Anektoden und kleine Geschichten

49 Antworten · 17,1k Aufrufe · gestartet 06. Aug. 2009 von Crazy Zebra
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351 Beiträge · seit 200807. Dez. 2009 · #41
Hallo,

hier mal was Nettes aus Kindermund.

Wir waren im Mai mal wieder als Camper in Namibia unterwegs. Für den Zeitvertreib unseres Jüngsten (6 jahre alt) auf längeren Strecken hatten wir u.a. ein Buchstabenspiel dabei. D.h. es wird ihm ein Buchstabe genannt und er muß einen Begriff hierfür finden.
Wir waren mal wieder längere Zeit im Auto unterwegs und das Spiel mußte einmal mehr für Kurzweile sorgen. So ging es quer durcheinander von A wie "Auto" über L wie "Lampe" durch alle Buchstaben des Alphabets. Immer kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.
Irgendwann war der Buchstabe B dran, da kam unser Kleiner plötzlich ins Zögern. Hilfsbereit wie Mama's nun mal so sind versuchte es meine Frau mit einem vertrauten Beispiel und dem Hinweis "worin schläft man denn?". Klar. jeder denkt da naturlich an's "Bett". Aber nicht so unser Junior, dem der Begriff "Bett" während unseres Aufenthalts in Namibia und unter den täglich erlebten Eindrücken so weit entrückt war. Nach kurzem Überlegen war die eindeutige Lösung für ihn klar: "Dachzelt !" war seine mit Stolz gefundene und überzeugte Antwort auf den Buchstaben B.




Schöne Grüße aus Bayern
Niemals aufgeben !
Themenstarter3'766 Beiträge · seit 200608. Dez. 2009 · #42
Der lebensmüde Müllmann.

Wir waren für einige Tage im Kgaglaghadi Nationalpark in Südafrika, vielen auch als Transfrontier und den älteren auch als Gemsbockpark bekannt. Diesem durch drei Länder betriebenen (Südafrika, Namibia, Botswana) Nationalpark.

Dieser Park betreibt auch so genannte „wildernes Camps“ Orte an denen man zwar nicht campieren darf jedoch kleine Cabins oder Zeltstätten anmieten kann.
Einer dieser Camps heisst „Urikaruus wildernes Camp, ca. 70 Km von Tweerevieren gelegen dem Haupteingang zu diesem Park.

Nach dem Anmeldeprozedere wo wir auch gleich die Ausreiseformalitäten erledigten, wir verliessen anschliessend den Park Richtung Namibia bei Mata-Mata, stellten wir uns für eine Nacht am Campground in Tweerevieren auf um andern Tags gemütlich nach Urikaruus zu fahren.

So fuhren wir dann anderen Tags zu diesem Camp und bezogen dann unser „riverside Cabin“, riverside, weil diese Cabins so angeordnet sind das man den Fluss sieht wenn man auf der kleinen Veranda sitzt. Fluss, OK ein Trockenfluss wie für viele Gegenden typisch im südlichen Afrika.

Solche Flüsse führen selten Wasser und dies manchmal auch für Jahre oder bis zu einem heftigen Gewitter. Eine Eigenart solcher Trockenflüsse ist dass sie im Untergrund noch sehr oft Wasser führen und so ein grünes Vegetationsband entsteht um man den Verlauf des Flusses sehr gut erkennen kann. Auch bieten solche Trockenflüsse (Reviere genannt) auch vielen Lebewesen ein Habitat durch dessen Ökosystem erst eine dauerhafte Ansiedelung von ortsgebundenen Tieren möglich ist.

So bezogen wir ein „riverside Cabin“ eines von insgesamt Vieren die mit einem Laufsteg verbunden waren. Allesamt hin zum Revier ausgerichtet und mit Blick zu einem kleinen Wasserloch das mit Grundwasser gespeist wird, heut zu Tage werden diese mit Pumpen
die mit Solarenergie funktionieren versorgt, die alten Windgetriebenen Pumpen wie wir sie auch aus Westernfilmen kennen verschwinden nach und nach.

Wir bezogen das „Cabin“ aus zwei Einheiten bestehend, beide waren auf Stelzen gebaut,
eine untere Wohneinheit mit Küche und Veranda so wie Grillstelle die etwa 1 Meter über dem Erdreich stand und zum Schutz vor wilden Tieren war dies Einheit mit einem Geländer aus Holz gesichert das zusätzlich einen Maschenzaun hatte mit einer Dichte von ca. 20x20cm der wohl mehr zur Beruhigung der Besucher diente denn wirklich Schutz bieten würde im Notfall.
Die andere, die Schlafeinheit konnte an der Gebäuderückseite über eine Treppe erreicht werden und war so ungefähr 2 Meter über Grund, zwei Betten ein WC so wie eine Dusche waren vorhanden ebenso wie einem kleinen Balkon mit zwei Stühlen mit Blick auf das Wasserloch und das Revier.

Solche Cabins gab es Vier die alle an der rückseitigen, dem Fluss abgewandten Teil, miteinander durch einen Laufsteg verbunden waren. Wir weilten in der ersten Cabin
während die anderen 3 von anderen Besuchern belegt waren, die hinterste Wohneinheit wurde durch ein jüngeres Südafrikanisches Paar belegt auf welches wir noch zu sprechen kommen.

Nach einem schönen wenn auch eher ereignislosen Tag was Tiersichtungen betraf zogen wir uns nach einem Braii, wie die BBQ’s im südlichen Afrika genannt werden, in unsere Schlafeinheit zurück, nicht ohne jedoch uns noch einen Schlummerdrunk zu gönnen auf dieser kleinen Veranda. In die Nacht hineinlauschend und die Düfte und Tierstimmen geniessend die die nun sehr schnell hereinbrechende Nacht begleiteten schliefen wir tief und fest.

Anderntags, es bleibt zu erwähnen dass es in der Nacht heftig gestürmt hatte und Blitze gingen in weiter Ferne um uns hernieder, erwachte ich so gegen 05:30 in der Früh, wo bei man dies in Afrika schon beinahe ausschlafen nennen könnte als meine Frau sichtlich erregt in das Schlafzimmer kam und mir zu rief.

Kurt; komm schnell da draussen ist ein Löwenrudel, direkt unter unserem Schlaftrakt!

Ich eilte in den noch recht kühlen Morgen hinaus und sah sie dann, fünf Löwen, zwei stattliche Löwenmännchen und drei Weibchen. Sie lagen in niedrigem Dornengebüsch und waren im fahlen Licht der Morgendämmerung kaum zu erkennen. Sie waren eins geworden mit der Umgebung, weder für uns wirklich sichtbar und schon gar nicht für potenzielle Beute die auf dem Weg Richtung des künstlich angelegten Wasserloch waren.

Ich war beeindruckt von dieser Tarnung und versuchte diese Situation mit dem Fotoapparat fest zu halten, durch das schwache Licht wurde ich gezwungen mit sehr hoher ISO-Zahl zu fotografieren um noch eine Verschlusszeit zu erhalten unter einer 100/Sekunde.

Während ich die Szene so fotografierte bemerkten wir das die Löwen reichlich nervös ja angespannt reagierten auf alles was sich in der Nähe bewegte. Gnus die in geringer Entfernung zum Wasserloch liefen brachten sofort Bewegung ins Rudel. Offensichtlich war die letzte Nacht und wohl auch Tage zuvor für das Löwenrudel nicht von Jagterfolg gekrönt, und dieses Rudel stand ziemlich unter Druck Beute zu schlagen.

Als ich so da stand und fotografierte zupfte mich meine Frau am Arm, ich war immer noch „leicht bekleidet“ und sie zeigte mit ausgestrecktem Arm in Richtung des am weitesten entfernt gelegenen Cabin, als ich da jemanden sah der sich im Flussbett bewegte und etwas aufzuheben im Begriff war.

Es war der Mann des besagten südafrikanischen Pärchen. Es schien als wolle er irgendwelchen Müll zusammen lesen der vom Winde der Nacht verweht wurde. An sich eine wirklich lobenswerte Tat währen da nicht „unsere Löwen“ gewesen.

Ich pfiff durch meine Finger, um anschliessend laut rufend ihn auf die unmittelbare Gefahr hin zu weisen.

There are Lions here – go back – fast! Rief ich ihm zu.

Während ich ihm die Warnung zu rief, standen 2 der Löwen auf und liefen langsam in Richtung des „Müllmanns“ sie waren noch etwa 50 Meter von ihm entfernt als meine Warnung endlich Wirkung zeigte und der „Müllmann“ sich endlich in Richtung Unterkunft und in Sicherheit begab.

Ufff, das ging ja gerade noch mal gut dachten wir und gönnten uns einen morgendlichen Kaffee und beobachteten weiter die Löwen die noch immer auf alles sich bewegliche reagierten das sich in ihrer Nähe befand.

Nach einer guten Weile, so um die zehn Minuten, traute ich meinen Augen nicht, da war er wieder unser Müllmann, wieder lief er durch das Revier und sammelte vom Wind verwehte Gegenstände ein. Ich dachte das darf ja nicht war sein.

Plötzlich bemerkte ich im Augenwinkel wie wieder ein Löwe sich in Richtung des Müllmanns bewegte, angespannter, zielstrebiger als zu Vor und mit dem Blick in den Augen der mir sagte, Oh-oh, das kommt nicht gut!

In schleichender Haltung hatte der Löwe schon etwa die ersten 10 von etwa 50 Metern hinter sich gebracht als ich ohne sichtbaren Erfolg den Müllmann dazu bewegen wollte sich rasch wieder in Sicherheit des Cabins zu bringen. Aber nichts, kein Anzeichen wies darauf hin das meine Warnungen bei ihm ankamen.

„schit“ dachte ich, das kommt nicht gut, während sich der eine Löwe schleichender weise um weitere 3-4 Meter dem Müllmann näherte.

Was tun dachte ich.

Ich entschloss mich das Cabin auf der rückseitigen Seite zu verlassen und auf dem Laufsteg zum letzten Cabin zu gelangen um diesen unvorsichtigen ja gerade zu lebensmüden Müllmann zu warnen.

Ich lief so auf dem Laufsteg, nicht eilend, und bemerkte das dieser eine Löwe, mich stetig fixierend, begleitete. Nun ich war ja in Sicherheit so einen Meter über Boden, wollte aber dennoch diesen Löwen nicht durch zu schnelles gehen dazu animieren mich als Frühstücksersatz zu betrachten.

Blieb ich stehen blieb auch er stehen, ging ich zwei Schritte folgte mir der Löwe, eine sehr komische Sache war das, begleitet von einem leichten Unbehagen.

Lief ich weiter brachte ich auch den Löwen näher zum Müllmann hin, blieb ich stehen sagte mir der Blick des Löwen „Du – lecker Frühstückchen „

Ich rief dem Müllmann abermals zu, go back!!

Und endlich ging er in seine Unterkunft zurück, nicht weil ich ihn überzeugte dass die gesünder sei für ihn, nein, weil er zwischenzeitlich allen Müll eingesammelt hatte.

Ich ganz entnervt ging noch die letzten paar Meter bis hin zu diesem Cabin, ich und der Löwe waren etwa noch 10 Meter entfernt von der Cabin und dem Müllmann als er sich in dieses Cabin begab und klopfte bei erreichen der Eingangstüre fest an diese.

Die Türe öffnete sich und vor mir stand dieser lebensmüde Müllmann. Im Hintergrund erblickt ich eine Frau, vermutlich seine Freundin, die mit dem Abwasch des Vorabends beschäftigt war, als ich ihm sagte,

man sind sie eigentlich lebensmüde, da sind Löwen und sie laufen in der Gegend rum um Müll einzusammeln!

Sein Blick verriet mir was er von meiner Warnung hielt, niemand, schon gar nicht ein Tourist aus Europa hätte ihn zu belehren, als er mir entgegnete,

no – Problem – ich sah die drei Löwen jederzeit, es bestand nie eine Gefahr!

Drei, wiederholte ich leer schluckend. Ich zog ihn am Arm vor die Eingangstüre und zeigte ihm den etwa noch fünf Meter entfernten Löwen. Den einen? Nein es waren Zwei, ich selbst hatte nicht bemerkt das der zweite Löwe mich in meinem Rücken verfolgte und sich auch anzuschleichen versuchte.

Nun ihr hättet das Gesicht sehen sollen als der Müllmann erkannte in welcher Gefahr er sich befand und kleinlaut ein kurzes „thank's“ von sich gab.

Gruss Crazy Zebra
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
19 Beiträge · seit 200908. Dez. 2009 · #43
Hallo Crazy Zebra,
Deine Geschichten werden wohl immer länger :); aber sehr vergnüglich zu lesen.
Wenn Du dann (seufz) bald wieder in Nam bei Uwe bist, bestell doch schöne Grüße - und mach keine Macken an unserem Auto 😄
Grüße
Oliver
zuletzt bearbeitet 08. Dez. 2009
1'247 Beiträge · seit 200912. Dez. 2009 · #44
Beim Umsetzen des Tagebuches kommt die eine oder andere Erinnerung wieder:

Oktober 2009: wir fahren von Kasane an die Viktoria-Fälle. An der Grenze das offenbar hier übliche Theater - kann bei Bedarf im Tagebuch nachgelesen werden.

Zwei Tage später kommen wir zurück. Meine Frau und mein Sohn gehen schon voraus ins Zollgebäude. Drinnen ruft der Beamte - derselbe, der uns schon bei der Hinfahrt einen schönen Stempel in unsere Pässe gehauen hat: "Switzerland, Eggenschwiler!" Anschliessend werden wir sofort und zügig abgefertigt.

Es hat manchmal Vorteile, einen nicht ganz gewöhnlichen Namen zu haben 😁

Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
zuletzt bearbeitet 12. Dez. 2009
89 Beiträge · seit 200813. Dez. 2009 · #45
Nach 3 Wochen Kokoaveld fühle ich mich jeweils wie ein cooler Wildhüter und trage natürlich die typischen Merkmale auf mir, so auch ein Leatherman im Leder-Etui am Hosengurt. -Total cool nicht? 😄

Dies bemerkte ich fünf Meter vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen. Es blieben mir also noch wenige Sekunden, um mich von meinem geliebten Multimesser zu verabschieden. 😵

Natürlich bemerkte die Security das Messer, obwohl ich das Piepsen auf die Gürtelschnalle abzuwälzen versuchte. Doch die Lösung war schnell gefunden: Ein Sicherheitsmitarbeiter ging mit mir in den Hangar. Ich suchte meine eingecheckte Tasche in einem Kontainer und er legte den Leatherman hinein. Fertig!!

Man stelle sich dieses Prozedere in Frankfurt vor! 😄 😄
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7'296 Beiträge · seit 200606. Jan. 2010 · #46
schnrgl schrieb:
Natürlich bemerkte die Security das Messer, obwohl ich das Piepsen auf die Gürtelschnalle abzuwälzen versuchte. Doch die Lösung war schnell gefunden: Ein Sicherheitsmitarbeiter ging mit mir in den Hangar. Ich suchte meine eingecheckte Tasche in einem Kontainer und er legte den Leatherman hinein. Fertig!!

Man stelle sich dieses Prozedere in Frankfurt vor! 😄 😄
... ist mir so ähnlich mal vor drei Jahren in Frankfurt passiert, als man meine Schraubenschlüssel zum Montieren des Fahrrads im Handgepäck bemängelt hatte (früher war das kein Problem). Ich habe dann das Wichtigste aus dem Handgepäck genommen und der Rest wurde von der Sicherheitskontrolle zum aufgegebenen Gepäck gebracht. Fand ich auch ok und recht unkompliziert.


Hier noch eine Geschichte aus Namibia vom Campingplatz in Sesriem, der den meisten ja bekannt sein dürfte. Jeder Stellplatz ist mit einer kleinen Mauer umfasst und direkt dahinter steht ein Grill.
Wir haben abends bei Dunkelheit gegrillt und ich habe mich nach vorne gebeugt und ein Steak angehoben, um im schwachen Schein der Glut zu erkennen, ob es schon ok ist. In genau diesem Moment stemmte ein Schakal die Vorderpfoten auf die Mauer und schaute von der anderen Seite, ob er da was stibitzen könne, sein Gesicht keinen halben Meter von meinem entfernt und mit vor Schreck riesengroßen Augen (meine waren vermutlich auch gerade etwas größer als normal). Er hat dann ohne Beute wieselflink die Flucht ergriffen ...
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
324 Beiträge · seit 200806. Jan. 2010 · #47
Flüssigkeitsregeln wie in Europa!

Trotzdem wir ungefähr die Hälfte der Zeit campen sind, reist meine Frau nie ohne Ihren Kosmetikkoffer. Grundsätzlich packt sie für den Flug dann alles Größere in den Koffer. In Nam war das bisher aber nicht notwendig. Umso erstaunter waren wir, als wir die Schilder am Kontrollpunkt sahen, dass nicht mehr als 100 ml erlaubt sind.

Natürlich holte uns die Dame raus. Ich sah schon die ganzen teuren Sachen in den Müll(oder woanders hin) wandern. Die Dame traf dann aber eine ziemlich gezielte Auswahl. Betroffen waren lediglich einheimische Produkte - ein Schampoo, ein Duschbad und eine Feuchtigkeitscreme. Die eigentlich teuren Sachen, die auch alle über 100 ml hatten, fand die Dame nicht problematisch. Diese waren allerdings auch für micht, der des Französischen nur sehr eingeschränkt mächtig ist, kaum zuzuordnen.
Wenn ich böse wär, würde ich sagen: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!

Grüße
Ronald
7'296 Beiträge · seit 200606. Jan. 2010 · #48
... hier noch was aus Kamerun ...
Ich war auch dort (diesmal mit einem Reisepartner) mit dem Rad unterwegs und auf den Pisten zum Ende der Regenzeit war das Fortkommen sehr beschwerlich. Wir kamen also immer nur in irgendwelche kleinen Dörfer und fragten uns zum Dorfchef durch, um diesen um Erlaubnis zum Übernachten zu bitten, wie es dort so üblich ist. Dann bekamen wir einen Platz zum Zelten zugewiesen, teilweise direkt neben den Ahnengräbern oder auch gelegentlich mal einen kleinen Raum.
In einem kleinen Städtchen fragten wir uns mal wieder nach dem Weg zum Dorfchef durch und man fragte uns immer, ob wir zum Fon wollen. Wir hielten "Fon" halt für eine dort gebräuchliche Bezeichnung für "Dorfchef" und antworteten immer mit "ja".
Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten ... ein Fon ist ein einflussreicher Stammeskönig und von denen gibt es nur etwa ein Dutzend(?) im Land.

Etwas außerhalb des Städtchens erreichten wir das Gelände und wirkten wohl etwas unentschlossen. Wir liefen einem Diener des Fons in die Hände und er fragte uns nach unserem Anliegen. Wir erklärten ihm, dass wir einen Platz zum Zelten suchen. Er wollte zur Überprüfung meinen Pass und damit verschwand er dann in das Anwesen. Nach längerer Zeit kam er zurück und meinte, ich solle im folgen. Mein Reisepartner passte derweil auf Räder und Gepäck auf.
Ich lief hinter dem Diener her durch den Eingangsbereich, in dem ein angeketteter Affe rumlief. Dann kamen wir in einen Innenhof, in dem der Fon in einem Leopardenfellmantel mit passender Hose und einem Regierungsstab saß, neben ihm sein Berater. Der Diener machte einen tiefen Bückling und zog sich wieder zurück.
Nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, wollte der Fon auch meinen Begleiter sehen. Ich bin also raus und habe ihn geholt, während der Diener auf unsere Sachen aufpasste.
Dann haben wir etwas zu trinken bekommen und anderthalb Stunden mit dem Fon und seinem Berater gequatscht und ein Fotoalbum gezeigt bekommen, in dem der Fon mit wichtigen einheimischen und ausländischen Politikern zu sehen war.
Dann durften wir unsere Zelte auf dem Gelände des "Fon's Pallace" aufbauen und sind mit dem Sohn des Fons und 3-4 Freunden von ihm in die nächste Dorfkneipe gezogen, um Palmwein zu trinken. Der Diener musste derweil auf unsere Sachen aufpassen und saß noch vor den Zelten, als wir in der Nacht zurück kamen.

Am nächsten Morgen kam der Fon dann an unsere Zelte und fragte, wie lange wir zum Packen benötigen, da er uns ein Frühstück bereiten lassen wolle. Dann gabs Reis und Yam und Kochbananen, Hähnchenschenkel, Sauce, Mineralwasser und französischen Rotwein. Danach ließ sich der Fon von einem Diener mit uns fotografieren und auch wir konnten einige Fotos machen.
Auf den beiden unteren auf http://home.arcor.de/bikeafrica/kamerun/fotos/7/f-foto.htm ist er zu sehen.

Zum Abschied nahm er eine Visitenkarte, schrieb seine Handynummer drauf und gab sie seinem Berater, der sie mir überreichte. Er meinte, wenn wir irgendwo in Kamerun Probleme hätten, sollten wir ihn anrufen. Er kenne überall wichtige Leute, die uns dann weiterhelfen würden. Ich legte die Visitenkarte in den Reisepass.

Fortsetzung folgt ...
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7'296 Beiträge · seit 200606. Jan. 2010 · #49
... Tage später in einem etwas größeren Dorf gab es eine Polizeistation. Wir fragten, ob wir gegenüber die Zelte aufstellen und die Nacht verbringen dürften, was uns vom Polizeichef problemlos erlaubt wurde.

Etwa 50 Einheimische standen im Kreis um uns herum und verfolgten jeden Handgriff. Ein modernes Zelt hatten sie offensichtlich noch nie gesehen.

Als wir fertig waren, zitierte uns der Polizeichef in sein Büro. Ich folgte ihm, während mein Reisepartner auf unsere Sachen aufpasste.

Der Polizist wollte "aus Sicherheitsgründen" unsere Pässe über Nacht einbehalten und ich wollte das nicht, weil ich keine Lust hatte, sie am nächsten Morgen gegen eine "Aufbewahrungsgebühr" mit "Phantasie-Zuschlag" zurückkaufen zu müssen. Ich habe eine gute halbe Stunde mit ihm rumdiskutiert und wollte gerade aufgeben und ihm die Pässe überreichen, nahm aber zuvor die Visitenkarte des Fons an mich. Als der Polizist die Karte sah, war er plötzlich sofort einverstanden, dass wir die Pässe behalten können.

Man muss nur die richtigen Leute kennen ... 😉

Gruß
Wolfgang
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351 Beiträge · seit 200802. Feb. 2010 · #50
Hallo,

zur Abwechslung wieder mal etwas aus Kindermund.
Im März 2009 haben wir uns auf den Weg zur White Lady aufgemacht. Nur vage konnte sich unser kleiner Marius vorstellen was mit White Lady eigentlich gemeint ist und was ihn dort erwarten wird. Wir haben unseren Landy also am Parkplatz vor den Eingang abgestellt und uns auf den Weg gemacht. Da es um die Mittagszeitszeit war und die Sonne herunterbrannte stand uns und unserem Kleinen ein beschwerlicher und sehr, sehr langer Fußmarsch bevor. Er war schon sichtlich geschafft als wir die Felsmalereien endlich erreichten. Aber für ihn war jetzt auch vollkommen klar, woher dieser Ort seinen dubiosen Namen hat und stolz und voll innerster Überzeugung klärte uns der 5-Jährige auf: "Weil es so ein weiter Weg hierher ist heißt dies alles hier also Weit-Lady!"




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