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Honduras und Tauchen Roatan 2026 – Eine Reise mit
Reisebericht 15 Antworten · 848 Aufrufe · gestartet 25. März 2026 von Bonebreaker
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #1
Honduras und Tauchen Roatan 2026 – Eine Reise mit Höhen und Tiefen
Liebes Forum, Ende Februar und Anfang März waren meine Frau und ich für 2,5 Wochen in Honduras. Davon waren wir 6 Tage auf dem „Festland“ unterwegs und anschließend waren wir noch 8 Tage auf der vorgelagerten Insel Roatan zum Tauchen. Wenn ihr Lust habt etwas von Honduras und von der Unterwasserwelt von Roatan zu sehen, seid ihr herzlich eingeladen.
Wie alles begann. Es ist ca. 20 Jahre her, als ich bei meinem damaligen Arbeitgeber zu einem für alle Mitarbeiter obligatorischen Kommunikationstraining gehen durfte. Am Anfang mussten alle Mitarbeiter erzählen, was sie unbedingt noch in ihrem Leben machen wollen. Während die meisten meiner Kollegen recht alltägliche und vielleicht auch karriereförderliche Wünsche äußerten, meinte ich, dass ich gerne vor Cocos Island (Isla del Coco) tauchen möchte. Vermutlich fragen sich jetzt Viele das Gleiche wie meine Kollegen damals. Was zum Teufel meint er. Cocos Island gehört zu Costa Rica, liegt ca 800m km nordöstlich von Galapagos und ist bekannt bei Tauchern, da man dort mit großen Haischulen tauchen kann. Schon damals war es teuer, weswegen ich mir den Vorsatz nahm, dies zu machen, wenn ich 50 werde. Da die Zeit bekanntlich nicht stillsteht, kam dieser Zeitpunkt im letzten Dezember. Als ich bei unserem Reisebüro Cocos Island anfragte und sich der Preis sehr schnell in Richtung 10.000€ für eine Woche pro Person bewegte, war klar: Das ist es mir echt nicht mehr wert. Zumal ich mittlerweile tolle Haibegegnungen in meinem Taucherleben hatte.
Da ich aber wegen der 50 dann doch etwas Besonderes machen wollte, suchte ich nach einer Alternative und so kam ich auf Tauchen vor Roatan, was wir schon 2017 machen wollten, dies aber aus verschiedenen Gründen damals bleiben ließen. Unser Reisebüro meinte aber warum macht ihr nicht noch eine Reise durch Honduras dazu, sie hätten da einen guten Tourveranstalter vor Ort. Die angebotene Kompakttour hörte sich gut an und kurz entschlossen buchten wir das Ganze.
Warum der Titel?
Aus Drei Gründen 1. Honduras besteht größtenteils aus Bergen und so war unsere Tour von stetigem Auf und Ab in den Gebirgen geprägt 2. Auch beim Tauchen geht es letztendlich auch runter und wieder hoch 😁 3. Ich hatte, zu mindestens, in der ersten Woche eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Mein Lieblingsautor Terry Pratchett hat es mal sinngemäß so formuliert. „Wenn aufgrund von Verkettungen verschiedener Ereignisse etwas ausgesprochenes Tolles passiert, sprechen wir schnell von Wundern. Wenn die gleiche Verkettung zu etwas Schlechten führt, spricht niemand mehr von einem Wunder. Eine Sache wird nicht weniger wunderlich, nur weil uns das Ergebnis nicht gefällt. In diesem Sinne haben wir viel Wunderliches erlebt, manchmal hat mir das Ergebnis nur nicht gefallen.
Vorweg: Der Absatz der Anreise ist dann doch deutlich textlastiger geworden, als beabsichtigt, aber bereits da haben wir doch schon einiges erlebt. Wer das überspringen möchte, ab Di 24.02 geht es mit der eigentlichen Reise los
Genug der Vorworte, auf geht es:
Anreise vom So 22.02 bis Mo 23.02
Sonntag in aller Frühe, sprich 5 Uhr, stiegen wir in unser Auto und machten uns auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Da zu der Zeit man nicht wirklich mit Stau oder Problemen auf der Autobahn rechnen muss, kam ich ziemlich entspannt an und stellten das Auto ab. Keine langen Schlangen bei der Gepäckaufgabe, da bei Lufthansa mittlerweile alles über Automaten geht. Nur das reinpfriemeln des Gepäcks in die Gepäckschleusen ist ziemlich umständlich. Der Weg nach Honduras ging leider nur über Houston und so mussten wir uns das Prozedere am Flughafen für Reisen in die USA ergehen lassen, sprich tausendmal wurde kontrolliert, dass du ja diesen einen Aufkleber auf dem Reisepass hast. Der Flug war pünktlich und ich konnte den Flug aufgrund des größeren Sitzplatzangebot von Premium-Economie genießen.
In Houston angekommen ging es zur Immigration. Eine Woche vor unserem Flug gingen ja die geänderten Esta-Bedingungen durch die Presse viral und man konnte mal wieder eine Horror-Story nach der anderen lesen. Was mich dazu bewogen hatte, mein Smartphone gründlich auszumisten. Es war wie so oft, heiße Luft. Der Immigration-Officer war völlig gechillt, machte lustige Sprüche. Wir blieben nur eine Nacht in Houston bevor es am Montag morgen weiter nach Honduras ging, also lediglich eine „Transit“-Übernachtung. Was das Ganze vielleicht auch einfacher gemacht hat. Wir mussten keine Fingerabdrücke abgeben, wir bekamen auch keinen Stempel in den Pass, sondern wurden einfach durchgewunken, nach Beantwortung seiner Fragen. Eine der Fragen war im Übrigen wer von uns beiden zu Hause der Boss ist: Meine Frau oder ich. Meine Frau wollte schon ansetzten, von wegen Gleichberechtigung, auf Augenhöhe ect. Ich grinste den Officer an, zeigt auf meine Frau uns sagte „she“, was genau das war, was er hören wollte, seinem Grinsen nach zu urteilen. Also Texaner können auch lustig. 😊
Wie alle anderen (auch die echten Transitreisenden müssen das machen) holten wir unser Gepäck, welches erfreulicherweise vollständig ankam. Laut der Homepage hatte unser Hotel einen Shuttle-Service von und zum Flughafen, nur war leider nicht erklärt, wie das nach der Ankunft geschehen soll. Meine Tage zuvor geschickte E-Mail dazu wurde geflissentlich ignoriert. Beim Verlassen des Terminals, erstaunlicherweise, konnten wir niemand mit einem Schild und unseren Namen sehen, vom roten Teppich mal ganz abgesehen, also ging es zum Taxistand.
Mit Fünfzig ist man ja, zugegebenermaßen, nicht mehr so jung. Geistig habe ich zwar manchmal die Reife eines 16jährigen, mein Körper ist dank Sport immer noch fit, aber es sind so die zwischenmenschlichen Dinge, wo ich dann doch plötzlich das Alter merke.
Ich dachte wirklich es reicht aus in ein Taxi zu steigen, das Hotel inkl. Adresse dem Fahrer zu nennen, und dann kann man sich zurücklehnen und die Fahrt genießen. Denkste! Das Hotel (Homewood Suite by Hilton) war in Flughafennähe und der Fahrer, mit südamerikanischem Akzent, kannte es nicht, gab es deswegen in sein Smartphone ein und scrollte verzweifelt rum. Nach drei Minuten drückt er es mir in die Hand, weil er es nicht finden konnte. Also durfte ich in Maps für ihn das Hotel finden. Zugegebenermaßen nicht so einfach, weil es 5 Hotels mit gleichen Namen aber verschiedenen Adressen gab und auf dem Smartphone leider nur der Name ohne die Adresse in der Übersicht angezeigt wird. Mit Hilfe meiner Frau, die diesmal so schlau gewesen war im Vorfeld zu schauen, wo das Hotel liegt, fanden wir es und es konnte nach 10min endlich los gehen. Es gab mal eine Zeit, da waren Taxifahrer stolz darauf, die Straßennamen in ihrer Stadt sowie die ganzen Hotels auswendig zu kennen. Lang lang ist es her.
Dreißig Minuten später und 30Dollar ärmer stehen wir vor dem richtigen Hotel. Die Umgebung ist …., Heinz Rühmann alias Pater Brown hat es trefflich formuliert: „Hübsch hässlich habt ihr es hier!“ Ich habe in Deutschland Industriegebiete gesehen, die haben mehr Charme. Straßen mit tiefen Schlaglöchern, Gebäude mit abblätternden Farben, verfallen Hinterhöfen. Unser Hotel und die Anderen drumherum natürlich nicht, aber auch sie sind kein Designwunder. Obwohl in Flughafennähe scheinen die Hotels von Truckern, Außendienstlern und Handwerkern auf Montage genutzt zu werden.
Wir betreten die Lobby und am Empfang sitzt Bob Marley Junior. So langsam dämmert mir, warum ich keine Antwort auf meine Email erhalten habe. Erfreulicherweise wird hier vom Hotel ein kostenloses Shuttle zum Flughafen organisieren. Hier zeigt sich mal wieder wir unterschiedlich meine Frau und ich ticken. Wir fliegen an nächsten Morgen sehr früh, weswegen ich das frühste Shuttle präferiere, was bedeuten würde, dass wir kein Frühstück bekämen, wir aber mit ausreichend Zeit am Flughafen wäre. Das nächste spätere Shuttle würde uns ermöglich noch zu frühstücken und dann, bei 30min Fahrzeit, 2.5h vor Abflug am Flughafen zu sein. Wer meint das langt doch dicke, wie z.B. meine Frau, dem kann ich spontan min. 5 Gründe nennen, warum das Shuttle aufgehalten wird und wir später als geplant angekommen, sowie 5 Gründe nennen, warum die 2,5h am Flughafen wegen amerikanischen Kontroll-Scherereien bei mir zu akuter Zeitnot führen könnte. Zumal Essen und insbesondere Frühstück eh überbewertet werden 😉 . Meine Frau setzt sich durch, zumal mir selber schon klar ist, dass 2,5h mehr als ausreichend ist. Aber ich bin halt Bauingenieur und es gibt nicht umsonst den Witz: Was ist 2+2“ Antwort des Bauingenieurs: Ach sagen wir 10, dann sind wir auf der sicheren Seite.
Auf dem Weg in unser Zimmer kommt mir der Gedanke, dass meine Antwort bei der Einreise, meine Frau sei der Boss, doch eventuell, vielleicht, unter Umständen näher an der Realität ist, als mir lieb ist. 😎
Das Hotelzimmer ist gut und wir haben einen separaten Wohnbereich, was das Entspannen nach dem Flug einfacher macht. Am frühen Abend gehen wir bei Denny um die Ecke noch etwas Essen. Beim Essen fällt wieder auf wie höflich, freundliche und zuvorkommend die Bedienungen sind. Ich weiß, der Grund heißt, dass Sie ihren Verdienst nur über das Trinkgeld machen, und sie dadurch „gezwungen“ sind so zu sein. Finde ich auch keine tolle Regelung, aber mir geht die deutsche Unfreundlichkeit vieler Bedienungen auf den Keks.
Am Montag Morgen frühstücken wir dick eingemummelt. Die Außentemperaturen liegen einstellig und das Hotel hat im Frühstückszimmer die Klimaanlage laufen. Über die Sitte der amerikanischen Hotels ausschließlich Wegwerfgeschirr zu verwenden, kann ich nur den Kopf schütteln.
Unser Shuttle startet pünktlich und mit ausreichend Zeit sind wir am Flughafen, checken ein und kommen ohne Probleme durch die Sicherheitskontrollen. Unser Flug geht von Houston nach San Pedro Sula in Honduras. Als pünktlich das Boarding los geht, wird die Ansage zuerst in Spanisch durchgeführt. Drei Minuten lang mit der Kadenz eines deutschen MG3 werden die Fluggäste beschallt. Dann mit der gleichen Sprechgeschwindigkeit das Ganze in Englisch und nur in 1Minute. Da fragt man sich wirklich, was wurde auf Spanisch mehr erzählt als auf Englisch.
Unsere bis dahin anhalten Glücksträhne, das alles reibungslos verläuft, hat hier ein Ende und nun kommen die nicht so erfreulichen Wunder. Im Flugzeug kommt die Durchsage, dass ein eingecheckter Passagier nicht eingestiegen ist, und man das Gepäck wieder ausladen muss. Irgendwann rollt das Flugzeug los, hält auf der Rollbahn an und kehr wieder um und hält am Finger. Laut Durchsage erneut Probleme wegen dem Gepäck, dann kommt aber ein Flughafenmitarbeiter mit Reiniger und Müllbeutel und läuft durch ganze Flugzeug nach hinten und kommt nach 10 min wieder zurück. Der Gedanke „Tatortreiniger“ schießt mir durch den Kopf. Ich weiß bis heute nicht was das Ganze sollte. Danach aber starten wir mit 1h Verspätung.
Der Flug braucht kürzer als geplant und mit 30min Verspätung landen wir bei Regen in San Pedro Sula.
Nach dem Aussteigen geht die Pechsträhne weiter. Wir können erstmal nicht zur Immigration, sondern werden im Flughafen in einem Gang zwischengeparkt. Denn beim Nachbarflugzeug ist Boarding und die Gäste gehen über den gleichen Gang zum Flugzeug. Als alle Passagiere im Flugzeug sind, gehen unserer Schiebetüren auf und wir können endlich weiter. Bei der Immigration wird meiner Frau und mir die mittlere Schlange zugewiesen, welche die Langsamste ist. Als wir endlich am Schalter stehen ist klar, warum. Wir haben hier Madam 100%. Die Schwierigkeit beginnt mit dem Hotel wo wir übernachten. Das Problem ist, wir kennen die Hotelnamen in den ersten Tagen nicht. Wir haben eine geführte Tour, wir wissen welche Orte wir bereisen aber die Hotels in denen wir übernachten werden, stehen nicht auf der Reisebeschreibung. Glücklicherweise kenne ich unser Hotel auf Roatan, Turquoise bay, und zeige den Voucher. Die Dame bei der Einreise hat geschlagene 10 min gebraucht, bis sie kapiert hat, wie das Hotel heißt und über Googlemaps verifiziert hat, dass es dieses Hotel auch wirklich gibt. Als wir den Schalter verlassen, steht niemand mehr in den vorherigen Warteschlangen. Wir laufen ein Stockwerk runter und ich sehe das Gepäckband und sowas wie unsere Koffer. Ich will darauf zulaufen, da werde ich zurückgepfiffen. Zollerklärung, die es nur noch in digitaler Form gibt. Warum auch immer, ich hatte das nicht auf dem Schirm. Also Handy in die Hand und Wifi gesucht, welches aber Passwort verschlüsselt ist. Blöd dass mir aber niemand das Passwort sagen kann. „Ihr verar…. mich jetzt, oder.“ Habe ich mir gedacht und nicht gesagt. Dummerweise habe ich vergessen die Untertitel in meinem Gesicht auszuschalten. In einer Ecke steht ein Laptop und dort können wir alles eintragen, am Ende erscheint ein QR-Code, den ich abfotografiere, damit der Verantwortliche das von meinem Handy abscannen kann. Dann dürfen wir endlich zum Gepäckband. Ganz ehrlich, das Ganze ist doch einfach nur für die Katz.
Unsere vier Koffer hat bereits jemand vom Gepäckband runtergestellt. Also gut, es ist alles da, der Urlaub kann wirklich los gehen. Ich drehe mich um und vor mir steht ein Kofferträger mit Wägelchen. Ich war mittlerweile so durch und genervt, dass es mir diesmal einfach nur egal war. Also lud er unser Gepäck auf. Als wir in die Ankunftshalle kommen, winkt bereits ein Mann uns zu. Es ist Rafael, unser Fahrer und Guide für die nächsten 6 Tage. Es mittlerweile 15 Uhr und wir haben noch 5h Fahrt vor uns, aber Raphael ist völlig relaxt. Auch wenn wir durch Flugverspätung und die ganze Einreise sicher eine Stunde an Zeit verloren haben, werden wir nicht gleich zum Auto gebracht. Wir brauchen für die Fahrt noch etwas Vernünftiges zu essen. Dass wir uns bei Subway etwas zum Mitnehmen holen, ist für Rafael dann doch eine kleine Erleichterung. Beim ATM haben wir wieder Pech, wir können kein Geld ziehen. Die Automaten sind offenbar leer. Glücklicherweise haben wir Dollar dabei. Wir gehen zu dem Auto, einem Nissan Pathfinder. Wir geben dem Kofferträger sein Trinkgeld und in seinem Gesicht sehe ich, dass er mehr erwartet hat. Ich frage ihn direkt, ob es zu wenig sei und was er möchte, er wiegelt aber ab. Da kann ich ihm auch nicht helfen. Amerikaner sind deutlich großzügiger, wie ich auf Roatan lernen musste.
Im Auto bekommen wir von Rafael eine kurze Übersicht über die nächsten Tage und er betont, dass er lieber langsamer und sicher fährt, als zu schnell. Mich wundert etwas diese Aussage, aber das ist uns absolut recht. 6 Tage später werde ich wissen, warum er das gesagt hat.
Wir machen uns auf den Weg nach Copán Ruinas, einem Ort nahe der Grenze zu Guatemala. Bei strömenden Regen fahren wir los und quälen uns fast 2h durch den Verkehrsstau von San Pedro Sula, die zweitgrößte Stadt von Honduras und das wirtschaftliche Herz des Landes. Dann wird der Verkehr dünner und wir kommen immer schneller voran. Irgendwann kommt eine Polizeikontrolle, bei der wir unsere Pässe zeigen müssen. Wir erfahren, dass hier nach Flüchtlingen in Richtung USA gesucht wird. Wie erfolgreich das alles ist, kann ich nicht beurteilen.
Gegen 18 Uhr, es wird dunkel, hält Rafael für eine Pause vor einem Cafe mit der Anmerkung, dass es hier gute Kuchen gibt. Ich bin bei der Uhrzeit etwas überrascht, dass wir eine Kuchenpause einlegen, aber andere Länder, andere Sitten denke ich mir. So richtig Hunger haben meine Frau und ich nicht und so teilen wir uns eine Snicker-Torte. Die Kuchen-Konsistenz ist anders als wir es gewohnt sind, aber sie schmeckt echt lecker. Beim Essen bemerke ich, dass man hier wohl auch zu Abend essen kann. Als wir zu Rafael stoßen, ist er überrascht uns so früh zu sehen. Hat er gedacht, dass wir hier zu Abend essen sollen? Aber warum preist er die Kuchen an? Ich werde es nicht herausfinden.
Durch die Nacht geht es weiter, bis Rafael meint jetzt kommt ein Gebirgspass, den wir hoch und wieder runter müssen. Seine Fahrweise ist super, von uns wird niemand schlecht, aber im Schwarzwald und den Alpen gibt deutlich anspruchsvollere Pässe.
Gegen 20 Uhr kommen wir in Copàn Ruinas an und unser Hotel heißt Casa del Cafe. Von außen betrachtet muss man erstmal wissen, dass das ein kleines Hotel ist.
Der Empfang spricht nur Spanisch und Rafael fungiert als Übersetzer. Wir beziehen unser Zimmer, schlicht und einfach gehalten, aber OK. Lediglich das Doppelbett mit gefühlten 1,4m wird uns für die nächsten zwei Nächte etwas näher beim Schlafen bringen, als gewohnt 😄
Rafael verabschiedet sich, er übernachten wo anders und wir verabreden uns um 9Uhr nach dem Frühstück. Alles in allem haben wir jetzt fast zwei Tage für die Anreise bis hierher benötigt. Wir beide sind müde, nicht besonders hungrig, dank Snickerstorte, und verzichten auf Essen gehen in der Stadt. Stattdessen fallen wir tot müde ins Bett.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #2
Di 24.2
Dank Jetlag bin ich bei Sonnenaufgang auf den Beinen. Der Blick aus dem Fenster zeigt leider dicke Wolken aber wenigsten kein Regen mehr. Am Vortag war eine Kaltfront über Honduras gezogen, die Regen und Kälte gebracht hat. Erfreulicherweise sollte diese Kaltfront spätestens morgen vorbei sei.
Wir ziehen uns warm an und gehen zum Frühstück. Die Bedienung kann kein Englisch nur Spanisch. Hätte meine Frau nicht vor Jahren mal mittels einer CD etwas spanisch gelernt, wären wir aufgeschmissen gewesen. Mit Händen, Füßen und spanischen Wortbrocken von meiner Frau bekommen wir etwas zum Essen. Auch hier stelle ich wieder fest, wenn man keine Eier zum Frühstück will, wird man schief angeschaut. Seufz.
Thema Sprache. Die mangelnden Englisch-Kenntnisse haben uns die gesamt Reise in Honduras begleitet. Warum und wieso konnte ich auch von Rafael nicht erfahren. Die Normalbevölkerung spricht offenbar kein Englisch. Soweit so gut, aber dass auch Leute, die im Tourismusbereich arbeiten, kein Englisch können, ist ungewöhnlich und habe ich so in den Jahrzehnten des Reisens nicht erlebt. Zumal Honduras im Einzugsgebiet der USA liegt. Der Einwand, dass die Höflichkeit gebietet, ein paar Brocken der Landessprache zu sprechen, kann ich für mich persönlich nicht gelten machen. Ich tu mich mit Sprachenlernen einfach schwer. Meine Fähigkeiten, in denen ich gut bin, sind technischer Natur. Wenn es um Sprachen geht, renne ich gegen eine Wand, Aussprache, Vokabeln ect: ich bekomme das schlecht hin. Von Danke und Bitte rede ich nicht, aber ein passendes Frühstück zu bestellen, da hört es auf. Zum Glück gibt es Google Translator, damit ging es dann zum Schluss.
Pünktlich um 9 Uhr holt Rafael uns ab und das erste Highlight steht an. An die Maya- Ruinen von Copàn. Wir waren fast 4h in den Ruinen und Rafael hat uns mit einer Fülle an Informationen versorgt. Ohne diesen ganzen Informationen wären das alles nur „langweilige“ Steine gewesen, aber mit diesen ganzen Infos erkennt man die ganze Symbolik des Ganzen und es waren wirkliche spannende Stunden dort. Ich werde das, soweit ich mich noch erinnern kann, hier gekürzt wieder geben. Daher keine Gewähr auf absolute Vollständigkeit und Korrektheit 😉
Die Ruinen von Copan sind weder riesig noch spektakulär. Berühmt sind sie wegen ihrer Treppe, in der der längste erhaltene Maya-Text zu finden ist. Zu 100% sind die Hieroglyphen dort bis heute nicht übersetzt. Wichtig vielleicht auch als die Ruinen entdeckt und freigelegt wurden, entstand dazu parallel die Stadt mit dem gleichen Namen wie die Ruinen.
Am Eingang ist ein großes Modell der Ruinen zu finden.
Interessanterweise bekamen wir noch eine einheimische Führerin, die uns begleitete und einem Stock mit einer Feder daran mit sich trug. Warum, hat sich mir nicht so ganz erschlossen, denn erzählt hat uns ausschließlich Rafael. Ab und zu hat er Kleinigkeiten bei ihr nachgefragt.
Copan war eine Tempelanlage, in der Priester aber auch die Adligen in einem eigenem Bereich gelebt haben. Anfangs wurde die Anlagen bei einem Herrscherwechsel teilweise abgerissen, später begann man aber auf den bestehenden vorhandenen Gebäuden aufzubauen. Daher weiß man, dass die ganzen Steine früher mit einem Art Putz überzogen war und alles Farblich gestaltet war. Für mich immer noch faszinierend wie früher Forscher erkannt haben, dass unter den ganzen Hügel von Erde und Bäumen alte Gebäude sich befinden.
Auf dem gesamten Gelände findet man immer wieder Steelen, teilweise Kopien, deren Originale im Museum stehen, teilweise Originale, die mit Dächern vor der Witter geschützt sind. Diese Steelen zeigen vorne immer den Herrscher der eine zweiköpfige Schlange hält. Der eine Kopf symbolisiert die Macht, der Andere das Wissen. Aus den Köpfen der Schlange schauen auch wieder Köpfe hervor, die die Kinder als Nachfolger symbolisieren. Seitlich sind dann Hieroglyphen, die die Geschichte des Herrschers erzählen.
Die Adligen hatten ihre eigenen Wohnbereiche. Man hat teilweise unter den Böden dort Leichname entdeckt.
Rafael fragte ob wir uns vorstellen können warum das gemacht wurde. Mein, nicht ernstgemeinte Antwort, dass dort die Leichen von getöteten Rivalen verscharrt hat, um die Tat zu vertuschen, wird wohl zukünftig als Lacher in seine weiteren Führungen eingebaut werden. In Wahrheit waren es verstorbene Verwandte, weil man glaubte, dass dadurch die speziellen Fähigkeiten des Verstorbenen an die weiteren Generationen weitergegeben werden. Hätten die Maya von Genen und Vererbung etwas gewusst, hätten sie auf die unkonventionelle Begräbnisart verzichten können 🙂
Bei vielen Gebäuden ist oft die Darstellung von Unterwelt, die irdische Welt der Lebenden und eines Himmels dargestellt. Unten mit dem Totenkopf stellt die Unterwelt dar. Darüber die irdische Welt und über dem Tor die Darstellung des Himmels.
Die Treppe von Capan ist berühmt. Der Text darauf ist der längste erhaltene Maya-Text, der bisher gefunden wurde und berichtet über die Geschichte von Copán. Auf der Treppe sind 6 Herrscherfiguren dargestellt. Das die Treppe gegen Witterung geschützt ist und auch, dass man diese nicht mehr betreten darf ist gut. Ich hätte mir aber eine etwas ansprechendere Überdachung gewünscht.
Der Ballspielplatz. Gespielt wurde der Ball mit Oberkörper und Schultern. Ziel war es die Figuren am Rand zu treffen.
Gespielt wurde ausschließlich auf den Steinschrägen, die ungefestigte Fläche in der Mitte war ein kein Teil des Spielfeld. Die Motivation hier zu spielen hatte für die Maya allerdings eine andere Bedeutung. Der Sieger wurde geopfert, was als Ehre galt und geopfert wurden ausschließlich männliche Adlige.
Menschenopfer spielten anfangs keine Rolle bei den Maya. Die Menschenopfer kamen erst gegen Ende der Maya Dynastie. Opfer für Regen, gute Ernte und so weiter waren selbstverständlich. Anfangs gab es das Übliche: Pflanzen, Tiere ect, was sicherlich den Priestern zugutekam 🙂 . Waren die Adligen der Meinung, dass der Priester kein Erfolg bei den Göttern hatte, so beschwerten sie sich. Die Antwort der Priester war dann meist, eure Opfer waren nicht ausreichend, dann müsst ihr nun ein Menschenopfer beisteuern. Da dies aber ausschließlich die Adligen stellen musste, überlegten diese sich das natürlich zweimal. Allerdings veränderte sich das im Lauf der Zeit. Polygamie war bei den Maya normal. Dementsprechend wuchs die Bevölkerung von Generation zu Generation. Wenn jeder Mann drei Frauen hatte, diese Kinder auch wieder mehrere Frauen hatte, kann man sich vorstellen, dass die Bevölkerung exponential wuchs. Das hatte mehrere Auswirkungen. - Die normale Maya Bevölkerung musste eine immer größere (um gemein zu sein) unproduktive und verwöhnte Adels-Kaste mit durchfüttern. Was zu Unmut führte - Auf Grund der wachsenden Bevölkerung führte zu einem massiven Abholzen der Berghänge um die Städte herum. Holz wurde zum Kochen gebraucht, zum Brennen des Putzes, als Gerüste für Herstellung der Tempelanlagen. Durch das Abholzen erodierten die fruchtbaren Gebirgshänge durch den Regen. Der fruchtbare Boden wurde in die Täler gespült und somit wurden die Flächen für den Anbau von Lebensmittel immer weniger Das Ende der Maya Kultur von Hunger und Entbehrung geprägt, einer großen Adelskaste, die mit durchgefüttert wurde, Krankheiten aufgrund von Seuchen. Das führte dazu das die Menschen nach und nach wegzogen und so die Maya-Kultur verschwand. Aber um auf die Menschenopfer zukommen. Mir erscheint es logisch, dass am Ende das Opfern von jungen Männern eine Reaktion auf die zunehmend wachsende Adelskaste war.
Wie gesagt der Sieger des Ballspiels wurden dann hier geopfert.
Das Opfer wurde über den Stein gelegt und ihm dann die Kehle durchgeschnitten. Das Blut floss die Rinnen hinunter. Warum die Kehle? Beim Durchtrennen der Kehle wird zum einem die Luftröhre durchtrennt, somit kann der Betroffen nicht mehr reden. Zum anderen führt es dazu das im Gesicht Muskeln um den Mund herum anfingen zu zucken. Für die Maya sah es so aus, als ob der Geopferte still mit den Göttern redet. Ich frage mich wirklich, wie viele junge Männer nach dem durchtrennen der Kehle kapiert haben, dass sie ganz gewaltig verarscht worden sind.
Nach 4 Stunden Führung verlassen wir die Ruinen. Ich merke wie wenig ich wirklich von den Mayas wusste. Wir fuhren zurück in die Stadt und aßen lecker zu Mittag. Danach wollte Rafael uns in Hotel zurückfahren. Wir hatte aber noch Pläne und wollten den Macaw Mountain Bird Park anschauen. Bereits in den Ruinen flogen etliche Scharlacharas um uns herum.
Sie alle stammen, angeblich, aus diesem Park, in dem Aras nachgezüchtet werden um dann auszuwildern. Ich bin skeptisch ob in diesen Aufzuchtstationen dies wirklich so funktioniert, denn Auswildern und Gewöhnung an Besucher schließen sich etwas aus. Aber ich bin im Urlaub und kein Aktivist bei der Arbeit, daher schlendern wir durch den Park und ich hoffe, dass die Aras wirklich ausgewildert werden können. Nicht nur Aras, auch Tukane und Papageienarten sind dort zu finden. Gute Fotos von den Tieren in den Käfigen ist schwer. Am Ende ist ein Platz wo ein paar Tiere auf den Stangen sitzen und man sich daneben stellen kann um sich mit den Tieren fotografieren zu lassen. Diese Vögel können definitiv nicht mehr ausgewildert werden.
Wir fahren ins Hotel zurück und diesen Abend machen wir uns auf den Weg um in einem Restaurant der Stadt etwas zu essen. Wir finden eine nette Pizzeria in Laufweite und beim Abendessen kann ich die hocheffiziente Stromleitungsverlegung in Honduras bewundern. Glücklicherweise bin ich Bauingenieur und nicht Elektroingenieur 🙂
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #3
Mi 25.2
Nach dem gestrigen schönen Tag, kam heute ein eher gewöhnungsbedürftiger Tag. Der Morgen fing mit Sonnenschein an. Die Kaltfront der letzten Tage war endlich vorbei.
Das Frühstück zu bestellen war wieder gleichschwierig wie tags zu vor. Gemeinerweise fanden wir hinterher bei unser finalen Zimmerkontrolle, dass wir wirklich wieder alles eingepackt haben, einen Zettel mit den Frühstückmöglichkeiten auf Englisch. Wäre echt nett gewesen, wenn wir beim Ankommen darauf hingewiesen worden wären. Nein, der Zettel lag nicht so, dass man ihn sofort bemerkt hätte.
Um 8:30 kam Rafael und wir fuhren zum Lago de Yojoa, der größte und auch einzige Binnensee von Hunduras. Im Programm stand „Unsere Reise geht auf einer malerischen Fahrt weiter zum Yojoa-See“.
Malerisch bedeutet: 6h fahrt für 200km, auf Schlagloch geprägten Landstraßen, die einen zwingen auf Schrittgeschwindigkeit runter zu bremsen. Gibt es keine Schlaglöcher, so sind es die Speed Bumper, die in jedem Dorf alle 100m auftauchen. 6h lang Gas geben, stark abbremsen, Gas geben … ect. Ja die Sicht aus dem Fenster auf die Berglandschaft von Honduras war schön, das Fahren macht aber einen mürbe. Um 3 Uhr erreichen wir den See und kehren zum Mittagessen ein. Rafael pries uns den heimischen Fisch Tilapia an und wirklich er war sehr lecker. Nur leider vom See sieht man nicht viel. Alles zugebaut und man kann nicht direkt ans Ufer. Da hatte ich wohl zu hohe Erwartung als ich von dem See in der Reisebeschreibung gelesen habe.
Gestärkt und wieder bereit für die Straße fuhren wir zum Pulhapanzak, angeblich der schönste Wasserfall in Honduras, aber definitiv die Inspiration für den Wasserfall im Dschungelbuch 1967 von Walt Disney. Wir sind gegen halb Fünf dort. Vom Licht her zum Fotografieren war es genau richtig, aber zu spät eine Zipline-Fahrt über den Wasserfall (was wir eh nicht gemacht hätte, weil wir das für dämlich halten) aber auch zu spät für die Wanderung, bei der man hinter den Wasserfall hätte gehen können. Vielleicht auch ganz gut so, denn man wäre klitsche klatsche Nass zurückgekommen.
Nach einer 3/4h verlassen wir den Wasserfall und fahren zu unserer Unterkunft Luna del Puente. Auf der Fahrt dahin kommen wir immer wieder an schönen Aussichtspunkten auf den See vorbei, vor allem weil die Lichtstimmung so toll war. Nur ich war nicht der Fahrer. Bis ich realisiert habe, hier wäre ein schöner Fotospot, waren wir schon weitergefahren, ich konnte nirgends Haltemöglichkeiten entdecken. Außerdem wollte ich auch nicht anhalten lassen, wenn Rafael gerade ein langsames Fahrzeug überholt hatte, da die Überhohlmöglichkeiten begrenzt waren. Und zu guter Letzt wollte ich mich für die Fotos nicht abhetzen. Einmal Kamera hochreisen und abdrücken ist nicht meine Motivation bei Landschaftsfotografie. Also saß ich stumm im Auto und schloss resigniert das Kapitel Yojoa-See ab.
Mit Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unsere Unterkunft Luna del Puente. Über Schotterwege in völliger Dunkelheit schleppten wir unsere Koffer zur Rezeption, die mit Schummerlicht beleuchtet war. Der Empfang dort war reserviert und die Dame sprach, welch Überraschung, nur spanisch. Nach Ausfüllen eines Formulars liefen wir erneut durch völlige Dunkelheit zwischen Bäumen und Sträucher zu einem unbeleuchteten Hüttchen. Uns wurde die Tür aufgeschlossen und innen Licht angemacht. Als ich eintrat, wäre ich am liebsten wieder umgekehrt und nach Hause geflogen. Man muss mir zu Gute halten, ich war zu dem Zeitpunkt von den 8h Fahrerei fertig und meine Stimmung angeschlagen. Mir war bei Buchung der Reise nicht bewusst, dass das eigentlich ein Fahrtag mit ein bisschen Sightseeing war. Ich hatte da auf ein besseres Verhältnis von Fahren zu Besichtigen gehofft. Und ich wollte mich erstmal gemütlich aufs Bett legen und entspannen. Ganz große Fehlanzeige.
Da Zimmer war nicht dreckig oder eklig, es war so ziemlich das trostloseste Zimmer in einem Urlaub, was ich gesehen habe. Es versprühte den Scharm einer Gefängniszelle. Ein Doppelbett mit 1,2m Breite, glücklicherweise ein zweites Einzelbett, ein Bild, Bretter als Nachtisch und ein Kofferabstellregal und das wars. Das Ganze wurde von einer LED-Lampe mit kaltbläulichen Ton schattenlos ausgeleuchtet. Die Fenster waren mit Holzbrettern verschlossen. Ich brauch kein Luxuszimmer, und ich habe weiß Gott in genug einfachen Unterkünften übernachtet, aber ich brauche den Eindruck von Gemütlichkeit. Zwei Lampen auf dem Nachtisch mit warmem indirektem Licht wären schon ausreichend gewesen. Aber Fehlanzeige. Ziemlich geschockt von dem Zimmer verabschieden wir uns von Rafael und versuchen uns etwas einzurichten. Klar ist auch ich schlafe im Einzelbett, zu zweit im dem Doppelbett geht schief. Wir beschließen zum Essen zu gehen. Vor dem Zimmer haben wir eine Veranda, die im Gegensatz zum Zimmer sogar ganz charmant wirkt. Wir lassen das Außenlicht an und stolpern über unbeleuchtete Wege zum, sagen wir es höflich, Essensbereich. In der Ferne können wir Lichter erkennen und halten darauf zu. Als ich eine Cola bestelle und es heißt die hätten sie nicht, ist endgültig die Luft bei mir raus. Selbst in Kuba auf der Isla de Juvendut gab es Cola, zwar „nur“ die kubanische aber, im Gegensatz zur Butter, ging die nicht aus 😁 Ich schaue meine Frau an und sage ihr, dass ich gerade ganz massiv an dieser Reise zweifle, ob das wirklich das Richtige für mich ist. Es erschreckt mich selber, denn in all den letzten 25 Reisejahren habe ich so etwas noch nie empfunden.
Mein bestelltes Essen kommt, welches glücklicherweise klein ausfällt, wir sind noch satt vom Mittagessen. Aber das Essen weckt die Lebensgeister und als wir dann noch anschließend am vorbereiteten Lagerfeuer sitzen, hebt sich meine Stimmung wieder soweit, dass ich mich mit den Gegebenheiten abfinden kann. Auf dem Weg zurück in unsere „Gefängniszelle“ merken wir hier ist es ganz schön kalt. Die Betten haben nur dünnes Bettzeug und wir ziehen warme Sachen zum Schlafen an. Ich sogar einen leichten Pullover.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #4
Do 26.02
Ich habe in der Nacht sogar wirklich gut geschlafen, trotz der Kälte. Beim Öffnen der Holzfensterverschläge sehe ich, dass die Fenster überhaupt keine Scheiben haben, sondern offen sind und nur mit einem Insektengitter versehen sind. Sofort kommt ein kalter Wind ins Zimmer und ich mache den Holzverschlag wieder zu. Beim kurzen Öffnen konnte ich Regen prasseln hören und als wir zum Frühstück aufbrechen, mache ich mich auf einen Regentag gefasst. Stattdessen ist über uns ein strahlend blauer Himmel. In der Nacht muss die Luftfeuchtigkeit so hoch gewesen sein, dass es an den Bäumen und Pflanzen kondensiert hat, so dass das Wasser nur so runtertropft.
Wir erkunden die Gartenanlage um unsere Hütte herum. Es ist alles wunderschön bepflanzt und um unsere Hütte, die von außen malerisch anmutet, schwirren die Kolibris herum. Also eigentlich alles toll. Unsere ungemütliche Behausung im Inneren steht dazu im vollen Gegensatz.
Wir frühstücken und wir können uns mit der Dame, die uns bedient sogar auf Englisch unterhalten. Hinterher finden wir heraus, dass es die Besitzerin ist.
Luna del Puente ist ein kleines privates Naturreservat, in dem aber auch Landwirtschaft betrieben wird. Kakao, Kaffee und noch 3 weitere Sache, die ich mittlerweile vergessen habe, werden angebaut. Aber alles auf kleinen Flächen und die Produkte werden für die Eigenproduktion verwendet, sprich Schokolade, Kaffee ect wird im eigenen Shop verkauft. Darüber hinaus sind sie stolz auf die hohe Anzahl von Vögeln und es ist wohl ein kleiner Geheimtipp für Birder.
Nachdem Frühstück stößt Rafael wieder zu uns. Übernachtet hat er in einem Ort am Yojoa-See. Wir bekommen zu dritt eine Kakaoführung durch Martina, die junge Tochter der Besitzer. Zuerst ging es zu den Kakaopflanzen. Aus der kleinen Blüte entstehen die Kakaofrüchte, die es in Grün und rot gibt. Wenn die Früchte reif sind, sind sie gelb und orange.
Nach der Ernte werden die Früchte aufgebrochen und die darin enthaltenen Kakaobohnen erstmal fermentiert.
(Leider noch nicht reif)
Bis zu 60°C können dabei entstehen. Durch die Fermentation intensiviert sich das Kakaoaroma. Die fermentierten Kakaobohnen werden anschließend getrocknet. Wir bekommen eine getrocknete Bohne aufgebrochen zum Probieren und man schmeckt bereits den intensiven Kakaogeschmack.
Anschließend werden die Kakaobohnen geröstet und gemahlen und man erhält das Kakaopulver. Schokolade wird nun daraus, dass man Zucker, Fett ect zum Kakaopulver dazufügt.
(Die ganzen Arbeitsschritte)
Unter Anleitung von Martina mahlen wir die gerösteten Kakaobohnen inkl. der Schale und fügen braunen Zucker dazu.
Das Ganze wird nochmal durch die Mühle gedreht und anschließend auf dem Herd erhitzt. Wir bekommen Alustreifen, legen darauf die Schokolade, klappen es zu und pressen von Hand die Masse zusammen. Am Ende haben wir unsere eigene Schokolade mit einem sehr intensiven Kakaogeschmack aber auch mit starken Raucharomen, da die Schale mitgemahlen wurde. Ist geschmacklich etwas gewöhnungsbedürftig, es war aber cool zu sehen wie Kakao und Schokolade hergestellt wird.
Die Fermentation der Bohnen ist allerdings nicht zwingend erforderlich. Bei Billigschokolade wird darauf verzichtet. Der Geschmack kommt da meist durch die Zusätze als vom hochwertigen Kakao. Wir aber auch unser Guide Rafael ist von der Kakao-Vorführung begeistert.
Anschließend steigen wir wieder ins Auto und Rafael fährt mit uns in den Azul Meamber Nationalpark zu einer Wanderung.
Als wir dort ankommen ist klar, dass die große Runde bis auf den Gipfel zeitlich nicht mehr machbar ist. 4h braucht man dafür. Als wir loslaufen und mir bereits der Schweiß nach 5min den Rücken runter fließt, bin ich heil froh, dass wir „nur“ eine kleine Runde. Die Luftfeuchtigkeit von 90% und Steigungen vom zwischen 30° und 40° sind verdammt anstrengend. Hinzukommen bei mir die Nachwirkung einer Erkältung. Als wir zu einem großartigen Aussichtpunkt über den Yojoa-See kommen, entscheiden wir umzukehren und noch einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall zu machen.
Um Fünf sind wir wieder in Luna del Puente, nachdem wir vorher wieder ein monströses Mittagessen gegen 15 Uhr verspeist haben. Am Morgen wurde uns von Martina bei der Kakaoführung vorgeschwärmt, dass sie einen tollen Ansitz zum Vogelbeobachtung hätten und wir sollen einfach Bescheid geben, dann würde man noch etwas Lockfutter vorbeibringen. Daher sind wir zur Rezeption um zu fragen, ob sie das organisieren können. Diesmal waren leider nur Angestellte da, die kein Englisch konnten und wir kein Spanisch. Also mittels Google-Translator kommuniziert. Als erstes kam, dass wir zu spät seien die Vogelfütterung gebe es nur um 15 Uhr. Ne, ne, ne Madam nicht mir, denke ich mir so. Also verweise ich darauf das Martina uns das heute Morgen angeboten hat. Die Angestellte verschwindet und kommt dann wieder mit der Info, dass das 200 Lempira (knappe 8€) pro Person kosten würde. Also prinzipiell finde ich es in Ordnung etwas Geld zu verlangen, denn so einen Ansitz zu bauen und zu betreiben ist schon ein Aufwand. Mir kam das aber in der Situation als Abschreckargument vor. Ich stimme aber zu und bezahle. Dann können meine Frau und ich in den Ansitz. Ich mit Kamera, meine Frau mit Fernglas. Bis kurz zur Dämmerung blieben wir dort. War wirklich schön.
Auf Abendessen verzichten wir diesmal. Da die Mittagessen immer so extrem reichhaltig ausfallen und leider auch so spät stattfinden, sind wir noch papp satt. Mit einem Getränk lassen wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #5
Fr 27.02
Rafael wollte an diesem Tag sehr früh los und fragte uns ob wir bereit wären schon um 7:30 starten. Von unserer Seite ging das klar, nur so früh gab es noch kein Frühstück. Rafael konnte dies aber organisieren.
In unsere Reisebeschreibung stand, dass wir heute zur Omega Lodge in Vale Cangrejal nahe La Ceiba gefahren werden. Sollte die Zeit reichen könnten man den Botanischen Garten in Tela besichtigen. Wollte Rafael deswegen so früh los?
Die unverblümte Wahrheit war, dass Rafael uns so schnell wie möglich zur Omega Lodge bringen wollte, denn dann war seine Arbeit erledigt. Reine Fahrzeit wieder um die 6h. Die Omega-Lodge war der letzte Punkt bevor wir nach Roatan weiterreisten. Und Rafael wollte danach nach Hause zu seiner Familie und von der Omega Lodge zu sich nach Hause waren es nochmal 4h. Von der menschlichen Seite ist das völlig verständlich. Aus Sicht des zahlenden Touristen eher blöd. Als wir dann in Tela waren und wir explizit nach dem Botanischen Garten gefragt haben, lies es uns die Wahl offen, sagt aber es wären dann noch jeweils min 30min hin und zurück über üble Schotterpisten. Auf geschickte Weise versuchte er es uns etwas madig zu machen. Natürlich haben wir beide das Spiel durchschaut. Da wir uns die ganze Zeit sehr gut mir Rafael verstanden hatten und wir auch nicht wirklich so scharf darauf waren, den botanischen Garten anzuschauen, entschieden wir weiterzufahren. Ich glaube die Entscheidung war gut, denn der Nachmittag in der Omega-Lodge war sehr schön.
Gegen 14 Uhr kamen wir in der Lodge an und verabschiedeten uns von Rafael. Er war ein angenehmer Guide, hat in Copán einen super Job gemacht, war nie zu aufdringlich, konnte aber immer unsere Fragen beantworten und hat uns sicher an Ziel gebracht.
Die Lodge lag gefühlt mitten in einem Regenwald. Wegen der Erfahrung mit Luna del Puente war ich sehr zurückhaltend mit den Erwartungen an diese Lodge. Glücklicherweise war es der krasse Gegensatz dazu. Wir bekamen ein großartiges Zimmer, in dem man sich total wohl fühlen konnte. Den Rest des Tages verbrachten wir mit lesen am und im Pool.
Als wir beim Abendessen saßen, gab es plötzlich einen dumpfen Schlag. Wir schauen uns um. 1,5m neben war eine kleine Schlange vom Dach runtergefallen. Die hatte einen Gecko gejagt und dabei sind beide runtergefallen. Im Maul der Schlange zuckte der abgeworfene Schwanz, während der Gecko daneben saß.
(links die Schlange, rechts der Gecko, oben ein verrückter Fotograf 🙂 )
Der Lodge-Besitzer war gerade in der Nähe und hatte schon Sorge, dass wir voll Panik davonrennen würde. Umso überraschter war er, dass meine Frau sitzen blieb und ich mit „Wie geil ist das denn, ich brauche meine Kamera“ aufstehe, eine großen Schritt über die Schlange mache und 1min später auf dem Boden mit Kamera im Anschlag liege. Nach dem Abendessen gehen wir noch zu einem kleinen Tümpel in der Anlage, weil es dort den berühmten Rotaugenfrosch geben soll. Wir konnten ihn tatsächlich finden.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #6
Sa 28.02
Ursprünglich war geplant den Tag in La Union zu verbringen. Mittels einer Draisine wäre es dann in das Cuero y Salado Wildlife Refuge gegangen, in dem wir mit einem Boot die Mangroven zu erkunden sollten. Leider bekamen wir eine Woche vor Abreise mitgeteilt, dass die Bahnstrecke beschädigt sei und deswegen dieser Ausflug nicht stattfinden konnte. Stattdessen war am Vormittag eine Rafting-Tour, wofür letztendlich auch die Omega Lodge bekannt ist, angesetzt. Nach Erhalt von Helm und Schwimmweste und einem 15min Marsch waren wir dann am Fluss und bestiegen die Raftingboote. Es hat richtig viel Spaß gemacht.
Am Nachmittag machten wir eine von den drei möglichen Wanderungen, die man um die Omega Lodge wandern kann.
Als wir in der Lodge ankommen treffen wir die Besitzerin am Yoga Pavillon und die letzten Meter laufen wir zusammen. Ich sage ihr wie toll ich die Lodge und auch unser Zimmer finde. Daraufhin erfahre ich, dass sie früher eine reine Backpacker-Lodge gewesen seien. Während Covid haben sie die Zeit genutzt und die Lodge umgebaut. Und das war genau richtig, denn Backpacker seien von Natur aus mit allem unzufrieden gewesen. Jetzt würden sie deutlich mehr positive und auch dankbarere Resonanz erfahren, und man kann damit auch besser Geld verdienen. Was mich anhand meiner Erfahrung bei dieser Reise nicht arg verwundert. 😄
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201925. März 2026 · #7
So 28.02
Unsere Überfahrt nach Roatan war für 16:30 gebucht und wir sollten um 14 Uhr abgeholt werden. Nach einem geruhsamen Frühstück machen wir nochmal eine Wanderung, diesmal die längste von den Drei und erleben Urwald-Feeling. Verschwitzt aber zufrieden kommen wir zurück.
Nach Dusche und Mittagessen steht dann 5min vor 14Uhr ein Taxifahrer da. Er hat zwar andere Namen aber er soll zwei Personen zur Fähre nach Roatan bringen. Als er unser Gepäck sieht, bekommt er die Krise und ich befürchte schon er verweigert die Fahrt. Ich hatte im Vorfeld dem Reiseveranstalter gesagt, dass wir mit insgesamt 4 großen Koffern kommen. Einfach weil wir zum Tauchen unser eigenes Equipment dabei haben und das füllt jeweils einen Koffer. Außerdem kommt man zur Lodge nur über unbefestigte Schlagloch versehene Gravelroads. Fahrzeuge mit mehr Bodenfreiheit sind kein Luxus, aber warum in diesem Land die Taxis alles nur normale PKW sind, wissen nur die Taxifahrer. Wir bekommen unter Zuhilfenahme des Beifahrersitzes alle Koffer unter. Seine Befürchtung deswegen aufzusitzen kann ich nicht nachvollziehen. Die zwei zusätzlichen Koffer machen gerade mal 40kg aus. Beim Losfahren rammt er eine Mauer, und seine Laune sinkt noch weiter. 15min kommuniziert er über Whatsapp mit jemanden und ich beobachten wir Fotos von unseren Koffern hin und hergeschickt werden. Nach 15min bin ich kurz davor zu explodieren, denn wegen den ganzen Whatsapps fährt er in Schrittgeschwindigkeit. Hallo, wir müssen noch eine Fähre erwischen. Außerdem sind 2 Koffer wirklich kein Anlass sich 15min so zu ärgern, zumal es offensichtlich ist, dass wir nicht aufsitzen. Subtil frage ich wie lange wir zu Fähre brauchen, und endlich legt das Smartphone weg und fährt schneller. Als die Gravel-Road hinter uns liegen und wir wieder Asphalt haben, gibt er Gas und fährt wie der Henker. Danach wusste ich warum Rafael meinte seine langsame und defensive Fahrweise zu verteidigen.
Kurz nach drei erreichen wir das Fährterminal und wissen nicht so recht wie es weitergeht. Da winkt ein Mann uns zu sich. Es stellt sich heraus, dass wir hier unser Gepäck hier aufgeben sollen. Ich zeige unser Fährtickets und er zeigt zu einer Reihe von Schalter. Keine Ahnung was ich da machen soll. Also lauf ich hin, zeige die Tickets und die zeigen weiter nach links. Am letzten Schalter erfahre ich, dass ich noch ein Steuer (wofür, keine Ahnung) zahlen muss. Nachdem ich das gemacht habe, bekomme ich einen Zettel und wir dürfen dann durch eine Sicherheitsschleuse in Wartebereich der Fähre. Boarding für die Fähre war laut Ticket 16:00, Abfahrt 16:30. Eine Stunde vor Boarding sollen wir da sein. Jetzt ist es erst 15:20 und plötzlich geht das Boarding los. Um 15:30 legt die Fähre ab. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wieso fährt die Fähre eine Stunde früher los?
Lange Rede kurz Sinn. Es gab wohl eine Fähre um 15:00 auf die wir gestiegen sind. Problem an der Sache. In Roatan waren wir 1h früher und mussten so lange warten bis unser Transfer zum Hotel erschien. Nur war das wirklich merkwürdig, wie alle anderen Gäste nach und nach abgeholt wurden und nur noch wir übriggeblieben sind.
Auf der Fähre gab es links und rechts zwei Fernseher für die Überfahrt von 1,5h. Auf dem linken lief ein Film über einen selbstverliebten Amerikaner, der sich selbst dabei filmte wie er Fische und Langusten harpunierte. Vor dem anderen saß eine Familie mit zwei jungen Töchtern und ein Angestellter suchte nach einem Film für sie aus der Mediathek. Warum er ausgerechnet einen Film mit Predators zeigt, weiß ich nicht. Nach fünf Minuten verlässt die Familie die Sitzplätze fluchtartig mit einem weinenden und völlig verängstigten Mädchen. Das Schlimmste dabei war noch, der Angestellte hat überhaupt nicht kapiert was er da angerichtet hat. Er bricht den Film ab und wählt Jeremy Wade mit seine aufgeblähten dümmlichen Angler-Doku über „Monster“Fische aus. Ehrlich gesagt auch nicht viel besser.
Als wir endlich abgeholt werden, ist die Fahrt in unser Hotel ziemlich lustig. Unser Fahrer war in den ersten 10min auch gleichzeitig unser Tourguide. Kamen wir an einer Sehenswürdigkeit vorbei, Brüllte er laut: „Hey guys, this is ,…… von Roatan“, wahlweise Haus des Bürgermeisters, Amtssitz des Bürgermeisters ect. Zuletzt wurde die Mall mit Subway und Spielkasino angepriesen. Danach war sein touristisches Repertoire aufgebraucht und die restlichen 20min wurden wir mit Songs von Britney Spears beschallt. Hit me Baby, one more time.
Wir bekommen Bungalow 14, welches von der Tauchbasis weit entfernt ist und auch noch ein gutes Stück am Berg oben liegt. Als wir das Zimmer betreten ist klar, hier machen wirklich viele Amerikaner Urlaub. Queensize Bett, ordentliche Schränke, und Kommoden. Wir gehen Abendessen und als wir wieder in unser Zimmer wollen, bekomme ich die Tür nicht auf. Unsere Tür hat zwei Schlösser: Eins im Griff und eins im Türblatt. Abgeschlossen hat ich das im Türblatt und beim öffnen, dreht es durch. Die Rezeption ruft den Hausmeister, doch der kann gegen ein durchdrehendes Schloss auch nichts machen. Sein Vorschlag ist über den Balkon (der so niedrig liegt, dass man drauf klettern kann) die Balkonschiebetür öffnen. Ich mache mir keine großen Hoffnungen, denn ich weiß, dass ich die Balkontür auch abgeschlossen habe. So ist es auch. Ich rüttle an der verschlossenen Tür, und plötzlich macht es „klack“ und die Schiebetür geht auf. Von innen kann ich dann die Zimmertür öffnen. Zukünftig haben wir dann nur noch das Schloss im Griff genutzt. Und unser Vertrauen in die Balkontür wurde auf Null gesetzt 🙂
Unser Hotel hieß Turquoise bay Dive & Beach resort. Und Nomen est omen. Die meisten der Hotelgäste waren Taucher, während die Tagesgäste sich am Strand erfreuten. Zwei bis dreimal die Woche wurden Gäste von Kreuzfahrschiffen hierher gekarrt und in der Zeit hatten die Kreuzfahrer auf dem Strand Vorrang. So hart das klingt, war das für uns völlig unproblematisch. Während die Kreuzfahrer sich ihren Sonnenbrand auf einem der tausenden Strandliegen holten, waren wir tauchen. Nach dem Tauchen gegen 16 Uhr waren die Tagesgäste weg und wir konnten einen menschenleeren Strand genießen. Es gab kleine Wasserbungalows, die wir Abends nutzen durften. Gemütliche Liegen mit Blick aufs Meer. Sehr nett gemacht.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201926. März 2026 · #8
Tauchtage von 01.3 bis 10.03
Die Tauchbasis und der Tauchbetrieb
Roatan ist fest in den Händen der amerikanischen Taucher und damit muss man sich vor Ort einfach abfinden. Als Deutsche sind wir dort wie bunte Hunde aufgefallen. DIN-Anschlüsse gibt es so gut wie nicht, wer also dort tauchen möchte muss einen INT-Adapter mitbringen, denn den gibt es vor Ort auch nicht.
Beim Einchecken wurde kein Brevet und kein Attest verlangt, Logbuch wurde nicht angeschaut. Man unterschrieb lediglich die übliche Verzichtserklärung und dass man die Unterwasserwelt achtet. Basisbriefing gab es keins, auf dem Boot hat sich dann irgendwann ein Divemaster unser erbarmt und hat uns die wichtigsten Sachen im Schnelldurchlauf erklärt.
Treffen vormittags war 8:30. Um 8:45 fuhr das Boot ab und um 12 war man zurück. Dazwischen gab es zwei Tauchgänge. Um das einzuhalten, waren die Tauchgänge meist nur 50min lang und die Pause zwischen den Tauchgängen mit Glück 1h, oft nur 40min. Meist sind die Tauchgänge 20 bis 25m tief, allerdings bleibt man lange im 20m Bereich. Von daher ist Nitrox hier ein Segen, was die Basis sich aber auch gut bezahlen lässt. Nachmittags ging es schon um 1:30 wieder los, damit man ja wieder um 15 Uhr im Hotel war. Nachttauchgänge wurden nur jeden Dienstag angeboten, dafür entfiel der Nachmittagstauchgang. Ich finde den Zeitplan etwas vollgepackt. Aber die Amerikaner möchten das so haben. Wir haben uns damit arrangiert. Es geht schon, aber in anderen Tauchgebieten wird das zeitlich entzerrt und empfinde ich als angenehmer.
Die Boote waren schnell so dass wir jeden Tag einen anderen Tauchplatz anfahren konnten. Von 24 TG waren gerade mal 2 Tauchplätze, die wir zweimal betaucht haben. Das habe ich auf Cozumel schon anders erlebt.
Allerdings werden die Boote mit so vielen Taucher wie möglich vollgepackt. Vormittags waren es um die 12 bis 14 Taucher, die alle in einer Gruppe tauchen mussten. Meist ein Guide vorne und ein Guide hinten. In den Riffen verteilt es sich halbwegs, aber es gibt spannende Tauchplätze mit Canyons und Höhlensystemen und da ist es eine Herausforderung eine solche große Gruppe ohne Verluste durchzuziehen. Nachmittags waren wir meist 5 oder 6 Taucher und das war deutlich entspannter.
Tauchguides haben wir von gut bis mittelprächtig gehabt, aber das ist in anderen Gebieten genauso.
Auf dem Boot herrscht eine nervige Hektik. Kaum ist das Tauchplatz-Briefing durch wollen sie alle ins Wasser. Buddy-Check habe ich nur bei sehr wenigen gesehen, und kaum im Wasser wird abgetaucht und unten gewartet. Vielleicht ist das auch bei solchen großen Gruppen ganz sinnvoll. Meine Frau und ich sind bei unserer Routine geblieben und waren meist die Letzten.
Kurz zum Thema Trinkgeld. Geplant hatte ich als Deutscher ein Trinkgeld für die 9Tage von 40-50Dollar pro Person. Unser Reiseveranstalter hatte uns dazu Zahlen mitgeteilt, da wären wir bei 400$ für uns beide rausgekommen. Ich dachte mir damals er hat da was durcheinandergebracht, zumal er es auch als absolut freiwillig beschrieb. Als nach 5 Tage einer der Guides verhältnismäßig penetrant das Thema Trinkgeld ansprach, unterhielt ich mich mit einem Taucherpaar, die wir in den Urlaub näher kennen gelernt haben. Und die bestätigten, dass es üblich ist hohe Trinkgelder zu geben. Offenbar ist es auch hier so, dass die Bezahlung der Guides nicht so üppig ist. Wir haben dann umgerechnet 5$ pro Tauchgang /Person an Trinkgeld gegeben.
Die Riffe und Unterwasserwelt.
Bevor ich mit den Bildern loslege, dazu ein paar Worte. Das große Barriere Riff vor Australien ist das längste Barriere-Riff der Welt und so ziemlich jeder hat davon gehört. Deutlich weniger wissen, dass das zweitlängste Barriere-Riff das Mesoamerikanische Riff ist. Es erstreckt sich mit 1000km von Yucatan, Mexiko bis nach Honduras und Roatan ist ein Teil davon. Wir waren ausschließlich (bis auf den Shark-Dive) auf der Nordseite von Roatan tauchen. Wie in der ganzen Karibik werden die Riffe von Schwämmen in unterschiedlichsten Formen und Größen und Weichkorallen dominiert. Wir haben von Fischschwärmen gelesen, aber ehrlicherweise hatten wir nur bei zwei Tauchgängen solche Schwärme. Ansonsten war es nicht so Fischreich wie erwartet, wir haben aber dennoch viel gesehen und erlebt.
Vorweg ich entschuldige mich schon mal für die schlechte Bildqualität. Für Unterwasser habe ich mich bewusst für eine GoPro entschieden und mache ausschließlich Filme. Daher habe ich lediglich Screenshots von meinem Film gemacht um die Bilder hier reinstellen zu können.
(Krötenfisch, der quakende Geräusche erzeugen kann)
Wrack Odyssey Dieses 100m lange Frachtschiff wurde 2002 bewusst als künstliches Riff versenkt.
Schildkröten waren ziemlich selten zu finden
Nachttauchgang
Immer wieder gab es Tauchplätze mit Canyons und kleineren Höhlensystemen
(Flamingozunge)
Eine der coolsten Unterwasserbegegnungen: Neugierige Tintenfische
(Barrakudas sind alles andere als scheu)
FAfahrinurlaub390 Beiträge · seit 200826. März 2026 · #9
Vielen Dank für diesen Reisebericht und die schönen Fotos, auch die Unterwasser-Fotos sind doch okay. Ich kenne in Mittelamerika nur die Länder Mexiko, Belize, Guatemala und Costa Rica (2x). Honduras und auch noch Panama finde ich interessant und steht auf meiner Liste. In Copan waren ja sehr wenig Menschen unterwegs, lohnt sich Roatan auch für Schnorchler?
BMBMW1'522 Beiträge · seit 201126. März 2026 · #10
Guten Abend Bonebreaker.......
so genial beschrieben.............Dein Humor ist genau meine Wellenlänge....... 😄 😄 😄
LG..........BMW
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201927. März 2026 · #11
@Fahrinurlaub Copan ist an Wochenenden und in den Ferien deutlich besser besucht. Wir hatten daher Glück. Allerdings hatte ich unseren Guide gefragt, wie sich der Tourismus sich entwickelt hat und er meinte, dass es nachgelassen hat. Ich denke, dass Roatan sich auch für Schnorchler eignet. Es hatte keine Strömung, war aber etwas wellig. Viele Riffe fangen im 3m Bereich an und dort sind sie meistens sehr schön bewachsen und man hat auch viele Fische. Allerdings liegen die Riffe etwas vom Strand weg, so dass man wohl nicht so einfach vom Strand schnorcheln kann, sondern mit dem Boot rausfahren muss. Das ohne Gewähr, da ich nicht schnorcheln war. Wir hatten nur einmal eine Schnorchlerin auf dem Boot, aber es gab extra Bootsausfahrten für Schnorchler.
@BMW Dass meine Reiseberichte so begeistern, finde ich super. Vielen Dank dafür. 🙂 🙂
BMBMW1'522 Beiträge · seit 201127. März 2026 · #12
Guten Abend Bonebreaker,
Barrakudas als "Einzelmaske" (siehe Dein Screenshot).. .....bin eigentlich eher der Meinung dass bei einzelnen
Barrakudas besondere Vorsicht geboten Ist......im Schwarm dagegen nicht...... besonders bei reflektierenden Gegenständen
(von wegen scheuer Barrakuda !!!) so wurde uns das auf den Malediven jedenfalls eingetrichtert... 😄 😄 😄 😄
oder sind dort " angenehmere " Verwandte ? 😄 😄 😄 😄
LG.........................BMW
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201927. März 2026 · #13
@BMW Prinzipiell hast du recht, einzelne große Barrakuda sind mit Respekt zu behandeln. In den meisten Fällen verschwinden sie wenn Taucher kommen. Der Eine mit Schiffshalter an der Backe war eher neugierig und ist um uns herum getaucht. Er war entspannt und neugierig. Keiner ist auf ihn zu geschwommen, sondern er hat bestimmt wie nahe er an uns ran wollte. Von daher war das eine schöne Begegnung. Das Barrakudas auf blinkende Dinge anspringen, kann ich bestätigen. Mich hat beim Filmen vor Jahren ein Barrakuda angegriffen, hat aber kurz vorher abgebrochen. Grund war meine Video-Lampe, weshalb ich seitdem Barrakudas immer ohne Videolicht filme. Denn der war so schnell, da hast du keine Chance zu reagieren. LG
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201927. März 2026 · #14
Auf einzelne Tauchgänge will ich separat eingehen.
Shark Dive
Dieser Tauchgang wurde nicht von der Tauchbasis durchgeführt, sondern von einer anderen Basis auf der Südseite nahe dem Flughafen. Der Transport dorthin wurde von Turquoise bay jeden Donnerstag organisiert. Am Donnerstagmorgen wurde unsere Tauchausrüstung auf einen Pickup geladen und wurde dann zu der Tauchbasis, die das durchführte, gefahren, während wir im Bus nachkamen. Dort angekommen gab es erstmal ein gutes Briefing in einem Englisch, das man auch verstehen konnte. War bei unseren Guides nicht immer der Fall 🙂 . Glücklicherweise hatte ich schon Tage zuvor erfahren, dass GoPros und andere Actionkameras hier nicht erlaubt sind. Andere Kameras schon. Als ich fragte „warum?“, hieß es die Frequenz würde die Haie aggressiver machen. Alle um mich „AHHHH, natürlich“. Ok, ich im ersten Moment auch, bis mein stickstoffumnebeltes Hirn mal ganz kräftig „Hey Moment mal, dass ist Blödsinn“ rief.
Hai können sehr gut magnetische Felder erkennen. Vor allem Schwache, wie sie jedes Lebewesen erzeugt. Kameras und andere elektrische Geräte erzeugen ein starkes Magnetfeld. Ungefähr wie eine Magnesiumfackel bei Mondfinsternis. Daher finden Haie Taucher mit Kameras voll interessant. Das eine Gopro eine spezielle Frequenz haben soll, halte ich für unwahrscheinlich. Wenn man mal im Internet recherchiert, dann findet man den wahren Grund. Ich bitte im Vorhinein um Entschuldigung, wenn ich jemanden mit meinen Worten auf den Schlipps drehte.
Es ist nicht die Gopro an für sich, sondern das Verhalten der Taucher und wie sie mit der Gopro umgehen. Viele haben die Teile noch auf einem Stick mit Verlängerung gesteckt und fuchteln damit in der Gegend rum und schieben die Kamera teilweise den Fischen in die Kiemen rein. Und so ein Verhalten macht die Haie verrückt. Und um der Diskussion aus dem Weg zugehen „ja da habt ihr schon recht, aber ich bin ganz anders und mache alles was ihr sagt“ haben sie ein generelles Verbot ausgesprochen. Und nachdem ich gesehen habe, wie meine Mittaucher sich teilweise verhalten haben, verstehe ich es sehr gut. Da ich nicht filmen konnte, kaufte ich den von der Tauchbasis gedrehte Film. Und natürlich sind nicht die Haie die Hauptprotagonisten auf dem Film, sondern wir Taucher. Denn jeder will auf den Film zeigen können: „Schau, das bin ich“. Eine der wichtigsten Regeln bei Haitauchen ist: ruhig bleiben, Hände am Körper, nicht rumzappeln. Was glaubt ihr was passiert, kaum dass die Kamera auf einen Taucher gerichtet war. Richtig! Voller Freude haben die meisten wie wild in Kamera gewinkt. Und das sind dann wahrscheinlich auch diejenigen, die ganz aufgeregt die Gopro den Haien entgegenhalten.
Mit 15 Tauchern ging es aufs Boot und vorbei an vier riesigen Kreuzfahrschiffen fahren wir 15min lang zum Tauchplatz. Als ich und meine Frau als einer der letzten abtauchen, sehen wir unter uns schon 15 karibische Riffhaie ihre Kreise ziehen. Cool. Wir bekommen einen Platz zugewiesen, wo wir bei der späteren Fütterung knien sollen. Die Tauchtiefe lag bei 20m. Danach darf jeder mal noch etwas im Kreis mit den Haien tauchen. Meine Frau macht das und wundert sich warum ich wie festgewurzelt auf meinem Platz bleibe. Doch, ich hatte schon Lust mit den Haien zu tauchen. Aber vor mir wuselten 15 Haie und ca 10 Taucher rum, was mir 9 Taucher zu viel waren 😄 . Und die Haie kamen auch nahe zu mir. Von daher hatte ich meinen Spaß. Betreut wurde das alles von zwei Tauchguides. Der eine hatte die Filmkamera, der andere die Köderbox mit dem Fisch. Und der war stehts von Haien umringt, da die wussten und rochen, dass da etwas zu fressen drin war. Nach 15min mussten alle sich auf ihren zugewiesenen Platz hinknien und die Köderbox wurde geöffnet. Darin war eine halbe Makrele. Ein Hai holte den Köder raus und ein zweiter Hai schnappte danach und beide balgten sich darum. Der Rest ging leer aus und das Spektakel dauerte vielleicht 30s. Die meisten Haien verschwanden in den Tiefen der Karibik, aber ein paar blieben noch da, genauso wie die Zackenbarsche. Danach drehte ich noch mit meiner Frau meine Kreise, während andere Taucher im Sand nach ausgefallen Haizähne suchten. Nach insgesamt 30min Tauchzeit wurden wir zum auftauchen aufgefordert. Und das war dann auch schon.
(Zackenbarsche gab es auch einige, sind halt Oportunisten 😁 )
Ein solcher Haitauchgang ist immer ambivalent zu betrachten. Ja wilde Haie werden konditioniert, d.h. die wissen wann und wo die Fütterung stattfinden und treffen sich dann dort regelmäßig ein. Die Fütterungsmenge selber ist so gering, dass kein Hai davon satt wird und von 15 Haien gehen 13 bis 14 Haie leer aus. Daher sind diese Haie nicht auf diese Fütterung angewiesen und der Tauchplatz, wo das stattfindet ist kein regulärer Tauchplatz. Sollten diese Fütterungen irgendwann eingestellt werden, ist Gefahr das die Haie jemanden verletzten, weil sie auf Futter aus sind, gering. So nahe wie hier kommt man nur sehr selten an Haie heran, und das war schon beeindruckend. Daher habe ich kein schlechtes Gewissen, das mal mitgemacht zu haben. Es wird wohl aber eine einmalige Sache bleiben, weil teuer genug ist es definitiv.
Rotfeuerfische
Rotfeuerfische sind wunderschönen Tiere, die in der Karibik aber leider nichts verloren haben. Sie sind aus anderen Meeresgebieten eingeschleppt worden und fühlen sich in der Karibik pudelwohl, da sie keine Fressfeinde haben. Sie entwickeln sich zu richtigen Wonnepropen. Im roten Meer findet man nur sehr selten so große Rotfeuerfische wie in der Karibik. Sie haben einen großen Appetit auf die einheimischen Fische und sind somit eine Gefahr und Bedrohung für die Artenvielfalt der Riffe. Daher haben die Guides in Roatan die Erlaubnis Rotfeuerfische zu harpunieren.
Nachdem wir bereits 5 Tage getaucht haben, fingen unsere Guides gezielt an, die Tiere zu jagen. An einem Tag wurden bei den Tauchgängen 8 Rotfeuerfische harpuniert. Das brachte aber die Ammenhaie auf den Plan. Als wir zum ersten Mal miterlebten, wie ein Rotfeuerfisch harpuniert wurde, vergingen 5min, da tauchte der erste Ammenhai auf. Er kam über einen Riffrücken geschwommen und schwamm von oben auf unseren Guide mit der Harpune zu. Der Guide sah ihn im letzten Moment. Erstaunlicherweise fraß der Ammenhai den Rofeuerfisch mit den giftigen Stacheln. Laut unserem Guide passiert den Ammenhaien nichts, so lange sie die Fische so fressen, dass die Stacheln sich nicht querstellen. Ich habe keine Ahnung ob das stimmt. Ich konnte nur beobachten, wie der Hai diesen Fisch und die Nachfolgenden unbeeindruckt fraß.
Später haben die Guides dann die Stacheln mit einer Schere abgeschnitten, bevor sie sie verfüttern. Die Rotfeuerfische gelten aber auch als Spezialität. Sie werden nicht gekocht, sondern mit Zitronensaft gegart (Ceviche). Uns wurde abends im Hotel von anderen Tauchern das mal angeboten. Meine Frau hat es probiert und meinte, dass es ganz gut schmeckt.
Mit dem Verfüttern an die Ammenhaie war angedacht, die Ammenhaie als neue Fressfeinde zu etablieren. Ich befürchte das klappt nicht ganz so wie geplant. Denn die Ammenhaie sind nicht doof. Warum sich die Mühe machen selber zu jagen, wenn regelmäßig Taucher vorbeikommen und die einem die Arbeit abnehmen? Wir hatten mehrere Tauchgänge, bei denen wir den gesamten Tauchgang von einem Ammenhai begleitet wurden. Und das hautnah. Freunde von uns haben einen Retriever. Bei Wanderungen rennt der Retriever freudestrahlend voraus, kehrt um, kommt regelmäßig zum Letzten um zu schauen ob alles in Ordnung ist und wenn man anhält um sich etwa anzuschauen, dann kommt er her, weil er auch wissen will, was da Spannendes ist. Und genauso lief das teilweise mit den Ammenhaien ab. Wie ein Hund schwammen sie um uns herum, neugierig und keines Falls aggressiv. Es waren ziemlich abgefahrene Tauchgänge.
Das Harpunieren sehe ich als vernünftige Lösung an. Solange es keine natürlichen Fressfeinde gibt, muss der Mensch zum Schutz der Riffe das übernehmen. Wenn das die Tauchguides übernehmen, dann finde ich das Sinnvoll zumal die regelmäßig an den Riffen sind und damit den Bestand kleinhalten können. Das Verfüttern an die Haie ist erstmal auch OK. Die Konditionierung der Haie hingegen ist, leider, blöd. Ich bin ehrlich, ich fands super, wie die Ammenhaie um uns herum sind. Hatte ich in der Art nur in Alimata auf den Malediven. Aber Verhaltensänderung von Tieren durch Eingriffe des Menschen sind problematisch. Ammenhaie sind glücklicherweise nicht aggressiv. Bei einem Tauchgang gab es keinen Rotfeuerfisch und der Ammenhai war deswegen uns Tauchern gegenüber kein bisschen aggressiv.
BOBonebreakerThemenstarter239 Beiträge · seit 201927. März 2026 · #15
Abreise
Alles hat mal ein Ende auch unser Urlaub und so kam der Mittwoch 11.03. Als wir mit langen Jeans zum Frühstück kamen, ernteten wir von unseren Mittauchern belustige Blicke. Kannten Sie uns doch bisher nur in kurzen Hosen und Taucher-T-Shirts. Am Vortag hatten wir einen letzten wundervollen Tauchgang gemacht, und während unsere Ausrüstung trocknete, nutzen wir Pool, Strand und die Wasserbungalows und als unser letzter Sonnenuntergang auf Roatan anbrach, machte sich eine gewissen Wehmut breit.
Das Hotel bot normalerweise nur Flughafentransfers um 8:15 (viel zu früh für uns) und um 10 Uhr, was für mich mal wieder der Horror war, weil wir dann nicht mal 2h vor Abflug dagewesen wären. Die Hotelrezeption meinte 2h würden reichen, ich war mal wieder skeptisch, weil…. . Mein Glück war, dass heute eine Reisegruppe für 9Uhr ein Shuttle bestellt hatte, und wir konnten da mitfahren. So standen wir mit unseren Koffern um 9Uhr bei der Rezeption und erfuhren, dass die Gruppe doch schon um 8:15 losgefahren seien. Also hatten wir diesen Sondershuttle für uns allein.
Am Flughafen angekommen standen wir 30min später an unserem Gate. Ich versprach meiner Frau beim nächsten Urlaub auf Roatan nehmen wir ganz sicher erst den 10 Uhr Shuttle 😁
Bei der Gepäckaufgabe hieß es wir müssten nicht unser Gepäck in Houston holen. Das würde direkt nach Frankfurt durchgeleitet. Auf unseren Koffern prangte dann auch ein Priority- und ein grüner Transitaufkleber. Den gleichen grünen Transitaufkleber bekamen wir auf die Bordkarten.
Als die offizielle Bording-Time war, sehen wir wie unser Flugzeug landet, vor unserem Gate stehen bleibt, und die Passagiere aussteigen. Schon genervt, dass wir wohl mit Verspätung abfliegen, zeigt sich, dass die Maschine in Windeseile gereinigt wird und wir sehr schnell einsteigen können. Nach dem Start kam dann die Mitteilung, dass wir 30min früher landen werden. Offenbar wird auf die Flugzeiten von und nach Honduras ein großzügiger Puffer eingerechnet. Mit 30 min früher wird es dann doch leider nichts, da wir einen Sturm weiträumig umfliegen müssen, aber 10min später wie regulär geplant, berühren die Reifen den Flughafen Houston.
(Ein letzter Blick auf "unsere" Tauchplätze)
Bei der Immigration ist diesmal eine längere Schlange als auf dem Hinweg, es geht aber zügig. Am Schalter genügt ein Blick in die Kamera und der Hinweis, dass wir in 3h nach Frankfurt weiterfliegen und schon sind wir durchgewunken. Wir kommen zur Gepäckausgabe und ich stelle mich an das Band mit den Koffern aus Roatan. Wir sind unsicher ob unser Gepäck wirklich weitergeleitet wird, weil normal muss jeder in den USA das Gepäck holen und beim Weiterflug wieder neu aufgeben. Wir fragen eine United-Mitarbeiter was mit unserem Gepäck geschieht. Er sieht meinen grünen Transitaufkleber und sagt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, United kümmert sich darum, dass es automatisch weitergeleitet wird. Offenbar ist das ein Service von United. Spoiler: Ja in Frankfurt kam unser Gepäck an, Daumen hoch!
Pünktlich besteigen wir unser Flugzeug nach Frankfurt.
Mit Vorfreude auf die Premium Economie komme ich zu unserem Platz und könnte Amok laufen. Das Gepäckfach über unseren Sitz ist mit den Hartschalen Koffern voll. Es stellt sich heraus, dass diese ein Teil der Koffer einer mehrköpfigen Familie sind, die sogar auf der anderen Flugzeugseite sitzt. Die Sitze neben und hinter uns sind noch alle leer. Offenbar haben sie sogar für die Kinder zwei Koffer dabei und haben das großzügig überall verteilt. Den Rucksack meiner Frau kann ich gut bei einem anderen Rucksack unterbringen, meinem mit der Kameraausrüstung nicht. Wütend drehe ich Koffer über mir hochkant und schaffe Platz für meine Rucksack. Als die Stewardess versucht das Fach zu schließen geht dies nicht, weil die Koffer zu hoch sind. Mist. In Erwartung der Aufforderung meinen Rucksack zwischen die Beine zunehmen, habe ich eine entsprechende Antwort vorbereitet, doch es kommt anders. Die Stewardess sucht einen freien Platz und läuft nach hinten. Mein Puls geht runter und ich überdenke meine Optionen. In der Businessclass vor mir sind etliche leere Gepäckfächer und ich frage nach, ob ich da meinen Rucksack verstauen kann. Ich bekomme die Erlaubnis. Ich weiß viel Wirbel um nichts, mich regt es aber auf, wenn die Leute mit ihren zwei Koffern mir den Platz für meinen Rucksack wegnehmen. Die sollen ihren zweiten Koffer einfach aufgeben, zumal beim Boarding mehrfach darum gebeten wurde und es kostenlos möglich war.
Der Nachtflug ist trotz Beinfreiheit nicht ganz so toll, vor allem deswegen, da die Kleinkinder der Großfamilie mit ihrem Geschrei und Rennerei im Gang nicht nur die Eltern auf Trap halten. Tja offenbar ist man auch bei Premium Economie nicht davor gefeit 😄
Die Maschine kann glücklicherweise vor dem herannahenden Unwetter noch starten. In der Luft ist es spannend zu sehen wie die Blitze unter uns die Wolken erhellen.
Wir landen pünktlich in Frankfurt und 3h später sind wir wieder zu Hause.
Fazit Die Reise war schön, wir haben viel erlebt und die Zeit genossen. Das Verhältnis von Fahrtage zu Ausflugstagen bei unserer Inlandtour hätte ich mir etwas anders gewünscht, aber zum einen wüsste ich nicht wie man das hätte besser machen können. Die Straßen in Honduras sind wie sie sind. Zum anderen lag der Schwerpunkt beim Tauchen und wir waren nur bereit eine Woche dafür anzusetzen. Daher, unterm Strich, alles gut.
Mit der recht funktionalen Einrichtung der Unterkünfte habe ich meine Probleme, aber das ist wohl etwas auf das man sich einlassen muss. Wie so oft bei mir, wenn ich so etwas für die Zukunft weiß, kann ich damit auch besser umgehen.
Roatan selber war toll. Wir haben viel gesehen und die Haibegegnungen bleiben unvergesslich. Von daher ein fast würdiger Ersatz zu Cocos Island. Nach den 9 Tauchtagen aber waren wir soweit, dass wir sagen können Alles gesehen zu haben, und wir auch gar nicht länger hätten tauchen wollen.
So schön alles auch war, aber Honduras hat mich nicht so gefangen genommen, wie z.B das südliche Afrika, um sagen zu können, ich muss unbedingt wieder kommen. Aber beim Genuss einer guten Zigarre aus Honduras werde ich sicher an diese schöne Zeit denken.
BMBMW1'522 Beiträge · seit 201127. März 2026 · #16
Ops...........ein "FAST" würdiger Ersatz..........das "FAST" ist ein unterschwelliges Geständnis......
für mich ein Signal...... 😄 😄 😄 😄
vielen Dank für den ganz tollen Bericht.......habe wieder viel gelernt........über Tauchgewohnheiten