Hallo zusammen,
vorab gleich eine Bemerkung: wenn in diesem Post das eine oder andere o fehlen sollte, liegt das an meiner Tastatur, die den besagten Buchstaben mir zunehmend vorenthält.
Ich bin durchaus positiv überrascht, dass Michael eine Antwort auf eine meiner Fragen gegeben hat - die wesentlichere Antwort steht aber noch aus (siehe Quo Vadis - Thread). Aber es ist vielleicht ein Anfang, hier auch mal eine wirkliche Diskussion mit ihm zu führen.
Komme ich jetzt zu dem Posting. Es ist ein Beispiel dafür, dass viele Aussagen vermeintlich stimmen - darauf legt Michael auch immer viel Wert und das ehrt ihn - die Folgerungen daraus aber weitaus schwieriger zu ziehen sind. Kleiner Exkurs: es besteht also nicht ein objektiver Zusammenhang aus Tatsachen und daraus abgeleiteten Aussagen, diese sind wiederum sehr subjektiv geprägt. Die Anhäufung von "objektiven" Fakten mit nahezu gleichem Inhalt führt m.E. nicht zwangsläufig zu einer Unterfütterung der daraus abgeleiteten eigenen Position. Kleiner Exkurs Ende.
Yoshikawa schrieb:Voran stellen möchte ich diesem Beitrag, dass ich hohe Achtung für jeden empfinde, der durch eigene Tätigkeit oder Spenden dafür sorgt, die Not von Menschen zu lindern, wo immer die sich auf der Welt auch befinden mögen.
Allerdings sind diese Handlungen immer in mehr oder weniger durchschaubare Rahmenbedingungen eingebunden, die durch den einzelnen Spender auch nicht beeinflussbar sind. So sehr man dies auch bedauern mag, es gibt mehr und mehr Situationen, in denen gut gemeinte Hilfe letztendlich das Gegenteil von dem bewirkt, was sie eigentlich sollte.
Man sollte nicht die Rahmenbedingungen vorschieben, die es verhindern, dass meine Hilfe bei denen ankommt, denen ich es zugedacht habe. Das ist eine leichte und auch häufig verbreitete Ausrede, nichts zu tun. Ähnlich könnte ich auch meine Rolle als Wahlbürger in der Demokratie sehen: kann ich mit meiner Stimme das bewirken, was meinen Wünschen entspricht? Wenn ich zu einer negativen Antwort komme, lohnt es sich also nicht mehr, zu wählen - diese Tendenz haben wir seit Jahren nicht nur in Deutschland. Wenn jeder Einzelne so denkt, wählen nachher nur noch Diejenigen, die vom aktuellen System profitieren und es beibehalten wollen - und/oder es kommt zu einer Radikalisierung des Wählerspektrums, wenn dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu groß wird. Aber ich komme hier zu weit vom Thema ab.
Anja hat einen Weg aufgezeigt, wie sie Menschen ganz konkret persönlich hilft. Nicht jede(r) hat ein B&B in MOZ und kann direkt unterstützen. Ein gutes Beispiel dafür, dass Weisse (ich nehme mal an, dass Anja diese Hautfarbe besitzt) die Schwarzen nicht allein lassen und ihr Land besetzen wollen, wie Mugabe es propagiert.
Es gibt immer mehr private Initiativen, zumindest habe ich den subjektiven Eindruck, die an die Seite der Hilfe durch staatliche Entwicklungshilfepolitik und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) treten. Klar ist die "konventionelle" Art der Hilfe, da sie volumenmäßig größer ist und damit ein stärkeres Gewicht hat, im Focus der Regierungen in den Entwicklungsländern - sie können damit sich persönlich bereichern oder auch Stimmung in der Bevölkerung machen oder Wählerstimmen "kaufen" wie in Zimbabwe geschehen, das ist alles richtig und nicht wegzudiskutieren. Aber reichen diese Argumente, um staatliche Hilfe komplett einzustellen? Offensichtlich werden an die Hilfen immer mehr Bedingungen gestellt, wie in einem meiner Postings von einem Geschäftsmann aus Zimbabwe beschrieben. Dies aber führt dazu, dass China sich nahezu ungehindert auch in Afrika einkauft. Das Thema ist also weitaus komplexer, man könnte es auch noch weiter spinnen, ganz zu Ende denken ist doch überhaupt nicht möglich.
Ich denke, die überwiegende Mehrheit wird mir zustimmen, dass es nicht genug staatliche bereit gestellte oder privat gespendete Sach- und Finanzmittel gibt, allen Not leidenden Menschen auf der Erde zu helfen. Daraus folgt im Umkehrschluss auch, dass nicht nur die Menschen, die gar nicht spenden, den Tod von unschuldigen Menschen hinnehmen, sondern dass auch die Menschen, die Gutes tun, gleichartig handeln. Sie nehmen den Tod derjenigen in Kauf, für die sie nicht spenden. Wohlgemerkt: Dies ist keine moralische Bewertung, sondern ausschließlich eine Ursache-Folge-Betrachtung!
Es gibt durchaus mehrere Untersuchungen mit ähnlichem Aussagegehalt, die belegen (wollen), dass genügend Ressourcen (Geld wie Lebensmittel und Wasser) weltweit vorhanden sind, um die Menschen vor der gröbsten Armut zu bewahren, habe dazu auch schon mal etwas geposted. Erwähnt sein sollen hier die USD 50 Mrd., die die G8 bis 2010 zugesagt haben - aber nicht zahlen (wollen), typischer Fall von Populismus - aber auch Privatinitiativen wie die Stiftung von Bill & Melinda Gates (
http://de.wikipedia.org/wiki/Bill_%26_Melinda_Gates_Foundation), die einen nicht unbeträchtlichen Teil in die Aidsforschung stecken - weil ihm vermutlich die Forschungsmittel (staatlich wie auch privat von den Pharmaunternehmen) nicht ausreichen. Und da hauptsächlich die Armen von Aids betroffen sind, kommt es Ihnen auch hoffentlich bald entscheidend zugute - ebenso wie vielleicht irgendwann die Malaria eingedämmt werden kann.
Die darauffolgenden Sätze des Postings befremden mich. Was ist das für eine Logik? Weil ich mit meiner Hilfe nur wenigen helfe, bin ich für den Tod aller anderen mit verantwortlich? Aber da hat Anja mit dem Hinweis auf Moliere schon die passende Antwort gegeben.
Wenn man sich nun die Situation in Zimbabwe oder in Darfur betrachtet, so kann man dort eine neue Qualität der Unterdrückung, aber auch ihrer Finanzierung bzw. Aufrechterhaltung erkennen. Ein erklecklicher Anteil der internationalen Spenden wird nämlich von den Machthabern abgezweigt, um die eigene Soldateska zu füttern und durch Verkauf des dafür nicht benötigten Rests einen Teil des eigenen Kriegs- oder Unterdrückungsaufwands zu finanzieren.
In solchen Situationen führt jede gut gemeinte Spende dazu, dass einigen Wenigen, deren Auswahl der Spender gar nicht beeinflussen kann, geholfen wird, dass aber die Unterdrückungssituation sich für alle betroffenen Menschen verlängert. Die ursprüngliche Intention des Spenders wird dadurch in ihr Gegenteil verkehrt.
Dazu habe ich im Posting schon weiter oben etwas geschrieben, ergänzend ein Punkt. Es mag sein, dass sich die Unterdrückungssituation verlängern mag, aber direkte Lebensmittelhilfe ermöglicht es etlichen Menschen überhaupt erst, in diesem Land zu überleben. Oder ist dieses Leben nicht mehr lebenswert?
In Zimbabwe ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, in dem man nicht mehr Geld für Lebensmittel spenden sollte, sondern 100 US$ für eine Kalaschnikow nebst Munition, damit sich die geknechteten, von Folter und Mord bedrohten, Menschen wehren können.
Müssen es zwangsläufig die Zimbabwer sein, die ihr eigenes Regime stürzen sollen? Ist nicht auch die Staatengemeinschaft gefordert, zu allererst die afrikanische, aber auch der Rest der Welt durch wirksame Embargopolitik inkl. Einfrieren des Privatvermögens? Aber Mugabe kommen immer mehr Unterstützer abhanden, offensichtlich hat er zur Ausübung von Gewalt Söldner im Land, die wieder verschwinden dürften, sobald er nicht mehr zahlen kann.
Es fühlt sich gut an, die Spendenüberweisung in dem Bewusstsein, abzuschicken, etwas Gutes getan zu haben.
Es geht doch nicht nur um Geldspenden. Schade, dass sich "Gutmenschen" schon für ihre Initiativen rechtfertigen müssen vor Denen, die tatenlos zusehen und ggf. noch draufhauen.
Man sollte es aber nicht dabei belassen, sondern den Prozess bis zum Ende durchdenken.
Dann weißt Du mal wieder mehr als viele Andere. Aber die Welt ist noch ein wenig komplizierter/komplexer, als Du sie uns hier zeigen willst.
Und, um eine Frage gleich vorweg zu beantworten: Nein, ich spende kein Geld für Afrika. Meine mir möglichen finanziellen Beiträge bleiben im Inland, der Löwenanteil bleibt in meiner Heimatregion.
Gruß, Michael
Das zeigt, dass Du offensichtlich doch ein Herz hast, aber es nicht an alle verschenkst/verschenken kannst/willst. Dazu ein Zitat aus dem aktuellen Kinofilm "Happy Go Lucky": Du kannst nicht die ganze Welt lieben - das Dir in dem Punkt Recht gibt 😉 Du erinnerst mich aber ein wenig an den Taxifahrer Scott.
Viele Grüße,
Volker
PS: Ich warte immer noch auf eine Antwort zu einer anderen Frage