Im Fall der Nachtfotografie samt Sternenhimmel ist die Aufgabe relativ einfach.
Man braucht ein Gerät dass die Erdrotation ausgleicht um länger belichten zu können ohne dass die Sterne zu Strichen werden. Solche sogenannten parallaktischen Nachführungen gibt es von winzig klein bis riesengroß, manche kosten nur EUR 200.- andere viele tausend Euros. Sie versuchen aber alle dasselbe zu tun - mit mehr oder weniger großem Erfolg - nämlich wie schon zuvor erwähnt, die Erdrotation auszugleichen.
Je genauer man es haben will desto größer wird der Aufwand den man betreiben muss und trotz all dem werden die Ergebnisse immer nur verwaschen und unscharf aussehen, egal wie gut man mit Giotto und DSS schummelt, denn ausgleichen lässt sich nur eines, die Erdrotation. Die Bewegung unseres Sonnensystems um das Zentrum unserer Galaxie – welche mit 220 km/s stattfindet (792.000 km/h) – gleicht dies nicht aus! Was sich auch nicht ausgleichen lässt ist zum Beispiel aber auch die Annäherung der Galaxien zueinander oder voneinander weg, denn auch Galaxien bewegen sich relativ im All zueinander.
Nehmen wie die am weitesten von der Erde entfernte, aber noch mit freiem Auge sichtbare Galaxie, Andromeda her. Obwohl sie noch gut 2.538.000 Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt ist bewegen sich beide, also die unsere und Andromeda mit knapp 410.000 km/h (114km/s) aufeinander zu. Betrachtet man aber die heliozentrische Radialgeschwindigkeit mit der sich M31 auf unsere Sonne zubewegt sprechen wir plötzlich sogar von 1.000.000 km/h (ca. 300 km/s).
Das ist aber alles nichts wenn man sich zB den Virgo Cluster ansieht, – welcher rund 50 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist - denn dort gibt es über 2000 Galaxien von denen die Spiralgalaxie NGC 4388 mit 2535 km/s bewegt (relativ von uns weg mit 1400 km/s). Das sind dann immerhin schon 5 Millionen km/h! Und während man 300 sec lang belichtet bewegt sich Virgo NBC 4388 um sage und schreibe 420.000 km weit von der Erde weg, das entspricht in etwa der Entfernung von der Erde zum Mond!
Klingt komisch für jemanden der sich nicht mit der Astrofotografie beschäftigt, ist aber so, und der Praxisbezug erschließt sich auch nicht auf den ersten Blick. Anders wird es erst, wenn man sich vor Augen führt, dass zB bei der Fotografie unseres Mondes trotz seiner relativen Größe am Firmament und seiner Nähe nicht einfach ist vernünftige, scharfe Fotos zu machen.
Dies liegt an seiner relativen Bewegung zur Erde, welche mit 3570 km/h oder 1 km/s relativ niedrig ist. Trotzdem ist es ratsam Belichtungszeiten von weniger als 1/60 sec zu wählen, möchte man halbwegs scharfe Fotos von unserem Trabanten machen.
In der Astrofotografie sind aber stundenlange Gesamtbelichtungszeiten an der Tagesordnung wenn es um Fotos von fernen Galaxien wie zB M31 (Andromeda) geht und die bewegt sich – wie wir vorher gelernt haben – nicht mit nur 1 km/s relativ zur Erde, sondern mit 300 km/s!
Spätestens an dieser Stelle wird auch dem Unbedarften klar, dass jedes Foto von M31 viel Photoshop erfahren muss um halbwegs den Eindruck eines scharfen Fotos vermitteln zu können.
Als kleines für uns Menschen recht belangloses Detail erwähne ich noch, dass unsere Galaxie lt den Computersimulationsmodellen der NASA in 4 bis 10 Milliarden Jahren mit M31 kollidieren wird.
Zum Glück hab ich da aber schon auswärts einen Termin…..
Irgendwie ist es doch spannend sich vorzustellen, dass man auch bei größtmöglicher Sorgfalt in der Astrofotografie immer nur ein winziges Problemchen eliminieren kann und mit einem Dutzend anderer leben muss.
Was ich damit sagen will…..
Egal wie viel Aufwand man auch treibt, am Ende ist und bleibt das Ergebnis der Astrofotografie immer ein Kompromiss aus Atmosphärischer Verschmutzung, Lichtverschmutzung, Unschärfe entstehend durch die relative Bewegung zueinander, der aktuellen Mondphase und der damit eingehenden Sonneneinstrahlung welche das Seeing verschlechtert und was weiß ich sonst noch alles….
Wenn man dies einmal verstanden hat lebt es sich auch viel entspannter, denn dann wird klar, dass die Perfektion die so mancher durch hunderte Aufnahmen und anschließendes stacken (aufsummieren von Lights, Darks, Flats und Biasaufnahmen mittels DSS) erreichen will, fast vergebene Liebesmüh ist.
Da werden für 5 - 10% weniger Rauschen, ein paar mehr Details und ein wenig intensivere Farben wertvolle Stunden in einer sternenklaren Nacht hergeschenkt.
Was für eine Verschwendung von wertvoller Lebenszeit…..
Apropos Lebenszeit.
Der Grund wieso Otto-Normalurlauber in Namibia nicht mit tollen Sternenfotos nach Hause kommen ist weder deren Unkenntnis der Materie, noch ein Mangel an guten Motiven, denn beides wäre im Überfluss vorhanden wenn man wochenlang unterwegs ist. Und wie Flickr beweist, sind viele sehr gute Fotografen unter euch!
Es ist schlicht und ergreifend die Zeit die fast jedem normalen Touristen fehlt. Denn wie untertags braucht es seine Zeit ein gutes Motiv zu finden und es anschließend abzulichten. Und in der Nacht fast ohne Licht, dauert dies umso länger.
Um wirklich gelungene Aufnahmen in der Nacht zu bekommen, muss man auch die ganze Nacht über fotografieren. Und dies wiederum setzt voraus, dass man nicht schläft während der Nacht. Ihr erkennt also wo das Problem liegt. Muss man am nächsten Morgen fit und munter sein und zur nächsten Destination aufbrechen, muss man auch schlafen. Deshalb machen die allermeisten auch nur ein zwei Fotos kurz vor dem zu Bett gehen.
Ein weiteres riesiges Problem bei Fotos in der Nacht ist – wer hätte sich das gedacht – die Dunkelheit. Das mag nun lustig klingen wenn man diesen Text am gut beleuchteten Arbeitsplatz oder zu Hause am Schreibtisch liest, in einer mondlosen Nacht aber, bei 21,7 mag/arcsec² ist es so finster wie im Arlbergtunnel nach einem Stromausfall.
Und wenn man als Fotograf nichts mehr sieht kann man auch kein Bild komponieren.
Das heißt, dass man egal was man fotografieren möchte, sich am besten schon untertags überlegt haben sollte wo man sein Stativ in der folgenden Nacht aufstellt und es dann bewaffnet mit einer Taschenlampe des Nächtens nur mehr durchführt. Auch das Scharfstellen ist ein nicht zu unterschätzendes Problem, denn entweder fokussiert man auf die Sterne und erhält damit schöne runde, punktförmige Sterne, oder man stellt auf den Vordergrund, die Landschaft scharf. Beides geht nicht.
Unerfahrene Fotografen werden nun einwenden, dass gerade bei einem 14mm die Schärfentiefe kein Problem darstellen kann, da sowieso fast alles scharf ist. Dem ist leider nicht so, denn sonst wären nicht fast bei allen meinen Sternenfotos aus 2012 die Sterne unscharf. Ich hatte mein Augenmerk hier offensichtlich zu sehr auf die Landschaften gelegt.
Zusätzlich zu der Zeit die man während der Nacht aufwenden muss, glauben viele es läge nur am guten Equipment das man mit sich herumschleppt. So scharen sich alleine schon wegen meines großen Gitzo Monsters immer wieder Amateure rings um mich und wollen genau von meinem Standpunkt aus fotografieren, als würde ich wissen wo der beste Platz ist?!
Auch ich bin früher diesem Irrtum aufgesessen und dachte ich müsse mit dem besten verfügbaren Equipment unterwegs sein und hatte an mich selbst den Anspruch mich mit nichts geringerem als dem Besten zufrieden zu geben. Hier tut es gut ein gewisses Alter und die damit eingehende Ruhe und Gelassenheit erreicht zu haben, von Weisheit will ich gar nicht sprechen.
Man erkennt irgendwann, dass selbst wenn sich die Technik und die Elektronik in den nächsten 50 Jahren nur in jenem Ausmaß weiterentwickelt wie sie es von 2005 bis 2015 getan hat, ein Handy bessere Fotos vom Mond machen wird als ich dies heute mit all meinem Wissen und den teuersten Stativ in einer ganzen Nacht hinbekommen kann.
Dies ist aber auch bei der Planung so einer lange vorbereiteten Reise eine sehr wichtige Erkenntnis, denn damit lebt es sich viel entspannter.
In Wirklichkeit ist es völlig egal mit welcher Kamera man was macht, denn wenn das Motiv sensationell ist, fragt kein Mensch nach dem letzten Quäntchen Schärfe oder Rauschfreiheit.
In meinem speziellen Fall bedeutete dies, dass ich versuchen würde schöne Fotos in der Nacht zu machen und dies wenn möglich noch vor einem tollen Sternenhimmel, ich würde aber nicht versuchen dem Hubble-Teleskop Konkurrenz zu machen.
Ich habe in diesem vorerst letzten Arbeitsauftrag in Südwest viel vorgehabt und fast alles dann auch tatsächlich in die Tat umgesetzt. Ich gebe allerdings zu, dass mehr notwendig war, als das richtige Equipment mit dabei zu haben, oder zu wissen wie man damit umgeht.
Besonders das Autofahren in der Nacht ist in Namibia leider ein sehr heikles Thema, wie ich schon 2012 erfahren musste. Wer hier unvorsichtig, vor allem aber zu schnell unterwegs ist macht zwangsläufig mit Tieren bis zur Größe eines Oryx Gesellschaft.
Wieso ich vom letzten Fotoabenteuer in Namibia spreche?
Mir ist natürlich bewusst, dass man nach wenigen Tagen in einem so fremden und weit entfernten Land nicht glauben sollte, etwas darüber zu wissen, oder gar eine abschließende Einschätzung treffen zu können, denn dies wäre sicher vermessen und gar nicht zutreffend. Was man allerdings sehr wohl machen kann ist, Eindrücke niederzuschreiben und sein ganz persönliches Fazit zu ziehen.