Quer durch Botswana nach Simbabwe-Teil 1

Reisebericht 70 Antworten · 15,8k Aufrufe · gestartet 14. Sept. 2014 von erzi
Themenstarter51 Beiträge · seit 201314. Sept. 2014 · #1
Hallo an alle Interessierten,

ich bin die Frau von Jogo und habe mich von ihm, von Lil und von Heike von der Dombo-Farm überreden lassen, einige - vielleicht für Euch interessante - Erlebnisse ins Forum zu stellen.

Wir sind im April/Mai 2014 als Selbstfahrer von Johannesburg quer durch Botswana nach Simbabwe gefahren und waren etwa drei Wochen unterwegs. Wie in jedem Afrika-Urlaub hatten wir tolle Erlebnisse, Begegnungen und "Überraschungen", die ich in einem Tagebuch festgehalten habe.

Ankunft Airport Johannesburg

der Abholer bringt uns zu unserer Autovermietung Bushlore. Die Formalitäten sind bald erledigt. Zum ersten Mal haben wir uns einen Landcruiser gemietet. Nach einigen Diskussionen wegen den uns verdächtig kommenden hinteren Reifen lassen wir noch kleinere Reparaturen von losen Teilen vornehmen. Wegen der Reifen lässt der Manager nicht mit sich reden. Die Diskussionen und Reparaturen haben uns Zeit gekostet und viel zu spät fahren wir los.

Nach Großeinkauf und Tanken – es ist mittlerweile schon Nachmittag und wir haben noch 260 km zur Unterkunft zu fahren - fahren wir auf einer dicht befahrenen schnurgeraden Autobahn nach Norden. Später nimmt der Verkehr deutlich ab. Zeit, um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Gewelltes Grasland dehnt sich rechts und links aus. Am Straßenrand begegnen uns häufig Autos und LKWs mit Reifenpannen. Ein schlechtes Omen?

Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch die Berge und über ein Flussbett erreichen wir das „Waterberg Wilderness Camp“. Als wir aus dem Auto aussteigen erwischt es uns „kalt“. Die Temperatur ist mittlerweile auf 12°C abgesunken. Da es mittlerweile fast dunkel und alles nur schemenhaft sichtbar ist, setzen wir unsere Stirnlampen auf. Wir müssen beim Auspacken achtgeben, damit wir, das Gepäck im Arm, nicht über Zeltleinen und Heringe zu stolpern. Der Platz rund um unser Zelt ist knapp bemessen, denn entweder beginnt sogleich die Wildnis oder es geht in die Tiefe. Es gibt hier keinen Strom. Wir behelfen uns mit Stirn- und Petroleumlampen. Später gibt es ein kleines Abendessen, für das Lagerfeuer sind wir zu k.o. Tiefste Dunkelheit umfängt uns, jegliche Konturen sind verschwunden.

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Themenstarter51 Beiträge · seit 201314. Sept. 2014 · #2
Tag 2 - Waterberg - Mapungubwe NP oder Ein Elefant ganz nah

Am frühen Morgen werden wir von einer grandiosen Szenerie überrascht. Von unserem Berggipfel aus haben wir einen phantastischen Blick auf die umgebende Berglandschaft. Wir erfreuen uns an der typischen Savannenlandschaft und beginnen zu realisieren, dass wir in Afrika sind - Juchhuu, jibijeeehhh.

Der Waterberg ist ein Bergmassiv im Norden der Provinz Limpopo. Das Massiv erstreckt sich über etwa 14.500 km². Die höchsten Gipfel ragen bis zu 1400 m über den Meeresspiegel auf. Wir befinden uns auf so einem und sehen auf Steilwände, Härtlinge und Inselberge. Als Morgengruß erspähen wir auf der anderen Seite des Tales eins, zwei, nein drei Giraffen, die sich an Bäumen laben.

Bei Polokwane verfahren wir uns, was uns eine Stunde Zeit kostet. Die GPS-Karte ist nicht richtig eingestellt, anhand der Beschilderung kommen wir sowieso nicht weiter und so hole ich den altbewährten Atlas unterm Sitz hervor. Bald finden wir die richtige Straße und fahren nach Norden Richtung Alldays. Es wird zunehmend heißer und trockener. Rötliche Erde und kakteenbewachsene Hügel lösen das Grasland ab.

In Alldays machen wir einen weiteren Großeinkauf und auch hier bekommen wir keinen Sundowner: Es ist Sonntag und kein Alkoholausschank. Ab hier wird die Fahrt mühsam: Schlaglöcher! Kleine, tiefe, riesige, flache, breite. Teilweise kommen wir nur im Schritttempo voran.

Wir befinden uns im Grenzgebiet. Nach einer scharfen Rechtskurve sehen wir linkerhand den „Tuli-Block“, bekannt für seine geographischen Besonderheiten. Schöne Granitfelsen und Sandsteinformationen säumen unseren Weg.
Wir haben den Mapungubwe Nationalpark - Eastern Side - erreicht, der sich im äußersten Norden Südafrikas am Dreiländereck Botswana-Simbabwe-Südafrika befindet und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Etwa 20 min vom Main-Gate entfernt kommen wir im Maincamp Leokwe an. Ich muss aussteigen, um die Zahlen, die auf den Holzschildern stehen, lesen zu können. Es ist mittlerweile dunkel und mit etwas Mühe finden wir unser „Häusle“ mit der Nr. 2.

Während des Aus- bzw. Einräumens hören wir ein Geräusch aus dem nahen Busch. Plötzlich steht ein Elefant vor uns! Wir bleiben wie angewurzelt stehen und betrachten die gewaltige Gestalt, die nun direkt vor uns aufragt. Er hat uns gewittert. Elefanten greifen Menschen nur selten an, es sei denn, man kommt ihnen zu nahe. Doch wie nahe ist zu nahe? Sein riesiger Schädel schwenkt um und sein Rüssel prüft die Luft. Mir bleibt fast das Herz stehen. Als er uns für harmlos einschätzt, dreht er ab und verschwindet im dichten Buschwerk.

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zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2014
1'003 Beiträge · seit 200814. Sept. 2014 · #3
Toll, ein neuer Reisebericht! 😄
Bin gespannt auf Simbabwe, da möchten wir nächstes Jahr auch hin
Viele Grüße
Doro
1'242 Beiträge · seit 200914. Sept. 2014 · #4
Huhu Erzi,

du schreibst :
ich bin die Frau von Jogo und habe mich von ihm, von Lil und von Heike von der Dombo-Farm überreden lassen, einige - vielleicht für Euch interessante - Erlebnisse ins Forum zu stellen.
na diese Schuld nehme ich doch gerne auf mich 😛 und freue mich auf eine aufregende Reise mit euch 🤪 🤩 🤪 .

Liebe Grüsse 😎
Lil
Namibia das 1. Mal http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/163129-namibia-das-1-mal-reisebericht.html Endlich Hippos - SA 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/280235-endlich-hippos-sa-2013.html ZIM - BOT 2014 Träume werden wahr http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283689-zim-bot-2014-traeume-werden-wahr.html
Themenstarter51 Beiträge · seit 201314. Sept. 2014 · #5
Tag 3 - Mapungubwe NP oder Reifenpanne Nr. 1

Hannes hat heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Damit wir heute gebührend feiern können, müssen wir uns erst mal Feuer, Lighter und ganz wichtig: irgendein alkoholisches Getränk zum Anstoßen besorgen. Da es im NP keinen Shop dieser Art gibt, müssen wir also wieder nach Alldays kurven. Bald halten wir ein Six Pack Hanse-Bier und zwei südafrikanische Rotweinflaschen in der Hand. Wie wir uns auf einen gemütlichen Sundowner am Lagerfeuer freuen!

Als wir aus dem Laden treten, erwartet uns eine schöne Bescherung. Die Luft aus unserem rechten hinteren Reifen verflüchtigt sich gerade mit einem lauten Pfeifen! Oh man, Tag drei und schon die erste Reifenpanne. Hilfe ist gleich zur Stelle und unser erster Ersatzreifen ist nun in Gebrauch. Der kaputte Reifen wird uns mit einem Emergency Set geflickt. Ein Geldschein wechselt den Besitzer und noch etwas obendrauf für die Lehrstunde. Es ist schon ewig her, dass wir einen Reifen gewechselt haben. Wo setzt man den Bock an? Reifen flicken? Noch nie gemacht.

Auf dem Rückweg begleitet uns auf dem letzten Stück die Western Side des NP. Wir fahren an schöne Felsmassive und Steinformationen vorbei. Sie leuchten in der Nachmittagssonne rötlich, im Vordergrund schimmert das Gras gelb-grün, im Hintergrund finden sich sattgrüne Bäume, die ganze Szenerie ist umrahmt von einem blauen Himmel. Die Mittagsglut hat sich längst verflüchtigt, die Temperatur ist angenehm.

Wieder im Nationalpark erwarten uns weitere tolle Felsformationen. In der letzten Stunde vor Sonnenuntergang ist das Licht am intensivsten, sind die Farben am kräftigsten. Auch die Tiere, die die heißesten Stunden des Tages lieber dösend im Schatten verbringen, werden aktiv. Wir beobachten, dass die Tiere hier scheuer als im Krügerpark oder im Etosha sind. Vielleicht liegt es daran, dass der NP abseits – im äußersten Norden Südafrikas – liegt und daher weniger mit Übernachtungs- und Tagesgäste frequentiert ist.


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zuletzt bearbeitet 21. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201314. Sept. 2014 · #6
Hallo Lil, so sieht und hört man sich wieder 😉

Herzliche Grüße
erzi
Themenstarter51 Beiträge · seit 201314. Sept. 2014 · #7
Tag 4 - Mapungubwe NP

Unsere heutige Tagestour führt uns durch den Norden und den Osten des Mapungubwe NP. Wir fahren die zwei angebotenen Trails.
Zuerst den Nordöstlichen 4*4 Trail, der uns bis zur Khongoni plain führt. Der Trail ist relativ einfach zu fahren und landschaftlich sehr abwechslungsreich. Mehrmals fahren wir am Limpopo River entlang und durchfahren saftige Mopane- und Auenwälder. Sie bilden die erstaunliche Kulisse für eine reiche Vielfalt von Lebewesen, wie Giraffen, Elefanten, Eland, Oryx und Springböcke. Immer wieder entdecken wir einen der fotogenen Baobab-Bäume, die wie absichtlich an bestimmten Punkten in der Landschaft wie hingesetzt wirken.

Während wir die Landschaft genießen und total entspannt langsam dahintuckern, erreicht uns plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch! Wir lenken unsere Blicke in diese Richtung und entdecken in drei Meter Entfernung einen Elefantenbullen im angrenzenden Busch. Die Ohren sind weit aufgestellt, er macht eindeutige Drohgebärden in unsere Richtung und posaunt uns wutentbrannt an. Wir sind zu Tode erschrocken. Hannes kurbelt erst einmal sein Fenster hoch (?) und gibt Sekunden später Gas. Wir haben ihn durch das Dickicht nicht rechtzeitig gesehen und sind ihm anscheinend zu nahe auf die Pelle gerückt. Das Erlebnis, und vor allem das Geräusch, bleiben uns den ganzen Tag noch im Gedächtnis.

Der zweite 4*4 Trail, der Kanniedood Loop, ist schon etwas schwieriger zu fahren. Es geht über Stock und Stein und über Felsplatten hoch zum Gipfel. Von da oben haben wir einen tollen Blick über die Berge und das Tal. Das steile Stück müssen wir auch wieder runter und so tuckern wir, den 4*4 eingeschaltet, wieder ins Tal hinab. Jetzt wird die Piste unwegsam. Mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h arbeitet sich unser Landcruiser durch unwegsame Geröllstrecken, durchsetzt mit umgekippten Bäumen und Sträuchern oder nur halb eingewachsenen riesigen Baumwurzeln. Einfacher wird es wieder als wir durch die riesige Mopanewald-Plantage fahren. Das war ein gutes Training für uns, um uns für spätere schwierigere Offraod-Fahrten zu wappnen.

Mittlerweile ist es schon Nachmittag, die tiefer stehende Sonne lässt die außergewöhnlichen Sandsteinformationen und Granitfelsen ocker bis orange leuchten.

Wir erreichen den Confluence-View-Point, steigen aus und laufen einen kleinen ausgewiesenen Pfad auf eine Anhöhe. Von hier oben haben wir einen phantastischen Blick auf die Ebene. Wir befinden uns genau am Dreiländereck. Der Shashe River, der Botswana und Simbabwe trennt, vereint sich mit dem Limpopo, wiederum Grenzfluss Südafrika-Botswana bzw. Südafrika-Simbabwe. Ein riesiges Flussdelta mit ausufernden Sandbetten ergießt sich unter uns in der Abendsonne. Welch ein Spektakel!

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zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201318. Sept. 2014 · #8
Heute schicke ich Euch noch ein paar Fotos vom Mapungubwe NP.

Am Wochenende gehts weiter mit dem Reisebericht!
Die Themen: Khama Rhino, Makgadikgadi NP, Nxai NP und Dombo Farm.

Ich wünsche allen noch eine angenehme Rest-Arbeitswoche. Bis zum WE also. 😁


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zuletzt bearbeitet 18. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201318. Sept. 2014 · #9
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723 Beiträge · seit 201119. Sept. 2014 · #10
Hallo erzi,
tolle Bilder und schön geschriebener Bericht! Freue mich auf die Fortsetzung.
Gruß Reinhard
zuletzt bearbeitet 19. Sept. 2014
1'127 Beiträge · seit 201119. Sept. 2014 · #11
Hallo Erzi,

ich bin heute kurz dazugestiegen, und muss "leider" schon morgen meinen Platz wieder räumen 😉, da ich nach Namibia "muss" . In drei Wochen werde ich Versäumtes aber auf jeden Fall nach holen. Botswana mit dem Dachzelt steht bei uns im nächsten September/Oktober auch das allererste Mal auf den Plan, und da sauge ich im Moment alles auf, was ich an Infos so kriegen kann.

Im Mapungubwe im Leokwe Camp waren wir im letzten Jahr um diese Zeit. Leider war es bei uns die zwei Tage dort total bewölkt (und kühl) , so dass wir am Confluence-View-Point leider keine schöne Abendsonne hatten 🙁 .

Liebe Grüße

Susi
Reisebericht SA 2013 Viel Krüger und noch'n bisschen was anderes Reisebericht SA 2014
1'242 Beiträge · seit 200920. Sept. 2014 · #12
Hallo Erzi,

wunderschöne Landschaftsaufnahmen 🤪 🤪 🤪 .

LG Lil
Namibia das 1. Mal http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/163129-namibia-das-1-mal-reisebericht.html Endlich Hippos - SA 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/280235-endlich-hippos-sa-2013.html ZIM - BOT 2014 Träume werden wahr http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283689-zim-bot-2014-traeume-werden-wahr.html
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #13
Reinhard1951 schrieb:Hallo erzi,
tolle Bilder und schön geschriebener Bericht! Freue mich auf die Fortsetzung.
Lieben Dank für dein Interesse.
Ich hoffe, ich schreibe nicht zu viel, ich versuche schon für Euch zu kürzen. Mein privater Reisebericht ist um einiges umfangreicher.

LG erzi
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #14
Susi65 schrieb:Hallo Erzi,

ich bin heute kurz dazugestiegen, und muss "leider" schon morgen meinen Platz wieder räumen 😉, da ich nach Namibia "muss" . In drei Wochen werde ich Versäumtes aber auf jeden Fall nach holen. Botswana mit dem Dachzelt steht bei uns im nächsten September/Oktober auch das allererste Mal auf den Plan, und da sauge ich im Moment alles auf, was ich an Infos so kriegen kann.

Im Mapungubwe im Leokwe Camp waren wir im letzten Jahr um diese Zeit. Leider war es bei uns die zwei Tage dort total bewölkt (und kühl) , so dass wir am Confluence-View-Point leider keine schöne Abendsonne hatten 🙁 .

Liebe Grüße

Susi
Hallo Susi,

vielen lieben Dank für Dein Feedback.
Viel Spaß in Namibia. Wir haben schon zwei Rundreisen durch dieses paradiesische Land gemacht.

LG von Erzi
zuletzt bearbeitet 20. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #15
Reisemaus schrieb:Toll, ein neuer Reisebericht! 😄
Bin gespannt auf Simbabwe, da möchten wir nächstes Jahr auch hin
Viele Grüße
Doro
Danke! 😎
Von Simbabwe kann ich Dir nur über Victoria Falls Town und Vic-Falls berichten. Dann war die Reise zu Ende.
Jetzt bin ich über Deinen Reisebericht und Deine Bilder gespannt, die Du nächstes Jahr machen wirst. Das Land interessiert mich brennend.

LG erzi
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #16
Mapungubwe NP nach Khama Rhino

Unser Gepäck ist im Auto verstaut. Reifen, Öl, Bremsflüssigkeit und Batterie sind überprüft. Wir freuen uns sehr auf den heutigen Tag, denn wir werden das erste Mal in Botswana sein, in einem Land, über das wir schon so oft gelesen, gehört und geredet haben. Wir sind gespannt, denn: Was erwartet uns? Wie sind die Straßenverhältnisse, die Formalitäten, die Einkaufsmöglichkeiten, die Menschen, die Verständigung, …?

Die Staats-Grenze haben wir viel später erreicht, als gedacht. Die Straßenverhältnisse sind wieder ätzend. Wir haben für den Grenzübergang die Grenzstation Martin`s Drift ausgesucht, weil die eine Hochwasserbrücke über den Limpopo besitzt. Ausgereist sind wir schnell. Wir passieren sitzend im Auto die Südafrikanische Grenze und bekommen einen kleinen Zettel ins Auto gereicht. Danach überqueren wir den Limpopo und befinden uns nun auf der Botswanischen Seite. In einem Barackenähnlichen Gebäude füllen wir das Immigration Formular aus und an einem weiteren Schalter kaufen wir ein Permit für unser Auto. Da heute keinerlei bargeldloser Zahlungsverkehr funktioniert und wir noch keinen einzigen Pula unser eigen nennen, müssen wir Geld umtauschen. Wir lassen unser Auto samt Gepäck innerhalb des umzäunten Areals stehen, passieren zu Fuß den eigens für uns
hochgelassenen Schlagbaum und biegen – nun halbillegal - um die Ecke. Ich trau meinen Augen nicht! Mitten in der Prärie steht einsam und verlassen eine windschiefe Wellblechhütte. Da soll man Geld abheben können?? Nun, es hat funktioniert.

Wir sind in Botswana!!! Die Landschaft ist unverändert – eine endlos scheinende Halbwüstenlandschaft. Zäune auch hier entlang der Straßen. Je weiter wir ins Landesinnere fahren, umso häufiger sehen wir Nutztiere auf dem Grasstreifen zwischen Zaun und Straße: Rinder, Ziegen und Esel. Da sie wissen, dass es auf der anderen Straßenseite auch leckeres Gras zu fressen gibt, müssen wir damit rechnen, dass unberechenbare Straßenüberquerungen stattfinden. Dann heißt es nur noch scharf bremsen oder bestenfalls umfahren. Denn es gibt da noch die Esel, die beschließen, mitten auf der Fahrbahn stehenzubleiben. Da hilft alles Hupen oder gar ein kleiner Stupser mit dem Auto nichts. Stur bleibt Stur.

Endlich erreichen wir Serowe. Unser erster Gang führt uns zum Geldautomaten. Am ersten ist das Geld aus. Beim nächsten führen wir die Kreditkarten ein, geben die PIN ein und danach geht nichts mehr. Der Computer ist festgefahren! Die Schlange hinter uns wird allmählich länger. Die Dame hinter uns fragt was los ist. Dann bietet uns die nächste ihre Hilfe an und dann steht plötzlich eine Traube von hilfreichen, geduldigen Menschen um uns herum. Alle wollen helfen. Der Security wird ebenfalls auf uns aufmerksam, bahnt sich einen Weg zu uns und wir bitten ihn, die Notrufnummer anzurufen, die für diese Fälle am Automaten festgeklebt ist (wir haben ja noch keine Telefonkarte kaufen können). Eine Frau zückt selbstlos ihr Mobilphone und bald wird die Verbindung zur Bank hergestellt. Der Computer wird neu gestartet und ein Update eingespielt. Kurzzeitig erscheint auf dem Desktop Windows 2003! Ist nicht seit Anfang des Jahres Windows XP nicht mehr sicher, da Microsoft keine Updates der Sicherheitssoftware mehr zur Verfügung stellt?

18 Uhr treffen wir in Khama Rhino ein. Das im Dunkeln ausladen kennen wir schon. Mittlerweile hat das Abendkonzert der Tiere eingesetzt. Wir sind wieder ca. 1300 m hoch und - wir spüren es jetzt schon – die Nacht wird bitter kalt werden. Als ich unser Haus in Augenschein nehme, stellen sich mir die Haare zu Berge. Es macht einen heruntergekommenen Eindruck und, was viel schlimmer ist, es ist nicht sauber. Das Licht im Waschraum und Toilette ist ungenügend, doch es reicht, was ich sehe, den Rest kann ich mir denken. Ich mache die Oberflächen und die Sanitäranlagen sauber, außerdem wasche ich das Geschirr. Die Dusche beschließen wir gar nicht erst zu benutzen. Wir entscheiden heute Abend trotz schneidender Kälte am Lagerfeuer zu essen und uns nur zum Schlafen im Zelt aufzuhalten. 21 Uhr haben wir Stromausfall. Eigentlich nicht schlimm, da wir sowieso müde sind und demnach gleich in unsere warmen Betten schlüpfen können.

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zuletzt bearbeitet 20. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #17
Khama Rhino - Dombo Farm

Wir haben diese Nacht schlecht geschlafen. Die Geräusche im oder außerhalb unserer Unterkunft lassen uns beide nicht in den Tiefschlaf fallen. Und da ist noch ein besonders lautes und nahes Geräusch im Zimmer, was uns nicht zur Ruhe kommen lässt. Morgens sehen wir die Bescherung. Ich habe in einer Tüte zwischen Wasserflaschen eine Tafel Schokolade vergessen und die haben sich die Mäuse oder anderes Getier schmecken lassen. Ein ziemlich großes Stück ist abgeknabbert.

Wir wollen noch das kleine Wegenetz auf dem 4300 Hektar großen Reservat abfahren. Das Gebiet wurde Ende der 80er Jahre zu einem Wildschutzgebiet vor allem zum Schutz der Nashörner aufgebaut. Von anfänglichen acht Breitmaulnashörnern war 2010 der Bestand auf 30 Breitmaul- und vier Spitzmaulnashörner angewachsen. So die Theorie. Auf unserer Rundfahrt haben wir leider kein einziges gesehen, zu dicht ist hier die Busch- und Baumsavanne.

Das Frühstück gibt es 180 km weiter in Letlhakane einer Minenstadt. Die Diamantenmine, die 1977 ihren Betrieb aufnahm, weist heute die prozentual höchste Ausbeute an Schmuckdiamanten weltweit auf. Beim Verlassen der Stadt fallen uns die großen Schutthalden der Diamantenmine auf. Ansonsten ist dieser Ort trostlos. Ein zusammengewürfelter Haufen von Wohngelegenheiten Verwaltungsgebäuden, kleinen Läden, Tankstellen und Supermärkten.

An der Tankstelle fragen wir nach einem Frühstücks-Service und werden in das erste Stockwerk eines angrenzenden Gebäudes geführt. Da sitzen wir nun allein in einem kahlen Raum ohne Fenster an einer von drei kleinen Tafeln, die mit einer weißen fleckigen Tischdecke bedeckt ist. Unsere Vorstellungen von einem guten Frühstück verflüchtigen sich gerade. Wir bestellen ein Continental Breakfast und ein Amerikanisches. Nach einer Weile wird der Kaffee serviert, d. h. Pulver-Kaffe und eine Kanne Wasser. Später werden Müsli und Cornflakes, beides aus einer billigen Großpackung, serviert. Dazu bekommen wir heiße! Milch. Als wir dann „kalte“ bestellen, erreicht uns ein verständnisloser Blick. Das Spiegelei mit Speck ist gut. Das Frühstück kostet 8 €.
Zwischendurch versuche ich auf die Toilette zu gehen, was sich weder als einfach noch als schnell herausstellt. Die Toiletten auf unserer Etage sind zugesperrt, die Kellnerin nirgends aufzufinden. Ich gehe zum angrenzenden Shop und lasse mir die Schlüssel geben. Den Weg zu den Toiletten habe ich mir erklären lassen und auch bald gefunden. Erst als ich vor dem Toilettenhäuschen stehe sehe ich, dass am Schlüsselbund sechs identisch aussehende Schlüssel hängen. Oh man, nach dem fünften hat endlich einer funktioniert. Eilig darf man es hier nicht haben. Ich bin nun drin, nur dass auch die fünf Toilettentüren alle verschlossen sind. Also wieder durchprobieren. Geschafft! Zu meiner Überraschung sind Toilette und Waschraum picobello sauber. Als ich Hannes mein kleines Abenteuer erzähle, beschließt er an einem anderen Ort seinen Bedürfnissen nachzugehen.

Es ist 10.30 Uhr, die Sonne brennt erbarmungslos. Die meisten Tiere suchen Schatten. Eine Kuh hat sich sogar eine Bushaltestelle als Schattenplatz auserkoren. Anderen Tieren wiederum scheint die Hitze nichts auszumachen. Starr stehen sie mitten in der Sonne und rühren sich nicht vom Fleck.

Wir kommen gut voran. Zur Abwechslung ist die Straße mal in einem guten Zustand. Ab und zu müssen wir wegen Veterinärkontrollen abbremsen. Einmal kommen wir in eine Polizeikontrolle und müssen unsere Ausweise und Führerschein vorzeigen. Alle sind nett und gesprächig und lassen uns meist mit einem Lächeln weiterziehen.
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Rechter Hand sehen wir die Makgadikgadi-Salzpfannen, die am dünnsten besiedelte Region Botswanas. Die Pfannen sind vegetationslos, an ihren Rändern findet sich flaches Grasland. Die mit Abstand größten Pfannen sind die Ntwetwe-Pfanne und die Sowa-Pfanne. Wegen des Mopipi-Staudamms, der die Diamantmine in Orapa mit Wasser versorgt, führt der Boteti, der Zufluss zur Ntwetwe-Pfanne, heute nur noch sehr selten Wasser in die Pfanne. Daher liegt sie fast immer trocken. Die Sowa-Pfanne wird vom Nata gespeist.

Unsere nächsten fünf Tage werden wir auf der Dombo-Farm, eine Wild-Farm, verbringen. Kurz nach der Ankunft trauen wir unseren Augen nicht: Der zweite hintere Reifen hat einen Platten! Tag fünf unserer 20-tägigen Reise.

Es ist ein herzlicher Empfang, den uns Heike und Uli bereitet haben. Unser bezogenes Häuschen lässt keine Wünsche offen. Der Gegensatz zur gestrigen Unterkunft könnte kaum größer sein. Die Einrichtung ist geschmackvoll, alles miteinander abgestimmt, und bis ins Kleinste durchdacht, sauber und kühl.

Die heutige Nacht ist außergewöhnlich klar. Als wir auf die Veranda hinaustreten, funkeln unzählige Sterne über uns. Sie scheinen nicht fern am Himmel zu stehen, sondern zum Greifen nah zu sein. Einige sind unheimlich groß und deutlich zu sehen. Als bräuchte man nur die Hände auszustrecken, um sie zu berühren. Die Milchstraße zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Die Schönheit dieses Anblicks übt immer wieder aufs Neue eine Faszination auf uns aus.

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zuletzt bearbeitet 20. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #18
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Haupthaus mit Veranda
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Unser "Häusle"
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Weg vom Häusle zum Haupthaus
zuletzt bearbeitet 20. Sept. 2014
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #19
Lil schrieb:Hallo Erzi,

wunderschöne Landschaftsaufnahmen 🤪 🤪 🤪 .

LG Lil
Danke!!! 😎 🙂 😁 😉
Themenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #20
Dombo-Farm - Maun

Heute Morgen genießen wir ausgiebig Heikes und Ulis Gastfreundschaft. Das Frühstück lässt keine Wünsche offen. Als Nachtisch gibt es noch frische Papaya und Mango und reichlich Kaffee sowieso. Wir sitzen fast zwei Stunden am Frühstückstisch, der Gesprächsstoff geht uns nicht aus.

Wir beschließen nach Maun zu fahren, um die hiesige Reifenwerkstatt aufzusuchen und unsere kaputten Reifen fachmännisch überprüfen zu lassen. Das wird einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, da wir je 2 Stunden für die Hin- und Rückfahrt benötigen. Beim Tyremax, den wir laut Beschreibung gleich finden, stellen die Mechaniker fest, dass Reifen Nr. 1 nicht mehr reparabel ist. Da steht nun die Frage im Raum: Was machen wir? Riskieren wir die Fahrt durch die Nationalparks Moremi und Chobe mit nur einem Ersatzreifen? Schnell ist klar, dass ein neuer Reifen her muss. Nächste Frage: Wer bezahlt? Wir telefonieren mit Bushlore hin und her (die Verbindung ist schlecht) und können uns nicht einigen. Wir sind sauer. Jetzt ist genau das eingetroffen, was wir vor nicht mal einer Woche vorausgesehen und worüber wir diskutiert haben und nun erneut kein Entgegenkommen von Bushlore. Trotz dieser ungeklärten Frage entschließen wir uns einen nagelneuen Reifen zu kaufen. Schließlich steht unsere weitere Reise auf dem Spiel. Den kaputten und nicht mehr zu reparierenden Reifen lassen wir auf dem Dach festzurren, in der Hoffnung, bei der Auto-Übergabe doch noch eine Kostenklärung herbeiführen zu können. Der Betrag, den wir nun für einen neuen Reifen ausgeben müssen, war eigentlich für einen Helikopterflug über das Delta geplant. Was solls! Der Heli-Flug ist auch so nicht möglich - wir bekommen nur einen späten Nachmittags-Flug angeboten und da befinden wir uns schon wieder auf der Heimfahrt.

Einen „Entspannungs“-Cappuccino gibt es im „Bon Arrive“ nahe dem Airport. Wir lehnen uns zurück und fröhnen einer meiner Lieblingsbeschäftigungen: Dem Tun und Treiben der Menschen um uns herum zuzuschauen. Das wird nie langweilig. Die dunkelhäutigen und meistens großen und schlanken Einheimischen tragen lange Kleidung, wobei kräftige Farben sehr beliebt sind. Die Farbe Rot ist die dominanteste. Bei der Wahl der Kopfbedeckung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wir sehen Tücher, Sonnenschirme, Helme! aber auch Kisten, Säcke, Töpfe, Eimer, Holz …

Auf der Rückfahrt müssen wir durch eine Desinfektionswanne fahren. Zuvor steigen wir aus und drücken unsere Schuhe in einen Desinfektionsschwamm.

Wir beobachten nun schon den zweiten Abend einen Leoparden. Uli hat einen Schweinskopf auf einem starken Ast eines Baumes platziert. Apart und katzenhaft hockt die Großkatze davor. Ab und zu nimmt sie sich eine ordentliche Portion, wir hören das Nagen und Reißen des Fleisches. Ein zarter Wildtiergeruch weht zu uns herüber. Ein Abendprogramm, dass man nicht jede Tage hat.

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