zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201519. Juli 2015 · #21
Danke für die Blumen!
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201520. Juli 2015 · #22
Fledermaus schrieb:Hallo Zeitungsleser, ich quetsche mich auch noch in euren RAV, wir sind im September zum ersten Mal selbst in Namibia auf Tour und beim Lesen steigt die Vorfreude 🙂 . Natürlich erwarten wir auch sehnsüchtig eure Bilder.
Viele Grüße
Rene´
Gabi ist technisch talentierter als ich ... ich hoffe, man kann die Bilder nun sehen.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201520. Juli 2015 · #24
Tag 8
Der Tag beginnt mit Stromsperre! Tolle Sache. Swakopmund hat keine Energie. Das wäre in der zweitgrößten Stadt Deutschlands wohl nicht vorstellbar. Unsere Kaffee ist dennoch heiß und das Frühstück ist so naja … la-la. Wir haben definitiv schon besseres gehabt. Wir warten auf das Auto, das uns zur heutigen Katamaranfahrt abholen soll. Es wird 8 Uhr und nichts passiert … es passiert weiterhin nichts. Unser Quartiermeister (passt doch für ne ehemals deutsche Kolonie, oder?) ruft in Walfishbay an und ich erfahre, dass die Tour erst morgen stattfindet. Also da kriegt G. (ab sofort ist mir das Nennen ihres Namens von ihr untersagt worden) noch eine zweite Aufgabe (die erste war das Öffnen der beiden Bierdosen) und die geht schief! Soll mal noch einer sagen, Frauen wären auf solchen Touren nützlich … Es ist Sonntag und wir stehen ein wenig doof da. Nur wenige Läden haben offen, aber wir sind ja nicht zum Einkaufen hier und entscheiden uns blitzschnell um. Auf dem Friedhof braucht man als Besucher keinen Strom, wir fahren dorthin. Mich interessieren vor allem die Gräber aus der Kolonialzeit bzw. die, die während des 1. Weltkrieges hier gefallen sind. Aus ihrer Inschrift erfährt der Wissensdurstige in Kurzform viel aus dieser Zeit und manchmal auch die Todesumstände. Wir verweilen ca. 1 Stunde auf dem Friedhof und beschließen, nun das Museum anzusteuern. Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Auch dort gibt es keinen Strom. Der fehlt heute nahezu ganztags. Nichtsdestotrotz ziehen wir los. Am Eingang erfahren wir, dass wir heute statt der sonst üblichen 25 nur 20 N$ zahlen müssen und außerdem morgen mit dieser Eintrittskarte noch einmal Zutritt haben. Das ist ein guter Deal, wir sind begeistert.
Vom Museum sind wir es auch. Es beherbergt eine Tierabteilung, eine Abteilung, in der Erklärungen zum lokalen Fisch- bzw. Walfang mit wirklich sehenswerten historischen Fotos gezeigt werden, eine Geologieabteilung (zugegebenermaßen nicht ganz so mein Interessengebiet), eine Völkerkundeabteilung, in der viel Sehens- und Lesenswertes zur Geschichte und Kultur der hier ansässigen Stämme zu finden ist und natürlich eine Menge zur Kolonialzeit. Alles mit richtig guten Fotos und originalen Ausstellungsstücken illustriert. Und wer will, kann auch aktiv sein in einer Mitmachabteilung (zwar für Kinder konzipiert aber durchaus auch für Erwachsene geeignet). Das Museum ist absolut sehenswert und für jeden Swakopmundbesucher ein MUSS! Draußen warten unzählige Souvenirhändler mit mehr oder (vorwiegend) weniger schönen Dingen auf potenzielle Käufer. Schön anzusehen sind aber auf jeden Fall die jungen Himba-Frauen, die sich dort (und auch woanders) außerordentlich natürlich zeigen und weitestgehend so in Erscheinung treten, wie sie einst das Licht der Welt erblickt haben. Ihre gesamte Körperhaut haben sie mit einer rotbraunen Substanz eingerieben und die Freischwinger sind (zumindest für Männer) nett anzuschauen.
Wir gehen zum Mittagessen ins „Deutsche Haus“ - die Fischgerichte (und wahrscheinlich auch alle anderen) sind sehr empfehlenswert! Mit unserem Auto fahren wir durch den Ort, der uns ob seiner wunderschönen Häuser (fast alles sehr gepflegte Einfamilienhäuser) sehr gut gefällt und wir uns eigentlich gar nicht vorstellen können, gerade in Namibia zu sein. Wir fahren hinunter ans Wasser und genießen die salzige Meeresluft, den Wind und das Rauschen der Wellen. Wir mögen das Meer, haben uns auf diese Etappe unserer Reise sehr gefreut. Leider ist der Atlantik aufgrund der kalten Wassertemperaturen (weniger als 15°C) und der starken Strömung zum Baden völlig ungeeignet.
Der Nachmittag verläuft unspektakulär, wir ruhen ein wenig und bummeln noch ein bisschen durch den Ort (und finden dabei im Ortskern den Übungsraum des „Swakopmunder Männergesangsvereines von 1902“), ehe wir am Abend in unserer Unterkunft eine Flasche CRAIGHALL (trockener südafrikanischer Weißwein) trinken.
Immerhin hat die kleine G. Heute den Swakopmunder LIONS CLUB (befindet sich in direkter Friedhofsnähe) gesehen. Aber die nennen sich leider nur so und haben keine Haustiere …
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201523. Juli 2015 · #25
Internet in Namibia ist langsamer als ne hüftkranke Schildkröte (so ähnlich stehts in HUMMELDUMM). Deshalb dauerts ne Weile bis zum nächsten Bericht. Aber wir haben was echt Blödes erlebt!
Wir dachten schon ist was passiert - aber nun wird alles gut und sind schon alle gespannt wie es weitergeht 🙂
Frösi-Leser Sven
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201523. Juli 2015 · #27
Tag 9
Überpünktlich werden wir von Captain Hans (ca. 55; lebt in 3. Generation in Swakopmund, Vorfahren stammen aus Hamburg, sieht aus wie der von Klaus & Klaus, der vor kurzem im RTL-Dschungelcamp war) abgeholt. Unsere Katamarantour beginnt pünktlich, wir sind neben den drei Mann Besatzung zehn Gäste an Bord, die darauf brennen, möglichst viel von Flora und Fauna (das sind NICHT die beiden Besatzungsmitglieder!) zu sehen und kurzweilig unterhalten zu werden. Das erste Tier ist bereits an Bord. Eine Robbe, die genau weiß, dass Captain Hans ein guter Mensch ist und immer paar Fische für die Robbe(n) - später wird sich eine zweite an Bord dazu gesellen - in der Hosentasche hat.
Wir stechen in See. Captain Hans erzählt ne Menge Maritimes rund um Namibia, wir lauschen andächtig und staunen. Unsere Tour beginnt im Hafenbecken und wir erfahren u.a., dass sich dort vor Zeiten die Wale, die sich aus Süden kommend nach Norden zur Paarung begeben haben und dann auf ihrem Weg wieder zurück an eben jener Stelle ausgeruht haben, die deshalb den Namen Walfischbucht trägt. Lang ists her und weil man ihnen den Garaus gemacht hat, gibt’s dort inzwischen so gut wie keine mehr und nur der Name erinnert an alte Zeiten. Die Küste hier heißt übrigens Skelettküste und wer jetzt an Schiffbrüchige oder Überreste meuternder Matrosen auf dem Meeresboden denkt, liegt falsch. Die hohe Anzahl der hier liegenden Schiffswracks gab ihr diesen Namen. Vorbei geht’s an mehreren Austernfarmen, die sich mitten im lang ausgestreckten Hafenbecken, das eher einer Bucht gleicht, befindet. Wir erfahren, dass die Austern aus Chile importiert werden und hier in namibischen Gewässern optimale Bedingungen vorfinden. In diesen kalten Gewässern gedeihen nur männliche Austern, die ohnehin viel besser schmecken als weibliche (also wie bei den Menschen auch, wenn man das aufs Aussehen überträgt). Bei 22°C wechseln die Austern ihr Geschlecht und werden weiblich – sozusagen Warmduscher.
Wir sehen einen hier eher selten anzutreffenden Pinguin (seine Gene signalisieren ihm noch Sardinen in dieser Bucht, die gibt’s allerdings schon lang nicht mehr), eine Robbe, die gerade einen kleinen Hai verspeist, rosa Flamingos und noch andere Tierchen. Plötzlich empfängt Captain Hans einen Funkspruch: Buckelwal gesichtet, setzt sich ab aufs offene Meer. Hans`Jagdehrgeiz wird gepackt, seine beiden Matrosen setzen Segel und nun geht’s raus auf See. Der Wind frischt auf und es wird ungemütlich. Vorsorglich liegen Decken bereit, unter Deck gibt’s Schnaps. Der Kapitän ist eben ein Hamburger (das „a“ wie „a“ und nicht wie „ä“ sprechen). Leider ist der Wal zu schnell (oder Hans zu langsam), wir sehen ihn nicht. Hans kehrt um, wir passieren eine Robbenkolonie, die regelmäßig gezählt wird und der man stets um die 60 0000 Robben zuordnet. Hans erzählt nebenbei, dass es in Namibia mehr Robben als Menschen gibt.
Den Katamaran hat er übrigens selbst gebaut und noch dieses Jahr will er damit (erneut) über den Atlantik bis nach Rio de Janeiro segeln. Verrückter Typ! Dabei gibt’s in Namibia schon so wenige Menschen … Er wickelt noch reichlich unterhaltsames Seemannsgarn ab und bringt uns wohlbehalten in den Hafen zurück. Wir lassen uns in unsere Unterkunft fahren und legen uns bisschen hin. Nachmittags besuche ich nochmals das Museum, bin erneut sehr angetan davon. G. (die Klarnamennennung hat mir Gabi ja untersagt) shoppt durch diverse Swakopmunder Geschäfte. Nach einer Weile treffen wir uns an der Butchery (Fleischerei/Metzgerei) neben SUPERSPAR.
War eine Empfehlung unseres Quartiermeisters und wir kaufen dort Biltong (Trockenfleisch). Ein wirklich guter Tipp, den wir hiermit gern weitergeben. Springbock ist übrigens unser Favorit und wer sich das Stück im Ganzen geben lässt, hat deshalb mehr davon, weil es nicht so schnell austrocknet. Den Abend verbringen wir im BRAUHAUS, das bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. Allerdings gelingt es uns mit unserer personengebundenen Cleverness und unserem weltmännischen Auftreten, noch zwei Plätze zu ergattern. Das Essen ist uneingeschränkt empfehlenswert, das Bier sowieso. G. kränkelt seit paar Tagen schon ein wenig, sie schläft früher ein, ich dambere (ein typisch sächsischer Begriff für „gammeln“) noch ein wenig vor mich hin, ehe ich auch zu ruhen beginne. Und wieder war es nichts mit Löwen. Noch nicht mal SEElöwen.
Netti59847 Beiträge · seit 201524. Juli 2015 · #28
Kannst du die Katamarantour empfehlen? Swakopmund scheint euch zu gefallen. Bin gespannt, wie es weiter geht. 😉
Das klingt aber nicht gut, jetzt bin ich ganz beunruhigt. 🙁
Hoffentlich geht´s der kleinen G. wieder besser.
Liebe und gespannte Grüße Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein.
Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung"
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Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201524. Juli 2015 · #30
Netti59 schrieb:Kannst du die Katamarantour empfehlen? Swakopmund scheint euch zu gefallen. Bin gespannt, wie es weiter geht. 😉
Katamarantour ist bedingt empfehlenswert. Mit Captain Hans wirds nicht langweilig, wie es aber bei anderen Anbietern aussieht, weiß ich nicht. Günstig ists leider auch nicht 🙁 Und sowas ist auch immer abhängig, welche Viecher grad unterwegs sind.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201524. Juli 2015 · #31
Tag 10
Wir können noch nicht ahnen, was der heutige Tag für uns bringen soll. Und vorab: Schön ist was Anderes! Das karge Frühstück nimmt nur kurze Zeit in Anspruch, Koffer sind gepackt und es geht los. Nochmal kurz in die Apotheke zum Halstablettenkauf, danach auf die C35 Richtung Norden.
Zunächst fahren wir die Küstenstraße und beschließen spontan, eine Tour mit dem Schiff in unsere Route aufzunehmen. Wir gehen an Bord und ahnen nicht, dass der Kapitän sein Patent offenbar auf dem Rummelplatz an der Losbude gewonnen hat. Er setzt das Schiff auf Grund, mit letzter Kraft können wir uns vom sinkenden Schiff durch einen beherzten Kopfsprung in die brandende 12° kalte Flut retten und erreichen gemeinsam mit unseren Koffern, die ich in der linken, die Kameraausrüstung in der rechten Hand halte (G. war für die Rettung der Bierbüchsen zuständig), das rettende Ufer und wachen neben dem Skelett einer Robbe auf. Die Fotos, die wir nach dem Erwachen aus unserer Bewusstlosigkeit gemacht haben, beweisen unser Erlebtes. Wir klopfen uns den Sand ab und ziehen weiter.
(Zum besseren Verständnis für Ungläubige: Dieser Abschnitt wurde gesponstert von Baron von Münchhausen, die Fotos allerdings sind echt.)
Die nun folgende Strecke ist eintönig, die vergangenen Reiserouten waren interessanter. Die Piste ist einfach nur öde. Hinter einer Kurve treffen wir auf eine Himba-Familie. Ein Buschmann mit ca. 15 Frauen (der hats gut!) und ebenso viele kleine Kinder (um die kümmern sich seine Frauen). Sie sitzen dort alle fast nackig im Gras bzw. bieten ihre selbstgefertigten Souvenirs an. Sowas habe ich mir in Afrika gewünscht, gern würde ich mehr über ihr Leben erfahren und einfach mit ihnen plaudern (sofern das mit Händen und Füßen möglich ist). Allerdings ist ihr Auftreten tatsächlich fast ausschließlich für vorbeifahrende Touristen und weist nichts Ursprüngliches mehr auf. Ihre Souvenirpreise sind unterirdisch und noch ehe ich den Fotoapparat zücke, höre ich schon das Wort „Money“. Ich habe keine Lust mehr, begebe mich zum Auto, leider hat G. nur ein Foto schießen können und der Buschmann will jetzt Kohle. Er lehnt meinen einziffrigen Obulus ab, mehr war mir jedoch sein rüpelhaftes Auftreten nicht wert. Unsere Tour geht weiter, insgesamt sinds heute wieder um die 380 km. Kurzer Tankstopp in der Pampa dann geht’s weiter. Das Unglück soll in weniger als 10 min seinen Lauf nehmen. Plötzlich ein undefinierbares Geräusch von hinten unten und danach Höllengeräusche. Wohl das gesamte Kiesbett schlägt in die Radkästen. Das Auto scheint uns um die Ohren zu fliegen. Ich lasse ausrollen und G. springt als erste aus dem Auto. Verdammt! Das rechte Hinterrad besteht nur noch aus einer qualmenden Felge.
Der Reifen ist nur noch rudimentär erkennbar. Davon habe ich geträumt. Weitab von der Zivilisation, allein in der Pampa und dann noch mit einem mir unbekannten Auto. Und manchmal werden Träume (hier: Albträume) wahr. Was nun? Als erstes greife ich zum Fotoapparat, um der sensationslüsternen und nach Katastrophen gierenden Forumsgemeinde Anschaulichkeit präsentieren zu können (stimmt wirklich!). G. ist in ihrem Denken schon weiter und sucht nach dem Wagenheber.
Mit etwas Mühe gelingt es uns, den RAV4 aufzubocken (gar nicht so einfach auf Sandboden) und das Rad zu wechseln. Von vier in dieser Zeit an uns vorbeifahrenden Autos halten drei, fragen nach und bieten freundlicherweise ihre Hilfe an. Als Nichtbetroffene sahen wir das am Anfang unserer Reise auch, fragten ebenfalls nach, ob wir helfen können. Der Betroffene, ein Deutschstämmiger, meinte jedoch ganz cool: „Habs nicht so weit, sind nur noch 100 km, hab grad daheim angerufen, gute Weiterfahrt ...“ Hm … Namibia eben! Unsere Tour geht weiter, ich fahre vorsichtiger, obwohl ich mir auch vorher keiner Schuld bewusst bin. Drei Kontrollleuchten brennen, davon eine in rot. Wir müssen dringend in eine Werkstatt. Und das hier in der Pampa. Ich habe keine Idee, wie wir das realisieren wollen ... Unser Ziel rückt zum Glück näher, noch vor Sonnenuntergang erreichen wir es. Ein sehr schön in eine Gebirgskette eingebettetes Camp mit großzügig angelegten Zelten bzw. Übernachtungsplätzen. Im Zelt stehen Betten, Strom gibt’s nicht, dafür eine Petroleum-Lampe und ein gen Himmel offenes Bad, einfach so in die Natur am Fuße eines Felsens gemauert. Toll! So was von romantisch … passt zu ner Hochzeitsreise (allerdings nicht unserer!). Von diesem Ambiente sind wir begeistert.
Wir müssen HERTZ informieren, müssen sehen, wie man bzgl. des Autos dort entscheidet. Ich stoße an meine Englisch-Grenzen, denn das Formulieren solcher fachlichen Probleme gelingt mir nicht. Ich mache mir Notizen, um auf das Gespräch vorbereitet zu sein.
Plötzlich – wie aus dem Nichts- in ca. 100 m Entfernung zwei Elefanten. Beide mit schönen langen Stoßzähnen. Ich nähere mich bis auf ca. 30 m einem der beiden und mache Fotos. Die aufgeregte Campmannschaft versucht mit Klatschen und Rufen die ungebetenen Gäste zu vertreiben. Die Rüsseltiere sind wenig beeindruckt, beim gemächlichen Durchqueren des Camps stößt einer der Elefanten im Vorübergehen einen beheizten Badeofen um, ehe die Herde (ich erfahre später, dass es acht Tiere waren) dann im Tal durch einen ausgetrockneten Fluss verschwindet. Toll – unsere ersten wilden Elefanten … und gleich so nah.
Nebenan campt eine holländische Familie. Ich erkläre dem Familienoberhaupt mein Englisch-Problem, er ist außerordentlich hilfsbereit und erledigt für mich das Telefonat mit HERTZ. Morgen sollen wir ein anderes Auto kriegen, der Fahrer kommt damit aus Windhoek, muss fast 500 km (!) zurücklegen. 7 Uhr soll er (angeblich) starten, d.h. vor 12 Uhr ist nicht mit ihm zu rechnen. Die Sonne ist untergegangen, noch ist es nicht stockdunkel (geht übrigens verdammt schnell hier). Wir platzieren uns vor dem Zelt, holen Bier und Rotwein aus dem Auto, setzen uns und lassen den Tag Revue passieren. Zwei junge freundliche Mädchen aus dem Camp bieten uns Diner für 129 N$ p.P. an. Wir sagen zu (am Folgetag erscheinen dann 190 N$ p.P. auf unserer Rechnung) und gesellen uns zu den beiden anderen Durchreisenden, die bereits im „Speiseraum“ (offen, mit Blick in den Sternenhimmel, scheißkalt!) sitzen. Das Essen ist unterdurchschnittlich, der Reis verklumpt, das Fleisch süßlich angemacht (gar nicht unser Fall), der Eisbergsalat überaus ungewöhnlich zubereitet und draußen wird’s schweinekalt. Stockdunkel ists eh geworden, wir trollen uns unserem Nachtlager zu und putzen uns unter sternenklarem Himmel die Zähne. Das „Kreuz des Südens“ sehe ich leider nicht. Für die kleine G. (52) erfüllt sich ein Traum: Sie sieht ihren ersten Löwen (leider nur auf der Streichholzschachtel, die wir benötigen, um im Zelt mit der Petroleumlampe Licht zu haben).
Die Nacht wird unangenehm, es ist sehr kalt, die Betten sind sehr kurz, ebenso die Decken. Ich fühle mich an meine Wehrdienstzeit vor mehr als 30 Jahren erinnert. Die von außen hörbaren und undefinierbaren Geräusche sorgen nicht zwingend für ein inneres Gefühl von Ruhe und Wohligkeit. Am Morgen erfahren wir, dass zwei Schakale hier des Nachts einen Hahn gerissen haben. Muss so um die 10 m von unserem Zelt passiert sein. Bin froh, dass die Nacht gegen 5:45 Uhr vorbei ist und steige mit kalten Knochen aus dem Bett (dieses allerdings war von der Auflage her gut)
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201525. Juli 2015 · #32
Das Hochladen von 3 Bildern dauert hier über 6 min ... Scheiß-Arbeit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Pascalinah2'772 Beiträge · seit 200625. Juli 2015 · #33
zeitungsleser schrieb: Unsere Einweisungstante ist pünktlich und wir sitzen beisammen und lauschen der Informationsflut. Unserem Reiseorganisationsonkel (BEREISE NAMIBIA) werde ich eine sehr kritische Mail schreiben, denn eine 20-Tage-Reise in 20-min-Eilzugtempo auf englisch durchzusprechen, wenn man noch nie in einem fremden Land war, das geht gar nicht!
Hinter einer Kurve treffen wir auf eine Himba-Familie. Ein Buschmann mit ca. 15 Frauen (der hats gut!) und ebenso viele kleine Kinder (um die kümmern sich seine Frauen). ...
Am Morgen erfahren wir, dass zwei Kojoten hier des Nachts einen Hahn gerissen haben.
Hallo Zeitungsleser,
in welcher "Zeitung" hast du Dich denn über Deine Namibiareise informiert? ... eine Himbafamilie mit einem Buschmann als Familienoberhaupt???? 😮 ...
Kojoten 🤩 habe ich in Namibia auch noch nie angetroffen....
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201526. Juli 2015 · #34
Ersetz Kojoten gegen Schakale. Warn Schreibfehler. Und Buschmann steht im weitesten Sinne für in der Wildnis lebende Menschen. Verstehen außer dir sicher viele andere.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201527. Juli 2015 · #35
Tag 11
Wir gehen frühstücken, sehr einfach und übersichtlich und in einer schlechten Jugendherberge ist es auswahlreicher. Wir warten auf das Austauschauto, wissen aber, dass es dauern kann. Wir begeben uns auf Spurensuche, wollen der gestrigen Elefantenherde folgen und suchen nach deren Fußabdrücken. Diese sind einfach zu finden und wir gehen ca. einen halben Kilometer, ehe wir wieder umkehren und Fotoimpressionen der hiesigen Natur anfertigen. Getrocknete Elefantenkacke brennt übrigens wie Zunder. Selbst ausprobiert! Und inzwischen haben wir uns gewisse Kenntnisse in der Kackeunterscheidung diverser Tiere angeeignet; können Elefanten- von Zebrakacke und Klippschliefer- von Ziegen- bzw. Schafskacke oder Kuhfladen, die hier aufgrund der Wasserknappheit nicht flüssig sondern quasi wie aus ner großen Tube kommen (Näheres gern per PN), unterscheiden. Die Viecher lassen ja überall ihre Ausscheidungen rumliegen und man muss aufpassen, nicht allzu viel davon an der Sohle kleben zu haben. Da unsere Unterkunft für die kommenden Gäste gereinigt werden soll, muss der Reiseberichterstatter seine Notdurft im Freien erledigen. G. macht in einem unbeobachteten Moment vom „großen Geschäft“ ein Foto, das der Forumsgemeinde nicht vorenthalten werden soll.
Wir warten und warten und warten … und 13 Uhr trifft der Fahrer mit dem Austauschauto endlich ein. Er bringt einen kleinen VW mit und nach unserer Reise wird eine Korrespondenz mit HERTZ folgen müssen, denn für den gebuchten Preis ist dieser Pfützenhubber (wie man ihn im Sächsischen nennen würde) natürlich viel zu klein und wir sind etwas angesäuert. Der Fahrer erklärt uns, dass kein anderes Auto verfügbar war. Nun ja … Die Übergabe und das Umpacken des Gepäcks dauern fast eine Stunde, es sind eine Menge Formalitäten zu erledigen. Beim Anblick der Reste des geplatzten Reifens incl. Felge muss der Autoüberbringer schmunzeln. Um 13:57 Uhr setzen wir unsere Reise fort, haben ein eher ungutes Gefühl. Einerseits wegen des viel kleineren Autos andererseits wegen der hier deutlich schlechteren Straßenlage und Federung. Aus Zeitgründen müssen wir nun auf die Besichtigung der Höhlenmalerei, die quasi fast auf dem Weg liegt, verzichten. Schade! Unsere heutige Tour führt uns zur GROOTBERG LODGE.
Die Buckelpisten, die wir befahren müssen, sind das bislang unrühmlichste Zeugnis namibischer Straßenbaukunst. Wir zittern uns von Kilometer zu Kilometer und gebranntes (besser: vom Gummi VERbranntes) Kind scheut das Feuer. Die Landschaft wird mit den mehr gefahrenen Kilometern abwechslungsreicher und erinnert uns an die Canyons in Utah und Arizona. Eine wirklich beeindruckende Landschaft hier, in der man tolle Indianerfilme drehen könnte. Kindheitserinnerungen werden wach und wir sehen vor unserem geistigen Auge Gojko Mitic und Pierre Brice würdevoll vorbei reiten und hören gedanklich die Filmmelodie zu „MacKenna`s Gold“.
An einer etwas größeren Ansiedlung halten wir an, weil es hier einen bislang ungekannten Menschenauflauf gibt. Wir sehen einen Sportplatz und mehrere hundert Kinder, die sich dort geordnet austoben. Im Gespräch mit einem britischen Lehrer erfahren wir, dass die britische Schule eine Patenschaft zu einer namibischen pflegt und man sich alle zwei Jahre besucht und hier zu Vergleichswettkämpfen trifft. Tolle Sache! Wir fahren an vielen Straßenständen vorbei, an denen die in der Nähe wohnenden Leute verschiedenen Krimskrams (vorwiegend diverse Mineralien/Gesteinsproben, selbst gebastelte Püppchen, Knochen- bzw. Fellreste von toten Tieren und anderen Schnulli) anbieten. Manche Stände sind verwaist, das dort liegende Angebot wurde bereits stark von der Sonne ausgebleicht. FOTO Wir fahren weiter und erreichen gegen 17 Uhr die GROOTBERG LODGE. Unser Auto müssen wir am Fuß des Berges abstellen, wir werden mit einem Geländewagen, der mich sehr an meine Militärdienstzeit erinnert (er sieht einem P 3 recht ähnlich), abgeholt und nach oben gefahren. Der Anstieg ist gigantisch. Oben angekommen erwartet uns der bislang schönste Ausblick unserer bisherigen Tour. Mir fehlen die Worte. Das kann man nicht beschreiben, man muss es selbst sehen. Von der Bergspitze blicken wir in das von den Naturgewalten über Jahrmillionen geschaffene Tal. An den zum Tal gehörenden Bergen kann man einzelne Etappen der Erdgeschichte anhand von Ablagerungen ohne große Mühe ablesen. Absolut beeindruckend! Unser Zimmer (in einem kleinen Häuschen) liegt direkt am Rande des Abgrundes. Wir blicken in eine schier unglaubliche Tiefe.
Der Preis für eine Nacht hat es jedoch in sich: Stolze 220 € kostet die Bude für eine Nacht (Doppelzimmer). Und wir bleiben zwei! Oje … nur nicht darüber nachdenken! Das Diner ist toll, das Bier erstaunlich günstig (0,3 l Tafel Lager für 16 N$).
Mit dem Ende des Diners tritt das „Verdiente Volkskunstkollektiv Grootberg“ auf. Kinder (ca. 9-14 Jahre) aus einem Schulchor, die hier zu zwölft den Gästen Freude bringen und typisch afrikanische Lieder mehrstimmig (klingt wirklich super, hab selbst mal im Chor gesungen) darbieten. Wer sich an den Song „Der ewige Kreis“ aus KÖNIG DER LÖWEN erinnert, hat eine Vorstellung, wie es klingt. Das Besondere daran ist, dass sie nicht nur singen, sondern dass Bewegung, Rytmik (schreibt man tatsächlich seit der Rechtschreibreform so) und Tanz ganz selbstverständlich zu dieser Gesangsdarbietung gehören. Die Lebensfreude merkt man den jungen Leuten an. Das Publikum honoriert den Auftritt mit Beifall und einer kleinen Zuwendung für die jungen Künstler. Der Tag neigt sich dem Ende und morgen besuchen wir eine Himba-Siedlung.
Und vielleicht begegnet der kleinen G. ja unterwegs ein Löwe.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201527. Juli 2015 · #36
Tag 12
Kurz vor 8 Uhr nimmt uns der Guide für den Ausflug in Empfang. Wir erfahren, dass mit uns insgesamt 8 Touristen zur Himba-Siedlung fahren. Zur Auswahl stehen 3 Ausflüge (Elefantentracking, Nashornsuche und Himba-Siedlung) und da ich optimistisch bin, noch genügend Elefanten und Nashörner im Etosha-Park zu sehen, haben wir uns für den Besuch dieses so typisch afrikanisch aussehenden Volksstammes, dessen Äußeres uns schon seit der ersten Begegnung beeindruckt hat, entschieden. Die Fahrt ist relativ kurz, nach ca. 50 km biegen wir von der „Hauptstraße“, die wie fast alle Straßen eher einer Schotterpiste gleicht, ab. Unser Guide zeigt uns Behausungen in typisch lokaler Bauweise (da wollen Europäer bei Wind oder Regen bestimmt nicht rein) und die größte Schule der Region (250 Kinder). Es ist eine Grundschule und die Kinder gehen hierhin, sobald sie 3 Jahre (!) alt sind. Sie bleiben (wegen des oft sehr langen Weges) von Montag bis Freitag in der Schule, zahlen nur für Essen & Trinken, die anderen Kosten übernimmt der Staat. Es scheint gerade Pause zu sein und die Kinder benehmen sich sehr ordentlich, es macht Freude, sie zu beobachten. Sie spielen miteinander und haben es sich nicht zur Aufgabe gemacht, die anwesenden Lehrerinnen zu reizen und pädagogisch herauszufordern.
Unsere Fahrt führt nun bereits durch unwegsames Gelände, wohl keiner hätte hier Fahrmöglichkeiten vermutet. Über richtig große Steine (teilweise 70 cm hoch) und ausgetrocknete Flussbette und extrem unwegsames Gelände passieren wir Hindernisse, bei denen der Durchschnittsautofahrer nicht einmal davon träumen würde, diese zu meistern. Unser Guide macht seine Sache auch als Fahrer gut. Er zeigt uns Elefantenspuren, aber wir wissen, dass die Rüsseltiere heute mit der anderen Touristengruppe unterwegs sind, rechnen also nicht mit ihnen. Im unwegsamen Gelände begegnet uns die erste Himba-Frau, ihr ca. ein Jahr altes Baby auf den Rücken gebunden. Sie lächelt uns freundlich zu, wir fahren weiter. Es dürfte nicht mehr weit sein. Die Landschaft verändert sich noch einmal in eine „blaue Lagune“ Oase mit Palmen, Papageien und Pawianen auf den Felsen.
Wenige Minuten später fahren wir am „Klassenzimmer“ der Himba-Kinder vorbei. Es ist eine unter einem Baum aufgestellte Tafel (so wie man es aus einem afrikanischen Dokumentarfilm kennt), auf der noch mit Kreide das gestrige Datum steht, außerdem wenige einfache Worte in der Himbasprache und in Englisch. Als „Stühle“ dienen größere Steine, die es hier zuhauf gibt. Noch 200 m und wir sind da. Wir sehen kleine Hütten, die traditionell aus dünnen Ästen bzw. einer Art Schilf bestehen, die Zwischenräume werden von Hand mit Lehm bzw. Kuhdung verschlossen. Eine prima Arbeitsstätte für die auserwählten Kinder von „Die strengsten Eltern der Welt“. Zwei junge Frauen (sehr gut gewachsen und mit zwei gut sichtbaren Vorteilen, wie mein Kennerblick sofort bemerkt) sitzen vor ihren Hütten und sind beschäftigt. Auf dem größeren Platz vor den ca. 20 Hütten, die sich am sanften Hang entlang erstrecken, spielen ca. 7 kleine Kinder (2 bis 4 Jahre), die neugierig auf das haltende Auto zurennen. Wir wollen aussteigen, doch unser Guide unterweist uns noch, den Kindern keine Gummibärchen oder Ähnliches zu geben und die Bewohner nicht zu füttern. Kurz muss ich an die Verbotsschilder im Zoo denken. Fotografieren ist erlaubt, um Erlaubnis brauchen wir die Bewohner also nicht zu fragen. Das klingt gut, denn hier gibt’s wirklich viele schöne Motive (ja, genau!) und die Dorfbewohner sind alle freundlich und posieren gern für Aufnahmen. Die Frauen, um die herum einige Kinder spielen und toben, sind mit dem Essen kochen beschäftigt, eine Himbeer-Mutti bietet mir an zu kosten.
Das mach ich doch gern! Der Papperschmatz sieht aus wie Grießbrei, schmeckt auch fast so, hat lediglich statt der süßen hier eine salzige Note. Mehr gibt’s nicht zu essen, aber den Kindern scheints zu schmecken. Der Dorfplatz füllt sich, es kommen immer mehr Dorfbewohner (jüngere Männer und Frauen und Kinder) und begrüßen uns freundlich, die meisten mit Handschlag. Ohne zu murren stehen sie für unsere Fotoaufnahmen bereit, sind geduldig und wirken sehr bescheiden und angenehm.
Wir fragen, ob wir auch in die kleinen Rundhütten reinschauen dürfen, es wird uns freundlich gewährt. Im Hütteninneren ist es angenehm kühl, die Einrichtung ist sehr spartanisch. Neben einem Schlafplatz (hier hat die Frau und max. 1-2 kleine Kinder Platz) gibt es lediglich noch eine kleine Ecke, in der persönliche Dinge stehen bzw. liegen. Die Fläche ist nicht größer als 4-5 qm, nach oben führt ein rundes Spitzdach. Die Hütten sind nicht höher als ca. 2,20 m.
Wir fotografieren wie die Weltmeister, die Kinder (ca. 2 bis 4 Jahre, vom Geschlecht her kaum zu unterscheiden wegen ihrer ähnlichen Frisuren; außerdem rennen sie fast vollständig nackig rum) wollen immer sofort die Fotos sehen und sind durchaus mit der Technik vertraut, wissen recht gut, wie sie die Fotos auf dem Smartphone berühren und verschieben müssen, um möglichst viele zu sehen. Nicht nur mich erheitert das.
Ein kleines schmutziges Mädchen (2) hat es mir besonders angetan, sie fremdelt absolut nicht und ist sehr zutraulich. Ich nehme sie auf den Arm und sie plappert himbaistisch drauflos und erzählt mir, dass ihr die größeren Dorfjungen gestern den Himba-Grießbrei weggegessen haben (oder so ähnlich). Ich wische ihr die kleine Rotznase ab, reinige ihre Lippen vom Sand und wir laufen den Dorfplatz entlang. Unser Guide hat 4 junge Frauen (13 bis 22) aufstellen lassen (oh je, wie auf ner Völkerschau um 1860!) und erklärt an deren Schmuck und den Kleidungsstücken deren Bedeutung. Mensch, das ist ja ne halbe Wissenschaft! Geduldig lassen die Himbafrauen und -mädchen alles über sich ergehen. Ich habe sogar das Gefühl, sie sind stolz darauf, dass uns das erklärt wird. Und auch ich muss feststellen, dass ich schon Unansehnlicheres habe anschauen müssen.
Im Anschluss daran zeigt uns die 22jährige Himbeer-Mutti (die tatsächlich schon mindestens ein Kind hat, wie man ihrem Körperschmuck entnehmen kann; bis zu 15 Kinder gebärt eine Himbafrau während ihres Lebens übrigens), wie ihre rotbraune Körperbemalung entsteht. Alles kommt aus der Natur und die Zubereitung ist wirklich interessant! Ein wenig irritiert bin ich dann aber doch. Denn nach Aussage unseres Guides waschen sich die Himbafrauen nicht. Besagte Vorführhimbafrau zeigt uns, wie man „Frauen-Himba-Deo“ herstellt: Dazu nimmt sie besondere kleine Holzstücke, zündet diese mit anderen Holzstückchen an und hält sie sich als Räucherstückchen unter die Arme. Mehr nicht! Okay, Räucherware hält sich länger … aber ein bisschen enttäuscht bin ich dann doch.
Wer die Möglichkeit hat, sich das mal vor Ort anzusehen, der sollte es unbedingt tun.
Mit meiner kleinen dreckigen Himbaprinzessin auf den Schultern (ihr macht das einen Riesenspaß) nähere ich mich nun der Verkaufsmesse auf dem Dorfplatz. Im Kreis auf der Erde sitzend bieten die Männer und Frauen ihre selbst gefertigten Souvenirs an. Im Angebot heute: Stachelschweinstachelketten, Buttertöpfchen für die perfekte Himba-Frau, schöne bunte Armringe und -bändchen (bei denen Wolfgang Petry neidisch daherblicken würde!), geschnitzte Elefanten und Affen und alles, was man als guter Himba eben so braucht. Alles ist jedoch schweineteuer (noch teurer als in Souvenirshops!) aber trotzdem machen sie guten Umsatz. Plötzlich stehen sie zusammen aufgestellt auf dem Dorfplatz und fangen an zu singen und zu tanzen. Wir schauen fasziniert zu und haben das Gefühl, dass die hier nach unserem Empfinden so primitiv lebenden Menschen ein glückliches und erfülltes Leben haben.
G. meint, dass sie auch Himba werden möchte, außerdem ists hier, wo die wohnen, so schön warm. Und in Anbetracht der Tatsache, dass jeder Himbamann 5 Frauen hat, würde ich unter gewissen Rahmenbedingungen (feste Behausung, Brauereidirektleitung ins Haus, Geländewagen, Tankstelle in der Nähe, pünktliche Gehalts- bzw. Rentenzahlung, ordentlicher Fernsehempfang und HALLO PIZZA in Rufweite) vielleicht auch mal drüber nachdenken, den Wohnort zu wechseln und Himba auf Probe zu werden. Wir werfen 50 N$ in den Spendentopf in der Dorfplatzmitte und fühlen uns gut. Wir verabschieden uns und ich nehme meine kleine schmutzige Prinzessin mit ins Auto. Sie wehrt sich nicht, wahrscheinlich wäre sie sogar mit mir mitgegangen. Und ein paar Baby- bzw. Kleinkindsachen meines Sohnes hätte ich ja noch … und Spielzeug sowieso. Wir sind uns absolut sicher, uns für das richtige Ausflugsangebot entschieden zu haben, wenngleich es stolze 1100 N$ gekostet hat (Elefantentrecking auch 1100, Nashornsuche 1250). Ein Teil davon geht jedoch in Form von Lebensmittellieferungen auch direkt an die Himbas. Davon konnten wir uns bei der Verabschiedung von ihnen selbst überzeugen, als unser Fahrer Säcke mit Nahrungsmitteln übergab. Finden wir gut! Kurzer Stopp am fast ausgetrockneten Flussbett zum Mittagessen. Wenige Minuten zuvor haben wir große wilde Affen auf den Felsen herum klettern sehen. Ich beobachte die Umgebung und sehe am Fluss in ca. 300 m Entfernung einen außerordentlich großen Gorilla auf- und abspringen. Dieses Motiv will ich mir nicht entgehen lassen und ich behalte meine Beobachtung für mich. Ich verabschiede mich von den anderen zum Pinkeln und vorsichtig nähere ich mich meinem Ziel. Wie groß ist jedoch meine Enttäuschung, als ich bemerken muss, das es ein (schwarzer) Mann ist, der dort sich (ganz nackig) und seine Sachen wäscht. Fotografiert habe ich ihn trotzdem, mache mir ja schließlich nicht umsonst den Weg …
Rückzu sammle ich noch paar Palmensamen, ehe ich dann relativ still ins Auto klettere und mein Erlebnis für mich behalte.
Wir beschließen den Tag mit einem wiederum tollen Diner. Und es kann doch nicht so schwer sein, hier in Afrika mal solch einen verdammten Löwen zu finden … die kleine G. ist schon ganz hibbelig.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201527. Juli 2015 · #37
Tag 13
Beim Auschecken bemerken wir, dass wir über 300 N$ zuviel zahlen sollen. Wir reklamieren und empfehlen an dieser Stelle jedem Touristen, seine Rechnungen im Hotel bzw. in den Lodges sorgfältig zu prüfen! Noch was zum Preis der GROOTBERG LODGE: Umgerechnet ca. 220 € für DZ pro Nacht ist mit Sicherheit ein deutlich überdurchschnittlicher Preis in Europa. Und für Namibia erst recht. Und ohne krümelkackerisch zu werden: Dafür kann man vergleichbaren europäischen Service erwarten. Leider Fehlanzeige! Duschbad und löslicher Kaffee auf dem Zimmer wurden nach dem ersten Tag nicht nachgefüllt, die Unterkünfte sind nicht abschließbar und zum Aufladen von Handy bzw. Laptop muss man seine elektronischen Geräte gänzlich ohne Sicherung bzw. Nachweis an der Rezeption abgeben. Und wofür TRIPADVISOR 2013 dafür 4,5 von 5 möglichen Sternen vergeben hat, wird wohl für immer deren Geheimnis bleiben (vielleicht sitzt ja Sepp Blatter im Aufsichtsrat). Und sollte jemand der hier Lesenden in die GROOTBERG LODGE fahren, so kann er mich kontaktieren. Ich verrate ihm/ihr dann, wie er/sie ins www kommt. Denn die dort angegebene Möglichkeit und das Passwort bringen nicht den gewünschten www-Zugriff.
Heute geht’s Richtung Etosha und der Tag lässt sich zusammenfassen mit: Eine längere Fahrt ohne nennenswerte Erlebnisse. Tankstopp in einer direkt an der Straße liegenden Ansiedlung.. Gegenüber der Tankstelle befindet sich (gleich neben einem Barbier an der Straße, dessen einziges (!) Arbeitsgerät ein Haartrimmer ist) eine Reifenreparaturwerkstatt. Als Werbung für die Firma wurde dort sozusagen als vertrauensbildende Maßnahme gezeigt, was den Kunden erwartet. Ich habe es auf dem Foto festgehalten.
Der Straßenbelag wechselt und nach längerer Zeit fahre ich mit dem Auto mal wieder auf Asphalt. Schade eigentlich, jetzt kann ich keinen mehr eindrecken. Die staubhaltige Luft wird weniger … Uns begegnen unterwegs viele Pumpas am Straßenrand. Leider sind sie sehr scheu, lassen sich nicht bzw. nur sehr schwierig fotografieren. Und wenn mir einer vor den Kühler rennen sollte, so wäre ich auch nicht böse. Grills gibt’s ja in jeder Lodge und ein leckeres Steak …
Unsere Lodge erreichen wir gegen 17 Uhr (und das trotz falscher Angaben auf der Reisekarte durch den Veranstalter ERLEBE NAMIBIA. Mit denen werde ich nach Reiseende nicht nur deshalb noch korrespondieren müssen). Auch hier im ETOSHA SAFARI CAMP gibt’s wieder nur Diner für 250 N$ und keine andere Möglichkeit, etwas à la carte zu essen (schon 2-3 Gerichte würden eine Alternative darstellen!). Alles nach dem Motto: Friss für 250 N$ oder stirb! Und es geht uns nicht ausschließlich um die 250 N$ sondern darum, dass wir abends nicht immer ein 3-4 Gänge-Menü wollen! Sind ja nicht zur Mast hier! Von den Lodges sind wir, zumindest was die Essenversorgung angeht, enttäuscht. Das grenzt nicht nur an Nepp, das IST Nepp! Unser Essen haben wir wieder selbst mitgebracht, haben es im Supermarkt unterwegs günstig eingekauft. Wir dinieren hier nicht, trinken nur Bier. Das schmeckt gut und ist preislich mit 22 N$ für ein großes Bier vom Fass akzeptabel! Und die beiden Gitarrespieler machen tolle Musik, das passt zu Afrika.
Internet in Namibia ist ein Kapitel für sich. Entweder es gibt keins oder man muss viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel Zeit mitbringen. Und ein Passwort an der Rezeption für Wi-Fi bedeutet noch längst nicht, dass man auch online kommt (bereits mehrfach selbst erlebt!). Auf dem Zimmer trinken wir noch die bereits offene Flasche südafrikanischen Rotwein, ehe wir kurz nach 23 Uhr zum Einschlafen kommen. Und die kleine G. träumt bestimmt von einem oder auch mehreren Löwen.
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201527. Juli 2015 · #38
Tag 14
Vorab: Heute endlich klappts mit dem bzw. den Löwen … aber das kann die kleine G. am Morgen noch nicht wissen. Und nun der Reihe nach:
Wir brechen um exakt 8:10 Uhr auf, verlassen das Camp und müssen nur ca. 30 km bis zu unserer heutigen Unterkunft (ETOSHA RESTCAMP, 20 km direkt hinter dem südlich gelegenen Andersson-Gate des Etosha-Parks) fahren. Die Einfahrt am Tor zum Nationalpark (Andersson-Gate) erfolgt zügig.
Das Camp befindet sich auf ehemaligem Militärgelände, das mittlerweile umgebaut wurde und seit ca. 1955 nun touristisch genutzt wird. Unterwegs sehen wir bereits so viele Tiere hier wie auf unserer gesamten bisherigen Reise nicht. Und noch auf der Hinfahrt zum Camp sehen wir nur 2 Meter (!) neben der Schotterpiste drei faule Löwen liegen, von denen einer nach einigen Minuten sogar kurz aufsteht, ehe er sich zum Dösen wieder flachmacht. Man könnte sie streicheln. Vielleicht aber nur einmal.
Die kleine G. ist glücklich! Endlich hat sich ihr Traum erfüllt! Und als wir keine 10 Meter weiter noch weitere 5 Löwen (!) schlafen bzw. dösen sehen, könnte man fast meinen, wir kennen die hier lebenden ca. 300 bereits alle mit Vornamen.
Das Einchecken und die dann folgende Einweisung an der Rezeption und die Zimmersuche im Camp ist ein namibisches Erlebnis der besonderen Art. Von der Rezeptionistin erhalten wir die 723. Kopie der 189. Kopie der 348. Kopie des Camps. Freundlicherweise kreist die Dame am Empfang mit einem rosa Textmarker in affenartiger Geschwindigkeit während ihrer geschätzten 200 Einweisungen pro Tag alle wichtigen Gebäude ein, sodass wir am Ende ca. 12 rosa Kringel (natürlich alle ohne Bezeichnung, eben nur rosa Kringel: kann sich ja jeder auf Anhieb alles merken) haben. Außerdem eine Wegbeschreibung zu Haus 63 (unser Nachtquartier), natürlich auch mit rosa Strichen (womit sonst?) auf der 723. Kopie der 189. Kopie der 348. Kopie, auf der man die Straßen und Wege gestochen scharf erkennen kann. So etwa muss es sich anfühlen, wenn man nur noch 10% Sehkraft und seine Brille vergessen hat. Aber damit noch nicht genug. Haus 63 ist einfach nicht zu finden. Nach ca. 15 min die Auflösung: Die Türen der Hauseingänge sind Doppeltüren, d.h. hinter der ersten verbirgt sich eine zweite Tür (das weiß man aber nicht). Und die Hausnummer steht nicht etwa auf dem Haus (evtl. über oder neben der Tür) – nein, die steht auf der ersten Tür. Und die Putzkolonnen sind sowas von listig und clever, das glaubt man nicht: Sie öffnen Tür 1 bis zum Anschlag, um zu signalisieren, dass das Haus gereinigt und bezugsfertig ist. Bedeutet: Die Hausnummer ist stets unsichtbar: „Na los, nun gib dir mal Mühe, Touri, und suche deine Unterkunft!“ Zauberei in Namibia … und die Touris sollen sich mal nicht so haben! Mein Blutdruck reagiert weniger erfreut. Ich bin von soviel hirnloser Dummheit nur noch genervt, zumal die Wegbeschreibung der Empfangstussi auch noch falsch bzw. megaumständlichst war. Auch hier wieder das Angebot des abendlichen Diners für 200 N$, wir lehnen dankend ab, ernähren uns heute Abend von Beef aus der Büchse (schmeckt toll!), vom Frühstück mitgenommenen Brot und 2 Bechern Fertignudelsuppe, die man einfach nur mit heißem Wasser aufgießen muss. Das gibt’s vom Wasserkocher, der sich im Zimmer befindet. Dazu gibt’s trockenen südafrikanischen Rotwein.
Das Zimmerinnere ist okay. Und ENDLICH finden wir im Zimmer „Das neue Testament“ (steht aufm Kühlschrank).
Ich habs schon vermisst und überlege an dieser Stelle gerade, ob ich meinem Sohn fassbare Erklärungen hinterlassen habe, wie er mit meiner Sammlung umgehen muss, falls das Flugzeug doch nicht wieder in Frankfurt ankommt.
Wir beschließen, keine Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen und begeben uns wieder zum Auto, um den ETOSHA-PARK zu erkunden. Den ganzen Nachmittag sind wir unterwegs, fahren von Wasserloch zu Wasserloch (das Aussteigen ist strengstens und bei hoher Strafe untersagt!) und sehen unendlich viele Tiere: Giraffen, Gnus, Zebras, Springböcke, Kudus, Oryx, Wüstenfüchse (?), Elefanten, Strauße, allerlei Vögel und und und. In einem diensthabenden System (24 Stunden, 7 Tage die Woche) sorgen die Tiere rund um die Uhr dafür, dass die Touris nicht leer ausgehen und stets sauffreudiges Getier am Loch vor die Linse kriegen.
Springböcke und Zebras sind an der Straße bzw. auf dem Weg mit ca. 2 Meter Abstand zum Streicheln nah, sie lassen sich nicht stören und wir passieren sie. Man könnte ihnen fast aufs Hinterteil klopfen.
17:35 Uhr (kalendarischer Sonnenuntergang) müssen wir wieder im Camp sein, dann schließt nämlich das Tor. Um 17:20 Uhr fahren wir ein, wollen den Sonnenuntergang am lodgeeigenen Wasserloch erleben. Wir ziehen los und sind beeindruckt: 6 Elefanten (4 große, 2 kleinere), mindestens 11 Giraffen und unzählige Springböcke, ca. 10 Zebras, eine große Oryxfamilie, unzählige Vögel, 2 fuchsähnliche Wesen und sicher noch andere Tiere stehen zum abendlichen Saufen am Wasserloch. Dieses wird von 3 Scheinwerfern aus sicherer Entfernung angestrahlt und um selbiges herum lagern fotoschießwütige Touristen aus allen möglichen Ländern mit allen möglichen und unmöglichen Fotoausrüstungen. Wir verharren ca. eine Stunde in dieser angenehmen Ruhe, fotografieren mit 4 verschiedenen Kameras in unterschiedlichen Programmen und aus unterschiedlichen Positionen heraus und trinken unseren Rotwein halb aus. Uns gefällts hier gut.
Für den späten Abend nehmen wir uns vor, das Wasserloch nochmals zu besuchen. Da sollen die Löwen und die Nashörner kommen (so sagts unser selbst organisiertes Kartenmaterial). Morgen früh wollen wir bereits kurz nach 7 Uhr das Camp verlassen und den Etosha-Park von West nach Ost (ca. 170 km) durchqueren. 22:30 Uhr kommen wir vom Wasserloch zurück. Nur noch 4 durstige Rüsseltiere dort. Der Löwe und das Nashorn sollen nur nicht glauben, wir wären auf ihr Kommen angewiesen. Wir können auch ohne die beiden einschlafen. Gute Nacht!
honidurm27 Beiträge · seit 201527. Juli 2015 · #39
Faulsein gehört zum Urlaub gelle? Und außerdem braucht auch der Zeitungsleser eine schöpferische Pause. Berichte sind sowas von unterhaltend, bitte mehr davon
zeitungsleserThemenstarter65 Beiträge · seit 201529. Juli 2015 · #40
Hallo honidurm,
danke für die virtuellen Blumen. Die vergangenen 2 Tage hatten wir kein www. Ist in Namibia ohnehin eher Glückssache ... aber es geht auch ohne. 🙂