TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200916. Jan. 2013 · #21
@franzicke: Bis auf den Ballon sind wir alles selbst gefahren. Gebucht hatten wir nur den Wagen und die erste Übernachtung. Beides, wie schon seit Jahren in Ostafrika, bei Sunworld (die Umsetzung erfolgte durch deren tansanisches Tochterunternehmen 4x4 Adventure Safaris).
@christina: Das hört sich ja nach einer sehr interessanten Tour an. Da würde ich mich sehr freuen, wenn Du nach Deiner Rückkehr von Deinen Erlebnissen berichtest.
@Annick: So edel und gepflegt sahen wir auf der Tour nur sehr selten aus. Unser üblicher Look bestand aus Staub oder Schlamm.
@all: Über das breite Interesse freue ich mich sehr. Das motiviert ganz gewaltig.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200917. Jan. 2013 · #22
2.Tag (So. 23.12.2012) Arusha – Arush National Park 89km
Vor lauter Vorfreude und gespannter Erwartung habe ich nicht sehr gut geschlafen und bin schon bei den ersten Anzeichen der Dämmerung auf den Beinen, d.h. um 6:00Uhr. Das frühe Aufstehen ohne Wecker sollte auch im weiteren Verlauf der Reise nie ein Problem sein. Irgendwie passt sich mein Bio-Rhythmus im Urlaub immer dem natürlichen Tag/Nacht-Verlauf an.
Schnell angezogen und vor die Tür. In einiger Entfernung kann ich Zebra, Eland und Strauss auf dem Lodge-Gelände erkennen.
Um 6:30Uhr sitzen wir am Frühstückstisch und pünktlich um 7:00Uhr steht der Fahrer von 4x4 Adventure Safaris vor der Tür, um uns zu deren Office in Arusha zu bringen.
Die Fahrzeugübernahme geht routiniert über die Bühne. In rund 2h ist alles erledigt. Bei den Fahrzeug handelt es sich um einen Nissan Patrol in der Safari-Version. Um das Safari-Dach nutzen zu können haben wir uns gegen ein Dachzelt entschieden und werden im Bodenzelt schlafen. Die mittlere Sitzreihe wurde demontiert, so dass der Wagen extrem viel Platz für Gepäck und Ausrüstung hat, den wir zu unserem Erstaunen auch tatsächlich brauchen sollten. Gut – mit ein wenig Aufwand hätte man sicherlich auch effizienter packen können, als wir es taten, aber man ist ja im Urlaub. 😉 Außerdem hatte unser System den Vorteil, jederzeit an alles heranzukommen (dachten wir zumindest). Eine weitere Person hätte aber in dem Riesen-Fahrzeug keinen Platz mehr gehabt.
Die Reifen waren nicht neu, aber in gutem Zustand, was auch für die beiden Ersatzreifen galt. Es handelte sich um Reifen für harten felsigen Boden. Das sollte den Vorteil haben, dass wir trotz zum Teil übelstem Untergrund keine einzige Reifenpanne haben sollten. Auf die Nachteile dieser Bereifung werde ich zu gegebener Zeit noch ausführlich eingehen.
Die beiden Tanks fassen zusammen 180l Diesel, so dass man sich die beiden zusätzlichen Sprit-Kanister unserer Meinung nach hätte sparen können. Wir haben sie jedenfalls nie füllen lassen und auch den Subtank mussten wir nur ein einziges Mal aktivieren.
Die Ausrüstung war sehr umfangreich, vor allem die Küchenausrüstung begeisterte mich wieder. Allerdings mussten wir im Laufe der Reise feststellen, dass die Ausrüstung qualitativ nicht ganz mit der Ausrüstung von Sunworld in Kenia mithalten konnte. Ich werde zu gegebener Zeit darauf eingehen.
Isomatten und Schlafsäcke des Verleihers lassen wir im Depot, da nehmen wir traditionell lieber die Eigenen. Auf Nachfrage bekommen wir noch zwei weitere Boxen für Lebensmittel, was sich für die Ordnung im Fahrzeug als goldwert erweisen sollte. Die drei 20l-Wasserkanister stehen bereits gefüllt im Wagen.
Gegen 10:00Uhr ist die Fahrzeugübernahme erledigt und wir starten. Zunächst gilt es, Lebensmittel und die lokale Währung zu bekommen. Ob der große Shoprite-Supermarkt heute am Sonntag offen hat, konnte uns niemand sagen, so dass wir als erstes dort vorbei schauten. Wir hatten Glück, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Laden hatte offen, eine sehr gute Auswahl und man kann mit Kreditkarte zahlen. Wir bekamen fast alles, was auf unserer Einkaufsliste stand. Darüber hinaus hat der Shoprite auch in Sachen Campingausrüstung ein sehr gutes Angebot. Liegt wohl daran, dass Arusha die Safari-Hauptstadt Tansanias ist. Wir kauften uns jedenfalls gleich noch einen Campingtisch, da die Tische des Verleihers alle untauglich waren. Zu klein und so wackelig, dass garantiert die Hälfte aller Speisen und Getränke verschüttet worden wäre. Mit zwei vollen Einkaufswagen und um 250,-€ ärmer verließen wir den Shoprite. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass Arusha und Dar-es-Salam auch die einzigen Städte in Tansania sind, in denen man Supermärkte europäischen Zuschnitts findet.
Bargeld tanken kann sich in Tansania auch ganz schön hinziehen. Zwar gibt es inzwischen jede Menge ATM und das auch in kleineren Städten, jedoch ist nur ca. die Hälfte betriebsbereit und man muss auch immer die richtigen Banken für die jeweils verwendete Karte finden. Wir holen Bargeld mit einer Maestro-Karte der Sparkasse und waren im Laufe der Reise bei folgenden Banken (incl. Limiten, je Abhebung) erfolgreich.
Stanbic Bank – je 100.000,-TSH je Abhebung Exim Bank – je 200.000,-TSH je Abhebung Barclays Bank – je 400.000,-TSH je Abhebung
Alle anderen Banken haben sich uns verweigert, selbst wenn das Maestro-Zeichen am ATM prangte. 😠
Jetzt war die Arbeit erledigt und der Urlaub konnte endlich losgehen. Wir brachen auf zu unserem ersten Ziel, dem Arusha Nationalpark. In weniger als einer Stunde war er erreicht. Bis auf die letzten 2km alles auf Asphalt.
Doch bevor es in den Nationalpark ging, checkten wir kurz in unsere Unterkunft, der Colobus Mountain Lodge, ein, machten dort das Dinner klar und bauten das Zelt auf. Das Zelt war sehr klein (2m x 1,2m). Unsere Isomatten passten gerade so hinein und bei einer Körpergröße von 1,96m hatte ich immer Kontakt zu Zeltwand.
Dann ging es aber endlich los in den Nationalpark. Den Eintritt konnten wir mit Visa bezahlen und auch eine Landkarte des Nationalparks konnten wir am Gate erwerben. Während Kathrin eincheckte hatte ich meinen Spaß mit 3 kleinen Kids, die bei mir Ihre ersten in der Schule erworbenen Englischkenntnisse ausprobieren wollten.
Unser erstes Ziel im Arusha National Park war der Ngurdoto Crater. Bald schon tauchten wir in dichten Bergwald ein. Bei so dichter Vegetation rechneten wir uns keine allzu großen Chancen auf Tierbeobachtungen aus, wurden aber positiv eines besseren belehrt. Wir waren noch nicht lange unterwegs, da sahen wir die ersten Colobus Affen und es wurden immer mehr. Ganze Bäume voll mit diesen wunderschönen Tieren.
Aber auch in den Büschen direkt am Weg turnten die afrikanischen Frackträger umher, so dass ich trotz der schwierigen Lichtverhältnisse ganz passable Fotos von ihnen machen konnte. Meist waren sie am rumtoben, was herrlich mit anzusehen war, aber manchmal hielten Sie zum Glück für den Fotografen auch still. Solche Fotos waren mir bislang noch nie geglückt und so hatten wir schon nach sehr kurzer Zeit unser erstes Urlaubs-Highlight.
Auf schmaler, aber einfach zu befahrener Fahrspur ging es durch beeindruckenden Bergwald zum Kraterrand.
Unser Ziel war der Leitong viewpoint, der mit 1853m höchste Punkt des Kraterrandes. Von hier hatten wir einen super Blick sowohl in den Krater als auch auf den Rest des Nationalparks. Leider konnten wir keine Tiere im Krater entdecken. Die in der Karte eingezeichnete Fahrspur um den gesamten Krater herum gibt es übrigens nicht mehr. Die Fahrspur führt heute nur noch bis zum Leitong viewpoint und zum Buffalo point.
Blick in den Ngurdoto Crater
Heute war eindeutig Affen-Tag. Auch auf dem Weg vom Krater herunter sahen wir wieder zahlreiche Colobus durch die Büsche und Bäume flitzen. Aber auch Grüne Meerkatzen, Diadem-Meerkatzen und Paviane konnten wir beobachten. Teilweise alle gleichzeitig von einem Standort aus.
Unser nächstes Ziel in Nationalpark waren dann die Momella Seen. Als erstes steuerten wir in dem Gebiet den „Boma la megi viewpoint“ an, von dem aus man einen schönen Überblick über die Seen hat. Als ich dort eine Cola aus dem Kühlschrank nehmen will, blinkt die „Error-Leuchte“. Es dauert einige Zeit, bis ich herausbekomme, wie ich das Teil wieder zum laufen bringe. Einfach ein hartes Reset indem der Stecker gezogen wird. Das Prozedere gibt’s ab jetzt mindestens einmal pro Tag, meist aber häufiger.
In diesem Teil des Parks finden sich viele Giraffen und größere Gruppen von Wasserböcken. Diese führten zahlreiche Kälber, die sich für Antilopen ausgesprochen neugierig zeigten. Sagte ich schon, dass Wasserböcke meine Lieblings-Antilopen sind? Die sind so herrlich puschelig und die Kleinen geradezu flauschig. Wie frisch mit Perwoll gewaschen.
Die Momella Seen sind Sodaseen. Als Tränke für die Wildtiere fallen sie damit aus, sind dafür aber bei den Flamingos sehr beliebt. Die Ufer und die flachen Stellen der Seen sind deshalb auch durchgehend rosa gesäumt.
Unterwegs bei den Momella Seen fingen wir uns dann noch einen Rüffel von einer Rangerin ein. Die Strecke ist Einbahnstraße und wir wären als Geisterfahrer unterwegs. Sie hatte recht. Ich hatte mich auf die Karte des Nationalparks verlassen und nicht auf die Beschilderung vor Ort geachtet. Leider ist die Richtungsangabe in der Karte falsch eingezeichnet. Mit der Ermahnung lies es die Rangerin dann aber glücklicherweise auch bewenden.
Unseren Sundowner genossen wir dann bei den Serengeti Plains. Leider ohne Sonne, da sich diese hinter Wolken und dem Mount Meru versteckte, dafür aber mit Zebras und Büffeln unweit des Wagens, auf dessen Dach wir saßen.
Zurück auf unserer Campsite reichte die Zeit dann gerade noch für eine schnelle Dusche, bevor es zum Dinner ging.
Colobus Mountain Lodge
1km vom Gate des Arusha National Parks entfernt und somit sehr günstig gelegen. Kein warmes Wasser. Die Campsite ist eine von Gebäuden, Bäumen und Büschen umgebene kleine Wiese ohne jede Aussicht, was mir nicht so gefiel. Auf der Campsite brennt die ganze Nacht Licht, was ich nicht mag. Das 4-Gänge Dinner war sehr lecker, reichlich und günstig. Das Bier leider nicht kalt.
Auch wenn mir das Dinner sehr zusagte, würde ich mir beim nächsten Mal eine der anderen Lodges mit Campsite in der Nähe des Gates ansehen und dort oder auf der public campsite des Arusha National Parks übernachten.
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200917. Jan. 2013 · #23
Hallo Thomas,
an dieser Stelle vielen Dank für die ausführliche Beschreibung zur Ausrüstung des Nissans!!! Hat der Nissan eine Klimanlage?
Dieser informative Post von Dir wandert ausgedruckt direkt als Beilage in den Reiseführer! 🤩
Sagte ich schon, dass Wasserböcke meine Lieblings-Antilopen sind? Die sind so herrlich puschelig und die Kleinen geradezu flauschig. Wie frisch mit Perwoll gewaschen.
Dem stimme ich bedingungslos zu. Habe sowohl in Uganda wie auch in Kenia wirklich schöne, kontrastige Fotos von den Wasserböcken machen können. Und die stehen immer ganz geduldig Modell!
Herzlichen Dank fürs Mitnehmen
Grüße Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200918. Jan. 2013 · #24
Der Wagen hatte eine Klimaanlage. Da wir in Afrika immer mit heruntergekurbelten Fenstern und ohne Klimaanlage fahren, haben wir nur durch Zufall mitbekommen, dass sie nicht funktionierte. Als der Wagen nach einem starken Regen von innen heftig beschlagen war, wollten wir das Trocknen mittels Klimaanlage etwas bescheunigen. Es kam aber nur heiße Luft.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200918. Jan. 2013 · #26
Wir wundern uns auch immer, weshalb der Arusha National Park von den meisten links liegen gelassen wird. Dabei ist der Park so easy zu erreichen und hat mit die abwechslungsreichste Landschaft aller tansanischen Nationalparks.
KarstenB2'397 Beiträge · seit 201118. Jan. 2013 · #28
Hallo Topobär,
nachdem ich '92 und '94 im Arusha NP war, habe ich ihn bei späteren Reisen immer ausgelassen. Dein RB zeigt mir, dass er nächstes Mal unbedingt wieder dabei sein sollte.
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200918. Jan. 2013 · #32
Hallo Thomas,
Der Wagen hatte eine Klimaanlage. Da wir in Afrika immer mit heruntergekurbelten Fenstern und ohne Klimaanlage fahren, haben wir nur durch Zufall mitbekommen, dass sie nicht funktionierte.
Wir fahren eigentlich auch immer ohne Klimaanlage, aber zwei Stunden bei 40° im Schatten durch eine Tsetse-Area zu düsen stelle ich mir auch nicht so prickelnd vor. 🤢 Hast Du eine bessere Idee als die Fenster zu schließen? Kann man Fliegengitter dauerhaft anbringen, oder reißen die durch den Fahrtwind eh wieder ab? 😵
Mit grübelnden Grüßen und Dank Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
rebecca935 Beiträge · seit 200618. Jan. 2013 · #33
Danke für die Infos Topobär, sie kommen gerade noch zur rechten Zeit. Auf den Arusha-NP bin ich nun sehr gespannt, auf das Camp weniger 😉 VG Rebecca
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200921. Jan. 2013 · #34
@Champagner (Bele): War das ganze Wochenende auf einem Lehrgang, aber heute geht's weiter.
@Butterblume (Marina): Wir hatten uns mit Fliegenklatschen bewaffnet und die Fenster auch in Tse-Tse Gebieten unten gelassen.
@Rebecca: Wann geht's denn los? Ich versuche immer eine gute Mischung aus Infos und Unterhaltung treffen und bin froh, sollte mir dies gelungen sein. Du kannst ja mal eine der anderen Lodges mit Campsite ausprobieren, die es bei Gate gibt und dann von Deiner Erfahrung berichten.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200921. Jan. 2013 · #35
3.Tag (Mo. 24.12.2012) Arusha National Park – Mambo View Point Lodge 300km
Die Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Es war…
zu heiß (ich hatte mich noch zu wenig mit den Belüftungsmöglichkeiten des Zeltes vertraut gemacht).
zu hell (die Campingplatzbeleuchtung lies sich nicht abschalten).
zu laut (man hörte die umliegenden Dörfer und Kathrin hat tierisch geschnarcht).
Unser erstes Ziel war Moshi. Hier wollten wir unsere noch recht dürftigen Bargeldbestände weiter auffüllen, was auch gelang. Allerdings wieder nur mit den Minibeträgen von Exim und Stanbic.
Während Kathrin sich um das Geld kümmerte, schaute ich mich in den umliegenden Geschäften nach Getränkedosen um. In Arusha haben wir Cola light, Tonic water und Bitter lemon nur in Glasflaschen gefunden, was ziemlich nervig ist. Die Flaschen sind schwer, umständlich zu entsorgen, brauchen viel Platz und was am schlimmsten ist – machen durch ihr Scheppern einen Höllenlärm. In einer kleinen Grocery wurde ich fündig und kaufte gleich mal den Laden leer. Waren allerdings leider nur 6 Dosen Cola light und 7 Dosen Tonic water. 😵
Bis Same blieben wir auf dem guten Asphalt. Da es noch früh am Tage war, entschieden wir uns dort für die Alternativ-Strecke, welche zwischen den South Pare Mountains und dem Mkomazi National Park verläuft. Überwiegend handelt es sich bei dieser Strecke um Piste, teils recht rau, teils auch sandig, aber immer gut zu befahren. Bei Gonja ist sogar ein kurzes Stück Asphalt.
Die Landschaft gefällt uns sehr. Die ganze Zeit ragen rechts von uns die dunkelgrünen Pare Mountains auf, während wir durch typisch afrikanische Dornbuschsavanne fahren. Dort wo das Land fruchtbar ist, finden sich auch gleich Dörfer, deren Umgebung landwirtschaftlich intensiv genutzt wird.
Kurz hinter Ndundu will uns „Susi“ (unser Navi) auf eine Abkürzung schicken, die in keiner unserer Karten verzeichnet ist. Sollen wir es wagen? Wir beratschlagen kurz. Noch sind wir risikobereit und liegen heute auch gut in der Zeit, so dass wir es wagen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es handelt sich um eine teilweise sehr schmale, sandige Fahrspur, die durch die trockene Savanne führt.
Die Orientierung ist trotz Navi nicht einfach. Einmal müssen wir bei der Durchquerung eines ausgetrockneten Flussbettes ganz schön suchen, um den Weg hinaus zu finden, da zahlreiche Rinderherden alle Spuren zertrampelt haben. Am schwierigsten sind aber die Dorfdurchquerungen. Am Dorfeingang lösen sich alle Spuren auf und es ist gar nicht so einfach, den Punkt zu finden, wo die Piste auf der anderen Seite das Dorf wieder verlässt. In den Dörfern selbst gibt es keine Pisten und Wege. Man kann überall und nirgends entlang fahren. Ist manchmal ein seltsames Gefühl, da man zeitweise den Eindruck hat, bei den Bewohnern durch den Vorgarten zu fahren. Es wird aber überall freundlich gewunken, was mein Gewissen dann wieder beruhigt.
So langsam kommen die Usambara Mountains in Sicht und ragen schon bald steil über uns auf.
Irgendwo dort oben liegt die Mambo View Point Lodge.
Das wir uns trotz nur einer Übernachtung für die sehr abseits gelegene Mambo View Point Lodge entschieden haben, liegt in erster Linie daran, dass auf deren Homepage noch eine alternative Zufahrt zur Strecke über Lushoto genannt wurde und wir die Lodge so sehr gut in unsere Rundtour integrieren konnten.
Die Strecke führt in nur 15km aus der Ebene bei Mnazi ins auf fast 2000m hoch gelegene Bergdorf Mtae, in dessen Nähe die Lodge liegt. Die Strecke ist ein Fest für jeden 4x4-Fan. Die ganze Zeit geht es steil in engen Serpentinen und über heftige Auswaschungen und Felsstufen bergauf. Ich lasse mir Zeit und fahre die ganze Strecke in Untersetzung und auch da nur im 1. und 2. Gang. Traktion ist hier alles und in Untersetzung verhindert man am besten durchdrehende Reifen und schont auch ansonsten das Fahrzeug. Unsere Flaschen scheppern hier weniger als auf den normalen Wellblechpisten.
Ringsum konnten wir schon die ganze Zeit während des Aufstiegs Gewitterschauer sehen, wir haben aber Glück und der erste Schauer trifft uns erst, als wir Mtae schon erreicht haben. Bei Nässe ist die Strecke mit Sicherheit eine ganz andere Nummer und ich würde dann von einer Befahrung dringend abraten.
So wie es für mich den Anschein hatte, ist die Piste einst sehr aufwendig angelegt worden und dann später dem Verfall Preis gegeben worden. Würde mich nicht wundern, wenn sie noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt, da die Deutschen gerade in den Usambara Mountains sehr viel für die Infrastruktur getan haben.
Sowie wir in den Bergen sind, wir auch die Vegetation grüner, dichter, intensiver. Hier in den Bergen herrscht ein ganz anderes Klima. So ist die Region sehr fruchtbar, dicht bevölkert und intensiv landwirtschaftlich genutzt. Auch die steilsten Hänge werden bewirtschaftet, Terrassenfelder sind jedoch unbekannt.
An der Lodge angekommen bauen wir schnell unser Zelt auf, bevor sich die Wege von Kathrin und mir trennen. Während Kathrin sich lieber in den sehr guten Sanitäranlagen der Lodge, die auch mit Warmwasser begeistern, der Körperpflege widmet, schnappe ich mir mein Buch und ein Bier und mache mich auf den Weg zum Sundowner Point. Wer hat da wohl die bessere Wahl getroffen? Ich muss leider zugeben – Kathrin 🙁 . Sieht zunächst auch noch alles nach einem prächtigen Sonnenuntergang aus… …so kommt dann doch in ungeahnter Geschwindigkeit ein Gewitter auf und ehe ich mich versehe gießt es um mich herum, wie aus Kübeln. Zwar bin ich am Sundowner Point durch ein Makuti-Dach vor dem Regen geschützt; was hilft mir das aber, wenn in 15 Minuten das Dinner beginnt? Ich warte noch solange, wie möglich, aber der Regen lässt nicht nach. Der Weg zurück zur Lodge ist auch nur kurz, aber als ich dort ankomme, habe ich keinen trockenen Faden mehr am Leib und bin ganz schön am frieren. Hier oben herrschen deutlich niedrigere Temperaturen, als in der Ebene.
Das Dinner findet an einer großen Tafel gemeinsam mit allen Gästen der Lodge statt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Mitarbeiter irgendwelcher NGO’s, die hier der Hitze entfliehen und die Weihnachtstage verbringen. Irgendwann fällt der Strom aus – es werden Kerzen aufgestellt und die Stimmung ist richtig weihnachtlich.
Bevor wir schlafen gehen können, müssen wir noch das Zelt trocken legen. Bei stärkerem Regen ist es klar überfordert. 😠 Man gut, dass wir nicht mehr die Zeit hatten, vor dem Gewitter Isomatte und Schlafsäcke ins Zelt zu schaffen.
Mambo View Point Lodge
Das niederländische Paar Marion und Herman hat hier am Ende der Welt, in einmaliger Lage, eine sehr nette Unterkunft geschaffen. Gemütliches Restaurant mit Kamin und WIFI.
Das Dinner gab es als Buffet, es war ausgesprochen lecker. Wer zu spät kam, musste allerdings mit einer stark eingeschränkten Auswahl vorlieb nehmen. Man gut, dass ich noch nie zu spät zu einem Buffet kam. 😊 Das Frühstück hat uns nicht zugesagt.
Die Sanitärbereiche sind sehr gut.
Die Campsite ist nicht mit dem Wagen zu erreichen, was Selbstverpflegung zumindest sehr aufwendig macht. Leider sind die Stellplätze von dichten Büschen umgeben, so dass man von Ihnen nicht den tollen Ausblick genießen kann.
Es werden von der Lodge zahlreiche geführte Wanderungen angeboten, die sich sehr interessant anhören. Wenn wir noch einmal hierher kommen, dann sicher für mehr als eine Nacht, so dass wir auch eine Wanderung unternehmen können.
Hallo Toppobär, klasse Wegbeschreibung, eigentlich sollte es eine eigene Rubrik dafür geben. In den Reiseberichten geht das doch unter. Ich habs mir mal gespeichert, wer weiß? Ich habe die Bilder meiner Frau gezeigt, sie meinte auch, der Schwierigkeitsgrad kommt nicht heraus. Wir hatten uns den Weg auch überlegt um nicht Mombo-Lushoto hin und zurück zur Irente-View fahren zu müssen, bin aber froh, dass wir es doch gemacht haben. Die Wegbeschreibung im Internet zur Mambo-View klingt doch wesentlich einfacher. Wäre sicherlich auch eine tolle Mopedstrecke. Viele Grüße Wolfgang
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200921. Jan. 2013 · #37
Hallo Topobär,
zu laut (man hörte die umliegenden Dörfer und Kathrin hat tierisch geschnarcht).
Das waren bestimmt ein paar große Katzen, die zufrieden geschnurrt haben, nicht wahr Kathrin?
Vielen Dank für die wunderbaren Landschaftsbilder. Das macht schon wieder Appetit auf Afrika. Ich sehe nämlich gerade nur Schneeberge... vor der Haustür! 😗
Mit herzlichen Grüßen Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
rebecca935 Beiträge · seit 200621. Jan. 2013 · #38
Hallo Topobär, in gut 2 Wochen bin ich hoffentlich schon zwischen Moshi und Serengeti unterwegs (wenn die Umsteigezeit von 50 min in Schipol ausreicht). Unsere Tour ist voll organisiert und vorgebucht, was für uns schon ein Abenteuer ist. Auf die Auswahl der Campsites haben wir somit keinen Einfluss mehr, es wird aber schon in Ordnung sein. Go visit Tanzania! von Steffi82 hat uns zu diesem Urlaub verführt. Nun wächst die Spannung auf den Norden Tansanias und das Reisefieber ist schon extrem. Deine Mischung aus Infos und Unterhaltung finde ich sehr gut! Vielleicht werde ich mit meinem Mann irgendwann die Selbstfahrertour wagen. Viele Grüße Rebecca
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200921. Jan. 2013 · #39
Hippie schrieb:Ich habe die Bilder meiner Frau gezeigt, sie meinte auch, der Schwierigkeitsgrad kommt nicht heraus. Wir hatten uns den Weg auch überlegt um nicht Mombo-Lushoto hin und zurück zur Irente-View fahren zu müssen, bin aber froh, dass wir es doch gemacht haben. Die Wegbeschreibung im Internet zur Mambo-View klingt doch wesentlich einfacher. Wäre sicherlich auch eine tolle Mopedstrecke. Viele Grüße Wolfgang
Wir hatten eigentlich auch gedacht, dass wir mit dieser Strecke den fahrtechnisch anspruchsvollsten Teil unserer Reise schon hinter uns hätten. Wie wir uns da doch getäuscht hatten.
@Butterblume: Das wollte Kathrin mir auch einreden. Ich glaub's aber nicht, denn wenn Großkatzen am Zelt waren, habe ich immer sehr gut geschlafen und ihren Besuch erst am Morgen anhand der frischen Abdrücke bemerkt.
@Rebecca: Ihr werdet feststellen, dass auch in Tansania nur mit Wasser gekocht wird. Selbstfahren ist auch dort kein Hexenwerk.