eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200903. Nov. 2009 · #1
Hallo liebe Fomis
versprochen ist versprochen: hier mal der Anfang meines Reiseberichtes. Ich werde mir Mühe geben, nicht allzu viel Platz zu verbrauchen, aber wir haben ja soooo viel erlebt 😁
Trotzdem die Bitte an den Moderator: bitte mitteilen, wenn ich zu ausufernd werde - dann höre ich sofort auf
************************************************************************************ Nachträglicher Einschub: Das PDF befindet sich ganz am Ende auf Seite 14 ************************************************************************************
Sonntag, 30. August 2009 / Frauenkappelen – irgendwo über Afrika / Flug Ich stehe unter der Dusche, da rufen sie von draussen, dass wir wieder auspacken müssen: wir sind zu schwer! Tja, mit einer Krankenschwester verheiratet zu sein, ist Vor- und Nachteil gleichzeitig: Sie schleppt für medizinische Notfälle ein halbes Krankenhaus mit!
Nun gut: nach dem Verzicht auf zwei, drei als weniger wichtig betrachtete Kleidungsstücke (habe gar nicht gewusst, dass ein paar Shorts ein halbes Kilo wiegen) und der Umverteilung einiger weiterer Dinge ins Handgepäck sind wir glücklich auf 59kg, verteilt auf vier Taschen. Dass meine Fototasche inzwischen knapp 10kg wiegt, braucht meine Frau und meinen Sohn nicht zu kümmern, haben sie doch in ihren Rucksäcken eher leichte Ware (Pullover, Lektüre, etc.).
Schliesslich sind alle drei geduscht, alles ist verpackt, Stecker gezogen, die letzte Bratwurst und das letzte Stück Käse aus dem Kühlschrank vertilgt. Wir warten auf Elisabeth, die uns zum Flugplatz bringen wird und studieren derweil noch etwas die Sonntagszeitung, lösen Sudokus und wehren haufenweise Fliegen ab, die uns offenbar auf das vorbereiten wollen, das da kommen soll.
Elisabeth fährt pünktlich um 14:30h vor. Wir verladen unser Gepäck und fahren an den winkenden Nachbarn vorbei los. Zwei Monate wird unser Haus jetzt leerstehen – ein etwas merkwürdiges Gefühl, auch wenn Nachbarn und Freunde gut dazu schauen werden und wir Schmuck und andere Wertsachen auswärts in Sicherheit gebracht haben.
Einchecken im Belpmoos läuft, wie immer, problemlos ab – am Business-Schalter, den meine Frau ohne zu schauen ansteuert. Die Dame hinter dem Schalter nimmt es gelassen und meint, die Anzeige sei ohnehin nur da, weil die Fluggesellschaften das so wolllten.
Einen Drink auf der Restaurantterrasse später trudeln auch Fabian’s Cousins noch ein, welche zu Fuss vom Spiegel heruntergekommen sind, um ihren Vetter und seine Eltern zu verabschieden. Gleichzeitig fliegt unsere Maschine ein und es ist Zeit für Verabschiedung und Sicherheitscheck.
Der Flug nach München verläuft störungsfrei durch wolkenlosen Himmel. Jeder Flug erinnert mich von neuem daran, dass die Landschaft von oben herab ganz anders aussieht, aber erst jetzt weiss ich, an was sie mich erinnert: Google Earth! In München essen wir einen kleinen Happen und installieren uns dann bei Gate H28, um Tagebuch schreibend und lesend die Zeit bis zum Abflug um 21:55h totzuschlagen, gestört einzig durch zwei „durchsagende“ Damen: die eine schickt uns neu zu Gate H38, die zweite bittet uns höflich, uns mit Pässen und Boarding-Cards zum Schalter der Fluggesellschaft zu begeben, um die Passdaten anzugeben, welche dann nach Südafrika geschickt werden. Ausserdem erhalten wir bei dieser Gelegenheit neue Boarding-Cards mit den korrigierten Gate-Nummern. Und nun sitze ich da und warte, bis ich einsteigen darf…
Montag, 31. August 2009 / irgendwo über Afrika – Sperlingsnest B&B (Windhoek) / Flug Gute 15 Stunden später (die eine Stunde Zeitverschiebung nicht eingerechnet) sitze ich in Windhoek im Sperlingsnest B&B auf dem Bett und versuche, dort anzuknüpfen, wo ich gestern aufgehört habe. Der Flug durch die Nacht war lang; geschlafen habe ich nicht allzu viel. Die Zeit vertrieben hat mir das Film- und Musikangebot von South African Airways.
Am Morgen um 08:30h landen wir in JoBurg und merken, dass uns zum Umsteigen gar nicht soviel Zeit bleibt. Nun ja, es reicht dann inkl. Toilettenpause und mit zweimaliger Umlenkung auf ein anderes Gate; allerdings befürchten wir für das Gepäck das Schlimmste. Aus der Boeing 737 nach Windhoek heraus sehen wir aber dann, wie zumindest drei von unseren vier Taschen verladen werden.
An Bord erhalten wir ein Mittagessen, was mich erst etwas stutzig macht, sollten wir doch schon in 10 Minuten landen. Allerdings habe ich die eine Stunde Zeitverschiebung nicht eingerechnet; es reicht exakt, um das Essgeschirr abzuräumen, Kaffee gibt es keinen mehr.
Der Flughafen von Windhoek ist in etwa so gross, wie das Belpmoos, wo wir gestartet sind. Einzig der Horizont ist etwas weiter draussen und die Piste länger, landen hier doch Jumbos. Das einzige Förderband bringt prompt die drei Taschen; die vierte mit all unseren Medikamenten, Badetüchern, Schuhen, etc. taucht nicht auf. Dafür stehen andere, nicht abgeholte Taschen herum, aber keine davon passt uns wirklich. Während Ruth sich am Schalter für verlorene Gepäckstücke anstellt, gehe ich schon mal durch den Zoll und werde auf der anderen Seite der Flügeltüre von Carsten Möhle erwartet. Er beruhigt mich sogleich: Rund 20% des Gepäcks aus JoBurg kommt in Windhoek im ersten Versuch nicht an, wird aber nahezu lückenlos später nachgeliefert. Wir dürfen also noch hoffen.
Auf der Fahrt in die Stadt erzählt Carsten schon das eine oder andere über Namibia. Die rund 40 km sind damit recht schnell vorbei und schon bald setzt er uns im Sperlingsnest ab, einem putzigen B&B mit gerade mal zwei Zimmern. Duschen und wenn möglich etwas nachschlafen ist angesagt, bis uns Carsten um ca. 15:00h mit dem offenen Landrover für die legendäre Stadtrundfahrt wieder abholen wird. Auf der Sightseeing-Tour durch Windhoek weiss er unglaublich viel zu erzählen. Er beschränkt sich dabei nicht auf das, was man gerade so sieht: Heinitzburg direkt oberhalb unseres Gästehauses, das Munitionsdepot als ältestes Gebäude Windhoeks, welches er für Bwana Tucke Tucke zu erwerben hofft; das eigentliche Sperlingsnest; Wissenswertes zu Aloen; der Tintenpalast und das – im Moment nicht vorhandene – Reiterdenkmal, und, und, und – nein, er weiss zu all’diesen Dingen noch unglaublich viel gespeichertes Wissen hinzuzufügen, so dass der Nachmittag wie im Flug vergeht. Nach einem Zwischenstopp in Bwanapolis, wo uns zwei der momentan bei ihm wohnenden Studenten begrüssen, welche gerade den Leuchtturm fertig installiert und dabei die mitgebrachte Toblerone ihrem Daseinszweck zugeführt haben, fahren wir nach Katatura. Auf einen Hügel oberhalb des Stausees nehmen wir den Sundowner und ich schiesse die ersten von voraussichtlich Hunderten von Sonnenuntergangsbildern. Die anschliessende Retourfahrt durch Katatura wird ziemlich eng, sitzen doch ein Dutzend Jungs aus der Gegend zusätzlich im Landy, welche uns bei Erreichen der asphaltierten Strasse unter Mitnahme des Eises aus der Kühlbox wieder verlassen. Die anschliessende Fahrt durch die Nacht zu Joe’s Beerhouse beweist uns, dass es noch Winter ist: es wird ganz plötzlich kalt.
Nach einem leckeren Wildspiess (Sosatie) läuft das wandelnde Lexikon Möhle erst recht zur Hochform auf. Er ergänzt die mitgebrachte Reisedokumentation mit einer unglaublichen Fülle von Tipps und Informationen. Zwischendurch kommt über sein Handy die gute Nachricht, dass unsere Tasche erst auf dem Weg und dann in Bwanapolis eingetroffen ist. Da Carsten noch etwas Büroarbeit vor sich hat und wir müde sind, brechen wir den Abend gegen 22:00h ab und er fährt uns ins Sperlingsnest, wo wir müde in unsere Bettchen sinken.
was mir als erstes auffällt... wie bekommst Du 80 Tage in 2 Monate rein, denn Deine Reisezeit war ja September-Oktober 😉
Sonnige Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200903. Nov. 2009 · #3
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200904. Nov. 2009 · #4
Dienstag, 1. September 2009 / Sperlingsnest B&B –Bagatelle Camping (Mariental) Am Morgen erwachen Ruth und ich schon um 06:00h; draussen ist es hell. Wir gehen noch einmal die Reiseunterlagen durch und schreiben ein paar restliche Fragen auf. Um 8.00h gibt es Frühstück, serviert durch Werner in Frack und Trekkingschuhen.
Gegen 9:00h kommt Carsten, diesmal mit dem Transporter und auch mit unserer letzten Tasche und bringt uns zu Asco Car Hire, welche leider, wie Carsten uns jetzt sagt, B-Mobile im April übernommen haben. Leider deshalb, weil die Abmachung, dass Fabian auch fahren darf, zu unser aller Enttäuschung hier auf taube Ohren stösst. Trotzdem übernehmen wir unseren 3l-Hilux mit zwei Dachzelten, lassen uns einführen und fahren dann mit Carsten zum Spar um einzukaufen. Auf dem Weg dorthin würge ich zwar einmal den Motor ab und schalte einmal statt der Blinker die Scheibenwischer ein, aber sonst bin ich recht schnell wieder im Linksverkehr zuhause – glaube ich wenigstens. Dieser Glaube wird sich im Verlauf der Reise noch etwas relativieren. Dass sich der linke Rückspiegel nicht richten lässt, merken wir auch; ein erster Versuch, ihn zu flicken, misslingt. Mal schauen, wenn wir etwas mehr Zeit haben.
Der Einkauf zieht sich eine gute Stunde hin; anschliessend gehen wir noch zu einem Safariladen und kaufen uns drei schicke Hüte. Es kann losgehen!!
Südwärts aus der Stadt fahren wir durch eine recht eintönige Gegend Richtung Rehoboth. Die Schaltung ist, wie ich bald feststelle, ziemlich schwergängig. Nach ca. zwei Stunden löst mich Ruth ab und kämpft mit denselben Problemen. Nun ja, das wird sich hoffentlich geben (Ziemlich viel später stellen wir fest, dass es an der Kupplung liegt: wenn man sie bis ganz zum Boden durchdrückt, geht das Schalten ganz einfach). In Rehoboth biegen wir auf die Schotterstrasse ab, wo ich schon bald den Allrad zuschalte. Nach einer insgesamt dreistündigen Fahrt sind wir in der Bagatelle Game Ranch angelangt, wo wir freundlich begrüsst werden und Campingplatz Nr. 1 zugewiesen bekommen. Im ersten Anlauf schaffe ich es nicht, den Wagen den Hügel hoch neben das Sanitärhäuschen zu stellen; Dube, der Angestellte, der uns zum Platz geführt hat, muss einspringen. Er erklärt mir, was er anders gemacht hat und als er weg ist, wende ich den Wagen, damit wir die Zelte richtig aufstellen können – problemlos. Zelte aufstellen, Ausrüstung checken, Grill anwerfen, kochen – erst dann merken wir, dass die Reihenfolge suboptimal ist. Grill anwerfen gehört zuoberst auf die Liste, will man eine rechte Glut haben. Das Nachtessen schmeckt trotz Verzögerung und fehlender Alufolie. Während des Essens wird es dunkel, obwohl erst 19:00h. Der anschliessende Abwasch entfällt; während des Essens ist die Lampe am Duschhäuschen ausgefallen, offenbar, weil die Batterie im Toilettenhäuschen den Geist aufgegeben hat. Nun gut; Abwasch morgen, wir stellen die Campinglampe auf und schreiben Tagebuch, gestört einzig durch Hunderte von Faltern, fliegenden Ameisen und sonstigem Ungeziefer. Besonders mein Netbook hat es ihnen angetan…
Mittwoch, 2. September 2009 Bagatelle Camping Am Morgen bin ich schon relativ früh wach, weil um 06:00h alles schon taghell ist und die Sonne aufsteigt. Kurz nach 07:00h stehen Ruth und ich auf und machen einen Kurztrip durch die Dünen. Gegen 08:00h taucht auch unser Sohn auf. Wir machen Frühstück, welches sich, unterbrochen durch die Beobachtung eines Springbocks und zweier Strausse, doch länger hinzieht, als geplant, und gehen gegen 10:00h ins ca. 1,5km entfernte Hauptgebäude, um für die Cheetah-Fütterung heute Nachmittag und das Nachtessen zu reservieren. Den Rückweg nehmen wir an den Dune Chalets vorbei – die Aussicht ist wirklich phänomenal, auch wenn im Moment keine Tiere zu sehen sind. Beim Abstieg sehen wir wieder die zwei Strausse und – beim Frühstück durch das hohe Gras verborgen – ihre drei Jungen! Direkt anschliessend kommen uns auf dem Weg zwei Springböcke entgegen; der eine ganz zahm, der andere, jüngere noch etwas scheu. Anschliessend hocken wir etwas lustlos vor unserem Duschhäuschen im Schatten und schauen, was ringsherum so vor sich geht. Um die Mittagszeit tauchen plötzlich drei Pferde und zwei Ponies auf, welche um Futter betteln. Vor allem der eine Schimmel will fast gar nicht mehr abziehen. Gegen drei gehen wir – wieder zu Fuss, weil ja die Dachzelte schon installiert sind – die eineinhalb Kilometer zum Hauptgebäude: Tea Time! Bei Tee und Ginger Cookies warten wir auf die Cheetah-Fütterung. Der Bitte an den Manager, das Netbook laden zu dürfen, wird gerne entsprochen. Dumm ist nur, dass ich den Adapter zu meinem Schweizer Stecker vergessen habe! Also zurück zum Auto, wobei ich unterwegs ein Kudu sehe, welches später als 22½ Jahre altes Oryx mit abgestossenen Hörnern identifiziert wird. Des weiteren leben auf der Bagatelle Lodge auch noch ein Zebra namens Siggi, ein Kudu namens George, ein paar Pfauen, Katzen, und, und, und… Gegen 17:00h fährt Dube mit uns und ein paar weiteren Touris zum Cheetah-Gehege direkt hinter dem Haus. Ueber einen Doppeleingang fahren wir zu den drei Jungs hinein. Zur Dame dürfen die Touris nicht, da darf nur Dube allein ins Gehege. Getrennt sind die Geschlechter, weil es sonst Kämpfe unter den Männchen gäbe. Um was wohl?
Erst fährt Dube etwas im Gehege herum und zwingt die drei Burschen damit, etwas für ihr Fressi zu tun. Nach einer Weile steigt er aus und verteilt je 2kg Fleisch. Während die Cheetahs fressen, dürfen wir aussteigen und näher ran, allerdings immer schön alle zusammen. Dube erzählt noch allerlei Wissenswertes zu seinen Schützlingen. Als das Mahl vorbei ist, fährt Dube den Bus auf die Düne oberhalb unseres Campingplatzes, wo der obligate Sundowner an der Reihe ist– wieder eine ganze Reihe mehr oder weniger gelungener Sonnenuntergangsbilder. Eigentlich könnte man die eigene Kamera zuhause lassen und von den anderen die besten Bilder bestellen… Der Platz, den Dube für den Sundownder gewählt hat, ist für uns ideal: so können wir direkt zu Fuss zu unserem Campingplatz und dort vor dem Nachtessen noch duschen.
Das Nachtessen findet draussen in der Lapa statt; anschliessend wandern wir bei Mondschein zu unserem Heim zurück und verziehen uns kurz vor 21:00h ins Zelt. Ich versuche noch, den heutigen Tag im Netbook festzuhalten, merke aber bald, dass das zu unbequem ist. Ruth und Fabian horchen schon am Kopfkissen…
Hi Eggitom, es macht Spaß, auch Deinen Bericht zu lesen, also nur weiter so ausführlich!
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200904. Nov. 2009 · #7
Danke für die Aufsteller - mache ich mal noch etwas weiter...
Donnerstag, 3. September 2009 Bagatelle Camping – Mata Mata (Kgalagadi Transfrontier Park) Als am Morgen die Dämmerung einsetzt, wird es eisig kalt. Sobald die Sonne aufgeht, weicht die Kälte etwas – genug, um aufzustehen und zu packen. Um 08:00h sind wir beim Manager um abzurechnen und erfahren, dass nur für zwei Personen reserviert und bezahlt wurde. Nun denn, zahlen hilft… Rand kann er uns nur 600 geben; den Rest müssen wir in Mariental besorgen. Ausserdem erhalten wir ein Fax, welches bescheinigt, dass Bwana für heute Polentswa und für morgen Twee Rivieren reserviert hat(!?!).
Die Fahrt nach Mariental geht recht zügig voran, ist doch ab der C20 die Strasse geteert und erlaubt 120 km/h. Im Spar kaufen wir ein, laden unser Handy nach – mit Hilfe von Angestellten, obwohl es doch eigentlich gleich geht, wie bei uns – und rufen Carsten an. Er will sich um die Geschichte in Bagatelle kümmern und fragt, ob das Fax angekommen sei. Auf meine Frage, ob Polentswa nicht zu weit sei, meint er, nein, und da er bestätigt, dass auch Mata Mata und Nossob wie ursprünglich vorgesehen reserviert seien, sind wir beruhigt, haben wir doch damit die Wahl.
Die Fahrt über Stampriet und Gochas ist eher langweilig. Die Landschaft ist nicht uninteressant aber mit der Zeit kennt man sie. Die Strasse geht mehr oder weniger geradeaus; steuern ist nur ab und zu notwendig. Die Farmen bringen etwas Abwechslung; einige gut im Schuss, einige ziemlich verlottert, eine mit einem ziemlich komfortablen Herrenhaus und ca. 100m daneben Wellblechhütten für die Angestellten – eine schlechte Visitenkarte für den Farmer. Zwischendurch lassen wir Fabian mal eine knappe Stunde fahren; problemlos, weil praktisch kein Gegenverkehr. Kurz nach 14:00h (Südafrika: 15:00h) fahren wir bei Mata Mata über die Grenze, bringen die umständlichen Zollformalitäten hinter uns, erfreuen den Grenzwächter mit einer aktuellen Tageszeitung (Tipp Carsten Möhle) und fahren direkt dahinter ins Camp. Dort eröffnet uns die nette junge Dame am Empfang, dass unsere Reservationen für Mata Mata und Nossob storniert sind, weil erst am 6. August und damit zu spät bezahlt! Merkwürdige Geschichte! Polentswa ist laut Iwanowski mit weiteren drei Stunden Fahrzeit zu weit, um vor dem Einnachten hinzufahren, mal ganz abgesehen davon, dass wir von der ungewohnten Schotterstrasse doch etwas müde sind und ich Kopfschmerzen habe. Auf unsere freundliche Nachfrage findet sich doch noch ein Platz, den wir allerdings bezahlen. Die Bestätigung der Stornierung liefert die zuvorkommende junge Angestellte unaufgefordert mit. Ich hoffe doch, Carsten kann uns das plausibel erklären!
Der Campingplatz ist ziemlich voll; trotzdem finden wir noch eine Site mit Stromanschluss, so dass wir den Kühlschrank die ganze Nacht anhängen können. Gottseidank hängt daran ein südafrikanischer Adapter – daran hatten wir nicht gedacht, ebenso wenig an einen für Botswana!
Wir richten uns ein, machen uns ein kleines, verspätetes Mittagessen und beginnen dann mit den Vorbereitungen für’s Nachtessen. Währenddessen hängen wir den Kühlschrank wieder um und die im Zubehör gefundene, elektrische Campinglampe (mit Schweizer Stecker!) an die Steckdose. Anschliessend abwaschen, Tagebuch schreiben und dann – man gewöhnt sich dran – ins Bett, weil wir morgen früh auf Pirsch wollen.
Freitag, 4. September 2009 / Mata Mata – Twee Rivieren (Kgalagadi Transfrontier Park) Es ist ausnahmsweise nicht erst am Morgen, sondern die ganze Nacht durch eisig kalt. Ich werde mir zum Sonnenhut hinzu eine Mütze kaufen müssen, damit mein spärlich bewachsenes Haupt auch in der Nacht gut geschützt ist!
Obwohl schon ab 06:00h ringsum Aufbruchstimmung herrscht, zieht es uns noch nicht aus dem doch einigermassen warmen Schlafsack. Schliesslich wagen wir uns dann doch raus, packen uns dick ein und unsere Siebensachen zusammen und fahren ohne Frühstück, nicht aber ohne zu tanken, los. Unser Ziel ist Twee Rivieren, der südliche Ausgang aus dem Kgalagadi Transfrontier Park.
Mit für uns ungewohnten 50km/h fahren wir durch den Park und halten Ausschau nach allem, was sich bewegt oder auch nicht. Was wie ein Tier aussieht, und sich nicht bewegt, ist bei näherem Hinsehen meistens ein abgestorbener Ast. Was sich bewegt, ist auch nicht immer zwingend ein Tier…
Nun ja, im Laufe des Tages sehen wir so einiges: Springböcke in rauhen Mengen, Gnus, Oryxe, eine tote und eine lebende Giraffe(!), ein Hyänenpaar mit Jungen, Erdhörnchen und -männchen, Strausse, Sekretäre, diverse andere Vögel – nur Löwen sieht Ruth trotz angestrengten Suchens keine. Zwischendurch machen wir an einem Rastplatz Halt für ein verspätetes Frühstück. Eigentlich hatten wir im Sinn, über die südliche Dünenstrasse vom Auob-Tal ins Nossob-Tal zu wechseln und dort bis Twee Rivieren runterzufahren. Leider haben wir dem Vermerk in der Toilette des Mata Mata-Campings zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt: genau der Teil zwischen der südlichen Dünenstrasse und Twee Rivieren ist wegen Unterhaltsarbeiten gesperrt. Das sehen wir aber erst, nachdem wir die Dünenstrasse hinter uns haben – mit ein paar hoffentlich guten Bildern von Orixen. Da wir noch etwas Zeit haben, fahren wir das Nossob-Tal hoch bis zu einem weiteren Rastplatz, wo wir noch einmal eine kurze Pause einlegen – und ich endlich die kurzen Hosen anziehe. Eine andere Gruppe, die wir dort treffen, erzählt, dass sie am Morgen einen Leoparden gesehen haben; ich wünsche ihnen, dass sie nicht geflunkert haben.
Dann geht’s den gleichen Weg wieder zurück bis zur Abzweigung und die letzten rund 30 km südwärts nach Twee Rivieren, wo wir um ca. 14:00h eintreffen. Das Camp hat alles doppelt: einmal Südafrika, einmal Botswana; in der Mitte die gemeinsame Reception, daneben das Gate nach Südafrika. Direkt dahinter beginnt die nagelneue, geteerte Strasse nach Upington – eben erst fertig geworden, wie wir einen Tag später von Anna Rasa erfahren werden. Die Dame dort sagt, wir sollen uns einen freien Platz im Camping aussuchen. Den finden wir – auch diesmal mit Strom. Wir richten uns provisorisch ein, nehmen ein kleines Mittagessen zu uns und während Ruth und Fabian einkaufen gehen, fotografiere ich ein paar Vögel, ein Erdhörnchen und eine Eidechse.
Wir beschliessen, ganz unsüdafrikanisch auf’s Braai und vor allem die Vorbereitung darauf zu verzichten, stattdessen noch eine kleine Tour in den Park zu machen und am Abend ins Restaurant essen zu gehen. Aus diesem Grund haben wir vorher auch nur notdürftig ausgeräumt und die Zelte gepackt gelassen. Tisch, Stühle und zwei Materialkisten sollen den Platz sichern, während wir noch eine kleine Pirschfahrt unternehmen, welche letztendlich ziemlich ergebungslos endet, wenn man mal davon absieht, dass Ruth und ich etwas unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie man diese Strassen und vor allem Dünenkämme befährt. Ich bin eher ein Linker, Ruth tendiert zur Mitte…
Kurz nach 18:00h sind wir zurück: Einrichten, Duschen, Nachtessen. Das Essen ist so, so, la, la, die Bedienung freundlich, der Wein zu warm; zudem wird er einfach auf den Tisch gestellt. „Henusode“ würde mein Vater sagen: schliesslich sind wir nicht bei Chrüter-Oski!
Die Nacht lässt sich nicht allzu kalt an, aber im Nachbarzelt weint in regelmässigen Abständen ein kleiner Junge, der offenbar Ohrenschmerzen hat und auf der Botswana-Seite feiern sie dem Radau nach mindestens ihren Nationalfeiertag.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200904. Nov. 2009 · #9
Hallo Emanuel
bei den Popa Fällen haben wir uns verpasst, nicht zuletzt, weil wir des Wetters wegen in die Ngepi-Lodge (Baumhaus!) ausgewichen sind. Aber im Verlauf des Tagebuches wirst du ja noch feststellen können, wie nah wir uns gekommen sind.
Hahaha mußte gerade über Werner mit seinem Frack lachen. Wir haben bei unserem letzten Besuch in Windhoek auch im Sperlingsnest geschlafen und ich wäre fast umgekippt vor lachen als ich Werner beim Frühstück mit Frack und blitzweißen Turnschuhen ungefähr in Größe 46+ gesehen habe 🤪
swisschees1'715 Beiträge · seit 200605. Nov. 2009 · #11
Hallo Thomas Sperlingsnest und Ngepi waren wir auch. Unser Tagebuch findest Du hier. Tagebuch09
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200905. Nov. 2009 · #12
Hallo Emanuel
da haben wir uns offenbar mehrfach ganz knapp verpasst oder sind uns evtl. sogar begegnet. Am 4. Oktober hatten wir fast das gleiche Programm (Heli und anschliessend Vic Falls), nur dass wir in Vic Falls im Amadeus Gardens übernachtet haben. Braucht noch einen Moment, bis ich mit dem Tagebuch so weit bin.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200905. Nov. 2009 · #13
Hallo an alle
nicht dass ihr jetzt glaubt, ich wolle mein Tagebuch einfach wieder prominenter platzieren 😊, aber nach dem gestrigen Crashkurs Fotoalbum und Fotos einbinden (danke Naukluft 😘) und dem Genuss von Doc's Tagebuch konnte ich nicht anders, als noch ein paar Bildchen einfügen...
MOModerator89 Beiträge · seit 200605. Nov. 2009 · #14
machst dir richtig Mühe mit deinem Bericht!
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200905. Nov. 2009 · #15
Samstag, 5. September 2009 / Twee Rivieren – Kalahari Trails Gegen Morgen wird es wieder ziemlich kühl, allerdings nicht so arg wie die zwei vorhergehenden Nächte. Schon ab 06:00h herrscht Aufbruchsstimmung auf dem Platz. Gegen 07:00h verlassen wir unsere Dachzelte auch und bringen es tatsächlich fertig, eine halbe Stunde später einigermassen aufbruchbereit zu sein. Ohne Frühstück und wiederum ohne Materialkisten machen wir eine Runde bei vier Wasserlöchern vorbei.
Das Resultat ist ähnlich wie gestern: entweder sind wir schon wieder zu spät oder aber die Tiere sind alle auf der Nossob-Seite, wo im Moment Ruhe vor den Touris herrscht. Immerhin: Ein wirklich tolles Siedlerweber-Nest, eine grosse Springbock-Herde und ein paar Gnus, ein Schabrackenschakal, der sich nicht scheut, sein Geschäft direkt neben der Strasse zu verrichten, ein Mungo (unscharf), irgend eine Ente und eine Gruppe Strausse fallen unseren Objektiven zum Opfer. Trotz allem zufrieden mit dem, was wir gesehen haben, fahren wir zurück auf den Campingplatz, frühstücken und fahren dann die kurze Strecke auf Asphalt bis zu Anna Rasa’s Kalahari Trails. Dort eröffnet uns Frau Professor zum einen, dass Carsten Möhle für uns Zimmer gebucht hat und zum anderen, dass noch eine grössere deutsche Reisegruppe eintreffen wird, die sie fast etwas überfordert. Insbesondere der Gamedrive am Nachmittag wird etwas mühsam, muss sie doch ein Dutzend Passagiere auf den Landrover laden. Unser nicht ganz uneigennütziges Angebot, mit unserem Fahrzeug mitzufahren und ein bis zwei Personen mitzunehmen, nimmt sie gerne an, fragt aber nach unserer „Dünen“erfahrung. Nun ja: einmal muss ich es ja lernen und wenn nicht in Bagatelle, dann halt hier!
Wir räumen unsere Klamotten ins Haus und richten uns ein. Fabian macht für sich und mich einen Toast mit Käse und dazu schauen wir mal unsere bisherigen Bilder durch. Dann lassen wir die Luft am Hilux auf 1.8 Bar runter. Bei alledem haben wir einen treuen Begleiter: Fizzle, Frau Rasa’s zahmes Erdmännchen. Nachdem die deutsche Truppe eingetroffen und verstaut ist, brechen wir allesamt zum Gamedrive auf. Während gut zweier Stunden führt uns Frau Rasa quer durch ihr Anwesen und lässt uns an ihrem immensen Wissen über Insekten, Vögel und alles mögliche andere teilhaben. Fizzle ist auf dem Trip übrigens auch dabei, buddelt eifrig Löcher oder jagt Käfer. Meine Bewältigung der zwei Dünenkämme quittiert Frau Rasa übrigens mit erhobenem Daumen. Zurück sind wir beim Einnachten. Während die Reisegruppe bei Frau Rasa ein Potjie gebucht und auch bekommen hat, grillieren wir auf der Vorderseite des Hauses, schauen dem Mond zu und geniessen die Ruhe, nur ganz selten unterbrochen durch ein vorbeifahrendes Auto. Gegen 21:00h bringt Frau Rasa die Leute, welche in den Aussenposten übernachten, zu ihren Unterkünften und es kehrt allgemeine Ruhe ein; nur ich schreibe noch am Tagebuch weiter und warte, ob Frau Rasa zurückkommt, damit ich weiss, was ich mit der Glut vom Grillfeuer machen soll.
Nachtrag: Gegen 22:30h lösche ich den Grill mit Wasser und gehe zu Bett, ohne dass Frau Professor aufgetaucht ist. Eine Stunde später ist immer noch alles hell erleuchtet; also schliesse ich die Vordertür (die hintere hat Ruth schon geschlossen) und lösche überall das Licht. Am anderen Morgen sagt Frau Rasa, sie lasse immer alles offen, weil hier nie etwas passiere. Strom sparen ist offenbar auch nicht so ihr Ding…
Sonntag, 6. September 2009 / Kalahari Trails – Mesosaurus Camping (Keetmanshoop) Wir sind früh auf, um zu frühstücken, weil wir nach der Morgenwanderung möglichst zügig los wollen; schliesslich haben wir Keetmanshoop resp. die Köcherbäume als Ziel. Die deutsche Gruppe taucht – leider – auch auf: Ihr Guide hat sich durchgesetzt und die Gruppe an unsere – eigentlich exklusiv für uns vorgesehene – Morgenwanderung angehängt. Anschliessend will er mit den Leuten kurz in den Park; allzu lange geht laut ihm nicht, weil es ja keine Toiletten hat!!! Ohnehin brodelt es in der Truppe: der Guide streicht alles, was nach Arbeit aussieht und macht es sich sehr einfach. Die Leute haben sich bei uns schon ein wenig ausgeweint, worauf wir natürlich immer etwas Oel ins Feuer gegossen haben, so im Sinn: Mail an Veranstalter, zusammenraufen, etc. Wäre spannend, zu sehen, was daraus wird!
Ziemlich pünktlich um 07:45h geht die Tour los. Frau Rasa wandert mit uns in einem grossen Bogen durch die Dünen nahe dem Haus und erklärt alle sichtbaren und – zumindest für uns – teilweise auch unsichtbaren Spuren, ergänzt durch allerlei Wissenswertes zu den entsprechenden Tieren. Das fängt ganz gross bei Gnus, Oryxen uns Springböcken and und geht hinunter bis zu Termiten, Spinnen und anderen Insekten. Ohnehin scheinen die Krabbeltiere ihre eigentliche Leidenschaft zu sein. Mungos kommen – entgegen Carsten Möhle’s Typisierung „eine wiedergeborene Mungo“ eigentlich eher am Rande vor. Begleitet werden wir auf dieser Tour natürlich wieder von Fizzle, welcher überall Löcher buddelt und leckeres Getier hervorgräbt, welches er dann genüsslich verspeist. Gegen 10:00h sind wir zurück. Frau Rasa schreibt uns noch schnell eine Zusammenfassung dessen, was wir gesehen haben und die Rechnung, wobei sie uns für die gestrige Tour einen Rabatt macht, weil wir ja selber gefahren sind. Sie entschuldigt sich mehrmals dafür, dass nicht alles so gelaufen ist, wie von Carsten Möhle eigentlich geplant. Der Abschied fällt sehr herzlich aus.
Mit 1.8 Bar in den Reifen fahren wir los. Kurz vor der Kreuzung stossen wir auf eine Lodge mit einer Tankstelle, wo wir auftanken und den Reifendruck wieder etwas erhöhen, haben wir doch bis Rietfontein Asphalt vor uns. In Rietfontein wollen wir über die Grenze nach Namibia, dürfen aber nicht: Wir haben in Twee Rivieren keinen Einreisestempel in unsere Pässe machen lassen, sind also offiziell gar nie nach Südafrika eingereist!!! Was nun? Die Dame am Schalter ist sehr freundlich, ruft extra noch in Twee Rivieren an und es hat an sich alles seine Richtigkeit, aber eben: ohne Einreisestempel keine Ausreise. Also zurück zum Anfang oder eben nach Twee Rivieren – ein Weg rund 120 km!!! Die Jungs am Zoll draussen haben Mitleid mit uns, glauben aber, dass wir in zwei Stunden wieder da sind. Zudem hat einer eine gute Nachricht für uns: Die Schweiz hat gestern gewonnen (Erklärung: Fussball-WM 2010 in Südafrika!).
Die nächsten gut zwei Stunden sind schnell erzählt: Zurück nach Twee Rivieren, Stempel erhalten, wieder nach Rietfontein. Tatsächlich haben wir übersehen, dass es in der Reception zwei Desks hat: Das eine, an dem wir vor zwei Tagen eingecheckt haben und direkt daneben dasjenige der Einwanderungsbehörde: nicht angeschrieben und am Abend des Eincheckens auch nicht besetzt. Und die Dame am Schlagbaum draussen, erklärt uns der Beamte, könne nichts anderes als den Schlagbaum öffnen…
Nachdem uns die Südafrikaner nun doch wohlwollend entlassen, müssen wir auf namibischer Seite einmal mehr das Einreiseformular ausfüllen. Nächstes Mal nehme ich ein paar Vordrucke mit! Dann fahren wir die 30km bis Aruab und entrichten dort die Einreisegebühr.
Die nächsten zwei Stunden sind Schotterstrasse mit Querrillen (kleine Rivieren), von denen ich einen Teil verschlafe. Fabian übernimmt davon den letzten Teil bis Keetmanshoop und daran anschliessend ich die letzten rund 30km bis Mesosaurus. Als wir dort kurz vor Sonnenuntergang einfahren, begrüssen uns zuerst zwei Hunde und dann deren Meister und Besitzer der Anlage, Giel Steenkamp. Er fragt uns gleich, ob wir ins Bushcamp hoch wollen; es seien schon zwei Parteien dort und er komme gleich und heize den Ofen ein, damit wir warmes Wasser haben. Diesem Angebot können wir nicht widerstehen. Nichts wie rauf, durch zwei Weidetore und über einige Bodenwellen; ein Platz ist schnell gefunden und ich stürze mit der Kamera los, der untergehenden Abendsonne entgegen. Dass ich vielleicht die ganze Ausrüstung hätte mitnehmen sollen, merke ich erst, als ich schon weit vom Auto weg bin. Macht aber nichts: Für den Sonnenuntergang brauche ich sowieso das Tele und das habe ich bei mir. Eine halbe Stunde später – die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden – komme ich zurück. Fabian ist bei einem Siedlerweber-Nest am filmen, Ruth macht Nachtessen. Wir stellen unsere Zelte auf und die Camping-Infrastruktur her und dann gibt’s Spaghetti mit Meatballs. Zwischendurch schliessen wir noch Bekanntschaft mit den anderen beiden Parteien: einem älteren Paar aus Südafrika, das schon zum 11. Mal in Namibia ist und einem jungen Paar aus Deutschland. Aber von beiden wird später noch die Rede sein.
Nach dem Abwasch bei Taschenlampenlicht (unsere Dynamos sind Gold wert!) sitzen wir noch etwas da und bewundern den Sternenhimmel, welchen wir zum ersten Mal so richtig geniessen können, geht der Mond doch inzwischen etwas später auf. Relativ früh schlüpfen wir unter die Decke; die Nacht ist, wie die vorhergehenden, kalt aber erträglich. Mittlerweile haben wir die unzulänglichen Schlafsäcke mit Pullovern, Socken und teilweise sogar Faserpelzen kompensiert.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200908. Nov. 2009 · #16
Montag, 7. September 2009 / Mesosaurus – Hobas Camping (Fish River Canyon) Am Morgen bin ich vor Sonnenaufgang auf den Beinen und ziehe noch im Trainer los, um die ultimativen Köcherbaum-im-Sonnenaufgang-Bilder zu schiessen. Nach erfolgter Tat, d.h. ca. eine halbe Stunde später, bin ich zurück, gerade rechtzeitig zum Frühstück. Giel erwartet uns, und wie wir feststellen, auch die anderen beiden Parteien zur Fossilientour. Auf dieser gut eineinhalbstündige Tour zeigt uns Giel, was bisher an Fossilien auf seinem Land gefunden wurde (soweit es nicht in Museen gelandet ist). Was er findet, belässt er an seinem Platz, und schützt es mit Wellblechplatten – in Europa wohl undenkbar. Hier würde wohl schon längst eine Armada von Archäologen das ganze Gebiet weiträumig absperren und absuchen, und die Fundstücke dann in’s Museum verfrachten. Die hier gefundenen Fossilien sind nachgewiesen rund 250 Mio Jahre alt, also die ältesten Afrikas. Zum Vergleich: Die Dinosaurier sind vor rund 60 Mio Jahren ausgestorben… Neben dem mit den Jahren erworbenen Wissen bringt uns Giel auch noch einiges über Köcherbäume bei (Aloe Vera!) und spielt auf der Steinorgel die einzigen zwei Melodien, die er bisher gelernt hat: Frère Jacques und Nkosi sikelele Africa. Dies alles in einer unnachahmlichen Mischung aus Humor und dem Bewusstsein, auf was für einem Schatz er da sitzt. Nicht auszudenken, wenn dieses Land jemandem gehören würde, den nur der eigene Profit interessiert! Zum Schluss dürfen wir uns ebenfalls an der Orgel versuchen. Ich ergänze die Musiksammlung mit Jingle Bells – nicht ganz passend zur Jahreszeit, kommt aber gut an. Dann lässt er uns freie Hand, auf dem Grundstück herumzuwandern und zu stöbern – Angst, dass Fossilien wegkommen, hat er keine!
Nach ca. einer weiteren Viertelstunde verabschieden sich als erste die Südafrikaner – wir sehen sie später noch bei den Fossilien und unten bei der Reception, wo alle noch die obligate Toilettenpause machen. Matthias und Tanja, die beiden Deutschen, sind etwas weiter weg, als wir losfahren; so schreiben wir unseren Abschiedsgruss auf die staubige Autotür.
Die Einkaufstour in Keetmanshoop wird zu einer Odyssee: Zuerst einkaufen im Spar, wo Fabian und Ruth wieder auf Matthias und Tanja treffen, dann Geld abheben: am ATM-Teller im Spar mit Visa-Card: der Code der ursprünglichen Silber-Card, die wir kurz vor den Ferien in eine Gold-Card umgewandelt haben, funktioniert glücklicherweise, beziehen kann Ruth aber nur 400 NAM$. Bei der ersten Bank will gibt uns der Automat bei ca. 5 Versuchen einmal 1000 NAM$ auf Ruth’s Maestro-Karte; am Schalter sagen sie dann, das Limit sei erschöpft, sie dürfen uns nicht mehr geben. Nun macht Ruth den Sprung von Bank zu Bank; bei der Standard-Bank gibt’s schliesslich etwas.
Nächste Station tanken und nach einem Gas-Refill fragen. Für letzteres schicken uns die Tankwarte zum Spar zurück und das Personal dort zum OK. Dort geht’s, auch wenn der Angestellte, der die Flasche nachfüllen soll, dafür eine Ewigkeit braucht und erst wieder auftaucht, als seine Vorgesetzte ihm Beine macht. Ohnehin stellen wir etwas für Europa undenkbares fest: Die Personen an den Schaltzentralen sind zumeist die Frauen; die Männer besetzen – wenn überhaupt – sehr oft untergeordnete Chargen. Nur in den Banken ist es so, wie bei uns 😵
Nun gut: irgendwann haben wir alles beisammen und rauschen auf der geteerten B4 Richtung Seeheim und ab dort auf Schotter Richtung Fish River Canyon. Kurz vor dem Ziel schliessen wir auf einen schwarzen Offroader auf, der uns bekannt vorkommt: Matthias und Tanja.
An der Reception in Hobas treffen wir wieder zusammen und beschliessen, gemeinsam dort zu campen; sie, weil sie ohnehin vorgebucht haben, wir, weil der Platz am nächsten bei den Aussichtspunkten auf den Canyon ist. Dass der Generator ausgefallen ist und damit kein Licht und kein warmes Wasser zur Verfügung steht, können wir verschmerzen – halt noch ein Bushcamp!
Bevor wir uns einrichten, fahren wir kurz zum Canyon und nehmen Tanja und Matthias gleich mit.. Viel zu fotografieren gibt es nicht, weil die Abendsonne von Westen her über die Schlucht scheint (Gegenlicht und unten finster!), aber das hatten wir vorher gewusst. Anschliessend wie gestern: Zelte und übrige Infrastruktur (i.E. Kisten und Kanister ausladen, Taschen so hinlegen, dass jedes an seine Ware kommt) und Nachtessen. Diesmal mit Spiesschen vom Grill und Geschwellten. Die Spiesschen kommen gut, aber trotzdem habe ich die Grillerei noch nicht im Griff: das rote, schwere Holz gibt zwar eine gute Glut, brennt aber äusserst langsam und widerspenstig. Zudem sind die Grillroste auf relativ hohen 10-15 cm eingerichtet: Man bräuchte also schon eine ziemliche Menge (und Höhe) an Glut. Vielleicht muss ich es doch so machen, wie all die anderen Braai-Künstler: Bei der Ankunft auf dem Campingplatz als erstes ein Riesenfeuer entfachen!
Nach dem Nachtessen facht Matthias wie oben beschrieben ein Feuer an; mit Holz, das er vorher bestellt und per Schubkarre direkt an den Platz geliefert bekommen hat (bei der Rückkehr vom Canyon haben wir zwei Männer beim Holzsammeln beobachtet). Bei dauerndem Hin- und Herrutschen (Funkenflug bei stetigem Wechsel der Windrichtung und synthetische Trainingsanzüge!) lernen wir unsere Nachbarn ein wenig besser kennen: Beide sind aus Berlin und arbeiten bei der gleichen Firma; sie ursprünglich als PK-Sachbearbeiterin (also in der gleichen Branche, wie ich!) und inzwischen fast vollamtlich Betriebsrat, er als Abteilungsleiter Marketing. Beide reisen auch sehr gerne, vor allem Matthias, welcher vor 11 Jahren schon einmal in Namibia war.
Die Nacht wird wieder ziemlich kalt, aber ruhig, sieht man einmal davon ab, dass es, als wir am gegen 06:00h aufwachen, …
Dienstag, 8. September 2009 / Hobas Camping - Klein Aus Vista Camping (Aus) … regnet: zwar nur schwach, aber unverkennbar. Ringsum ist schon grosse Aufbruchstimmung, der wir uns alle relativ zügig anschliessen. Zelte nass einpacken, Frühstück entfällt. Wir fahren auf dem schnellsten Weg Richtung Ai-Ais, gefolgt von Matthias und Tanja, welche wir aber bald verlieren (vermutlich Fotostopp).
In Ai-Ais werden wir ohne weiter Tänze hereingewunken, schauen uns die Anlage etwas an (inkl. Thermalbad, weil wir der Eintritt mit der Parkgebühr gestern in Hobas schon entrichtet haben) und entschliessen uns dann für ein Frühstück im Restaurant: Buffet, wie es bei uns besser auch nicht sein könnte. Das Ganze mit Spiegelei, Speck, Würstchen, weissen Bohnen und Champignons für gerade mal zehn Franken pro Person. Tanja und Matthias sind inzwischen auch eingetrudelt und schauen sich die Anlage an. Als Ruth nach dem Frühstück das Bad noch einmal genauer besichtigen will, wird sie von einem Angestellten namens Andreas abgefangen und auf dem ganzen Areal herumgeführt. Schliesslich entschliessen wir uns zum Weiterfahren, Tanja und Matthias wollen hierbleiben und baden. Wir verabschieden uns herzlich voneinander mit Austausch von Adressen und Einladungen.
Die Weiterfahrt ist auf dem ersten Teil relativ unspektakulär; die 4*4-Abkürzung sehen wir zwar, lassen sie aber bleiben. Am Oranje erwartet uns eine wirklich interessante Landschaft und Fahrt dem Fluss entlang, teilweise mit sehr engen Strecken und vielen Kurven. Zwischendurch erhalten wir beim Eingang zum Richtersveld Transfrontier Park gratis und franko eine ausführliche Broschüre in die Hand gedrückt. Die Frau mit dem kleinen Jungen im Tragtuch gefällt Ruth so gut, dass wir um die Erlaubnis für ein paar Fotos fragen. Leider versteht die Frau das etwas falsch und nimmt den Jungen aus dem Tuch. Auch der Vater, gekleidet in eine Uniform wie sie Fidel Castro trägt, verzieht sich. Dafür fragt die Frau, als wir ihr die Bilder anschliessend zeigen, nach einem Abzug und gibt uns ihre Adresse! An Rosh Pinah fahren wir, der fortgeschrittenen Zeit wegen, vorbei. Ruth übernimmt und fährt den Rest auf der – nun wieder geteerten – Strasse bis Aus. In Klein-Aus Vista sind die gewünschten Chalets der Eagles Nest Lodge und auch alle anderen festen Unterkünfte leider „fully booked“; es bleibt nur noch der Campingplatz. Schon beim Einrichten weht ein steifer, kalter Wind aus Süden, ähnlich unserer Bise. Wir packen uns zunehmend warm ein (T-Shirt, Pullover, Faserpelz, Windjacke) und kochen im Rekordtempo – zumindest das, was noch übrig ist, nachdem Ruth die halbe Packung Teigwaren in den Sand geschmissen hat. Auch gegessen haben wir in fünf Minuten; trotzem sind die Teigwaren schneller kalt, als gegessen. Um die rekordverdächtige Zeit von 19:30h schlüpfen wir ins Zelt. Den Wind spürt man dort nicht so stark, aber dafür hört man ihn! Alles lose an den Zelten flattert und knattert fröhlich die ganze Nacht hindurch; ein Wunder, dass wir trotz allem relativ gut, wenn auch mit Unterbrüchen, schlafen.
macht Spaß, Euren Bericht zu lesen. Danke, dass Ihr uns mitnehmt.
Fand die Tour mit Giel auf deutsch oder englisch statt?
LG Lio
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200909. Nov. 2009 · #18
Hallo Lio
danke für das positive Feedback. Die Tour mit Giel war englisch, weil es ja zwei Südafrikaner dabei hatte. Abgesehen davon weiss ich gar nicht, ob er deutsch kann; er hat mit uns immer englisch gesprochen.
eggitomThemenstarter1'247 Beiträge · seit 200910. Nov. 2009 · #19
...und weiter geht's. Hat vielleicht etwas viel Bilder drin, aber die Auswahl ist ach! so schwierig 🙁
Mittwoch, 9. September 2009 / Klein Aus Vista – Island Cottage (Lüderitz) Wider Erwarten stehen unsere Zelte am Morgen noch auf dem Autodach. Aber kaum ist es hell, stürzen wir uns in alle verfügbaren Kleidungsstücke, packen zusammen und fahren zum Hauptgebäude in der Hoffnung, es gebe ein warmes Frühstück. Und siehe da: unsere Hoffnungen erfüllen sich: Zum gleichen Preis wie gestern in Ai-Ais und mit der gleichen Auswahl. Ich liebe weisse Bohnen!
Nachdem wir gut gefrühstückt haben, fahren wir los Richtung Lüderitz. In Garub, bei den wilden Pferden der Namib machen wir einen Zwischenhalt; schade nur, dass sich alle Pferde eher rechts von uns, d.h. im Gegenlicht befinden. Nun ja, wir kommen ja in zwei Tagen zurück; vielleicht ist das Licht dann besser. Der Wind hat nicht wirklich nachgelassen und damit erleben wir das, was in den Reiseführern über die Strecke nach Lüderitz nicht fehlen darf: Sand auf der Fahrbahn und Räumfahrzeuge. Allzu schlimm wird es nicht, aber trotzdem beeindruckend! Früher als erwartet, d.h. noch vor Mittag, treffen wir in Lüderitz ein. Bei Coastways halten wir an und lassen uns Bogenfels-Tour und Abholzeit für morgen bestätigen: alles paletti, Iris wird uns zwischen 08:30h und 09:00h abholen. Die Island Chalets finden wir nicht; am nähesten kommt ihnen noch das Island Cottage, aber so ganz sicher sind wir nicht. Ohnehin scheint Carsten Möhle’s Plan von Lüderitz etwas veraltet zu sein. Wir gehen also noch einmal zu Coastways und der nette Mann führt uns eigenhändig zu – Island Cottage.
Nach kurzer Rückfrage der jungen Dame am Empfang erhalten wir zwei Zimmer im oberen Haus zugewiesen, welche allerdings noch nicht fertig gereinigt sind. Das erste, was wir sehen, ist ein Angestellter, der die Bettwäsche bügelt: auf dem fertig angezogenen Bett! Was wir als Nächstes erfahren: die Wasserleitung ist der Bauarbeiten an der Strasse wegen abgestellt, also keine Dusche!
Wir richten uns provisorisch in Fabian’s Zimmer ein und gehen mit Hilfe einer an der Reception gekauften Karte ins Internet. Mails abfragen, Kurzinfo an die wichtigsten Freunde und Bekannten. Ich schreibe noch ein Weilchen am Tagebuch. Als Fabian’s Zimmer fertig ist, machen wir uns zu Fuss auf den Weg in die Stadt. Auch hier: ein heftiger, eisiger Wind bläst uns Sand ins Gesicht. Trotzdem machen wir einen Foto- und Einkaufsbummel (u.a. Safari-Hosen für Ruth und mich) durch die Stadt, trinken in Carsten Möhle’s Restaurant-Tipp „Ritzis“ etwas und reservieren gleich auch für’s Nachtessen. Zurück im Island Cottage sind die Zimmer fertig, aber leider immer noch kein Wasser. Wir richten uns ein, schreiben Tagebuch, lesen die AZ und warten auf das Wasser. Was kommt, ist erst mal das südafrikanische Paar von vorgestern, welches die letzte Nacht in Fabian’s Zimmer verbracht hat und wegen ihm ins untere Gebäude umziehen musste. Dort können sie allerdings jetzt nicht rein, weil niemand da ist. Ein Anruf bei der Besitzerin schafft Abhilfe und während der Wartezeit bringt ihnen Ruth einen Tee (Wasser aus unserer Reserve), welcher noch so gerne angenommen wird.
Die Besitzerin ist sehr nett und untröstlich, dass wir kein Wasser haben. Sie verspricht, ihr Bestes zu tun und tatsächlich fängt um ca. 18:30h die Toilettenspülung an, zu gurgeln. Kurz darauf erscheint ein Monteur, der die Luft aus den Leitungen lässt und uns wissen lässt, dass wir in ca. zwei Stunden auch wieder warmes Wasser haben werden. „Heureka“, hätte Archimedes dazu wohl gesagt! So gehen wir halt ungeduscht dinieren: drei mal Kingklip mit einem Riesling aus Paarl. Dann zurück, duschen, Tagebuch fertig schreiben und gute Nacht: morgen werden wir um 08:30h für die Diamanten-Tour abgeholt.
Nachtrag nach dem Duschen: Das Wort wird der Sache nicht gerecht; es ist ein Gang durchs Rote Meer – ohne Salz und ohne Moses’ Hilfe 😎 😛 🤪 🤩
Donnerstag, 10. September 2009 / Island Cottage (Bogenfels-Tour) Ein wolkenloser Himmel erwartet uns, allerdings immer noch windig und so kalt, dass ich mitten in der Nacht das Fenster geschlossen habe. Die Schweiz hat gegen Lettland 2:2 gespielt, aber weil die Griechen gegen Moldawien auch nur unentschieden spielten, ist es fast ein Sieg. Roger Federer ist am US Open im Halbfinal; Internet ist doch eine gute Sache, wenn hier unten auch ziemlich langsam und teuer!
Wir stehen um 07:30h auf, frühstücken und stehen schweizerisch-pünktlich um 08:30h warm eingepackt vor dem Haus. Iris lässt noch auf sich warten, dafür plaudert der nette Südafrikaner noch etwas mit uns, bedankt sich noch einmal für den Tee von gestern und gibt Tipps zum Reifendruck. Sie fahren heute weiter, voraussichtlich in die Tirasberge. Gegen 09:00h fährt Iris in einem Allrad-Mitsubishi-Van vor, ausgestattet mit Funk, Kühlbox und allem, was wir für den Tag so brauchen. Sie fährt mit uns zuerst zur Basis, wo ein grösserer Trupp sich für die Fahrt durch die Wüste nach Walvis Bay bereit macht. Dann geht’s los, diesmal wirklich nur mit uns dreien. Bei Kolmanskuppe geht’s hinein ins Sperrgebiet. Die Fahrt dauert mit Unterbrüchen den ganzen Tag. Ueberall in der Wüste finden sich grössere und kleinere, zumeist verlassene Diamantenschürfstellen: Pomona, Bogenfels und wie sie alle heissen. Im ganzen Gebiet rosten die Ueberreste des Schmalspur-Bahnnetzes vor sich hin, mit welchem die Wüste grossflächig überzogen wurde, um den Abraum (Sand und Schutt) zuerst zu den Sortieranlagen zu bringen und nach dem Aussortieren der Diamanten wieder abzuräumen. Gleichzeitig diente die Bahn der Versorgung u.A. mit Wasser und wurde zu diesem Zweck direkt an den bei allen Häusern stehenden Wassertanks vorbeigeführt.
Iris weiss sehr viel und versteht es, die ganze Geschichte unterhaltsam aufzurollen, von August Stauch bis Namdeb; zudem illustriert sie das ganze mit Bildern aus einem Heft namens „Sperrgebiet“, das wir uns unbedingt besorgen müssen. Daneben weiss sie auch viel über die im Sperrgebiet wachsenden Pflanzen und die dort lebenden Tiere: Springböcke, Oryxe (mit weissen Beinen wegen der Hitze und grösseren Hufen, damit sie im Sand besser auftreten können), usw. Zu Mittag packt sie in der Schule von Pomona ein Büffet aus, welches alle Gelüste befriedigt. Anschliessend fahren wir zum Bogenfels, wo es Kaffee und Biskuits gibt. Der Rückweg findet auf der „Hauptstrasse“ statt. Ein kleiner, ungeplanter Stopp bremst uns beim Gate von Pomona, wo wir nebst zwei anderen Fahrzeugen und einem Bagger vergeblich auf jemanden warten, der das verschlossene Tor öffnet. Iris behilft sich schliesslich damit, dass sie das Tor auf einer Nebenstrasse umfährt. Die anderen stehen wohl jetzt noch da. Der Wind, der den ganzen Tag angehalten hat, wird gegen Abend stärker, so dass Rückfahrt für Iris ziemlich beschwerlich wird. Aber wie schon am Vormittag meistert sie Sandverwehungen, Buckel und sogar grössere Weichsandstrecken profimässig – wir müssen da wohl noch einiges dazulernen!
Gegen 16:00h sind wir wieder am Gate angelangt; der Wind bläst jetzt so stark, dass er Iris die Autotür aus der Hand reisst. Der kurze Weg zum Gate, um dieses zu öffnen, geht gerade noch so (Rückenwind); auf dem Rückweg vom Posten, wo sie uns ausgemeldet hat, wird sie vom Wind fast weggeblasen. An Kolmanskuppe vorbei geht es wieder auf die Hauptstrasse, welche ebenfalls ziemlich zugeweht ist und auf der uns doch tatsächlich vier Motorradfahrer entgegenkommen. Ich fahre ja gerne Motorrad, aber hier hält sich meine Begeisterung definitiv in Grenzen! Im Cottage abgeliefert, setzen wir uns erst mal in unser eigenes Auto und fahren in die Stadt, um Wolldecken einzukaufen. Dann zurück zu unserem temporären Heim, Fotos auf’s Netbook spitzen und durchsehen, duschen (wieder normal) und Sonnenuntergang. Anschliessend gibt’s Nachtessen im Seaview zum Sperrgebiet, umringt von (fast nur) Senioren: man fühlt sich fast wie in Florida. Gegen 21:00h sind wir zurück: während ich den heutigen Tag für die Erinnerungen festhalte und Fabian sich rasiert, horcht Ruth schon am Kopfkissen.