Honduras und Tauchen Roatan 2026 – Eine Reise mit Höhen und Tiefen
Liebes Forum,
Ende Februar und Anfang März waren meine Frau und ich für 2,5 Wochen in Honduras. Davon waren wir 6 Tage auf dem „Festland“ unterwegs und anschließend waren wir noch 8 Tage auf der vorgelagerten Insel Roatan zum Tauchen. Wenn ihr Lust habt etwas von Honduras und von der Unterwasserwelt von Roatan zu sehen, seid ihr herzlich eingeladen.
Wie alles begann.
Es ist ca. 20 Jahre her, als ich bei meinem damaligen Arbeitgeber zu einem für alle Mitarbeiter obligatorischen Kommunikationstraining gehen durfte. Am Anfang mussten alle Mitarbeiter erzählen, was sie unbedingt noch in ihrem Leben machen wollen. Während die meisten meiner Kollegen recht alltägliche und vielleicht auch karriereförderliche Wünsche äußerten, meinte ich, dass ich gerne vor Cocos Island (Isla del Coco) tauchen möchte. Vermutlich fragen sich jetzt Viele das Gleiche wie meine Kollegen damals. Was zum Teufel meint er. Cocos Island gehört zu Costa Rica, liegt ca 800m km nordöstlich von Galapagos und ist bekannt bei Tauchern, da man dort mit großen Haischulen tauchen kann. Schon damals war es teuer, weswegen ich mir den Vorsatz nahm, dies zu machen, wenn ich 50 werde. Da die Zeit bekanntlich nicht stillsteht, kam dieser Zeitpunkt im letzten Dezember. Als ich bei unserem Reisebüro Cocos Island anfragte und sich der Preis sehr schnell in Richtung 10.000€ für eine Woche pro Person bewegte, war klar: Das ist es mir echt nicht mehr wert. Zumal ich mittlerweile tolle Haibegegnungen in meinem Taucherleben hatte.
Da ich aber wegen der 50 dann doch etwas Besonderes machen wollte, suchte ich nach einer Alternative und so kam ich auf Tauchen vor Roatan, was wir schon 2017 machen wollten, dies aber aus verschiedenen Gründen damals bleiben ließen. Unser Reisebüro meinte aber warum macht ihr nicht noch eine Reise durch Honduras dazu, sie hätten da einen guten Tourveranstalter vor Ort. Die angebotene Kompakttour hörte sich gut an und kurz entschlossen buchten wir das Ganze.
Warum der Titel?
Aus Drei Gründen
1. Honduras besteht größtenteils aus Bergen und so war unsere Tour von stetigem Auf und Ab in den Gebirgen geprägt
2. Auch beim Tauchen geht es letztendlich auch runter und wieder hoch 😁
3. Ich hatte, zu mindestens, in der ersten Woche eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Mein Lieblingsautor Terry Pratchett hat es mal sinngemäß so formuliert.
„Wenn aufgrund von Verkettungen verschiedener Ereignisse etwas ausgesprochenes Tolles passiert, sprechen wir schnell von Wundern. Wenn die gleiche Verkettung zu etwas Schlechten führt, spricht niemand mehr von einem Wunder. Eine Sache wird nicht weniger wunderlich, nur weil uns das Ergebnis nicht gefällt. In diesem Sinne haben wir viel Wunderliches erlebt, manchmal hat mir das Ergebnis nur nicht gefallen.
Vorweg: Der Absatz der Anreise ist dann doch deutlich textlastiger geworden, als beabsichtigt, aber bereits da haben wir doch schon einiges erlebt. Wer das überspringen möchte, ab Di 24.02 geht es mit der eigentlichen Reise los
Genug der Vorworte, auf geht es:
Anreise vom So 22.02 bis Mo 23.02
Sonntag in aller Frühe, sprich 5 Uhr, stiegen wir in unser Auto und machten uns auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Da zu der Zeit man nicht wirklich mit Stau oder Problemen auf der Autobahn rechnen muss, kam ich ziemlich entspannt an und stellten das Auto ab. Keine langen Schlangen bei der Gepäckaufgabe, da bei Lufthansa mittlerweile alles über Automaten geht. Nur das reinpfriemeln des Gepäcks in die Gepäckschleusen ist ziemlich umständlich. Der Weg nach Honduras ging leider nur über Houston und so mussten wir uns das Prozedere am Flughafen für Reisen in die USA ergehen lassen, sprich tausendmal wurde kontrolliert, dass du ja diesen einen Aufkleber auf dem Reisepass hast. Der Flug war pünktlich und ich konnte den Flug aufgrund des größeren Sitzplatzangebot von Premium-Economie genießen.
In Houston angekommen ging es zur Immigration. Eine Woche vor unserem Flug gingen ja die geänderten Esta-Bedingungen durch die Presse viral und man konnte mal wieder eine Horror-Story nach der anderen lesen. Was mich dazu bewogen hatte, mein Smartphone gründlich auszumisten. Es war wie so oft, heiße Luft. Der Immigration-Officer war völlig gechillt, machte lustige Sprüche. Wir blieben nur eine Nacht in Houston bevor es am Montag morgen weiter nach Honduras ging, also lediglich eine „Transit“-Übernachtung. Was das Ganze vielleicht auch einfacher gemacht hat. Wir mussten keine Fingerabdrücke abgeben, wir bekamen auch keinen Stempel in den Pass, sondern wurden einfach durchgewunken, nach Beantwortung seiner Fragen.
Eine der Fragen war im Übrigen wer von uns beiden zu Hause der Boss ist: Meine Frau oder ich. Meine Frau wollte schon ansetzten, von wegen Gleichberechtigung, auf Augenhöhe ect. Ich grinste den Officer an, zeigt auf meine Frau uns sagte „she“, was genau das war, was er hören wollte, seinem Grinsen nach zu urteilen. Also Texaner können auch lustig. 😊
Wie alle anderen (auch die echten Transitreisenden müssen das machen) holten wir unser Gepäck, welches erfreulicherweise vollständig ankam. Laut der Homepage hatte unser Hotel einen Shuttle-Service von und zum Flughafen, nur war leider nicht erklärt, wie das nach der Ankunft geschehen soll. Meine Tage zuvor geschickte E-Mail dazu wurde geflissentlich ignoriert. Beim Verlassen des Terminals, erstaunlicherweise, konnten wir niemand mit einem Schild und unseren Namen sehen, vom roten Teppich mal ganz abgesehen, also ging es zum Taxistand.
Mit Fünfzig ist man ja, zugegebenermaßen, nicht mehr so jung. Geistig habe ich zwar manchmal die Reife eines 16jährigen, mein Körper ist dank Sport immer noch fit, aber es sind so die zwischenmenschlichen Dinge, wo ich dann doch plötzlich das Alter merke.
Ich dachte wirklich es reicht aus in ein Taxi zu steigen, das Hotel inkl. Adresse dem Fahrer zu nennen, und dann kann man sich zurücklehnen und die Fahrt genießen.
Denkste! Das Hotel (Homewood Suite by Hilton) war in Flughafennähe und der Fahrer, mit südamerikanischem Akzent, kannte es nicht, gab es deswegen in sein Smartphone ein und scrollte verzweifelt rum. Nach drei Minuten drückt er es mir in die Hand, weil er es nicht finden konnte. Also durfte ich in Maps für ihn das Hotel finden. Zugegebenermaßen nicht so einfach, weil es 5 Hotels mit gleichen Namen aber verschiedenen Adressen gab und auf dem Smartphone leider nur der Name ohne die Adresse in der Übersicht angezeigt wird. Mit Hilfe meiner Frau, die diesmal so schlau gewesen war im Vorfeld zu schauen, wo das Hotel liegt, fanden wir es und es konnte nach 10min endlich los gehen. Es gab mal eine Zeit, da waren Taxifahrer stolz darauf, die Straßennamen in ihrer Stadt sowie die ganzen Hotels auswendig zu kennen. Lang lang ist es her.
Dreißig Minuten später und 30Dollar ärmer stehen wir vor dem richtigen Hotel. Die Umgebung ist …., Heinz Rühmann alias Pater Brown hat es trefflich formuliert: „Hübsch hässlich habt ihr es hier!“
Ich habe in Deutschland Industriegebiete gesehen, die haben mehr Charme. Straßen mit tiefen Schlaglöchern, Gebäude mit abblätternden Farben, verfallen Hinterhöfen. Unser Hotel und die Anderen drumherum natürlich nicht, aber auch sie sind kein Designwunder. Obwohl in Flughafennähe scheinen die Hotels von Truckern, Außendienstlern und Handwerkern auf Montage genutzt zu werden.
Wir betreten die Lobby und am Empfang sitzt Bob Marley Junior. So langsam dämmert mir, warum ich keine Antwort auf meine Email erhalten habe. Erfreulicherweise wird hier vom Hotel ein kostenloses Shuttle zum Flughafen organisieren. Hier zeigt sich mal wieder wir unterschiedlich meine Frau und ich ticken. Wir fliegen an nächsten Morgen sehr früh, weswegen ich das frühste Shuttle präferiere, was bedeuten würde, dass wir kein Frühstück bekämen, wir aber mit ausreichend Zeit am Flughafen wäre. Das nächste spätere Shuttle würde uns ermöglich noch zu frühstücken und dann, bei 30min Fahrzeit, 2.5h vor Abflug am Flughafen zu sein. Wer meint das langt doch dicke, wie z.B. meine Frau, dem kann ich spontan min. 5 Gründe nennen, warum das Shuttle aufgehalten wird und wir später als geplant angekommen, sowie 5 Gründe nennen, warum die 2,5h am Flughafen wegen amerikanischen Kontroll-Scherereien bei mir zu akuter Zeitnot führen könnte. Zumal Essen und insbesondere Frühstück eh überbewertet werden 😉 . Meine Frau setzt sich durch, zumal mir selber schon klar ist, dass 2,5h mehr als ausreichend ist. Aber ich bin halt Bauingenieur und es gibt nicht umsonst den Witz:
Was ist 2+2“ Antwort des Bauingenieurs: Ach sagen wir 10, dann sind wir auf der sicheren Seite.
Auf dem Weg in unser Zimmer kommt mir der Gedanke, dass meine Antwort bei der Einreise, meine Frau sei der Boss, doch eventuell, vielleicht, unter Umständen näher an der Realität ist, als mir lieb ist. 😎
Das Hotelzimmer ist gut und wir haben einen separaten Wohnbereich, was das Entspannen nach dem Flug einfacher macht. Am frühen Abend gehen wir bei Denny um die Ecke noch etwas Essen. Beim Essen fällt wieder auf wie höflich, freundliche und zuvorkommend die Bedienungen sind. Ich weiß, der Grund heißt, dass Sie ihren Verdienst nur über das Trinkgeld machen, und sie dadurch „gezwungen“ sind so zu sein. Finde ich auch keine tolle Regelung, aber mir geht die deutsche Unfreundlichkeit vieler Bedienungen auf den Keks.
Am Montag Morgen frühstücken wir dick eingemummelt. Die Außentemperaturen liegen einstellig und das Hotel hat im Frühstückszimmer die Klimaanlage laufen. Über die Sitte der amerikanischen Hotels ausschließlich Wegwerfgeschirr zu verwenden, kann ich nur den Kopf schütteln.
Unser Shuttle startet pünktlich und mit ausreichend Zeit sind wir am Flughafen, checken ein und kommen ohne Probleme durch die Sicherheitskontrollen. Unser Flug geht von Houston nach San Pedro Sula in Honduras. Als pünktlich das Boarding los geht, wird die Ansage zuerst in Spanisch durchgeführt. Drei Minuten lang mit der Kadenz eines deutschen MG3 werden die Fluggäste beschallt. Dann mit der gleichen Sprechgeschwindigkeit das Ganze in Englisch und nur in 1Minute. Da fragt man sich wirklich, was wurde auf Spanisch mehr erzählt als auf Englisch.
Unsere bis dahin anhalten Glücksträhne, das alles reibungslos verläuft, hat hier ein Ende und nun kommen die nicht so erfreulichen Wunder.
Im Flugzeug kommt die Durchsage, dass ein eingecheckter Passagier nicht eingestiegen ist, und man das Gepäck wieder ausladen muss. Irgendwann rollt das Flugzeug los, hält auf der Rollbahn an und kehr wieder um und hält am Finger. Laut Durchsage erneut Probleme wegen dem Gepäck, dann kommt aber ein Flughafenmitarbeiter mit Reiniger und Müllbeutel und läuft durch ganze Flugzeug nach hinten und kommt nach 10 min wieder zurück. Der Gedanke „Tatortreiniger“ schießt mir durch den Kopf. Ich weiß bis heute nicht was das Ganze sollte. Danach aber starten wir mit 1h Verspätung.
Der Flug braucht kürzer als geplant und mit 30min Verspätung landen wir bei Regen in San Pedro Sula.
Nach dem Aussteigen geht die Pechsträhne weiter. Wir können erstmal nicht zur Immigration, sondern werden im Flughafen in einem Gang zwischengeparkt. Denn beim Nachbarflugzeug ist Boarding und die Gäste gehen über den gleichen Gang zum Flugzeug. Als alle Passagiere im Flugzeug sind, gehen unserer Schiebetüren auf und wir können endlich weiter. Bei der Immigration wird meiner Frau und mir die mittlere Schlange zugewiesen, welche die Langsamste ist. Als wir endlich am Schalter stehen ist klar, warum. Wir haben hier Madam 100%. Die Schwierigkeit beginnt mit dem Hotel wo wir übernachten. Das Problem ist, wir kennen die Hotelnamen in den ersten Tagen nicht. Wir haben eine geführte Tour, wir wissen welche Orte wir bereisen aber die Hotels in denen wir übernachten werden, stehen nicht auf der Reisebeschreibung. Glücklicherweise kenne ich unser Hotel auf Roatan, Turquoise bay, und zeige den Voucher. Die Dame bei der Einreise hat geschlagene 10 min gebraucht, bis sie kapiert hat, wie das Hotel heißt und über Googlemaps verifiziert hat, dass es dieses Hotel auch wirklich gibt. Als wir den Schalter verlassen, steht niemand mehr in den vorherigen Warteschlangen. Wir laufen ein Stockwerk runter und ich sehe das Gepäckband und sowas wie unsere Koffer. Ich will darauf zulaufen, da werde ich zurückgepfiffen. Zollerklärung, die es nur noch in digitaler Form gibt. Warum auch immer, ich hatte das nicht auf dem Schirm. Also Handy in die Hand und Wifi gesucht, welches aber Passwort verschlüsselt ist. Blöd dass mir aber niemand das Passwort sagen kann. „Ihr verar…. mich jetzt, oder.“ Habe ich mir gedacht und nicht gesagt. Dummerweise habe ich vergessen die Untertitel in meinem Gesicht auszuschalten. In einer Ecke steht ein Laptop und dort können wir alles eintragen, am Ende erscheint ein QR-Code, den ich abfotografiere, damit der Verantwortliche das von meinem Handy abscannen kann. Dann dürfen wir endlich zum Gepäckband. Ganz ehrlich, das Ganze ist doch einfach nur für die Katz.
Unsere vier Koffer hat bereits jemand vom Gepäckband runtergestellt. Also gut, es ist alles da, der Urlaub kann wirklich los gehen. Ich drehe mich um und vor mir steht ein Kofferträger mit Wägelchen. Ich war mittlerweile so durch und genervt, dass es mir diesmal einfach nur egal war. Also lud er unser Gepäck auf.
Als wir in die Ankunftshalle kommen, winkt bereits ein Mann uns zu. Es ist Rafael, unser Fahrer und Guide für die nächsten 6 Tage. Es mittlerweile 15 Uhr und wir haben noch 5h Fahrt vor uns, aber Raphael ist völlig relaxt. Auch wenn wir durch Flugverspätung und die ganze Einreise sicher eine Stunde an Zeit verloren haben, werden wir nicht gleich zum Auto gebracht. Wir brauchen für die Fahrt noch etwas Vernünftiges zu essen. Dass wir uns bei Subway etwas zum Mitnehmen holen, ist für Rafael dann doch eine kleine Erleichterung.
Beim ATM haben wir wieder Pech, wir können kein Geld ziehen. Die Automaten sind offenbar leer. Glücklicherweise haben wir Dollar dabei. Wir gehen zu dem Auto, einem Nissan Pathfinder. Wir geben dem Kofferträger sein Trinkgeld und in seinem Gesicht sehe ich, dass er mehr erwartet hat. Ich frage ihn direkt, ob es zu wenig sei und was er möchte, er wiegelt aber ab. Da kann ich ihm auch nicht helfen. Amerikaner sind deutlich großzügiger, wie ich auf Roatan lernen musste.
Im Auto bekommen wir von Rafael eine kurze Übersicht über die nächsten Tage und er betont, dass er lieber langsamer und sicher fährt, als zu schnell. Mich wundert etwas diese Aussage, aber das ist uns absolut recht. 6 Tage später werde ich wissen, warum er das gesagt hat.
Wir machen uns auf den Weg nach Copán Ruinas, einem Ort nahe der Grenze zu Guatemala. Bei strömenden Regen fahren wir los und quälen uns fast 2h durch den Verkehrsstau von San Pedro Sula, die zweitgrößte Stadt von Honduras und das wirtschaftliche Herz des Landes. Dann wird der Verkehr dünner und wir kommen immer schneller voran. Irgendwann kommt eine Polizeikontrolle, bei der wir unsere Pässe zeigen müssen. Wir erfahren, dass hier nach Flüchtlingen in Richtung USA gesucht wird. Wie erfolgreich das alles ist, kann ich nicht beurteilen.
Gegen 18 Uhr, es wird dunkel, hält Rafael für eine Pause vor einem Cafe mit der Anmerkung, dass es hier gute Kuchen gibt. Ich bin bei der Uhrzeit etwas überrascht, dass wir eine Kuchenpause einlegen, aber andere Länder, andere Sitten denke ich mir. So richtig Hunger haben meine Frau und ich nicht und so teilen wir uns eine Snicker-Torte. Die Kuchen-Konsistenz ist anders als wir es gewohnt sind, aber sie schmeckt echt lecker. Beim Essen bemerke ich, dass man hier wohl auch zu Abend essen kann. Als wir zu Rafael stoßen, ist er überrascht uns so früh zu sehen. Hat er gedacht, dass wir hier zu Abend essen sollen? Aber warum preist er die Kuchen an? Ich werde es nicht herausfinden.
Durch die Nacht geht es weiter, bis Rafael meint jetzt kommt ein Gebirgspass, den wir hoch und wieder runter müssen. Seine Fahrweise ist super, von uns wird niemand schlecht, aber im Schwarzwald und den Alpen gibt deutlich anspruchsvollere Pässe.
Gegen 20 Uhr kommen wir in Copàn Ruinas an und unser Hotel heißt Casa del Cafe. Von außen betrachtet muss man erstmal wissen, dass das ein kleines Hotel ist.
Der Empfang spricht nur Spanisch und Rafael fungiert als Übersetzer. Wir beziehen unser Zimmer, schlicht und einfach gehalten, aber OK. Lediglich das Doppelbett mit gefühlten 1,4m wird uns für die nächsten zwei Nächte etwas näher beim Schlafen bringen, als gewohnt 😄
Rafael verabschiedet sich, er übernachten wo anders und wir verabreden uns um 9Uhr nach dem Frühstück. Alles in allem haben wir jetzt fast zwei Tage für die Anreise bis hierher benötigt. Wir beide sind müde, nicht besonders hungrig, dank Snickerstorte, und verzichten auf Essen gehen in der Stadt. Stattdessen fallen wir tot müde ins Bett.
Liebes Forum,
Ende Februar und Anfang März waren meine Frau und ich für 2,5 Wochen in Honduras. Davon waren wir 6 Tage auf dem „Festland“ unterwegs und anschließend waren wir noch 8 Tage auf der vorgelagerten Insel Roatan zum Tauchen. Wenn ihr Lust habt etwas von Honduras und von der Unterwasserwelt von Roatan zu sehen, seid ihr herzlich eingeladen.
Wie alles begann.
Es ist ca. 20 Jahre her, als ich bei meinem damaligen Arbeitgeber zu einem für alle Mitarbeiter obligatorischen Kommunikationstraining gehen durfte. Am Anfang mussten alle Mitarbeiter erzählen, was sie unbedingt noch in ihrem Leben machen wollen. Während die meisten meiner Kollegen recht alltägliche und vielleicht auch karriereförderliche Wünsche äußerten, meinte ich, dass ich gerne vor Cocos Island (Isla del Coco) tauchen möchte. Vermutlich fragen sich jetzt Viele das Gleiche wie meine Kollegen damals. Was zum Teufel meint er. Cocos Island gehört zu Costa Rica, liegt ca 800m km nordöstlich von Galapagos und ist bekannt bei Tauchern, da man dort mit großen Haischulen tauchen kann. Schon damals war es teuer, weswegen ich mir den Vorsatz nahm, dies zu machen, wenn ich 50 werde. Da die Zeit bekanntlich nicht stillsteht, kam dieser Zeitpunkt im letzten Dezember. Als ich bei unserem Reisebüro Cocos Island anfragte und sich der Preis sehr schnell in Richtung 10.000€ für eine Woche pro Person bewegte, war klar: Das ist es mir echt nicht mehr wert. Zumal ich mittlerweile tolle Haibegegnungen in meinem Taucherleben hatte.
Da ich aber wegen der 50 dann doch etwas Besonderes machen wollte, suchte ich nach einer Alternative und so kam ich auf Tauchen vor Roatan, was wir schon 2017 machen wollten, dies aber aus verschiedenen Gründen damals bleiben ließen. Unser Reisebüro meinte aber warum macht ihr nicht noch eine Reise durch Honduras dazu, sie hätten da einen guten Tourveranstalter vor Ort. Die angebotene Kompakttour hörte sich gut an und kurz entschlossen buchten wir das Ganze.
Warum der Titel?
Aus Drei Gründen
1. Honduras besteht größtenteils aus Bergen und so war unsere Tour von stetigem Auf und Ab in den Gebirgen geprägt
2. Auch beim Tauchen geht es letztendlich auch runter und wieder hoch 😁
3. Ich hatte, zu mindestens, in der ersten Woche eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Mein Lieblingsautor Terry Pratchett hat es mal sinngemäß so formuliert.
„Wenn aufgrund von Verkettungen verschiedener Ereignisse etwas ausgesprochenes Tolles passiert, sprechen wir schnell von Wundern. Wenn die gleiche Verkettung zu etwas Schlechten führt, spricht niemand mehr von einem Wunder. Eine Sache wird nicht weniger wunderlich, nur weil uns das Ergebnis nicht gefällt. In diesem Sinne haben wir viel Wunderliches erlebt, manchmal hat mir das Ergebnis nur nicht gefallen.
Vorweg: Der Absatz der Anreise ist dann doch deutlich textlastiger geworden, als beabsichtigt, aber bereits da haben wir doch schon einiges erlebt. Wer das überspringen möchte, ab Di 24.02 geht es mit der eigentlichen Reise los
Genug der Vorworte, auf geht es:
Anreise vom So 22.02 bis Mo 23.02
Sonntag in aller Frühe, sprich 5 Uhr, stiegen wir in unser Auto und machten uns auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Da zu der Zeit man nicht wirklich mit Stau oder Problemen auf der Autobahn rechnen muss, kam ich ziemlich entspannt an und stellten das Auto ab. Keine langen Schlangen bei der Gepäckaufgabe, da bei Lufthansa mittlerweile alles über Automaten geht. Nur das reinpfriemeln des Gepäcks in die Gepäckschleusen ist ziemlich umständlich. Der Weg nach Honduras ging leider nur über Houston und so mussten wir uns das Prozedere am Flughafen für Reisen in die USA ergehen lassen, sprich tausendmal wurde kontrolliert, dass du ja diesen einen Aufkleber auf dem Reisepass hast. Der Flug war pünktlich und ich konnte den Flug aufgrund des größeren Sitzplatzangebot von Premium-Economie genießen.
Eine der Fragen war im Übrigen wer von uns beiden zu Hause der Boss ist: Meine Frau oder ich. Meine Frau wollte schon ansetzten, von wegen Gleichberechtigung, auf Augenhöhe ect. Ich grinste den Officer an, zeigt auf meine Frau uns sagte „she“, was genau das war, was er hören wollte, seinem Grinsen nach zu urteilen. Also Texaner können auch lustig. 😊
Wie alle anderen (auch die echten Transitreisenden müssen das machen) holten wir unser Gepäck, welches erfreulicherweise vollständig ankam. Laut der Homepage hatte unser Hotel einen Shuttle-Service von und zum Flughafen, nur war leider nicht erklärt, wie das nach der Ankunft geschehen soll. Meine Tage zuvor geschickte E-Mail dazu wurde geflissentlich ignoriert. Beim Verlassen des Terminals, erstaunlicherweise, konnten wir niemand mit einem Schild und unseren Namen sehen, vom roten Teppich mal ganz abgesehen, also ging es zum Taxistand.
Mit Fünfzig ist man ja, zugegebenermaßen, nicht mehr so jung. Geistig habe ich zwar manchmal die Reife eines 16jährigen, mein Körper ist dank Sport immer noch fit, aber es sind so die zwischenmenschlichen Dinge, wo ich dann doch plötzlich das Alter merke.
Ich dachte wirklich es reicht aus in ein Taxi zu steigen, das Hotel inkl. Adresse dem Fahrer zu nennen, und dann kann man sich zurücklehnen und die Fahrt genießen.
Denkste! Das Hotel (Homewood Suite by Hilton) war in Flughafennähe und der Fahrer, mit südamerikanischem Akzent, kannte es nicht, gab es deswegen in sein Smartphone ein und scrollte verzweifelt rum. Nach drei Minuten drückt er es mir in die Hand, weil er es nicht finden konnte. Also durfte ich in Maps für ihn das Hotel finden. Zugegebenermaßen nicht so einfach, weil es 5 Hotels mit gleichen Namen aber verschiedenen Adressen gab und auf dem Smartphone leider nur der Name ohne die Adresse in der Übersicht angezeigt wird. Mit Hilfe meiner Frau, die diesmal so schlau gewesen war im Vorfeld zu schauen, wo das Hotel liegt, fanden wir es und es konnte nach 10min endlich los gehen. Es gab mal eine Zeit, da waren Taxifahrer stolz darauf, die Straßennamen in ihrer Stadt sowie die ganzen Hotels auswendig zu kennen. Lang lang ist es her.
Dreißig Minuten später und 30Dollar ärmer stehen wir vor dem richtigen Hotel. Die Umgebung ist …., Heinz Rühmann alias Pater Brown hat es trefflich formuliert: „Hübsch hässlich habt ihr es hier!“
Ich habe in Deutschland Industriegebiete gesehen, die haben mehr Charme. Straßen mit tiefen Schlaglöchern, Gebäude mit abblätternden Farben, verfallen Hinterhöfen. Unser Hotel und die Anderen drumherum natürlich nicht, aber auch sie sind kein Designwunder. Obwohl in Flughafennähe scheinen die Hotels von Truckern, Außendienstlern und Handwerkern auf Montage genutzt zu werden.
Wir betreten die Lobby und am Empfang sitzt Bob Marley Junior. So langsam dämmert mir, warum ich keine Antwort auf meine Email erhalten habe. Erfreulicherweise wird hier vom Hotel ein kostenloses Shuttle zum Flughafen organisieren. Hier zeigt sich mal wieder wir unterschiedlich meine Frau und ich ticken. Wir fliegen an nächsten Morgen sehr früh, weswegen ich das frühste Shuttle präferiere, was bedeuten würde, dass wir kein Frühstück bekämen, wir aber mit ausreichend Zeit am Flughafen wäre. Das nächste spätere Shuttle würde uns ermöglich noch zu frühstücken und dann, bei 30min Fahrzeit, 2.5h vor Abflug am Flughafen zu sein. Wer meint das langt doch dicke, wie z.B. meine Frau, dem kann ich spontan min. 5 Gründe nennen, warum das Shuttle aufgehalten wird und wir später als geplant angekommen, sowie 5 Gründe nennen, warum die 2,5h am Flughafen wegen amerikanischen Kontroll-Scherereien bei mir zu akuter Zeitnot führen könnte. Zumal Essen und insbesondere Frühstück eh überbewertet werden 😉 . Meine Frau setzt sich durch, zumal mir selber schon klar ist, dass 2,5h mehr als ausreichend ist. Aber ich bin halt Bauingenieur und es gibt nicht umsonst den Witz:
Was ist 2+2“ Antwort des Bauingenieurs: Ach sagen wir 10, dann sind wir auf der sicheren Seite.
Auf dem Weg in unser Zimmer kommt mir der Gedanke, dass meine Antwort bei der Einreise, meine Frau sei der Boss, doch eventuell, vielleicht, unter Umständen näher an der Realität ist, als mir lieb ist. 😎
Das Hotelzimmer ist gut und wir haben einen separaten Wohnbereich, was das Entspannen nach dem Flug einfacher macht. Am frühen Abend gehen wir bei Denny um die Ecke noch etwas Essen. Beim Essen fällt wieder auf wie höflich, freundliche und zuvorkommend die Bedienungen sind. Ich weiß, der Grund heißt, dass Sie ihren Verdienst nur über das Trinkgeld machen, und sie dadurch „gezwungen“ sind so zu sein. Finde ich auch keine tolle Regelung, aber mir geht die deutsche Unfreundlichkeit vieler Bedienungen auf den Keks.
Am Montag Morgen frühstücken wir dick eingemummelt. Die Außentemperaturen liegen einstellig und das Hotel hat im Frühstückszimmer die Klimaanlage laufen. Über die Sitte der amerikanischen Hotels ausschließlich Wegwerfgeschirr zu verwenden, kann ich nur den Kopf schütteln.
Im Flugzeug kommt die Durchsage, dass ein eingecheckter Passagier nicht eingestiegen ist, und man das Gepäck wieder ausladen muss. Irgendwann rollt das Flugzeug los, hält auf der Rollbahn an und kehr wieder um und hält am Finger. Laut Durchsage erneut Probleme wegen dem Gepäck, dann kommt aber ein Flughafenmitarbeiter mit Reiniger und Müllbeutel und läuft durch ganze Flugzeug nach hinten und kommt nach 10 min wieder zurück. Der Gedanke „Tatortreiniger“ schießt mir durch den Kopf. Ich weiß bis heute nicht was das Ganze sollte. Danach aber starten wir mit 1h Verspätung.
Der Flug braucht kürzer als geplant und mit 30min Verspätung landen wir bei Regen in San Pedro Sula.
Unsere vier Koffer hat bereits jemand vom Gepäckband runtergestellt. Also gut, es ist alles da, der Urlaub kann wirklich los gehen. Ich drehe mich um und vor mir steht ein Kofferträger mit Wägelchen. Ich war mittlerweile so durch und genervt, dass es mir diesmal einfach nur egal war. Also lud er unser Gepäck auf.
Als wir in die Ankunftshalle kommen, winkt bereits ein Mann uns zu. Es ist Rafael, unser Fahrer und Guide für die nächsten 6 Tage. Es mittlerweile 15 Uhr und wir haben noch 5h Fahrt vor uns, aber Raphael ist völlig relaxt. Auch wenn wir durch Flugverspätung und die ganze Einreise sicher eine Stunde an Zeit verloren haben, werden wir nicht gleich zum Auto gebracht. Wir brauchen für die Fahrt noch etwas Vernünftiges zu essen. Dass wir uns bei Subway etwas zum Mitnehmen holen, ist für Rafael dann doch eine kleine Erleichterung.
Beim ATM haben wir wieder Pech, wir können kein Geld ziehen. Die Automaten sind offenbar leer. Glücklicherweise haben wir Dollar dabei. Wir gehen zu dem Auto, einem Nissan Pathfinder. Wir geben dem Kofferträger sein Trinkgeld und in seinem Gesicht sehe ich, dass er mehr erwartet hat. Ich frage ihn direkt, ob es zu wenig sei und was er möchte, er wiegelt aber ab. Da kann ich ihm auch nicht helfen. Amerikaner sind deutlich großzügiger, wie ich auf Roatan lernen musste.
Im Auto bekommen wir von Rafael eine kurze Übersicht über die nächsten Tage und er betont, dass er lieber langsamer und sicher fährt, als zu schnell. Mich wundert etwas diese Aussage, aber das ist uns absolut recht. 6 Tage später werde ich wissen, warum er das gesagt hat.

Gegen 18 Uhr, es wird dunkel, hält Rafael für eine Pause vor einem Cafe mit der Anmerkung, dass es hier gute Kuchen gibt. Ich bin bei der Uhrzeit etwas überrascht, dass wir eine Kuchenpause einlegen, aber andere Länder, andere Sitten denke ich mir. So richtig Hunger haben meine Frau und ich nicht und so teilen wir uns eine Snicker-Torte. Die Kuchen-Konsistenz ist anders als wir es gewohnt sind, aber sie schmeckt echt lecker. Beim Essen bemerke ich, dass man hier wohl auch zu Abend essen kann. Als wir zu Rafael stoßen, ist er überrascht uns so früh zu sehen. Hat er gedacht, dass wir hier zu Abend essen sollen? Aber warum preist er die Kuchen an? Ich werde es nicht herausfinden.
Durch die Nacht geht es weiter, bis Rafael meint jetzt kommt ein Gebirgspass, den wir hoch und wieder runter müssen. Seine Fahrweise ist super, von uns wird niemand schlecht, aber im Schwarzwald und den Alpen gibt deutlich anspruchsvollere Pässe.
Gegen 20 Uhr kommen wir in Copàn Ruinas an und unser Hotel heißt Casa del Cafe. Von außen betrachtet muss man erstmal wissen, dass das ein kleines Hotel ist.
Rafael verabschiedet sich, er übernachten wo anders und wir verabreden uns um 9Uhr nach dem Frühstück. Alles in allem haben wir jetzt fast zwei Tage für die Anreise bis hierher benötigt. Wir beide sind müde, nicht besonders hungrig, dank Snickerstorte, und verzichten auf Essen gehen in der Stadt. Stattdessen fallen wir tot müde ins Bett.





























































