eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200912. Nov. 2009 · #21
@Annick (und alle anderen): Danke für die aufmunternden Kommentare; sie beweisen mir (und natürlich auch allen anderen, die hier ihre Tagebücher und Bilder veröffentlichen!), dass ich das nicht nur für mich mache 😉
Freitag, 11. September 2009 / Island Cottage – Farm Namtib Biosphere Reserve Wie üblich stehen wir relativ zeitig auf, frühstücken und packen zusammen. Um 09:00h verabschieden wir uns und fahren zum Spar: Einkaufen für vier Tage. Während Fabian und ich einpacken, geht Ruth noch zur Bank und in den kleinen Laden vis-à-vis, wo wir gestern Karten und eine CD von den Namibian Marimbas gekauft haben, und besorgt das Heft „Sperrgebiet“ und die AZ von gestern, weil Fabian hofft, darin Fussballresultate und –ranglisten zu finden; vergeblich, wie sich später herausstellt.
Volltanken ist das nächste und dann geht’s zur Kolmannskuppe. Dort sehen wir uns auf eigene Faust um, weil die nächste Führung erst in einer Stunde wäre. Mag sein, dass wir nach der gestrigen Bogenfels-Tour schon genug Sand gesehen haben und zudem mit Freilichtmuseen schon unsere Erfahrung haben, aber nach rund einer Stunde haben wir das Gefühl, eigentlich alles gesehen zu haben. (Zwischenbemerkung: nach den vielen tollen Bildern von Doc Holliday, janet und allen anderen fleissigen TagebuschreiberInnen halte ich mich hier und bei den Wildpferden ein wenig zurück) Gegen Mittag fahren wir weiter zu den Garub-Pferden. Das Licht ist jetzt besser, Pferde hat es noch mehr, aber auch Touristen, darunter eine Tante, die es nicht lassen kann, sich aus dem Unterstand mitten unter die Pferde zu begeben. Was sie dort wollte, ist mir schleierhaft; das ultimative Bild schiessen oder den Pferden Zucker geben, oder vielleicht war es ja auch nur eine Pferdeflüsterin 🙄 Passiert ist, zumindest solange wir da waren, nichts, aber der Guide der Gruppe hat nur zugeschaut und nichts unternommen. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Pferde in ein paar Jahren bei den Touristen um Futter betteln (s. weiter oben auf Bagatelle!). Die nächsten rund drei Stunden fahren wir über Aus und dann wieder auf Schotter resp. Sand die C13 und die D707 östlich der Namib entlang zur Namtib Biosphere Reserve, wo wir von Lynn Theile begrüsst werden. Cabins hat’s keine mehr, Camping schon. Ist zwar 2.5 km vom Haupthaus entfernt, aber irgendwie werden wir es schon schaffen, morgen für die gebuchte Wüstenwanderung dorthin und anschliessend (nach dem Einnachten!) wieder zurück zu kommen. Bevor wir auf den Campingplatz rausfahren, kaufen wir uns noch etwas Lamm für den Grill. Auf dem Camping steht ein einzelner Wagen mit einem Paar davor; nicht auf einem Einzelplatz, sondern zentral auf der Lapa beim grossen Grill und dem Sanitärblock. Wir fahren zuerst zu einem der weiter entfernten Einzelplätze, überlegen es uns dann aber anders und fragen die beiden, die dort gemütlich sitzen, ob es ihnen genehm ist, wenn wir uns ebenfalls etwas zentraler einrichten. Es ist, und die beiden stellen sich dabei als Max und Susanne aus Biel vor.
Gegen abend kommt noch ein weiteres Paar, Siggi und Lena aus Karlsruhe. Siggi ist, wie sich später herausstellt, Kinderchirurg am Karlsruher Spital und kennt von da her unseren Freund Sedat, welcher ihm ab und zu Patienten zuweist.
Kurz vor dem Einnachten feuere ich auf dem zentralen Grill an, schon bald tatkräftig unterstützt durch Max und Siggi, so dass Ruth’s Gschwellti schon längst gar sind, als das Feuer noch fröhlich Flammen wirft. Schliesslich haben wir dann aber doch eine schöne Glut und sitzen alle einträchtig bei Feuer und Nachtessen. Von Susanne gibt’s noch etwas Linsen, von Siggi zum Dessert eine Ananas. Das einzige, was stört, ist der Wind, der immer stärker bläst und schliesslich Fabian’s Zelt einfach umklappt! Wir helfen uns damit, dass wir den Wagen mit aufgeklappten Zelten um 180° drehen; so kommt der Wind von hinten. Nach dem Essen verziehen sich alle recht schnell in die Zelte – welche wieder rütteln und schütteln, eher noch mehr als in Aus! Zudem glüht unser Feuer in hellstem Rot und sprüht Funken wie ein Zuckerstock; es gibt erst Ruhe, nachdem ich ihm mit einem Abwaschbecken voller Wasser den Garaus gemacht habe.
In der Nacht stehe ich auf und mache, was Fabian schon vorher wollte: alle Abspannstangen rausnehmen. Dabei entdecke ich, dass man die Vordächer aufrollen und befestigen kann, und mache auch das noch. Danach habe ich zumindest einigermassen das Gefühl, dass wir die Nacht eventuell doch überleben werden!
Zwischendurch hört der Wind ein wenig auf, um gegen Morgen wieder aufzufrischen.
Samstag, 12. September 2009 / Farm Namtib Biosphere Reserve Frühstück findet windgeschützt hinter dem Auto statt, dann machen wir es uns bei Tagebuch und Lektüre etwas gemütlich, nicht ohne zuvor zum besser geschützten Platz von Max und Susanne umgezogen zu sein, welche sich im Lauf des Vormittags verabschiedet haben. Kalt ist es nicht; im Gegensatz zur „Bise“ in Aus entspricht der Wind hier eher unserem Föhn.
Gegen Mittag – der Wind hat etwas abgegeben – macht Ruth aus dem in Lüderitz gekauften Langkornreis ein Risotto und brät das von gestern übriggebliebene Lamm in der Bratpfanne, damit wir Abends nach der Rückkunft von der Wüstenwanderung nicht mehr im Finstern kochen müssen. Die Sandwiches für’s Nachtessen bereitet sie auch gleich vor.
Da Siggi und Lena sich auch noch angemeldet haben, machen wir uns kurz nach 14:00h zu fünft auf den Weg zum Hauptgebäude, wo wir auch noch Frau Theile senior kennenlernen – modisch, mit violetter Mèche im Haar. Sie unterhält uns noch mit Wissenswertem über’s Wetter, bis Lynn zur Abfahrt bereit ist. Mit einem weiteren deutschen Paar, welches auf der Farm übernachtet, quetschen wir uns zu acht in einen alten, klapprigen Landy und Lynn fährt mit uns zur 12km entfernten Hauptstrasse hinunter und dort noch einige km westwärts bis zu einer Senke, in welcher wir den Landy stehen lassen. Ueber den Zaun gelangen wir ins Schutzgebiet des Namib Naukluft Parks, wo uns als erstes ein Oryx auf dem Dünenkamm begrüsst. Während der mehrstündigen Rundwanderung, immer höher die Dünen hoch, weiss Lynn vieles über die dort vorkommenden Pflanzen und Tiere zu erzählen und gibt auch auf Fragen zum Farmleben bereitwillig und engagiert Auskunft. Man hat den schönen Eindruck, sie hat sich mit Leib und Seele dem Leben hier auf der Farm und bei ihrem Mann verschrieben. Es ist schon ein anderes Dasein, auf welches man sich vollumfänglich und ohne Zweifel einlassen muss: Die nächsten Nachbarn weit, die nächste Stadt noch viel weiter weg. In medizinischen Notfällen gibt es den Flying Doctors Service, der aber auch länger braucht, als bei uns der Weg zum nächsten Spital. Bei Buschbränden, wie es sie seit 2006 hier gibt, müssen sich die Nachbarn selber helfen, auch wenn man dafür 120km weit fährt und vielleicht eben erst vom letzten Einsatz zurückgekommen ist: Löschflugzeuge gibt es nicht. Und bei den Gästefarmen kommt hinzu, dass man nie allein ist: immer sitzen ein paar Gäste mit am Esstisch. Und einfach mal so ins Kino?
Man kann fast nicht genug bekommen von dieser Wanderung über die rein optisch messerscharfen Dünenkämme – trotz Sand im Gesicht, in den Kleidern, in den Schuhen, einfach überall 😠 Leider sind meine poetischen Talente zu dürftig, als dass ich das Gefühl besser beschreiben könnte; ich lasse lieber Bilder sprechen – auch wenn ich erst im Nachhinein gemerkt habe, dass auch das Objektiv etwas Sand abbekommen hat 😕 Der Sonnenuntergang fällt mehr oder weniger flach: viel zu früh verschwindet die Sonne hinter einer Wolke und kommt nicht mehr zum Vorschein. So nehmen wir den direkten Weg zurück zum Zaun. Die Dünenabhänge werden dabei wie die Lavafelder auf dem Vulcano und dem Stromboli gemeistert: Direttissima, mit etwas Rücklage. In einbrechende Dunkelheit hinein fährt Lynn uns zum Hof zurück und muss dabei sehr aufpassen, dass sie keine wilden Tiere auf der Strasse überfährt. Die Scheinwerfer erfassen Oryxe, Springböcke, Löffelhunde und so einiges mehr. Auf der Farm lädt sie die beiden zusätzlichen Passagiere aus und bringt uns fünf Camper noch zu unserer Unterkunft, wo sich inzwischen noch einige andere Camper eingerichtet haben, allerdings nicht bei uns, sondern weit entfernt auf den Einzelplätzen. Eigentlich schade; ich habe immer gemeint, zum Camping gehöre auch gemeinsames ums Feuer sitzen und so.
Schnell vertilgen wir unsere Sandwiches und verziehen uns dann in den Schlafsack. Die Nacht bleibt wider Erwarten ruhig und windstill.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200913. Nov. 2009 · #22
Sonntag, 13. September 2009 / Farm Namtib - Sesriem Etwas habe ich vergessen: Irgendwann gestern Abend wollte ich noch etwas unter dem Baum holen und habe dabei im Finstern den Schädel an einem Ast angeschlagen. Jetzt, bei Tageslicht betrachtet, sehe ich aus wie Gorbatschow - zumindest für die nächsten paar Tage 😵
Wie üblich stehen wir früh auf, frühstücken und packen zusammen, weil die Strecke bis nach Sesriem doch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Wir verabschieden uns provisorisch von Siggi und Lena, welche das gleiche Ziel haben, und können, obwohl wir im Sesriem Camping keine Reservation haben, einigermassen beruhigt losfahren: Falls wir keinen Platz erhalten, dürfen wir uns mit auf ihren reservierten Platz stellen.
Auf dem Hof rechnen wir mit Lynn ab und kaufen noch etwas selbst gemachten Oryx-Biltong sowie einen ebenfalls handgefertigten Armreifen aus Horn für Ruth. Dann geht’s los, um die Tirasberge herum, für kurze Zeit verfolgt von Siggi, welcher aber schon relativ bald einmal einen Fotostopp einlegt und aus dem Rückspiegel verschwindet.
Bei Betta biege ich zwar auf die D826 ab, aber in der falschen Richtung, so dass wir Richtung Duwisib fahren, welches uns eigentlich gar nicht interessiert, haben wir in der Schweiz doch viele und vermutlich wesentlich authentische Schlösser. Der damit eingekaufte Umweg führt über den Tsarispass: Anfahrt geradeaus über eine Hochebene, dann geht’s steil und kurvenreich runter wie an der Maloja. Ruth ist am Steuer und meistert die Sache sehr gut, ist aber dann doch müde, so dass Fabian mal wieder ein Stück ans Steuer darf.
Kurz vor Sesriem übernehme ich wieder. Beim Eintrag am Empfang sehe ich, dass Siggi und Lena kurz vor uns eingecheckt haben. Ihr Angebot müssen wir nicht annehmen: Obwohl Bwana schon im Februar keinen Platz mehr für uns buchen konnte, hat es jetzt massenhaft freie Plätze 😕
Wir suchen kurz Siggi und Lena auf, machen für einen Sunset-Drive ins Sossusvlei ab und richten uns dann provisorisch ein, spricht: Tisch, Stühle und Kisten raus, Zelte bleiben gepackt. Fabian und ich machen uns ein Sandwich und schreiben etwas Tagebuch/lesen, Ruth geht zum Pool. Kurz bevor wir losfahren wollen, beginnt wieder ein kräftiger Wind zu blasen, welcher uns ziemlich Sand ins Gesicht wirbelt. Das kann ja heiter werden! Die Fahrt zum Sossusvlei unterbrechen wir nach gut 20km, weil es dort hinten nach Sandsturm aussieht. Siggi schlägt vor, statt dessen zum Tsauchab-Canyon zu fahren. Dort wandern wir bis kurz vor Sonnenuntergang den Canyon hoch, finden einen Ausstieg und spazieren oben auf der Krete wieder zurück zu den Autos. Ein (fast) vollwertiger Ersatz für den verpassten Fish River Canyon! Der Sonnenuntergang sieht ziemlich gespenstisch aus: noch immer wütet der Sandsturm im Sossusvlei. Da Siggi und Lena auch im Restaurant essen wollen, machen wir für halb Acht ab. Wagen für morgen früh einrichten (Tisch, Kisten, Stühle, Schlafsäcke nach hinten, Taschen nach vorn), duschen und mit der Taschenlampe zum Restaurant. Vor dem Eingang steht ein junges deutsches Paar, welches auf dem letzten Wegstück ins Sossusvlei mit dem Wagen im Sand stecken geblieben und ihn nicht mehr rausgekriegt hat: irgend ein Problem mit der Kupplung. Dachzelt, Gepäck, alles ist hinten im Sandsturm; mit dem Allernötigsten stehen sie da im Dunkeln vor dem Restaurant und versuchen via Handy, die Rettungsaktion für ihren Wagen zu koordinieren und eine Schlafgelegenheit zu organisieren. Ein Notzelt haben sie bereits: Wir bieten ihnen unseren vierten Schlafsack und eine Decke an, falls es anders nicht klappt: ein Angebot, das sie glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen müssen.
Im Restaurant sind wir die ersten und viel mehr Gäste kommen auch später nicht mehr. Das Angebot ist klein, das dann von allen gewählte Oryx-Steak aber gut, die Bedienung freundlich und das Gespräch gut: Lena und Siggi scheinen so ziemlich unsere Wellenlänge zu haben.
Beim Zubettgehen fängt es in der Ferne an, zu donnern: wird ja immer schöner! Die ganze Nacht lang wechseln sich Wind und leichter Regen ab – mit Vorteilen für den Wind, der unser Zelt gar nicht erst nass werden lässt. Das Geschüttel hält sich in Grenzen, stehen wir unter dem Baum doch relativ windsicher.
Montag, 14. September 2009 / Sesriem (Sossusvlei) Um 05:00h reisst mich der Handy-Wecker aus tiefstem Schlaf. Wir schaffen es, in der gesetzten Zeit von einer Stunde fahrbereit am Eingangstor zu stehen, als zweites Fahrzeug hinter Siggi und Lena. Das Ganze selbstredend ohne Frühstück 🙁
Die Fahrt in die einsetzende Dämmerung hinein wird begleitet von Blitzen am Horizont. Als es etwas heller wird, sehen wir auch, dass der Himmel voller Wolken hängt, welche genau über dem Sossusvlei am dunkelsten sind. Wir lassen uns davon nicht abschrecken und fahren unbeirrt weiter, immer den Heckleuchten von Siggi nach.
Beim Uebergang auf die Sandstrecke merke ich schnell, dass unser Fahrzeug mit den breiten Reifen seine Qualitäten hat. Zudem ist bis jetzt ein einziges Fahrzeug – wohl von einer der Lodges – nach hinten gefahren und dessen Fahrer hat uns eine gute Spur gelegt. Siggi folgt – nachdem er mit Hilfe unseres Druckmessers etwas Luft abgelassen hat – problemlos nach. Unterwegs kommen wir am liegengebliebenen Fahrzeug vorbei, das hier immer noch der Rettung harrt.
Am Ende der Sandstrecke, auf dem 4*4 Parkplatz, stellen wir unsere Autos hin. Die Gruppe vor uns ist schon unterwegs ins Sossusvlei resp. auf den Kamm zum Dead Vlei. Begleitet von einem mehr oder weniger trockenen Gewitter mit sensationellen Blitzen und entsprechend fantastischem Sonnenaufgang machen wir uns ebenfalls auf den Weg zur Düne: Siggi und Lena als Supersportler vorneweg, Ruth und Fabian knapp dahinter und ich abgeschlagen als letzter... Eine gute Kombination: keine Kondition, 10kg zuviel Körpergewicht plus gefühlte 20kg Fotoausrüstung um den Hals und in der Weste und dann dauernd stehenbleiben, um zu fotografieren 🤩 Auf dem Kamm hoch zur Düne wird’s erst richtig anstrengend: Zwei Schritte vor, einer zurück und dauernd kommen von hinten Leute, die überholen wollen. Erst will ich umkehren, gebe dann aber doch nicht auf, vor Allem weil ich merke, dass ich mit gemächlichem Gang kaum Pausen einlegen muss und so einige Leute wieder einhole, die vorher an mir vorbeigestapft sind! Der Kampf lohnt sich: Auf dem Kamm oben warten ein sagenhafter Blick hinunter ins Dead Vlei, ein Kuss von meiner Frau und der herzliche Applaus von Familie, Freunden und weiteren Touristen 😘 Runter geht’s wie vorgestern in der Namib, die Direttissima, wobei sich Fabian punkto Schönheit und Tempo Bestnoten und den Applaus aller Anwesenden (mittlerweile ca. zwei Dutzend Leute) verdient. Ich folge etwas gemächlicher, damit Fabian mich in Ruhe von unten filmen kann 🤪 Nachdem die Schuhe ausgeleert sind, geht der Fotowahn unten im Dead Vlei weiter; ich merke plötzlich, was ich mit dem richtigen Blickwinkel und Ausschnitt aus den toten Bäumen alles herausholen kann. Erst gegen 10:00h verziehen wir uns Richtung Fahrzeuge, weil sich eine Gruppe von „Eliteamateuren“ mit ihren Stativen und ihren protzigen Ausrüstungen im und um’s Dead Vlei breitmacht und uns dauernd vor der Linse durch watschelt. Beim Parkplatz stehen inzwischen ca. ein Dutzend Autos und dazwischen treibt sich ein einsames Oryx herum, welches sich aber schnell verzieht, als ein Fotograf aufdringlich wird. Kurz entschlossen stellen wir Tische und Stühle auf und setzen uns für ein gemütliches gemeinsames Frühstück hin. Siggi und Lena haben, da weniger Gepäck, sogar den Gasbrenner zur Hand, was uns zu einem heissen Tee verhilft. Auch mit Geschirr und Besteck helfen sie uns selbstlos aus. So gestärkt, beschliessen wir, uns der Düne 45 zu widmen und den Rest hier hinten bleiben zu lassen; man muss ja auch für den nächsten Besuch noch etwas haben! Das Wetter hat sich stark gebessert; die Sonne scheint, wenn auch bleich, vom dunstig hellblauen Himmel.
Die Rückfahrt durch den Sand meistern wir ebenfalls problemlos, wenn auch etwas weniger elegant, da die Wahl der Spur inzwischen zur Qual wird und uns immer wieder Fahrzeuge entgegen kommen. Das Pannenfahrzeug ist weg; ich meine, es vorne beim 2*4 Parkplatz wieder zu erkennen.
Der messerscharfe Kamm zur Düne 45 hoch ist einem ca. 3m breiten Trampelpfad gewichen. Niemand von uns hat grosse Lust, dort noch hochzuklettern, so beschränken wir uns auf einige exklusive Fotos von roten Sanddünen, verabschieden uns dann ganz herzlich von Lena und Siggi, welche weiterfahren wollen, uns aber versprechen, dass sie uns mal mit dem Motorrad besuchen, nicht zuletzt, um uns das Video zu bringen, das Lena von meiner wilden Fahrt durch den Sand mit der Kompaktkamera (gleiches Modell wie Ruth!) gedreht hat. Wir fahren zurück zum Campingplatz. Etwas stöbern im Laden, wo wir die beiden zum – hoffentlich vorläufig – letzen Mal sehen und dann weiter zum Desert Camp. Im Desert Camp werden wir freundlich begrüsst und umfassend informiert. Haus 2 steht schon zur Verfügung, Haus 3 für Fabian folgt kurz danach. Wir richten uns gemütlich ein, was hier nicht schwer fällt, trinken Tee, schreiben Tagebuch, putzen Foto- und Videoausrüstung und laden die elektrischen Geräte nach. Ruth, die zuerst zum Pool wollte, verzichtet angesichts des Windes und macht stattdessen mit Fabian zusammen gegen 16:00h den ausgeschilderten Rundgang. Ich bleibe da, weil ich von einem Beinahe-Sturz von der Leiter heute früh etwas Rückenschmerzen habe, führe mein Tagebuch bis zu diesen Zeilen nach und eben als ich fertig bin, kommen Ruth und Fabian zurück.
Nachdem alle geduscht haben, nehmen wir den Apero/Sundowner auf der kleinen Veranda ein. Der heute morgen bei Theiles gekaufte Biltong schmeckt wesentlich besser als derjenige, den wir im Supermarkt gekauft haben. Sogar Ruth, die 2002 noch gar nichts von Biltong hielt, schmeckt er. Schade nur, dass die Veranda keinen Windschutz hat; einmal mehr bläst uns der Wind alles vom Tisch, was nicht genug schwer ist oder durch etwas Geeignetes blockiert wird.
Bis zum Nachtessen hat der Wind wieder ziemlich zugelegt, so dass die Spaghetti schneller kalt als gegessen sind. Zum Glück haben wir nichts für den Grill: es würde uns die Glut genau auf den Tisch blasen! Nach dem ziemlich schnellen Essen waschen wir ebenso schnell ab und verziehen uns dann hinter die Zeltwände resp. ins Bett, wo es am wärmsten ist. Ruth schläft schon um 19:30h; ich lese noch ein wenig und lösche dann auch das Licht. Als ich um ca. 22:30h erwache, ist es noch kälter geworden. Ich ziehe den Trainingsanzug an und lese noch etwas beim Licht der Taschenlampe, um Ruth nicht zu wecken.
brendyka143 Beiträge · seit 200914. Nov. 2009 · #23
Hallo Thomas,
habe gerade den letzten Teil Deines Reiseberichtes gelesen. Die Fotos mit "Gewitter-Stimmung" finde ich klasse, das war bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis!!! Den Bericht finde ich auch interessant geschrieben. Nur ein kleiner Hinweis zum letzten Teil, falls das neue Fomis lesen, denn die bekommen sonst ein falsches Bild. Deine Fotos mit den abgestorbenen Bäumen stammen vom Deadvlei, ich erkenne das an den Dünen drumherum,hinten sieht man teilweise die Big Daddy-Düne. Das Deadvlei ist zwar auch versteckt, hat aber mit dem Hiddenvlei nichts zu tun. Es ist vorne am 2 WD-Parkplatz und auch sehr schön. Und das eigentliche Sosussvlei liegt da auch nicht. Du kannst mal einen Blick in mein Album "brendyka-Dünen" werfen, dort sind Fotos von allen Vleis vorhanden. Liebe Grüße Heidi
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200914. Nov. 2009 · #24
Hallo Heidi
du hast so offensichtlich recht, dass ich gleich alles korrigiert habe 🤨
Zu meiner Entschuldigung sei vermerkt, dass ich bisher keinen vernünftigen Plan des gesamten Sossusvlei gefunden habe und vor allem, dass der Guide der Gruppe vor uns immer vom Hidden Vlei gesprochen hat 😵
Nun gut: vielen Dank für den Hinweis und bei der nächsten Reise mache ich es von Anfang an richtig 😎
brendyka143 Beiträge · seit 200914. Nov. 2009 · #25
Hallo Thomas, ein Vorwurf sollte das eigentlich nicht sein!!! Du hast vollkommen Recht, dass man sehr wenig Informationen bekommt. Die Beschilderungen dort kann man auch vergessen. Es gibt ja auch Leute, die das Deadvlei gesucht und erst gar nicht gefunden haben. So ein kleiner Plan vor Ort wäre zur Orientierung nicht schlecht! Da gäbe es dringend Handlungsbedarf!!! 🤩 LG Heidi
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200914. Nov. 2009 · #26
Hallo Heidi
Hab's auch nicht als Vorwurf verstanden sondern wenn schon als konstruktive Kritik. Und immerhin sehe ich so, dass mein Tagebuch gelesen wird und Gefallen findet 😄
Hallo Thomas! Ich lese Dein Tagebuch sehr gern, es ist anschaulich durch die vielen beigefügten Fotos. Beginne meine Reise in zwei Wochen, fahre aber gegen den Uhrzeiger. Danke, Uwe
und dann noch diese Lebensweisheit aus Afrika: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200919. Nov. 2009 · #28
Da hier alle so fleissig sind, muss ich wohl auch 😉
Dienstag, 15. September 2009 / Sesriem - Swakopmund Der Wecker wäre auf 07:30h gestellt, aber wir erwachen eine halbe Stunde früher und fangen an, zusammenzupacken. Frühstück wird aufgeschoben: wir wollen uns doch in Solitaire den berühmten Apfelkuchen nicht entgehen lassen!
Etwas nach 08:00h sind wir bereit und fahren Richtung Solitaire, wo wir eine gute Stunde später eintreffen. Wenn uns bisher Touristen nur in homöopathischen Dosen begegnet sind, erhalten wir hier die volle Dröhnung: Busweise sind sie in Solitaire eingefallen, in der Bäckerei steht eine lange Schlange vor der Theke und der Bäcker kommt kaum nach mit dem Schneiden der vorbereiteten Apfelkuchen.
Bis ich getankt habe, wobei der Tankwart mir ringsum die Scheiben fein säuberlich putzt, sind Ruth und Fabian in der Schlange bis zur Kasse vorgerückt. Draussen an der Sonne lassen wir uns den Apfelkuchen und einen Kaffee schmecken. Zugegeben: Gut ist er, aber etwas trocken und sogar mir ein wenig zu süss. Anschliessend mache ich noch etwas Fotojagd auf Vögel und alte Schrottautos -traktoren und -motorräder - vermutlich die gleichen, die meine Frau zuvor auch schon fotografiert hat - schiesse ein Erinnerungsbild in der Bäckerei und dann fahren wir weiter. Der Verkehr hat wesentlich zugenommen, will heissen, im Schnitt kommt uns alle zehn Minuten ein Auto entgegen und wir fahren auch ab und zu auf einen anderen Wagen auf, was schonungslos aufzeigt, wie schwierig das Ueberholen in diesen Staubwolken ist. Selber werden wir auch ab und zu überholt, was bisher kaum einmal der Fall war. Den ersten Kurzzwischenhalt mit Erinnerungsbild machen wir beim Wendekreis des Steinbocks. Etwas später bestaunen wir beim Gaub-Pass die Radler, die uns entgegenkommen: da ist mir das Auto doch lieber! Auf der anderen Seite der Schlucht, auf dem Kuiseb-Pass, sehen wir alle Touristen aus Solitaire wieder plus noch ein paar andere mehr. Trotzdem machen wir einen Halt, weil die Landschaft wirklich sehenswert ist. Nach dem Kuiseb geht sie aber relativ schnell in eine flache, graue Wüste über: man wähnt sich auf dem Mond. Es hat auch kaum mehr Pflanzen, so dass ich mir für einen Pinkelhalt den einzigen Kaktus weit und breit aussuche - natürlich mit respektvollem Abstand. Dass ich damit genau den richtigen Ort gewählt habe, sehe ich erst danach 🤩 Die Aussicht ändert für die nächsten zwei Stunden kaum mehr; sie bleibt so trostlos bis zum Ortseingang von Waalvis Bay.
Im Hafen von Waalvis Bay suchen wir das Büro von Levo, unserem Operator für die Delphin- und Robben-Tour von Morgen. Das Büro ist geschlossen, also fahren wir zum Hauptbüro an der Strecke zwischen Waalvis Bay und Swakopmund. Die Strecke verläuft mehr oder weniger schnurgerade der Küste entlang; links und rechts nur Sand, Strassenmarkierungen, einige Feriensiedlungen und massenhaft Kreuze am Strassenrand: der Reiseführer hat offenbar recht damit, dass dies der gefährlichste Strassenabschnitt Namibias sei.
Am Langstrand finden wir das Büro und erhalten auf deutsch die Bestätigung, dass alles in Ordnung sei und wir morgen um zwanzig nach Acht in Waalvis Bay erwartet werden.
Kurze Zeit später sind wir im Intermezzo B&B, wo wir von Harald sehr freundlich und zuvorkommend begrüsst und informiert werden und unsere Zimmerschlüssel erhalten. Wäsche selber machen geht nicht; er empfiehlt uns aber den mit NAM$ 25/kg relativ günstigen Laundry-Service.
Auf dem Balkon machen wir uns ein paar Sandwiches und ziehen dann zu Fuss los, um den Strand und das Stadtzentrum etwas zu erforschen. Auch hier bläst der Wind relativ stark, aber solange die Sonne scheint, ist es einigermassen warm. Trotzdem muss meine Frau als erstes an’s Meer; sie hält es allerdings nicht allzu lange aus, weil sie fast weggeblasen wird. Eine halbe Stunde unseres Stadtbummels verplempern wir im Internet-Café mit dem vergeblichen Versuch, unseren Freunden zwei Bilder zu mailen, welche ich vorher extra vorbereitet und auf den USB-Stick geladen habe. NAM$12 für nichts verbraten; das einzige, was dabei herausschaut, ist die Nachricht, dass Patrick Swayze den Kampf gegen den Krebs verloren hat.
Nach dem Stadtbummel gehen wir unter die Dusche, bereiten die Wäsche für den Laundry-Service vor und fahren dann ins Grapevine, welches Harald für uns reserviert hat. Ein wunderbares Nachtessen in äusserst gemütlichem Ambiente erwartet uns: Kürbis-Kartoffel-Suppe, Schwertfisch, Ebony & Ivory / Don Pedro mit Amarula zum Dessert und zum Abschluss ein Espresso.
Das besondere daran: Den Wein zum Essen bestellt man nicht aus der Karte sondern man macht an der Theke eine Degustation. Die schliesslich ausgewählte weiss gekelterte (!) Blend aus roten und weissen Trauben (Haute Cabrière / Chardonnay + Pinot noir / Achim von Arnim, Cabrière, Franschhoek) ist ein Gedicht, welches ich mir als ersten Wein hier notiere, um ihn wenn möglich zuhause auch kaufen zu können.
Zurück ins Hotel, Tagebuch schreiben, etwas lesen: gute Nacht noch vor 22:00h!
Mittwoch, 16. September 2009 / Swakopmund (Delphin-Tour in Walvis Bay) Wie gestern versprochen ist das Frühstück schon um 06:45h bereit und die Chefs persönlich kümmern sich um unser leibliches Wohl. So können wir, wie Harald gestern empfohlen hat, um 07:30h losfahren, nicht ohne vorher die Wäsche zum Waschen abgegeben zu haben. Mal schauen, was davon heil zurückkommt!
Harald’s Empfehlung bewahrheitet sich tatsächlich, ist der Verkehr auf der Küstenstrasse doch relativ stark; nicht gerade, wie in Los Angeles zur Rush Hour, aber doch so, dass man Lastwagen nur schlecht überholen kann.
Im Hafen von Walvis Bay bei Levo Tours werden schon kräftig Boote gewassert, beobachtet von zwei Robben. Das Ganze läuft so ab, dass ein Landcruiser den Trailer rückwärts ziemlich schnell ins flache Wasser stösst und dann abrupt bremst, damit das Boot vom Trailer ins Wasser rutscht. Als drei oder vier Boote auf diese Weise gewassert sind, können wir über einen wackligen, aus zwei T-Balken bestehenden Steg einsteigen. Wider erwarten geht das Ganze ohne Unfall von sich. Das erste Boot wird mit gut einem Dutzend Leuten ziemlich vollgeladen; auf unseres trifft es zu unserem Glück gerade mal acht Passagiere; zwei haben, wie wir nachher erfahren, kurzfristig abgesagt. Nun gut, so haben wir mehr Platz (und später mehr Mittagessen, aber ich greife vor).
An Bord begrüsst uns Minkie, unsere Skipperin und erklärt gleich, sie mache heute ihre allererste deutschsprachige Tour. Das Wetter ist ziemlich trüb, neblig und kalt und bleibt während des ganzen Trips so. Erst viel später, als wir nach Swakopmund zurückkommen, kommt auch die Sonne hervor. Ab und zu taucht im Nebel ein Oelbohrturm auf; Minkie sagt, die seien temporär stillgelegt und hier hereingeschleppt worden, weil sie sonst draussen im offenen Meer durch die Wellen beschädigt würden.
Bevor wir losfahren, warnt uns Minkie vor dem Gast, der gleich komme, und schon taucht im Kielwasser eine ausgewachsene Robbe auf, hüpft auf’s Boot und macht sich hier breit. Minkie stellt sie als Spotty vor und erzählt uns mit ihrer Hilfe gleich viel Wissenswertes über die hier heimischen Pelzrobben. Dafür gibt’s dann immer wieder einen Fisch oder auch zwei (für Spotty, natürlich!). Nach rund einer halben Stunde ruft Minkie einen Kollegen mit seinem Boot in die Nähe, um Spotty abzugeben, und wir fahren hinaus in die Bucht. Zuerst zum Leuchtturm, der früher ganz am Ende der Landzunge stand, jetzt aber 300m im Landesinneren, weil die Sandbank jährlich um 20m wächst. Der Leuchtturm ist übrigens eher per Zufall hier: eigentlich sollte er per Schiff zurück nach Deutschland, ging aber vergessen. Dann fahren wir zu den Austernbänken. Die Austern werden ganz jung von Chile inmportiert und hier in Gitterkörben an Fässer gehängt. Die Gitterkörbe werden regelmässig aus dem Wasser geholt und die Austern und geputzt, damit die Muschel sich immer öffnen kann. Weiter geht’s zu einer Robbenkolonie, die sich weiter draussen ebenfalls auf der Sandbank befindet, und Minkie weiss auch hier viel zu erzählen, zumeist mit einer guten Portion Humor gewürzt. Vom kleinen, eine Woche alten Baby bis zum wuchtigen alten Grossvater ist alles vorhanden. Die jungen haben Spass daran, rund um’s Boot zu schwimmen und zwischendurch aus dem Wasser zu hüpfen. Nachdem wir die Robben verlassen haben, erhalten wir ziemlich schnell wieder Besuch: zuerst von Möwen, welche von Minkie im Flug mit Fischen gefüttert werden und mit ihren Flugkünsten ein hervorragendes Foto- und Videosujet abgeben. Etwas weiter draussen – die Möwen haben wir hinter uns gelassen – wird es im Wasser lebendig: eine Schar Benguela-Delphine begleitet uns mit den üblichen Spielchen: vor dem Boot, hinter dem Boot, unter dem Boot durch, aus dem Wasser springen… Hier nennt man sie auch Dada-Delphine (Da, da, nein da 🤪 !) Wir schauen ziemlich lange dem munteren Treiben zu; Minkie weiss das Boot sehr gut einzusetzen um uns gute Ausblicke zu gewähren.
Nächste Station ist die Vogelinsel, eine hölzerne Plattform an der Küste zwischen den beiden Städten. Sie wurde gebaut, um Guano zu gewinnen, und ist immer noch im Betrieb. Bei der Plattform kommen auch die Möwen wieder und eine Schar Pelikane, deren Flugmanöver sich ebenfalls sehr gut für Foto- und Videoaufnahmen eignen. Nachdem sie noch ein wenig weiter hinausgefahren ist, tischt Minkie auf dem Boot ein Buffet auf: Sekt, kalte Happen soviel das Herz begehrt und natürlich frische Austern. Wir lassen es uns gutgehen – die einen mehr, die anderen weniger. Immerhin probiere ich eine, Fabian sogar zwei Austern. Na ja 😵 Als wir uns zur Rückfahrt bereit machen, tauchen noch zwei Tümmler auf, Sie springen nicht so hoch, wie die Delphine am Vormittag, schwimmen aber mit sichtlichem Vergnügen in der Heckwelle, welche von unserem und einem zweiten Boot gemeinsam produziert wird. Mir scheint, sie machen sich ein Vergnügen daraus, uns zu verarschen: Manchmal sind sie vor uns, dann hinter uns, dann seitwärts – einfach immer dort, wo man gerade nicht hinschaut. Irgenwann ist es dann halt doch Zeit, zurückzukehren. Wir waren fast vier Stunden auf dem Meer, und die Zeit ist, trotz Kälte und Nebel, wie im Flug vergangen.
Am Strand gibt es Kaffee und Tee zum Aufwärmen und die Dame dort richtet uns aus, dass das Sandsurfen ausfällt, weil der Veranstalter Probleme mit seinem Auto habe. Fabian ist zwar enttäuscht, aber nicht allzusehr. So beschliessen wir, nach Swakopmund zurückzufahren und uns dort noch ein wenig umzusehen.
Zurück in der Stadt schauen wir uns zuerst den alten Bahnhof an, der jetzt ein Luxushotel ist. Nächste Station ist der hiesige Leuchtturm und daneben der Markt, auf welchem aber mehr oder weniger die gleichen Sachen angeboten werden, die man auch sonst überall findet. Dann gehen wir für einen Kurzbesuch zur Jettyund gleich anschliessend weiter ins 200m weiter gelegene Aquarium, weil dort schon bald Haifütterung ist. Eine ziemliche Enttäuschung: klein (der Tunnel ist ca. 15m lang) und die „Haifischfütterung“ besteht darin, dass ein Angestellter um 15:00h einige Eimer mit Fischstücken ins Becken kippt, welche von den viel zu vielen Fischen darin mit mehr oder weniger Interesse betrachtet und teilweise sogar gefressen werden. Auf dem Rückweg in die Stadt besuchen wir das Woermann-Haus, wo Fabian eine CD mit namibischer Volksmusik ersteht. Dann noch einmal ins Internet-Café,welches sich ebenfalls in diesem Gebäude befindet. Diesmal sind die $12 besser investiert: Mails lesen, zwei Bilder in die Schweiz schicken, Spamordner leeren und Burkhalter ist Bundesrat. Im Vorbeiweg schaue ich auch noch in einen Laden mit Kuduschuhen rein, kann mich aber nicht wirklich dafür begeistern. Ein paar Schritte weiter kommen uns plötzlich Lena und Siggi entgegen. Wir begrüssen uns und tratschen eine Weile; dabei stellt sich heraus, dass sie am Morgen mit einem anderen Veranstalter ebenfalls die Delphin-Tour gemacht haben.
Eine weitere Verabschiedung später fahren wir zurück ins Hotel und lassen uns ein Restaurant empfehlen und gleich auch reservieren: Die Kupferpfanne. Im Zimmer machen wir uns einen Tee und planen ein wenig an der Weiterfahrt herum, unterbrochen von einem weiteren dieser fantastischen roten Namibia-Sonnenuntergänge und einem Anruf von der Reception, die Wäsche sei zurück. Gewogene (und bezahlte 😮 ) 14.5kg, fein säuberlich sortiert und gefaltet, alles picobello. Die Kupferkanne ist ein Erlebnis für sich: Ein Museumsrestaurant mit jeder Menge alten Schaustücken (fotografieren leider verboten), in welchem ausgezeichnet gekocht, serviert und gegessen wird. Swakopmund hat kulinarisch einiges zu bieten! Viel später als geplant, nämlich gegen 21:30h sind wir im Hotel zurück, wo Fabian erfolgreich Iosets anruft, um sich seinen Kreditkarten-Code per SMS schicken zu lassen. Wir diskutieren noch einmal an der Weiterfahrt herum und einigen uns schliesslich darauf, auf Epupa definitiv zu verzichten, erst mal bis zur Spitzkoppe zu fahren und dann weiterzusehen. Und dann ruft auch schon die Heia!
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200921. Nov. 2009 · #29
Und weiter geht's. Diejenigen, die bis hierher durchgehalten haben, muss ich vorwarnen: die Reise ging tatsächlich 50 Tage, das heisst ausharren bis am 21. Oktober 😵
Donnerstag, 17. September 2009 / Swakopmund - Brandberg Etwas später als gestern stehen wir auf, packen, frühstücken, verabschieden uns und fahren bis zum Spar, wo wir für sechs Tage einkaufen. Geld abheben geht absolut problemlos beim ATM-Automaten vor dem Spar (nachdem er nachgeladen wurde). Die Post finden wir im zweiten Anlauf: sie war eben doch dort, wo Fabian und Garmin sie geortet hatten, aber Ruth hat den Eingang nicht gesehen. Nachdem wir auch herausgefunden haben, wo man die Gasflasche nachfüllen kann und ich bei der Gelegenheit noch ein paar schöne Häuser vor die Linse bekommen habe, verlassen wir die Küste und fahren Richtung Spitzkoppe. Kurz vor Usakos, bei der Abzweigung von der B2 weg, kommen wir an ein paar Marktständen vorbei, wo wir laut Carsten Möhle Kristalle mit Einschlüssen, sogenannten Bubbles, kaufen können. Das Angebot ist aber zumindest heute nicht gerade grossartig; vielleicht sind wir als Schweizer in Bezug auf Kristalle halt etwas gar verwöhnt. Ruth versucht zum x-ten Mal, einen Donkeykarren zu fotografieren, aber die Dinger stehen einfach immer in der Sonne… Bei der Spitzkoppe beschliessen wir, das Bushman’s Paradise besuchen, biegen aber zu früh ab und landen zwischen Felsen und ziemlich scheuen Rock Dassies. Als wir weiter hinten eine Kette entdecken, haben wir ein Déjà vu: Ayer’s Rock auf namibisch! Allerdings lohnt sich der Aufstieg, weil oben zwischen den Felsen eine Nische mit Höhlen, Wasser, schönen Felsformationen. Felsmalereien und einer wunderbaren Aussicht wartet, die uns ziemlich lang beschäftigt. Da wir das Camp als solches aber nicht allzu anziehend finden, fahren wir nach rund einer Stunde halt doch weiter und durch bis zum Brandberg. Kurz vor Uis übernimmt Ruth, fährt etwas forsch los und fliegt fast aus der nächsten Kurve. Zu unser aller Glück kriegt sie das Auto aber sofort wieder in den Griff.
In Uis tanken wir und Ruth – ist es der Schock vom Beinahe-Unfall? – lässt sich von ein paar Jungs ein paar Kristalle mit vermeintlichen Bubbles für NAM$400 andrehen. Ich lasse mich dadurch – und durch die versehentlich eingeschaltete Diffsperre – so aus der Fassung bringen, dass nun ich im Powerslide durch eine Kurve drifte: eins zu eins und die nachhaltige Warnung, dass Sand nicht so griffig ist, wie Asphalt. Bei der Brandberg White Lady Lodge schauen wir uns die Preise an: NAM$ 1350 für ein Dreierzimmer mit Dinner und Frühstück. Campen ist wesentlich billiger zu haben, also buchen wir erst mal für eine Nacht, richten uns ein (nur wenig Wind!), machen Nachtessen, wobei ich endlich einmal ein Feuer hinbringe, das meinen eigenen Ansprüchen genügt, und vertreiben einen allzu zahm-zutraulich-neugierigen Springbock. Nach einem weiteren kitschig-roten Sonnenuntergang und dem Abwasch im Dunkeln gehen wir zu Fuss zur Lodge, um bei einem Drink (Malibu-Cola) das Tagebuch nachzuführen. Ach ja: irgendwann während des Tages hat mein Handy gepiepst. Beim ersten Mal war’s eine Werbe-SMS, beim zweiten der erwartete Code für Fabian’s Kreditkarte. Jetzt müssen wir nur noch im Finsteren den Rückweg und unser Zelt finden. Wüstenelefanten soll’s scheint’s im Moment keine hier haben; einerseits schade, andererseits im Moment vielleicht besser 😐
Freitag, 18. September 2009 / Brandberg - Palmwag Den Rückweg haben wir problemlos gefunden und dabei einmal mehr den überwältigenden südlichen Sternenhimmel bewundert. Wir im Norden hätten das ja auch, aber bei uns muss man weit fahren, um keine Strassenlaterne oder sonstige Lichtquelle mehr zu sehen, mal ganz abgesehen vom Widerschein der Städte und Dörfer.
Die Nacht wird kalt: es geht nahe an die Nullgrad-Grenze. Sobald aber am Morgen die Sonne aufgeht, wird es wärmer. Aufstehen um 07:00h weil ringsum schon mächtig Betrieb herrscht. Frühstück, packen und gegen 09:00h geht es los, erst mal Richtung White Lady. Beim Office entrichten wir unseren Obolus und bekommen dafür einen Guide namens Siegfried (Damara-Name für uns nicht aussprechbar) zugeteilt, der uns zur White Lady führt. Auf der ca. zweistündigen Wanderung hin und zurück weiss er allerhand über Pflanzen, Tiere und natürlich Felszeichnungen zu erzählen. Dumm nur, dass ich mir das alles nicht allzu lange merken kann. Die White Lady, welche in Wirklichkeit gar keine ist aber aus Marketingzwecken weiterhin so genannt wird, ist für mich eher enttäuschend. Nachdem sie von früheren Touristen zwecks besserer Kontraste mit Cola geduscht worden war, hat man sie hinter ein Gitter gesperrt. Dieses ist gottseidank wieder weg, aber sehen tut man in Gottes Namen nicht allzuviel von ihr; da sind die anderen Malereien fast eindrucksvoller. Aber auch die kommen an die Felsmalereien der Aborigines in Australien nicht heran. Nach der Rückkehr bitten uns die Guides, eine junge Dame die 20km bis zur Hauptstrasse mitzunehmen, was wir gerne tun, hätte sie doch sonst zu Fuss gehen müssen (oder auf einen anderen barmherzigen Touristen hoffen). Dann fahren wir, wieder einmal mit Fabian am Steuer, durch bis Twyfelfontein, wobei wir einmal kurz falsch abbiegen, es aber nach einer Weile merken und dann halt bei Twyfelfontein etwas mit der Kirche um’s Dorf fahren. Die Karten sind aufgrund des Massstabes nicht allzu aussagekräftig, das gemietete Nüvi gibt ziemlich merkwürdige Befehle von sich und Wegweiser hat es auch nicht allzu viele…
Nun gut, gegen 14:00h sind wir angelangt, bezahlen den Eintritt und erhalten wieder einen Guide zugewiesen, der sich diesmal nicht vorstellt, aber Humor beweist. An der ersten Weggabelung erklärt er, der eine, kleinere Loop dauere sechs Stunden, der andere acht. Auf Ruth’s zweifelnde Nachfrage ergänzt er, wenn wir laufen, schaffen wir es in einer Dreiviertelstunde – und geht los.
Twyfelfontein heisst so, weil die Quelle nicht immer Wasser führte. Deshalb haben die Farmer, die 1947 hierhergezogen sind, die Gegend 1964 wieder verlassen (Quelle Wikipedia)
Der Rundgang geht an verschiedenen Gravierungen vorbei, welche zumeist Tiere zeigen. Ganz selten hat es daneben auch Malereien, was aber eher ungewöhnlich ist, haben sie doch einen ganz anderen Ursprung und eine andere Entstehungszeit. Zwischendurch weist uns der Guide anhand bestimmter Gravuren darauf hin, dass der Ottifant ein Plagiat ist (er kennt sogar Otto Waalkes mit Namen) und dass die erste Brille ebenfalls aus Namibia stammt (in Tat und Wahrheit handelt es sich um eine Landkarte: die Brillengläser sind Wasserlöcher). Auf dem Rückweg pressiert es ihm plötzlich; vielleicht hat er jetzt Pause. Bei der Reception hat es noch ein kleines Restaurant, aber da sie nur Getränke anbieten, beschliessen wir die übliche fliegende Verpflegung (Sandwiches während des Fahrens), machen noch ein paar Bilder von drei Kindern, die sich dort herumtreiben und brechen dann auf. Die Strecke bis Palmwag meistert Ruth problemlos, den Plattfuss an der von Carsten prophezeiten Stelle fangen wir nicht ein. Bei der Ankunft ist sie allerdings müde; Schotterpistenfahren erfordert unabhängig vom Pistenzustand wesentlich mehr Konzentration, als Asphalt. Sobald die Piste etwas anspruchsvoller wird (Schlaglöcher, Rivieren, Tiefsandstrecken), ist vollste Konzentration gefragt, wie wir beide ja gestern festgestellt haben.
In Palmwag ist nur noch Campsite Nr. 9 verfügbar, ein Platz mit Grill, aber ohne jede weitere Infrastruktur. Wir können aber am nächsten Tag auf Platz 7 wechseln, was wir vorerst ablehnen und dafür einen Vormittags-Gamedrive buchen und für’s heutige Nachtessen reservieren. Auch da hat’s nur noch einen Tisch bei der Bar, was uns aber nicht weiter stört.
Leider kommt die Dame von der Reception kurz darauf bei unserem Campingplatz vorbei, um uns Bescheid zu geben, der Morning-Drive sei leider ausgebucht. So beschliessen wir, das Angebot auf Platz Nr. 7 doch noch anzunehmen, was wir der Dame später beim Nachtessen noch mitteilen wollen. Zuerst aber Dusche, Sundowner und der nächste Postkarten-Sonnenuntergang; die Temperaturen sind angenehm, es bläst KEIN Wind!
Die Speisekarte ist relativ mager, das Oryx-Steak, das wir alle bestellten, zwar medium, aber trotztem relativ zäh. Die Planänderung wird entgegengenommen und mit einem Angestellten diskutiert. Nach einiger Zeit fragt uns dieser, ob wir den Vormittags-Drive mitmachen möchten und organisiert dies für uns. Also erneuter Planwechsel: wir machen den Morgen-Drive und brechen dann auf.
Die Nacht verläuft ruhig und – entgegen den Warnungen anderer Touristen, welche die Nacht davor ziemlich gefroren haben – bei erträglichen Temperaturen. Fabian hat schon beim Nachtessen über Kopfschmerzen geklagt und meldet sich gegen Mitternacht für eine Tablette. Anschliessend hört man nichts mehr von ihm und am Morgen ist alles wieder in Ordnung.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200921. Nov. 2009 · #30
Samstag, 19. September 2009 / Palmwag Kurz vor halb sieben muss Ruth auf die Toilette; Startschuss für’s Aufstehen. Ringsum ist schon wieder massig Betrieb.
Um 07:00h sind wir an der Reception der Lodge, wo uns mit Me Gusto unser junger Guide begrüsst und zusammen mit einem weiteren Paar auf seinen offenen Landrover bittet. Als erstes erhalten wir einen Postkarten-Sonnenaufgang serviert; anschliessend fährt er ca. 20km auf der Hauptstrasse Richtung Sesfontein und biegt dann in die Konzession ab. Bis Mittag fahren wir im Gelände umher, zumeist auf Wegen aber zwischendurch auf der Suche nach Elefanten und Jaguaren auch querfeldein, und sehen dabei Springböcke, Oryxe, Kudus, Strausse, Giraffen, Schabrackenschakale und diverse Vögel Zu all diesen Tieren und diversen Pflanzen hat Me Gusto äusserst fundierte Informationen, welche er eloquent und auf unterhaltsame Art und Weise zum Besten gibt. Auch wenn wir nicht die Menge Tiere sehen, die man andernorten sieht, ist der Gamedrive auf diese Art doch unterhaltsam, und dazu trägt die schöne Landschaft das ihre bei. Obwohl er alles gibt und versucht, findet unser Guide den ganzen Vormittag lang keine Elefanten bis sie ganz zuletzt aus einem Flussbett doch noch auftauchen und an uns vorbeiziehen: eine Gruppe von rund 15 Wüstenelefanten. Ganz zum Abschluss gibt es noch einen Blick auf’s Flussbett des Uniab mit zwei Palmen und dann sind wir, zwei Stunden später, als ursprünglich angenommen, wieder in Palmwag. Wir sind uns deshalb schnell einig, dass wir lieber noch einen Tag hier bleiben, falls das Angebot mit Platz 7 noch gilt. Platz 7 ist allerdings schon belegt; auf Ruth’s Nachfrage bei der immer gleichen, traditionell gebauten Dame von der Reception erhalten wir etwas viel besseres, nämlich Platz 2 direkt neben den Duschen: Abwaschbecken, gedeckter Sitzplatz mit Lampe, Stromanschluss, Zaun und Büsche ringsum = windgeschützt, was wir zu schätzen wissen, weil der Wind im Laufe des Vormittags immer stärker zugenommen hat. Und Hausgeckos haben wir auch. Wir ziehen mit aufgestellten Zelten um, richten uns ein und nehmen ein kombiniertes Frühstück/Mittagessen zu uns. Anschliessend verzieht sich Ruth mit Buch an den Pool; Fabian und ich bleiben hier und lesen. Nachdem ich mein Buch fertig habe, lade ich Bilder auf den PC, schreibe Tagebuch und lade dabei gleichzeitig das Netbook auf. Auch nach Ruth’s Rückkehr vom Pool eilt es uns nicht; wir haben ja heute elektrisches Licht, können uns also mit dem Nachtessen Zeit nehmen. So nach und nach mache ich trotzdem ein Feuer und stelle einmal mehr fest, dass kleine Feuer mit diesem Holz fast ein Ding der Unmöglichkeit sind. Das Holz braucht viel Hitze um überhaupt zu brennen, brennt dann sehr langsam ab und bildet dafür eine gute, langandauernde Glut. So dauert es fast eine Stunde, bis ich die Lammkoteletten auf die Glut legen kann und Ruth ist mit dem Risotto schon weit fortgeschritten. Was man dann von den Koteletten essen kann (viel Knochen und Fett!), schmeckt ausgezeichnet und der Risotto dazu auch. Da ausnahmsweise kein Wind bläst, bleibt das Essen sogar einigermassen warm.
Nach Essen und Abwasch bleiben wir noch eine Weile sitzen und lesen resp. (Ruth) dösen vor uns hin. Letztere verzieht sich denn auch um 20:00h schon wieder ins Zelt; wir folgen ca. eine halbe Stunde später.
Sonntag, 20. September 2009 / Palmwag - Camp Aussicht Gestern abend hat sich noch eine Gruppe von Franzosen unter lautem Getöse auf dem Platz neben uns eingerichtet, welche schon vor 07:00h mit viel Getöse aufsteht und sich zur Abfahrt bereit macht. Was bleibt uns anderes übrig, als ein Gleiches zu tun? Die Nacht war nicht sehr kalt, so dass ich schon am Morgen die Dreiviertelhose anziehe.
Frühstück und Packen und gegen 09:00h (irgendwie dauert das bei uns immer so lange) ziehen wir los, Richtung Ongongo-Quelle. Auf der Fahrt durch die Palmwag-Konzession sehen wir diverse Tiere, darunter die unvermeidlichen Springböcke, aber auch eine Gruppe von - wie immer neugierigen - Giraffen und, vorgewarnt durch dessen dampfende Hinterlassenschaft auf der Strasse, einen einzelnen Elefanten. Schade ist nur, dass die Tiere sich grundsätzlich im Gegenlicht aufzuhalten pflegen, aber es geht ja in erster Linie um’s Erlebnis und nicht die pulitzerpreiswürdige Aufnahme (auch wenn man die ganz gerne mitnehmen würde!).
Die letzte 6km zur Quelle gehen durch Geröll, Sand und Büsche und über Stock und Stein: ich möchte nur zu gerne wissen, wie der Reise Know-How-Autor da mit einem normalen 2*4-PW hingefahren ist! Die Quelle selber finden wir nicht berauschend und warm ist sie auch nicht wirklich; wohl eher etwas für absolute Natur-Freaks. Also beschliessen wir die Weiterfahrt zum Camp Aussicht, legen aber einen kurzen Umweg über Sesfontein und das Hotel im alten Fort ein, um Ruth einen komfortablen Toilettenbesuch zu ermöglichen. Wir Männer haben es da einfacher…
Anschliessend kaufen wir im – am Sonntag offenen – Laden noch etwas Mineralwasser ein und fahren dann weiter über den Joubert-Pass (Ruth am Steuer) Richtung Camp Aussicht. Die Strasse ist eigentlich gut, aber zwischendurch kommen Stücke, wo ohne Allrad wohl nicht viel auszurichten wäre und zudem ist die Anfahrt sehr steil. Zumindest diese aber ist geteert. Kurz vor der Abzweigung zum Camp Aussicht sehen wir ein Fahrzeug mit einer Reifenpanne. Wir halten an und eine Frau erklärt uns, dass etwas am Ventil defekt sei und ob wir ihr nicht etwas zu trinken und essen da lassen können. Da schon jemand angehalten hat und hilft (und uns kurz darauf ein weiteres Fahrzeug entgegenkommt) überlassen wir ihnen eine der gekauften Wasserflaschen und ein paar Aepfel und fahren weiter. Ich müsste vielleicht doch mal nachschauen, was wir in unserer Werkzeugkiste so alles an Material dabei haben!
Die Strasse hoch zu Marius Steiner sieht ziemlich abenteuerlich aus – etwas für Fabian, um seine Geländegängigkeit zu testen. Er löst die Aufgabe mit Bravour und ca. um 13:30h stehen wir vor Camp Aussicht. Im ersten Moment scheint ausser zwei Straussen und drei bellenden Hunden niemand da zu sein, dann taucht aber der Besitzer, Marius Steiner doch noch auf – vermutlich haben ihn die Hunde aus dem Mittagsschlaf geweckt.
Marius Steiner Gerade als wir glauben, es sei niemand zuhause, geht die Terrassentür auf und ein schätzungsweise etwas über 40-jähriger Zweimeter-Schlacks mit Knabenfrisur erscheint. Er stellt sich uns auf hochdeutsch mit holländischem Akzent als Marius Steiner vor und bittet uns, auf der Terrasse Platz zu nehmen.
Erst als er unser Schweizerdeutsch nicht versteht, stellen wir fest, dass er entgegen der aus dem Namibia-Forum und anderen Quellen bezogenen Informationen kein Schweizer ist. Marius ist in Namibia geboren und aufgewachsen – mit deutschem Vater und holländischer Mutter. Die Dioptaz-Mine hat sein Vater 1979 auf der Jagd entdeckt; Marius ist seit 1984 hier.
Wie wir im Verlauf des Wochenendes noch erfahren sollen, ist Marius eine sehr vielschichtige Person: Sehr freundlich und hilfsbereit auch der ihn umgebenden Bevölkerung gegenüber, aber dies nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ueber die schwarze Bevölkerung teilt er das hier weitherum bekannte Pauschalurteil: Faul, desinteressiert. Die weltweit sattsam bekannten Verschwörungstheorien, denen er anhängt, erstrecken sich über 9/11 und Aids bis zum Weltuntergangsszenario im Jahr 2012. Bei alldem bleibt er aber stets freundlich, zuvorkommend und sehr sympathisch.
Wir vereinbaren vorläufig zwei bis drei Nächte auf dem Camping, eine Minenbesichtigung für heute um 16:00h sowie eine Himba-Fahrt und ein Nachtessen für morgen.
Der Campingplatz, den wir beziehen, ist unkonventionell, aber mit viel Liebe eingerichtet: Jede Campsite hat eine eigene Toilette und eine Dusche - alles mit viel Liebe selber gebastelt. Für eine warme Dusche wird das Wasser erst am Wasserhahn geheizt und dann in über dem Kopf hängende Tanks abgefüllt. Wasser ist ohnehin das Thema: Er hat einen grossen 80'000l-Tank, welcher im Frühjahr durch Regenwasser gefüllt wird und dann ein Jahr hinhalten muss (und dies bis anhin auch getan hat). Durch die Mine führt uns ein südafrikanischer Mitarbeiter namens Colin. Sie wird mit der Hilfe von sechs Arbeitern ausgebeutet; da aber der Ertrag zu klein ist, hat Marius zusätzlich das Camp eröffnet. Gefördert wird, wie erwähnt, Dioptaz (ein Halbedelstein, welcher vor allem für Mineralogen von Interesse ist); in den Einschlüssen befinden sich aber auch Kupfer, Blei, Malachit und andere Mineralien, welche als Nebenprodukt anfallen. Das Ganze wird mit Hilfe alter, schwerer Bohrhämmer in grossen Brocken abgebaut, beim Haus sortiert und dann nach Südafrika geschickt, wo es geschliffen resp. verarbeitet wird. Die Mine beim Haus ist ca. 50m lang und wird im Moment nicht bewirtschaftet; zwei weitere Stollen befinden sich weiter draussen im Gelände. Im Anschluss an die Minenführung zeigt uns Colin noch die beiden zahmen Strausse und einige besondere Gesteinsbrocken beim Haus, davon einer, der zu praktisch 100% aus Blei besteht und entsprechend schwer ist. Dann empfiehlt er uns, den Sonnenuntergang auf dem Hügel oberhalb des Campings anzuschauen und weist uns, wie Marius vorher, auf die Buschfeuer hin, die im Westen wüten und die man nachts sieht.
Anschliessend richten wir uns bei unserem Campground häuslich ein und lesen oder schreiben Tagebuch und geniessen - das Camp heisst nicht von ungefähr so - die umwerfende Aussicht. Rechtzeitig bevor die Sonne untergeht und wir den Hügel erklimmen, versucht sich Ruth an einem in Swakopmund gekauften Teigwarengericht, welches an sich gar nicht schlecht schmeckt, ihr aber später in der Nacht Magenbeschwerden bereiten wird.
Die Sonne geht ziemlich spektakulär in den Rauchschwaden der Buschfeuer unter. Sobald es Nacht geworden ist, sieht man diese tatsächlich am Horizont in ca. 50km Entfernung. Ich versuche ein paar Aufnahmen: mal sehen, was daraus wird. Die Nacht ist angenehm warm; erst gegen Morgen wird es etwas kühler, bleibt aber immer noch im angenehmen Bereich.
DocHoliday272 Beiträge · seit 200822. Nov. 2009 · #31
Jetzt habe ich es endlich geschafft, Deinen Bericht zu lesen.
Sehr schön! Interessant geschrieben und gute Bilder. Besonders die Gewitterbilder vom Sossusvlei haben es mir angetan.
Bis ins Damaraland sind wir ja (bis auf den Fish River Canyon) eine ganz ähnlich Route gefahren und haben uns teilweise nur um 4 oder 5 Tage verpasst.
Bin gespannt, wie es bei Euch weiter ging.
Gruß
Dirk
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200922. Nov. 2009 · #32
Montag, 21. September 2009 / Camp Aussicht (Himba-Tour) Um 06:45h reisst uns der Wecker aus dem Schlaf; Marius erwartet uns um 07:30h vor dem Haus. Dort steht auch schon ein alter Landrover und nach ein paar Worten mit den Arbeitern, welche sich langsam auf den Weg zum Haus machen, geht es los.
Wir besuchen zwei Himbadörfer: das eine wir von einer Schar Frauen und einem einzigen, älteren Mann bewohnt, welcher die Rinder hütet. Im Moment ist noch ein weiterer Mann da, aber in westlicher Kleidung. Er hat zwar eine Frau mit Kindern hier, lebt aber in Windhoek und kommt nur ab und zu zu Besuch.
Wir gehen durch das Dorf, schauen den Frauen bei ihrem Handwerk und ihren täglichen Verrichtungen zu und Marius übersetzt ab und zu eine Frage. Dann werden wir in die Hütte der Dorfpatriarchin hineingebeten, welche Ruth mit den hiesigen Kosmetik-Gepflogenheiten vertraut macht. Währenddessen haben die jüngeren Frauen draussen ihre Handwerkserzeugnisse ausgebreitet, welche wir gebührend bewundern und wo wir auch das eine oder andere Souvenir kaufen. Beim Abschied übergibt Marius den Frauen die extra mitgebrachten Vorräte: Maismehl, andere Lebensmittel und sonstige Dinge, die sie gebrauchen können. Er bezahlt damit unseren Besuch im Dorf.
Das zweite Dorf ist etwas weiter von der Strasse entfernt und wird von einer alten, 82-jährigen Frau und ihrem Nachwuchs bewohnt. Hier gibt es keine Männer mehr, nur Frauen und zahlreiche Kinder, welche in die tägliche Arbeit eingespannt werden (Mais mahlen, Buttermilch herstellen, u.a.m.). Auch hier verteilt Marius zum Abschied einen grossen Sack Maismehl, den die jungen Frauen fast nicht tragen können, und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Einer der grösseren Jungen zieht glücklich mit einem Schwert von dannen, das ihm Marius aus einem alten Eisenband geschmiedet hat. Auf unsere Frage nach den fehlenden Männern erklärt Marius das Problem so: Für die Knaben herrscht obligatorische Schulpflicht – mit allen Zwängen, die dazugehören (i.e. westliche Kleider, traditionelle Locken abschneiden, etc.). Meistens sind diese Schulen dann noch weit weg vom Dorf und die Jungs wenn überhaupt nur am Wochenende zuhause. Kein Wunder, dass sie später keine Lust mehr auf ihr ursprüngliches Leben haben. Der eine oder andere, wie der Mann im ersten Dorf, hat noch eine Frau hier, lebt und arbeitet aber selber in Windhoek oder sonst wo und kommt nur ab und zu für ein Wochende nach Hause, an welchem er dann seine Frau ein weiteres Mal schwängert. Auf einen Mann kommen ca. acht Frauen. Auf unsere Frage, woher denn die vielen Kinder kommen, gibt Marius die lakonische Antwort: Männerbesuche, vor allem Herero aus den Nachbardörfern.
Auf der Weiterfahrt durch den Busch zeigt uns Marius noch verschiedene andere Dinge, die wir zum Teil schon kennen, zum Teil aber auch nicht. So z.B. eine Pflanze, die erst blüht, wenn man sie ca. 4 Stunden ins Wasser einlegt, und aus deren Blätter ein Tee gemacht werden kann, der gut gegen Kopfschmerzen sein soll. Einige grosse Termitenhügel und gleich auch viel Wissenswertes zu den Termiten. Er scheut sich auch nicht, einen kleineren Termitenhügel umzukippen und uns dessen Inneres zu zeigen; selbstverständlich nicht,ohne ihn nachher fein säuberlich wieder an seinen Platz zu stellen. Zwischendurch werden ein paar Strausse verfolgt oder Elefanten gesucht. Und das übliche Picknick darf auch nicht fehlen, auch wenn die Sandwiches ausschliesslich mit Tomaten und Zwiebeln belegt sind – für Ruth’s Verdauung nicht unbedingt förderlich, für Fabian’s Geschmack ebenfalls nicht. Nach dem Lunch führt uns Marius noch in ein ausgetrocknetes Flussbett hinunter zu einem mineralienhaltiger Fels, den die Tiere ablecken und sich so ihre Vitamine holen. Wir verzichten ausnahmsweise darauf, aber Marius lässt uns nicht ohne das unverzichtbare „The Eggi Family was here“-Bild gehen. Auf dem weiteren Rückweg kommen wir noch an einem Herero-Dorf vorbei, wo ich es endlich schaffe, auch einmal eine Herero-Frau zu fotografieren. Von Camp Aussicht weggefahren sind wir westwärts Richtung Strasse; zurück kommen wir kurz nach Mittag aus südöstlicher Richtung. Marius lädt uns ein, Schatten und kühle Getränke beim oder im Haus zu suchen, wenn uns danach gelüstet. Und für das Nachtessen erwartet er uns um 19:15h. Wir richten uns erst mal wieder auf dem Camping ein, waschen ab, gestört durch eine Schar Bienen und lesen resp. fotografieren die Vögel, die sich am Wasserhahn verlustieren. Gegen 14:30h nehmen wir Marius’ Angebot in Anspruch, belegen seine Terrasse mit Beschlag und schreiben Tagebuch, lesen, fotografieren. Als Wolken aufziehen und es etwas kühler wird, gehen wir wieder hoch, nehmen den Sundowner und ziehen wärmere Sachen an. Um 19.15h werden wir zum Nachtessen erwartet. Der Tisch ist für fünf Personen gedeckt, Colin hilft in der Küche beim den Vorbereitungen. Das Bobotie mit Kürbismus und Salat schmeckt, die Guave-Creme zum Nachtisch überfordert Ruth und Fabian beinahe. Während des Essens wird auf deutsch und englisch diskutiert.
Marius empfiehlt uns, den Kunene bleiben zu lassen und stattdessen auf die Campsite von Hobatere zu fahren. Die ganze Region wurde durch die Grenzziehung der Strasse entlang relativ willkürlich von der Etoscha abgegrenzt, gehört aber eigentlich dazu und hat entsprechend viele Tiere vorzuweisen. Zudem haben wir nachher nur noch 60km bis Kamanjab.
Ueber das Schweizer Taschenmesser, das wir ihm schenken, freut er sich sehr und verspricht, es werde kaum je herumliegen und ihn immer an uns erinnern. Gut, dann ist das erste Messer schon mal so vergeben, wie gedacht!
Ca. um 21:00h verabschieden wir uns, weil wir merken, dass die Herren langsam zu Bett gehen möchten. Marius verspricht, am Morgen noch vorbeizuschauen, bevor er wegfährt.
Um Mitternacht beginnt es etwas zu regnen, aber nur schwach, zumindest bei uns, und es hört auch bald wieder auf. Gegen drei Uhr morgens sieht man von der Feuersbrunst nichts mehr: dort hat es offenbar etwas mehr geregnet.
Dienstag, 22. September 2009 / Camp Aussicht - Hobatere Ob lärmig oder nicht: wenn es in Namibia hell wird, erwachen wir. Und da es hier gegen 07:00h hell wird, stehen wir auch immer entsprechend früh auf. Ausserdem gehen wir ja auch immer früh zu Bett – wird nach den Ferien schwierig werden, sich wieder umzugewöhnen!
Das übliche Ritual mit Frühstück und packen spielt sich ab. Zwischendurch kommt Marius noch vorbei, um sich zu verabschieden; er will, dass wir anständig bleiben, was wir ihm versprechen. Ausserdem macht er uns noch auf ein paar dicke Baobabs aufmerksam, an welchen wir kurz vor Opuwo noch vorbeifahren werden. Dann verfolgen wir mit Video- und Fotokamera noch einen Rotbauchwürger, welcher aber immer wieder abhaut, wenn wir schussbereit sind. Irgendwann geben wir’s auf; wir wollen ja heute noch bis Hobatere, aber nicht zu Fuss! Gegen 09:00h begleichen wir unsere Schulden bei Colin und verabschieden uns auch von ihm. Fabian fährt auf die Hauptstrasse hinunter und gleich auch weiter bis Opuwo. Die Baobabs finden wir an der genannten Stelle; etwas später fahren wir durch das vom Buschfeuer versengte Gebiet. Flammen sehen wir keine mehr. Opuwo ist, wie es der Reiseführer beschrieben hat: ein einstmals schönes, heute etwas heruntergekommenes Städtchen, mit besonderem Charme. Die Strassen wimmeln von Leuten jeglicher Couleur: Bettler, Schulkinder, junge Machos, Geschäftsleute und dazwischen viele Himbafrauen, erkenntlich an der traditionellen Aufmachung. Im Nachhinein bereue ich, dass ich meine Kamera in der Tasche gelassen habe.
Beim OK Supermarkt kaufen wir das Nötigste ein und müssen zum x-ten Mal erklären, dass wir keinen Schlüsselanhänger mit eingraviertem Namen wünschen. Dann fahre ich auf der nun asphaltierten Strasse ostwärts, Richtung Etosha und nach der Einmündung in die von Ruacana herkommende C35 südwärts. Die Strasse ist zumeist schnurgerade, die Fahrerei extrem eintönig; Abwechslung kommt nur von den immer wieder die Strasse versperrenden Rindern, Ziegen und Eseln, wobei letztere nicht einmal ausweichen, sondern einfach stehenbleiben.
Nach einer Weile übernimmt Ruth und Fabian und ich widmen uns unserem üblichen fliegenden Mittagessen: Schinken-Käse-Sandwich, während des Fahrens zubereitet.
Kurz vor Hobatere passieren wir die Veterinärkontrolle; der Kontrolleur erzählt, seine Schwester sei mit einem Schweizer verheiratet. Auf Ruth’s Frage, wo sie denn wohne, lautet die Antwort:“Amsterdam“.
Die Hobatere-Campsite ist sehr einfach und nicht umzäunt (wilde Tiere!) hat aber ein Wasserloch, an dem wir uns erst mal eine Stunde aufhalten, um einer Giraffe beim Trinken zuzusehen. Die Paviane, die sich ebenfalls dort aufhalten, machen Platz, bleiben aber ansonsten Gottseidank dort in der Nähe; auf dem Campingplatz sieht man nichts von ihnen. Als nichts mehr weiter läuft, richten wir uns auf unserer Campsite ein. Fabian liest, ich schreibe Tagebuch und komme mir vor, wie in Australien: Plenty bloody flies!! Ruth geht noch einmal zum Ausguck, kommt aber relativ bald wieder zurück: erstens läuft nichts, zweitens macht eine inzwischen angekommene Gruppe von Franzosen beim Lookout Radau.
Da die Angestellten inzwischen eingeheizt und heisses Wasser zubereitet haben, geht sie unter die Freiluft-Dusche, und genau das mache ich jetzt auch: vielleicht hilft es ja gegen die Fliegen! Ist zwar ein grandioses Erlebnis, hat aber gegen die Fliegen überhaupt nichts genützt, im Gegenteil. Die Plage wird zeitweise so gross, dass ich mich mit meinem Buch ins Auto verziehe. Allerdings ist es dort viel zu heiss… Erst gegen Abend, als es etwas kühler wird, hört die Plage auf. Ziemlich früh machen wir Nachtessen, um nachher wieder ans Wasserloch gehen zu können. Inzwischen hat sich der Campingplatz gefüllt: zusätzlich zu dem halben Dutzend Franzosen ist noch eine grosse Gruppe Spanier oder spanischsprechender Südamerikaner sind eingetroffen; alle machen ziemlich Radau und richten sich auf unserer Toilette häuslich ein. Auf der anderen Seite des Felsens – sehen wir allerdings erst am nächsten Morgen – hat sich noch ein Einzelgänger mit eigenem Guide eingerichtet.
Als wir uns bei einbrechender Dämmerung beim Unterstand einfinden, ist dieser von der ganzen Horde Spanier belegt. Wir müssen uns ringsum auf den Felsen einrichten und können dann beobachten, wie sich zwei Giraffen, begleitet von gut zwei Dutzend Zebras, maiestätisch zur Tränke begeben, die immer noch dort sitzenden Paviane vertreiben und ihren Durst löschen. Anschliessend schreiten sie den gleichen Weg zurück, den sie gekommen sind und verschwinden in der einbrechenden Nacht. Nachdem auch die Zebras weitergezogen sind und als man wirklich nichts mehr sieht, ziehen auch wir uns als letzte Mohikaner zum Zeltplatz zurück und versuchen beim Schein der Campinglampe, noch etwas zu lesen. Dieses Unterfangen wird allerdings durch eine Art „pelzige Maikäfer“ erschwert, welche in Kamikaze-Manier um die Lampe und unsere Köpfe schwirren. So verziehen wir uns einmal mehr vor 21:00h in die Zelte, obwohl die Spanier nebenan erst am Nachtessen sind…
Im Zelt ist es so heiss, dass wir Durchzug einrichten müssen. Dies führt dazu, dass es um Mitternacht kurz ins Zelt tropft, hat es doch inzwischen ganz leicht zu regnen begonnen. Klappe wieder nach unten, weiterschlafen.
Nenette1'309 Beiträge · seit 200922. Nov. 2009 · #33
Hallo Tom,
ein toller Bericht! Sehr gut geschrieben und mit tollen Fotos gespickt. Schön, dass Ihr so lange geblieben seid, das verspricht noch eine lange Fortsetzung. 🙂
Ich finde es auch super, dass Euer erwachsener Sohn mitgefahren ist. Hier in D hören wir so oft, dass die 'Kinder' ja nicht mehr bei den Eltern mitfahren wollen.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vor allem auch auf den Botswana-Teil, da ich ja dort Nachholbedarf habe. Viele Grüße, Nenette
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200922. Nov. 2009 · #34
Hallo Dirk und Nenette
danke für das positive Feedback; gibt Lust zum weitermachen. Und ausserdem gebe ich die Komplimente gerne zurück 😎
Da unser Sohn ein Einzelkind ist, sind wir vielleicht in einer besonderen Situation. Und zudem hat er schon einige Reisen mit uns mitgemacht. Aber mir ist schon bewusst, dass es nicht allen so geht.
Sonntägliche Grüsse aus der verregneten Schweiz Thomas
Topobär5'479 Beiträge · seit 200923. Nov. 2009 · #36
eggitom schrieb:
Die Quelle selber finden wir nicht berauschend und warm ist sie auch nicht wirklich; wohl eher etwas für absolute Natur-Freaks.
Wenn Ihr nur das gesehen habt, was das Foto zeigt, ward Ihr auch nicht an der Quelle. Wenn man im Quell-Teich bis unter den Wasserfall schwimmt, merkt man auch, dass es sich um eine warme Quelle handelt.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200923. Nov. 2009 · #37
Hallo Topobär
ich gebe zu, ich war selber gar nicht an der Quelle, sondern habe beim Auto gewartet und die Erkundung meiner Frau und meinem Sohn überlassen. Das Foto zeigt NICHT die Quelle, sondern nur den Bach.
Vielleicht war es ja ein Fehler, nicht dort zu bleiben. Wenn, dann sicher nicht der einzige auf der ganzen Reise. Aber irgendwas muss man ja für die nächste Reise noch übrig lassen 😉
janet1'419 Beiträge · seit 200923. Nov. 2009 · #38
Huhu,
schööööööööööööööner bericht und top-Pics! Bin ganz neidisch, an manchen Orten wäre ich auch noch gerne gewesen, aber dafür war unsere Zeit leider zu knapp 🙁
Hallo Thomas, auch ich bin ganz hin und weg von Deinem Reiseeindrücken und den fantastischen Bildern.
Was für ein wunderschönes Land, kann immer besser verstehen das einen das "Afrikafieber" packen kann. 🤨
(am Rande,wenn Dein Freund Sedat Kinderarzt ist, frage ihn ob er Roger aus Böblingen kennt, 🙂 die Welt ist klein, sonst sorry, gibt ja noch mehr mit diesem Namen)
Auf jedenfall bin ich gespannt auf die nächsten Bilder und Eindrücke von Euch. Danke und Grüsse
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200925. Nov. 2009 · #40
Danke allen für die Aufmunterung; hier die Fortsetzung:
Mittwoch, 23. September 2009 / Hobatere - Filmhaus (Kamanjab) Als wir gestern um Mitternacht den Regen ausgesperrt haben, hat Fabian von den Spaniern nebenan gehört, dass sie um 06:00h frühstücken wollen. Das passt uns gut, wollen wir doch vor dem Frühstück wieder auf die Jagd, sprich: den Ausguck.
Das klappt auch wunderbar, mit einigen Einschränkungen: a) sind die Spanier beim Frühstück nicht gerade die leisesten, b) sind zwei aus der Gruppe schon vor uns dort und machen sich im Unterstand so breit, dass ausser ihnen niemand mehr Platz hat und c) folgt der Rest inkl. Franzosen kurz danach. Einige der Anwesenden haben zudem das Gefühl, man müsse sich bei so einem Ausguck lautstark unterhalten. Mag ja sein, dass all das nicht wirklich schuld ist, aber Tiere sehen wir trotz angestrengten Suchens keine. So ist es nicht verwunderlich, dass sich alle relativ bald wieder zurückziehen: Spanier in den Bus, um weiterzufahren, Franzosen zum packen und wir zum Frühstück. Anschliessend packen wir unser Gepäck so, dass wir im Filmhaus nur unsere Taschen herausnehmen müssen, und gehen noch einmal zum Ausguck. Kleiner Erfolg: erst sehen wir ein paar Rock-Dassies (Klippschliefer) in den Felsen, allerdings wie überall ziemlich scheu, und nach ca. einer halben Stunde kommen die Paviane von gestern wieder. Ansonsten ist tote Hose, so dass wir schliesslich doch aufbrechen.
Die Strasse bis Kamanjab (und auch darüber hinaus) ist geteert, gerade und stinklangweilig. In Kamanjab suchen wir erfolglos eine Bank, lassen deshalb auch das Tanken bleiben und fahren die restlichen 20km bis zum Filmhaus durch. Dieses finden wir problemlos und werden von Faniel und seiner Frau Francesca sowie später von Debbie, der Besitzerin herzlich begrüsst.
Obwohl sie uns so früh nicht erwartet haben (die Gäste der vorherigen Nacht sind erst vor einer Stunde abgereist), zeigt uns Faniel sofort das ganze Haus und wir dürfen uns einrichten. Debbie versucht einen Anruf in Otjitotongwe, der Cheetah-Farm ganz in der Nähe, hat aber kein Netz, und gibt uns die Nummer, um es selber zu probieren.
Out of Africa in Namibia Eigentlich wollte ich hier das Filmhaus beschreiben, aber so schön und poetisch wie Elke Fleing auf bwana.de bringe ich das bei weitem nicht hin. Deshalb erlaube ich mir ausnahmsweise und ohne Carsten vorher gefragt zu haben den direkten Link. Und wenn jetzt jemand Werbung dahinter vermutet, liegt er nicht so ganz falsch - aber ganz uneigennützig und ohne Honorar. Wer einmal da war, weiss weshalb (s. Titel). 😁
Später, als wir plötzlich wieder ein Netz haben, probiert es Ruth selber bei der Cheetah-Farm und kann uns für die um 16:00h beginnende Tour buchen. Die Zeit bis dahin verbringen wir auf der Terrasse und am Swimming-Pool, planen etwas vor, und erhalten, bevor sich Faniel und Francesca vorübergehend verabschieden, einen frühen Kaffee/Tee mit Kuchen.
Die Strecke nach Otjitotongwe ist in einer Viertelstunde bewältigt. Dort schliessen wir uns einer grösseren Gruppe von jungen Leuten aus der halben Weltgeschichte (USA, Australien, Lettland, etc.) an, welche auf dem Areal campieren, und dürfen zuerst im Garten drei „handzahme“ Geparden ansehen und auch streicheln, darunter einen jungen. Die Fotos, die hier gelingen, wären eigentlich gar nicht schlecht nur sehe ich im Nachhinein überall nackte Touristenbeine im Hintergrund 😵 Nach den Streicheleinheiten wird gefüttert, wobei der Kleine die gleiche Portion erhält, wie die beiden Grossen. Allerdings müssen die Betreuer gut achtgeben, dass ihm keiner von den Grossen etwas wegnimmt. Nach knapp einer Stunde werden wir alle zum Camping gefahren, wo wir in der Bar einen Zwischenstopp einlegen, um etwas zu trinken. Die Bar ist zwar ziemlich witzig, der Aufenthalt dort aber etwas zu lang. Eine halbe Stunde später steigen alle auf den Pickup resp. den Anhänger der zwei Farmerssöhne und es geht ins umzäunte Areal von 250 Hektaren – offiziell gross genug für 250 Geparde. Das Gehege beherbergt rund ein Dutzend ausgewachsene Exemplare, welche im Verlauf der Rundfahrt gefüttert werden. Auch wenn wir hier Tiere in Gefangenschaft sehen und fotografieren: sie sind so elegant und bewegen sich so geschmeidig, dass man automatisch immer wieder den Auslöser betätigt! Nach der Rückkehr zum Campingplatz beanworten die beiden jungen Männer noch diverse Fragen zu den Geparden (gefüttert wird mit Eselsleber, welche gekauft wird; die Tiere jagen gelegentlich auch selber, wenn sich irgend ein Kleintier ins Gehege verirrt; freilassen ginge technisch, die Tiere würden dann aber durch die Farmer der Umgebung abgeschossen, etc.), während Fabian und ich uns dem Sonnenuntergang widmen. Zurück im Filmhaus hat Faniel alle Fackeln und Lampen angezündet und so eine absolut fantastische Stimmung erzeugt. Schade nur, dass unsere fotografischen resp. filmischen Künste dem nur bedingt gewachsen sind. Der Apero steht auch schon bereit, der Grill läuft auf Hochtouren. Schnell geduscht/gebadet und ab zum Nachtessen! Es gibt Reis, Poulet, Oryx und Gemüse: Rüebli, Randen und Kürbis, also alles nach Fabian’s Geschmack. Francesca hat alle Töpfe auf etwas Glut aus dem Feuer warmgehalten. Der Wein, den ich dazu öffne, ist etwas warm, weil den ganzen Tag auf der Theke. Die zweite Runde ist dann schon etwas besser: ich habe ihn kurz in die Kühlbox gestellt.
Zum Nachtisch gibt es eine etwas süss geratene Schoggimousse und dann verabschieden sich Faniel, Francesca und ihre fünfjährige Tochter Rosaleen und lassen uns allein. Faniel bittet uns vorher noch, die etwas zwei Dutzend Fackeln und Oellampen auszulöschen, bevor wir ins Bett gehen, was wir dann ganz folgsam auch tun. Aber zuerst geniessen wir noch etwas das Out of Africa-Feeling (und hier muss man sich jetzt einen Smiley mit Buschhut, Pfeife und Gewehr vorstellen). Die Betten sind angenehm, die Moskitonetze schön gross. Der Boden knarrt, wenn man darüber geht, ausserhalb des Moskitonetzes schwirren irgendwelche Viecher durch das Zimmer, draussen regnet’s in der Nacht kurz ein wenig – so richtig gemütlich 😎
Donnerstag, 24. September 2009 / Filmhaus - Okaukuejo
Am Morgen ist es etwas bedeckt, es herrschen aber recht angenehme Temperaturen. Als der Betrieb in der Küche um 07:45h losgeht, sind Ruth und ich längst auf. In der Küche sind auch Debbie und ihr etwa eineinhalbjähriger Sohn, welcher sich mit Rosaleen und auch mit Francesca offensichtlich glänzend versteht.
Das Frühstück ist, wie üblich, umfangreich mit Toast, Butter, Konfitüre, Erdnussbutter, Käse, Müesli, Schinken und Ei – alles was das Herz begehrt. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und rechnen ab. Wasserkanister nachfüllen geht leider nicht, obwohl es wirklich aussergewöhnlich gut schmeckt: der Wasserdruck ist zusammengefallen, es kommt im Moment kaum mehr etwas.
Wir geben Francesca die Farbstifte und eines der neu gekauften Karohefte für Rosaleen, worüber sie sich ausserordentlich freut. Dann verabschieden wir uns ganz herzlich voneinander und wir fahren los, Richtung Outjo, wo wir tanken, Geld abheben und einkaufen wollen. Zudem soll es in der Bäckerei Internet haben.
Die Bäckerei finden wir auch problemlos und kaufen Brot und „Brötchens“ (Semmeln) ein. Ruth sichtet noch diverse Cookies (Ingwer und Schokolade), die auch mit müssen. Das Internet ist erstaunlich schnell und zuverlässig; so können wir wieder mal die Mailbox checken, Spam löschen und Mail Nr. drei verschicken. YB hat Meister Zürich eine Lektion erteilt, was Fabian und mich natürlich freut; unser Top-Schiri Massimo Busacca muss die Folgen einer Stinkefinger-Affäre gewärtigen, was wir nicht weiter verfolgen.
Der Supermarkt gehört zu der grösseren Sorte; wir finden alles, was wir brauchen und kaufen noch eine kleine, batteriebetriebene LED-Lampe, welche allerdings gerade einmal funktioniert: Schrott, made in China 😠
Immer noch auf Asphalt geht es dann zügig Richtung Okaukuejo, wo wir gegen 13:00h eintreffen. Der uns zugewiesene Campingplatz ist direkt neben den Duschen – zum Glück, wie sich später noch zeigen wird. Da das Restaurant nur bis 14:00h geöffnet hat, kaufen wir am Kiosk nebenan Toast mit Schinken, Käse und Tomate und eine Cola. Ruth begnügt sich mit letzerer: Sie hat seit heute Morgen Durchfall. Ein paar Fritten probiert sie dann aber trotzdem 🤢
Dann gehen wir mal ans Wasserloch, wo im Moment ziemlich viel läuft: eine Gruppe von Giraffen, Springböcke, eine Herde Zebras; alle wollen sie trinken. Als alle weg sind und – zumindest im Moment – nichts mehr läuft, machen wir noch die von Bwana empfohlene Rundfahrt nordwestwärts Richtung Leeubron und bekommen auch noch das eine oder andere Tier zu Gesicht: Mungos, Zebras, Schabrackenschakale, Giraffen, Erdmännchen (ist, wie ich nachträglich erfahren sollte, eine ziemlich seltene Fuchsmanguste!). Gegen 18:00h kommt dann doch noch das Gewitter, das sich angekündigt hat. Es donnert, blitzt und regnet ziemlich stark, so dass wir unsere Campingsachen in den Schutz der Duschen stellen und die Abspannstäbe für die Vordächer wieder hervorholen, damit in den Zelten nicht alles nass wird. Ruth streicht in aller Eile die für’s Nachtessen am Wasserloch gedachten Sandwiches fertig. Dann sitzen wir ins Auto, essen die Sandwiches dort und warten auf bessere Zeiten.
Nach einer guten halben Stunde ist alles vorbei – glauben wir. Es blitzt und donnert zwar immer noch rings um uns, aber Ruth und Fabian gehen wieder zum Wasserloch. Ich versuche, ein paar der Blitze mit der Kamera einzufangen und gehe dann auch. Im Schein der Lampen und der ringsum flackernden Blitze sehen wir eine Giraffe, die sich kaum zu trinken traut und zwischendurch auch noch durch ein herantrampelndes Nashorn in ihrer Konzentration gestört wird. Schade, dass ich kein Dreibeinstativ dabei habe. Als Ruth gegen 20:00h auf die Toilette muss, gehen wir zurück – gerade rechtzeitig, um die zweite Tranche des Gewitters zu erleben: noch heftiger und diesmal mit starkem Wind, der Bodenzelte reihenweise auf’s Dach legt, unsere Dachzelte durcheinanderwirbelt und die Stangen rauswirft. Zudem fällt immer wieder der Strom aus und eine apokalyptische Dunkelheit breitet sich aus, immer wieder aufgehellt von fantastischen Blitzen.
Ich fahre das Auto mit aufgestellten Zelten und hängenden Leitern in den Schutz des Duschhauses, wo wenigstens der Wind nicht so stark bläst, nehme den Rest der Stangen heraus, wobei mir das Wasser innen die Aermel entlang bis zu den Ellenbogen läuft. Dann setzen wir uns ins Auto und warten einmal mehr ab 🙁
Gegen 22:00h erwache ich; es hört langsam auf zu regnen. Mit Hilfe des Einbeinstativs versuche ich so gut es geht, das Wasser von den Zelten zu holen. Dann schaut sich Ruth den Schaden an: etwas feucht ist es schon, aber schlafen sollte gehen, ohne zu ertrinken. Wir ziehen uns in der Dusche um; bei den Damen hat sich eine Frau schon häuslich eingerichtet und schnarcht durchs offene Fenster heraus 😗
Da es in der Nacht ruhig bleibt, können wir wider Erwarten recht gut schlafen. Zwischendurch hört man ganz nah einen Löwen brüllen und Hyänen jaulen. This is Africa!