auf unserer Parkkarte sollen hier Elefanten zum täglichen Umtrunk anzutreffen sein. Schon vor Erreichen dieses Wasserloches nehmen wir in Form von unsagbar vielen frischen, fast noch dampfenden Elefantenknödeln, die sich jedoch auch sonst überall im Park befinden, wahr, dass hier viele Elefanten auf der täglichen Durchreise sind. Und schon von Weitem sehen wir eine große Elefantenherde.
Wir steuern den Halteplatz an und sind fasziniert. Vor uns steht eine 26 Elefanten große Herde, die ihren Durst am Wasserloch stillt. Ein fantastischer Anblick, der noch dadurch erhöht wird, dass außerdem Giraffen, Springböcke, Zebras, Oryx, jede Menge Vögel und möglicherweise weitere von uns nicht wahrgenommene Etosha-Bewohner saufen. Und plötzlich nähert sich eine weitere Rüsseltierherde, bei der ich mindestens 15 Tiere zähle. Insgesamt befinden sich nun sage und schreibe mindestens 41 große und kleine Benjamin Blümchens (es können durchaus noch paar mehr gewesen sein, die sind ja ständig in Bewegung und da kann man sich ja auch verzählen) am Wasserloch. Wir genießen den Anblick (mindestens 3 ganz winzige Elis sind dabei, die sich ganz schön tapsig benehmen) und fotografieren quasi mit Dauerauslöser. 197 Fotos werden es, wie wir beim späteren abendlichen Anschauen feststellen.
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Plötzlich setzt sich die Herde in Bewegung und will ins Unterholz. Unser Auto steht möglicherweise im Weg. Die Rüssler kommen direkt auf uns zu.
Noch ists unterhaltsam, allerdings verlassen wir schlagartig unsere Sitzplätze, die wir beiderseits links und rechts des Schiebedachs eingenommen haben, als sich die Herde bis auf weniger als 5 m (!) nähert. Wir schließen eiligst die Fenster und das Schiebedach und hoffen, dass die grauen Riesen gut gelaunt sind und uns nicht als Störenfriede betrachten. Die Leitkuh (erkennbar am Sender, den sie um den Hals trägt) hat sich unserem Auto inzwischen bis auf Rüsselgreifentfernung (weniger als 30 cm, wirklich!) genähert.
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Mir wird ganz anders und ich hoffe, heil aus dieser Situation rauszukommen. Direkt neben bzw. hinter dem Auto trollen sich die anderen Elefanten von dannen. Wir haben etwas Fantastisches live gesehen und tolle Fotos gemacht.

Unsere Reise führt weiter Richtung Osten (Lindquist-Gate) und hier und da sehen wir noch was Lebendiges in Etosha rumhopsen. Allerdings ist das Elefantenerlebnis nicht mehr zu toppen. Auch nicht durch einen einzelnen, unglaublich großen Bullen, den wir noch in einiger Entfernung von der Straße aus sehen und der G.`s Fotokünsten ne Menge abverlangt.

Um 17:35 Uhr müssen wir raus sein und ich würde gern noch das Fort und das Museum in Namutoni sehen. Ich drücke auf die Tube und wir kommen noch so an, dass das Besichtigen des Museums (letztlich verzichtbar) und des ehemaligen Forts (ebenfalls verzichtbar, allerdings hat man vom Turm einen schönen Ausblick) möglich ist.
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Um 17:15 Uhr fahren wir auf das Lindquist-Gate zu.
Das war also Etosha. Schön – finden wir beide.

Unser Fahrzeug muss noch wie alle anderen, die den Etosha-Park verlassen, von möglichen Krankheitsüberträgern befreit bzw. desinfiziert werden. Der Mann mit dem Desinfektionsmittel wartet bereits, fängt mit seiner Arbeit an und ich zeige die Papiere, die zum Verlassen des Parks notwendig sind im Wächterhäuschen.
Ich will gerade ins Auto einsteigen, als er mir mitteilt, dass am Auto vorn links ein Plattfuß ist. Ich glaube an einen Scherz, schließlich habe ich beim Fahren nichts bemerkt. Aber er hat recht. An der Flüssigkeit, die er auf jeden Reifen aufgetragen hat, bilden sich an einer Stelle, aus der so etwas wie eine Stecknadelkuppe ragt, Bläschen.
So eine Scheiße, denke ich.
Zum zweiten Mal innerhalb von nur 5 Tagen! Da wird sich HERTZ aber freuen. Ich habe eine Reifenversicherung ohne Selbstbeteiligung gebucht – was bin ich clever! Trotzdem ist meine gute Laune äußerst überschaubar. HERTZ wird’s weniger freuen. Aber das ist mir grad sowas von wurscht … das kann sich keiner vorstellen.
Wieder müssen wir dieses vierrädrige Mistvieh aufbocken, wieder ein Ersatzrad aufziehen.
Und als wir bemerken, dass es nur eine „Bemme“ (eigentlich nennt man im Sächsischen so ein Butterbrot, abwertend wird es jedoch auch für einen abgefahrenen Reifen oder wie hier für ein temporär verwendbares Ersatzrad gebraucht) ist, sind wir gleich doppelt bedient.
Es geht dennoch schnell (man entwickelt ja in Namibia eine gewisse Übung im regelmäßigen Radwechsel), wir fahren anschließend langsam zu unserer MOKUTI-Lodge und wissen, dass wieder ein Telefonat mit HERTZ folgen muss.
Wir werden herzlich empfangen und sehen in der 20jährigen Praktikantin Frederike (deutsche Mutter) unsere Chance, was das HERTZ-Telefonat angeht. Da Sonntag ist, erreicht Frederike keinen, aber wir genießen jetzt unser Diner (Lamm, köstlich gegrilltes Kudu-Steak und fantastische Würste mit Koriandergeschmack, herrliche Dips und Soßen und auch sonst kulinarisch für Leib und Seele alles zu 100% im Einklang).
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Unsere Empfehlung für diese Lodge!
HERTZ kann uns mal! Wir haben Urlaub!

Übrigens: Hätte die kleine G. nicht beim Einfahren 8 (!) Löwen auf einmal gesehen, dann wäre es wohl nichts damit geworden. Leider blieb es ein einmaliges Erlebnis, weitere Löwen haben sich erfolgreich vor uns getarnt.
zuletzt bearbeitet 06. Aug. 2015
Themenstarter65 Beiträge · seit 201529. Juli 2015 · #42
Tag 16

Gegen 7:15 Uhr stehen wir auf, unser Zimmer wird vom Morgenlicht erhellt. Auf den lodgeeigenen Wiesen tummeln sich handzahme Antilopen – ein schöner Anblick.
Das Frühstück ist hervorragend und wir würden für diese Lodge mindestens 4* vergeben. Swimmingpool, Fitness-Raum und diverse andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Erholung sind hier nutzbar.
Frederike hat noch keinen erreicht, probierts in meiner Gegenwart noch einmal und HERTZ geht ans Telefon. Eigentlich alles relativ unproblematisch, HERTZ hat in der nächsten größeren Ansiedlung (Tsumeb, ca. 100 km entfernt, für namibische Verhältnisse ein Katzensprung) einen Vertragspartner. Lediglich die bevorstehende Fahrt von immerhin fast 100 km mit der „Bemme“ und bei max. 80 km/h geben uns zu denken.
Dennoch: Uns bleibt nichts anderes übrig, wir starten. Vor uns liegen heute mehr als 420 km. Glücklicherweise vorwiegend auf Asphalt.

Die Fahrt verläuft erfreulicherweise ohne Zwischenfälle, wir erreichen Tsumeb und nach einigem Hin und Her (unsere Reifengröße ist nicht verfügbar, man muss sie bei anderen Händlern – es gibt mehrere hier im Ort – erwerben) gelingt es der HERTZ-Partnerwerkstatt, unser Reifenproblem zu lösen.
Den eingefahrenen 6 cm langen Dorn (corpus delicti) lassen wir uns aushändigen, er wird in unserem Fotoalbum Erwähnung finden, dieses dumme Teil!
Die 90 min, die man in der Werkstatt benötigt, nutzen wir für eine kleine Exkursion in die örtliche Einkaufsmeile. Dort schlendern wir durch Geschäfte und kaufen BILTONG (bislang den preisgünstigsten, den ich hier sah).
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Fasziniert sind wir übrigens von den namibischen Supermärkten, die sich eigentlich durch nichts vom europäischen Standard unterscheiden. Im Gegenteil: An der Kasse arbeiten oft hübschere und freundlichere Kassiererinnen und man bekommt seine Einkäufe auch noch unaufgefordert eingepackt. Es macht Spaß, hier einzukaufen oder einfach nur das Warenangebot in Augenschein zu nehmen. Brot ist bspw. extrem günstig, für 500g Weißbrot zahlen wir 6,99 N$ (ca. 0,52 €).

Unsere Fahrt setzt sich nach Pannenbehebung fort (2041 N$ kostet der Spaß, Rechnung geht direkt an HERTZ), wir steuern CAMP WATERBERG an.
Unterwegs kommen wir an einer namibischen Goldmine (ihr Name: B 2) vorbei.
Eine gute Gelegenheit, unsere Urlaubskasse aufzufüllen. Spontan fragen wir den dortigen Wachhabenden, ob man den Betrieb besichtigen kann. Prinzipiell ja, allerdings nur in Gruppen und nach Voranmeldung. Das mit der Gruppe würden wir ja noch hinkriegen (schließlich reisen wir zu zweit), aber es scheitert an der fehlenden Voranmeldung. Wir überlegen, wie wohl Egon Olsen das Problem gelöst hätte aber leider fällt uns nichts ein. Und so machen wir lediglich 3 Fotos und begeben uns dann wieder auf die B 1 Richtung Otjiwarongo.
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Überall am Straßenrand sehen wir Pumbas Schwestern (oft mit Nachwuchs, 2-3 Ferkel) und es gelingt uns endlich, noch paar schöne Warzenschweinfotos (von vorn, mit schönen Stoßzähnen, die man auch Gewehre nennt) zu schießen.
Der Tag neigt sich seinem Ende und quasi mit Sonnenuntergang erreichen wir das RESTCAMP WATERBERG. Wir erfahren, dass der Eintritt hier ebenso viel kostet wie im ETOSHA-PARK (pro Tag 80 N$ p.P. zzgl. 10 N$ pro Tag fürs Auto) und müssen dies hinnehmen. Vor den herumlaufenden Pavianen warnt man uns ausdrücklich.

Unsere Unterkunft ist für 4 Personen ausgelegt (2 Schlafzimmer, 2 Bäder), ein geräumiges Häuschen mit großem Aufenthaltsraum, Wasserkocher und Geschirr.
Wir legen unsere Sachen ab und begeben uns in Richtung Restaurant. Früher war dieses Restaurant hier die deutsche Polizeistation (extrem geräumig), wie die sehenswerten historischen Fotos an den Wänden (ca. 50 Stück, großformatig) Auskunft geben.
Beide haben wir echten Bierdurst. Und namibisches Bier schmeckt richtig gut! In der Bierstube (vielleicht sitze ich ja grad auf dem Platz des ehemaligen Polizeipräsidenten) schauen wir uns mit Hilfe unseres Laptops die Fotos der letzten beiden Tage an, löschen die weniger gelungenen, trinken paar Bierchen, lernen südafrikanische Touristen kennen, die uns nach unserem Himba-Erlebnis ausfragen und lassen die heutigen 420 km sanft ausklingen …
Schade, dass sich unser Urlaub unwiderruflich dem Ende zuneigt.
Für morgen haben wir noch keinen Plan. Warum auch? Schließlich haben wir noch paar Tage frei …
Im Bett liegend beginnt wieder der Streit, wer „Verjagt … verweht … vergessen ...“ weiterlesen darf.
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Ich unterliege, muss warten, bis G. eingeschlafen ist und schnarcht, danach darf ich.
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2015
1'667 Beiträge · seit 201129. Juli 2015 · #43
zeitungsleser schrieb:
Wenige Minuten zuvor haben wir große wilde Affen auf den Felsen herum klettern sehen. Ich beobachte die Umgebung und sehe am Fluss in ca. 300 m Entfernung einen außerordentlich großen Gorilla auf- und abspringen. Dieses Motiv will ich mir nicht entgehen lassen und ich behalte meine Beobachtung für mich.
Und es kann doch nicht so schwer sein, hier in Afrika mal solch einen verdammten Löwen zu finden … die kleine G. ist schon ganz hibbelig.
wer braucht schon Löwen, wenn er Gorillas sieht. Andere zahlen dafür 600,00 $ in Uganda 🙂

Hummeldumm ist geradezu langweilig dagegen 😉
Botswana 2016 Sambia 2016 Zimbabwe 2016 KwazuluNatal 2015 KTP-Namibia-Kapstadt 2013 Zimbabwe 2012 Noch keiner hat am Ende gesagt "Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen"
Themenstarter65 Beiträge · seit 201529. Juli 2015 · #44
Tag 17

Nach dem Aufwachen überlegen wir, wie wir den heutigen Tag gestalten wollen. Die hier angebotenen regionalen Ausflüge empfinden wir mit 450 N$ als überteuert, wir sind uns einig, das hiesige Gebiet rund um das riesige WATERBERGMASSIV auf eigene Faust erkunden zu wollen. Mehrere Wanderwege stehen zu Auswahl, allerdings unterscheiden sich unsere Wanderinteressen (sofern man bei mir von Interesse fürs Wandern reden kann) erheblich.
Wir ziehen einfach los. An einer Wanderweggabelung entscheiden wir uns spontan, nach oben zu steigen. Vor uns läuft eine deutsche Familie, diese haben einen namibischen Guide engagiert, der sich jedoch lieber mit uns unterhält, weil seine Gruppe zu schrill ist und auch zu wenig Respekt vor der Natur hat.
Wir laufen immer weiter nach oben. Der Weg ist plötzlich kein Weg mehr, nur noch große Steine (wahre Felsenkinder), die bergan führen, liegen vor uns. Hin und wieder sind mit weißer Farbe Füße auf eben jene Felsenkinder gemalt, sie signalisieren dem wanderwütigen Touristen den Weg nach oben. Der Aufstieg ist wirklich steil, wir müssen aufpassen, nicht daneben zu treten, das könnte böse Folgen haben, wenn man unglücklich auftritt und sich dabei den Fuß verknackst (dummerweise wird dies G. in einigen Minuten beim Abstieg passieren).
Wir fangen an zu schwitzen, sind aber mit unserer Kondition nicht unzufrieden. Die anderen machen aller paar Minuten Pause, wir laufen stetig nach oben. Auf dem Gipfel angekommen, bietet sich ein wunderschönes Panorama.
Wir kommen mit dem Guide ins Gespräch, er erzählt uns, wie groß dieses WATERBERGMASSIV ist, weist uns in das sich vor uns erstreckende Gebiet ein und wir lauschen seinen Geschichten. Die Gruppe, die ihn gebucht hat, steht etwas unbeholfen in einiger Entfernung. Wenige Meter unter uns sind 1975 zwei österreichische Bergsteiger ums Leben gekommen (so ganz ungefährlich ist die Strecke also nicht), eine Gedenktafel ist am Felsen angebracht von der zweiten sieht man nur noch die 4 Löcher, wo sie einst befestigt war.
Nach ca. 20 min Aufenthalt auf dem Plateau (wir fotografieren in einer Entfernung von ca. 30 m Luftlinie eine Pavian-Affenherde auf einem anderen Felsen) steigen wir wieder ab.
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Dies ist anstrengender als der Aufstieg, denn es staucht ganz schön. Wir durchqueren den Wald, sehen Klippschliefer, viele Vögel und auch einige Paviane. In unserer Unterkunft angekommen, machen wir uns kurz frisch und fahren zum deutschen Friedhof (letzte Beerdigung 1929), der sich ca. 3 km unterhalb unserer Unterkunft befindet. Auf dem Weg dorthin müssen wir jedoch feststellen, dass er für unseren Pfützenhubber unpassierbar ist. Wir könnten aufsitzen und in Anbetracht der Probleme, die wir schon hatten, brechen wir das Unternehmen ab.
G. will trotz ihres verstauchten Fußes (noch ists nicht ganz so schlimm, aber am Abend werden die Fußschmerzen unerträglich) allein durch den Wald hoch zu unserer Unterkunft laufen. Ich fahre mit dem Auto, werde den Rot-Kreuz-Suchdienst beauftragen, wenn sie nach 2 Std. nicht oben ankommt.
Der Nachmittag gestaltet sich unspektakulär, nach G.`s Eintreffen ruhen wir ein wenig. G.`s Fuß schwillt kontinuierlich an. Sie setzt sich mit kalten Umschlägen vor die Tür, betrachtet ihre Fotos und muss dauernd die frechen und aufdringlichen Paviane, die ständig hier herum stromern und extrem aggressiv sind, verjagen.
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Kurz besuchen wir noch einen Löwen mit schöner Mähne und stolzer Haltung (sein Revier ist das Foyer des Camps) und machen paar Fotos zur Erinnerung.
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Kurz vor Sonnenuntergang nehme ich noch einmal die Besichtigung des deutschen Friedhofs in Angriff.
Auf ihm ruhen bis vier Ausnahmen gefallene deutsche Soldaten, die hier bei der Schlacht um Waterberg (1904) ums Leben gekommen sind. Der Friedhof sieht sehr gepflegt aus, auf allen Grabsteinen (es dürften um die 50 sein) wurden die Namen der Toten mit schwarzer Farbe erneuert, auf den Gräbern liegen große rote Steine, wie sie für die hiesige Region typisch sind. Die namibische Kriegsgräberfürsorge kümmert sich vorbildlich. Ich trage mich in das am Eingang liegende Buch ein und verlassen den Friedhof nach ca. 20 min wieder. Derart historische Stätten finden weltweit mein Interesse.

Den Abend lassen wir bei namibischer Braukunst ausklingen. 0,5 l kosten hier 25 N$, bei 0,3 l sinds 18 N$, woanders ists sogar noch günstiger.
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2015
Themenstarter65 Beiträge · seit 201530. Juli 2015 · #45
Tag 18

Gegen 4 Uhr in der Früh werden wir unsanft geweckt. Jemand klinkt und rüttelt an unserer Tür und klopft an die überaus große Fensterscheibe, die einem Schaufenster gleicht. Ich laufe vorsichtig aus dem Schlafzimmer und schaue Richtung Fenster. Direkt davor sitzt der Chef der Pavianbande und will sich die auf dem Fensterbrett (innen) liegenden Orangen, Kekse und Bananen klauen (die hatte ich bewusst als Lockmittel ausgelegt, um ein schönes Fotomotiv zu kriegen; allerdings rechnete ich nicht damit, dass die Bande um diese Uhrzeit kommt).
Ätsch, die kriegst du nicht!
Als er mich erblickt, ergreift er die Flucht (okay, ich bin noch unrasiert), mit ihm flüchtet die ganze Bande von 10 Affen.
Unsere Koffer sind schnell gepackt, auch das Frühstück geht schnell und wir brechen zu unserer vorletzten Tour auf. Heute geht’s zu MIDGARD COUNTRY ESTATE (ca. 85 km nordöstlich von Windhoek). Die Fahrt auf der Asphaltstraße verläuft reibungslos, ein bisschen Wehmut breitet sich bereits jetzt aus, denn nach dieser Station geht’s nach Windhoek, von da in Kürze wieder heim.
Doch auf der D 2102, die direkt zu MIDGARD führt, glauben wir unseren Augen nicht zu trauen. Um genau 13:30 Uhr springt vor uns entlang der Straße und in einer Entfernung von weniger als 20 m ein Leopard. Er rennt weg, schaut sich mehrmals nach uns um und läuft dennoch auf der Straße statt in die von uns nicht einsehbaren Grasbüschel zu springen. Nach ca. 50 m tut er es dann doch, leider gelingt uns nur ein Bild seines Hinterkörpers, ehe er dann im hohen Gras verschwindet, nicht ohne sich noch einmal umzudrehen.
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Nun wären es also schon 3 der BIG FIVE. Nicht schlecht!

Man erwartet uns bereits und wir werden mit Namen begrüßt. Offenbar sind wir heute die einzigen Gäste. Das stimmt uns nicht zwingend optimistisch, denn es könnte ein Zeichen dafür sein, dass uns Kritikwürdiges erwartet.
Unser Zimmer (im ersten Stock) ist jedoch eine Wucht! Ca. 40 qm groß, Klimaanlage ist clever in der Mitte der Decke angebracht (erlebt man nicht allzu oft), Bad zusätzlich, außerdem ein knapp 20 qm großer Balkon und eine schöne Aussicht auf die Anlage.
Toll, so soll es sein!
Unterhalb des Balkons befinden sich gerade ca. 15 Mitarbeiter dieser Hotelanlage offenbar in einer Arbeitsbesprechung und irgendwie muss ich gerade daran denken, dass der ehemalige Bundespräsident Lübke seit seiner Reise nach Liberia 1962 ja mit dem Ausspruch „Sehr geehrte Damen und Herren, meine lieben Neger“ in Verbindung gebracht wird. Vielleicht stand er ja damals auch auf einem Balkon …
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Ich freue mich jedenfalls, dass das Internet hier endlich einmal funktioniert (auch in akzeptabler Geschwindigkeit) und erledige meine Post.

Nach einer Stunde erkunden wir das weitläufige Areal und ich werde den Verdacht nicht los, dass Hans-Dietrich Genscher gerade hier gewesen sein muss.
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Innerhalb der Hotelanlage befinden sich u.a. eine Hafenbar (!) und ein Automuseum, in dem u.a. zwei TRABANT P 601 stehen. Und ich muss mich nach 25 Jahren mal wieder in einen setzen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei …



Das abendliche Buffet ist großartig. Selten habe ich solch eine tolle Kürbissuppe gegessen. Und alles Andere passt auch. Bestnote von uns.
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2015
Themenstarter65 Beiträge · seit 201530. Juli 2015 · #46
Leider ist in den Schacht meines Laptops ein kleines Steinchen geraten, das sich nicht entfernen lässt. Neue Bilder sind deshalb erst nach unserer Rückkehr möglich, weil sich die Speicherkarte nicht einschieben lässt. 🙁
57 Beiträge · seit 201530. Juli 2015 · #47
Hallo Zeitungsleser

ich habe mich gerade durch euren Reisebericht durchgelesen und sooo oft schmunzeln und lachen müssen, ganz toll geschrieben mit der dazugehörigen Prise Humor - einfach wunderbar!

Viel Spaß noch!
847 Beiträge · seit 201530. Juli 2015 · #48
zeitungsleser schrieb:Leider ist in den Schacht meines Laptops ein kleines Steinchen geraten, das sich nicht entfernen lässt. Neue Bilder sind deshalb erst nach unserer Rückkehr möglich, weil sich die Speicherkarte nicht einschieben lässt. 🙁
SCHAADEEEEEE, aber ich gedulde mich gerne. Toller Bericht !!!!
Jeder Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag 21 Tage Dauergrinsen im Caprivi? - Namibia August 2019 24 Tage Dauergrinsen - Namibia August 2017 Roadbook 2017 & 2019
Themenstarter65 Beiträge · seit 201530. Juli 2015 · #49
Tag 19

Der letzte Tag mit dem Mietwagen beginnt. Bis 12 Uhr muss er bei HERTZ in Windhoek sein.
Die Fahrt verläuft ohne Probleme, zum letzten Mal genießen wir die Fahrt auf der Holperpiste und freuen uns, das Eintrittsgeld für die Berg- und Talbahn auf dem Rummel zu sparen.
Kurz vor Windhoek finden wir am Straßenrand einen prächtigen Oryx-Schädel, aus dem die beiden Hörner (ausgesprochene Prachtstücke) ragen. Wir machen Fotos und stellen fest, dass sich die Hörner ganz leicht vom Knochen ziehen lassen. Was für Prachtstücke! Wenn wir die als Andenken mitnehmen könnten, das wäre wohl sowas wie ein krönender Höhepunkt unserer Reise. Aber wir wissen es noch nicht …
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Wir erreichen gegen 11 Uhr unser Hotel UTOPIA BOUTIQUE in Windhoek und sind froh, dass unser Zimmer schon bezugsbereit ist, weil wir so das Auto leer packen und die Koffer in unserem Zimmer lagern können. Das Zimmer ist einfach und sauber, die Hotelanlage sehr überschaubar.
Gegen 11:45 Uhr treffen wir bei HERTZ ein und unser Auto wird überprüft. Die Formalitäten erledigen sich zügig (der gleiche Mitarbeiter, der es uns vor 3 Wochen übergeben hat, nimmt es wieder in Empfang und freut sich, dass wir und das Auto wieder heil auf dem HERTZ-Hof stehen (wahrscheinlich freut er sich sogar mehr, dass alles mit dem Auto i.O. Ist). Unsere erste Namibia-Autofahrt ist nunmehr bereits Geschichte. Schade … trotz all der Pannen!

Wir laufen die Straßen Windhoeks entlang und beschließen, das auf dem Hügel befindliche Nationalmuseum zu besichtigen. Vorher gehen wir in die ebenfalls auf dem Hügel befindliche Kirche, jedoch nicht um zu beten sondern um einen Kassensturz zu machen. Eine Kirche eignet sich dafür gut, hier wird uns wohl keiner beim Geld zählen beobachten und ggf. überfallen, wenn wir in den Kirchenbänken sitzen. Mit dem Verlassen des Gotteshauses werfen wir unser einzelnes Geld in die Spendenbox. Ein Kinderfest steht demnächst hier an, da lassen sich prima Lutscher dafür kaufen.
Zum Museum: Es kostet keinen Eintritt und mit dem Außenfahrstuhl fahren wir bis in die 5. Etage. Herrlicher Ausblick auf Windhoek, können wir nur wärmstens empfehlen (schon allein deshalb!). Das Museum übrigens auch.
Es ist in 3 Etagen untergliedert und behandelt die koloniale Zeit, die Zeit der nationalen Befreiungsbewegung mit der folgenden Unabhängigkeit und als drittes die Gegenwart. Letzteres ist für uns nicht so spannend, die beiden vorigen Ausstellungsräume finden wir gut gemacht.

Wir laufen abwärts und machen Halt am GOETHE-Zentrum. Dies befindet sich nur wenige Meter unterhalb der Kirche. Hier kann man u.a. Deutsch lernen. Der Widerspruch an sich ist, dass hier ein Bayer tätig ist. Aber vielleicht befindet der sich ja grad in der Lernphase.
Den Lesesaal kann man unangemeldet nutzen, wir setzen uns (neben 5 wissbegierige namibische Kinder, ca. 9 bis 13 Jahre alt) und schmökern in Büchern, die sich mit Namibia befassen. G. liest etwas über das ursprüngliche Windhoek und das alltägliche Leben in Katutura. Ich lese etwas zur Kolonialgeschichte (Hans-Dietrich Molzio: Das waren noch Zeiten) und bin mir sicher, daheim günstige Onlineangebote diesbezüglich zu ersteigern, um mich fortführend damit zu befassen. Wenn man irgendwo war, entwickelt man zu dem, was man dann liest, einen ganz anderen Bezug.
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Wir machen noch einmal kurz dort halt, wo an einer breiten Straßenseite namibische Souvenirs angeboten werden und diesmal kaufen wir bei den dort sitzenden Himba-Frauen für G. 3 wirklich schöne Armbänder für zus. 150 N$. Ursprünglich wollten sie dafür 300 N$ haben, für o.g. 150 N$ springen noch paar männerfreundliche Fotos beim Anlegen der Bänder durch eine Himmmmmba-Frau (mindestens E, deshalb 5xm) raus. Im Himba-Dorf waren die Armbänder deutlich teurer, dort war man nicht bereit, unter 100 N$ pro Stück zu gehen.

Gegen 15 Uhr ziehen wir weiter, tingeln durch paar Geschäfte und kehren in die Gaststätte „la Marmite“ (30 Meter unterhalb vom Zoo) wieder ein, die bereits an unserem ersten Tag unseren Hunger und Durst sehr gut gestillt hat.
Auch heute essen wir wieder sehr gut (ich Hecht, G. Springbockfilet) und nach Verlassen der Gaststätte grüßt uns ganz freundlich eine hübsche, junge, dunkelhäutige Frau und lächelt uns zu, ehe sie dann in die Gaststätte geht. Kurze Zeit später wird uns klar, dass sie uns vor 3 Wochen bedient und wiedererkannt hat (unser Wiedererkennungseffekt muss also durchaus gegeben sein).
Wir warten nun auf ein Taxi, das uns ins Hotel bringen soll. Aber Taxi und Namibia, das passt in etwa zusammen wie Schwein und Stabhochsprung. Es dauert eine halbe Ewigkeit, dann hält ein junger Fahrer an. Selbstverständlich bejaht er unsere Frage, ob er den Weg zu UTOPIA kennt. Ich zeige ihm den Stadtplan und den Ort unseres Hotels. Aber genau so gut hätte ich ihm etwas zur chinesischen Grammatik erklären können (was ich jedoch nicht kann), er hätte danach auch gesagt, dass er es verstanden hat.
Das nun Folgende will ich mal abkürzen: Der Tourist (bislang noch nicht in Windhoek gewesen) erklärt dem Taxifahrer (vermutlich dort aufgewachsen), wie man mithilfe eines Stadtplanes (während der zügigen Fahrt, Schriftgröße der Straßennamen max. 2 mm, vom namibischen Wüstensand schmutzige Brille, Schrift kaum erkennbar, Straßenzustand nicht eben) zum gewünschten Ziel kommt. Einziger Vorteil: Im Auto wars wärmer als draußen.

18 Uhr treffen wir im Hotel ein und sind noch am Überlegen, Joes Bierhaus zu besuchen.
Ich lese meine Mails. Auch der Zoll hat mir bzgl. der Oryx-Hörner geschrieben. Die Antwort ist schwammig und in der letzten Zeile steht: „Soweit die vorstehende Antwort fachliche Ausführungen enthält, sind diese aus rechtlichen Gründen unverbindlich.“ Hm, also quasi eine Antwort aus der Rubrik „Antworten, die Sie sich schenken können“.

20:15 Uhr beschließen wir, doch lieber faul zu sein ...
zuletzt bearbeitet 06. Aug. 2015
1'933 Beiträge · seit 200901. Aug. 2015 · #50
Vielen Dank für deinen Reisebericht. Mir gefällt diese andere Art des Schreibens.
Er hat mich oft zum schmunzeln oder lachen gebracht.
Auch gefällt mir, dass die Tage zusammengefasst sind und nicht, wie bei anderen RB neuerdings, in 3-5 Abschnitte unterteilt sind.
Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
Themenstarter65 Beiträge · seit 201501. Aug. 2015 · #51
Tag 20

Unser letzter Urlaubstag, ehe es morgen heim geht.
Das Frühstück ist so la la , der wirklich gute Kaffee verdient jedoch eine besonders positive Erwähnung.
Wir chartern uns ein Taxi und fahren gegen 9:30 Uhr in die Stadt. Bewusst hatten wir am Ende unseres Urlaubes noch 2,5 Tage Windhoek vorgesehen, sind aber mittlerweile der Meinung, dass es auch 1,5 Tage getan hätten, zumal wir zu Urlaubsbeginn auch schon in der Stadt waren und erst am zweiten Tag unser Auto geholt haben.

Wir lassen uns bis zur Christus-Kirche oberhalb der Fidel-Castro-Straße fahren und suchen das Reiterdenkmal. Es steht inzwischen gut versteckt im Innenhof der Alten Feste, abgeschirmt vor neugierigen Besuchern.
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Eine schöne hohe Reiterskulptur, so will ichs mal etwas unpolitisch benennen, denn ich kann die Namibier durchaus verstehen, dass sie ein anderes Denkmal an den ehemaligen Standort des Reiterdenkmals gestellt haben.
Wir machen paar Fotos und ziehen weiter bergab auf die INDEPENDENCE AVENUE, um dort ein wenig zu flanieren. Nichts Besonderes, nichts Erwähnenswertes.

Doch! Etwas fällt mir hier im Land ungemein positiv auf: Raucher scheints hier entweder nicht zu geben oder aber sie haben soviel Anstand, dass sie dies nicht rücksichtslos in der Öffentlichkeit tun. Es ist sehr angenehm zu sehen, dass auch junge Menschen offenbar kein Gefallen am blauen Dunst finden.

Wir laufen Richtung Einkaufszentrum und beschließen, etwas zu essen. Unsere Wahl fällt auf Sushi (lieben wir beide) und G. trinkt ihr erstes Savanna Dry Cider (Schlabberwasser für Frauen; 6% - davon träumt die FDP-, sehr zu empfehlen, meint sie).
Die Sushizubereitung dauert mehr als 45 min, das gefällt mir gar nicht. Auch die obligatorischen Mini-Brötchen vor dem Essen hat die Bedienung vergessen, über 20 min hängen wir mit schmachtendem Blick an der bereits auf dem Tisch stehenden Butter und hungern (trotz Übergewicht) vor uns hin.
Wenn man die lange Wartezeit bei der Bestellung erwähnt hätte, wäre es noch in Ordnung, so jedoch nicht. Deshalb gibt’s auch kein Tip. Das Sushi selbst war jedoch gut.

Wir schlendern noch ein bisschen rum und werden an der Kreuzung zur Fidel-Castro-Straße zum wiederholten Mal von jungen Männern angesprochen, die ihre Kindheit in einem DDR-Kinderheim verlebt haben.
„Ich bin auch Deutscher, stamme aus Schwerin“, ruft mir ein tiefschwarzer Namibier zu. „Klar, sehe ich doch“, will ich antworten, ehe ichs mir anders überlege.
Sie sprechen tatsächlich sehr gut deutsch und erklären uns, dass es zu diesem deutsch-namibischen Geschichtsabschnitt demnächst hier eine Ausstellung geben soll, für die sie nun Geld sammeln. Sie zeigen uns (offenbar gefakte) Spendenlisten mit angeblich 20 €, 200 N$ und anderen relativ hohen baren Zuwendungen und bitten uns, uns auch einzutragen. Wir sind aber schon vorgewarnt (u.a. von Farmer Rainer -siehe auch Tag 2- und auch durch zwei in der Christus-Kirche ausliegende Zeitungsartikel, in denen vor diesen Betrügern gewarnt wird – manchmal sind Kirchenbesuche ganz nützlich ...) und lehnen weitere Gespräche dankend ab.
Wir lassen uns ins Hotel fahren (30 N$) und legen uns aufs Ohr.

Am Abend lassen wir uns zu Joe`s Bierhaus kutschen. Ist nur 3 km von unserem Hotel entfernt.
Das Bierhaus selbst ist eine echte Attraktion, sollte man tatsächlich gesehen haben, wenn man hier urlaubt. Urige Atmosphäre, richtig gute Stimmung.
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Das Essen jedoch ist allenfalls mit Note 3 zu bewerten. Ich bekam ein anderes Fischgericht, als ich bestellt hatte und G., die sich die gemischte Platte mit Springbock, Kudu, Krokodil und Zebra bestellt hatte, war zwar nicht unzufrieden, aber wir haben hier in Namibia schon deutlich besser und auch günstiger gespeist. Trotzdem sollte man das Bierhaus gesehen haben. G. trinkt erstmals in ihrem Leben Glühwein im Juli.
Zwei Stunden später lassen wir uns heimfahren (30 N$) und freuen uns aufs Bett.

Morgen wird’s heimgehen (uns grauts schon vor dem Flug), nach unserer Rückkehr werden wir ein kurzes Fazit unserer Reise ziehen.
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2015
Themenstarter65 Beiträge · seit 201506. Aug. 2015 · #52
Tag 21

Unser letzter (Halb)Tag bricht an. Wir packen unsere Koffer und überlegen, was wir mit der restlichen Zeit anfangen wollen. Wir werden 17:30 Uhr abgeholt, vor uns liegen noch gut 8 Stunden.
Wir lassen uns in die Stadt fahren, deponieren unser Gepäck an der Rezeption. Der Bahnhof ist unser Ziel. Der Taxifahrer schwächelt erneut bei den Ortskenntnissen, muss die namibische Polizei fragen.
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Ich leihe ihm zum Stadtplan lesen meine Lesebrille und er stellt fest, dass er wohl auch eine braucht.
Es gibt zwar nicht viel am Zielort zu sehen aber wir fühlen uns ob des Bahnhofsinneren 40 Jahre zurück versetzt. So ähnlich habe ich kleinere Bahnhöfe noch in Erinnerung.
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Die vor dem Bahnhof stehende Lok dient uns als Fotoobjekt. Leider ist das Bahnhofsmuseum geschlossen, es hat nur Mo-Fr offen.
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Wir nehmen Kurs auf die Innenstadt, wollen uns dort noch die Zeit vertreiben. G. hat
noch einen Beutel mit 2 Paar Stoff- und 1 Paar Turnschuhen (2x neu und einmal gut erhalten), die sie nicht wieder mit zurück nehmen und hier an Arme spenden will. Wir halten Ausschau nach Bedürftigen, können jedoch kaum welche erkennen.
An einem Handyschalenverkaufsstand steht eine junge Frau, ihr Baby liegt in ihrer Nähe. Ich gehe zu ihr und frage sie, ob sie die 3 Paar Schuhe gratis möchte. Sie bejaht sofort und freut sich. Von nebenan kommt ihr Standkollegin und ich höre nur das Wort „Cinderella“, was sie zu ihr sagt. Ich nehme ihr Baby auf den Arm, G. macht paar Fotos und Cinderella betrachtet die Schuhe und bedankt sich. Wir freuen uns auch.

Wir ziehen weiter, müssen noch über 1000 N$ auf den Kopp kloppen und biegen in die Poststraße ein. Irgendwie muss ich hier beim Anblick der vielen hübschen jungen Frauen an Rainer Brüderle denken. Hier würde er ein wahres Eldorado für seinen Geschmack finden und wenn er paar Dirndl einpackt und her kommt, könnte er hier seinen Fetisch ausleben. Ich werd ihm wohl mal schreiben …

Wir laufen ziellos rum und werden noch einmal von den ehemaligen namibischen DDR-Kindern angesprochen. Diesmal antworte ich auf russisch, dass ich sie leider nicht verstehen kann. Nach 10 s ist der namibische Versuch, deutsche Touristen übern Tisch zu ziehen, gescheitert. Wir müssen lachen und trinken einen Eiskaffee.
Zum Mittagessen gehen wir in THE GOURMET, was sich in der Poststraße befindet.
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Ich lasse mir die Fischplatte (180 N$), G. ein Straußensteak (185 NS, exellent!) servieren. Wir sind sehr zufrieden.
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Unser noch vorhandenes Geld setzen wir in einem Supermarkt um, kaufen verschiedene Sorten Biltong und eine Riesenpackung Gebäck, das es bei uns nicht gibt.
Mit dem Taxi lassen wir uns zurück bringen. Für die jeweiligen Touren bezahlen wir zusammen zwischen 30 und 40 N$ und finden das preislich in Ordnung.
5,65 N$ sind übrig geblieben.
17 Uhr sind wir abholbereit, aber auch 18 Uhr (mit 30 min über der angegebenen Zeit) ist noch keiner da. Ich rufe an und erlebe einen überraschten Gesprächspartner, der von einer Abholung zweier abreisender Touristen nichts weiß.
Toll gemacht, ERLEBE NAMIBIA!
Er ordert einen Fahrer, dieser trifft 18:25 Uhr bei uns ein. Die Straße zum Flughafen wird aktuell als große Baustelle ausgeschrieben, er fährt absolut unterirdisch, um uns rechtzeitig abzugeben.
Wir kommen rechtzeitig an, beim Einchecken passiert mir ein Missgeschick: Ich vergesse, mein Taschenmesser aus dem Handgepäck in den Koffer zu legen. Prompt findet es die aufmerksame Beamtin mit dem Röntgenblick. Sie erklärt mir freundlicherweise, dass ich es mitnehmen kann, wenn ich mein Handgepäck quasi als Koffer noch mit aufgebe. Das mache ich und somit habe ich im Flugzeug gar kein Gepäck. Auch nicht schlecht.
Im Airportladen kaufe ich mir noch für 4 N$ eine ALLGEMEINE ZEITUNG, nun sind nur noch 1,65 N$ übrig. Clever kalkuliert zu Urlaubsbeginn!

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Der Flug vergeht wie im Flug, der Hinflug kam uns trotz der Freude auf den bevorstehenden Urlaub deutlich länger vor. Cola-Rotwein und Whisky sorgen für einen wohligen sanften Dämmerzustand. Pünktlich landen wir morgens in Frankfurt.
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2015
Themenstarter65 Beiträge · seit 201507. Aug. 2015 · #53
Für Interessierte: Ich habe noch einige Bilder eingefügt, die sicher hier und da eine bessere Vorstellung vom Erlebten ermöglichen.
847 Beiträge · seit 201514. Aug. 2015 · #54
Ich fand, das war ein wunderbarer Reisebericht 🙂 Die fehlenden Bilder habe ich nun auch durch. DANKE für die Mühe und Arbeit. 🙂
Mich würde ein kleines Fazit sehr freuen, was war klasse - was würdest du nicht noch einmal machen.
Jeder Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag 21 Tage Dauergrinsen im Caprivi? - Namibia August 2019 24 Tage Dauergrinsen - Namibia August 2017 Roadbook 2017 & 2019
Themenstarter65 Beiträge · seit 201518. Aug. 2015 · #55
Danke! 😉
Fazit folgt ... bin allerdings z.Zt. grad beruflich stark eingebunden.