robert.raderschatt schrieb:Liebe Leute,
wie ich in diesem Thread schon mal gepostet habe, hat sich mein Interesse von der 'Flucht vor der Internierung' in Richtung Internierungszeit erweitert. Wovor sind die beiden Geologen eigentlich geflohen? Was bedeutet Internierung - sowohl für die Betroffenen als auch für deren Familien?
Die Deutschen aus Südwestafrika wurden nach Südafrika deportiert, in ein Lager namens Andalusia. Bei meinen Nachforschungen konnte ich zwei Zeitzeugen ausfindig machen, deren Väter fünf Jahre lang interniert waren.
Bei einem Besuch vor Ort habe ich meinen ersten kurzen Dokumentarfilm fertiggestellt. Ihr findet ihn hier:
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Liebe Grüße,
Robert
Danke Robert, daß Du Dir die Mühe gemacht hast! Finde ich toll!
Unsere Vätergeneration saß dort ein und unsere Müttergeneration saß allein auf Farmen und in Firmen/ Geschäften oder unversorgt mit kleinen Kindern in den Ortschaften.
Diejenigen, die zum Ausbruch des Krieges in Deutschland waren, wurden eingezogen, was zur Folge hatte, daß sich auch Schulkameraden im Feld gegenüber standen, in Nordafrika und anderswo.
So gab es paradoxe Situationen, daß ein Freund meines Vaters als britischer südafrikanischer Fliegeroffizier vor einem britischen Kriegsgericht landete wegen angeblicher Kollaboration mit dem Feinde, dieses eigentlich nur wegen "zu freundlicher" Behandlung gefangener deutschsprachiger südwestafrikanischer Landsleute die auf deutscher Seite gekämpft haben und in Gefangenschaft gerieten.
Etwas extrem Interessantes was die wenigsten wissen: Vor einigen Jahren kaufte ich in eBay einen Briefumschlag, geschrieben vom Vater eines Schulkameraden der einsaß in Andalusia, aus dem Jahre 1942. Dessen Bruder war war gefangen durch den Krieg in Deutschland und konnte nicht zurück. Den Weg dieses Briefes kannst Du anhand der Stempel verfolgen von Andalusia über die Zensur des Oberbefehlshabers der südafrikanischen Armee, dann Kapstadt, und der nächste Stempel ist vom Oberbefehl der deutschen Wehrmacht. Ich vermute mal der Brief lief von Kapstadt nach England, und von dort über die neutrale Schweiz nach Deutschland. Ich hätte mir nie vorstellen können, daß Post zwischen Ländern im Kriegszustand gelaufen ist. Ich bin überzeugt, diese Ausnahme wurde nur möglich durch Anwesenheit der vielen Deutschen im südlichen Afrika.
Das Thema ist noch längst nicht ausgeschöpft. Es schwirren in Namibia auch noch viele besonders schöne künstlerische Erinnerungsobjekte herum, die in Andalusia erschaffen wurden. Die Menschen dort hatten ja unwahrscheinlich viel Zeit.
H.