franzicke2'085 Beiträge · seit 201231. Jan. 2013 · #63
... kein, aber auch garkein bisschen Langeweile! Das Bild mit dem leuchtenden Sand in der Morgensonne ist fast unwirklich, so schön! Und überhaupt find ich's so richtig schön, mit euch auf der anderen Seite des Kontinents rumzufahren. Danke fürs Mitnehmen, Grüße Franzicke
Hallo Toppobär, der Saadani kommt in Bezug auf die Tiersichtigen sehr schlecht weg, deshalb einen kurzen Kommentar, sonst fährt keiner mehr hin. Vielleicht hattet Ihr einfach Pech und keinen Ranger. Wo sind die vielen Wasserböcke hin? Wir haben im Nov. bestimmt 50 gesehen. Die Elefanten und Giraffen halten sich sehr häufig östlich der Straße von North-Gate bis zum Headquarter auf. In der Nordwestecke, dort wo auch die Tse-Tse sind, haben wir einige Antilopen gesehen. Viele Grüße Wolfgang
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200901. Feb. 2013 · #65
KarstenB schrieb:Hallo Topobär,
ich liebe Sonnenunter- oder, wie hier, -aufgänge, Klasse! Vielen Dank für die Infos!
Ich auch. Deshalb wird es auch noch ein paar 😗 entsprechende Fotos geben.
@Clax: Wer trägt denn an solch einem Traumstrand Schuhe? 😉
@Hippie (Wolfgang): Da hatte ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Es ist nicht so, dass es im Saadani National Park keine Tiere gibt. Es sind zwar etwas weniger, als in den etablierten Parks, aber dennoch ausreichend. Das Problem ist die sehr große Fluchtdistanz und da hilft auch kein Ranger. Selbst mit meinem großen Tele (680mm) kam ich nie nah genug an die Tiere heran, um auch nur ein halbwegs passables Foto zu machen. Das man die Elefanten nicht findet, kann immer passieren. Die können sich erstaunlich gut verstecken. Wir haben Ihre Hinterlassenschaften auch im Norden des Nationalparks gesehen.
Ich sehe es so, dass der Saadani National Park mit den anderen Nationalparks im Land im Wettbewerb um die Gunst der Touristen steht. Im direkten Vergleich zieht er da einfach den kürzeren.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200904. Feb. 2013 · #66
7.Tag (Fr. 28.12.2012) Dar es Salam „south Beach“ – Selous Game Reserve 195km
Nach der nächtlichen Ruhestörung durch unsere südafrikanischen Nachbarn schliefen wir wieder ein …und verschliefen prompt den Sonnenaufgang. 🙁
Wir konnten uns heute Morgen dann aber Zeit lassen, also gab es wieder ein leckeres Omelett.
Die Anreise zum Selous Game Reserve geht von Dar es Salam recht fix. Bis Kibiti hat man makellosen Asphalt unter den Rädern. Man kommt schnell voran, an manchen Stellen zu schnell, wie mir ein freundlicher Polizist mit Laserpistole mitteilte. Ich hatte eine Tempo 50 Zone übersehen was mich 30.000TSH kostete. Wenn man berücksichtigt, dass ich mit ca. 110km/h unterwegs war, eigentlich ein Schnäppchen. Mich ärgerte dabei auch nicht der Geldbetrag, sondern dass ich das 50er Schild übersehen hatte.
In Kibiti tankten wir noch einmal voll und bogen dann auf die Zufahrtspiste zum Selous Game Reserve ab. Bis Mkongo handelt es sich um eine Lehmpiste, die größtenteils frisch geschoben war und sich dadurch sehr gut fahren lies.
Ab Mkongo fährt man dann auf einer schmalen, aber guten Sandpiste durch dichten Trockenwald.
Auf der Piste saßen unzählige Schmetterlinge in riesigen Schwärmen, die leider nicht immer bereit waren wegzufliegen, wenn ein Auto kam. Ab und zu passierten wir kleine Dörfer.
Die kommende Nacht wollten wir noch nicht im Selous Game Reserve verbringen, sondern in einer der Lodges am Mtemere Gate, von denen einige auch eine Campsite anbieten. Unsere erste Wahl war die Ndoto Kidogo Lodge, die aber leider geschlossen war. Als nächstes steuerten wir daraufhin die Jimbazi Lodge an. Die hatte zwar geöffnet, allerdings konnte man die Campsite nicht mit dem Wagen erreichen und hätte die ganze Ausrüstung dorthin schleppen müssen – das mag für geführte Camping-Safaris aufgrund der zahlreichen Helfer in Ordnung sein, für uns kam es nicht in Frage. Aber man empfahl uns das nahe gelegene Hippo Camp, welches wir dann sogleich ansteuerten.
Das Hippo Camp stand in keinem unserer Reiseführer und war eine sehr gute Empfehlung. Hier konnten wir mit dem Wagen auf die Campsite fahren, auch wenn das Auto keine 10cm breiter hätte sein dürfen. Camp und Campsite liegen auf dem Hochufer des Rufiji River, der zusammen mit dem Ruaha River, in welchen er im Park mündet, dass größte Fluß-System Tansanias bildet. Das Zelt konnten wir im Schatten großer Bäume aufstellen, Tisch und Stühle nur wenige Meter weiter direkt am Ufer und ebenfalls im Schatten eines Baumes.
Die Sanitäranlagen waren sauber und funktionierten sehr gut. Allerdings brauchte man tagsüber aufgrund kaum vorhandener Fenster eine Taschenlampe. Nachts wurden dann Petroleum-Lampen aufgestellt – afrikanische Logik. 😵 Der Preis betrug 15US$ pro Person und Nacht.
Um 15:00Uhr starteten wir zum Gamedrive. In nur 15min. war das Gate erreicht. Hier wollten wir dann auch klären, wie wir die nächsten Tage gestalten. In allen Reiseführern und Berichten heißt es, dass man im Selous Game Reserve nur campen darf, wenn man einen Askari engagiert, der nachts das Zelt bewacht. Darauf hatten wir überhaupt keine Lust. Also waren unsere Alternativen für die nächste Nacht, entweder Camping ohne Askari oder eine zweite Nacht im Hippo Camp. Zu unserer eigenen Überraschung konnte Kathrin tatsächlich erreichen, dass wir ohne Bewachung im Park zelten durften. 🙂 Somit ist alles klar für die nächste Zeit und wir mußten erst einmal eine ganze Stange Geld auf den Tisch legen. Das Selous Game Reserve war mit 75US$ pro Peron/Nacht der teuerste Park unserer Reise.
Für den heutigen Nachmittags-Gamedrive konzentrierten wir uns auf das Gebiet rings um Lake Mzizima und Lake Siwandu. Als wir ans Wasser kamen überraschten wir erst einmal ein Hippo. Anscheinend hatte es solch einen Kohldampf, dass es nicht bis zur Nacht, der für Hippos üblichen Essenszeit, abwarten konnte.
Der Osten des Selous Game Reserve ist eine flache Schwemmland-Ebene in der sich der Rufiji-River in zahlreiche Seitenarme verästelt und dabei auch mehrere Seen speist. Uns erinnerte diese Landschaft stark an den Moremi Nationalpark im Okavango-Delta.
Wir sehen viele Tiere, aber auch hier im Selous Game Reserve sind die meisten sehr scheu und somit nicht leicht zu fotografieren.
Dieser Impala-Bock hat dann wenigstens mal still gehalten. 😎 Er machte einen recht unversehrten Eindruck, weshalb wir annahmen, dass er keinem Raubtier zum Opfer fiel, sondern eines „natürlichen“ Todes starb. Wenn man das Verhältnis von Raubtieren zu Ihren potentiellen Beutetieren sieht, vermute ich sowieso, dass nur die wenigsten Pflanzenfresser gerissen werden.
Sehr schön war ein riesiger Giraffenbulle, der direkt auf der Fahrspur vor uns her galoppierte. Sah aus wie Zeitlupe, war es aber ganz und gar nicht, wie ein Blick auf den Tacho zeigte. Grasfresser wie Wasserböcke, Impalas, Zebras und Gnus sahen wir noch reichlich, aber sie hielten alle nicht still.
Bei den Vögeln war es mit dem fotografieren da schon deutlich einfacher, wie hier bei diesem wunderschönen Nimmersatt, einem Vogel dem ich mich schon allein aufgrund seines Namens verbunden fühle. 🤩
Zum Sundowner suchten wir uns einen schönen Platz am Ostufer des Lake Mzizima. So hatten wir es nicht weit zum Gate und die Sonne ging mit goldenem Licht hinter dem See unter.
Zur blauen Stunde waren wir dann wieder zurück im Hippo Camp, wo wir es uns am Fluss gemütlich machten.
An diesem Abend kochten wir wieder selbst. Es gab grüne Bohnen mit Speck; dazu eine Pfefferrahmsauce und Nudeln – sehr lecker.
Wenn man umher ging knirschte es hin und wieder, als wäre man auf ein Reagenzglas getreten, dass unter den Füßen zerbricht. Es stellte sich allerdings heraus, dass es sich dabei um den anscheinend sehr stabilen (wenn auch nicht stabil genug für meine 100kg) Panzer großer Tausendfüssler handelte, die nachts reichlich auf dem Gelände vorkamen. 😵
Nach dem Essen genossen wir noch einige GinTonic und beobachteten dabei die vielen afrikanischen Glühwürmchen, die hier durch die Nacht schwirrten. Im Gegensatz zu unseren europäischen Glühwürmchen leuchten sie nicht kontinuierlich, sondern sind die ganze Zeit am flackern – halt typisch afrikanisch. 😉
Champagner8'684 Beiträge · seit 201004. Feb. 2013 · #68
Sodele, jetzt bin ich auch wieder auf dem neuesten Stand - hatte zwischendrin bisschen abreißen lassen....
Mannomann, diese Brücken und Wege - wie gut kenne ich das Gefühl, alles für die Möglichkeit des Umdrehens zu geben (vor hundert Jahren als ich noch jung war mit einem gemieteten Kleinbus in den japanischen Bergen, bei strömendem Regen - ich dachte damals: so jung wollte ich doch nicht sterben 🤩 und vorallem nicht so weit von daheim weg... )! Respekt, wie Ihr das geschafft habt (sagt die Warmduscherin vom Dienst 😎 ).
Zu deinem Anspruch des Unterhaltens: ich habe herzhaft gelacht über den stillhaltenden Impala-Bock (auch wenn mir bei sowas - trotz "so ist die Natur" immer das Herz blutet 🙁 .... und jetzt bitte keine Sprüche über Affenbabys 😄 )!
Und auch sonst klebe ich an deinen Zeilen - wobei ich mich natürlich kurzfristig von den kitschig-schönen Sonnenaufgängen ablenken lasse.
By the way - an dieser Stelle musste ich auch noch herzhaft lachen 😛
Topobär schrieb: Nach der nächtlichen Ruhestörung durch unsere südafrikanischen Nachbarn schliefen wir wieder ein …und verschliefen prompt den Sonnenuntergang. 🙁
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200905. Feb. 2013 · #69
Hallo Bele,
danke für Deinen Hinweis. Habe den Fauxpas auch schleunigst korrigiert. Da liest man den Text X-Mal Korrektur bevor man ihn postet, entdeckt dabei aber nur die Rechtschreibfehler, während die dicken Klopfer übersehen werden. 😠
...und Du warst nicht die einzige, die einen Fehler gefunden hat.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200905. Feb. 2013 · #70
Topobär schrieb:Hallo Bele,
danke für Deinen Hinweis. Habe den Fauxpas auch schleunigst korrigiert. Da liest man den Text X-Mal Korrektur bevor man ihn postet, entdeckt dabei aber nur die Rechtschreibfehler, während die dicken Klopfer übersehen werden. 😠
...und Du warst nicht die einzige, die einen Fehler gefunden hat.
Den Post konnte man wohl auch falsch verstehen. Deshalb hier ganz ausdrücklich der Hinweis:
...nein, ich bin nicht böse, wenn Ihr mich hier auf den Unsinn den ich poste aufmerksam macht. 😁
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200907. Feb. 2013 · #71
8.Tag (Sa. 29.12.2012) Selous Game Reserve 176km
Der Tag beginnt früh. Noch im Dunkeln bauen wir das Zelt ab und starten ohne Frühstück. So sind wir bei Öffnung des Gates an Ort und Stelle. Den Papierkram hatten wir ja schon gestern erledigt, so dass wir ohne Verzögerung unseren morgendlichen Gamedrive beginnen können.
Unser Plan ist es, entlang der verschiedenen Seen bis zum Lake Tagalala zu fahren, wo sich die Public Campsite befindet.
Die Tierwelt ist wieder zahlreich vertreten, aber wie gesagt recht scheu, was das Fotografieren erschwert. Heute haben wir aber mehr Zeit und Muße, so dass doch die eine oder andere ganz passable Aufnahme gelingt.
Auffällig ist die große Anzahl Giraffen. So viele wie hier im Selous Game Reserve habe ich noch in keinen anderen Park gesehen.
Endlich sehen wir auch die ersten Elefanten. Die sind natürlich nicht scheu, aber dafür sehr in Eile. Im Stechschritt geht’s ohne anzuhalten oder zu fressen durch Busch und Sumpf. Wir können das über eine längere Strecke beobachten. Würde mich ja schon interessieren, was die so antreibt, zumal wir bald auch andere Elefanten-Herden sehen, die sich in keinster Weise von der Hektik anstecken lassen.
Auch Vögel gibt es wieder in großer Vielfalt zu beobachten, so wie diese Gabelracke, die gerade erfolgreich Beute gemacht hat. Echt ekelig, was die so fressen. 🤢 Erst wurde der Hundertfüsser so lange gegen den Ast geschlagen, bis der sich nicht mehr rührte und dann in einem Stück herunter gewürgt. Wenn man bedenkt, dass Hundertfüsser sehr aggressive und giftige Räuber sind, ein mutiger Vogel mit einem robusten Magen.
Zwischen Lake Manze und Lake Tagalala dann das Highlight des Tages – Löwen bei der Paarung. Sie hatten es sich im Schatten unter einem großen Baum gemütlich gemacht und ließen sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören. „Baby! Ich komme!“ 😎
Die Geräusche und Grimassen, die die beiden dabei machten waren echt zum schreien. Wir haben uns köstlich amüsiert. Der Löwe entsprach dabei mit seinem Irokesen-Haarschnitt in keiner Weise dem Bild eines dominanten Paschas. Eine prächtige Mähne scheint doch nicht alles zu sein. 😗
Kurz vor 12:00Uhr kamen wir auf der Campsite an. Es gab zwei Makutis. Bei dem vorderen hatte sich schon eine tansanische Großfamilie installiert - das hintere war aber noch frei. Als ich unter das Dach trat, war ich plötzlich umgeben von mindestens einhundert Flughunden, die anscheinend unter dem Dach hängend den Tag verschlafen wollten und jetzt in alle Richtungen davon flatterten. Ich hoffe, die haben sich wenigstens genauso erschrocken wie ich mich. 😛
Das Zelt war schnell errichtet, denn inzwischen knurrte der Magen schon so laut, dass er nicht mehr zu ignorieren war. Während Kathrin Ihre tägliche Obst-Kur auch heute nicht unterbrach, gab’s bei mir wieder einmal ein deftiges Speck-Tomaten-Käse-Omelett. 😁
Das Makuti-Dach war Gold wert, schütze es uns doch wenigstens vor der Sonne – es war auch im Schatten noch immer fast unerträglich heiß. Ansonsten war eine Infrastruktur auf dieser Campsite eigentlich nicht existent. Wasser gab es gar nicht und Kathrins Gesicht nach dem Besuch des Plumpsklos reichte aus, dass ich dieses Etablissement nie betreten habe. Da unser Makuti ringsum von Büschen umgeben war, hatten wir leider auch keine Aussicht – das andere Makuti stand deutlich freier.
Für den Nachmittag hatten wir uns einen Ausflug zur Stiegler’s Gorge vorgenommen. Die Schlucht wird in allen Reiseführern auf’s Höchste angepriesen und wir waren sehr gespannt. Uns stand eine Strecke von etwas über 50km für den einfachen Weg bevor und wir kamen erstmals in die Berge westlich der Schwemmland-Ebene. Unterwegs überraschte uns ein kurzer Schauer, der gleich dafür sorgte, dass die Pisten um einiges rutschiger wurden. Es trocknete aber schnell wieder ab und die Strecke lies sich im Großen und Ganzen recht gut fahren und führte durch eine sehr schöne grüne Landschaft. Wir sahen unterwegs immer wieder Tiere, wobei es aber schon deutlich weniger sind, als in der Ebene.
Als uns das Navi zeigte, dass wir nur noch wenige Hundert Meter von der Stiegler’s Gorge entfernt sind, verlor sich der Weg. Alle weiterführenden Spuren endeten nach kurzer Zeit oder waren in so desolatem Zustand, dass selbst ich es mich nicht traute ihnen zu folgen. 😠 Zu Fuß weitergehen ist in einem Game Reserve natürlich auch keine Option, wurde doch schon der namensgebende deutsche Naturforscher Stiegler hier von einem Elefanten zu Tode getrampelt. Der dichte Busch versperrte auch jede Sicht, so dass wir noch nicht einmal einem Blick auf die Schlucht erhaschen konnten.
Interessanterweise zweigte ganz in der Nähe aber eine recht gute Piste in Richtung Osten ab. Im Nachhinein nannten wir sie „die Piste, die es nicht gibt“, denn sie ist in keiner Karte eingezeichnet, das Navi kennt sie auch nicht und in allen Reiseführern wir explizit darauf hingewiesen, dass man Stiegler’s Gorge nur von Norden erreichen kann und es keinerlei direkte Verbindung zum Pisten-System in der Schwemmland-Ebene gibt. Genau das bot aber die Piste. Sie führte immer parallel zu Fluss in Richtung Osten. Wo es hinunter in die Ebene ging wurde die Strecke für kurze Zeit etwas anspruchsvoller und wir hatten erstmals einen Blick auf den Rufiji River.
Zur Navigation im Selous muss ich sagen, dass man ohne Navi keine Chance hat, sich ohne ständiges Verfahren im Park zurecht zu finden. Es gibt keinerlei Ausschilderung und die in der Karte (welche man am Gate erwerben kann) eingezeichneten Pisten sind nur ein Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Pisten und stimmen in ihrem eingezeichneten Verlauf nur selten mit der Realität überein. Dazu kommt noch, dass es in der Ebene so gut wie keine Landmarken gibt, an denen man sich orientieren kann. Wer schon mal ohne Navi im Moremi National Park unterwegs war, weiß wovon ich rede.
Beim Kidai Ranger Post hatten wir dann wieder Anschluss zum bekannten Pisten-System. Es war schon recht spät und so fuhren wir auf direktem Weg zum Lake Tagalala, wo wir den Tag auf dem Autodach sitzend ausklingen ließen und zu gegebener Zeit mit Bier und Savannah auf den Sonnenuntergang anstießen.
Zur Campsite war es nicht mehr weit und wir begannen sogleich mit dem Kochen. Der als Askari bei unseren Campnachbarn stationierte Ranger kam vorbei und lies sich das Permit zeigen. Er war erstaunt, dass wir die Erlaubnis hatten, hier ohne Askari übernachten zu dürfen. Ich befürchtete schon eine längere Diskussion, aber er zuckte nur mit den Achseln und damit war das Thema erledigt.
Als es dunkel geworden ist, hören wir die Löwen brüllen. Die Stelle, wo wir die Löwen bei der Paarung beobachtet hatten ist nur ca. 3km entfernt und das Brüllen kommt aus dieser Richtung. Aus Richtung des Sees hören wir die Hippos – wir lieben die Geräuschkulisse afrikanischer Nächte. Nach dem Abwasch sehen wir noch eine kleine Ginsterkatze im Licht der Taschenlampe.
Noch ein paar kühle Drinks, dann geht’s ins Zelt. Zum Sichtschutz gegen Raubtiere haben wir heute auch das Überzelt aufbauen müssen – das wird eine heiße Nacht. 🙄
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200907. Feb. 2013 · #72
Hallo Topobär,
das sind ja mal wieder fantastische Aufnahmen von afrikanischen Wasserlandschaften! Und Danke für die Fotos von der Campsite. In meinem Kopf habe ich mir diese Site ganz anders vorgestellt.
Zur Navigation im Selous muss ich sagen, dass man ohne Navi keine Chance hat, sich ohne ständiges Verfahren im Park zurecht zu finden.
Stellst Du Deine neuen Tracks zur Verfügung bzw. gibt es die nächstes Jahr beim Update von T4A? Würde mich sehr darüber freuen.
Mit herzlichen Grüßen und Dank Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
hab nochmal ein bisschen "nachgelesen". Deine Fotos sind sehr sehr schön. Besonders gefallen mir Deine Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergangsfotos. Die sind wunderschön.
Vielen Dank für Deine Mühe und die tollen Bilder.:)
baobab2195 Beiträge · seit 200907. Feb. 2013 · #74
Hallo Topobär,
wieder so spannend und schön illustriert. Zu den Fotos "Gabelracke mit Beute": Ich will auch!!! Nein, keinen Hundertfüßler verspeisen, aber so ein tolles Motiv vor die Kamera bekommen😃 Und die bei der Liebe ertappten Teenager haben wohl Grimassen gezogen, weil sie lieber ungestört bleiben wollten;) Das ändert sich wie wir auf der letzten Reise sehen durften auch im gestandenen Erwachsenenalter nicht.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200908. Feb. 2013 · #76
@Marina: Wie hattest Du Dir denn die Campsite vorgestellt?
Wir waren mit einem gemieteten Navi unterwegs, weshalb ich keinerlei elektronische Aufzeichnung unserer Route habe. Auf dem Navi war die T4A-Karte und bis auf "die Piste, die es nicht gibt" waren die Pisten im Selous sehr umfangreich erfasst. Überhaupt war die Abdeckung innerhalb der Nationalparks deutlich besser als für den Rest des Landes.
@all: Hier mal ein Dank an die treuen Leser. Mit Eurem Feedback motiviert Ihr mich immer wieder dran zu bleiben und die Zeit für den RB zu investieren.
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200908. Feb. 2013 · #77
Hallo Topobär,
ich hatte nicht mit so einem schönen Schattendach gerechnet. Die Wasser- und Sanitärsituation war mir jedoch bekannt. 😉
Freut mich zu hören, dass T4A im südlichen Tansania eine gute Abdeckung hat. Für Uganda konnte ich das nicht bestätigen.
Mit herzlichen Grüßen und Dank Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
franzicke2'085 Beiträge · seit 201208. Feb. 2013 · #78
Hallo Topobär, deine Bilder laden echt zum Träumen ein - sooo schön!!! Und ganz toll finde ich den informativen und spannenden Bericht dazu. Das ist echt ein ganz besonderes Vergnügen. Auch wenn ich mir das sicher nicht und wahrsacheinlich nie zutraue, die Gegend in der Form zu bereisen wie ihr das gemacht habt, ich bin total hinundweg. Freu mich sehr auf Fortsetzung, Grüße Franzicke
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200911. Feb. 2013 · #79
9.Tag (So. 30.12.2012) Selous Game Reserve – Kisaki 103km
Wie immer, wenn es morgens auf Gamedrive geht, verzichten wir auf das Frühstück. Dafür gibt es später dann einen Brunch.
Unser Ziel heute morgen ist das Gebiet südlich und östlich des Lake Tagalala, mit seinen Sand-Rivers. Bei den Sand-Rivers handelt es sich um Nebenarme des Rufiji Rivers, die nur zur Regenzeit Wasser führen und ansonsten ein ausgetrocknetes tiefsandiges Trocken-Flussbett aufweisen. Ganz ähnlich, wie man es von den Revieren in Namibia kennt.
Kilometerweit geht es durch tiefen Sand. Die meiste Zeit brauchen wir die Untersetzung. Luft ablassen ist nicht nötig. Zum Glück, denn so gut die Ausrüstung des Wagens ist, gehören Luftpumpe oder Kompressor doch nicht dazu. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass sandige Strecken in Tansania sehr selten sind.
Tiere sehen wir bei dieser morgendlichen Ausfahrt leider nur sehr wenige, so dass wir schon um 9:00Uhr zurück auf der Campsite sind.
Es sieht nach Regen aus, so dass ich beschließe, zunächst das Zelt abzubauen. Ein guter Entschluss, denn kaum ist es abgebaut, ergießt sich ein kräftiger Schauer über uns, aber das Makuti-Dach hält dicht, so dass wir ungestört essen können.
Nach einer halben Stunde ist der Regen weiter gezogen, doch er hat ausgereicht, dass die Landschaft großflächig unter Wasser steht.
Wir beratschlagen, was wir mit dem Rest des Tages anstellen sollen, und entscheiden uns, im großen Bogen durch die Kiyanguru Plains zum Matambwe Gate zu fahren, wo wir den Park heute verlassen wollen. Als wir starten, ist das Wasser an den meisten Stellen schon wieder verschwunden und auch die Wege sind schon recht gut abgetrocknet, jedoch immer noch recht rutschig.
Nach ein paar Kilometern kommen wir an einen Graben, den wir die letzten Tage schon mehrfach durchfahren haben, so dass ich mir trotz des Matsches, der sich jetzt am Grund gebildet hat, keine allzu große Sorgen mache. Der Graben ist recht steil und weißt am Grund einen scharfen Knick auf, so dass wir ihn aufgrund unseres großen Hecküberstands nur sehr langsam durchfahren können. Dadurch fehlt uns der Schwung und als die Hinterräder im Schlamm am Grund des Grabens sind, ist Feierabend. Ich hatte eigentlich darauf gebaut, dass die Vorderräder genug Traktion haben, um Die Hinterräder aus dem Schlamm zu ziehen, aber der Weg ist noch zu rutschig. Das ist der Nachteil bei den Pisten in Nationalparks, man steigt ungern aus, um den Weg genau zu begutachten, da man ja nicht weiß, wer hinter den Büschen liegt und die Stelle, wo sich gestern die Löwen paarten, ist nicht allzu weit entfernt.
Wat nu war die Frage. Aufgrund der Lage des Fahrzeuges war von außen kein herankommen an den Kofferraum. Glücklicherweise gab es eine kleine Durchreiche zum Fahrgastraum, so dass ich auf diesem Wege die Schaufel herausfrickeln konnte. Die Schaufel hatte ab diesem Moment dann ihren Stammplatz direkt hinter dem Fahrersitz, wo ich jederzeit an sie herankommen konnte. Den Highlift konnte man in dieser Situation überhaupt nicht einsetzen – ich wäre aber auch nicht an ihn herangekommen, da er ebenfall im Kofferraum seinen Platz hatte. 😕
Ausgraben geht in einem Graben natürlich nicht, man kann nur unterstützende Maßnahmen erledigen. Das hieß in diesem Fall, eine Drainage schaufeln, damit nicht ständig Schlamm nachläuft und Äste vor die Räder legen. Solch klebrigen Morast wie hier hatte ich meinen Lebtag noch nicht erlebt. Innerhalb kürzester Zeit klebte derart viel Lehm an meinen Tewas, dass es mir die Schuhe von den Füßen zog, bzw. man wie auf Plateau-Sohlen ging. Da half alles nichts, hier kam man nur barfuss weiter. Aber auch ansonsten sah ich innerhalb kürzester Zeit wie ein Schwein aus. Nach einer halben Stunde dann der erste Befreiungsversuch. Wir kamen auch recht gut aus dem Grund des Grabens, aber kurz bevor wir den oberen Rand erreichten verloren wir die Traktion und rutschen wieder nach unten. Leider nicht in gerader Linie, so dass wir jetzt auch noch diagonal im Graben standen. 😵
Alle weiteren Befreiungsversuche scheiterten, so dass wir jetzt versuchen mussten externe Hilfe zu bekommen. Gefunden werden wir hier sicherlich nicht so schnell, denn von außerhalb waren wir in dem Graben praktisch unsichtbar. Auch war hier in der Gegend ziemlich tote Hose. Kathrin hatte schon die ganze Zeit auf dem Autodach Ausschau gehalten und noch kein anderes Fahrzeug entdeckt.
Glücklicherweise hatten wir Handyempfang – unglücklicherweise fand sich nirgends in unseren Reiseführern eine Telefonnummer zum Selous Game Reserve und auch auf den Permits gab es nichts dergleichen. So versuchten wir es mit unserem Autoverleiher. Dieser musste jedoch zu seiner Verwunderung feststellen, dass die ihm bekannte Nummer, des für das Selous Game Reserve zuständigen Park Wardens, nicht mehr funktionierte. Aufgrund dieser Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen, sich am Gate die aktuelle Nummer des Wardens aufschreiben zu lassen. Wir verständigten uns mit unserem Vermieter, dass wir zunächst einmal abwarten sollten, dass die Piste soweit abtrocknet, dass wir ausreichend Traktion haben, den Graben aus eigener Kraft zu verlassen, ansonsten werde man sehen – Hakuna Matata. 😣
Ich bereitete den Wagen mit Ästen vor den Rädern dann so gut wie möglich vor. Danach hieß es warten. Von Zeit zu Zeit hupte ich kräftig, wir wurden aber von niemandem erhört. Rings umher sahen wir Schauer übers Land ziehen. Wenn uns einer davon erreichen sollte, wäre ohne externe Hilfe eine sehr ungemütliche Nacht garantiert.
Irgendwann kam es, wie es kommen musste. Es fing an zu tröpfeln. Jetzt half kein weiteres Warten mehr – jetzt kam der ultimative Versuch. Ganz sanft Gas geben, damit die Räder möglichst nicht durchdrehen. Der Wagen setzt sich tatsächlich in Bewegung. Dann auf halbem Wege drehen die Räder trotzdem durch. Der Wagen beginnt wieder zurück zu rutschen. Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren und gebe Vollgas. Der Motor röhrt mit voller Drehzahl und die Reifen radieren auf dem Boden, dass es qualmt, aber der Wagen bewegt sich langsam wieder nach oben. JA – JAAAAAA – JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Kathrin meint, meinen Schrei der Erleichterung habe man sicher noch an den Gates gehört. 🤩
Solange wir feststeckten hatte ich natürlich mal wieder nicht ans fotografieren gedacht. 🙁
Wie immer kann man auf einem Foto nicht wirklich erkennen, wie steil das Ganze war. Wenn Ihr aber genau hinschaut, könnt Ihr den Abdruck des am Heck befestigten Reserverades am Gegenhang entdecken. Das sagt schon einiges…
Der Weg in die Freiheit. Bei Black Cotton Soil reicht schon eine dünne feuchte Schicht an der Oberfläche, um die Piste in eine Rutschbahn zu verwandeln.
Wir suchen uns erst einmal ein schattiges Plätzchen, um abzukühlen und durchzuatmen und zu beratschlagen, wie wir jetzt den Rest des Tages gestalten wollen. Immerhin haben wir 4h in dem Graben verloren.
Die Fahrt zu den Kinyanguru Plains war natürlich gestorben. Dafür reichte die Zeit längst nicht mehr. Wir beschließen, hier in der Umgebung noch einen kleinen Gamedrive zu machen und dann direkt zu unserer nächsten Unterkunft zu fahren. Ein wenig Entspannung haben wir uns heute verdient.
Das schöne an Afrika ist aber, dass man selbst an einem „gebrauchten“ Tag meist noch ein Highlight erlebt, das einen mit den Unannehmlichkeiten dieses Tages versöhnt. So auch bei uns. Wir waren noch gar nicht lange auf Pirsch, da entdecken wir unter einem Baum ein aus 8 Tieren bestehendes Rudel Wildhunde. Das Selous Game Reserve ist berühmt für seine große Population dieser seltenen Räuber.
Zwar ist auch hier aufgrund der Hitze nicht viel los, aber wir sind trotzdem glücklich, die Tiere überhaupt zu sehen und ganz so träge, wie ein Löwenrudel sind sie dann doch nicht.
Nachdem wir uns von den Wildhunden losreißen konnten, fahren wir auf direktem Weg zum Matambwe Gate. Unsere geplante Unterkunft, die Campsite des Selous Mbega Kisaki Annex Camps liegt nur wenige Kilometer hinter dem Gate.
Die Zufahrt ist sehr anspruchsvoll, ohne Untersetzung kommen wir den steilen, schlechten Weg nicht hoch. Im ersten Moment denken wir, das Camp wäre geschlossen, aber dann taucht doch jemand auf und führt uns herum.
Aufgrund der Lage am steilen Hang, wurden aufwendig terrassierte Stellplätze angelegt. Der Sanitärblock ist sauber und funktionell und es kommt auch reichlich Wasser aus den Leitungen – in Afrika keinesfalls selbstverständlich.
Da das Camp mitten im Wald liegt, ist vom Sonnenuntergang diesmal nichts zu sehen, der Sundowner findet natürlich trotzdem statt.
Zum Abendessen koche ich asiatisches Gemüse mit Oystersauce. Mit Einbruch der Dunkelheit schwärmen dann derart viele Nachtfalter, Käfer und sonstige Insekten umher, das es gar nicht so einfach ist, dieses vegetarische Gericht auch tatsächlich als solches zu genießen. 😵