ITItaliaThemenstarter1 Beiträge · seit 201207. Sept. 2012 · #1
Hallo Zusammen,
ich bin Studentin und spezialisiere mich gerade auf den Wasserbereich. Da ich später gerne in der Entwicklungshilfe arbeiten möchte, würde ich gerne schon während meines Studiums 4-6 Monate an einem Entwicklungsprojekt im Bereich Trink- oder Abwasser arbeiten. Zeitraum Mai-Sept. 2013.
Weiß einer von euch eine Anlaufstelle?
Für ein Voluntariat habe ich zwar einiges gefunden, allerdings muss man da für seinen Freiwilligendienst auch noch sehr viel bezahlen. Das kann ich als Student leider nicht.
Ich suche eine Stelle die zwar nicht bezahlt werden muss, aber Flug und Unterkunft sollten dabei sein.
Ich würd mich freuen, wenn ich mir antwortet.
Viele Grüße Italia
steenbok143 Beiträge · seit 200907. Sept. 2012 · #2
Hallo und willkommen im Forum Italia,
"studieren" heißt ja immer "sich zu bemühen" 😉 und insofern finde ich Deinen Ansatz und Deine Idee sehr gut. Dennoch stehen dem ein paar "Unwägbarkeiten" im Wege; Wasserbau ist und bleibt gerade in Namibia ein hartes Brot und die daraus resultierenden Einkommen sind nun nicht mit denen in Europa vergleichbar; insofern dürfte es mehr als schwierig sein, vor Ort ein Unternehmen zu finden, das den Flugpreis gegenfinanziert; zudem solltest Du dich vorab um die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Aufenthaltes in Namibia informieren (z.B. Namibische Botschaft), da Du ja nicht als Touristin einreisen wirst.
Sicherlich ist es einfacher einen deutschen oder eurpopäischen Betrieb zu finden, der sich in diesem Bereich im Südlichen Afrika/Namibia engagiert und dann auch die Einreise- und Aufenthaltsformalitäten für Dich regelt.
Allgemein gesagt, kann man froh sein, wenn man als Praktikant/In vor Ort Kost und Logis bezahlt bekommt und ggf. vom Flughafen abgeholt wird. Als Tourist in Namibia sollte man sehr vorsichtig damit umgehen, "nebenbei" ein Praktikum zu machen. Dies fällt nicht unter den Bereich "Tourismus".
Dennoch viel Erfolg bei deiner weiteren Recherche, (auch hier im Forum wurde das Thema "Praktikum" bereits erörtert) wünscht Dir Steenbok
Ich würde mich mal an die einschlägigen Entwicklungshilfeorganisationen wenden... ob GIZ, USAID, MCA, LuxAid....
Sonnige Grüße aus Windhoek Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
als erstes: seit geraumer Zeit redet man von Entwicklungszusammenarbeit nicht Entwicklungshilfe. Es soll sich nämlich im Idealfall um Win-Win Situationen handeln.
Unsere besten Freunde hier unten sind genau in dem Bereich tätig. Der eine ist für die BGR tätig, die sind eine gute Anlaufstelle. Guck mal auf deren Internetseite. Der andere ist selbständig und führt Projekte in Angola durch. Ich werde bei Gelegenheit mal nachfragen, ob die jemand brauchen könnten und dir dann eine PM schicken. Als reine Praktikantin könnte es aber schwer mit Visa sein.
VOVolkerseitz3 Beiträge · seit 201210. Sept. 2012 · #5
Es ist sehr wichtig, dass Sie sich für sich für das Thema interessieren. 300 Millionen Afrikaner haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Ebenso viele Menschen haben keine ausreichende Abwasserversorgung. 400 Millionen der 1 Milliarde Menschen leben heute in den Städten. 60 % leben in den Armenvierteln und haben keine ausreichende Wasserversorgung. Die ungestüme und nicht geregelte Urbanisierung hat zum Kollaps der sanitären Infrastruktur , die oft noch aus der Kolonialzeit stammt geführt. Oft wird Wasser aufgrund undichter Röhren und Hähne vergeudet. Der ungleiche Zugang zu Wasser spiegelt den Abstand der sogenannten Eliten in Afrika vom Volk wider. Für das politische Führungspersonal ist die Wasserversorgung der Bevölkerung meist kein zentrales Thema, weil es sich andere Hygienestandards leisten können , sie haben Wasserreservoire und Filter und verbrauchen -neben Mineralwasser- im Schnitt 6x soviel sauberes Wasser am Tag wie die übrige Bevölkerung. Diese müssen besonders in den Elendsvierteln der Städte und auf dem Land oft über lange, gefährliche Fußwege in Eimern das Wasser heranschleppen. Ob allerdings Entwicklungshilfe (es ist selten Entwicklungszusammenarbeit, weil in der Regel keine wirkliche Partnerschaft besteht)das Problem beseitigen kann, bezweifle ich nach 17 Jahren in verschiedenen Ländern Afrikas. Dort wo es Regierungen gibt, die nicht gleichgültig gegenüber ihren Mitmenschen auftreten wie in Ruanda, Botswana,Mauritius, Ghana, Senegal wird das Wasserproblem -meist auch ohne Hilfe von Aussen- angegangen und wweitgehend gelöst. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"
Ich habe Dein Buch gelesen und bin absolut gleicher Meinung. Ich bin im Senegal aufgewachsen. Afrika muss endlich lernen sich selbst zu helfen. Nur wirst Du mit Deinen Thesen anecken, weil hier viele am Helfersyndrom leiden und meinen sie müssen Afrika „retten“...
Gruss Carmen
Erika2'338 Beiträge · seit 200710. Sept. 2012 · #7
Hallo Volker Seitz
Danke für die klaren Worte und willkommen im Forum.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie kurz nach der Unabhängigkeit Namibias im Ovamboland von einer Hilfsorganisation Brunnen gebaut wurden, welche der Häuptling kurzerhand einzäunen liess. Der Weg zum Wasser war demzufolge fürs normale Fussvolk abgeschnitten und die Leute durften nur gegen Bezahlung Wasser holen, was in einen handfesten Streit ausartete und zu ernsthaften Unruhen führte. Jedenfalls wurde dann eine schwedische Universität 🤩 damit beauftragt, eine Expertise anzufertigen, um die „Auswirkungen der Einzäunungen von Brunnen auf die Dorfbevölkerung und deren Vieh“ zu analysieren. Die ganze Geschichte stand damals in der AZ und bewies mir wieder mal, dass meistens die Falschen von solchen an sich gutgemeinten Projekten profitieren.
als kürzlich berichtet wurde, dass eine ganze Menge Wasser entdeckt wurde (was ohne den BGR definitiv nicht erfolgt wäre) wart ihr noch alle hellauf begeistert.
Ich stimme Volker in vielen Dingen auch zu, wir hatten in einem anderen Forum schon Gedankenaustausch (wobei man wissen sollte dass jemand als Botschafter, auch in Afrika, ja wohl meist eher auf der Sonnenseite der Annehmlichkeiten stand). Nur frag ich mich wer den schon in der Branche tätig war um das halbwegs objektiv beurteilen zu können.
Geredet wird ja meist über die Negativbeispiele, nicht über die Leute die sich in kleinen NGO`s für wenig Geld den Arsch aufreißen, während manch ein Angestellter der KFW hier unten nicht unter 10.000 Euro/Monat im Portemonaie nach Hause geht (plus Businessklassflüge für die ganze Familie usw.). Gerade Namibia ist da ein absolutes Negativbeispiel, da es als Abschiebebahnhof für ein netten Vorruhestand gilt.
Danke für den Beitrag. Genau so sehe ich das auch. Es ist im Moment recht populär, Entwicklungshilfe generell scheiße zu finden. Eine Menge an der Kritik ist auch richtig. Viele Entwicklungshilfeprojekte waren in der Vergangenheit kontraproduktiv. Wahrscheinlich sogar die Mehrheit. Und sicher kreisen viele NGOs auch vor allem um sich selbst und den Erhalt der eigenen Organisation und Jobs. Das das offen kritisiert wird, ist völlig richtig.
Aber gemäß Schwarz-Weiß-Denken nun ins andere Extrem zu verfallen und jede Form von Unterstützung pauschal abzulehnen, kann auch nicht die Lösung sein. Die Welt ist ohnehin kompliziert und die Probleme in Afrika sind noch viel komplizierter und vielschichtiger (siehe z.B. auch "Ach Afrika" von Bartholomäus Grill). Und es soll ja auch möglich sein, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Man kann letztlich immer nur den konkreten Einzelfall beurteilen. Freilich wird es dann sehr komplex und die einfachen Antworten funktionieren nicht mehr.
Und was wäre eigentlich die Folge, wenn sich z.B. Europa und Amerika komplett von jeglicher Entwicklungshilfe verabschieden? Das die afrikanischen Länder dann automatisch "den Hintern hoch bekommen" und endlich ihre Probleme selbst lösen? Oder kann eine Folge sein, dass europäische Entwicklungshilfe noch mehr durch chinesische Entwicklungshilfe ersetzt wird? Ich will nun nicht gleich wieder pauschale Vorurteile gegen China befeuern. Aber ein paar Zweifel hätte ich schon, ob chinesische Entwicklungshilfe den afrikanischen Ländern besser bekommt.
Herzlichen Dank. Kritik bekomme ich fast immer nur von Europäern, die sich garnicht vorstellen können, dass Afrikaner keine Dauerhilfe benötigen. Das schließt natürlich nicht Nothilfe aus. Die Entwicklung im Senegal sollte uns alle optimistisch stimmen. Macky Sall hat als erster senegalischer Präsident seine Vermögensverhältnisse veröffentlicht. Er hat seine Regierung von 38 auf 25 Minister verkleinert. Eines der kleinsten Kabinette des Kontinents. Als Dienstfahrzeug nutzt er seinen privaten Geländewagen. Die Erwartungen der Bevölkerung sind sehr hoch. Er muss vor allem die hohen Nahrungsmittelpreise und die die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, indem er bessere Voraussetzungen für Investitionen schafft. Weniger Arbeitslosigkeit wird die Armut senken. Besonderes Augenmerk will er auf den Kampf gegen Korruption und das Analphabetentum legen. Er hat ferner angekündigt, dass er der Verschwendung der Staatsausgaben Einhalt gebieten will , um mit den freigewordenen Mitteln die Wirtschaft anzukurbeln und in Gesundheit sowie Bildung/Ausbildung zu investieren. Es hat auch erste wichtige Maßnahmen der Regierung Macky Sall im April 2012 zum Schutze der einheimischen Fischerei gegeben . 29 Fanglizenzen für russische Trawler wurden annulliert, die der frühere Fischereiminister eigenmächtig und illegal vergeben hatte. Er und seine Mitwisser sollen 642 Millionen Euro entwendet haben. Seit der Entscheidung gibt es lt.Greenpeace erste Anzeichen, dass sich die Fischbestände erholen. So dass die Kleinfischer wieder ein Auskommen haben. Andere Staaten haben einen ernsthaften Kampf gegen Korruption generell und zum Schutz der Fischgründe noch vor sich. Der weitverbreitete Paternalismus, also die Neigung, besser als der Betroffene zu wissen was gut für ihn ist, droht die Menschen zu entmündigen. Warum wird den Afrikanern immer wieder eingeredet, dass sie ihre Probleme nicht selbst lösen könnten? Es scheint schwer zu sein, die Menschen ihren eigenen Ideen zu überlassen. Immer nimmt sie jemand bei der Hand. Volker Seitz www.Bonner-Aufruf.eu
Es geht doch nicht um die vielen kleinen NGOs (übrigens 40 000 in Afrika), die z.T sicherlich gute Arbeit leisten. Es geht um das politische Umfeld in vielen Staaten.Die Lage Afrikas südlich der Sahara wird sich nicht wesentlich verbessern, wenn nicht zweierlei geschieht: Erstens , die Afrikaner müssen nach der Erkenntnis handeln, dass es bei der Bewältigung der Zukunft auf sie selbst ankommt, nicht auf uns. Zu viele der führenden afrikanischen Politiker vermitteln nicht den Eindruck, als hätten sie dies begriffen und beherzigt. Zweitens, wir müssen uns entsprechend verhalten, konsequenter als bisher. Staatseliten, die nicht im Interesse ihrer eigenen Bevölkerung arbeiten, sollte die Hilfe gestrichen werden. Nur so bleiben wir als Geberland glaubhaft sowohl dem Steuerzahler als auch den Entwicklungsländern gegenüber. Immer mehr Geld in die alten Kanäle zu pumpen, ist nicht nur vergeblich , sondern unüberlegt und schädlich. Das kritisieren auch viele jüngere Afrikaner und Afrikanerinnen .Kritische Zusammenarbeit bedeutet, dass wir anders als bisher Eigenverantwortung einfordern und Missstände nicht weiter beschönigen. Wir dürfen auch nicht weiter den Mangel an Rechtsstaatlichkeit, an Transparenz bagatellisieren sondern offen ansprechen. Es kann nicht sein, dass einige räuberische Afrikaner in wenigstens 20 reichen Staaten das Geld aus dem Verkauf der Rohstoffe sich in die Tasche stecken und um die arme Bevölkerung kümmert sich der westliche Steuerzahler. Mit Machthabern, denen ihre eigene Bevölkerung gleichgültig ist, muss man Klartext reden. Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC hat im August 2012 den Anfang gemacht.Ich habe dies übrigens auch als Botschafter zuletzt in Kamerun gemacht. Öl-und Erdgaskonzerne wie Exxon-Mobil und Chevron sowie andere Rohstoffförderder müssen künftig Zahlungen an Regierungen detailliert offenlegen. Damit soll verhindert werden, dass weiterhin das Geld von den Machteliten eingestrichen werden, während die Bevölkerungen weiter in Armut leben. Die Geheimniskrämerei ist nach Meinung von Bill Gates Ursache von Korruption, Armut und Instabilität. Natürlich werden sich China und andere Länder die Geldströme wie bisher nicht veröffentlichen, aber das Scheinwerferlicht wird endlich auf die Ursachen der Armut gelenkt. Trotz guter Ausgangslage und der Tatsache, dass viele Länder seit der Unabhängigkeit Liebling der Geber sind, zählen sie zu den ärmsten Ländern der Welt. Afrikanische Führungsriegen müssen das Selbstverständliche akzeptieren, dass nämlich sie für Wohlstandsfortschritte selbst verantwortlich sind. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"
Erika2'338 Beiträge · seit 200710. Sept. 2012 · #12
Hallo zusammen
Guido schrieb:
Und was wäre eigentlich die Folge, wenn sich z.B. Europa und Amerika komplett von jeglicher Entwicklungshilfe verabschieden? Das die afrikanischen Länder dann automatisch "den Hintern hoch bekommen" und endlich ihre Probleme selbst lösen? Oder kann eine Folge sein, dass europäische Entwicklungshilfe noch mehr durch chinesische Entwicklungshilfe ersetzt wird? Ich will nun nicht gleich wieder pauschale Vorurteile gegen China befeuern. Aber ein paar Zweifel hätte ich schon, ob chinesische Entwicklungshilfe den afrikanischen Ländern besser bekommt.
Tatsache ist aber, dass die westlichen “Geberländer” und China oft eng zusammen arbeiten. Als Beweis hier zwei Fotos von Strassenbau-Tafeln, welche ich in Tansania und Sambia gemacht habe:
Tansania, die Amerikaner finanzieren, die Chinesen bauen
Es geht doch nicht um die vielen kleinen NGOs (übrigens 40 000 in Afrika), die z.T sicherlich gute Arbeit leisten.
ganz genau, da hast du vollkommen Recht. Dies können aber leider viele nicht differenzieren!
Staatseliten, die nicht im Interesse ihrer eigenen Bevölkerung arbeiten, sollte die Hilfe gestrichen werden. Nur so bleiben wir als Geberland glaubhaft sowohl dem Steuerzahler als auch den Entwicklungsländern gegenüber.
Ja. Allerdings sollte auch offengelegt werden, was die deutsche, chinesische oder sonstwelche Seite verdient, so wie es z.B. der ehemalige DED getan hat. Das wäre glaubhaft.
Afrikanische Führungsriegen müssen das Selbstverständliche akzeptieren, dass nämlich sie für Wohlstandsfortschritte selbst verantwortlich sind.
Tja, leider haben so ziemlich alle afrikanischen Führungsriegen ihre Denkweise an privaten Unis in der Schweiz, USA oder England gelernt. Ein Umbruch geht (meist) nur von unten, nicht von oben (liege ich falsch, oder ist irgendeiner der nordafrikanischen Machthaber auf diese Idee gekommen? Die machen doch solange weiter bis man sie im Abflussrohr aufspürt; aber natürlich gibt es immer Ausnahmen vielleicht klappts ja in Marokko). Und man darf einfach keine europäischen Denkansätze haben. Beziehungsorientierte Gesellschaften ticken einfach völlig anders. Da kann der "Chief" noch so eine korrupte Pfeife sein, er ist der "Chief".
Nichts desto trotz finde ich den Bonner Aufruf löblich und er ist es wert unterstützt zu werden. Leider bin ich der festen Überzeugung, dass sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern wird. Obwohl: die Geschichte hat uns doch schon mehrfach überrascht.