erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201320. Sept. 2014 · #21
Dombo Farm
Auf der Farm von Heike und Uli gibt es etwas Einmaliges. Sie halten zwei Carakals als Haustiere. Eigentlich wurden diese gekauft um sie später auf der Farm auszuwildern, doch es hat sich bald herausgestellt, dass sie die für die Wildnis erforderliche Gesundheit nicht besitzen. Sie würden nicht lange überleben. Uli hat dann ein riesiges Gehege gebaut und seitdem kümmern sie sich um die beiden wie zwei Eltern um ihre Kinder.
Wir dürfen bei der Fütterung dabei sein. In einer Ecke platziert warten wir gespannt. Von weitem hören wir sie fauchen. Und da kommen sie auch schon um die Ecke geprescht, zwei Carakals stürmen auf uns zu. Gerade als wir denken, dass wir überrannt werden, gehen sie scharf in die Kurve. Im nächsten Augenblick schlappern sie zufrieden aus ihren Näpfen. Anschließend gibt es ein paar Runden im Gehege. Timmy, der männliche Part, hat sich schnell an mich gewöhnt, und so kann ich schon am zweiten Tag allein mit ihm einige Runden drehen. Am dritten Tag habe ich mich getraut, mich herunter zu beugen und ihm einen Kopf-zu-Kopf-Stüber zu geben, was einem Freundschaftsbeweis unter Karakals gleichkommt. Für mich eine große Überwindung, denn vorher habe ich mich beim Strecken und Gähnen davon überzeugen können wie lang und spitz die Zähne dieser Katzen sind. Mit Sophie habe ich dann am vorletzten Tag Freundschaft geschlossen. Sophie ist eine richtige „Katzendame“ und nicht leicht zu gewinnen. Aber meine tägliche Anwesenheit und Timmys Zutraulichkeit hat auch sie letztendlich überzeugt.
Am Nachmittag unternehmen wir eine Farmrundfahrt. Am zweiten Wasserloch – die Wasserlöcher werden von Uli regelmäßig gefüllt – schrecken wir einen Elefanten auf. Die Bewegungen des Elefanten sind hektisch, er wirkt nervös, seine Ohren sind breit aufgestellt. Er akzeptiert nicht mal unser Auto in gewisser Entfernung, also verlassen wir das Areal. Wir sind die Eindringlinge, er war nun mal zuerst da.
Als Trost bestaunen wir ein wenig später die erst vor kurzem geschlüpften Schleiereulen. In einem Unterschlupf drängen sich in einer Ecke acht kleine Schleiereulen. Sie wirken apathisch und haben die Augen halb zu. Die Mutter hat sich aus dem Staub gemacht, als wir gekommen sind; wir haben sie noch wegfliegen sehen. Es stinkt gewaltig nach Aas und Exkrementen. Schleiereulen sind Boden-brüter, also in den ersten Tagen/Wochen stark gefährdet, hoffentlich bietet der feste Unterschlupf sicheren Schutz. Wir machen die Tür wieder zu und erfahren dann später, als wir schon zu Hause sind, dass alle acht überlebt haben.
Jeden Abend lassen sich Heike und Uli etwas anderes zum Abendessen und als Abendprogramm einfallen. Heute wollen wir gemütlich am Lagerfeuer sitzen, Gin-Tonic trinken und den Gemsbock Gulasch im Schmortopf schmoren lassen. Aber der Leopard hat beschlossen uns auch heute einen Besuch abzustatten und so verlassen wir das etwas außerhalb liegende Lagerfeuer-Areal und sitzen zu viert wieder auf der Terrasse, wo wir einen erstklassigen Blick auf unser Abendprogramm haben.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201321. Sept. 2014 · #22
Nxai NP
Nach einer ¾ Stunde Farmfahrt erreiche wir die Asphaltstraße, nach eine weiteren ¾ Stunde den Nxai NP, der im Wesentlichen aus mehreren fossilen Pfannen besteht. Der Eintritt kostet etwa 30 €. Am Eingang steht ein junger Einheimischer und bittet uns ihn bis zum Südgate mitzunehmen. Da wir ohnehin vorhatten dahin zu fahren, lassen wir ihn einsteigen.
Schon nach wenigen Metern schlingern wir durch die schönste Sandpiste, charakteristisch für diese Gegend. Tiefe Spuren hinter uns lassend, arbeitet sich unser Auto langsam vorwärts. Nur nicht stehenbleiben! In der Baum- und Steppensavanne sehen wir vereinzelt Elefanten, später auch Gruppen. Außer uns ist niemand unterwegs. Am Südgate angelangt, sehen wir zwischen Bäumen eine etwas zerfallene Baracke und einige Häuschen. Das Camp wirkt wie ausgestorben. Unser Fahrgast steigt aus und wir nutzen die Gelegenheit um auf die Toilette zu gehen. Wie in allen NP Afrikas ist aussteigen unterwegs verboten.
Wir haben wieder festen Boden unter den Rädern. An einem Wasserloch nehmen wir unseren Mittagssnack ein und da die Mittagssonne brennt und nichts los ist, dösen wir ein. Was für ein Anblick als wir die Augen wieder öffnen! Plötzlich sehen wir geschätzte Hundert Gnus ans Wasserloch angestaubt kommen. In vorderster Front die Bullen, die das Terrain sondieren. Bald teilt sich die Herde und lässt den Blick auf Jung- und Muttertiere frei. Eine dreiköpfige Zebra-Familie ist auch mit von der Partie. Weiter hinten am Horizont lassen sich Einzelgänger blicken.
Auf dem Weg zu Baines Baobabs – der Hauptattraktion des Nxai-NP – beobachten wir Zebras, Springböcke, Impala, Strauße, Giraffen und Schakale. Da uns heute Morgen am Main-Gate mitgeteilt wurde, dass der Hauptweg nicht befahrbar ist, müssen wir den leider doppelt so langen Weg nehmen. Er zieht sich tatsächlich in die Länge. Wir fahren einen ausgehöhlten Weg entlang, rechts und links nichts als meterhohes Gras. Die einzige Abwechslung sind zwei Oryx-Antilopen, die sich im Gras verstecken. Nur das Kopfende mit den imposanten Hörnern lugt aus der Grasdecke hervor. Ein drolliger Anblick!
Wir kommen an der Rückseite der berühmten Bäume an und sind erst einmal enttäuscht über die kleine Baumgruppe, die da mitten in der Grassteppe herausragt. Die Riesenhaftigkeit der Bäume erschließt sich uns erst, als wir hinunter in die Salzpfanne fahren. Wau! Das Baumensemble ist wirklich imposant! Die Formation besteht aus sieben riesigen Baobabs, die mitten im Nichts stehen. Die jahrtausendealten Affenbrotbäume gehören zu den bekanntesten und beeindruckendsten Baumgruppen Afrikas – wir finden zu recht.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201321. Sept. 2014 · #23
Nun der vorerst letzte Tag des 2. Teils 😎
Makgadikgadi NP
Heute geht`s zum zweiten angrenzenden NP, zum Makgadikgadi NP. Er ist der größere und landschaftlich schönere. Die Makgadikgadi-Pfannen gelten als einer der größten Salzpfannen der Erde. An der Stelle der heutigen Makgadikgadi-Salzpfannen war früher ein großer See. Er umfasste etwa 60.000 km² und erreichte eine Tiefe von bis zu 30 Metern. Da der See ohne Abfluss war, konzentrierte sich das Salz. Durch Klimaveränderung und Erdverschiebungen trocknete der See aus.
Unser erster Höhepunkt bahnt sich am fernen Horizont an. Wir können schätzungsweise Hunderte Zebras erkennen. Die Migration hat begonnen oder auch: Die Invasion der Pflanzenfresser folgt dem besseren Nahrungsangebot. 😉 Um das Ausmaß erfassen zu können, steigt Hannes auf das Autodach und sieht nicht nur Hunderte, sondern Tausende Zebras. Der ganze Horizont ist mit Streifen übersäht. Da uns die Zebras gewittert haben, sind Tausende Augenpaare auf uns gerichtet.
Bald wird die karge Savannenlandschaft saftiger und der nahe Fluss kündigt sich an. Die Flora und Fauna ist plötzlich wie verändert. Überall sattes Grün, blühende Pflanzen, Klunkel-Kraniche, Reiher und Enten, die den Fluss bevölkern. Und nicht nur die. Wir entdecken eine große Herde Hippos, die sich mitten im Fluss verteilt hat. Es sind 13 an der Zahl, so viele auf einmal haben wir noch nie beobachtet. Darunter sind auch drei kleine Hippos, die kaum aus dem Wasser ragen.
Als wir weiterfahren sehen wir unzählige Geier am Himmel kreisen, die sich später auf einen einzigen Baum niederlassen. In der Nähe entdecken wir ein totes Zebra. Fleischfresser haben bereits klaffende Löcher in den Kadaver gefressen. Die Totengräber der Lüfte warten sicher nur darauf, dass wir wegfahren, dann werden sie sich über den Rest hermachen.
Wir haben noch einmal Glück. Ganz in der Nähe entscheidet sich gerade eine Elefantenfamilie im Fluss ein Bad zu nehmen. Sie haben uns gewittert. Mit einem gelassenen Schwenken des Kopfes betrachten uns die Tiere und stufen uns als harmlos ein. Sie gehen weiter ihrem vergnügten Badespaß nach. Man spürt die Freude und Ausgelassenheit, die sie dabei haben. Wir beobachten, wie die körperkontaktfixierten Tiere sich ständig berühren. Sie gießen sich Wasser auf den Rücken, verdrehen ihre Rüssel ineinander, tauchen sich gegenseitig unter, balgen miteinander, prusten, posaunen. Wir sehen heute das erste Mal Elefanten baden. Ein Blick in eine fremde und private Welt, ohne Barriere. Unvergesslich.
Unser heutiges letztes Erlebnis haben wir, als wir mit der Ein-Auto-Fähre über den Boteti setzen. Da der Boteti in den letzten Jahren wieder Wasser führt, wurde 2011 eine kleine Fähre eingesetzt. Es wartet noch ein anderes Auto hinter uns und weil der Feierabend lockt, befinden wir uns dann plötzlich zu zweit auf der Fähre. Das Gewicht ist nicht so das Problem, nur die Länge. Es ist wirklich Millimeterarbeit, die Autos so zu rangieren, dass beide auf die Fähre passen. Ich bewundere Hannes Fahrkunst und Ruhe, denn ich bekomme etwas Panik, da ich vor uns nur noch Wasser sehe und wir immer noch weiter nach vorn gewunken werden. Durch das doppelte Gewicht kann die Fähre am anderen Ufer nicht bis an den Rand fahren, also müssen wir erst in den Fluss hineinfahren, um an das Ufer zu gelangen. Kein Problem für unseren Landcruiser.
Es war ein herrlicher Tag, eine sanfte Brise streift über das Gras, der Himmel ist glutrot gestreift.
Aber auch deine Bilder vom Boteti River sind traumhaft. Da kommen schöne Erinnerungen hoch : Zebrastreifen, badende Elefanten, wunderschöne Natur. Und auf dein Hippobild bin ich neidisch; nicht ein einziges haben wir in dieser Gegend gesehen 😐 😐 😐 .
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201328. Sept. 2014 · #25
Dombo-Farm - Maun
Ein letztes Mal bin ich noch bei der Fütterung von Timmy und Sophie dabei. Während des Einladens werden wir plötzlich von einem aufgeregtem Vogelgezwitscher aufgeschreckt. Eine Schlange hat sich im Baum einem Vogelnest zu sehr genähert. Die Vögel versuchen nun in Teamarbeit die Schlange zu verscheuchen, in dem sie abwechselnd mit dem Schnabel voran die Schlange aggressiv anfliegen und aufgeregt zwitschern. Erstaunlich das kollegiale Vorgehen verschiedener Vogelarten, um einen gemeinsamen Feind zu bezwingen.
Am frühen Nachmittag, und nach einer Irrfahrt durch Maun, finden wir endlich die Unterkunft von June Liversedge "The Kraal". Selbst mit GPS ist diese sehr schlecht zu finden, Beschilderung: Keine! Die Unterkunft, herrlich gelegen am Thamalakane Fluss, lädt ein auf dem Steg zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und die vielen Vögel zu beobachten. Wir haben jedoch keine Zeit. Mit Heikes Beziehung habe wir heute Nachmittag noch einen Flug über das Okawango Delta ergattert.
Zuerst müssen wir jedoch unsere Vorräte auffüllen, heute sind wir für unsere Verpflegung wieder selbst verantwortlich. Im Spar sind wir die einzigen mit heller Hautfarbe. Wir fühlen uns trotzdem nicht unwohl. Die Botswanischen Einwohner sind ein sehr stolzes Volk. Nie haben wir eine Situation erlebt, in der wir Angst hatten, weder in Einkaufsmärkten, noch an Tankstellen oder Ballungszentren.
Im Supermarkt herrscht ein einziges Gewusel, trotzdem kommt keine Hektik auf. Mir wird ganz wirr im Kopf. Auch Hannes versucht so schnell wie möglich, alles Nötige in den Wagen zu packen. Wir sind es nicht mehr gewohnt unter so vielen Menschen zu weilen. Anderthalb Wochen im Busch haben ausgereicht, um uns zu „entwöhnen“.
Überall gibt es nur ungeschnittenes Brot. Wir haben uns schon damit abgefunden, selbst das weiche Brot schneiden zu müssen, als wir am Ausgang eine Brotschneidemaschine entdecken, umringt von einer Menschentraube. Irgendwann schaffen auch wir es, unser Brot in den Automaten zu schieben.
Am Geldautomaten, wo wir erfolgreich gerade selbst Geld abgehoben haben (ist ja nicht selbstverständlich), helfen wir einem älteren Einheimischen den Automaten zu bedienen. Er ist uns sehr dankbar. Beim Lächeln sind nur noch drei Zähne zu erkennen.
Zum schönsten Licht des Tages – Punkt 16 Uhr - heben wir mit einem viersitzigen Leichtflugzeug für einen einstündigen Flug (2370 Pula) über das Okawango Delta ab. Das Besondere am Okawango ist, dass er nie das Meer erreicht. Das Wasser versandet, was nicht vorher schon verdunstet ist. Es ist durch zwei Extreme gekennzeichnet: Überschwemmung und Dürre.
Hannes sitzt vorn neben dem Piloten und ich hinten in der Mitte, habe also nach links und rechts freie Sicht. Am Anfang machen wir uns noch gegenseitig aufmerksam auf eine Elefantenherde, die im Gänsemarsch durch das Wasser stapft oder eine Giraffenherde, die an Baumwipfeln zupft oder über eine besonders landschaftlich schöne Aussicht. Doch bald sitzen wir nur noch da und genießen die überwältigende Naturschönheit. Das Okawango-Delta ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, welches sich in seiner Gesamtheit nur aus der Vogelperspektive erschließen lässt. Ein Mosaik aus offenen Wasserflächen, schwimmenden Inseln aus Vegetation breitet sich unter uns aus. Ein Labyrinth aus unzähligen Wasserstraßen. Der Sonne-Wolken-Mix lässt unterschiedliche Schattenspiele entstehen, die Sonne spiegelt sich im Wasser. Es gibt tolle Momente, in denen die Kontraste wie unwirklich scheinen.
Wieder in der Unterkunft zurück wird die Dunkelheit vom Gesang der Frösche erfüllt – es müssen Hunderte sein. Das vielstimmige Pfeiffen, das uns an den Klang von Kuhglocken erinnert - nur feiner und Hundertfach - begleitet uns in den Schlaf.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201328. Sept. 2014 · #26
Maun - Moremi NP - Sango Safari Camp oder eine Hippojagd durch`s Camp
Um halb Sieben geht die Sonne auf und da wir wach sind, sehen wir, wie der Feuerball die Nachtschatten verscheucht und den Fluss in warme Farben taucht. Tief berührt stehen wir am Flussufer, das Leben und der Tag beginnt von neuem.
Wir befinden uns auf der Asphaltstraße zum South-Gate des Moremi NP, bezahlen am Eingang das Permit und bald umschließt uns dichtes Gebüsch. Der Boden ist tiefsandig.
13.30 Uhr kommen wir im Sango-Safari-Camp an. Die Lodge bietet für höchstens 12 Gäste Platz. Unser Zelt liegt ganz außen. Phantastisch, wir haben nach vorn und zur rechten Seite freien Blick! Unweit vom Camp befindet sich der Khwai River, wo die Hippos wohnen. Von unserer Terrasse aus können wir einen sogar im dichten Gras ausmachen.
Bei unserem ersten Gamedrive haben wir unglaublich viel Glück mit den Tierbeobachtungen. Zuerst sehen wir eine große Elefantenherde mit Nachwuchs. Ein Mini-Elefant, der noch seinen Flaum auf der Nackenhaut trägt, ist auch darunter.
Als nächstes beobachten wir Wildhunde, die großflächig faul in der Sonne liegen und sich später zusammenrotten, um Impalas zu jagen.
Eine riesige Eule – Giant Eagles Owl - (der Guide schätzt 60 cm) erzeugt mit Einsatz ihres ganzen Körpers laute Lockrufe, die wir noch hören, als wir uns schon weit entfernt haben.
Zum Schluss halten wir in der Nähe vor einem Hyänenbau an. Ein achtköpfiger Klan tümmelt sich vor uns. Der Nachwuchs ist neugierig und büchst immer wieder in unsere Richtung aus - zum Leidwesen von Mutter und Tante. Es ist ein ewiges Spiel: Eines reist aus, die anderen zwei hinterher. Wenn sie sich zu weit entfernen, steht ein Mitglied des Verbundes auf und holt sie wieder zurück. Kaum sind die Erwachsenen entspannt geht es wieder von vorne los. Zu schnell ist es dunkel. Obwohl wir keine zwei Meter entfernt sind, können wir die Rasselbande nur noch schemenhaft erkennen. Es wird empfindlich kalt.
Unsere erste Nacht im Moremi NP verläuft spannend. Mitten im Tiefschlaf dringt ein ungewohntes Geräusch an unser Ohr. Es hört sich wie Pferdegetrampel an - kann aber nicht sein. Als uns das klar wird sind wir im Nu hellwach. Wir erleben gerade eine Hippojagd durch das Camp und die auch noch an unserem Zelt vorbei!! Es müssen mindestens zwei sein, vielleicht auch mehr, die sich jagen. Ein ausgewachsenes Flusspferd wiegt an die zwei Tonnen und wenn die erst mal in Bewegung sind, gibt es kein Halten mehr. Hoffentlich hält unser Zelt stand, sind noch unsere Gedanken, als es auch schon - einer Wasserbombe gleich - wusch, flapp, platsch macht. Vom Wasser her klingt das prahlerische Grunzen der Flusspferde zu uns herüber, beantwortet von einem vielstimmigen Wiehern.
THBiker1'366 Beiträge · seit 201129. Sept. 2014 · #27
erzi schrieb: Ein ausgewachsenes Flusspferd wiegt an die zwei Zentner ....
Ich lese ja immer nur still mit 😗 und freue mich über die tollen Berichte und vor allem Fotos.
Jetzt muss ich aber mal kurz was schreiben 😉 danach bin ich dann auch schon wieder ruhig 🙂
Flusspferde wiegen 1-2 Tonnen 😉. Männchen sogar noch schwerer, ich glaube irgendwo mal gelesen zu haben bis zu 4 Tonnen.
tiggi1'558 Beiträge · seit 201129. Sept. 2014 · #30
Liebe Erzi,
auch ich folge euch auf den sehr bekannten Spuren, lese ganz beeindruckt deinen Bericht und verfolge vor allem die schönen Fotos! 🙁 😄 Nur weiter so! LG von Biggi
Hey Erzi, die tollen Bilder von Sango kommen mir irgendwie bekannt vor 😛 . Lieben Dank dass du gerade so schöne Erinnerungen in mir wechst 😄 . Das Bild vom springenden Impala ist der Hammer 🤩 🤩 🤩 .
Aber auch Dombo muss ein Traum sein 🤩 . Vielen Dank dass wir bei euch mitreisen dürfen 🙂 .
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201329. Sept. 2014 · #32
😄 Genau! 😉 😄
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201329. Sept. 2014 · #33
Liebe Biggi,
vielen Dank! Ich freue mich über jedes Feedback 🙂
Was ist das denn für ein Motiv im Hintergrund. Sieht aus wie der Tafelberg aber die Perspektive kenne ich nicht. Oder bin ich auf nem falschen Dampfer??
LG von erzi
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201329. Sept. 2014 · #34
Lil schrieb:Hey Erzi, die tollen Bilder von Sango kommen mir irgendwie bekannt vor 😛 . Lieben Dank dass du gerade so schöne Erinnerungen in mir wechst 😄 . Das Bild vom springenden Impala ist der Hammer 🤩 🤩 🤩 .
Aber auch Dombo muss ein Traum sein 🤩 . Vielen Dank dass wir bei euch mitreisen dürfen 🙂 .
LG Lil
... 😄 ... ja da haben wir ja auch zusammen im Auto gesessen und haben uns durchrütteln lassen. 😄 🤪 🤪
Sag mal Lil: Wir haben doch ein Pärchen kennengelernt und die N... wollte doch auch im Forum aktiv werden. Hast Du Kontakt zu Ihr?
Dombo kann ich echt empfehlen, das hat die Reise irgendwie "rund" gemacht. 🤪 🤪
LG erzi
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201330. Sept. 2014 · #35
Moremi NP oderEin Meer von Seerosen
5.30 erwacht das Camp. Es ist bitterkalt und noch dunkel. Nach einem kurzen Frühstück sitzen wir im Zwiebel-Look im offenen Auto und versuchen durch den Fahrtwind nicht auszukühlen. Aber mit jedem Zentimeter, den die Sonne an Höhe gewinnt, wird es wärmer.
Zuerst müssen wir durch einen aus dem Ufer getretenen Wasserarm durchfahren. Alles am Boden liegende sollen wir auf unsere Sitze verstauen und los geht die Fahrt. Wir vertrauen darauf, dass unser Guide „Four by Four“ den Wasserweg kennt, um nicht zu versinken. Souverän fährt er mit ein paar Kurven durch das Wasser. War das ein Gaudi! Wasserfontänen von allen Seiten!
Bald sind auf der Spur eines Löwen. Wir sind die ersten, die ihn entdecken. Es ist eine Löwen-Dame. Nahe am Auto streift sie an uns vorbei. Mir bleibt fast das Herz stehen - sie ist so nahe, dass ich das hecheln hören kann. Beim Vorbeigehen treffen sich kurz unsere Augen. Das Maul und Fell sind rot von frischem Blut ist. Im nahen Gebüsch findet unser Späher ein ausgewachsenes Kudu-Männchen, das schon zur Hälfte ausgeweidet und mindestens ein Tag alt ist. Später werden wir noch einige Löwen sehen und noch näher herankommen, aber die erste Begegnung ist immer die spannendste und berührendste.
Etwas ganz Besonders sehen wir auf dem Rückweg: Ein Giraffen-Baby – keine drei Wochen alt. Wir spüren seinen Konflikt: Eigentlich bin ich neugierig und möchte wissen, was da los ist; aber ich habe auch richtig Angst. Die Entscheidung ist gefallen: Unbeholfen stakst es von uns weg. Drollig.
Ansonsten halten wir uns heute viel in der Nähe vom Wasser auf.
Nach dem Lunch und einer kleinen Mittagspause unternehmen wir eine Mokoro-Fahrt auf einem Nebenarm des Khwai. Entspannt im Mokoro sitzend schweben wir durch ein Meer von Seerosen. Es ist ruhig hier, wir hören nur das Geräusch unseres eigenen Bootes. Phantastisch die tollen Spiegelungen im Wasser, das ganz klar ist. Ein tolle Erfahrung, die Gegend mal auf Augenhöhe zu erleben. Durch den Perspektivenwechsel sieht die Umgebung ganz anders aus. Unser Guide bastelt für Hannes einen lustigen Hut aus Seerosenblätter und mir eine Seerosenkette, die so schön ist, dass ich sie am liebsten mit nach Hause nehmen möchte.
Geschmückt und entspannt nehmen wir am Flussufer einen Sundowner ein, sehen der Sonne zu, wie sie sich am fernen Horizont für eine Nacht verabschiedet. Sie nimmt den Dingen ihre Farben und scheucht die Tiere des Tages in Höhlen, Kuhlen, Kronen. Die Zeit der Fauna der Nacht bricht heran, die aus dem Schutz ihrer Verstecke hervorkriechen, huschen und fliegen. Etwas Friedvolles bringt diese Abendstimmung mit sich.
Abends sitzt die ganze Meute mitten auf einem abgemähten Stück Wiese und lässt sich das hervorragende 3-Gänge-Menü munden. Die Wärme vom Lagerfeuer danach tut gut. Die Gäste, die genug von knisterndem Lagerfeuer haben, werden von den Guides aus Sicherheitsgründen zum Zelt begleitet.
Als wir unter dem Sternenhimmel in unser Zelt gehen, hören wir die typischen Geräusche Afrikas. Über dem konstanten Grundton der Zikaden und Frösche knurrt und schnaubt es, Elefanten trompeten, Flusspferde grunzen, irgendein Geschöpf zetert verstimmt.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201303. Okt. 2014 · #36
Fahrt Moremi NP zum Chobe NP oder Abenteuer WASSERDURCHQUERUNG
Heute ist der große Tag. Wir müssen eine Wasserstelle passieren, die schon zu Hause für unruhige Nächte gesorgt hat. Die berüchtigte Wasserstelle ist auf You Tube zusehen.Hier der LinK:
Viele Male hat sich Hannes schiefgegangene Wasserdurchfahrten anderer Urlauber angesehen, die ihren Urlaub unterbrechen mussten, weil sie schlichtweg abgesoffen sind und ein neues Fahrzeug her musste. In den Nationalparks Moremi und Chobe gibt es unzählige Wasserfurten, aber diese hier hat es – nach einhelliger Meinung von Einheimischen und Guides – in sich.
Wir sind also vorgewarnt und wissen, dass es eine Ausweichstelle in der Nähe gibt. Diese sind wir am gestrigen Tag mit unserem Guide „Four by four“ Probegefahren. Er hat uns genau gezeigt, wo wir langfahren müssen. Wir versuchen uns die Landmarken zu merken.
Face, der Manager, mit dem wir uns angefreundet haben, und der auch auf dem Video heldenhaft zu sehen ist, wie er das abgesoffene Auto aus dem Wasser zieht, begleitet uns ein kurzes Stück und fährt vor. Leider bockt wieder mal das Getriebe unseres Landcruisers und wir haben Schwierigkeiten den Low Range zuverlässig reinzubekommen. Es hilft nichts, Face ist nun schon am anderen Ufer und wir müssen allein durchfahren. Es geht besser als gedacht. Kurz versinken wir in einer Untiefe bis knapp unter die Motorhaube, aber unser Auto arbeitet sich wieder aus dem schlammigen Boden. Am anderen Ufer gut angelangt, bemerke ich, dass ich vor lauter Aufregung verpasst habe, unsere bisher größte fahrerische Herausforderung zu filmen! Noch Stunden danach quietscht unser Keilriemen.
Nach knappen fünf Stunden erreichen wir das „Savuti Camp“, gelegen im Chobe NP. Am Torbogen winkt und hopst überschwenglich ein Angestellter. Meint er uns? Es stellt sich heraus, dass das der Manager ist. Ein komisches Gebaren, aber das dicke Ende kommt noch …
Da wir die einzigen Gäste sind, können wir uns eins von den vier Zelten aussuchen und nehmen das mit dem besten Blick auf Fluss und Umgebung. Mühsam stapfen wir durch den grauen Sand hin und her. Das Zelt ist ein einziger Reißverschluss-Wust. Alles was Tür und Fenster heißt, ist mit Reisverschlüssen auf- und zuzumachen. Die Außendusche ist eine Herausforderung. Zuerst ist das Duschwasser brühend-heiß und danach kommt nur noch kaltes Wasser aus dem Duschkopf.
Beim anschließenden Game-Drive fährt Hannes allein. Mit geht es heute nicht besonders gut und hole eine Portion Schlaf nach. Nach etwa zwei Stunden wache ich von einem Geräusch auf. Ich lokalisiere woher es kommt und wer es macht. Eine Minute später stehe ich auf der Wiese und sehe zu, wie gerade ein Elefant seinen Rüssel in den Fluss taucht und literweise Wasser in den Rüssel saugt. Er legt seinen Kopf nach hinten, steckt die Rüsselspitze in den faltigen, offenen Mund und lässt das wertvolle Nass hineinfließen. Gluck, gluck. Als das Bad beendet ist, läuft er in meine Richtung und geht keine fünf Meter an mir vorbei. Noch bin ich fasziniert von meinem Besuch, doch bald wird mir bewusst, dass der Elefant viel zu nahe ist. Ich versuche Abstand zu gewinnen und gehe langsam rückwärts. Meine Bewegung zeigt auch beim ihm eine Reaktion. Er hält an und taxiert mich. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich rede ruhig auf ihn ein. Er ist ein sanftmütiger Riese und dreht zum Glück ab.
Hannes kommt, es ist mittlerweile dunkel, mit einem glücklichen Gesichtsausdruck ins Zelt gezippt. Euphorisch erzählt er vom Game-Drive. Er hat ein Löwenrudel aus ca. sieben Meter Entfernung beobachtet.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201304. Okt. 2014 · #37
2. Tag Chobe NP oder The Lion is King
6.15 Uhr sitzen wir im Auto und werden ordentlich durchgerüttelt. Unsere Vorfreude ist heute besonders groß.
Wir werden nicht enttäuscht. Es ist gerade hell geworden und zwischen den Bäumen bewegt sich ein braunes Fell. Löwen! Eins, zwei, drei –nein- vier! junge Löwenmännchen machen ihren Morgenspaziergang. Wir begleiten sie ein Stück. Wir verschaffen uns einen Vorsprung und können beobachten, wie die Löwen auf uns zugelaufen kommen. Als sie unseren offenen Geländewagen passieren, kommen sie uns so nahe, dass man nur eine Hand auszustrecken braucht, um sie zu berühren. Unser Guide gibt uns kurze Anweisungen: Ruhe bewahren und keine hektischen Bewegungen machen. Der eine oder andere schaut uns dabei kurz in die Augen. Dieser kurze Augenblick ist überwältigend. Angst, Respekt und Faszination wechseln sich im Gefühlssortiment ab. Wie viele Gelegenheiten hat man im Leben, einem wilden und gefährlichen Tier so nahe zu sein? Als die Löwen genug von dem Rummel haben verschwinden sie einer nach dem anderen in das dichte herbstliche Gebüsch.
Später sehen wir an einem größeren Wasserloch eine Büffelherde. Dazu haben sich fünf Wildhunde gesellt, die aber auf Abstand zur Büffelherde bleiben. Zu Recht, denn kommt ein Wildhund in das Territorium der Büffel, greift sofort ein Bulle an.
Später treffen wir noch eine Giraffe, die zum Trinken an die Wasserstelle gekommen ist. Es ist immer wieder verblüffend mit anzusehen, wie weit Giraffen ihre langen Beine spreizen müssen, um an das Nass zu kommen. In dieser Zeit sind sie wehrlos und daher sehr nervös, schauen immer wieder auf.
Nach einem hervorragenden Lunch, legen wir ein Päuschen ein und holen etwas Schlaf nach. Am Nachmittag bringen Kaffee und Kuchen unsere Lebensgeister wieder auf Trab. Heute ist es besonders heiß: 35 Grad im Schatten. K. G. – unser Guide - ist heute Nachmittag sehr motiviert. Er will uns etwas zeigen. Eineinhalb Stunden verfolgen wir eine Fährte, die sich jedoch immer wieder im dichten Gras verliert. Unser Guide hat ein besonderes Talent die Verstecke der Tiere ausfindig zu machen. Endlich hat K. G. durch das Fernrohr entdeckt, was er uns zeigen wollte: Eine Löwenmutter mit drei kleinen Babys!!! Wir wollen näher heran. Langsam pirschen wir uns mit unserem Fahrzeug soweit in ihre Nähe bis sie meint der Abstand ist zu klein. Eines ihrer Babys in´s Maul nehmend, vergrößert sie den Abstand wieder, die ganze Bagage gehorsam hinterher. Das ganze Spiel wiederholt sich mehrere Male. Letztendlich wird unsere Geduld belohnt. Nach etwa einer dreiviertel Stunde duldet uns die Löwenmutter ganz in ihrer Nähe. Entspannt sitzt sie nun im Gras und wir sehen ihre Kleinen herumtollen. Trotzdem ist die Löwen-Mutter sehr vorsichtig und behält wachsam die Gegend im Auge.
Bei diesem Spektakel ist mittlerweile die Sonne untergegangen. Vorher gibt es noch einen schönen Regenbogen. Als wir zurück zum Camp düsen ist es kalt geworden, der Himmel ist voll dichter Wolken. Kaum, das wir angekommen sind, beginnt es zu regen. Oh tut die frische Luft gut.
Die Mahlzeiten nehmen wir mit dem Manager ein – den Namen habe ich vergessen. Das Essen ist hervorragend aber unser Gegenüber unangenehm. Hannes nennt es „Käptn-Dinner“. Nur das nicht der "Käptn" für Unterhaltung sorgt, sondern wir. Hinzu kommt noch: Kaum ist der letzte Gang aufgetragen, lässt er uns deutlich spüren, dass der Abend vorbei ist. Wir schnappen uns noch eine Flasche Wein und lassen uns von ihm gezwungener Maßen zum Zelt bringen. Pfff ...
Nachts verkündet das tiefe, ungezähmte Brüllen eines Löwen vom Beginn der Jagd. Das respekteinflößende Gebrüll eines Löwen im Busch bleibt unauslöschlich.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201305. Okt. 2014 · #38
Chobe Savuti Camp nach Kasane Senyati Camp oder Der UNSICHTBARE
Es heißt, dass der Leopard die Fähigkeit besitzt, sich „unsichtbar“ zu machen. 🙁 Das hat in all unseren Afrika-Urlauben seine Bestätigung gefunden. 😵 Am gestrigen Tag sind wir ihm eine ganze Zeit auf der Spur gewesen und nicht einmal der Filmemacher von BBC hat ihn aufspüren können.
Doch heute ist Leopardentag. Wir folgen einer frischen Leopardenspur. Alle Mühe soll belohnt werden: Auf einem starken Ast eines Baumes liegend, räkelt sich ein Leopard. Wir sind ganz hingerissen von dieser romantischen Szene, die wie aus dem Bilderbuch scheint. Hinter der gelangweilten Show versteckt sich ein aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung. Einen weiteren Leoparden sehen wir am Hang und einen dritten weiter hinten im hohen Gras. Drei auf einmal! 🤪 😁 🤪
Unsere Reise geht weiter Richtung Osten zu unserer nächsten Station. Leider verlassen wir heute den Busch und den Nationalpark und die Tiere und den sandigen Boden. Wir nähern uns wieder der Zivilisation. Wehmut macht sich bemerkbar. Doch freuen wir uns auch auf unsere nächste Unterkunft: Senyati. Wer Elefanten mag, der ist da goldrichtig. 😎
Die ersten 80 km sind sehr sandig, die Farbe wechselt von grau zu orange. Unser Auto arbeitet sich voran. Dann erreichen wir die Asphaltstraße und bald fahren wir am Chobe entlang. Wir machen noch einen kurzen Halt in „Mwandi View“, eine Unterkunft, die wir bald gebucht hätten. Nach dieser Besichtigung sind wir froh, dass wir weiterfahren dürfen, da alles noch recht baustellig wirkt.
Unsere nächste Unterkunft, das Senyati-Camp, erreichen wir nach weiteren 120 km. Wir sind sehr skeptisch, da Hannes in den letzten Wochen einige schlechte Kritiken gelesen hat. Leider werden unsere Befürchtungen bewahrheitet. Das Inventar ist willkürlich zusammengestellt und lieblos. Alles macht einen abgewohnten Eindruck, es ist schmuddelig und schmutzig. Trotzdem beschließen wir zu bleiben. Denn gerade kommen die ersten Elefanten an die Quelle, um das erfrischende Nass zu probieren. Die Quelle ist ein paar Meter von unserem Haus entfernt und so können wir die Elefanten beobachten, die kommen und gehen bis in die Nacht hinein.
🤩 So. liebe Mitleser- das war es erst einmal zum Teil 3 😉 Nächste Woche gibt es einiges über Elefanten zu berichten und wir fahren die Hunter`s Road und die Chobe River-Front entlang. Außerdem wechseln wir die Unterkunft. Grund? Alles nächste Woche! Bis bald! 🤪 😉 🤪
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201311. Okt. 2014 · #39
Senyati Camp oder Immer der Grenze entlang
Heute Morgen sehen wir auf sämtlichen Ablageflächen in der Küche und auf dem Fußboden kleine Kotkügelchen, die entweder von Mäusen oder anderem Getier stammen. Die Nacht haben wir in zerrissener Bettwäsche geschlafen, die Wände haben verdächtige Farben, der Putz bröckelt und die Sanitäranlagen sind auch nach eigener Putz-Hingabe nicht mehr richtig sauber zu kriegen. Uns reicht es. Wir beschließen nach Kasane zu fahren und eine neue Unterkunft zu suchen.
Wir fahren zur Hunter´s Road, eine der ältesten Straßen des Landes. Sie erhielt diesen Namen wegen des intensiven Elfenbeinhandels, der hier im 19. Jh. betrieben worden ist. In jenen Tagen führte nur eine schmale Ochsenwagenspur vom zivilisierten Süden Afrikas in dieses wildreiche Terrain am Sambesi. Der Weg folgte einer unscheinbaren Wasserscheide nach Norden und wurde viele Jahre später maßgebend für die Grenzziehung zwischen Betschuanaland (Botswana) und Südrhodesien (Zimbabwe). Noch heute bestimmt die Hunter´s Road den Grenzverlauf beider Staaten.
Nur mit Hilfe unserer GPS Daten finden wir die Hunter`s Road. Kein einziges Hinweisschild hilft uns zur zusätzlichen Orientierung. Bald arbeitet sich unser Auto auf einer dürftig erhaltenen Sandpiste voran. Wir durchfahren einen wunderschönen Wald von Schirmakazien. Plötzlich kommen wie aus dem Nichts drei Polizisten aus dem Busch auf uns zugestürmt und machen Gesten, dass wir anhalten sollen. Der Kleinste von Ihnen, der sich noch im Laufen die Hose hochzieht, berichtet uns, dass sie seit Tagen im Busch unterwegs sind, um Wilderern aufzuspüren. Diese sind auf Elefantenjagd, um das begehrte Elfenbein zu bekommen. Wir sind es jedenfalls nicht und nachdem wir Ihnen keine Zigaretten anbieten können, dürfen wir trotzdem weiterfahren.
Weiter geht es durch lichte Wälder von Mopane-, Teak-, Mukwa- und Mukusibäumen. Tiere sehen wir keine und nach einer Brotzeit beschließen wir umzukehren. Am Ausgangspunkt angekommen, fahren wir die entgegengesetzte Richtung und befinden uns bald im schönen Leshoma Valley. Die parallel verlaufenden Grenzstraßen führen einige Male so nahe aneinander vorbei, dass es nur ein kleiner Schritt wäre zum Grenzübertritt. Es ist einsam hier oben. Die letzten Stunden sind wir außer den Grenzpolizisten niemanden begegnet.
Pünktlich gegen 17 Uhr sind wir wieder in Senyati und werden schon von den ersten Elefanten begrüßt. Wir verlieren keine Zeit und teilen uns auf. Hannes macht sich sofort daran, das Lagerfeuer zu entfachen und ich bereite in der Küche das Abendbrot zu. Oh man, sobald es nach Essen riecht, raschelt es überall in der Küche.
Beim Abendbrot und Kerzenschein (es ist 18 Uhr und dunkel) auf unserer Terrasse sitzend beobachten wir die Elefanten. Es ist ein Kommen und ein Gehen. Meist läuft es so ab: Hat eine Herde Ihren Durst gestillt und sich getrollt, kommt nach ungefähr fünf Minuten (der Buschfunk funktioniert) die nächste Herde angestaubt, angeführt von einer Matriarchin oder Bullen. Danach treten die Stammesältesten an die Quelle. Als nächstes ist es den Weibchen mit Nachwuchs erlaubt, vom köstlichen Nass zu probieren. Ganz zuletzt kommen die Geduldeten dran, die immer wieder weggejagt werden, wenn sie vom Durst überwältigt werden.
Die Stänkerer, die immer wieder die Gruppe stören, sind meist übermütige Jugendliche. Zwei von ihnen versuchen sich im Nahkampf. Vor allem ihre Rüssel und Ohren kommen zum Einsatz und machen eindrucksvolle Gesten. Einer geht sogar auf die Hinterbeine und macht in der Luft mit Oberkörper und Kopf rhythmische Bewegungen. Kaum zu glauben, dass ein Schwergewicht zu solchen Bewegungen fähig ist!
Haben die ersten Elefanten ihren Durst gestillt, nehmen sie noch im nahen Pfuhl ein Schlammbad. Nach und nach folgen die anderen. Es wird gewartet bis alle fertig sind. Danach trollen sie sich davon. Nur die Geduldeten sind jetzt noch in der Szenerie, die jetzt in aller Ruhe ihrem Nachwuchs und sich selber das gönnen, was ihnen noch vor kurzem verwehrt wurde. Das Kleinste von ihnen sträubt sich ans Wasserloch zu gehen. Es braucht einige Streicheleinheiten und Stupser seiner Mutter ihn an die Wasserstelle zu locken.
Währenddessen sitzen wir am Lagerfeuer mit einer guten Flasche Wein, die Kerze flackert. Im Hintergrund hören wir das gackernde Lachen der Hyänen und das Rufen der Kibitze. Zwei Schakale haben sich zur Szene dazugesellt. Doch jetzt schleicht sich ein Geselle an, den wir so gar nicht schätzen: Ein Honigdachs. Honigdachse sind unerschrockene Tiere, die auch aggressiv Menschen gegenüber sein können. Wir sind auf der Hut und räumen das Feld.
Lange noch in die Nacht hinein vernehmen wir die unverwechselbare Geräuschkulisse der Elefanten.
erziThemenstarter51 Beiträge · seit 201312. Okt. 2014 · #40
Chobe River Front oder "Giraffen behalten immer den Überblick"
Erleichtert, dass wir heute das letzte Mal hier geschlafen haben, packen wir unsere Klamotten zusammen. Ausgerechnet heute Morgen haben wir Stromausfall, so dass wir ohne Frühstück abreisen. Wieder finden wir überall Kotbrösel in der Küche. 😐 Nur weg hier!
Heute sind wir ganztags an der Chobe Riverfront unterwegs. An der gut 50 Kilometer langen Piste führen zahlreiche Abstecher zu den saisonal überfluteten Grasländereien am Fluss, die in der Trockenzeit einige der besten Wildbeobachtungsmöglichkeiten in ganz Afrika bieten. Der Reichtum an Wildtieren und vor allem an Vögeln soll überwältigend sein.
Wir passieren das Sedudu Gate und fahren das gleichnamige Valley entlang, eine kleine Herausforderung für meinen begeisterten Offroad-Fahrer. Oberhalb des Flusses geht es in westlicher Richtung entlang. Das dichte Gebüsch erlaubt uns nur sporadisch einen Blick auf den Fluss. Ein Loop gibt uns einen tollen freien Blick auf die Flusslandschaft. Unterhalb sehen wir badende Elefanten. Die erste Gelegenheit, zum Fluss hinunterzufahren, nehmen wir wahr. Am Flussbett erkennen wir mehrerer Krokodile, schuppige Drachen, fünf bis sechs Meter lang, die in der Sonne braten.
Wir versuchen am Fluss zu bleiben und fahren die Sandbank entlang. Immer wieder werden wir durch badende Elefanten aufgehalten, die plötzlich aus dem Busch zum Wasser laufen und uns den Weg versperren. Es ist aber ein schöner Aufenthalt. Ab und zu endet der Flussweg und wir müssen wieder auf die Böschung. Dort haben wir andere tolle Tier-Begegnungen. Zwei rivalisierende Springböcke, etwa fünf Meter von uns entfernt. Die eher sehr scheuen Tiere haben uns in ihrem Kampf fürs erste noch nicht bemerkt und wir bekommen ganz nahe mit, wie sie ihren Kampf austragen. Wir hören ihre Laute, die sie dabei machen und das Geräusch der aneinander hauenden und reibenden Hörner.
Später beobachten wir zwei sich liebkosende Giraffen. Die Hälse sind ineinander verschränkt und die Lippen berühren sich, so schauen sie sich ganz verliebt in die Augen.
Am Rastplatz sind wir nicht alleine, die Meerkatzen wollen sich einladen. Da sie gar keine Ruhe geben, lassen wir sie am Mahl teilnehmen und geben ihnen Brot und die Reste von unseren Möhren.
Am Nachmittag fahren wir ein ganz langes Stück am Fluss entlang und entdecken eine Vielzahl von Wasservögeln. Hannes ist ganz aus dem Häuschen. Immer wieder halten wir an, um die Vögel zu beobachten. Aus einem nackten Baobabbaum steigt ein Fischadler auf. Büffel grasen auf einer sumpfigen Landzunge, jedes umringt von einer Gefolgschaft strahlend weißer Kuhreiher, die nach den aufgescheuchten Insekten schnappen.
Auf dem Rückweg werden wir zweimal von Elefanten angegriffen. Das erste Mal handelt es sich um einen Scheinangriff, den wir dadurch parieren, indem wir zurückgefahren und etwas mehr Abstand halten und warten, bis die Elefanten den Weg freimachen. Beim zweiten Mal sind wir einem männlichen Elefanten begegnet, der sich in „Musth“ befindet. Er macht prahlerische und aggressive Schritte auf uns zu. Das Zurückfahren mit dem Auto hilft hier nicht viel und wir erinnern uns, was uns Heike und Uli über agressive Elefanten erzählt haben. Wir lassen mehrmals den Motor aufheulen, klatschen in die Hände und klopfen auf die Karosserie. Irgendwann dringen diese Geräusche bis zum Hirn dieses Elefanten durch und er stoppt. Verblüfft schaut er uns an und dreht ab. Puhhh. 🙄