Malawi – Schnipsel einer Radreise

54 Antworten · 2'458 Aufrufe · gestartet 28. März 2026 von BikeAfrica
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Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200628. März 2026 · #1
Moni onse (was so viel heißt wie „hallo zusammen“ auf Chichewa, der dortigen Landessprache),

ich arbeite eine weitere Reise aus der Vergangenheit in Form eines Reiseberichts auf und nach zwei Berichten von Reisen auf anderen Kontinenten geht es diesmal wieder irgendwo durch den „Schwarzwald“, also durch Afrika.

Wie auch ihr vielleicht nicht wisst, hieß Malawi bis 1964 Njassaland und gehörte zur Föderation Rhodesien und Njassaland. Kurz nachdem Njassaland unabhängig wurde und seitdem Malawi heißt, folgte noch im gleichen Jahr Nordrhodesien und wurde zum heutigen Zambia. Südrhodesien hieß nun Rhodesien und wurde 1980 zu Zimbabwe.

Malawi liegt im nordöstlichen Südafrika. Die Ostafrikaner sagen, es liegt im südlichen Ostafrika und die Einwohner selbst sprechen vom südöstlichen Zentralafrika. Malawi ist ein Land, wo kein Ort mehr als 7 km von einem anderen entfernt ist. Warum das so ist, müssen auch wir erst noch lernen.

Da mein Reisetagebuch verschollen ist, werde ich etwas improvisieren und einzelne Erlebnisse und Begegnungen nicht immer in chronologischer Reihenfolge herausgreifen, bei denen Ort und Reihenfolge aber völlig belanglos sind. Es sind aber Erlebnisse dabei, die „normale“ Touristen eher selten bis gar nicht erleben werden und vielleicht gerade deshalb könnte es für einige von euch interessant sein. Für Leute, die Unterkunftstipps und Infos zu sog. „Highlights“ suchen, wird es wohl eher ödes Brachland.

Der Bericht hat wenige Bilder, aber eines kommt mal vorab. Der Name der Dorfkneipe beschreibt die Zustände im Land schon ganz gut.

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Gruß
Wolfgang
889 Beiträge · seit 201728. März 2026 · #2
Man sagt doch Reisen bildet - Reiseberichte lesen ebenfalls !
Zitierenzuletzt bearbeitet 28. März 2026Original ↗
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200628. März 2026 · #3
Makra schrieb:Man sagt doch Reisen bildet - Reiseberichte lesen ebenfalls !

Ich finde es persönlich wichtig, etwas über den Hintergrund und die Bedingungen im Reiseland zu wissen. Da ich oft sehr spontan reise, kommen die Infos erst unterwegs über Gespräche mit Einheimischen oder hinterher durch Recherchen. Aber ich reise nicht mit rosaroter Brille.

Ich habe seit über 14 Jahren drei afrikanische Patenkinder aus drei Ländern, die zu den ärmsten Ländern der Welt gehören. Malawi ist eines davon.

Gruß
Wolfgang
6'360 Beiträge · seit 201129. März 2026 · #4
Hoi Wolfgang

Na wenn unser kleiner Strampler in Afrika unterwegs ist setz ich mich doch gern auf den Gepäckträger...Hü, strample, Wolfgang, strample! 😛 😉 😎
1'929 Beiträge · seit 201129. März 2026 · #5
Bin schon sehr gespannt, Wolfgang.

Liebe Grüße
Solitaire
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200630. März 2026 · #6
Die Idee zur Reise entstand wie so oft sehr kurzfristig. Ursprünglich sollte es in die Atacama-Wüste in Chile gehen und ich hatte eine Reisepartnerin, mit der ich mich vorher auch getroffen hatte und die auch etwas Spanisch konnte. Unglücklicherweise hatte sie etwa drei Wochen vor Reisebeginn einen Fahrradunfall mit kompliziertem Armbruch, der eine OP erforderte. Ohne Spanischkenntnisse wollte ich nicht alleine durch Chile und überlegte mir was Neues. Malawi sollte es spontan werden.

Ich setzte ein Reisepartnergesuch in das damals noch bestehende Forum des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter. Dieses Forum war nicht besonders stark frequentiert, aber qualitativ sehr gut, weil alle dort die gleiche Art des Reisens bevorzugten – also spontan drauflos und nicht jede Unterkunft monatelang im Voraus buchen.

Ich bekam eine Nachricht von Thomas und wir telefonierten. Die Zeit reichte nicht mehr für ein Treffen vorab, da wir 400 km voneinander entfernt wohnten. Wir sprachen kurz darüber, dass sich jeder zutraut, alleine weiterzureisen, falls es nicht harmoniert und man sich trennen müsste und dann buchte ich die Flüge – einmal von Frankfurt und einmal von München nach Amsterdam, wo wir uns dann vor dem Langstreckenflug erstmals sahen.

So gings los und in Kürze geht’s weiter.

Gruß
Wolfgang
785 Beiträge · seit 200830. März 2026 · #7
Hallo Wolfgang,


ich freue mich auf deinen Bericht, wird bestimmt spannend mal eine völlig andere Art des Reisens kennenzulernen!


Viele Grüße

Markus
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200630. März 2026 · #8
Auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam begegnen wir uns irgendwo im Terminal und einer spricht den anderen auf Verdacht an, weil wir beide jeweils eine Fahrradpacktasche als Handgepäck haben. Treffer. Wir haben uns zufällig gefunden und gehen gemeinsam zum Check-In.

Der Flug verläuft unspektakulär, aber das Gepäck von Thomas ist nicht dabei. Grande Malheur de Kack. Sein Fahrrad ist mitgekommen, aber Zelt und Klamotten fehlen.

Ein Taxi bringt uns zur Backpackerunterkunft mit Campingplatz (ich glaube, es war das Mabuya Camp) in der Hauptstadt Lilongwe. Die Kartons mit den Fahrrädern bindet der Fahrer etwas abenteuerlich aufs Autodach. Man ist von der Unterkunft in 15 min zu Fuß in der Stadtmitte, aber dennoch liegt es sehr ruhig in einer Seitenstraße. Während ich im Zelt übernachte, hat sich Thomas ein Zimmer genommen.

Am Abend sitzen wir zusammen im Außenbereich der kleinen Bar, als Thomas irgendwann meint: „Schau mal nach oben“. Zwei Meter über unseren Köpfen laufen Ratten emsig hin und her und stören sich überhaupt nicht daran, dass Leute in so kurzer Entfernung sind.

Später am Abend spiele ich mit einem Angestellten noch eine Partie Bao Game. Das ist ein in vielen Ländern Afrikas beliebtes Mancala-Spiel, das es in etwa 60 Varianten mit unterschiedlichen Regeln und Namen gibt. In Malawi nennt man es auch Bawo, in Namibia Owela. Das Spiel kann einen sehr komplexen Verlauf nehmen. Auf Zanzibar habe ich mal mit einem Einheimischen eine Partie gespielt, die zwei Stunden dauerte.

Am nächsten Morgen fährt Thomas nach dem Frühstück mit dem Taxi zum Flughafen. Sein Gepäck ist immer noch nicht da. Wir gehen in die Stadt, da Thomas bei dem schwülheißen Wetter gerne mal frische Klamotten anziehen möchte. Das ist gar nicht so einfach, da Thomas etwa 1,90 m groß ist und die Malawier im Normalfall eher um einiges kleiner sind. Das sorgt auch im Laufe der Tour dafür, dass er sich fast täglich an einem Vordach oder beim Betreten einer Hütte den Schädel anschlägt.
Irgendwo werden wir fündig und finden ein Hemd in passender Größe. Es trägt sich so angenehm, dass Thomas während der ganzen Tour fast nichts anderes anhat, außer wenn das Hemd nach dem Durchwaschen trocknet.

Am zweiten Tag ist sein Gepäck dann endlich mitgekommen und die Reise kann beginnen.

Gruß
Wolfgang
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200630. März 2026 · #9
Als Info vorab noch ein paar Zahlen, damit man sich besser auskennt (Zahlen aus der Reisezeit).
Malawi gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Der durchschnittliche Monatsverdienst beträgt etwa 17 Euro, aber die Preise im Supermarkt sind fast wie bei uns. Aufgrund von AIDS ist die durchschnittliche Lebenserwartung auf 37 Jahre gesunken. Unter den AIDS-Opfern sind auch etliche Lehrer. Um die vielen Kinder überhaupt noch unterrichten zu können, sind die Klassengrößen riesig und es wird im Zweischichtbetrieb unterrichtet. Die Hälfte der Kinder geht morgens zur Schule, die andere Hälfte am Nachmittag.

Heutzutage sieht die Situation glücklicherweise besser aus. AIDS konnte eingedämmt werden und die Lebenserwartung ist wieder auf ca. 70 Jahre gestiegen. Der monatliche Durchschnittsverdienst gehört mit etwa 40 Euro aber immer noch zu den geringsten weltweit. Wer selbst durch Malawi reist, sollte dies im Hinterkopf haben und nicht unangemessen mit Trinkgeld um sich werfen.

Kinder in Malawi gehen durchschnittlich fünf Jahre zur Schule. Der Großteil der Menschen lebt von Handwerk oder Landwirtschaft. Wer Glück hat, findet etwas in der Tourismusbranche.

Jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann hier als Arzt oder Heiler wirken. Man befestigt eine etwa 4 m lange Holzstange am Dach seiner Hütte und befestigt ein Stück farbigen Stoff daran - fertig ist die Arztpraxis. Die Farbe des Stoffes zeigt das Fachgebiet an. So gibt es z.B. Farben für Hebammen, Naturheiler, Allgemeinärzte, Zahnärzte. Keiner von ihnen hat eine wirkliche Ausbildung, sondern gibt das Wissen von einer Generation zur nächsten weiter. Ärzte, wie wir sie kennen, gibt es nur in den größeren Städten.

Ähnlich wie in Äthiopien und Ghana gibt es auch in Malawi viele Rasta-Anhänger. Wegen meiner vergleichsweise langen Haare werde ich von Rastas oft als einer von ihnen begrüßt, während ich in Zambia täglich als Jesus angesprochen wurde.

An Spielzeug haben Kinder nur das, was sie sich selber bauen. Das sind oft Autos aus Draht mit funktionsfähiger Lenkung, aber hier sind auch andere Varianten möglich. Hier mal eine Auswahl von selbstgebautem Kinderspielzeug. Die Fotos stammen nicht nur aus Malawi, sondern auch aus Tanzania, Rwanda, Namibia, Ghana, Sierra Leone und Guinea-Bissau. Die Situation für Kinder ist ja überall gleich …

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Gruß
Wolfgang
443 Beiträge · seit 201131. März 2026 · #10
Hallo Wolfgang,
es fängt gut an und ich freue mich auf die Fortsetzung. Wann war denn diese Malawireise?
Gruß NamiBilly
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200631. März 2026 · #11
NamiBilly schrieb:Wann war denn diese Malawireise?

Da mein Reisetagebuch verschollen ist, weiß ich es nicht ganz genau, aber es müsste 2007 oder 2008 gewesen sein und zwar in der Vorweihnachtszeit. In den Supermärkten (klein, aber in jeder Kleinstadt vorhanden) lief in Endlosschleife "Jingle Bells" als Instrumentalversion von einem billigen Synthesizer. 😉

Gruß
Wolfgang
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200631. März 2026 · #12
Aus Lilongwe raus geht es bald einige Kilometer bergauf. Wir machen kurze Pause in einer kleinen Bretterbude am Straßenrand bei Tee und trockenem Weißbrot. Licht fällt nur durch die offene Tür in die fensterlose winzige Hütte. Thomas meint, er denke gerade an seine Kollegen und fügt hinzu: „Niemand von denen wäre hier jemals reingegangen“.

Später holen wir uns an einer Tankstelle eine kalte Cola und stellen uns einen Moment in den Schatten. Ein Bettler kommt auf uns zu und wird von einem Security-Mann vom Gelände verwiesen. Er fängt an zu diskutieren und wir merken, dass er offenbar geistig eingeschränkt ist. Der Security-Typ zieht ihm kurzerhand ein paar mit dem Schlagstock über und entschuldigt sich dann bei uns dafür, dass wir belästigt wurden.
Die Aktion war unnötig. Das hätten wir auch gewaltfrei hinbekommen, ohne dass der arme Kerl mit einer Platzwunde am Kopf abzieht. Wir wissen natürlich nicht, was hier evtl. in der Vergangenheit vorgefallen ist.

Wir übernachten irgendwo unspektakulär bei Salima.

Gruß
Wolfgang
229 Beiträge · seit 202231. März 2026 · #13
Ich hock mich bei dir vorne auf den Lenker, wenn's recht ist. Da sieht man mehr.
Adrian
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200631. März 2026 · #14
Am nächsten Tag ist es eine kurze Etappe bis Senga Bay am Malawisee. Um die Mittagszeit sind wir dort und finden eine Unterkunft namens Cool Runnings. Es ist ein kleiner Campingplatz direkt am Ufer, aber es gibt auch feste Hütten.

In der Toilettenschüssel lebt ein kleiner Frosch, der offenbar auf Moskitos lauert. Er versteckt sich immer oben unter dem Rand, wird aber bei jedem Spülvorgang vom Wasser nach unten gerissen.

Die Besitzerin des Geländes ist eine Amerikanerin, die in ihrer Freizeit an ihrem Chevy-Pickup aus den 70ern schraubt. Teilweise sitzt sie dabei sogar im Motorraum. Wahrscheinlich ist sie zu klein, um von der Seite an die Mitte des Motorraums zu gelangen.

Die Küche ist begrenzt. Es gibt jeden Abend ein Gericht zur Auswahl. Entweder wählt man es oder man lässt es bleiben. Man muss es bis mittags vorbestellen und es wird zu einer festen Uhrzeit serviert.

Für den nächsten Tag buchen wir eine Bootstour zur nahe gelegenen Insel Lizzard Island.

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Hier gibt es eine kurze Wanderung über die sehr kleine Insel, aber Hauptpunkt ist Schnorcheln vor der Insel. Hier leben Buntbarsche, von denen einige Arten nur im Malawisee vorkommen. Buntbarsche gehören zu den sog. Maulbrütern. Sie begleiten die Jungfische auch noch nach dem Schlüpfen und bei Gefahr öffnen sie ihr Maul und bieten dem Nachwuchs darin Schutz, bis die Gefahr vorüber ist. Die Natur bietet immer wieder Überraschungen.

Die traditionellen Einbäume der Malawier haben eine ungewöhnliche Form. Der ausgehöhlte Bereich in der Mitte ist nur für die Beine gedacht. Die Leute selbst sitzen dabei auf dem Rand des Bootes, wodurch das insgesamt eine sehr instabile Lage ergibt. Von einem Deutschen, der in Malawi Freiwilligendienst leistet, erfahre ich, dass er mal versucht habe, mit so einem Boot zu fahren. Mehr als wenige Sekunden habe er nie geschafft, bevor er mit der ganzen Fuhre umkippte und im Wasser lag.
Das Brett am vorderen Ende des Bootes ist dafür gedacht, beim nächtlichen Fischfang Lampen daran zu befestigen, um die Fische anzulocken.

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Gruß
Wolfgang
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200631. März 2026 · #15
Am Nachmittag kommen wir an einer Chibuku-Bar vorbei und kehren kurz ein. Thomas kennt Chibuku nicht und ich finde, Thomas könne mit dieser Wissenslücke ja schließlich unmöglich aus Malawi zurückkehren.

Chibuku ist ein Bierersatz aus Sorghum-Hirse und man bekommt es in keinem Supermarkt, sondern fast ausschließlich in solchen Chibuku-Bars, in denen es keine anderen Getränke gibt. Es kostet einen Bruchteil normalen Bieres und gilt daher als Getränk der einfachen Bevölkerung. Einige einfache Dorfkneipen auf dem Land bieten es auch parallel zu Bier und Cola an und wenn man sich auf einem Markt durchfragt, kann man auch mal einen Händler finden, der es unter der Hand verkauft. Chibuku sieht ungefähr aus wie Trinkjoghurt mit Bröckchen drin und wenn man es verschüttet, sieht es etwa so aus, als habe sich da jemand übergeben.
Thomas reicht der erste Schluck. Er findet es ziemlich übel. Ich habe auf meinen Touren in Ostafrika überhaupt nur noch einen Weißen getroffen, der das Gebräu trinken konnte. Selbst ein Afrikaner hat mich mal überrascht angesprochen und gemeint, wenn er davon auch nur einen Becher trinke, hätte er innerhalb von 10 min Durchfall.

Noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte:
Auf dem Malawisee (damals noch Njassasee) fand auch die wohl erste „Seeschlacht“ des Ersten Weltkriegs statt, zumindest aber die skurrilste.
Njassaland war damals britische Kolonie und im Norden grenzt Tanzania (damals Deutsch-Ostafrika) an den See. Beide Länder hatten je ein bewaffnetes Dampfschiff auf dem See und die Besatzungen beider Schiffe besuchten sich jahrelang regelmäßig. Als am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfuhren die Briten in Njassaland am 4. August per Telelegramm davon. Sie bekamen raus, dass das deutsche Schiff wohl zur Reparatur im damaligen Sphinxhafen lag. Sie starteten am 13. August und erreichten den Hafen am folgenden Morgen, wo sie begannen, das deutsche Schiff zu beschießen. Der deutsche Kapitän kam ihnen mit einem Ruderboot entgegen und beschwerte sich. Daraufhin wurde er vom britischen Kapitän informiert, dass Krieg ausgebrochen sei (die Deutschen wussten davon nach über zwei Wochen seit Kriegsbeginn noch nichts) und wurde festgenommen. Ab dem 14. August wusste man es nun auch in Deutsch-Ostafrika.
Die Briten entfernten das Bordgeschütz und wichtige Maschinenteile, so dass das Schiff unbrauchbar war.

Aus dieser Epoche zeige ich euch auch mal einen Geldschein aus Deutsch-Ostafrika. Aus Njassaland habe ich leider keinen, da die sehr schwer zu bekommen sind. Ein Geldschein mit Beschriftung auf Deutsch und Swahili und der Währung „Rupie“ dürften aber auch nur wenige von euch bisher gesehen haben.

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Gruß
Wolfgang
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200601. Apr. 2026 · #16
Wir fahren am nächsten Tag Richtung Süden. Die Asphaltstraßen im Land sind überraschend gut. Es ist eben und geht recht flott voran. Es ist morgens um 11 Uhr schon 38 Grad im Schatten, aber wir sind natürlich nicht so blöd, bei diesen Temperaturen auch noch in den Schatten zu gehen.
Viel zu heiß dort.

Die Temperatur bleibt über den Tag stabil, aber am Nachmittag zieht ein Gewitter auf. Wir sehen zu, dass wir rechtzeitig das nächste Dorf erreichen und eine Unterkunft finden, denn Gewitter mit dem Fahrrad ist echt doof. Das war mir Jahre zuvor schon mal am Rande der Namib passiert, als ich mitten in ein Gewitter geriet. Die Blitze schlugen um mich herum ein und ich sah im Geiste schon die Schlagzeile der Zeitung: „Radfahrer in Wüste vom Blitz erschlagen“. Ich konnte förmlich schon die Druckerschwärze riechen.

Wir finden eine ganz einfache Unterkunft und sie haben noch zwei freie Zimmer. Es sind einfache Bretterbuden und es gibt auch keine Toiletten. Wer auf Toilette muss, findet davor ein freies Fleckchen am Straßenrand mit etwas Sichtschutz zur Straße hin.
Direkt anschließend und zur Unterkunft gehörend befindet sich ein kleiner Bretterverschlag, der als Bar oder Kneipe dient.

Die Temperatur ist innerhalb weniger Minuten von 38 auf 27 Grad im Schatten abgesunken und wir sind zuvor durch die Sonne geradelt. Vor wenigen Tagen stand ich zuhause morgens noch bei Frost im T-Shirt am Auto und habe die Scheiben freigekratzt und jetzt muss ich mir bei 27 Grad einen Fleecepulli überziehen, weil mir kalt ist. Das hätte ich mir nie vorstellen können.

Wir setzen uns in die Baracke und bestellen einen Gerstenvollkornsprudel. Viele Alternativen gibt’s hier im Dorf ja nicht, zumal es inzwischen wie aus Eimern schüttet und es noch zu früh zum Schlafen ist. Wir sitzen noch nicht lange, als zwei Polizisten erscheinen, sich zu uns an den Tisch setzen und ebenfalls ein Bier ordern. Sie hauen sich ihr Bier in den Hals und bestellen eine Runde nach der anderen, als gäbe es kein Morgen mehr. Mir wird es irgendwann zu viel, verabschiede mich und lege mich schlafen.

Irgendwann in der Nacht weckt mich meine Blase, da das Bier wieder an die frische Luft möchte. Schlaftrunken öffne ich die Tür und stoße in der Dunkelheit fast gegen etwas. Man hat hier am Abend ein Rind geschlachtet, in Viertel zerteilt und unter den Vordächern aufgehängt. Ein Rinderviertel haben irgendwelche Vollhonks genau vor meine Tür gehängt, obwohl es links und rechts auch andere Stützbalken des Vordachs gegeben hätte.
Die haben doch wirklich einen nicht unerheblichen Fehlbestand im Aufbewahrungsmobiliar für Heißgetränkgefäße.
Wäre ich dagegen gelaufen, wäre ich vom Gesicht abwärts blutverschmiert und hätte mich mangels Wasser nicht mal waschen können.
Afrika …

Morgen geht es zum Liwonde Nationalpark und dann gibt es auch wieder Fotos.

Gruß
Wolfgang
229 Beiträge · seit 202201. Apr. 2026 · #17
"Auf dem Malawisee (damals noch Njassasee) fand auch die wohl erste „Seeschlacht“ des Ersten Weltkriegs statt, zumindest aber die skurrilste."
Interessante Geschichte. 👍
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200602. Apr. 2026 · #19
Entlang der Straße verkaufen ein paar Kinder Mangos. Eigentlich ist das Quatsch, denn hier stehen überall Mangobäume und alle hängen voll mit Mangos. Die Äste hängen tief genug, dass man sie aus dem Stand pflücken kann. Wir finden es aber gut, dass die Kinder nicht betteln, sondern auf ehrliche Art Geld verdienen möchten und wollen das unterstützen. Wir fragen, was sie kosten sollen und sie nennen uns umgerechnet 10 Cent. Wir geben ihnen das Geld und erhalten dafür nicht eine Mango, sondern gleich zwölf.

Jeder von euch, der schon mal zwölf Mangos auf dem Fahrrad transportiert hat, kann sich bestimmt gut daran erinnern, wie diejenigen aussahen, die man nach zwei Tagen noch nicht gegessen hatte und einen Teil der Strecke über Piste ging. Die anderen können es sich vielleicht vorstellen. Wem die Vorstellungskraft fehlt, der kann ersatzweise mal ein Rudel Tomaten am Wochenende auf ‚nem Radausflug spazieren fahren. So ähnlich wurde wahrscheinlich Ketchup erfunden. Und Mangochutney …

Wir biegen irgendwann links ab und treffen an der Abzweigung einen einheimischen Radfahrer, den wir fragen, ob das der Weg zum Liwonde Nationalpark sei. Er bejaht es und meint, er würde uns begleiten und den Weg zeigen. Das ist völlig überflüssig, weil es keine weiteren Abzweigungen auf der Piste gibt und ich rechne fest damit, dass er anschließend Geld für seine Arbeit als Guide verlangt, aber das ist unbegründet. Er verabschiedet sich und radelt wieder zurück. Er ist einfach mal 20 km mit uns geradelt, aber vielleicht wohnt er auch in einer der zahlreichen kleinen Siedlungen entlang der Piste und wäre einen Teil der Strecke sowieso gefahren.

Wir fragen am Eingang des Nationalparks, ob wir mit den Fahrrädern reindürfen. „Sure, no problem“, heißt es.
Damals ritten Cowboys noch auf Dinosauriern, Gummistiefel waren noch aus Holz und Radfahrer durften tatsächlich noch in den Nationalpark. Alle drei Dinge haben sich inzwischen geändert.

Wir fahren etwa zwei Kilometer bis zu einem Fluss. Das Camp liegt auf der anderen Seite des Flusses. Ein Boot setzt uns und die Fahrräder über. Ich denke, dieser Parkeingang wird vor allem von Angestellten des Camps benutzt, die im nahe gelegen Dorf wohnen. Autotouristen nutzen meist eine andere Zufahrt zum Park, da sie ansonsten auf angebotene Touren angewiesen wären, denn das Auto muss man logischerweise am Ufer stehenlassen.
Das Camp selbst ist von Palisaden umgeben, was aber eher Deko ist, denn die beiden Zufahrten sind immer offen und haben keine Tore. Der Campingbereich liegt ohnehin außerhalb und wir sind die beiden einzigen Camper. Man belehrt uns, das wir aus Sicherheitsgründen das Camp mit den Rädern nicht verlassen dürften. Zum Verlassen des Parks dürfen wir später wieder mit den Rädern raus, aber zwischendrin nicht.

Wir stellen die Zelte auf, wobei ich meines wegen des guten Wetters und der Windstille nicht richtig abspanne. Am Vorabend unserer Ankunft waren hier Elefanten zu Besuch. Das Foto entstand leider erst vor der Abreise, weshalb die Haufen schon vertrocknet und zerfallen sind.

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Nur 30 Meter entfernt ist das Ufer des Shire Rivers. Hier gibt es zahlreiche Krokodile und jede Menge Flusspferde. Wir achten deshalb darauf, einen grasfreien Bereich zu wählen, damit uns diese gefährlichen und gleichzeitig auch irgendwie dämlichen Tiere nachts nicht in die Quere kommen.

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Wir gehen in das kleine offene Restaurant und essen etwas, sitzen noch zum Quatschen beisammen und schauen auf den Fluss.
Später begleitet uns ein bewaffneter Ranger mit Handscheinwerfer an die Zelte, stellt eine Petroleumlampe davor, damit Tiere rechtzeitig erkennen sollen, dass da jemand ist und erklärt uns, dass wir die Zelte erst wieder verlassen dürfen, wenn es hell wird.

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Gruß
Wolfgang
Themenstarter7'275 Beiträge · seit 200603. Apr. 2026 · #20
Da wir mit den Rädern nicht weiter in den Park dürfen, machen wir am nächsten Tag eine Bootstour auf dem Shire River mit. Außer uns ist noch ein amerikanisches Ehepaar dabei. Der Liwonde Nationalpark ist ein relativ kleiner Park mit nur etwa einem Zwanzigstel der Fläche des Krugerparks oder Etosha, hat aber eine sehr hohe Tierdichte besonders an Flusspferden und Elefanten. Teilweise lebten hier fast zwei Elefanten pro Quadratkilometer, bevor etwa 40% davon ins Nkhotakota Game Reserve umgesiedelt wurden. Im Vergleich dazu sind es pro Quadratkilometer im Krugerpark etwa 0,8 und im kargen Etosha 0,1.

Für Vogelfreunde ist es bei über 400 Vogelarten auch lohnenswert. Das Gebiet mit den Nashörnern ist aus Schutz vor Wilderern gesondert eingezäunt und nur mit Guide besuchbar. In diesem Bereich leben auch die etwa 1.200 Büffel.

Die Elefanten im Park machen einen sehr entspannten Eindruck. Das liegt wahrscheinlich einerseits an der geringen Besucherzahl im Park und andererseits daran, dass der Shire der Ablauf des Malawisees ist und ganzjährig einen stabilen Wasserstand hat. So haben die Tiere keinen Stress, genügend Wasser zu finden.

Die Flusspferde sind weniger entspannt. Das liegt wohl an der Kombination von großer Anzahl und ausgeprägtem Revierverhalten. Einmal taucht ein Flusspferd direkt hinter dem Boot auf und reißt drohend sein Maul auf. Der Guide gibt zügig Gas und sieht zu, dass er Abstand gewinnt.

Die Bootstour ist klasse mit vielen Tierbegegnungen und die Elefanten vom Wasser aus zu erleben, ist wirklich toll.
Leider ist das Fotografieren aus dem schaukelndem Boot schwierig, aber einige Fotos zeige ich trotzdem, um einen Eindruck zu vermitteln. Fast schon witzig ist das Foto mit dem Elefantenbaby, das fast im Gras verschwindet. Und vielleicht kann jemand den Vogel auf dem völlig verwackelten letzten Bild aufgrund seiner auffallenden Farben trotzdem identifizieren?

Gruß
Wolfgang

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