Reisebericht Tansania Meru, Safari, Festlandsküste

Reisebericht 66 Antworten · 4'014 Aufrufe · gestartet 23. Jan. 2026 von Christian66
Themenstarter97 Beiträge · seit 202523. Jan. 2026 · #1
Hallo allerseits. Das ist mein erster Reisebericht. Hoffen wir, dass ich die Forumstechnik bewältige und das Ganze einigermaßen rund wird, vor allem aber die Bilder an die richtige Stelle kommen. Also...
Der Anfang
Im Herbst 2024 war ich im Oman. Afrika hat mich in meinem gar nicht mehr so jungen Leben mit zahlreichen Reisen in Europa, Asien, Ozeanien, Mittel- und Nordamerika eigentlich nie sonderlich interessiert. Marokko, Mauritius und die Kapverden hatte ich besucht, aber ein Land „mitten“ in Afrika stand bisher noch nicht auf meiner Wunschliste.

Dann habe ich im Oman in einem Wüstencamp eine Schweizerin und ihren Sohn getroffen, die mir von ihrer Tour auf den Kilimandscharo erzählt und vorgeschwärmt haben. Die Dame war deutlich älter als ich, was mich schon faszinierte, denn einfach stellte ich mir den Aufstieg auf knapp 5900 m schon in meinem Alter nicht unbedingt vor.

Die Idee mit dem Kili blieb in meinem Hinterkopf. Als ich dann im Frühling 2025 aus Vietnam zurückkam, habe ich begonnen, mich mit einer Reise nach Tansania zu beschäftigen. Recht schnell habe ich gemerkt, dass der Kili zwar hoch ist, aber ein bergsteigerisch eher unspektakulärer Wanderberg. Und so kam ich auf den Meru: Deutlich niedriger, aber technisch und – wie ich bald herausfand – auch landschaftlich etwas spannender. Natürlich auch kein alpiner Berg aber immerhin einer, für dessen Besteigung man seine Hände braucht. Und vor allem nicht von Massen bevölkert, die bei Instagram und Konsorten glänzen wollen…

Danach war schnell klar: Der Meru wird mein Bergprojekt.
Afrika - mal sehen
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Serengeti zwar in meinen Kindheitstagen viel gehört hatte. Grzimeks „Ein Platz für Tiere“ habe ich als Kind regelmäßig gesehen. Aber mit Tansania oder dem Meru habe ich weder die Serengeti noch all die anderen Parks unmittelbar assoziiert. Auch wenn das hier in diesem Forum vermutlich Verwunderung hervorruft: Safari war bis dahin nicht unbedingt etwas, was ich als Urlaubsaktivität plante. Das kam eher zufällig, als ich bei der Recherche nach Aktivitäten in Tansania schnell merkte, dass der Standard­abstecher nach Sansibar für mich nicht in Frage kommt. Inseln im indischen Ozean habe ich schon genug besucht...

Also Safari. An dieser Stelle habe ich dieses Forum entdeckt. Der Rest lässt sich hier nachlesen.

Mit der Unterstützung hier in diesem Forum kristallisierte sich für mich schnell heraus, dass Safari natürlich sein muss, wenn ich nach Tansania fahre. Die Idee einer geführten Safari mit Fahrer/Guide und Koch fand ich immer noch seltsam, denn ich bin es gewohnt, überall auf der Welt selbst zu fahren. Andererseits habe ich schon verstanden, dass man als Anfänger auf einer ersten Reise in Tansania vielleicht doch mehr sieht, wenn der Fahrer weiß, wohin er fahren muss…

Also entstand ein Kompromiss und damit auch die Dreiteilung der Reise:

Teil 1 im Arusha Nationalpark mit dem Aufstieg auf den Meru

Teil 2 auf einer privaten Camping-Safari mit Fahrer/Guide und Koch durch Tarangire, Serengeti, Ndutu und Ngorongoro-Krater

Teil 3 als Selbstfahrer durch den Mkomazi und an die Küste
Die Reise
Los ging es am Silvesternachmittag mit Qatar Airways. Eine gute Stunde vor Jahresende landete ich in Doha und begab mich mit meinem netten Business-Class Upgrade in die Lounge, um das neue Jahr mit den üblichen Getränken zu begrüßen.

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Um 02:00 ging es weiter nach Kilimanjaro und am frühen Morgen des Neujahrstages landete ich zum ersten Mal in meinem Leben „mitten“ in Afrika. Der Blick auf Meru und Kili zu Sonnenaufgang aus dem Jet versprach einiges.

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Angekommen funktionierte die Abholung gleich einmal nicht, weil der vorab bezahlte Fahrer nicht erschien. SIM-Karte gab es auch keine, weil an Neujahr um halb acht morgens offenbar kaum jemand Lust auf Arbeiten hatte. Kann man verstehen. Aber es herrscht ja kein Mangel an Angebot am Flughafen und so nahm ich ein lokales Taxi, um zur Meru View Lodge, der Unterkunft für meinen ersten Tag vor der Wanderung zu kommen.

Die Taxifahrt war ein Erlebnis. der nette Fahrer schlug schon wenige Meter hinter der Ausfahrt des Flughafens vor, die Plätze zu tauschen, als er hörte, dass ich demnächst mit einem Mietwagen durch das Land fahren möchte. Und so fuhr ich gleich meine ersten paar Kilometer vom Flughafen nach Usa River selbst. Die Lodge staunte ein wenig, als wir vor dem Tor hupten und der Touri auf dem Fahrersitz, der Fahrer aber nur daneben saß….

Fortsetzung folgt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 24. Jan. 2026Original ↗
2'396 Beiträge · seit 201123. Jan. 2026 · #2
Moin Christian,

ich habe ja schon einiges in Afrika und speziell in TZ erlebt, aber dass der Taxifahrer mir das Steuer überläßt, das kam bisher nicht vor. 🤩 Ich nehme an, er hatte von der Sylvesterfeier noch so viel Restalkohol im Blut, dass er sich sicherheitshalber für diese Variante entschieden hat. 😄 Bei der nächsten Afrikareise kannst du dann ganz gelassen auf den Fahrer verzichten. (Habe ich das richtig verstanden, dass du allein geflogen bist? Dann ist ein Gesprächspartner vielleicht auch ganz nett - wenn die Chemie stimmt. Wir - meine Frau und ich waren fast immer als Selbstfahrer unterwegs.)
Dein humorvoller Bericht gefällt mir bisher schon mal. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

LG aus Puerto de la Cruz
Karsten

PS: Ich habe gerade in den Vorbereitungsthread reingeschaut und fest gestellt, dass ich ja auch meinen Senf dazugegeben habe. 😊 Bist du nun mit deiner Tochter gefahren und/oder hast du noch eine Gruppe Mitfahrer gefunden?
Zitierenzuletzt bearbeitet 23. Jan. 2026Original ↗
6'360 Beiträge · seit 201124. Jan. 2026 · #3
Hoi Christian

Super, der Reisebericht hat begonnen und gefällt mir jetzt schon! 😄
Weiter so!

Und ich hab den Bericht auch schon in die Reiseberichtzusammenstellung Tansania eingefügt.
Hau in die Tasten! 😎
Themenstarter97 Beiträge · seit 202524. Jan. 2026 · #4
Karsten und Picco, danke Euch für die Vorschusslorbeeren!

@KarstenB: Ich bin allein hingeflogen und alleine (mit Bergführer, Koch und Trägern natürlich) auf den Meru gegangen. Meine Tochter kam sechs Tage später nach. Die jungen Leute feiern halt Silvester lieber, als auf einen Berg zu steigen...

Safari habe wir dann zu zweit als private Safari gemacht und die Fahrt an die Küste auch.

@Picco: Danke fürs Einfügen!
Zitierenzuletzt bearbeitet 24. Jan. 2026Original ↗
Themenstarter97 Beiträge · seit 202524. Jan. 2026 · #5
Auf dem Weg zur Lodge fuhr ich noch nach Usa River in der Hoffnung, dort mehr Glück mit dem Erwerb einer SIM-Karte zu haben. Der beifahrende Fahrer war wirklich sehr bemüht und hat die halbe Stadt angesprochen, um einen offenen Verkauf zu finden. Leider vergebens. Das war ein wenig blöd, denn am nächsten Morgen sollte die Wanderung beginnen und nach Arusha wollte ich vorher nicht mehr.

Die Meru View Lodge ist nur wenige Kilometer vom Momella Gate entfernt und hat mir gut gefallen. Freundlich, hilfsbereites Personal, sauber, gepflegte Anlage und preislich in einem vernünftigen Rahmen (ca. 1/4 bis 1/3 der Hatari Lodge).

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Wer sich ein wenig umschaut, findet auch Bambus der größeren Sorte, ein kleines Feld und das Grab des früheren deutschen Eigentümers.

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Für mich als Bayern interessant ist die kulturelle Ausbreitung meiner Heimat bis nach Ostafrika:

Wegweiser:

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Und Tischdecke:

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Fehlt nur noch:

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Bayern ist überall! 😎 😄

Mein SIM-Karten-Problem hat die Lodge dann gelöst, indem sie mir eine SIM-Karte aus ihrem Bestand für die Wanderung geliehen haben. Für 10 $ habe ich sie aufgeladen und konnte damit in den nächsten Tagen die Zurückgebliebenen per Messenger mit Bildern unterhalten. Neben mir habe ich im Speisesaal und der Lounge nur eine Australierin mit ihrem Sohn gesehen, die gerade vom Kili kamen und mir ihr restliches Diamox weitergegeben haben. Ich habe es nicht gebraucht und dann später selbst weitergegeben. Mit einem Abendessen und dem Austausch mit den australischen Wandersleuten ging der Tag ruhig zu Ende und die Freude auf den Berg stieg.

Fortsetzung folgt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 24. Jan. 2026Original ↗
59 Beiträge · seit 202324. Jan. 2026 · #6
Ich lese mal eifrig mit, wir sind gerade am Planen für Anfang 27 😗

Liest sich wirklich toll bisher 😄
Themenstarter97 Beiträge · seit 202524. Jan. 2026 · #7
Der Berg ruft
Am 02.01. geht es dann los Richtung Momella Gate zum Start der Wanderung. Ich hatte vor der Reise gehört, dass es mit der Pünktlichkeit in Afrika im Allgemeinen nicht so überragend aussehen soll. Umso erstaunter bin ich, als meine Bergcrew 45 min früher als verabredet da ist und ich noch nicht fertig bin. 😛 So kann man sich von Vorurteilen täuschen lassen. 😎

Auf dem Weg zum Momella Gate, dem Start der Wanderung und bereits am Ngongongare Gate, dem Eingang zum Arusha Nationalpark trifft man die ersten Tiere:

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Und dann sind wir am Momella Gate und verlassen das Auto. Es gibt einen ersten Blick auf den Berg. Wow!

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Am Momella Gate dauern die Formalitäten recht lange. Bis wir mit dem Aufstieg beginnen, ist es nach 12:00 Uhr. Also wird es heute nichts mit „pole, pole“, denn wir wollen ja noch im Hellen auf der Miriakamba Hütte ankommen. Auf der südlichen Route sollen es sechs Stunden sein. Das ist dann aber selbst für einen älteren Herren wie mich etwas übertrieben.

Wir sind insgesamt nur sieben Touristen in vier Gruppen, Ein Paar aus Ulm, ein Sportler aus München, der Läufe auf die Zugspitze unternimmt, drei Israelis und ich. Etwas beunruhigend finde ich die Altersstruktur: Mit Ausnahme eines der Israelis könnten alle anderen inklusive Bergführer und Träger ohne weiteres meine Kinder sein. 😕

Am bekannten Feigenbaum machen wird die erste Rast.

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An Tieren gibt es neben ein paar Affen und einem Büffel in der Ferne vor allem Ameisen (die Bergführer nennen sie „Safari-Ants“, weil sie dauernd umherwandern) und mein - nach Aussage meines Bergführers - erstes Chamäleon zu sehen, das sich allerdings bei näherer Bestimmung wohl als Mwanza-Agame (Agama mwanzae) entpuppt:

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Der erste Tag ist locker zu schaffen. Es ist eine Wanderung, die nicht anstrengender ist, als eine Halbtagestour in einem deutschen Mittelgebirge. Für einen halbwegs fitten Menschen überhaupt kein Problem.

Gegen 17:30 Uhr kommen wir an der Miriakamba Hütte auf ca. 2500 m an. Der Aussicht ist schon mal nicht schlecht. In der Ferne sieht man die Momella-Seen.

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Am nächsten Morgen wird sie aber wesentlich besser. Für einen Moment könnte man meinen, man sei auf einer Sommerwanderung in den Alpen.

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Der Kilimandscharo-Guereza sorgt aber dann doch für Klarheit:

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Der Kili zeigt sich in seiner Pracht - und doch ganz anders als die Alpengipfel.

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Die Israelis waren dann offenbar doch etwas überrascht, dass es fast dauernd bergauf geht und haben sich am zweiten Tag – ob geplant oder ungeplant weiß ich nicht – zum Abstieg entschlossen. Somit sind wir noch ganze vier Touristen, die auf den Gipfel wollen. Wanderer auf den Kili können davon vermutlich selbst in der Nebensaison nur träumen.

Der Aufstieg bleibt gut machbar und nur etwas steiler als am ersten Tag. 3050 m sind bald erreicht.

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Und immer noch Wald.

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Dann wird es aber bald und schnell lichter. Der Gipfel ist das natürlich noch nicht, nur der Little Meru mit 3820 m rückt in Sichtweite.

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Am frühen Nachmittag erreichen wir die Saddle Hut auf 3500 m.

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Der Kili lugt zuerst nur hervor und zeigt sich dann in voller Pracht.

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Nach zwei Stunden Mittagspause geht es zur Akklimatisierung nochmal 320 Höhenmeter weiter auf den Little Meru (3820 m). Es wird steiler, aber immer noch gut machbar. Und es sind nur 320 Höhenmeter.

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Frank, mein Bergführer ist fantastisch. Wie gut er ist, merke ich allerdings erst am Gipfeltag…

Er ist im übrigen der Beweis dafür, dass auch „Flachlandindianer“ in den Bergen eine ausgezeichnete Figur machen können. Aufgewachsen ist er am Victoriasee und geht erst seit vier Jahren in die Berge, vor allem natürlich auf den Kili, seit knapp zwei Jahren als Bergführer. Ich wünsche ihm, dass er sein Studium mit den Einnahmen aus dem Berggeschäft bald fortsetzen kann.

Die Bergtour habe ich mit Paradies Safaris gebucht. Mit Frank haben sie tatsächlich einen fachlich und - besonders wichtig - menschlich/charakterlich ausgezeichneten Bergführer gestellt. Ich wünsche allen, die eine solche Tour in Angriff nehmen, einen so guten Bergführer.

Insgesamt war ich mit der ganzen Crew - neben Frank, drei Träger und ein Koch - sehr zufrieden. Wobei ich mir vom Koch vielleicht etwas weniger Porridge pur (nicht mein Ding) gewünscht hätte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Alle Achtung habe ich vor der einzigen Frau unter den Trägern, die mich am letzten Tag beim Abstieg locker überholt hat. 😎

Nach der kleinen Gipfeltour zum Little Meru geht es wieder runter auf 3500 m zur Saddle Hut und zum Abendessen. Insgesamt verläuft auch der zweite Tag problemlos und ist keine extreme Anstrengung. Von der dünner werdenden Luft merke ich bis zum Little Meru auf 3820 m noch überhaupt nichts. Ich fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass ich morgen auch zum ersten Mal in meinem Leben die 4000 m überschreiten kann und werde. Mein billiger Pulsoxymeter aus dem Supermarkt zeigt allerdings eine Sauerstoffsättigung von 34 % an. 🤩 Danach muss mein Tod bereits vor einiger Zeit eingetreten sein... 😄

Um 01:00 Uhr soll der Gipfeltag beginnen. Vor dem frühen Schlafengehen, gibt es noch einen fantastischen Blick auf den aufgehenden Mond. Die Gipfelnacht ist eine Vollmondnacht.

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Fortsetzung folgt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 09. März 2026Original ↗
Themenstarter97 Beiträge · seit 202526. Jan. 2026 · #8
Auf geht’s zum Gipfel!
Um kurz nach Mitternacht werde ich geweckt. Der Waiter-Porter ist wie immer äußerst aufmerksam und gleichzeitig zurückhaltend beim Wecken eines überzeugten Spätaufstehers…

Dieses Mal ist das aber eigentlich nicht nötig, denn Schlaf habe ich von 20 Uhr bis Mitternacht genau keinen gefunden. Das ist einfach nicht meine Schlafzeit und wird es wohl in diesem Leben auch nicht mehr werden. Und dann noch die gespannte Aufregung wegen des bevorstehenden Aufstiegs!

So starte ich den Tag ohne Schlaf aber trotzdem mit einem guten Gefühl. Zum Frühstück gibt es unter anderem eine riesige Portion Popcorn – zum Glück ohne Zucker. Die wie immer reichlichen weiteren Speisen lasse ich leider links liegen. Frühstücken um Mitternacht ist auch nicht unbedingt meins.

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Um kurz nach eins brechen wir – drei Touris und drei Bergführer/Träger – mit Stirnlampen ausgerüstet von der Sattelhütte zum Gipfel des Mount Meru auf. Die Vollmondnacht ist nun leider bewölkt, weswegen der Vollmond als Lichtquelle ausfällt.

Der vierte im Bunde, der Zugspitzläufer, hatte entschieden, dass ein Aufbruch um drei Uhr völlig ausreicht und davon auch seinen Bergführer überzeugt. Er sollte für sich Recht behalten…

Die erste Stunde ist nur wenig anstrengender als die Wanderung der vorausgegangenen Tage. Es geht zwar ordentlich bergauf aber auf einem guten Serpentinenweg. Nach etwas über einer Stunde erreichen wir den Rhino Point, eine Anhöhe auf ca. 3800 m. Es ist dunkel, denn der Vollmond bleibt hinter den Wolken verborgen.

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Einige Zeit nach dem Rhino Point kommen vier oder fünf Ketten als Fixseile. Es geht dort (beim Aufstieg) bergab und man sieht in der Dunkelheit – zum Glück – nicht, was für eine Stelle das ist. Man läuft an einem Hang und kann sich dabei an den Ketten festhalten. Ich schätze, dass die Ketten insgesamt so an die 200 m lang sind. Einmal rutsche ich ein wenig ab und entscheide mich, die Kette zu nutzen, in dem Glauben, die sei dafür schließlich da. Mein Bergführer schaut etwas entgeistert und murmelt nur „don’t rely on the chain!“ Beim Abstieg werde ich verstehen, was er meint…

Fotos gibt es davon leider nicht, weil es zu dunkel ist. Dafür von Arusha.

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Es geht weiter und es wird deutlich beschwerlicher. Der Weg weicht immer mehr einem felsigen Pfad und so ab ca. 4100 m merke ich recht plötzlich die Höhe. Es fühlt sich an, wie ich mir Muskelschwund vorstelle. Es fällt schwer, das angewinkelte Bein auf einen Fels/Stein zu setzen und das Knie durchzustrecken. Ich brauche mehr und mehr Pausen. Ich habe keine Kopfschmerzen, kein Schwindelgefühl, keine Übelkeit oder ähnliches. Nur keine Kraft mehr. Mein Bergführer meint, das sei normal und macht sich offenbar keine Sorgen. Das beruhigt.

Schon bald muss ich die beiden jungen Leute passieren lassen. Mein Bergführer will jetzt meinen Rucksack. Ich lehne ab. So weit ist es zum Glück noch nicht.

Ganz langsam verliere ich die anderen aus den Augen. Sie laufen nicht etwa davon. Aber sie sind eben auch nicht so langsam wie ich.

Das Frustrierende an dem Berg kommt mit der Dämmerung. Man sieht ständig einen vermeintlichen Gipfel, erklimmt diesen und stellt nur fest, dass dahinter der nächste „Gipfel“ liegt. Hinter fast jedem Gipfel geht es zudem wieder ein wenig bergab und dann natürlich nur noch höher bergauf.

Der Meru war einst höher als der Kili. Bei einer gewaltigen Eruption hat er wohl mindestens 2000 Meter Höhe eingebüßt. Entstanden ist eine Caldera. Bei einem weiteren Ausbruch vor etwa 6000 Jahren kollabierte die Ostwand und in der Caldera entstand ein neuer Schlot, ein Ashcone. Man läuft um diese Caldera herum von einem vermeintlichen Gipfel zum anderen und sieht das Ziel nicht. Das zerrt an den Nerven.

Kurz darauf kommt der Zugspitzläufer locker angetrabt und ist auch schon wieder weg. Später höre ich, dass er der erste auf dem Gipfel ist, also auch die beiden anderen noch überholt hat. Wow!

Aber auch etwas frustrierend.

Dafür entschädigt dann bald der Blick auf den Kili im Osten mit der aufgehenden Sonne. Zumindest wenn man das Glück hat, den Gipfel wolkenfrei zu erleben. Ein Bild, das ich vermutlich nicht mehr vergessen werde.

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Es wird immer schwerer und schließlich lasse ich mir doch den Rucksack von Frank abnehmen. Peinlich, peinlich! 😊

Nach einem weiteren vermeintlichen Gipfel bin ich erschöpft und kurz davor aufzugeben. Vor mir sehe ich die nächste Wand, noch steiler als die letzte. Ich setze mich auf einen Fels und schaue Frank fragend an. Ich signalisiere, dass ich es nicht mehr weit schaffe. Ein Foto nach unten schieße ich noch; nach oben will ich nicht mehr schauen.

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Frank bittet mich, doch mal hochzuschauen und meint, er wisse, dass ich es schaffe. Ich schaue nach oben und sehe tatsächlich zum ersten Mal den Gipfel und die anderen da oben. Das gibt einen gewaltigen Energieschub. Mehr kriechend als laufend geht es weiter und um halb sieben stehe ich endlich am Gipfel.

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Auf dem Bild Frank und mein „Summit Porter“. Ich habe mich gefragt, was er in seinem Rucksack wohl trägt. Die Lösung: Notfallausrüstung, falls einer wie ich dann doch zusammenbricht. Deswegen soll kein Bergführer allein mit einem Touristen auf den Gipfel gehen.

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Der Blick da oben entschädigt dann doch sehr. Gegenüber der Little Meru.

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Die Caldera Krater mit dem Ashcone.

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Und die anderen Touris auf dem Gipfel. Mehr werden es an diesem 04. Januar auch nicht mehr.

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Regenbogen auf dem Gipfel.

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Und dann beginnt der Abstieg. Ich kann nicht sagen, dass dieser nach der Anstrengung leicht fiel. Das Gelände ist schon teilweise etwas unwegsam.

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Hier sieht man die Gegenanstiege ganz gut. Den Sendemasten in der Ferne muss man passieren.

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Dann wird es wieder etwas leichter.

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Der Gipfel wirkt schon fern.

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Der neue Schlot von der anderen Seite.

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Der Weg zieht sich.

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Aber die Landschaft bleibt spektakulär.

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Und dann kommen die Ketten/Fixseile. Dieses Mal, beim Abstieg, geht es dort bergauf.

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Bei Helligkeit realisiert und sieht man zwei Dinge:

Zunächst erkennt man bei Helligkeit, wo es hingeht, wenn man den Halt verliert. Auf dem Foto ist das leider nicht zu sehen. Den Abgrund schätze ich im Mittel auf 150 m. Keine erfreuliche Aussicht.

Und dann sieht man die Stelle, wo die im Felsen verankerte Kette schon einmal ausgerissen ist. Also nicht die Kette ist gerissen, sondern der Fels ausgebrochen und die Kette daneben in einem neu gebohrten Loch eingehängt. Das Ergebnis nimmt sich aber nicht viel, wenn man sich zu dieser Zeit an der Kette festgehalten hätte. Hoffen wir, dass es jetzt hält. Ich verstehe jetzt, warum Frank mir auf dem Hinweg gesagt hat, ich soll mich nicht auf die Kette verlassen...

Vor allem aber fällt jetzt mit der Erschöpfung der Anstieg richtig schwer und auf die Kette verlassen möchte ich mich auch nicht mehr unbedingt. So bin ich recht erleichtert, als ich die Passage hinter mir habe.

Bald ist dann wieder der Rhino Point erreicht. Ich denke mir, dass es doch auf dem Hinweg bis dort nicht besonders anstrengend war. Auf dem Rückweg sehe ich das jetzt doch etwas anders. Der Weg erscheint mir plötzlich unendlich lang in einer endlosen Zahl an Serpentinen. Man sieht die Sattelhütte am Anfang an einer Stelle zwischen Rhino Point und den Serpentinen in der Ferne. Aber sobald die Serpentinen beginnen, sieht man nichts mehr und hofft irgendwann hinter jeder Kurve, das es die Letzte sein möge.

Endlich gegen 10:30 Uhr erreichen wir die Sattelhütte. Mir reicht’s und die Aussicht, am Nachmittag nochmal 1000 Höhenmeter absteigen zu müssen, erscheint mir wie eine Horrorvorstellung. Ich will nur noch liegen und frage, ob es nicht möglich wäre, auf der Sattelhütte zu übernachten und lieber morgen die gesamten 2000 Höhenmeter bis zum Momella Gate abzusteigen, statt heute nochmal 1000 und morgen den ganzen Tag nur 1000 Höhenmeter.

Das geht aber nicht, weil es auf der Sattelhütte nicht genügend Proviant gibt. Alles was es dort gibt, muss hoch getragen werden, nur das Wasser ausgenommen. Die Träger lassen natürlich alles, was nur für den letzten Tag gebraucht wird, in der Miriakamba Hütte 1000 Meter tiefer. Verständlich.

Also mache ich mich mit der Vorstellung vertraut, eineinhalb Stunden zu schlafen, dann Mittag zu essen und danach für den Abstieg zur Miriakamba Hütte zu packen.

Als ich zum Mittagessen geweckt werde, geht es mir wieder erstaunlich gut. Kein Zwicken, kein Muskelkater, kein gar nichts und die Aussicht auf weitere zweieinhalb Stunden Wanderung bergab, will mir gar nicht mehr so unerfreulich erscheinen. Wie schnell man doch regenerieren kann!

Gegen 14:00 Uhr geht es schließlich mit den Bergführern, einem Ranger und den beiden anderen hinunter zur Miriakamba Hütte auf 2500 m. Der Vierte ist bereits voraus gelaufen und steigt heute noch die gesamten gut 3000 m bis zum Momella Gate ab. Das macht dann an einem Tag 1065 Höhenmeter hoch und 3065 Höhenmeter runter. Für meine alten Knochen zu viel, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Die Tour wird auch als Drei-Tages-Tour angeboten. Ich empfehle das aber nur wirklich sehr fitten Leuten, die eine Ahnung davon haben, was über 4000 Höhenmeter an einem Tag bedeuten. Für die anderen dürften die gut 3000 Höhenmeter auf alle Fälle die bessere Option sein.

Bis zur Höhe von 3500 Metern, also bis zur Sattelhütte und natürlich auch beim Abstieg ist ein bewaffneter Ranger als Begleitung vorgeschrieben. Es gibt dort Büffel, meistens ältere Bullen, die manchmal dazu neigen, ihr Territorium gegen Menschen zu verteidigen. Wir haben am Berg zwei oder drei gesehen, die aber nicht aggressiv waren. Auf ca. 3800 m Höhe hatte allerdings ein Büffel ganz offensichtlich Durchfall, weshalb die Regel mit der Rangerbegleitung bis 3500 m eher nicht so plausibel ist.

So gegen 16:15 Uhr haben wir dann wirklich fertig für heute und erreichen die Miriakamba Hütte für eine letzte Nacht am Berg. Zum Fotos machen bin ich zu müde.

Die Betten sind für eine Berghütte erstaunlich bequem. Auch die Speisesäle sind sauber und gepflegt. Was auf beiden Hütten fehlt, ist fließendes Wasser. Die Sattelhütte hat wohl gar keinen Wasseranschluss, die Miriakamba Hütte hat einen, der jedoch aktuell außer Betrieb ist. Auch in den Sanitäranlagen gibt es kein fließendes Wasser. Einer der Träger, der „Waiter-Porter“ versorgt mich aber jeden Morgen mit einer Schüssel warmen Wassers, was für eine Gesichtswäsche etc. völlig reicht. Das Wasser aus einer Quelle wird für die Touristen abgekocht. Eigene Fotos habe ich vom Inneren der Hütten nicht gemacht. Wenn ich noch welche bekommen sollte, reiche ich sie nach.

Beim Aufstieg waren beide Hütten fast leer. Wir waren nur sieben Touristen und jeder konnte ein Zimmer für sich alleine haben. Nun ist aber eine Horde von rund 30 lautstarken Amerikanern und dazu noch einige Franzosen eingetroffen und es wird eng. Ich vermute aus Respekt vor meinem hohen Alter schlägt man mir nicht vor, das Zimmer mit anderen zu teilen. In jedem Zimmer stehen nämlich zwei Etagenbetten, so dass jeweils vier Personen pro Zimmer übernachten können. Das Paar, das mit mir auf dem Gipfel war, muss das Zimmer hingegen mit einem Neuankömmling teilen.

Als ich mir einige der Amis im Speisesaal ansehe, verspüre ich das Bedürfnis Wetten darauf abzuschließen, wer es wohl bis zum Gipfel schaffen wird. Einige sind bereits ohne Rucksack mit nicht unbeträchtlichen Zusatzlasten ausgestattet. Ich werde die Auflösung meiner fiktiven Wetten wohl nie erfahren. Vielleicht auch gut so, denn Gehässigkeit ist wahrlich kein schöner Charakterzug.

Der Trubel durch die vielen Leute legt sich erstaunlich schnell, als es dunkel wird und ich schlafe nach diesem anstrengenden und ereignisreichen Tag ganz vorzüglich.

Fortsetzung folgt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 27. Jan. 2026Original ↗
762 Beiträge · seit 201726. Jan. 2026 · #9
Hallo Christian, puh was für eine Leistung! Respekt und Gratulation! Ich bin froh, dass ich nur lesend dabei war. Bin gespannt wie schnell du dich erholt hast und freue mich auf die Fortsetzung.
Liebe Grüsse, Caroline
Themenstarter97 Beiträge · seit 202526. Jan. 2026 · #10
Hallo Caroline,

danke Dir und freut mich, dass Dir mein kleiner Wanderbericht gefällt. Es ist ja nur im weitesten Sinne eine Wandersafari.

Das Schöne an der Anstrengung ist, dass sie einem im Nachhinein irgendwie kleiner vorkommt als im jeweiligen Moment. Ich war selbst überrascht, dass ich weder einen Muskelkater hatte, noch sonst in den Tagen nach der Wanderung sonderlich erschöpft war. Der Berg wird zu einem erheblichen Teil mit dem Kopf bestiegen.

Das nächste Bergprojekt ist zwar noch nicht spruchreif, aber in Gedanken nimmt es bereits Gestalt an... 😉

Liebe Grüße

Christian
Zitierenzuletzt bearbeitet 26. Jan. 2026Original ↗
6'360 Beiträge · seit 201127. Jan. 2026 · #12
Hoi Christian

Sehr schön beschrieben!
Wer selbst noch nie über 3500müM, geschweige denn über 4000müM war kann nicht nachvollziehen wie sehr die Kräfte dort schwinden!
Ich selbst war bisher rund 10 Nächte auf rund oder über 4000müM und als höchste selbst erwanderte Höhe auf etwa 5400müM, als ich auf dem Weg zum Mt. Everest Base Camp (5350müM) war. Und ich hab mir schon etliche Male anhören müssen dass das ja nur eine Wanderung wäre, die diejenigen Personen wohl alle wesentlich besser und problemloser schaffen würden als ich.
Ich denk mir dann nur 'Jaja, blabla'.
Bei mir wars beim abgebrochenen Kili-Abenteuer 2015 ('Bist Du ein Versager, ich wäre raufgegangen' durfte ich von Leuten hören die noch nie über 3500müM waren) so dass ich schon wenige Höhenmeter weiter unten schon wieder fast fit war, wie erging es Dir?
Zitierenzuletzt bearbeitet 27. Jan. 2026Original ↗
Themenstarter97 Beiträge · seit 202527. Jan. 2026 · #13
Hallo Picco,

ich kann es nicht sicher sagen, wieviel die Höhe ausmachte und wie viel die Anstrengung am Gipfeltag. Wie beschrieben, ging es mir nach ca. eineinhalb Stunden Schlaf auf 3500 m wieder gut und der Abstieg um weitere 1000 m war dann kein Problem. Fest steht, dass ich bis etwa 4100 m von der Höhe nichts spürte und das dann recht abrupt kam. Muskelschwäche ist ein eindeutiges Zeichen für den Sauerstoffmangel in der Höhe.

Am Berg wird ja jeden Abend vom Bergführer ein kleines Interview geführt mit Fragen nach allerlei Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Erbrechen etc. Diese Fragen habe ich alle immer mit nein beantworten können. Und auch am Abend des Gipfeltages war alles wieder bestens.
Themenstarter97 Beiträge · seit 202529. Jan. 2026 · #14
Abstieg letzter Akt
Am Abend hatte es stark geregnet und es sieht aus, als stünde für den letzten Tag eine Rutschpartie bevor. Besonders bergaufwärts ist am Morgen viel los und alle richten sich auf eine Regenwanderung ein. Dann wird der Regen weniger und pünktlich zu unserem Aufbruch, gerade als alle sich in Regenkleidung gepackt hatten, hört es auf. Der Weg ist griffig und kein Problem.

Es wird eine lockere und kurze Wanderung von vielleicht zweieinhalb Stunden. Dafür geht es hinunter durch eine bezaubernde Landschaft. Es sieht teilweise aus wie ein Zauberwald mit Bäumen, von denen lange weiße und grüne Bärte herabwachsen.

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Der Abstieg folgt einer anderen, etwas kürzeren aber steileren Route als der Aufstieg. Unterwegs treffen wir zunächst einen scheuen Büffel.

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Es geht über eine Brücke und vorbei an einem Wasserfall,

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an dem Giraffenknochen herumliegen.

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Kurz darauf sehen wir Giraffenknochen mitsamt Giraffen.

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Und auch die "Safari-Ants" (Treiberameisen) sind so zahlreich wie faszinierend anzusehen, solange man auf nähere Bekanntschaft verzichtet.

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Nach etwa zwei Stunden Abstieg nähern wir uns dem Momella Gate. Der Wald hört auf, das Gelände ist jetzt fast eben und offen. Es sind immer mehr Tiere zu sehen und in der Ebene sind auch einige Spaziergänger unterwegs. Man sieht uns offensichtlich an, dass wir nicht auf einem Tagesausflug/Spaziergang sind, denn manche Spaziergänger auf Tierbeobachtung machen anerkennende Bemerkungen.

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Dann erreichen wir das Momella Gate den Start und das Ende der Wanderung. Dort werden die Urkunden für die Besteigung und die Trinkgelder überreicht sowie ein Abschiedsfoto mit der Bergcrew gemacht. Ein letztes Foto von Meru und Little Meru lassen die Wolken zu.

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Auf dem Weg aus dem Park sehen wir aus dem Auto noch einige Tiere. Langsam geht das Wandern in den Safariteil über.

Gleich zu Anfang ein recht scheues Wesen. Mein Bergführer sagt Duiker, meine Erkennungssoftware meint: eindeutig Buschbock.

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Die anderen Tiere sind für mich klarer identifizierbar:

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Und zu guter Letzt noch ein Schwarzkopfreiher mit stoischer Ruhe.

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Dann geht das Abenteuer Meru zu Ende. Mein Bergführer und der Koch gehen mit mir noch in Usa River essen und bringen mich anschließend zur Meru View Lodge zurück. Den Rest des Tages faulenze ich dort zwischen Biergarten und Speisesaal.

Teil 1 der Reise geht damit zu Ende und die Fortsetzung mit Teil 2 folgt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 09. März 2026Original ↗
2'188 Beiträge · seit 201630. Jan. 2026 · #15
Hallo Christian,

Hut ab, dass Du Dir diese Besteigung zugetraut hast. Wir wohnen in der Nähe der Alpen und gehen auch gerne wandern, gerne auch mal 800 -1000 Höhenmeter, aber auf dieser Höhe würde ich mir das nicht zutrauen. Von der Seite war ich faszinierend von meinem warmen Bürostuhl mit dabei.

LG

Gabi
Themenstarter97 Beiträge · seit 202505. Feb. 2026 · #16
Resümee Mount Meru
Die Besteigung des Meru war eine tolle Erfahrung und am Gipfeltag für mich eine Herausforderung. Sie ist meines Erachtens auch für einen untrainierten Menschen fortgeschrittenen Alters machbar, wenn eine gewisse Grundfitness vorhanden ist. Die ersten beiden Tagen sind recht locker zu machen, so dass man den Gipfeltag durchaus etwas unterschätzen kann.

Der Berg hat definitiv Lust auf mehr gemacht, auch auf größere Höhen. Eine vage Idee habe ich auch schon….

Ich hatte mit Frank einen wirklich tollen Bergführer und war mit dem Team auch im übrigen sehr zufrieden.

Fragwürdig finde ich das Trinkgeldsystem, bei dem es sich eigentlich nicht um ein Trinkgeld handelt, sondern um einen mehr oder weniger fest mit geringer Spanne vorgegebenen Lohn für die Bergcrew. Das gilt natürlich genauso für die anschließende Safari.

Wenn das Trinkgeld auf der Webseite mancher Unternehmen der Branche angegeben ist, kann man wohl nicht mehr von einem Trinkgeld sprechen. Ich finde, die Leute sollten von ihrem Arbeitgeber zumindest so bezahlt werden, dass sie nicht auf einen mehr oder weniger vorgegebenen Tagessatz an Trinkgeld angewiesen sind. Ein Trinkgeld gebe ich gerne, wenn ich zufrieden bin. Ein „Trinkgeld“, auf das der Empfänger angewiesen ist, weil es einen wesentlichen Teil seines Einkommens ausmacht, ist in meinen Augen kein Trinkgeld, sondern ein fester und moralische verpflichtender Teil der Reisekosten. Diese amerikanische Seuche, Arbeitnehmer die mit Trinkgeld rechnen können, nicht ordentlich zu bezahlen und stattdessen den Kunden die Entlohnung zu übertragen, breitet sich leider auf der Welt immer mehr aus. Wie man als Tourist dagegen etwas unternehmen kann, weiß ich momentan nicht, freue mich aber über Anregungen.

Darüber und über die bevorstehende Safari denke ich an meinem „Ruhetag“ am 06.01.2026 nach. Ansonsten unternehme ich an diesem Tag nach meiner Rückkehr in die Meru View Lodge nur kürzere Spaziergänge zwischen Lounge, Speisesaal, Biergarten und meinem Bungalow.

Am Abend kommt dann meine Tochter an und wir essen gemeinsam mit meinem Bergführer zu Abend.

Morgen geht es in den Tarangire.
Zitierenzuletzt bearbeitet 05. Feb. 2026Original ↗
5'035 Beiträge · seit 201406. Feb. 2026 · #17
Hi Christian,
alle Achtung, dass du die Herausforderung gemeistert hast! Ich bin froh, dass ich die Tour gemütlich vom Sofa aus mitverfolgen konnte und freue mich nun auf den Safariteil!

Liebe Grüße
Konni
Themenstarter97 Beiträge · seit 202506. Feb. 2026 · #18
Hallo Gabi,

wenn man 1000 Höhenmeter in den Alpen schafft, sind die ersten zwei Tage auf den Meru schon mal kein Problem. Für mich waren die 4566 m auch das bisher Höchste. Zur "Vorbereitung" bin ich auf den Großen Osser im Bayerischen Wald (natürlich über den Osser-Riesen-Steig) und zur Gewöhnung an Nässe und Kälte noch bei Schneeregen die Sylke-Otto-Tour im Erzgebirge gegangen. Nur Mut, das ist ein Berg, den man als normaler fitter Wanderer schon angehen kann.
Themenstarter97 Beiträge · seit 202509. Feb. 2026 · #19
Safari
Am Morgen werden wir abgeholt und der Safariteil beginnt mit Zepha unserem Fahrer und Guide und Salim, unserem Koch.

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Erstaunlich, wie schnell so ein Auto auch mit nur zwei Gästen voll ist. Ich frage mich, wie Leute das auf einer Safari in einer offenen Gruppe machen.

Dann geht es auf den Weg zum Tarangire. Arusha können wir umfahren und so kommen wir zügig voran. Unterwegs sehen wir immer wieder Gruppen von Massai-Jungen in der traditionellen schwarzen Kleidung nach der Beschneidung.

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Das Land ist teilweise schon sehr trocken und man fragt sich, wie die Tiere der Massai dort genug zu fressen haben.

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Dann erreichen wir gegen Mittag den Tarangire-Nationalpark, sehen die ersten Tiere kurz nach dem Eingang auf dem Weg zum Campingplatz. Das allererste Wildtier ist, glaube ich, diese Grünmeerkatze.

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Dann sehen wir die ersten Zebras und diese recht stattliche Schirmakazie.

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Für einen kurzen Stopp fahren wir die Public Campsite N° 1 an und laden dort Zelte etc. sowie die Verpflegung aus. Damit lassen wir unseren Koch zurück. Dann geht es weiter mit einem farbenfrohen Vogel, vermutlich einer Gabelracke,

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sowie einer kleinen Familie von Zwergmangusten.

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Und dann ist es soweit: Wir sehen die ersten Elefanten, für die der Tarangire so bekannt ist.

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Der Kleine hat sichtlich Spaß im Minipool und lässt sich kaum mehr zum Aufstehen überreden.

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Schließlich zieht die Herde dann aber doch weiter.

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Die erste Antilope, die wir sehen, ist ein Wasserbock.

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Der Tarangire hat – wie mir berichtet wurde – vor unserer Ankunft einige Tage Regen bekommen und hat die trotz der kleinen Regenzeit aufgetretene ungewöhnliche Trockenperiode einigermaßen hinter sich gelassen.

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Dann treffen wir zum ersten Mal auf das Huhn mit Helm und Perlengefieder, das offenbar lieber wegrennt als zu fliegen. Zumindest haben wir die Art im weiteren Verlauf der Reise noch oft gesehen und zwar immer nur rennend vor unserem Auto flüchtend jedoch nie fliegend.

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Und dann treffen wir „Pumbaa, den Snack der Löwen“, wie unser Guide das Tier beschreibt.

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Kaum gesagt, sehen wir tatsächlich die erste Katze. Für uns ist es tatsächlich das erste Mal, dass wir eine Großkatze in freier Wildbahn beobachten können. Wow!

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Zebras sehen wir reichlich im Park. Für regelmäßige Safariurlauber vermutlich nichts Besonderes, für uns auf unserer allerersten Safari schon.

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Einer meiner liebsten Vögel, der Grauhals-Kronenkranich. Schon etwas farbenfroher als die Kraniche, die ich im vergangenen Herbst in Brandenburg beobachtet habe.

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Der Dreifarben-Glanzstar ist am ersten Tag wirklich sehr hübsch anzusehen, nach ein paar Tagen Safari aber so häufig anzutreffen, das er schon nicht mehr auffällt.

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Für unser erstes Dikdik halten wir natürlich auch an.

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Und auch Herr und Frau Wasserbock sind am ersten Safaritag noch recht imposant anzusehen.

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Diese drei Gesellen sehen – wie eigentlich ihre Art immer – eher ein wenig schlecht gelaunt aus.

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Elefanten sehen wir im Tarangire so viele wie nie mehr auf dem Rest der Safari.

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An einer hohlen Akazie machen wir eine kurze Fotopause für Menschenfotos, bevor es weitergeht.

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Kurz darauf sehen wir die ersten Impalas. Interessante Geschichten und Interpretationen weiß unser Guide über deren Leben und Paarungsverhalten zu erzählen. Kurzfassung: Zu einer größeren Gruppe Weibchen gehört immer ein dominantes Männchen – solange bis das Männchen von all den Weibchen erschöpft und geschwächt ist und von einem noch nicht erschöpften anderen Männchen vertrieben wird. Ob das so stimmt, habe ich nicht überprüft.

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Ich kann nicht beurteilen, wie der Tarangire Anfang Januar aussehen sollte. Aber es gibt zumindest einige Stellen mit recht sattem Grün. Es soll aber immer noch zu wenig geregnet haben.

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Bei einer Gruppe Pavianen bleiben wir, um das Gruppenverhalten der Tiere zu beobachten. Die Bilder sind mit Ausnahme einiger Einzelaufnahmen leider nichts geworden.

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Warum sich diese Giraffe dem Bodenwuchs zuwendet, statt der Akazie auf normaler Kopfhöhe, weiß ich nicht.

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Und immer wieder tauchen Elefanten auf.

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Und am späteren Nachmittag auch immer wieder Giraffen. Was für ein elegantes Tier!

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Ob diese Elefantenkuh wohl trächtig ist oder nur etwas korpulent?

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Sieht aus wie ein Kaktus, ist aber kein Kaktus: Der Kandelaberbaum.

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Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Schabrackenschakale erwachen zum Leben.

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Und auch nicht schlecht, finde ich diesen Herrn Specht, genauer gesagt Flammenkopf-Bartvogel.

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Gnus haben wir an diesem ersten Tag kaum gesehen. Dafür war eine Einzelaufnahme möglich. Die einzige von einem Gnu auf der gesamten Safari.

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Der erste Safaritag endet mit Mutter und Kind.

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Der Campingplatz ist kaum besucht. Neben uns und dem Personal ist dort in dieser Nacht nur noch ein Selbstfahrer-Paar. Die erste Nacht im Zelt verläuft ohne Besucher. Ein paar Löwen hört man in der Ferne brüllen aber zu Gesicht bekommen wir in der Nacht nichts. Und auch am Morgen gibt es – von den Affen in der Umgebung abgesehen – nichts zu entdecken. Die Bäume in der Umgebung des Campingplatzes sehen allerdings schon so aus, als hätten sie regelmäßig Elefantenbesuch.

Fortsetzung folgt
Zitierenzuletzt bearbeitet 09. Feb. 2026Original ↗
1'522 Beiträge · seit 201109. Feb. 2026 · #20
Guten Tag,

"die einzige Gnufoto auf diesem klassischen Nordcircuit " im Januar..........

mmmh.......in welcher Ecke wart Ihr??????? 😄 😄 😄 😄

Lg...................BMW
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