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PIpicco6'360 Beiträge · seit 201111. März 2026 · #41
Hoi Christian
Für nächstes Mal: Man kann in Google Maps auch karten offline speichern, dann klappts auch ohne Netz so gut wie es halt mit Google Maps klappen kann...
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202511. März 2026 · #42
@Silvia: Ja, das Hotel war schon sehr speziell. Wir haben es aber relativ gelassen genommen. War ja nur eine Nacht, im Prinzip kaum 10 Stunden und die Betten waren völlig in Ordnung, wesentlich bequemer als eine Isomatte in einem Zelt.
Vielleicht ist der Laden bei meiner Schilderung gestern etwas zu schlecht weggekommen. Ich habe mich nämlich am Frühstückstisch mit meiner Tochter ausgiebig über die Bauqualität unterhalten und ihr erklärt, dass dieses Bauwerk ein schönes Beispiel für einen der Gründe sei, warum es in Afrika seit langem nicht wirklich vorwärts geht, während etwa in Asien viele Staaten, die vor einigen Jahrzehnten noch ähnlich arm waren, einen gewaltigen Aufschwung erleben. Dazu musste ich mir dann sagen lassen, dass ich ganz schön überheblich sei. 😉
@Caroline: Ja, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist schon besonders ausgeprägt in Tansania, wenn auch nach meiner Erfahrung in den meisten Teilen der Welt die Menschen hilfsbereiter und zugewandter sind als in Europa.
@Picco: Danke Dir für den Tipp. Grundsätzlich sind mir die Offline-Karten von Google Maps schon bekannt. Aber der erste Weg zum Gate war ja eine spontane Idee, als wir an der Straße das Hinweisschild sahen und so nicht geplant. Ich wollte es halt mal wieder auf konventionelle Art versuchen. Ich komme ja aus einer Generation, die noch mit Straßenkarten in den Urlaub gefahren ist.
Die Pisten Im Mkomazi sind leider überwiegend bei Google nicht verzeichnet. Und die Karte von TANAPA, die Du vor Monaten mal zur Verfügung gestellt hast, hat leider auch viele Abzweige nicht verzeichnet. Der Ranger hat mir im Prinzip den Weg zum Kamakota Gate mittels Schilderung der jeweiligen Umgebung (Bäume, Hügel etc.) zu erklären versucht. Da wurde mir schnell klar, dass das mit meiner Orientierung nichts wird.
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202511. März 2026 · #43
Durch den Mkomazi nach Tanga
Am Morgen machen wir uns zum vierten Mal auf den Weg zum Zange Gate und werden dort schon erwartet. Außer uns sind weit und breit keine Besucher zu sehen, weshalb sich gleich drei oder vier offenbar weniger ausgelastete Mitarbeiter um uns kümmern. Wir erhalten eine Einführung in die Tierwelt des Mkomazi und man versucht uns die Nashorn-Aufzuchtstation schmackhaft zu machen. Da wir dafür einen größeren Umweg fahren müssten und wohl zwei Tage bräuchten, lassen wird das aber. Ich finde den Aufpreis auch durchaus überzogen.
Gegen die Wildhund-Aufzuchtstation haben wir uns bereits auf Grund von @Piccos Reisebericht von Januar 2025 entschieden. Ich fahre nicht durch einen Wildtierpark, um dort ein großes Hundegatter zu besuchen. Die Arbeit dort mag wichtig und gut sein. Als Attraktion empfinde ich sie nicht.
Wir entscheiden uns daher, vom Zange Gate mit einem kleinen Umweg zum Njiro Gate zu fahren. Dafür reichen ca. vier bis fünf Stunden im Park. Wir sind uns schließlich über unser Vorhaben einig und der junge Praktikant scheint sich auf die Abwechslung zu freuen.
Bevor es los geht, müssen allerlei Gebühren bezahlt werden und der Ausdruck der gefühlt 37 Dokumente sowie das Stempeln und Tackern derselben dauert halt. Die richtige Person für jede dieser Tätigkeiten muss auch bereit stehen, weil die Verrichtungen schon angesichts der vielen wenig beschäftigten Mitarbeiter am Gate gerecht verteilt werden. Während ich warte, bis ich zahlen und die Dokumente einsammeln kann, macht meine Tochter mehr aus Langeweile ein paar Fotos vom Parkeingang und den dortigen Sammlungen von Tierpräparaten, Fundstücken und Exkrementen.
Dann geht es los und unser Begleiter erweist sich gleich als echter Kenner des Parks. Er ist sehr gesprächig und weiß über alle Tierarten etwas zu berichten. Er hat enormes Wissen und spricht wie ein Student, der bald noch eine Prüfung vor sich hat. 😗
Vor allem aber weiß er, wo im Park man mit Tiersichtungen rechnen kann. Das ist in dem Park durchaus kein Selbstläufer. Der Mkomazi ist mit den bekannten Parks im Nordwesten nicht vergleichbar. Die Tiere sind viel scheuer und man muss schon wirklich wissen, wohin man fährt. Auf dem direkten Weg zum Ausgang am Njiro Gate gibt es über rund eine Stunde kein einziges Säugetier zu sehen. Aber der von unserem Begleiter vorgeschlagene Umweg führt uns zu einigen Sichtungen.
Los geht es kaum 15 Minuten vom Eingang entfernt mit einem Elefanten. Man sieht schon den deutlich größeren Abstand, den das Tier hält.
Die Impala-Mutter mit ihrem Jungen ist auch nicht so nah, wie etwa die Impalas im Tarangire zu Beginn unserer Safari.
Noch mehr Impalas.
An die Zebras kommen wir etwas näher heran.
Besonders beeindruckend ist die Vogelschar im Park. Hier ein Scharlachspint oder ein Karminspint. Ich kann sie nicht sicher unterscheiden….
...gefolgt von einer Gabelracke…
...und ein paar Nilgänsen, für die man wohl nicht unbedingt nach Ostafrika reisen muss.
Von der nächsten Tiersichtung gibt es keine Fotos. Das Tier, das wir schon die ganze Zeit über erwartet haben, ist nur etwa 1 cm groß und gar nicht scheu. Es kommt sogar ins Auto und ließe sich gut fotografieren, weil es wirklich zutraulich werden kann. Die meisten Menschen und auch wir sind da keine Ausnahme, sind davon trotzdem nicht angetan und versuchen es zu töten. Es handelt sich um die Tsetsefliege, mit der wir im Mkomazi erstmalig Bekanntschaft machen.
Unser Guide erweist sich auch da als echter Profi und fängt die Dinger mit der Hand. Er meint, dass sie nicht stechen oder besser beißen können, wenn man sie richtig anfasst. Ich verzichte auf einen Test, wobei ich ohnehin die Hände am Steuer habe. Eines der Viecher erschlage ich aber bei einem Halt mit einem Stück Papier und der Inhalt der Fliege ist recht üppig, flüssig und von roter Farbe. Wen sie erwischt hat, finden wir nicht heraus. Von uns hat keiner etwas gespürt. Es gibt im weiteren Verlauf der Fahrt noch zwei weitere Attacken dieser Fliegen aber unser Guide sieht sie so rechtzeitig, dass wir die Fenster noch schließen können. Penetrant umkreisen sie das fahrende Fahrzeug und suchen nach einem Einlass. Die Fenster sind aber dicht. Der X-Trail hat gegenüber einem reinen Safarifahrzeug auch Vorteile.
Die schönste Giraffe unserer Reise sehen wir eindeutig im Mkomazi.
Aber auch die anderen Vertreter sind immer wieder schön anzusehen.
Und zu guter Letzt noch ein weiterer Bienenfresser, entweder Typ Scharlach oder Typ Karmin.
Wir sehen noch diverse Antilopen, die aber alle zu weit entfernt sind, um mit unserer Ausrüstung (Sony Alpha 6000 mit 70-350 Telezoom, Panasonic Lumix DC-TZ202 und Telefone) ein vernünftiges Foto zu machen. Die einzigen Kudus unserer Reise sehen wir hier. Leider im dichten Busch nicht zu fotografieren. Außerdem noch Kuhantilopen und die allgegenwärtigen Warzenschweine. Da wir von den Sichtungen in den anderen Parks bereits verwöhnt sind, schauen wir uns statt zu fotografieren lieber die schöne Landschaft an, die sich doch sehr von Tarangire, Serengeti und NCA unterscheidet.
Die Fahrt durch den Park ist an einigen Stellen, besonders kurz vor dem Njiro Gate mit dem X-Trail etwas kniffelig, weil es dem Wagen ein wenig an Bodenfreiheit mangelt. Andere Fahrzeuge sehen wir während der rund vier Stunden im Park genau zwei.
Am frühen Nachmittag verlassen wird den Park wie geplant durch das Njiro Gate. Obwohl der Wärter mit unserem wohl per Funk angekündigten Besuch rechnet, tut er sehr geschäftig und will alle Papiere genauestens kontrollieren. Dumm nur, dass ich just dieses eine Stück Papier, auf dem „Permit“ steht, zum Erschlagen der Tsetsefliege verwendet habe. Er schaut recht grimmig, lässt uns dann aber doch passieren. Was der Kerl an diesem Posten wohl den ganzen Tag macht, würde mich interessieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dort jeden Tag Menschen zu Gesicht bekommt. Vielleicht wird man bei diesem Job auf Dauer zum Misanthropen. Er war jedenfalls der unfreundlichste Tansanier, den wir getroffen haben, eigentlich überhaupt der Einzige, auf den das Adjektiv unfreundlich passt.
Vom Gate fahren wir noch ca. 15 Minuten zur nächsten Siedlung nach Kisiwani, wo wir unseren wirklich tollen Guide absetzen. Er nimmt von dort den Bus zurück nach Same und freut sich offensichtlich über einen Tag mit Extralohn.
Von Kisiwani starten wir den Weg zur Ortschaft Mkomazi, wo die Schotterpiste wieder auf die B1 Richtung Küste trifft. Es sind ca. 70 km Schotterpiste, die in den Ortschaften immer wieder ein kürzeres Stück asphaltiert ist. Eine zwar nicht spektakuläre aber wie ich finde sehr ansehnliche Gegend. Vermutlich ist es kaum oder gar kein Zeitgewinn gegenüber der Rückfahrt nach Same. Aber die Fahrt ist landschaftlich reizvoll und die Piste in einem ganz ordentlichen Zustand. Mit unserem Auto ist sie problemlos zu machen. Das Fahren macht mir Spaß.
Die (Kultur-)Landschaft ist recht grün.
Reisfeld und Palmen sind eine recht ansehnliche Kombination.
Im Hintergrund sieht man die südlichen Pare-Berge.
Im Vordergrund ein Reptil und im Hintergrund ein weiteres. Ich vermute weibliche Felsenagamen.
Bei einer Rast treffe ich auf diverse Ziegen verschiedener Couleur.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich wieder die B1 und fahren ohne größere Stopps noch bis Tanga. Nachdem ich vorgestern schon eine Nachtfahrt gemacht habe, erreichen wir Tanga kurz bevor es vollständig dunkel ist.
Nach der Erfahrung der letzten Tage mit gebuchten Unterkünften, die recht schwierig zu finden waren, beschließen wir, in einer belebten Gegend zu parken und zu Fuß nach einer Unterkunft Ausschau zu halten. Wir werden sehr schnell fündig und übernachten in einer sehr lebhaften Unterkunft, deren Namen ich entweder nie erfahren oder wieder vergessen habe. Aber die blöde Datenschleuder aus Cupertino, mit der meine Tochter unterwegs ist, speichert zu jedem Foto die Koordinaten und deswegen finde ich, während ich diesen Bericht schreibe heraus, dass wir im Sengiya Inn, Chumbageni übernachtet haben, wo die Zimmer einfach aber sauber sind.
Es gibt dort außer uns nur Einheimische. Im Obergeschoss sind die Zimmer, unten die Musik und der Alkohol. Tanga ist zwar überwiegend muslimisch geprägt, der Alkohol fließt in unserer Unterkunft trotzdem.
Die Übernachtung ist im Vergleich zu den Touristenpreisen in Tansania spottbillig. Bei 25.000 TZS pro Zimmer (ca. 8,50 €) entscheiden wir uns für zwei Zimmer. Bezahlen kann man nur bar, was mich in Verlegenheit bringt, weil ich nur noch zwei 100 US$ Scheine habe. Damit will ich nicht bezahlen, weil das nach meiner Erfahrung in Unterkünften für Einheimische selten gut ankommt. Ein Mitarbeiter der Unterkunft wird mit mir zum nächsten Geldautomaten geschickt und das Problem ist gelöst.
Die freundliche junge Frau, die uns die Zimmer zeigt, spricht leidlich Englisch und ist äußerst interessiert an den Haaren meiner Tochter und so tauschen sich die beiden jungen Damen über die verschiedenen Styling-Möglichkeiten afrikanischen Haares aus. Als sie hört, was man in Deutschland für das Haare flechten bezahlt, fällt sie fast in Ohnmacht und möchte meine Tochter gleich an ihre Friseurin vermitteln.
Es wird ein toller Abend und ich sitze bis fast Mitternacht an der Bar, wo neben Bier auch Fußball (Afrika-Cup Halbfinale Senegal – Ägypten!) läuft. Auch wenn die Safari mit all den Tiersichtungen eine tolle Sache war, sind es doch in erster Linie solche Abende wie dieser, für die ich Fernreisen mache. Das sind allerdings Erinnerungen, die man nicht auf Fotos festhalten kann.
Zufrieden mit dem Tag schlafen wir nach Mitternacht ein.
Fortsetzung folgt.
PIpicco6'360 Beiträge · seit 201112. März 2026 · #44
Hoi Christian
Christian66 schrieb:...dass dieses Bauwerk ein schönes Beispiel für einen der Gründe sei, warum es in Afrika seit langem nicht wirklich vorwärts geht, während etwa in Asien viele Staaten, die vor einigen Jahrzehnten noch ähnlich arm waren, einen gewaltigen Aufschwung erleben. Dazu musste ich mir dann sagen lassen, dass ich ganz schön überheblich sei. 😉
Na ja, stimmen tuts ja in den meisten Fällen.
Christian66 schrieb:Ich wollte es halt mal wieder auf konventionelle Art versuchen. Ich komme ja aus einer Generation, die noch mit Straßenkarten in den Urlaub gefahren ist.
Wir sind wohl aus etwa derselben Generation (1967 in meinem Fall), ich verlass mich heute noch stark auf meine Geografie-Kenntnisse. Was nicht immer gut kommt, aber vielfach besser als wenn ich mich aufs Navi verlasse, wie ich wieder mal in Costa Rica auf der Osa-Halbinsel erleben durfte. 😉 Ich sag über das Ergebnis aktuell nur: Ich bin so stolz auf meine Freundin, denn sie hat gar nicht gekreischt!
Christian66 schrieb:Die Pisten Im Mkomazi sind leider überwiegend bei Google nicht verzeichnet.
Tja, Google Maps in Tansania, da fehlen halt diese und jene Strassen, erst recht Pisten. Kenn ich auch. Die schreiben zur Route vom Kleins Gate nach Moshi aktuell sogar Folgendes: 'Die Route von „Kleins Gate, Tansania“ nach „Moshi, Tansania“ mit dem Auto konnte nicht berechnet werden.'
Christian66 schrieb:Und die Karte von TANAPA, die Du vor Monaten mal zur Verfügung gestellt hast, hat leider auch viele Abzweige nicht verzeichnet.
Tja, das ist mit den afrikanischen Karten halt wie mit den afrikanischen Häusern...
DADaktari79 Beiträge · seit 201013. März 2026 · #45
Moin Christian,
ein herzliches Dankeschön für deinen spannenden, unterhaltsamen Reisebericht, auf den ich gestern gestoßen bin! Ich liebe eure Art zu reisen sehr, selbst zu fahren - ohne Navi und ohne alles lange im Voraus komplett vorauszubuchen, flexibel zu sein, regelmäßig mit Einheimischen zu schnacken, Probleme ohne großen Stress - mehr oder weniger entspannt - zu lösen und die Reise authentisch mit herrlichen Erzählungen im Forum mit uns zu teilen! 😊
Ich zolle dir enormen Respekt zu deiner Leistung am Mount Meru und gratuliere zur Besteigung! Vielen Dank auch für die schönen Fotos von deiner Wegstrecke! Der Meru würde mich auch noch einmal reizen, ich war vor 17 Jahren, Anfang meiner 40er Jahre Ära auf dem Kilimanjaro, keine Selbstverständlichkeit für einen Ostfriesen, für den das Wort „Berg“ ein Fremdwort ist! 😉
Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wohin es euch noch verschlägt, die Küste um Pangani herum ist mir noch gut bekannt!
Mit besten Grüßen,
Uwe
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202513. März 2026 · #46
Hallo Uwe,
danke Dir für Deine anerkennenden Worte. Wenn Du vor 17 Jahren Anfang der 40er auf dem Kili warst, sind wir vermutlich ziemlich im gleichen Alter. Also nur zu, der Meru ist in unserer Altersklasse schon machbar. Wenn Du auf dem Kili warst, bist Du ja ganz offenbar ausreichend höhentauglich und nach meinem laienhaften Verständnis wird die Höhentauglichkeit mit dem Alter (bei einem gesunden Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen) eher besser als schlechter. Mir hat das Gefühl, dass alle anderen auf dem Gipfel meine Kinder hätten sein können, durchaus gefallen. Außer je einmal pro Woche 20 min EMS-Kraft und EMS-Cardio habe ich keine besondere Vorbereitung gemacht. Ein, zwei Wanderungen pro Jahr mache ich allerdings auch ohne Bergprojekt.
Als Ostfriese ist die Besteigung des Kili natürlich besonders imponierend. Ich lebe zwar auch schon bald vier Jahrzehnte im Flachland. Aber ich wurde zumindest in meiner Kindheit regelmäßig zum Wandern im Bayerischen Wald genötigt. Mit meinem Vater gab es darüber nämlich nichts zu verhandeln. 😉 Und heute bin ich froh darüber, dass ich als Kind in die Berge musste.
Mir hat der Meru definitiv Lust auf mehr gemacht. Ich liebäugle deshalb bereits mit einem "kleinen" Projekt in einem kleinen Land südlich von China im nächsten Jahr. Momentan schaue ich mir an, ob das mit (dann) 60 realistisch ist. Was meinst Du dazu, "Daktari"? 😉
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202513. März 2026 · #47
Zwei Tage an der Suaheli-Küste
Am Morgen sind wir schon gegen 08:00 Uhr zur Abreise fertig und machen uns auf den Weg nach Süden entlang der Suaheli-Küste Richtung Pangani. Unser Plan ist, so lange die Küste entlang zu fahren, bis wir einen Ort sehen, an dem es uns gefällt, maximal aber bis Pangani.
Leider verschlimmern sich die Halsschmerzen meiner Tochter und sie wirft schon seit gestern eine Ibuprofen nach der anderen ein. Wir überlegen, in Tanga einen Arzt aufzusuchen, verwerfen das aber, weil es noch so früh am Morgen ist.
Die Küstenstraße von Tanga nach Süden, die Pangani Road, ist eigentlich keine Küstenstraße, wie wir schnell merken. Sie verläuft etwas landeinwärts in einiger Entfernung zur Küste und es ist überwiegend noch eine Schotterpiste. Das wird sich aber bald ändern, denn offenbar mit chinesischer Unterstützung wird dort eine Straße gebaut, so glatt, dass man in Deutschland nur davon träumen kann. Ein Abschnitt von ca. 15 km ist bereits fertig und dieser Teil ist mit Abstand die beste Straße, die ich in Tansania gesehen habe. An vielen Stellen stehen die Baumaschinen mit chinesischen Schriftzeichen herum.
Landschaftlich interessant ist die Strecke leider nicht, von dem Gegensatz zwischen (vermutlich) chinesischer Straßenbaukunst und lokaler Piste einmal abgesehen. Aber die Menschen auf den Straßen, der etwas chaotische Verkehr am frühen Morgen auf dem Weg aus Tanga heraus geben doch viele Eindrücke. Da meine letzte Fernreise nach Vietnam ging, kommt mir der Gedanke, wie gegensätzlich diese Kultur doch ist. Das Stadtbild in Vietnam, wo man am frühen Morgen überall Menschen diszipliniert in Gruppen beim Sport beobachten kann und dagegen die Tansanier, die zwar ebenfalls recht früh unterwegs sind, aber eben ein eher anarchisches Stadt- und Straßenbild abgeben.
Kurz vor Pangani beschließen wir, doch das WWW zu Rate zu ziehen, um einen netten Platz für unsere letzten ein oder zwei Tage zu finden. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch nicht entschieden, ob wir es riskieren sollen, den Rückweg frühmorgens am Abflugtag anzutreten, denn unser Rückflug geht am 17.01. um 18:10 Uhr. Eigentlich reicht die Zeit, um am frühen Morgen von Pangani zum Flughafen Kilimandscharo zu fahren und vor dem Abflug noch den Mietwagen zurückzugeben. Aber andererseits darf dann natürlich nicht viel schief gehen. Mehr als ein platter Reifen, der sich ohne Komplikationen wie festsitzende/ausgeleierte Radschrauben oder ähnliches Unbill zügig tauschen lässt, wäre dann schon eine kleine Katastrophe. Andererseits wären zwei Nächte an der Küste aber schon schön.
Wir vertagen die Entscheidung und konzentrieren uns auf die Suche nach einem schönen Ort. Unsere Wahl fällt auf das Juani Pangani ca. fünf km vor Pangani.
Das Haus ist sehr offen und man ist der Natur wirklich nahe. Es ist momentan eigentlich ein Wohnhaus mit ein paar „Fremdenzimmern“, wie man das früher bei uns genannt hat. Statt in einem der Zimmer, kann man auch in einem Bett auf der Veranda übernachten und sich dann nur von einem Moskitonetz umgeben das Abendkonzert der Affen anhören, die auch gerne auf der Veranda herumtollen und in dem recht offenen Haus nach Essbarem suchen.
Die Unterkunft ist recht abseits gelegen. Alles ist sehr naturverbunden. Man ist umgeben von Palmen, Gebüsch und hohem unberührtem Gras. In den Bäumen sitzen die Affen. Der Gastgeber ist ein guter Handwerker und was er vor allem aus Holz schafft, sieht sehr vielversprechend aus. Es entsteht daneben noch ein weiteres Gebäude, in dem man dann übernachten kann.
Das Areal wurde von ein paar Deutschen (und einem Österreicher, wenn ich mich richtig erinnere) erworben und wird von diesen wohl auch abwechselnd bewohnt. Sie haben den Strand aufgeräumt, so dass es dort keinen Plastikmüll gibt und lassen das Land zu einem großen Teil so wie es ist. Größere Siedlungen gibt es in der Umgebung nicht, die nächsten Häuser sind einige Minuten zu Fuß entfernt. Zur Selbstversorgung wird ein kleiner Teil bewirtschaftet, aber das Areal ist groß.
Wir sind zunächst die einzigen Gäste und tauschen uns mit den deutschsprachigen Gastgebern aus. Wir hören, dass sie das Areal im Zuge der Corona-Pandemie erworben haben. Bei mir macht es Klick und ich erinnere mich daran, dass Tansania damals als Land in den Schlagzeilen war, das die in den meisten Ländern üblichen Schutzmaßnahmen und Impfungen abgelehnt hat. Meine Ahnungen werden bald bestätigt und über einiges, was ich im Verlaufe dieses Gesprächs am späten Vormittag so höre, kann ihr nur fassungslos den Kopf schütteln. Aber man muss ja nicht alle Auffassungen seiner Gastgeber teilen…
Zum Strand läuft man keine fünf Minuten und man hat mehrere Strände zur Auswahl. Wer sich an einem Seil herablässt, findet auch einen komplett privaten Strand mit reizvollen Mangroven.
Ich versuche es zunächst mit dem öffentlichen Strand, wo außer mir aber niemand ist.
Und später mit dem „Privatstrand“, der über ein Seil zu erreichen ist und von vielen Mangroven umgeben ist.
Auf der Terrasse lässt es sich auch gut aushalten.
Die Strände sind sicher keine Traumstände, wie es sie am indischen Ozean so zahlreich gibt. Mit Thailand, Mauritius, Sri Lanka, den Malediven und vielen anderen sind die Strände, die wir sehen nicht vergleichbar. Aber sie haben ihren Reiz. Es gibt, zumindest da wo wir sind, kaum Besucher und die Mangroven geben ein schönes Bild. Einen recht ordentlichen Tidenhub gibt es natürlich schon. Aber er scheint dort längst nicht so extrem wie auf Sansibar zu sein. Wir haben zum Glück am Nachmittag gute Bedingungen.
Wir verbringen den restlichen Tag mit Gesprächen, erkunden ein wenig die nähere Umgebung, vor allem die Strände und sehen uns die Bauprojekte des Gastgebers an, der handwerklich wirklich etwas drauf hat.
Der Sonnenuntergang gehört allerdings nicht zu den Highlights.
Am Abend kommen noch drei weitere Gäste, drei Dänen. Wobei eine der beiden Däninnen aus Nicaragua ist, was mich, der vor zwei Jahren einen tollen Urlaub in Nicaragua gemacht hat, besonders interessiert. Und so reden wir auf einer Veranda bei Pangani über San Juan del Sur und meinen Lieblingsort in Nicaragua, die Insel Ometepe.
In der Unterkunft wird Verpflegung von der Nachbarin nach den Wünschen der Gäste gekocht und auf meinen Wunsch gibt es sehr lecker zubereiteten frischen Fisch vom Markt, mit Reis und den üblichen Beilagen in Grün, über die ich nicht viel sagen kann, denn Grünes esse ich in aller Regel nicht.
Wir lassen uns von unserem Gastgeber zu der Frage beraten, ob man es riskieren kann, am Tag des Abflugs hier loszufahren, oder es besser ist, einen Tag früher aufzubrechen. Er sieht da überhaupt kein Problem und überzeugt uns schließlich davon, zwei Nächte zu bleiben. Wobei die Überzeugungsarbeit nicht schwierig ist, denn das wollen wir ohnehin lieber.
Unsere Gastgeber lebt mit ein paar Unterbrechungen seit rund vier Jahren in Tansania und hat in der Zeit noch keinen einzigen Nationalpark besucht. Das will er mit seiner Partnerin nun nachholen und so entscheiden sich die beiden, am nächsten Morgen mit dem Bus nach Arusha aufzubrechen. Da auch die drei Dänen nur für eine Nacht bleiben, werden wir die Unterkunft am zweiten und letzten Tag ganz für uns alleine haben. Das Essen kommt weiter von der Nachbarin.
Am nächsten Morgen klagt meine Tochter über weiter verschlechterte Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Außerdem hat sie am Abend die letzte Ibuprofen genommen und die Tabletten aus der Apotheke in Moshi erweisen sich als wenig wirksam. Wir entscheiden daher am Vormittag nach Pangani in die Klinik zu fahren.
Pangani selbst ist keine besonders spannende Ortschaft. Die Brücke über den Fluss Pangani ist leider immer noch nicht fertig, obwohl die Fertigstellung schon für letztes Jahr angekündigt wurde. Auch Stand Mitte März 2026 ist die Brücke noch nicht fertig. Interessant ist allerdings der Besuch im Pangani District Hospital, wo sich meine Tochter mit ihren seit nun acht Tagen anhaltenden Halsschmerzen und Schluckbeschwerden vorstellt.
In der Aufnahme finden wir fast nur Mütter mit meist Säuglingen oder kleinen Kindern. Die Prozedur läuft dort schnell und reibungslos. Zwar fehlen auf der Computertastatur einige Buchstaben, aber ein Stift hilft. Auch sonst wird improvisiert, wo man sich in unserem Gesundheitswesen vermutlich bitter beschweren würde. Es erfolgt zunächst ein Bluttest auf Plasmodien, die Erreger der Malaria. Das Labor dauert ca. 45 Minuten. Davon träumen vermutlich die meisten Ärzte bei uns. In den Rachen wird mangels medizinischer Ausstattung mit der Taschenlampe eines Smartphones geschaut. Medikamente werden direkt vom Krankenhaus abgegeben. Das wäre für die Lobby der Apotheker hierzulande wohl der Albtraum. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man nach jeder Leistung zunächst zur Kasse und dort bezahlen muss. Die Gebühren sind natürlich minimal. Die Aufnahme- oder besser Konsultationsgebühr etwa beträgt 3.000 Schilling, also etwas mehr als einen Euro.
Der Aufenthalt dauert insgesamt vielleicht zwei Stunden. Untersuchung, Bluttest, Ibuprofen sowie ein Antibiotikum kosten insgesamt ca. 11 Euro, zahlbar in drei „Raten“. Die Medikamente kommen aus Indien und China.
Meine Tochter ist zufrieden. Sie hat bereits einmal eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus in Ghana erlebt und empfindet die sie untersuchende Ärztin als recht zugewandt. Befremdlich ist allerdings, dass die Krankenschwester bei der Blutabnahme keine Sekunde ihr Smartphone aus den Augen verliert, wo TikTok-Videoclips laufen. Handschuhe trägt sie wohl auch nicht. Es wäre vermutlich blöd, wenn bei der Bedienung des Smartphones Handschuhe im Weg wären.
Nach dieser ungeplanten Vormittagsaktivität fahren wir zurück in unsere Unterkunft, um die letzten Stunden mit ein paar Sonnenstrahlen am Strand zu verbringen und die Mangroven zu bewundern.
Zum Abschied gibt es noch einen einigermaßen ansehnlichen Sonnenuntergang.
Auch wenn die Zeit kurz war: Insgesamt bin ich schon froh, die Küste besucht zu haben. Das hat sich für mich schon alleine wegen des Kontrastprogramms zu den üblichen Touristenveranstaltungen gelohnt. Touristen haben wir jedenfalls Mitte Januar an der Küste fast gar keine gesehen.
Morgen geht es dann sehr zeitig auf den langen Weg zum Flughafen. Wir beschließen, nicht später als 6:30 Uhr loszufahren. Ob das und die Rückreise geklappt hat, gibt es dann demnächst hier zu lesen.
Fortsetzung folgt.
PIpicco6'360 Beiträge · seit 201114. März 2026 · #48
Hoi Christian
Christian66 schrieb:Ich liebäugle deshalb bereits mit einem "kleinen" Projekt in einem kleinen Land südlich von China im nächsten Jahr. Momentan schaue ich mir an, ob das mit (dann) 60 realistisch ist. Was meinst Du dazu, "Daktari"? 😉
Auch wenn ich nicht 'Daktari' bin so war ich auch schon mal in einem kleinen Land südlich von China auf dem Weg zu einem 'Hügelchen': Klick mich Falls Du das meinst kann ich Dir nur sagen dass es für gesunde Menschen auch mit 60 Jahren gut möglich ist, vorausgesetzt die Höhe macht keine Probleme. Die können aber auch bei geübten Hochgebirgskletterern auftreten. Einer unserer damaligen Guides, der leider zwischenzeitlich am Berg verstorben ist, hatte trotz mehrerer 8000er auch schon mal in tieferen Gebieten die Höhenkrankheit erlebt, ich glaube es war ein Jahr nachdem wir da waren.
DADaktari79 Beiträge · seit 201014. März 2026 · #49
Moin Christian,
Nepal steht bei mir auch seit langem auf der Wunschliste der Länder, die gerne einmal bereisen möchte. Das Mt. Everest Base Camp wäre eine spannende Herausforderung; allerdings ist die Strecke sicherlich auch sehr überlaufen bei über 40.000 Touristen pro Jahr, schlimmer als der Kilimanjaro?!
Ich wollte dir den „link“ von Picco heute Morgen auch an dich weiterleiten, aber Picco war ja deutlich früher wach bzw. „schreibfit!“ 😊
Vielen Dank für die schönen Fotos von den einsamen Stränden an der Swahili-Küste. Die Gegend nördlich von Pangani kenne ich nur vom Vorbeifahren; meine Tochter und ich waren zuletzt 2024 südlich von Pangani in der Cliffs Lodge und im Kijongo Bay Resort. Wir sind seinerzeit auch aus Arusha angereist, sind aber auf Empfehlung des Managers der 2. Lodge bereits in Muheza, ca. 40 km vor Tanga rechts abgebogen nach Pangani: “If the roads are dry, take the short cut at Muheza, turning right near the petrol station where the road sign to Pangani is located.“
Vielleicht seid ihr die Strecke zurückgefahren?
Ich hoffe, dass die Halsbeschwerden bei deiner Tochter nichts Ernsteres waren und es ihr schnell wieder besser ging! In vielen Gegenden Afrikas ist Malaria oft die erste Ausschlussdiagnose, darauf werden die Ärzte und Schwestern geschult. Das Personal lässt sich leider häufiger mal ablenken mit Videos oder Handynachrichten, auch im Labor bei der Auswertung. Das habe ich während meiner Tätigkeiten in Malawi und Tansania auch mehrfach mitbekommen… und das Malaria in einigen Regionen massiv überdiagnostiziert wird.
Dann bin ich mal gespannt, wie eure Rückfahrt zum KIA verlaufen ist! 😊
Ein schönes Wochenende!
Uwe
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202515. März 2026 · #50
@Picco: Danke für den Link. Irgendwie hatte ich zwar im Hinterkopf, dass Du schon im EBC warst, aber Deinen Bericht kannte ich noch nicht. Ich habe dort geantwortet.
@Uwe: Ja, das EBC mit seinem Massentourismus schreckt mich auch ein wenig ab. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese 40.000 Besucher ja im wesentlichen in zwei engen Zeitkorridoren eintreffen. Das scheint mir mehr zu sein, als man am Kili erwarten muss, weil sich dort die Besucher auf einen wesentlich größeren Teil des Jahres verteilen.
EBC isoliert will ich daher auf keinen Fall machen, sondern wenn möglich ganz darauf verzichten. Es kam bisher ein "leichterer" Berg und nun nach der Lektüre von Piccos Bericht ein zweiter "leichterer" Berg in Frage. Aber ich will meinem restlichen Reisebericht nicht vorgreifen.
Vermutlich hat die Gegend südlich von Pangani die schöneren Strände, soweit ich das anhand von Fotos beurteilen kann. Wegen unserer sehr begrenzten Zeit habe ich das zweite Halbjahr 2025 ungeduldig auf eine Meldung zur Fertigstellung der Brücke über den Pangani River gewartet, leider vergebens. Dann hätte ich es mit einer Weiterfahrt zu den nach einem Brand wieder aufgebauten Mike's Beach Cottages riskiert. Aber die Fährverbindung war mir dann wegen der knapp bemessenen Zeit zur Rückfahrt doch zu heikel.
Zum rechts Abbiegen an der Tankstelle in Muheza bzw. links abbiegen, wenn man von Pangani/Boza kommt, schreibe ich gleich noch etwas im nächsten Teil meines Reiseberichts; ein kleiner Spoiler darf sein 😉
Mit den Halsschmerzen hatte das Kind trotz des Antibiotikums noch einige Tage zu tun. Aber bevor sie in Berlin einen Arzt aufsuchen konnte, wurde es dann besser. Was es war, werden wir daher nicht mehr erfahren. Aber ca. 12 Tage Halsschmerzen ist schon recht lange.
DADaktari79 Beiträge · seit 201015. März 2026 · #51
Hallo Christian,
ja, die Strände im Süden sind wunderschön, insbesondere ums Dörfchen Ushongo herum, ca. 17 km südlich von Pangani.
Die Fähre über den Pangani River fuhr 2024 ca. alle 25-30 min., wenn Bedarf bestand, die Überfahrt selbst dauerte 7 min. Auch Busse und LKWs nahmen diese Gelegenheit war.
Aber wenn ihr am Tag der Rückfahrt zum KIA noch zurückfliegt, kann ich deine Bedenken verstehen, solltet ihr dann länger auf die Fähre warten müssen oder diese ganz ausfallen, wäre es ein recht großer Umweg von knapp 2 Stunden Dauer geworden auf rumpeligen, einsamen Pisten zurück auf die Straße zwischen Dar es Salaam und Segera!
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202515. März 2026 · #52
Abenteuer Straße: Von Pangani zum Flughafen Kilimandscharo
Am frühen Morgen pünktlich zum Sonnenaufgang machen wir uns auf den langen Weg zurück zum Flughafen Kilimandscharo und hoffen, dass alles glatt geht. Statt über Tanga fahren wir eine Abkürzung über eine Piste, die Google nur teilweise kennt, von Pangani auf direktem Weg nach Muheza. Unsere Gastgeber haben uns versichert, dass es da eine durchgehende Straße gibt, die auch gut befahrbar ist.
Kurz vor Pangani bei Boza geht es von der Hauptstraße ab. Am Abzweig nehmen wir zwei Anhalter mit, einen Mann mit seinem vielleicht sechsjährigen Sohn und einem großen Röhren-Fernsehgerät. Die Kiste passt nicht ohne weiteres in unseren vollgepackten Kofferraum. Ich habe wegen der Wanderung auf den Meru sowohl einen Rücksack als auch einen großen und einen kleinen Koffer dabei und platzsparend gepackt haben wir auch nicht. Egal, der Fernseher nimmt halb auf dem Schoss des Mannes und halb auf der Rückbank Platz. Sind ja nur rund 50 km Schotterpiste.
Es geht durch Dörfer auf überwiegend roter Erde und einer ganz ordentlichen Piste. Überall winken die Menschen freundlich, wenn wir durch die Dörfer fahren. Wer sich die Route genauer ansehen will: Boza – Bushiri – Mivumoni – Masaika – Mkuzi – Mafere – Muheza.
Fotos mache ich in solchen Situationen grundsätzlich nicht.
In Muheza lassen wir unsere beiden Mitfahrer an einer Tankstelle im Zentrum, vermutlich der einzigen, aussteigen, die sich recht nett bedanken. Verständigen können wir uns kaum, denn die beiden sprechen kein Englisch. Aber die Gesichter sagen genug.
Es ist jetzt etwa 08:15 Uhr und ab Muheza weicht die Anspannung etwas, denn jetzt gibt es abgesehen von ein oder zwei Baustellen eine durchgehend asphaltierte Strecke; zuerst die A14, dann die B1 und schließlich die A23 bis zum Flughafenzubringer. Das Risiko einer zeitintensiven Panne ist nach der erfolgreichen Passage der Schotterpiste im Nirgendwo deutlich gesunken.
Wir kommen gut voran und mit der Zeit passe ich meinen Fahrstil langsam an. Die Tempolimits scheinen mir ohnehin eher eine unverbindliche Empfehlung zu sein und auf der gut ausgebauten Straße lässt sich auch dann mit wenig Risiko überholen, wenn mal wieder eher sinnbefreit eine durchgezogenen Linie verläuft. Und so machen wir ordentlich Kilometer und denken schon darüber nach, dass eventuell noch ein Mittagessen in Moshi drin sein könnte.
Während ich so entspannt mit knapp 100 km/h dahingleite, an einem Tempo-50-Schild den Fuß vom Gas nehme und ausrollen lasse, taucht plötzlich eine Kelle in meinem Sichtfeld auf, die anscheinend mir gilt. Ich halte an und ein freundlicher Polizist will die Papiere sehen. Den internationalen Führerschein habe ich schon irgendwo verpackt aber der Nationale reicht ihm. Er sagt dann ein mir gänzlich unbekanntes Wort, das phonetisch etwa so klingt wie „ouwerspieding“.
Keine Ahnung was das heißt, jedenfalls meint er, dass ich 30.000 Schilling (ca. 10 €) zahlen müsste und zwar per Smartphone-App. Ich habe aber keine App zum Bezahlen von Verwarnungs- und Bußgeldern, denn als rückständiger Deutscher zahle ich Verwarnungsgelder entweder gar nicht (wie das geht, kann ich hier leider nicht schreiben) oder per Banküberweisung. Er geht zunächst weg und redet mit einem Kollegen. Dann wird das nächste Auto angehalten und wir müssen warten. Nach einiger Zeit kommt er zurück und ich biete ihm 30.000 TZS in bar. Er überlegt einen Moment. Dann fragt er, woher wir kommen, wohin wir fahren und ob uns Tansania gefalle. Ich antworte wahrheitsgemäß, worauf er sagt, er belasse es für diese Mal bei einer Ermahnung und „have a good journey, God bless you“. Mein Suaheli wird plötzlich viel besser und ich erwidere „asante sana“. Das gefällt ihm und er winkt uns noch hinterher – wohlgemerkt in Uniform!
Die Kontrolle hat insgesamt über 10 Minuten gedauert, was unsere Pläne für ein Mittagessen in Moshi etwas zurückwirft.
In der Hoffnung, die bei einer längeren Strecke wohl unvermeidliche Kontrolle nun gut hinter uns gebracht zu haben, setzen wir unseren Weg fort. Wo entlang der Straße Siedlungen sind, passe ich jetzt aber besser auf und bremse auch mal, statt nur den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Wir fahren vielleicht weitere 30 Minuten, da erblicke ich die nächste Kelle und wieder sieht es so aus, als wäre ich gemeint. Diese Kontrolle ist komplett im Nirgendwo und ich wundere mich. Wieder werde ich freundlich von einem Uniformierten um die Papiere gebeten und es werden fast exakt die gleichen Fragen gestellt. Und wieder vernehme ich ein Wort, das wie englisch „overspeeding“ klingt. Der Polizist fragt, wohin wir heute vom Flughafen aus wollen. Als ich „Berlin“ antworte, meint er sinngemäß „oh dann seid Ihr wohl in Eile; fahrt vorsichtig und kommt gut an!“ Wir können weiterfahren. Die tansanische Polizei wird mir nun richtig sympathisch, wenngleich ich mir einbilde, bei dieser Kontrolle gar nicht zu schnell gewesen zu sein.
Auch dieser Stopp hat natürlich Zeit gekostet, was einerseits ein wenig ärgerlich aber andererseits doch eine Erfahrung ist, die mir gefällt und auch einiges über das Land und seine Leute aussagt.
Ich denke, dass ich nun mit den Kontrollen durch bin und wir setzen unseren Weg fort. Etwa eine Stunde passiert nichts. Dann – tatsächlich – die Kelle Nr. 3. Dieses Mal stehe ich in einer Reihe von angehaltenen Fahrzeugen und muss warten. Die Behandlung ist erneut äußerst höflich und kein Vergleich zum preußischen Kasernenhofton, den die meisten Berliner Polizisten so perfekt beherrschen. Man sollte unser Personal tatsächlich mal zum Erlernen eines erfreulicheren Umgangstons nach Tansania schicken. Wieder soll ich die Papiere vorzeigen, wieder reicht der deutsche Führerschein, wieder werde ich gefragt, wohin, woher etc. Dieses Mal muss ich allerdings aussteigen und zu einem aufgebauten Tisch, an dem offenbar der Einsatzleiter sitzt und die Verwarnungsgelder kassiert. Wieder soll ich 30.000 TZS per App und Smartphone bezahlen und wieder teile ich mit, dass ich keine tansanische Verwarnungsgeld-Bezahl-App habe, aber natürlich bar bezahlen kann. Die Kontrolleure diskutieren und erklären mir, dass es ihnen gesetzlich verboten sei, Verwarnungsgelder in bar zu kassieren. Ich bräuchte die App. Die habe ich aber nicht und stelle mich auch dumm. Daraufhin entscheidet der Chef, dass er es für dieses Mal doch bei einer Ermahnung belassen könne und ich das nächste Mal aber wirklich bezahlen müsse. Ich bedanke mich und gehe mit einem unterdrückten Grinsen zurück zum Auto.
Wir kommen weiter gut voran und kurz vor dem Ballungsraum um Moshi sind wir richtig gut in der Zeit. Wir beschließen noch einen kleinen Laden hinter einer Tankstelle aufzusuchen, um ein paar Mitbringsel zu erstehen und zu tanken. Zufrieden machen wir uns auf die letzten gut 70 km zum Flughafen. Der Verkehr nimmt um Moshi herum stark zu und wir entscheiden, dass wir nicht zum Mittagessen in die Stadt fahren, weil das nach viel Zeit im Stau aussieht. Vor allem die vielen bergauf äußerst langsamen Lkw kosten viel Zeit und nerven beim Fahren. Die durchgezogenen Linien werden von den anderen Fahrern meist ignoriert. Ich bin der Meinung, dass man sich den Landessitten anpassen sollte und mache es an einer Stelle, die gut einsehbar ist, den anderen nach. Ihr dürft raten, was danach passiert.
Dieses Mal hängt an der Kelle der Arm einer Polizistin, die recht vergnügt grinsend an meine Seitenscheibe kommt, mich freundlich begrüßt, sich nach meinem heutigen Wohlbefinden erkundigt und mir nach Kontrolle meiner Papiere erklärt: „Sir, I have to fine you for wrong overtaking. 30.000 Schilling“. Und wieder soll ich per App bezahlen, wieder das gleiche bereits geübte Gespräch. Am letzten Stopp haben wir allerdings unsere restlichen Schilling fast ausgegeben und wir haben nur noch 11.000 Schilling in bar. Die letzte 100 US$ Note will ich natürlich nicht gegen Wechselgeld in Schilling opfern und verschweige sie lieber. Ich biete an per Kreditkarte zu bezahlen, wissend, dass das nicht geht. Sie schaut mich halb grinsend halb fragend an, macht dazu ein recht sorgenvolles Gesicht und fragt mich, „so tell me what can I do“? Ich antworte „have mercy“. Meine Tochter sieht aus als kämpfe sie gegen einen Lachanfall. Ich ergänze noch „I will never do it again“. Sie überlegt und meint, sie könnte dieses Mal auf die 30.000 Schilling verzichten. Aber ganz umsonst ginge es nicht, zumindest 10.000 Schilling müsse ich schon bezahlen. Und ich müsse ihr versprechen sie nicht zu verpfeifen. Dabei schaut sie wirklich besorgt. Ich verspreche es natürlich, gebe ihr unsere letzte 10.000 Schilling-Note und verabschiede mich freundlich von diesem Straßenverkehr mit seinen wirklich außerordentlichen Gesetzeshütern. Es beschleicht mich das Gefühl, dass meine 10.000 Schilling nicht der Landeskasse, sondern einer Familie zugute gekommen sind und das freut mich sehr.
Auf den letzten Kilometern passiert nichts mehr und wir erreichen den Flughafen gegen halb zwei, also fast fünf Stunden vor Abflug. Insgesamt haben wir für die Strecke von rund 400 km, davon ca. 50 km Piste, etwa sieben Stunden gebraucht, das Mitnehmen und Absetzen der Anhalter, vier erzwungene Pausen für die Kontrollen und eine Pause von weiteren ca. 30 Minuten zum Tanken und Einkaufen eingeschlossen. Die reine Fahrtzeit hat unter sechs Stunden gelegen. Hakuna matata.
Auf den Kerl, der uns vor fünf Tagen das Auto übergeben hat und es jetzt wieder übernehmen soll, müssen wir natürlich wieder warten. Obwohl wir ihm eine Stunde vor Ankunft Bescheid gegeben haben und uns wegen der letzten Kontrolle noch ein klein wenig verspäten (dieses Mal natürlich ohne Bescheid zu sagen), kommt er ähnlich wie bei der Abholung des Wagens fast eineinhalb Stunden später. Die Rückgabe dauert dann auch noch über 30 Minuten, weil ich offenbar am Morgen unbemerkt einen Steinschlag an der unteren Heckschürze abbekommen habe und der Schaden nach mehreren Fotos und Telefonaten auf 60 US$ taxiert wird. Kein Problem, den Betrag bezahle ich per Kreditkarte und erhalte ihn später von der Versicherung erstattet. Als wir mit allem fertig sind und ich gefühlt 42 Unterschriften geleistet habe, sind es bis zum Abflug immer noch drei Stunden. Wer den Flughafen kennt, weiß, dass vermutlich auch eine Stunde ausreichend wäre.
Im Flughafen selbst geht alles reibungslos und es gibt nichts zu erzählen. Überpünktlich heben wir kurz nach 18:00 Uhr ab.
Ich mache noch ein paar Fotos von „meinem“ Berg, der mir den Gefallen tut, gerade so unterhalb der Wolkendecke zu bleiben. Die Erinnerung an meinen ersten Aufstieg auf über 4500 m und an die Aussicht da oben, vor allem aber an den Sonnenaufgang über dem Kilimandscharo wird bleiben.
Und so fliegen wir nach Norden, den Sonnenuntergang auf unserer Fensterseite.
In Doha ist – wie fast immer – mitten in der Nacht am meisten los und wir gönnen uns überteuerten Kaffee und belgische Waffeln im Chac’late, meinem dortigen Lieblingscafé mit dem so schön kitschigen Porzellan. Danach zeige ich meiner Tochter noch diesen Eumel mit dem Namen „Small Lie“ des Pop-Art-Künstlers Brian Donnelly und wir besuchen den Flughafendschungel, bevor es zum Flieger nach Berlin geht.
Vom letzten Flugabschnitt gibt es nichts besonderes zu berichten: Essen für eine Flugzeugverpflegung sehr gut, Nachtflug nach Berlin unspektakulär und pünktlich.
Wobei mir, wenn ich so nachdenke, doch noch eine Besonderheit einfällt:
Am Flughafen Berlin-Brandenburg sind die Rolltreppen in Betrieb und es gibt keine verspätete Gepäckausgabe. Wer den Flughafen kennt, weiß, dass beides eher selten der Fall ist und beides gleichzeitig etwa die Wahrscheinlichkeit eines mittleren Lottogewinns hat.
Was der arme Willy Brandt wohl davon halten würde, dass man ausgerechnet den schlechtesten und unfreundlichsten Flughafen Deutschlands nach ihm benannt hat, während man dem Widerling Strauss einen viel besser funktionierenden Flughafen gewidmet hat?
Ein Fazit und einen Ausblick gibt es demnächst noch, dann habe ich fertig.
Fortsetzung folgt…
CHChristian66Themenstarter97 Beiträge · seit 202516. März 2026 · #53
Das erste Mal mitten in Afrika – Fazit und Ausblick
Das war sie also, meine erste Reise mitten hinein nach Afrika.
Es war für mich eine außergewöhnliche Reise und in vielerlei Hinsicht extrem:
Der Meru ist mit 4.566 m der höchste Berggipfel, den ich je erreicht habe.
Die Tierwelt in den Parks, vor allem in der Serengeti übertrifft alles, was ich an Tieren bisher gesehen habe.
Das Land ist unter den – je nach Zählweise – so zwischen 50 und 60 Ländern, die ich bisher besucht habe, das Ärmste. (Laos war 1989, als ich dort war, absolut betrachtet ärmer, ist aber heute vermutlich etwas wohlhabender.) Die Unterschiede zwischen den Menschen, die dort leben und uns als Touristen sind wegen dieses wirtschaftlichen Gefälles vermutlich größer, als ich es irgendwo bisher erlebt habe. Setzt man das durchschnittliche Monatseinkommen von angeblich ca. 90 – 100 US$ in Relation zu dem Eintrittsgeld für einen Tag in der Serengeti, ist es eigentlich erstaunlich, dass unter den vielen Menschen, die in solcher relativen Armut leben, so wenige versuchen, sich eines Teils unseres Reichtums zu bemächtigen. Jeder Einheimische der diese Preise ja auch kennt, kann sich vermutlich ausrechnen, dass ein durchschnittlicher Tourist, wo er auftaucht, praktisch immer genug „Taschengeld“ und/oder Wertgegenstände bei sich hat, dass ein einzelner Diebstahl oder Raub locker ein durchschnittliches Monatsgehalt oder ein Mehrfaches davon einbringen würde. Trotzdem scheint recht wenig in dieser Richtung zu passieren. Unsicher haben wir uns zu keiner Zeit an keinem Ort im Land gefühlt und ich rede dabei nicht von den Parks.
Ganz im Gegensatz zum armen Land und den überwiegend armen Menschen war das der teuerste Urlaub, den ich je gemacht habe. Selbst Bora Bora und St. Moritz waren wesentlich günstiger (okay, ich gebe zu, vor 37 bzw. 35 Jahren; zumindest Bora Bora ist heute nicht mehr günstiger).
Absurd finde ich das Trinkgeldsystem. Das Land ist bettelarm, die Safaris exorbitant teuer und die Trinkgelder - absolut betrachtet - höher als bei uns. Ich würde jedenfalls einem Bergführer in den Alpen auf einer Viertagestour keine 80 bis 100 US$ Trinkgeld in die Hand drücken und auch für eine geführte Wattwanderung an der Nordseeküste, würde ich keine 15 – 20 € Trinkgeld springen lassen. Vielmehr gehe ich selbstverständlich davon aus, dass die Leute von meinem Reisepreis vernünftig bezahlt werden. Diese amerikanische Seuche, Menschen in serviceorientierten Berufen nicht anständig zu bezahlen, breitet sich offenbar – wie so unglaublich viel anderer Dreck aus den USA auch – weltweit aus.
Selten habe ich in einem Land so offene, hilfsbereite und trotzdem nicht aufdringliche Menschen erlebt. Für die Art zu reisen, wie ich sie mag, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Die Begegnungen an der Küste und auf dem Weg dorthin, auch die Umwege und Schwierigkeiten, haben die Reise definitiv stark bereichert. In den Parks mag ein Fahrer, der sich auskennt, schon gut sein. Durch das Land würde ich immer wieder selbst fahren wollen.
Wenn ich auf die Situation außerhalb der Tourismusindustrie schaue, sehe ich leider ziemlich schwarz für das Land. Viel scheint nicht zu funktionieren. Meine letzte Fernreise vor Tansania ging nach Vietnam – vor wenigen Jahrzehnten noch eines der ärmsten Länder der Welt. Heute ist der dortige Wohlstand gegenüber Europa immer noch bescheiden. Aber von dem Lebensstandard in Tansania ist Vietnam heute meilenweit entfernt. Ähnliches dürfte vermutlich auch für Bangladesch, Nepal oder Indonesien gelten; von China und Indien mit deutlich anderen Voraussetzungen einmal ganz abgesehen. Was in Tansania im Vergleich zu diesen Ländern so gewaltig schlechter läuft, würde mich durchaus näher interessieren.
Dieses war mit hoher Sicherheit nicht meine letzte Reise nach Afrika, wenn auch in naher Zukunft nichts geplant ist. Namibia steht aber auf meiner Liste auch dank dieses Forums und Äthiopien mit seiner Jahrtausende alten Hochkultur interessiert mich ebenfalls sehr.
Bin ich jetzt, wie man es hier oft liest, „mit dem Afrikavirus infiziert“? Eher nicht, denn dazu interessieren mich zu viele andere Länder außerhalb Afrikas mindestens genauso. Eine totale Begeisterung für die Tierwelt habe ich trotz der großartigen Eindrücke auf der Safari nicht. Tatsächlich interessieren mich die Berge nach dieser Wanderung noch mehr als vorher und Menschen samt deren Leben sowieso schon immer mehr als Tiere. Der Zugang zu den Lebensumständen der Menschen scheint mir zumindest in Tansania herausfordernder zu sein als etwa in Asien oder Zentralamerika.
Anfang August werde ich – dann mit meiner Partnerin – einen Kurzurlaub mit dem Fahrrad von Passau nach Budapest machen. Auf die Slowakei, besonders Bratislava, wo ich noch nie war, freue ich mich schon sehr. Aber auch auf Linz, Melk, die Wachau, Wien und Budapest.
Ab Ende November werde ich dann zum ersten Mal seit meiner Studentenzeit wieder länger als zweieinhalb Wochen am Stück verreist sein:
Ca. vier Wochen werden wir Neuseeland erkunden und auf dem Rückweg dann Borneo. Nach aktueller noch offener Planung werden wir wahrscheinlich Brunei Darussalam und den Kutai Nationalpark in Ost-Kalimantan mit einem Dschungeltrecking zu den dortigen wild lebenden Orang-Utans besuchen. In Indonesien (Inseln von Sumatra bis Flores) und Neuseeland (nur Nordinsel) war ich bereits je einmal vor Jahrzehnten. Aber wer aktuellere Tipps, speziell für Borneo und die Südinsel von Neuseeland für mich hat, nur her damit.
Und dann ringe ich für Herbst 2027 sehr mit einem Bergprojekt, von dem ich mir noch nicht sicher bin, ob es wirklich realistisch ist: Imja Tse und – seit ich @Piccos Reisebericht gelesen habe – Lobuche Ost. Oder aber ein anderer Gipfel in dieser Gegend der Welt. Wer mir dazu etwas sagen kann, vielleicht gar schon mal einen der beiden Berge bestiegen hat oder sonst Erfahrung mit Trekking in diesem Teil der Welt hat, soll sich bitte unbedingt melden.
So, nun habe ich endgültig fertig und freue mich über Feedback.
Liebe Grüße
Christian
DADaxiang5'035 Beiträge · seit 201417. März 2026 · #54
Für die bevorstehenden Reisen wünsche ich dir ganz viel Vorfreude!
Liebe Grüße Konni
PIpicco6'360 Beiträge · seit 201117. März 2026 · #55
Hoi Christian
Vielen Dank für den Reisebericht! War für mich sehr interessant da ich ja schon bei der Planung sozusagen dabei war. Ja, das Trinkgeldsystem finde ich ebenfalls krank, aber es ist leider so in ganz Ostafrika. Dann bleibt mir noch viel Spass und Erfolg für die nächsten Reisen zu wünschen. Auf dass die Höhe ihre Krankheit nicht an Dir auslässt. 😎
NANacho955 Beiträge · seit 202317. März 2026 · #56
Guten Morgen Christian, Vielen Dank für diesen interessanten Bericht. Deine Beschreibung der Kellen- winkenden- Arme hat mir ja schon ein Schmunzeln ins Gesicht gebracht. Hab mal die Empfehlung gelesen: Immer freundlich lächelnd nicken und Ja, Ja, sagen, aber deutlich zeigen: Nix verstehen. Da warst du nah dran 😄
Liebe Grüße, Silvia
FIfiedlix547 Beiträge · seit 201617. März 2026 · #57
Hallo Christian,
vielen Dank für deinen Reisebericht. Vieles von dem was du schreibst sehe ich ähnlich (mal abgesehen von den ständigen Geschwindigkeitsüberschreitungen). Deine Reise war sehr abwechslungsreich, das hat mir sehr gut gefallen. Deine zukünftigen Pläne klingen gut, vielleicht lässt du uns ja wieder daran teilnehmen.
viele Grüße Elke
...wir sind vor ein paar Jahren von Simbach über Passau, Wien nach Bratislava geradelt. War eine schöne Tour und Bratislava hat uns ausnehmend gut gefallen.
ENEnilorac65762 Beiträge · seit 201717. März 2026 · #58
Hallo Christian, dein Reisebericht hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es war sehr interessant und abwechslungsreich, und ich habe einen guten Einblick in Tansania erhalten. So eine Vater- Tochterreise ist ja auch etwas ganz besonderes. Die gemeinsamen Erlebnisse sind schöne Erinnerungen, mit bleibendem Wert. Auf dem Weg zum Flughafen vier Mal in eine Polizeikontrolle zu geraten, das muss dir erst einer nachmachen 😄 Herzlichen Dank und viel Spass bei der Planung deiner nächsten Reise. Liebe Grüsse Caroline
DADaktari79 Beiträge · seit 201017. März 2026 · #59
Moin Christian,
es hat mir Freude bereitet, deinen unterhaltsamen Reisebericht mitzuverfolgen. Vielen Dank für die Mühe, wie ich es bereits zuvor geschrieben hatte, deine Reise authentisch mit herrlichen Erzählungen und Fotos hier im Forum mit uns zu teilen! 😊
Ich lese besonders gerne die Berichte von denen, die als Selbstfahrer in Ostafrika unterwegs sind, zumal meine noch minderjährige Tochter und ich in den Sommerferien auch oft ganz allein in dieser Region „on the road“ sind!
Der Satz von Caroline (Enilorac65) kam mir auch direkt in den Sinn; innerhalb von 6 Stunden Fahrt 4x von der Polizei aufgrund eines „Fehlverhaltens“ gestoppt zu werden und letztendlich lediglich 10.000 TZS bezahlen zu müssen, das ist schon eine Leistung, Respekt! 😉
Mit der Polizei hatte ich während meiner Zeit in Tansania und unseren Reisen vor Ort auch bereits diverse Diskussionen; freundlich waren sie in den meisten Fällen schon, als Freund und Helfer würde ich die Polizei vor Ort aber nicht bezeichnen, sie versuchen in vielen Fällen schon etwas am Auto zu finden, das sie beanstanden können, wenn man nicht zu schnell gefahren ist oder sie betteln direkt um ein paar „Shilingi“. Viele sind korrupt, darum wurde ihnen ja auch untersagt, Bargeld anzunehmen; ich musste seinerzeit ein paar Mal zur nächsten Bank fahren und das Geld dort überweisen, von der „App“ höre ich hier von dir das erste Mal. Oft einigten wir uns auf das halbe Bußgeld ohne Quittung, was von denen als „win-win-situation“ bezeichnet wurde - ähnlich wie in deinem letzten Fall! 😉
Deine weiteren Reisepläne für dieses Jahr klingen fantastisch! Es wäre wunderbar, wenn du hier im Forum über deine Reise nach Neuseeland und Borneo berichten würdest, traumhafte Reiseziele.
Viel Freude bei den Planungen!
Uwe
KAKarstenB2'396 Beiträge · seit 201117. März 2026 · #60
Moin Christian, erst mal Danke für deinen witzig geschriebenen und informativen RB. Einen kritischen Punkt möchte ich aber doch anmerken (hätte ich vielleicht nicht gemacht, wenn mir nicht die letzte Antwort von Uwe (Daktari) sauer aufgestoßen wäre): Es wird doch gerne und viel über die korrupten Afrikaner geschimpft, die nichts auf die Reihe kriegen etc. pp. But it takes two to tango! Wenn wir bei der Korruption eifrig mitmachen, ist es mehr als heuchlerisch, mit dem Finger auf die Afrikaner zu zeigen. Und das nur, um 10 € zu sparen! Zumal du ja die Berechtigung der Strafe - Geschwindigkeitsüberschreitung und Überfahren einer durchgezogenen Linie - nicht bestreitest. Früher gab es bei Kontrollen tatsächlich häufiger "Anfragen", aber bei meiner Antwort: "I don't want to be charged with corruption of a police officer." sind sie immer zurückgerudert. Und seit Präsidentin Suluhu zu Beginn ihrer Amtszeit durchs Land getourt ist und den Offiziellen eindringlich klar gemacht hat, wie wichtig der Tourismus für TZ ist, habe ich 2015 und 2022 keine Anmache mehr erlebt - im Gegenteil: Wenn ich mal beim Overspeeding erwischt wurde, hat man es häufig bei einer Ermahnung belassen. Und noch ein Punkt, da mein Beitrag ohnehin schon viel zu lang ist 😗 : Du schreibst, dass du dich in TZ sehr sicher vor Kriminalität gefühlt hast. Wenn wir durch unser Verhalten das Unrechtsbewusstsein aushöhlen, wie lange wird es dann noch so bleiben? Dieses Gefühl habe auch ich in TZ, anders als zum Beispiel in Namibia. Das liegt m.E. darin, dass die Gesellschaft in TZ eine sehr egalitäre ist.